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mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain M

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

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M 162

DieGberhrsftlchr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bez u g s preis beträgt viertel­jährlich durch dir Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 14. Juli 1909.

Die Insertion-gebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile

ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. ~ *ä ft firn

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei x)**V*u«

Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 54.

Streiks.

Die Ursache» von Streiks und willkürlichen Lrbeitsunterbrechungen sind äußerst mannig­faltig. In den meisten Fällen ge-en Lohndif­ferenzen, Lohnforderungen, das Verlangen nach Verkürzung der Arbeitszeit. Beschwerde über angeblich ungerechte oder rigorose Behandlung, Beschwerde über Mängel oder Mißstände in den Betrieben u. a. m. den äußeren Anlaß. Ver- ?ältnismäßig häufig werden Streiks herbeige- ührt, um gegen di« Entlassung von Arbeitern zu protestieren oder die Entlastung unorgani­sierter Arbeiter, bezw. die Wiedereinstellung entlassener organisierter Arbeiter zu erzwingen. Solche Versuche sind in den seltensten Fällen von Erfolg begleitet. In einem Falle wollten strei­kende Arbeiter durch Mastenkündigung die Wie- dereinstelluno von 15 entlassenen Arbeitern durchsetzen. Infolgedesten konnte die Firma einen geordneten Betrieb nicht aufrecht erhalten. Sie sperrte 576 weitere Arbeiter, der Kampf dauerte 6 Wochen. Der Streik war für die Arbeiter erfolglos. Die Firma gab nun das Versprechen, daß fünf von den entlasten«» Ar- bntern bei besterer Konjunktur wieder einge­stellt werden sollten. Noch bezeichnender i-st fol­ge «der Fall, über den aus dem Regierungsbe- zir ! Schleswig berichtet wird: Wegen Entlastung ein is einzigen in einer großen Kieler Werft be- fchä tilgten Schiffbauers, der die Uebernahme einer Akkordarbeit verweigert hatte, traten 502 Arb itter in den Ausstand, um die Wiederein- stellr ng dieses einen Arbeiters zu erzwingen. Nachdem der Streik einige Wochen gedauert hatte, nahm sich der Schutzverband der deutschen Seeschiffswerften der Sache an, indem er eine umfangreiche Aussperrung von Arbeitern auf allen dem Verbände angehörigen Werften an­drohte, wenn nicht die Ausständigen bis zu einem bestimmten Termin die Arbeit wieder ausgenommen haben würden. Da dies nicht geschah, wurde durch Anschlag bekannt gemacht, daß 60 Prozent aller auf den Werften der Kie­ler und Flensburger Föhrde beschäftigten und 30 Prozent der in den übrigen Verbandswersten tätigen Arbeiter ausgesperrt werden würden, falls die Streikenden nicht zur Z«tt zurückkehr- ten. Bei Fortdauer des Streikes sollten weitere 30 Prozent aller Arbeiter ausgesperrt werden. Auch der Arbeitgeberverband der Eisen- und Metallindustrie beschloß die Aussperrung je 30 Prozent seiner Arbeiter für die bestimmten Tage. Die angedrohte Aussperrung trat ein und erstreckte sich im Regierungsbezirk auf etwa 4600 Arbeiter: im ganzen sollen 12 000 Arbeiter davon betroffen worden sein. Erst jetzt war der Widerstand der Ausständigen gebrochen; sie erklärten sich.bereit, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. -Ihnen wurde jedoch er­öffnet, daß auf alle Fälle drei Fünftel aller Streikenden wieder zur Arbeit erscheinen müß­ten. Dieser Bedingung wurde entsprochen, und die Ausgesperrten wurden wieder eingestellt.

Die Leichtfertigkeit und Gewissenlosigkeit, mit der in diesem Falle wegen eines einzigen Arbeiters eine Machtprobe veranstaltet wurde,

45 (Nachdruck verboten.)

Girr Sommerlraum.

Roman von K. van Setter.

(Fortsetzung.)

Da haben Sie recht, gnädiges Fräulein aber bei einem alten Philister, wie mir, ist das nicht sehr wunderbar, während bei einer elegan­ten jungen Weltdame, wie Sie, solche Empfin­dungen nicht normal und nicht zu erwar­ten sind?"

Hm!" machte Rita mit tiefsinnigem Glicht. Allemal kann man nit lustig sein, allemal ist man nit froh! Mir ist heute «ine Katze über den Weg gelaufen, und ich bin mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett gestiegen alles Dinge, die im Verein mit gewisten Eemütsstim- mungen den Humor stören und die Lust am Gesellschaftsjubel verleiden können?"

Der Doktor schaut« prüfend in das Gesichtchen vor ihm, das trotz der halb neckisch gehaltenen Auseinandersetzung einen Schatten von Trauer zeigte, und als er, ihrem beinahe finsteren Blick folgend, Max eben mit leichten Schritten der Eiiigangstüre Meilen sah, kam ihm trotz all dessen, was auf feiner eigenen Seele lag, doch der Gedanke daran, daß vielleicht jetzt der rich­tige Augenblick sei, um mit einer Anfrage oder einem wegweisenden Wort das zwischen dem Freunde und Rita schwebende Dunkel zu lichten. Indem er dazu ansetzen wollte, fiel, durch eine allgemeine Bewegung aufmerksam gemacht, sein Auge auf die Tür des Musiksaales, durch die soeben im langschleppenden, schwarzen Tüllkleid, dessen ernster Ton nur durch einen an der b-refiiate.v Straub alühender Nelke» er»

kann wohl kaum überboten werden. Angesichts eines derartig unglaublichen Vorfalles kann man sich nicht genug des Segens freuen, den die Arbeitgeberverbände stiften, indem sie durch die Macht ihrer Organisation das Streiffieber dämpfen, den gewerbsmäßigen Hetzern, di« nicht davor zurückscheuen, aus frivolen und nichtigen Anlässen das friedliche Verhältnis zwischen Ar­beitgeber und Arbeitnehmer zu stören, mehr und mehr das Handwerk legen und fo erzieherisch auf di« Arbeiterschaft wirken.

Aus dem Reichstage.

Auf bet Tagesordnung stand heute die zweite Le­sung des Besoldungsgesetzes. Da alle Res­sorts beteiligt sind, war der Vundesratstisch stark be­setzt. Es erschienen die Staatssekretäre Dr. v. Bkth- mann-Hoklweg, Dr. Rieberding, Frhr. v. Schön, Kraetke, Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben und eine große Zahl anderer Bevollmächtigter zum Bundesrat.

Nach Eröffnung der Sitzung bedauerten im Namen ihrer Negierungen der Hanseatische Ministerresident Dr. Klügmann, sowie der toürttem&ergifdjc und der sächsische Bundesratsbevollmächtigte, Oberst v. Dorret und Oberst Frhr. v. Salza, daß die Kommission Ham­burg bezw. Stuttgart und Dresden nicht der Orts­klasse A zugeteilt hat.

Dann erstattete Abg. Dr. Dröscher (kons.) ein ein­gehendes Referat über die Verhandlungen der Budget­kommission.

Dann legte Staatssekretär Sydow dar, daß die Verbündeten Regierungen mit den Kommiffions- beschlüssen, die 17 Millionen mehr erfordern, einver­standen sind, daß damit aber das äußerste Maß ihres Entgegenkommens erreicht sei. Zur Genugtuung ge­reiche es ihm was das Gesetz über den Wohnungs­geldzuschuß anbelange, daß der Reichstag sich von der Richtigkeit des Grundgedankens für die neue Ortsklasseneinteilung, den durchschnittlichen Zimmer- preiS der in dem betreffenden Orte wirklich gezahlten Miete für die Einreihung entscheidend sein zu lassen, schließlich doch überzeugt habe; ein anderer Weg sei tatsächlich nicht gangbar. Der Wohnungsgeldzuschuß solle 94 der so ermittelten Miete ausmachen. Der von der Kommission beschlossenen Klassifizierung eS sind 71 Orte herauf-, nur 2 herabgesetzt stimm­ten die Verbündeten Regierungen zu. Man möge nichts ändern wegen der Konsequenzen für andere Städte: überdies erhalte der Bundesrat durch das Gesetz die Befugnis in Ausnahmefällen, einzelne Orte schon 1918 heraufzusetzen. Der Staatssekretär be­dauerte, daß die sonst stets beobachtete Homogenität im Reich und Preußen nicht habe gewahrt werden können, weil der preußische Landtag früher feine Be­schlüsse fassen mußte. Vielleicht ließe sich die Ueber- einstimmung noch erzielen, da die preußischen Be­schlüsse nur 2 Jahre gelten. Die Unterbeamten, die schon 1906 günstig bedacht seien, kämen durchaus nicht schlecht weg. Die Verbesserung für sie betrage 16,06 v. H., für die mittleren 13,08, für die höheren 8,12 v. H. Von den 17 Millionen Mehrerfordernis wür­den 3 bis 4 durch Herabsetzung des Anteils der Einzelstaaten an der Erbschaftssteuer gedeckt, der Rest sei nur durch einen Aufschub der Erhöhung der Mannschastslöhnung erhältlich. Ob letztere 1910 möglich sei, wäre zweifelhaft. Der Staatssekretär hob sodann die Pflichttreue und Arbeitsfreudigkeit der Be­amten und Offiziere unter allseittger Zustimmung des Hauses hervor. Sie verdienten, aller Nahrungs­sorgen enthoben zu werden, andererseits aber müsse mit Rücksicht auf die übrigen Bevölkerungsschichten eine Grenze gezogen werden, die durch die Kommis- fionsbeschlüsse erreicht sei. (Beifall.)

Abg. Kopsch (frf. Vp.) begrüßte es, daß die Be­amten durch das Gesetz Rechtsgarantten für ihre Be­soldung, Ausrückung usw. erhalten, bemängelte aber die Kommiffionsbeschlüffe im einzelnen als nicht zu­reichend.

hellt wurde, an Maxens Arm die schlanke, graziös« Gestalt Noras erschien. Trotz aller Vorbereitung übte die blühende Wirklichkeit einen noch betäubenderen Eindruck aus wie das tote, farblose Bild. Der bräunliche Ton seines Gesichtes wurde um eine Schattierung matter, unb feine Hand legte sich mit eifernem Griff auf die Lehne des neben ihm stehenden Stuhles. Nun galt es fest sein und die Selbstbeherrschung aufrecht erhalten, denn, leicht grüßend und ab und zu ein flüchtiges Wort tauschend, schritt die Künstlerin, von Max geführt, direkt auf den Rollstuhl der Hausfrau und damit auf ihn zu. Hatte ihr schnell vorauseilender Blick ihn ge­funden und erkannt? Er konnte es nicht beur­teilen, kein Zucken des Gesichtes verriet lleber- raschung oder Bewegung, und mit höhnischer Bitterkeit sagte sich der Dottor, daß sie vielleicht in der Fülle der ihr Leben durchziehenden Per­sonen schon längst die flüchtige Sommertändelei vergessen habe, oder das schauspielerische Talent ihr so fest in der Natur begründet sei, daß selbst ein solches Begegnen ihr keinen Ausdruck wahrer Natur entreißen konnte.

Mittlerweile begrüßte die Eeheimrätin ihren ersehnten Gast mit wärmster Herzlichkeit und Freude, der sich der hinzutretende Hausherr und ein schnell sammelnder Kreis der Gäste auf das lebhafteste anschlossen, so daß Werner vollkom­men Zeit fand, sich zu fassen für den Augenblick seiner Vorstellung. Nora, all die auf sie ein­strömenden Worte mit freundlichem Lächeln und zeitweiser liebenswürdiger Antwort erwidernd, drohte dabei vor Aufregung und zitternder Ver­wirrung fast zu ersticken. Ihr erster Blick hatte Heinrich getroffen und erkannt, und die Unbe-

Deutsches Reich.

Die Kaiserflotille. Kaloe, 12. Juli. Die Kaiserflottlle, die heute früh 91/2 Uhr von Apen-

Abg. Dr. Spahn verwahrte das Zentrum gegen den Borwurf des Vorredners umgefallen zu sein. Er empfahl sodann mit denselben Gründen wie der Staatssekretär die Vorschläge der Budgeüommission.

Auch Abg. Beck-Heidelberg (natl.), der Beri-bt- erstatter für die Vorlage, hob in längerer Rede die Bereitwilligkeit seiner Freunde hervor, weiterzugehen.

Abg. Singer (Soz.) suchte die Unzufriedenheit der Unter- und mittleren Beamten zu schüren.

Finanzminister Frhr. p. Rheinbaben bestritt, daß Preußen hier wieder einmal die Ursache aller Hinder­nisse gewesen sei. Gerade Preußen sei mit den Ge­haltsaufbesserungen vorangegangen und habe dadurch große dauernde Lasten übernommen. Für das Reich und Preußen machten die laufenden Mehrausgaben zusammen 267 Millionen aus. Die Ansprüche der Beamten müßten bei allem Wohlwollen für sie in Ein­klang gebracht werden mit der Leistungsfähigkeit der Nation, die schon durch die soziale Gesetzgebung schwerer belastet sei. Bei weitergehenden Beschlüssen würde die ganze Besoldungsreform unbedingt scheitern. (Hört! Hört!) Die Beamten hätten sich für diesen Fall bei denen zu bedanken die sich in Anträgen und Forderungen nicht genug tun könnten, aber bei der Deckungsfrage versagten. (Beifall.)

Frhr. v. Gamp (Reichsp.): Mit bloßen For­derungen ist nichts getan. Die mittleren und Unter- beamten bekommen von den 117 Millionen iJber 100. Im preußischen Abgeordnetenhause haben sich auch die Sozialdemokraten mit den dort beschlossenen Gehalts­sätzen einverstanden erklärt. (Hört! Hört!) Der größere Teil meiner Freunde wird für die Beschlüsse der Kommission eintreten, während ein anderer Teil meiner Freunde es mit ihrem Gewissen vorläufig nicht vereinbaren kann, weitergehende Anträge obzu­lehnen. (Beifall.) .

Staatssekretär Svbo« bat nochmals, nicht an dem ganzen Gebäude zu rütteln, sonst falle eS zusammen.

Abg. Dr. Dröscher (kons.) wies auf die überaus sorgsälttge Prüfung bin, die den Kommissionsvor- schlägen voransaegangen fei. Die Verantwortlichkeit lege den Parteien die Pflicht ob, daS Parteiintereffe zurückzustellen und fiir das Zustandekommen der Be­soldungsform zu sorgen.

Weiter sprachen aus dem Hause LBg. Latimann (Wirtsch. 53g.) und Graf MielezinSky (Pole) in zu- sttmmendem Sinne. Der ReiÄsschatzfekretär teilte mit, daß in der heutigen Sitzung des BundeOrats die einstimmige Ansicht zum Ausdruck gekommen fei, daß weitergehende Beschlüsse völlig unannehmbar sind.

Dann soll über den leitenden § 1 abgestimmt wer­den; da jedoch in demselben auf die Desoldungs- ordnungen I und II verwiesen wird, so ist die Wieder­eröffnung der Diskussion über diese Skalen, die wie­der in eine Reihe einzelner Klassen zerfallen, not­wendig.

Abg. Emmel (Soz.) befürwortet eine Anzahl von Anträgen auf Besserstellung einzelner Beamtrn- kategorien. ,

Darauf wird ein Schlußantrag über die Besol­dungsordnung I und II angenommen. Es liegt hierzu außerdem ein gleichlautender Antrag der Na­tionalliberalen und Freisinnigen vor auf Zusammen­legung der Klassen 2 und 3 mit einer gemeinschaft­lichen Skala von 11001500 <*. Für diesen Antrag stimmen 172, dagegen 161 Abgeordnete; der Antrag ist somit angenommen.

Ein Antrag der Nationalliberalen und Freisin­nigen will die von der Kommission in erster f'c'ung beschlossene Zusammenlegung der Klaffen 4a bis 7, insbesondere Postunterbeamte, mit einem Gebalt von 12001800 M (statt nach dem Kommiffionsbeschluß zweiter Lesung 11001800 '<«) wiederherstellen. Dieser Antrag wird mit 200 gegen 134 Stimmen an­genommen.

Schluss de? Berichts unter .Letzte Nachrrchien .

fangenheit, mit der sie gewillt gewesen war, ihn als alten Bekannten zu begrüßen und die damals zeriffenen Fäden freundschaftlich sicher und harmlos wieder anzuknüpfen, erstarb ret­tungslos vor der veränderten, stolz männlichen Erscheinung des einstigen Jünglings und dem eisig kalten, zurückweisenden Ausdruck seines Ge­sichtes, den kein höfliches Entgegenkommen mil­derte, als die Eeheimrätin, sich ihres Schütz­lings erinnernd, ihn Nora mit den scherzenden Worten vorstellte:Liebe Nora, tret ist der neueste Freund unseres Hauses, Assistent meines Mannes, Intimus meines Sohnes, Musikvan- dale in der Theorie und heimlicher Mufik- enthusiast in der Praxis, Doktor Heinrich Wer­ner, den ich hiermit Ihrer liebenswürdigen Beachtung unb Bekehrung von der Theotte zur Praxis empfehle."

Die weltgewandte Künstlerin behauptete mit Mühe ihre gewohnte gesellschaftliche Fassung gezwungen lächelnd erwiderte sie, ohne den Blick zu dem vor ihr Stehenden zu erheben: Dazu scheinen mir stärkere Kräfte wie die meinen zu gehören. Der Herr Dottor sieht nicht bekehrungsmöglich aus, und ich strecke von vornherein die Waffen."

O," fiel die Geheimrätin lächelnd ein, in­nerlich empört über die unhöhfliche und unbe­greifliche Steifheit, mit der sich Werner nur schweigend verbeugte,das machen Sie klug wie immer, liebe Nora! Der Frau Waffe ist, als Kind sich fühlen und als Mann bewähren. Unser lieber Hausfreund, der nur äußerlich manchmal etwas den Bären spielt, wird solcher Waffestlosigkeit gegenüber gewiß am leichtesten zum Anhänger 3$t«t Kunst werdens"

rade in See gegangen ist, ist um 1 lUhr vormit­tags in der Gjenner Bnrch vor Anker gegangen.

Som Fürsten Bülow. Berlin, 12. JE Der Großherzog von Baden stattete heute vormit­tag dem Reichskanzler einen längeren Besuch ad.

Der Landwirtschaftsrat an den Fürsten Bü­low. Der Präsident des Deutschen Landwirt- schastsrats Graf von Schwerin-Löwitz hat an de« Reichskanzler Fürsten v. Bülow folgendes Tele­gramm gerichtet:Angesichts des von allen natto- nalen Kreisen des Landes aufs tteffte beklagte«, aber, wie es scheint, leider unabänderlichen Ent­schlusses Euerer Durchlaucht, aus Ihrem hohe« Amt zurückzichUten, drängt es mich, Euer Durch­laucht noch einmal den tief empfundenen Dank der gesamten deutschen Landwirtschaft für alles daS auszusprechen, was Eure Durchlaucht während Ihrer mehr als zehnjährigen Amtsführung für die deutsche Landwirtschaft, für Ihre Befreiung aus schwerer Notlage, ihren Schutz gegen immer neue Gefahren und ihre Entwicklung zu besserer Lage und größerer Leistungsfähigkeit getan habe«. Möge Euerer Durchlaucht in Ihrem Ruhestände das Bewußtsein Befriedigung gewähren, für alle Zeit der unvergänglichen und ungeteilten Dank­barkeit -aller deutschen Laudwitte sicher zu sein." Darauf ist folgende Antwott eingegangen: ,Für Ihr freundliches Telegramm bitte ich Sie, tzelnen herzlichsten Dank entgegenzunehmen und diesen Tank dem Deutschen Landwirtschaftsrat übermitteln zu wollen. Was meine Politik für die Landwirtschaft, wie überhaupt für den Schutz der nationalen Arbeit erstrebt und erreicht hat, das wird nach meiner Ueberzeugung nicht den Inter­essen einzelner Erwerbsstände sondern der ganzen deutschen Volkswirtschaft dienen. Um dieser Po­litik die Stetigkeit zu sichern, die nötig ist, um ihre Früchte reifen zu lassen, habe ich mich bemüht, in ihr das rechte Maß innezuhalten und Ueber- treibrngen zu vermeiden. Gerade deswegen kann ich mich dog Dankes, den Sic, verehrter Graf, mir namens der deutschen Landwirtschaft aussprechen, aufrichtig freuen und mich der Hoffnung hingeben, daß die r ".ter Führung des großen ersten Kanz­lers beschrittene wirsschaftspolitische Bahn noch lange von den gesetzgebenden Fattoren des Reiches i;>rc.eba)hn werden kann und wird. Reichskanficr Fürst Bülow.

Ge> eroleber ton der Goltz. Konstanti- wpcl, 12. Juli. E'nrraloberst v. d. Goltz ist heute mittag hier ringe-7es,en und namens der Bosschaft von Botschaft'' at > Miquel empfangen worden. Zu seiner Begrüßung hatten sich ferner zahlreiche türk-sch: Offiziere, unter ihnen General Pertow Pascha. General Imhoff Pascha und eine große Anzahl von Mitgliedern der deutschen Kolonie eingefunden.

Die Reichsfinanzreform Gesetz. Berlin, 12. Juli. In der heutigen Sitzung des Bundes­rates wurde den Gesetzentwürfen betreffend die Finauzrettrm in der vom Reichstage beschlossene« Fassuna die Zustimmung erteilt.

Sßrrnn treten die neuen Steuergesetze i« Kraft? Bekanntlich sind die Termine über das

Gewiß," sagte jetzt der Dottor mit eisige» Ton, und sein Blick fiel stolz und unbewegt auf das schöne Gesicht vor ihm,bas gnädige Fräu­lein wird dabei gar keine Mühe haben, den» ich bin unter allen Umständen ein Verehrer der Kunst, nur kein Ausübender derselben, wa» gnädige Frau wohl mit dem Vandalismus i» der Theorie andeuten wollen?"

Wie ungaltnt, mir meinen logischen Feh. ler vorzuwerfen!" suchte die Eeheimrätin lachend über den unfreundlichen Eindruck seiner Worte jortzugehen, indem sie sich heimlich ge­lobte, diesen unausstehlichen Patron nie wieder in Beachtung zu ziehen.Mit den Gelehrt«« ist, wie Sie sehen, schlecht scherzen, liebe Nora; sie sind starre, unpoetische Geschöpfe, ich kenne das von meinem Manne her, den ich mir erst sehr allmählich und mit vieler Mühe zu eine» brauchbaren Gesellschaftstierchen dressiert habe. Nicht, lieber Mann?" .

Jawohl," meinte dieser und kniff behaglich lächelnd die Augen halb zu.Die Frauen ver­stehen es, aus den EiÄären Tanzbären ge machen? Darum, meine unverheirateten Her­ren, kann nan Sie nicht oft und ernst genug vor einer Verbindung mit dieser gefährlichen Art des menschlichen Geschlechtes warnen."

Zn dem über diese Bemerkung von alle« Setten hereinbrechenden Sturm der Entrüstung und Anerkennung vemnschte sich der kleine Zwi­schenfall der Vorstellung vollkommen, und die beiden dabei beteiligt gewesenen Personen waren bald von der hin- und herwogende» Menge der Kommenden und Gehenden soweit gef- ' üt, daß keine gegenseitige Berührung mehr oci;. jen konnte. (Forts, folgt.)