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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

J!i 164

DieVtzerheMlche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Dec Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser» Zeitungsstellen und' der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Freitag. 16. Juli 1909.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llnioersttätSbuchdruckeret Inhaber Dc. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Fürst Bülows Kanzlerschaft

hat als Abschluß auf dem Gebiete der auswärtigen Politik einen glänzenden Erfolg zu verzeichnen ge- ßabt. Der Einsetzung unserer kriegerischen Kraft für die kaiserliche Friedenspolitik verdanken die Völker Europas die Erhaltung des Friedens; die Deutschland gebührende Stellung im europäischen Konzerte ist gegen jede Verdunkelung gesichert. Wenn dem Fürsten Bülow ein gleich glücklicher Abschluß auf dem Gebiete der inneren Politik ver­sagt blieb, so bedarf es nur eines Rückblickes auf das unter seiner Leitung auf diesem Gebiete Er­reichte, um zu einem richtigen Urteile zu gelangen. Durch den Zolltarif von 1902 und die auf diesem aufgebauten Handelsverträge ist das deutsche Er­werbsleben, insbesondere Landwirtschaft und In­dustrie auf eine für lange Jahre gesicherte Grund­lage nach dem Gesichtspunkte gleichmäßigen Schutzes aller Zweige der heimlichen schaffenden Arbeit gestellt worden. Die Früchte dieser Wirt­schaftspolitik hat namentlich die deutsche Landwirt- 'Erntet, die aus der überaus schwierigen Lage unter der Caprivischen Zollpolittk zu erfreu­licher Blüte gelangt ist. Die bis dahin stetig und rasch wachsende Hochflut der Sozialdemokratie ist zurückgedämmt und in rückläufige Bewegung ge­bracht worden. Der polnischen Gefahr ist, wie immer und in verschiedenen Formen sie austrat, mir der Politik planmäßigen und kräftigen Schutzes des Deutschürms in den Ostmarken wirk­sam entgegengetreten worden. Und wenn die auS den Reichstagswablen von 1907 hervorgegangene Mehrheit des Reichstages bet der großen Aufgabe der Reichsfinanzreform versagt hat, weil das ihr gemeinsame Rationalgefichl nicht stark genug war, die vorhandenen parlamentarischen Gegensätze so ju überbrücken, wie dies bei dem doch auch aus so verschiedenen politischen Richtungen zusammen­gesetzten Zentrum der Fall ist, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß die Reichstagsauflösung von 1906 nicht nur die Uebermacht einer einzelnen Partei, des Zentrums, beseifigt, sondern auch in erster Linie zu der Gesundung der Reichsfinanzen geführt hat. Denn es ist sicher, daß von der aus den Reichstagswahlen von 1907 hervorgegangenen Mehrheit die Bewilligung von einer halben Mil- liarde Mehreinnahmen, darunter über drei Viertel Steuern auf den Verbrauch der großen Masien, niemals zu erlangen gewesen Wäre. Man wird daher, von Geringerem abgesehen, auf das Kredit­konto des Fürsten Bülow auf dem Gebiete der inneren Polifik gutzuschreiben haben eine die Blüte des heimischen Erwerbslebens auf lange Zeit sichernde Wirtschastspolittk, die erfolgreiche Bekämpfung der beiden nationalen Gefahren des Sozialismus und des Polonismus, sowie endlich die Beseitigung der Finanznot des Reiches, die sein Ansehen nach außen nnd seine Krast im In­nern zu erschüttern drohte. Fürst Bülow kann damit auch auf dem Gebiete der inneren Politik mit Befriedigung auf das von ihm Erreichte zu­rückblicken, und das deutsche Volk ist ihm auch für

16 lRachdruck verboten.)

Gin Sommertraum.

Roman von Ä. van Beeker.

kFortsetzung.)

Heinrich Werner sagte es sich mit leiden­schaftlicher Bitterkeit und glühendem Groll, während seine Augen mit finsterem, verzehren­den Blick der schlanken Gestalt folgten, die, ohne ihn auch nur mit einem Blick zu streifen, am Arme des Geheimrates sich jetzt langsam durch die sie umdrängenden Menschen bewegte. Er fühlte es bis in den tiefsten Punkt seiner Seele, daß sie nur allein für ihn jene Worte gesungen batte, deren jedes ein Klang aus ver­gangener Zeit, eine sehnsüchtige Klage um die­selbe gewesen.

War das Wahrheit? Oder log und trog sie wie damals, wenn sie ihm den Gedanken an nicht endende, nie vergesiene Liebe in das Herz singen wollte? Und vorher jener Blick mit seiner abgrundtiefen, leidenschaftlichen Zärtlichkeit, mit der ganzen Innigkeit einstiger Gefühle! O, daß er sich gegen den von ihr ausströmenden Zauber nicht bester wehren konnte, daß all die Panzer, die Vernunft, Erfahrung und fester Wille um sein Herz gelegt hatten, wie Schnee vor der Sonne schmolzen und er die alte Liebe mit un­überwindlicher Macht in sich auflodern fühlte. Wilder, heißer, begehrenswerter wie je, nicht geschwächt, sondern gestärkt, durch die Jahre nicht verblaßt, sondern farbenkräftiger und glühender im Herzen des Mannes wie damals in dem des Jünglings. Es war zum Ver­zweifeln! Wo fand er Rettung?

Rita hatte, als der Doktor die Sängerin in Wn Musiksaal führte, auch ihren Platz hinter

die Leitung seiner Geschäfte auf diesem Gebiete Dank schuldig.

Der Wechsel in der Regierung.

Der Reichsanzeiger veröffentlicht folgende Verordnung:

Seine Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht:

dem ReichÄanzler, Präsidenten des Staats­ministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten Fürsten von Bülow die nach­gesuchte Entlastung aus seinen Aemtern unter Verleihung des Ordens vom Schwarzen Adler mit Brillanten zu erteilen und den Staatssekre­tär des Innern, Vizepräsident des Staatsmini­steriums, Staatsminister Dr. von Bethmann- Hollweg zum Reichskanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswär­tigen Angelegenheiten zu ernennen

den Staatsminister Delbrück zum Staats­sekretär des Innern zu ernennen und mit der allgemeinen Stellvertretung des Reichskanzlers zu beauftragen,

den Staatssekretär des Reichsschagamts. Staatsminister Sydow, von seinen Dienstgeschäf­ten zu entbinden und den Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, Wirklichen Geheimen Rat Wermuth zum Staatssekretär des Reichs­schatzamts zu ernennen.

den Staatsminister Delbrück von der Ver­waltung des Ministeriums für Handel und Ge­werbe zu entbinden und den Staatsminister Sydow zum Minister für Handel und Gewerbe zu ernennen, >

dem Staatsminister und Minister der geist­lichen rc. Angelegenheiten Dr. Holle die nachge­suchte Dienstentlastung unter Belastung des Titels und Ranges eines Staatsministers und unter Verleihung des Roten Adlerordens erster Klasse mit Eichenlaub zu erteilen und

den Oberpräsidenten der Provinz Branden­burg, Kammerherrn von Trott zu Solz zum Staatsminister und Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten zu ernennen.

den UnterstaatSsekretär in der Reichskanzlei, Kammerherrn von Loebell unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem PrädikatExzellenz" zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg zu ernennen.

Berlin,14. Juli. Der Kaiser hat an den Fürsten v. Bülow folgendes Handschreiben ge­richtet:Mein lieber Fürst! Aus Ihrem er­neuten Gesuche habe ich zu meinem schmerzlich­sten Bedauern ersehen, daß Sie entschlossen sind, von Ihren verantwortungsvollen Aemtern als Reichskanzler, Präsident des Staatsministeri­ums und Minister der auswärtigen Angelegen­heiten zurückzutreten. So schwer es mir fällt, auf Ihre bewährte Kraft bei der Leitung der Reichsgeschäfte zu verzichten und das Band ver­trauensvollen Zusammenwirkens, das mich so viele Jahre mit Ihnen verbunden hat, zu lösen, habe ich doch in Würdigung der gewichtigen Gründe Ihres Entschlusses geglaubt, Ihrem dringenden Wunsche mich nicht länger ver­schließen zu dürfen. Ich habe daher Ihrem Anträge entsprochen und Ihnen die erbetene

dem Teetisch verlassen und sich still in eine der tiefen, halbverhangenen Fensternischen les Ne­benzimmers gestellt. Sie stand dort so ver­steckt, daß Max, der alle Räume mit suchendem Auge durcheilte, sie erst kurz vor Beginn des Gesanges bemerkte, aber es doch noch möglich machte, sich hinter dem Rücken beider Mütter aalgeschmeidig bis dicht zu der hellen Gestalt durchzuwinden. Er wollte ja nicht mit ihr sprechen, nur sie sehen und ihr' nahe sein, und als drüben die Sängerin mit dem erften Ton einsetzte, da stand er so dicht neben der bis jetzt ängstlich Vermiedenen, daß er ihr gerade in die Augen schauen konnte, in diese braunen, klaren Augen, die sich bei dem seltsam passenden Text des kleinen Liedes mit einem solchen Blick von Schmerz, Vorwurf und Liebe in die feinen senkten, daß all seine zurückhaltenden Vorsätze jäh zusammenbrachen und er den Blick leiden­schaftlich zärtlich erwiderte.

Hastig senkte Rita die langen, dunklen Wim­pern und nestelte verwirrt an dem in süßer Erinnerung gewählten Maßliebchenstrauß, als Maxens Stimme leise an ihr Ohr schlug:Spre- che^die Maßliebchen noch dieselbe Sprache wie

Es war nicht die gewöhnliche Schelmerei, sondern ein diesen lachenden Sternen fremder Ernst, als sie, die Augen zu ihm aufschlagend, im Ton des eben verklingenden Liedes leise er­widerte:Einst war es Sommer mein Herze, schweig!"

Erblassend trat Max einen Schritt zurück. Rita, ist das alles, was die Blumen sagen? '

Mit dem gleichen ernsten Blick ward ihm die halb fragende Antwort:Mir ist, als hätte sich feiteinst" manches geändert!"

Entlassung gewährt. Es ist mir aber ein Be­dürfnis des Herzens, Ihnen bei dieser Gelegen­heit für die Hingebung und Aufopferung, mit denen Sie in den verschiedensten Aemtern und Stellungen Ihrer ehrenvollen und segensreichen Dienstlaufbahn meinen Vorfahren, mir und dem Vaterlande so hervorragende Dienste geleistet haben, meinen wärmsten Dank auszusprechen. Gott der Herr schenke Ihnen nach einem so taten« und arbeitsreichen Leben noch viele Jahre unge­trübten Glückes. Indem ich Ihnen als äußeres Zeichen meiner dankbaren Anerkennung und Zuneigung den hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten verleihe und die Insig­nien desselben hierneben zugehen lasse, verbleibe ich Ihr Ihnen stets wohlgeneigter dankbarer Kaiser und König Wilhelm I. R."

Berlin, 14. Juli. Se. Majestät der König haben an den Staatsminister Dr. Holle folgen­des Handschreiben gerichtet:Mein lieber Staatsminister Dr. Holle! Nachdem ich Ihnen durch Erlaß vom heuttgen Tage die wiederholt nachgesuchte Dienstentlassung in Gnaden erteilt habe, kann ich es mir nicht versagen, Ihnen für die treuen, aufopferungsvollen Dienste, welche Sie in allen Ihnen anvertrauten Aemtern mir und dem Vaterlande geleistet haben, meinen wärmsten Dank auszusprechen und damit herz­liche Wünsche für weitere Kräftigung Ihrer, durch die Bürde des verantwortungsvollen Am­tes angegriffenen Gesundheit zu verbinden. Als Zeichen meiner Anerkennung und meines Wohl­wollens verleihe ich Ihnen den Roten Adler­orden erster Klasse mit Eichenlaub, dessen In­signien hierbei folgen. Ich verbleibe Ihr wohl­geneigter König Wilhelm R." Berlin, im Schloß, 14. Juli. An den Staatsminister Holle.

Berlin, 14. Juli. Das königliche Staats­ministerium ist unter Vorsitz des Ministerpräsi­denten heute zu einer Sitzung zusammenge- treten

Berlin, 14. Juli. DieNorddeutsche All­gemeine Zeitung" schreibt: Reichstagsabgeord­neter Frhr. v. Eamp richtete an den Fürsten Bülow folgendes Telegramm:Eurer Durch- laucht sprechen die zum Abschiedsessen versam­melten Mitglieder der Reichspartei ihr tief­empfundenes Bedauern aus, daß Ihre nach innen und außen so erfolgreiche Kanzlerschaft ein Ende finden soll. Wir werden die hohen Verdienste Eurer Durchlaucht um die Entwick­lung des Reiches immer in dankbarer Erinner­ung behalten, und es gereicht uns zur besonderen Genugtuung, Ihre Politik stets und bis zuletzt unterstützt zu haben. Frhr. v. Eamp."

Darauf antwortete Fürst Bülow:Eurer Hochwohlgeboren danke ich aufrichtig für die warm empfundenen Worte, die Sie namens der Reichspartei aus Anlaß meines Rücktritts an mich gerichtet haben. Ich werde nicht vergessen, wieviel die freikonsernative Partei für das In­teresse des Reichs und die Ziele meiner Politik in treuer, erfolgreicher Mitarbeit geleistet hat. Fürst Bülow."

DerNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge besuchte das Prinzenpaar August Wil­helm gestern das Reichskanzlerpaar Bülow.

Berlin, 14. Juli. Die Norddeutsche All­gemeine Zeitung" meldet: Dem Geheimen Re-

Er verstand wohl den Sinn ihrer Worte, und im aufwallenden Gefühl seiner plötzlich klar bewußten Liebe, die keinen Schatten zwischen ihm und ihr dulden mochte, sagte er hastig und eindringlich:Rita, ich bin ein schwacher, leicht­beweglicher Mensch, ich bin vielleicht nicht wert, daß ein reines, starkes Herz sich mir zuneigt und mich in seinen Schutz und Schirm nimmt; aber gerade so, wie ich bin, brauche ich eine treue, feste Liebe. Glauben Sie, daß ein Weib so edel und selbstlos fein kann, trotz aller meiner Fehler mir diefelbe zu schenken?"

Ihre Augen hatten einen feuchten, weichen Schimmer, als sie jetzt groß zu ihm auffchauten: Ja, ich glaube, daß eine Frau so lieben kann, wie Sie es verlangen!"

Rita, liebe Rita, was sagen Ihre Maß­liebchen jetzt?"

DasseÄe wie damals: Kann garnicht von Dir lassen!"

Er faßte leidenschaftlich ihre halb in den Falten des Kleides verborgene Hand.Mein süßes, geliebtes, kleines Mädchen, Gott helfe mir, daß ich Deiner Liebe stets würdiger werde! O, wären wir jetzt, wie einst, im Walde, damit ich Dich an mein Herz ziehen und Deinen Mund mit tausend Küssen bedecken könnte!"

Rita erglühte unter Maxens Worten wie eine Moosrose, aber der Schelm brach schon wie­der bei tijt durch. Sich ein bißchen kokett zu­rückbeugend, sagte sie mit angenommener Ent­rüstung:Mein verehrter Herr Assessor, erst bitte ich mit eine regelrechte Liebeserklärung aus? Denn soweit meine Erfahrungen und Ideen in dieser Angelegenheit reichen, liegen vorläufig die Verhältnisse «ch sehr verkehrt,

gierungsrat Wahnschaffe, vortragenden Rat der Reichskanzlei, wurde der Kronenorden 3. Klaff« verliehen.

Berlin, 14. Juli. Die Kaiserin empfing heute nachmittag den Fürsten und die Fürstin von Bülow in Audienz. Später erteilte die Kaiserin von Bethmann-Hollweg, dem sächsischen Gesandten Frhr. v. Salza und dem bulgarischen Gesandten General Nikyforow die nachgesuchten Audienzen.

München, 14. Juli. DieKorrespondenz Hoffmann" meldet: Zwischen dem deutschen Kai­ser und dem Prinzregenten hat ein Austausch solgender Telegramme stattgefunden: Das Te­legramm des Kaisers lautet: Eurer königlichen Hoheit gestatte ich mit mitzuteilen, daß der Reichskanzler Fürst von Bülow zu meinem leb­haften Bedauern erneut um seine Entlassung eingekommen ist. Ich habe seinem Wunsche ent­sprochen und den Staatssekretär des Innern, Staatsminister von Bethmann-Hollweg, zu feinem Nachfolget ernannt. Wilhelm."

Der Prinzregent antwortete: Eurer Maje­stät danke ich herzlichst für die gütige Mitteilung über den Rücktritt des Fürsten von Bülow und die Ernennung seines Nachfolgers. Auch ich be­dauere das Ausscheiden des Fürsten aus feinem Amte lebhaft und begleite die Wahl des neuen Kanzlers mit den besten Wünschen für das Wohl des Reiches."

Die Entlassungsszene ging in dem gegen­über der Burgstratze belegenen kleinen Schloß­garten vor sich, und ein hundertköpfiges Publi­kum konnte sie beobachten. Der Kaiser und Fürst Bülow promenierten hier in lebhaftem Gespräch, zuweilen Arm in Arm, bis gegen 11 Uhr. Zum Schluß umarmte der Kaiser de» Kanzlet; dann empfing der Kaiser den neuen Kanzler und nach ihm die Gesandten^ von Bayern, Sachsen und Württemberg. MitHhnen sprach der Kaiser fast eine Stunde. Zum Schluß kamen die neuen Männer Sydow, Delbrück, Wermuth und Trott zu Solz zur Audienz.

von Bethmann-Hollweg.

Die Bcthmanns sind ein altes goslarsches Ge­schlecht, das in der alten Kaiserstadt 1416 erscheint nnd im sechzehnten Jahrhundert zu den ratsfähigen Geschlechtern gehört. Konrad Bethmann, geboren 1652 zu Goslar, gestorben 1701, war Münzmeister deS Fürsten von Nassau, de» Deutschen Ordens und des Kurfürsten von Mainz. Die vier Kinder seines Sohnes Simon Moritz kamen nach dem frühen Tode ihres Vaters zu ihrem Oheim Jakob Adami Bethmann in Frankfurt a. M der ihnen eine sorgfältige Er­ziehung angedeihen ließ. Nach dem Tode des Oheims führten ztvei dieser Kinder, Johann Philipp und Simon Moritz, das Geschäft ihres Oheims fort und firmierten seit dem 2. Januar 1748Gebrüder Beth- Hgnn", welchen Namen die Firma bis auf den heu­tigen Tag beibehalten hat. Unter dem Sohne Johann Philipps, der ebenfalls Simon Moritz hieß, gelangte das Geschäft, ein Bankgeschäft, zur höchsten. Blüte. Dieser Simon Moritz Bethmann, der 1826 starb, wurde 1808 vom Kaiser von Oesterreich in den Adels­stand erhoben. Von seinen drei Schwestern heiratete die eine, Susanne Elisabeth, im Jabre 1780 bett Associe der Gebrüder Bethmann, Johann Jakob Holl­weg, welcher Namen und Wappen hör Familie Beth­mann annahm und auf diese Weise der Stifter der Familie Bethmann wurde.

und anstatt seiner hat bis jetzt nur sie gehan­delt und gesprochen?"

Ja. was kann ich dafür?" lachte Max über­mütig im Gefühl seines Glückes auf.Meine reizende Erwählte zeichnet sich vor allem darin aus, daß sie nicht nur das letzte, sondern auch das erste Wort haben muß? Ich fürchte, Rita, in der Ehe werde ich überhaupt nicht mehr zn Worte kommen?" ;

Das wird ganz an Ihnen liegen, denn wer zuerst etwas weiß, der spricht es auch zuerst!"

Jawohl Du wirst aber immer zuerst etwas wissen! Mein« einzige Rettung wird fein, Dir die Worte vom Munde zu küssen! Und wenn Du jetzt nicht gleichDu" zu mir sagst, so fange ich meine eheliche Verteidigung schon hier an und küsse Dir dieses kluge und süße Wort vom Munde!"

Du wärst es imstande, Nichtsnutz!" lachte sie und wich soweit von ihm zurück, daß die Kommerzienrätin, die eben, sehr zu ihrem Ent­zücken, von einem alten General zum Büfett ge­führt wurde, die Tochter in ihren Armen auf­fing und mit dem entrüsteten Ausruf:Aber Rita?" das selbstvergessene junge Paar in die Gegenwart zurückführte.

Im Nu war Max an Ritas Seite, und ihr den Arm bietend, fragte -er laut:Erlauben Sie, mein gnädiges Fräulein, daß ich Sie zu meiner Schwester führe und dann für die Erhaltung und Ernährung Ihres Körpers sorgen darf?" wobei er leise hinzufügte:Du gehörst mm äußerlich und innerlich zu mir, Prinzeß Heber* mut, und wenn Du nicht ganz zahm und artig bist, dann bekommst Du erstens mal nichts xt essen und zweitens, Du weißt ja küsse ich Dich!^

(Fortsetzung folgt.)