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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain I

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschastlrche Betlage-

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DieGvcrhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich ourch die Po'st bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgc'N!, bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Donnerstag, 15. Juli 1909.

Die Fniertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioerfitätSbu hdruckere t Inhaber Dr. C. Hiyeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

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Aus dem Steichstage.

Der Reichstag steht heute am Schluß einer außer- gcwohnlich langen. ben>egtcn und inhaltrcichen Ses- fton. Abgesehen von den Besoldungsgesetzen wurde »och ein gut Teil rückständiger Beratungsstoff erledigt.

Zunächst wurden teils ohne, teils nach unerheb­licher Erörterung das Abkommen mit Dänemark über den gegenseitigen Schutz von Mustern und Modellen, der Frcundsckmftsvertrag mit Venezuela und in dritter Lesung das Gesetz betreffend die zollwidrige Verwen­dung von Gerste und das Schankgefäßgesetz angenom­men. Dann gab cs einigen Aufenthalt wegen einer Ausgabe von rund 300 000 Mk. für eine Helling und einen Molcnauerarm in Swakopmund, für die der Reichstag die verantwortlichen Kolonialbcamten regreßpflichtig machen wollte. Der Beschluß wurde denn auch gegen den Widerspruch des Kolonialstaats­sekretärs nufrechterhalten. Nach Erledigung einer großen Zahl von Petitionen fand sodann endgültig der von der Budgetkommiffion ausgearbeitete Gesetz­entwurf über die Gewährung von Kriegsteilnehmer- beihülfen Annahme.

Dann wurden Wahlprüfungen erledigt mit fol­gendem Ergebnis: Ucbcr die Wahl des Abg. Dr. Contzc (nntL), 2 Minden, wird Beweiserhebung be­schlossen, die des Abg. Kölle (wirtsch. Vg.) nicht für gültig erklärt, sondern zu erneuter Prüfung an die Kommission zurückverwicsen, ebenso die der Abg. Kleve und Kaphengst, welch letztere beiden von der Kom­mission für gültig erklärt waren.

Beweiserhebungen wurden beschlossen über die Wahl des Abg. Euen (deutschk.) 3 Breslau, Spindler (Zcntr.), 3 Pfalz, Rieseberg (wirtsch. Vg.), 6 Magde- burg, Dr. Struwe (frs. Vg.), 9 Schleswig-Holstein, b. Saß-Jaworski (Pole), 5 Marienwerder, v. Schu- bert (Hosp, natl.), 6 Trier, von der Wense (Reichsp.), 15 Hannover. Die Wahlen der Abg. Oeser (dt. Vp.), 6 Wiesbaden, Graf v. Carmer-Zieserwitz (deutsch!.), 8 Breslau, v. Winterfeldt-Menkin (deutschk.), 4 PotS- daln, Legien (Soz.), 7 Schleswig-Holstein, Breh

8 Hannover und Haas (natl.), 6 Hessen wur­den für gültig erklärt.

Dann kam man zur dritten Lesung des Besol­dungsgesetzes. Trotz des kategorischen Neins der Ver- dundeten Regierungen hatte gestern die Linke ihr Wohlwollen für Beamten dadurch zum Ausdruck brin- äu muffen geglaubt, daß fie weitergehende An- t;a?e Die Mehrheit zeigte durch Annahme dieser Anträge, daß auch ihr solch Wohlwollen nicht fehlt aber die Verantwortung für das Scheitern der Vorlage fiel auf diese Weise der Linken zu. Nach- dern heute der Reichsschabsekretär den unerschütter- lichen Entschluß der Verbündeten Regierungen nach« 5ru(fhd) wiederholt hatte, wurde jedoch von Seiten der Mehrheit dem gefährlichen Spiel der Linken, es auf das Unannehmbar ankommen und die ganze Be­soldungsordnung scheitern zu lassen, durch einen An­trag auf Wiederaufhebung der gestrigen Beschlüsse ein Ende bereitet. Von Rednern der Mehrheitsparteien wurde diese Maßnahme als eine durch das Interesse der Beamten selbst gebotene Notwendigkeit bezeichnet, nur die Abg. Singer (Soz.) und Dr. Wiemer (frs. «p.! sprachen dagegen. In namentlicher Abstimmung fand der Antrag der Mehrbeitsparteien mit 234 gegen 79 Stimmen bei 14 Enthaltungen Annahme, und als dann in namentlicher Abstimmung über das ganze Gesetz ent,chieden wurde, stimmte dagegen niemand. Nur 13 Abgeordnete die Polen glaubten es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren zu können, weil rimge wenige aus der großen Zahl eineOstmarken- zulage" erhalten.

Nach Dankesworten des Abg. Baffermenn an den Präsidenten Grasen Stolberg für die Führung der Geschäfte und dem Gegendank des letzteren verlas der Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Innern v. Bethmann-H-llweg, die Allerhöchste Bot­schaft. durch die der Reichstag geschlossen wird.

Mit dreimaligem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser schloß die Sitzung.

(Nachdruck verboten.)

M« Sommerlraum.

r Roman von Ä. van Beeter.

(Fortsetzung.)

Warum waren Sie nur so gräßlich steif und unfreundlich gegen Fräulein Linden?" fragte Rita, verwundert zu dem Doktor aus- blickend.Wie ich Sie ansah, mußte ich denken, daß soviel Schönheit und Lieblichkeit gegenüber schwer kalt zu bleiben ist und man den Mann entschuldigen kann, der für solch bezauberndes * Geschöpf vom Wege abirrt!" Sie seufzte leise auf und zerbröckelte den kleinen vor ihr liegen­den Kuchen mit einem solchen Ausdruck von Sorge, daß Max. der eben, Ulli einige Anwei­sungen zuslüsternd, am Teetisch vorübereilte sich am liebsten herübergebeugt und das in sich 'ver­sunkene ernste Gesichtchen wieder froh und heiter geküßt hätte. Statt degen erteilte er dem Diener Befehl, im Musiksaal die Stühle zurecht- zur^cken, und bot galant der Kommerzienrätin den Arm, um sie in diesen hinüberzuführen.

Ein sich in der Gesellschaft befindender be­kannter Pianist hatte sich zu einem Vortrag bereit erklärt, und hastig ordneten sich die Zu­hörer. Nora saß in einem neben den Rollstuhl der Hausfrau geschobenen Sessel, und Werner, kn einer Linie mit ihr stehend, konnte nicht die Augen aufschlagen, ohne das sich klar von einer grünen Pflanzendekoration abhebende zarte Profil ihres Gesichtes zu sehen, aus dem die Augen voll aufgeschlagen, mit weitem, träu­merischem Blick in die Ferne schauten. Regungs- lo» lauschte sie de» oo» Meisterhand wiederge- *

Politische Umschau.

' Fürst Bülow und Italien. ~

Rom, 13. Juli. In einem Artikel über den Reichskanzler Fürsten v. Bülow sagt derPopolo Romano", der Trinkspruch des Fürsten bei seinem Abschiedsdiner lasse seine große Gestalt glänzend hervortreten. Das Blatt weist dann besonders auf die Tätigkeit des Fürsten in der inneren Politik Deutschlands hin und gibt seiner Bewunderung Ausdruck für Bülows moderne Ideen, für seine unerschütterliche Lauterkeit für seine Verwaltungs- gmndsätze und für seine parlamentarische Geschick­lichkeit. Der Arttkel schließt: Wir müssen jetzt dem Manne unsere Dankbarkeit und ein warmes Wort der Ergebenheit aussprechen der während zehn Jahren internationaler Politik es verstanden hat, Europa den Frieden zu geben und Dienste zu leisten, die seine Person mit Sympathie umstrah­len, die nicht verschwinden wird. Kein Land, mit Ausnahme Deutschlands, ist vielleicht dem Fürsten Bülow soviel Tank schuldig wie Italien, dessen wärmster, überzeugtester und aufrichtigster Freund er war. In Italien brachte er seine Ferien zu, in Rom wird er wahrscheinlich längeren Aufent­halt nehmen; er soll uns willkommen sein. Die Sympathie der Italiener, die ihn während des Ausstiegs seines politischen Lebens begleitete, wird ihm mit derselben Wärme bei seiner Rückkehr ins Privatleben folgen.

Bei der Eesamtabftimmung über die Reichs­finanzreform

am Sonnabend haben die Parteien der Rechten und des Zentrums geschlossen dafür, die libera­len Parteien und die Sozialdemokratie ge­schlossen dagegen gestimmt. Mit der Linken stimmten die Welfen und der Däne. Von den Fraktionslosen stimmten dafür Delsor. Hilpert, Graf Stolberg-Wernigerode, Dr. Ricklin, Leh- mann-Jena, Graf Oriola, Frhr. Heyl zu Herrns­heim, dagegen de Wendel, de Erögoire, Kabelt; es enthielten sich der Stimme Wildberger (bei keiner Fraktion), Linz (natl.). Außerdem fehl­ten einige Nationalliberale: Dr. Arning, Haas, Mertel, Osann, Sieg, Dr. Stresemann. Von den übrigen Parteien fehlten: Bebel (Soz.), Büning (kons.), v. Chrzanowski (Pole), Di. Doormann (Frs. Vpt.), v. Dziembowski (Pole), Fischbeck (Frs. Vp.), Gothein (Frs. Vgg.), Heine (Soz.), Labroise (b. k. F.), Leonhart (Frs. Vp.), Nauck (Reichsp.), Naumann (Frs. Vgg.) Oeser (Reichsp.), Dr. Opferqelt (Z.), Dr. Potthoff (Frs. Vgg.), Preiß (b. k. F.), Fürst Radziwill (Pole), Sachse (Soz.), v. Saß (Pole), Seyda (Pole), Spethmann (Frs. Vpt.), v. Staudy (kons.), Stücklen (Soz.), Stupp (Ztr.), Vogt (Hall, Wirtsch. Vgg.), Wetterle (b. k. F.), Wink­ler (kons.)

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Kiel, 13. Juli. DerMe­teor" dieIduna", dieHohenzollern" und der Sleipner" sind heute nachmittag gegen 2 Uhr im Hafen eingelaufen. Der Kaiser befand sich auf demMeteor".

Der Kaiser und Elsaß-Lothringen. Straß­burg, 12. Juli. Auf das Huldigungstelegramm

gebenen Klängen eines Chopinschen Scherzos, dessen Töne so oft in jenen längst vergangenen Sommerlagen unter Werners Fingern hervorge- quollen waren, und mit qualvoller Unruhe fragte sich dieser, ob sie dessen jetzt auch gedenke? Ob noch eine Erinnerung jener Zeit im y>er= zen nein, nur in den Gedanken dieser blassen, stillen Dame lebe? War es die Macht seines Blickes, der leidenschaftlich an ihren Zügen hing, ober war es das eigene Gedenken? Lang­sam wandte sie den Kopf, und groß und tief in gleicher Frage und Klage tauchten die bei­den Augenpaare ineinander über die Gegen­wart und die Umstehenden hinfort, nur in- und füreinander, in sekukkdenlanger, selbstvergesse­ner Leidenschaft. Dann senkte sie langsam die Wimpern, ein feines Rot stieg in ihr blasses Gesicht, und er biß sich zornig in die Lippen und verwünschte die Schlange, deren alte Macht ihn zu diesem stummen Geständnisse verleug­neten Erinnerns bewegt hatte.

Der Vortragende hatte geendet, reichen Bei­fall gefunden, und das allgemeine Gespräch schwirrte wieder lustig und belebt durcheinander. Da beugte sich die Eeheimrätin zu Nora hinüber und fragte in bittendem Ton:Haben Sie ein kleines Lied für uns in Bereitschaft?"

Gewiß, aber nur ein ganz kleines und schrecklich einfaches! Eigentlich nur für die Dämmerstunde und für sich allein zu fingen. Aber wenn es Ihnen genügt, bin ich gern bereit, es Sie hören zu lassen."

Ach, lieber Doktor, Mar ist nicht zur Halft», wollen Sie so freundlich sein, Fräulein Linden nach dem Klavier zu führend wandte sich die

der Vereinigung von Vertretern der Regierung und des Landesausschusses, welche nach Schluß der diesjährigen Tagung einen gemeinsamen Ausflug nach der Hohkönigsburg gemacht hatten, ist aus SWerhall an den Staatssekretär Frei- Herrn Zorn von Bulach folgendes Antworttele­gramm des Kaisers eingegangen:Das Hul­digungstelegramm der auf der Hohkönigsburg versammelten Mitglieder des Landesausschusses und der Regierung von Elsaß-Lothringen habe ich gern und mit umso aufrichtigerer Freude ent- gegeogenommen, als das Wohlergehen der Rerchslande meine landesväterliche Fürsorge dauernd beschäftigt; daß es ihnen vergönnt sein möge, unter dem starken Schirm des Reiches sich ungestörter friedlicher Arbeit zu erfreuen und in immer engerem Anschluß an das alte deutsche Stammland sich zu frischem blühenden Gedeihen zu entwickeln, ist mein aufrichtig r Wunsch. Euer Exzellenz wollen meinen Dank den versammelt gewesenen Herren übermitteln und ihnen meinen kaiserlichen Gruß entbieten. Wilhelm I. R.

Aus demStaatsanzeiger". Berlin, 13. Juli. DerStaatsanzeiger" schreibt: Das Staatsministerium trat heute unter dem Vorsitz feines Präsidenten Fürsten Bülow zu einet Sitzung zusammen. DerStaatsanzeiger" ent­hält ferner Bestimmungen der Minister Delbrück und Breitenbach über eine Neuregelung der l en Zentral- und Provinzialbehörden zustehenden Be­fugnis zur Feststellung von Tarifen und Schiff­fahrtsabgaben. Es soll hinsichtlich der Zuständig­keit in Tarifsachen künftig unterschieden werden zwischen Befahrungsabgaben und sonstigen Schiff- fahttsgebühren.

Vom Bundesrat. Berlin, 13. Juli. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde der Be- foldungsvorlage in der vom Reichstage angenom­menen Fassung die Zustimmung erteilt.

Staatssekretär Nieberdiug. DieRotdd. Mg. Ztg." meldet: Reichskanzler Fürst Bülow hat an den Staatssekretär des Reichsjustizamts Rie­berding folgendes Telegramm gerichtet: In auf» richtiger Verehrung gedenke ich Eurer Exzellenz am heutigen Tage, an dem sich ein halbes Jahr­hundert feit Ihrem Eintritte in den Staatsdienst vollendet. Schwere Arbeiten schließt dieser Zeit­raum ein, aber auch reichen Erfolg, denn für immer wird der Name Eurer Exzellenz verknüpft sein mit dem großen Werke, das dem deusschen Volke die Einheit feines bürgerlichen Rechts brachte. Möge Eurer Exzellenz bewährte Kratt noch lange dem Reichsdienst erhalten bleiben. Reichskanzler Fürst Bülow.

Bon der Goltz-Pascha. Konstantinopel, 13. Juli. Die gesamte türttsche Presse begrüßt mit lebhafter Freude den Wiedereinttttt des Frhrn. v. d. Goltz in türkische Dienste.Jeni Gazetta" hebt die Dankbarkeit der ottomanifchen Patttoten für die Verdienste Deutschlands um die Reorgani­sation des türftschen Heeres hervor und betont die Haltlosigkeit der von der ausländischen Presse ver­breiteten Gerüchte, daß Frhr. v. d. Goltz politische Aufträge mitbringe.Sabah" drückt die Dank­barkeit der ottomanifchen Nation gegenüber dem Kaiser aus, der dem verdienten Heerführer einen

Eeheimrätin harmlos freundlich zu Werner und amüsierte sich innerlich hohnlächelnd, daß der steifnackige Mensch nun doch Ordre parieren und widerwillige Ritterdienste leisten müsse. Mit tadelloser Höflichkeit verbeugte sich Werner vor der unwillig Errötenden, die gleichwohl mit kühler Ruhe die Fingerspitzen auf feinen Arm legte und mit ihm dem Flügel zuschritt. Bis zu der Komödie einer flüchtigen Konversation, die hierbei fast selbstverständlich sein mußte, konnten sich die beiden nicht zwingen, und wer das gerade in seinem Gegensatz so prachtvoll zu- sammenpaffende Paar so kalt und uninteressiert nebeneinander hergehen sah, der konnte unmög­lich ahnen, wie heiß beiden die Herzen brann­ten und welch glühende Fäden dieselben einst verbunden hatten.

Vor dem Flügel verbeugte sich Werner, die feinen Fingerspitzen glitten von seinem Arm, und wie befreit von schwerer Last wollte er schleunigst den Rückweg antreten. Aber schon hatte sich der Kreis der erwartungsvollen Zu­hörer so dicht und weghindernd um das Paar geschlossen, daß der Docktor, wollte er nicht un­höflich störend eingreifen, neben dem Klavier stehen bleiben mußte, direkt mit dem Blick auf die vor ihm fitzende Sängerin. Denn Nora hatte lächelnd jede Begleitung abgelehnt mit der Bemerkung:Zu meinen einsamen, kleinen Dämmerstundenlickern gibt es gar keine ge­druckte Melodien. Das find wilde Waldvögel, die ich mal hier, mal dort einfing und nur mit eigener Hand festzuhalten verstehe." Dabei glitten die Finger träumerisch in weichen Akkor­den, leisen Triller» und dahinmurmelnden

Urlaub nach der Türkei gewähtte. DaS Sie# hebt ebenfalls den unpolitischen Charatter bet Mission des Frhrn. v. d. Goltz hervor und sagt, die Türkei hege den Wunsch, sich die Freundschaft Deuffchlands zu erhalten; Frhr. v. d. Goltz habe jedoch eine rein militätische Aufgabe, wie er auch früher sich von der Politik stets f eingehakten habe.

AuS Hessen. Darmstadt. 13. Juli. Den Landständen ist, derDarmst. Ztg." zufolge, von der Regierung eine Denkschrift jur Revision der Besoldungsordnung, zur Revision des Gesetzes über den Wohmmgsgeldzuschuß der Staats­beamten, über die Hinterbliebenen Versorgung der Staatsbeamten und über die Hinterbliebenen Ver­sorgung der Staatsbeamten und über die Gehalts- Verhältnisse der Volksschullehrer und -Lehrerinnen zugegangen.

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Ausland.

** Frankreich. Paris, 13. Juli. Das Amts­blatt veröffentlicht einen Erlaß, nach welchem der Kultusminister greifen, kranken ober bedürf­tigen Kongregationsmitgliedern die Ermächtig­ung erteilen kann, bis auf weiteres in jenen Gebäuden, die ehemals ihrer Kongregation ge­hörten, wohnen zu dürfen. Erforderlichen Falles muß der Liquidator solchen Kongregationsm' gliedern eine andere Behausung zur Verfüau.»? stellen.

** England und die Rüstungen. London, >?>., Juli. Eine hier abgehaltene Versammlung noch' Mitgliedern der internationalen Schiedsgericht» und Friedensgesellschaft nahm eine Resolution an, in bei bie englische Regierung dringend er­sucht wird, an die deutsche Regierung zum Zwecke der Beendigung bet Flottenkonkurrenz und der Herstellung eines herzlichen Einverneh­mens, ähnlich bet englisch-französischen Entente, heranzutreten. . ...___ . r

** Bom "alkan. Saloniki, 13. Juli. Da bie griechischen Banden täglich zunehmen, erhielten bie Militärbehörden den strengsten Befehl, bie Banden, bie sich nicht ergeben, tücksichtlos zu vernichten.

"^Bolivia. Lima, 13. Juli. Die Regierung beschloß, bei bet bolivianischen Regierung wegen bet Angriffe auf die peruanische Gesandtschaft in La Paz und auf verschiedene Peruaner in Bo­livien Protest einzulegen.

** Die Lage in Persien. Teheran. 13. Juli. Der nördliche Teil der Stadt ist vollständig in den Händen bet Nationalisten, welche in dem- selben patrouillieren und ausgezeichnet Ordnung halttn. Sipahdat und Sardat Assad halten das Medschli besetzt. Viele Mannschaften von den Kosaken des Schahs sind zu den Nationalisten übergegangen. Wie man annimmt, beabsichtigen die Nationalisten, bald in voller Stärke bas Stadtviertel anzua, eisen, bas von ben Kosaken besetzt ist. Die Bevölkerung ist enthusiastisch und ermutigt die Nationalisten. In der Nähe der englischen Gefandtfchatt wurde heute fiüh scharfes Eewehrfeuer vernommen. Die Natio­nalisten haben wenig Verluste zu verzeichnen. London, 13. Juli. Wie das Reuietsche Bureau erfährt, meldet ein in London einge­troffenes Ptivattelegramm aus Teheran, daß für die Europäer daselbst keine Gefahr bestehe. Die Nationalisten nahmen eine Telegraphen«

Läufen übet die Tasten, daß es wie Blätter­rauschen, Quellengetiesel und müdes Vogel­gezwitscher klang, bis eine schwermütige, einfache Melodie sich daraus entwickelte und bie Stimme bet Sängerin träumerisch einsetzte:

Ich ging im Walde Den alten Steig Einst gingen wir beibe Mein Herze, schweig? Der Herbstwind zittert Durchs Eolbgezweig Einst war es Sommer Mein Herze, schweig!"

Wie bie schwermütige Klage einer müben, gebrochenen Menschenseele, unsagbar süß unb un­sagbar traurig, schwebte bas kleine Lied übet die große, glänzende Versammlung hin, in jedem Herzen einen nachhallenden Ton anschlagend,' wie die Silberfäden des entschwindenden, flie­henden Sommers sich zärtlich um bie Seelen spinnend; unb als bie Hänbe bet Vortragenden nach einem kurzen, wie ein Seufzet verschmähen­den Nachspiel von ben Tasten sanken und sie sich mit einem lächelndenDamit müssen Sie für heute vorlieb nehmen" zu ihren Zuhörern wandte, da streckten sich ihr von allen Seiten Hände entgegen, und durch die Stimmen, bie ihr entzückten Dank aussptachen, klang unter­drückte Bewegung. Ja, sie war eine Sirene, ein weiblicher Rattenfänger von Hameln, bet die Hetzen der Menschenkinder rettungslos in! bie Schlingen seiner Schönheit unb Kunst einfing. ...... . .... '

(Fortsetzung folgt) *