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dem

Kraft

Rita, in einer zartgrünen Toilette von roher Seide, aus deren dunklem Samtgürtel sich ein großer Strauß weißer Maßliebchen sehr leuch­tend hervorhob, sah reizend aus, und Max, dem die Wahl ihrer Blumen all das sagte, was sie nach Rita« Sinn sagen sollte, fühlte sein schuld-

Sich flüchtig gegen Rita verbeugend, stürzte Max fort, und die Eeheimrätin wandte sich nochmals entschuldigend an Rita, die trotz ihrer Beherrschung nicht ganz di« Enttäuschung unfc den Aerger über die gleich am Anfang unter­brochene und beendete Unterhaltung verbergen

ebenso sein Entzücken wie seinen Aerger «regte.

es ist höchst bedauerlich, Herr Assessor, daß unser letzter Waffenstillstand sich so über Gebühr ausgedehnt hat! Ich sehe, der Feind ist mittler- werle lahm und krumm, sanft und stumm gewor­den, es lohnt kaum, mit ihm einen neuen, frischen, flotten Krieg zu eröffnen?"

Wie ihn der allbekannte Ton ihrer Neckerei anmutete, wie sich die kecke Antwort ihm auf die Lippen drängte! Aber er mußte das alles bekämpfen, um eine Schranke zwischen sich und ihr aufzurichten, und während er noch mühesam nach Worten suchte, die zu dieser veränderten Art seines Benehmens passen könnten, tönte die Stimme der Mama:Max, schnell entschul­digen Sie, liebe Rita Wege der alten Exzel­lenz Scharfenort entgegen, Papa ist aiüverweitig beschäftigt!"

(Nachdruck verboten.)

Gin Sommerlraum.

Roman von Ä. m>n Beeter.

Mit

ralischen Kraft hatte Heinrich Werner in den langen Stunden der schlaflosen Nacht Ullis blaue Augen, den ganzen Liebreiz ihrer Mädchenhaftigkeit und stummen tiefen Liebe heraufbeschworen gegen die Macht jener wunder­baren, graugrünen Augen, jenes blassen, schönen Eenchts und den Zauber der wunderbaren Stimme, die ihm so süß, ach, so unnennbar süß gelogen hatte:Ich liebe Dich, wie ich auf Er­den noch nie Lebendiges geliebt?" Es war ein Kampf gewesen, der die Grundfesten seines ganzen Wesens erschüttert hatte, aber er war Sieger geblieben über die schwache leidenschaft­liche Natur, die so laut und gewaltig in ihm nach der einst Geliebten rief. Er ^ttte alles, was vergangen war, in sich niedergerungen, und sich nicht einmal die Feigheit gestattet, das heutige Zusammentreffen mit Stai zu ver-

mit dem K . Marburg und Kirchhain x

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage.

Ein Abschiedsessen beim Fürsten Bülow.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung": meldet: Bei dem Reichskanzler und der Fürstin Bülow fand am Samstag ein Diner statt, z» welchem eine Reihe höherer Beamten (Sin* ladunqen erhalten hatte u. a. Staatssekretär von Schoen, die llnterstaatssekretäre v. Loebell. ö; Conrad und Dr. Günther, die Direktoren und Wirk!. Geh. Räte von Frantzius und Dr. von Körner, sowie Dr. von Schwartzkoppen, Wirk!. Geh. Legationsrat Dr. Hammann, Geh. Regie-, rungsrat Wahnschaffe u. a. in. Im Verlaufe des Mahles erhob sich Staatssekretär v. Schoen zu einer Ansprache an den Fürsten Bülow und seine Gemahlin. Er dankte dem fürstlichen Paare, daß es seinen Gästen die Ehre erwiesen hätte, noch ein letztes Mahl in diesem so gast­lichen Hause und an dieser historischen Stätte die Tafel war im Kongreßsaale aufgestellt die gütige Gastfreundschaft zu genießen.Die Welt ist Zeuge", sagte der Staatssekretär,von den großen Erfolgen Ew. Durchlaucht in der auswärtigen Politik, und in vollem Umfang wird das, was Ew. Durchlaucht erstrebt und ge­wirkt haben, erst erkannt und gewürdigt wer­den wenn von den Augen und Geschehnissen manche Schleier hinweggezogen sein werden und wir, die wir in stiller Werkstatt unter Ew. Durchlaucht hohen Leitung gearbeitet haben, wir kennen die Hand, den Geist und das Wirken des Meisters? Wir wissen die Schwere des Ver­lustes zu ermessen, den das Ausscheiden Ew. Durchlaucht für uns bedeutet. Aber nicht nur die weise Leitung werden wir vermissen, son­dern auch das lebendige Interesse, die wohl­wollende Fürsorge und die große menschliche Güte, die Ew. Durchlaucht jedem einzelnen von uns stets und in jeder Lage erwiesen haben." Der Staatssekretär schloß ivt warmer Versiche­rung der Dankbarkeit und mit herzlichen Wün­schen für das fürstliche Paar.

Als das Hoch verklungen war, antwortete Fürst Bülow etwa folgend»:Ich danke Eurer Exzellenz für Ihre gütig r Worte, und danke Ihnen allen, meine Herren, für die Aufnahme, welche Sie mir mit dies-.. Worten bereitet ha­ben. Ich habe Sie gebeten, meine Herren, sich heute noch einmal um meinen Tisch zu versam­meln, weil es mir ein Bedürfnis ist, Ihnen bei meinem Scheiden aus allerhöchstem Dienst per­sönlich zu danken für die treue und treffliche «'Unterstützung, die ich während meiner Amtsfüh­rung bei Ihnen gefunden habe. Ich brauche nicht zu sagen, wie sehr ich mich den Beamten meiner Reichskanzlei, vor allem meinem ver­ehrten Freund v Loebell, verpflichtet fühle, die in täglicher, anstrengender Arbeit meine nächste Umgebung gebildet haben. Ich brauche nicht näher e. szuführen, wie wichtig für mich als Reichskanzler mein e St llung im preußischen Staatsministerium war, und wie gerne ich meine Beziehungen zu d eser Behörde gepflegt babr. An He Heuen des Auswärtigen Amte» habe ich noch Un lesond-res Wort za richten: Mehr als ein Menschenalter, fast 36 Jahr«, sind dahingegangen, fit ich <n jungen Jahren in das Auswärtige Amt eingetreten bin, an dessen Spitze damals als Staatssekretär der Aeuhern mein seliger Vater stand. Zwei Jahrzehnt»

konnte.Es tut mir leid, liebe Rita, meinen Sohn des Vergnügens beraubt zu haben, mit Ihnen zu plaudern. Aber er muß heute seinen Prioatmenschen etwas opfern und vor allen Dingen Sohn des Houses fein. Sie zürnen ihm deshalb nicht und behandeln ihn nicht gar zn schlecht, wenn er spät, i hin dazu kommt, im welt- weisen Gespräch mit Ihnen von den Beschwerden des Abends auszuruhen:"

Nein, Rita wollte Max garnicht zürnen, aber dieser milde Vorsatz wurde doch sehr auf di» Probe gestellt, als sie beobachten mußte, wi« ernst er es mit den Pflichten der Repräsentation nahm, und es kam ihr vor, als wenn eine kleine Vernachlässigung zugunsten ihrer Person ganz leicht zu ermöglichen gewesen wäre, wenn Max nur annähernd den gut«n Willen dazu gehabt hätte. Sie seufzte leise vor sich hin, und da Ülli als Tochter des Hauses auch nach allen Seiten hin mit Begrüßungen und Unterhaltung in Anspruch genommen war und ihr der sich all­mählich versammelnde große Kreis fast alles nut unbekannte Personen aufwies, so rückte sie. von einem kleinen, bangen Gefühl der Verlassen­heit und des Fremdseins bedrückt, -näher z» Dottor Werner und i gte aufatmend:Ach Gott, Herr Doktor, Sie kommen mir wie nne Oase in der Wüste vor und ich wie das Kamel, welches hoffnungsvoll zu den Quellen Ihrer Weisheit und unserer alten Bekanntschaft flüchtet! Lassen Sie mich in Ihrem Schatten ruhen, mir wirbelt schon der Kopf von all den fremden Menschen, und Sie sehen auch nicht gerade danach aus, als wenn Sie im Wohlbehagen schwärmen!"

>-. . (Fortsetzung folgt.).

meiden. Einmal mußte es doch fein, also je eher, desto besser. Es war ja doch nur eine Freude, die er hier fand.

In diesem Gedanken saß der Doktor so kalt und steinern da, daß die Geheimrätin ihn am liebsten geohrfeigt hätte vor Zorn über die wenig angenehme Figur, die gerade diejenige Person spielte, mit deren neuer, interessanter Erscheinung sie ein gerat ffes Furore hatte ntßdjen wollen. Wie die kleinen Kinder, dachte sie entrüstet, die immer am unliebenswürdigsten

Gleich zu Beginn der Sitzung gaben die Verbün- »etcn Regierungen ihren Entschluß bekannt. Der Stellvertreter des Reichskanzlers Fürst Bülow selbst gedenkt bekanntlich nicht mehr im Reichstage zu erscheinen Staatssekretär v. Bethmann Hsllivrg nahm das Wort zu einer von uns bereits am Sams­tag gebrachten Erklärung, in der es heißt: Trotzdem der Reichstag in der Art der Aufbringung des Be­darfs an neuen Steuern den Borschlägen der Verbün- . beten Regierungen nur zum Teil gefolgt ist, haben sich die Verbündeten Regierungen einstimmig entschloffen, . die vereinbarten Verbrauchsabgaben zugleich mit den zugestandenen Besitzsteuern ausschließlich der nicht an­nehmbaren Kotierungssteuer als einheitliches Ganze zur Verabschiedung zu bringen. Die Stellung der verschiedenen Parteien zu den einzelnen Steuervor­lagen bietet keine Bürgschaft dafür, daß die Reform später oder unter veränderter Zusammensetzung des Reichstages in einer die Bedürfnisse des Reiches besser befriedigenden Gesamtgestaltung überhaupt zustande kommen würde. Die Regierungen sind ausnahmslos einig, daß die Forderung der Sanierung der Reichs- ffnanzen schwerer wiegt, als die Mängel, die sie in Kauf nehmen. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.)

- ' sprach unter großer Spannung des ganzen Hauies für die Konservativen der Abg. ». Hepdebrand juib der Lasa. Er gab der Freude seiner politischen Freunde darüber Ausdruck, daß die Verbündeten Re­gierungen ihre Zustimmung zu dem großen Werke der Finanzreform gegeben hätten. Auch seine Partei hatte große Opfer bringen müssen. Dazu gehören die Zuckersteuer und die Erhöhung der Spiritussteuer. Unsere Zustimmung zur Erbschaftssteuer haben wir hauptsächlich deshalb verweigett, weil wir eine all­gemeine Besitzbesteuerung nicht in die Hände einer aus gleichen Wahlen hervorgegangenen Volksvertte- kung legen wollten. Mess Steuer könnte sonst später «ine Erhöhung und Verschärfung erfahren, die am letzten Ende aus eine Expropriation der Besitzenden hinauskäme. Sie (nach links) hatten den Karren in den Sumpf gefahren und wir wollten dem deutschen Volke eine Wiederholung dieses Schauspiels ersparen. Deshalb gaben wir manches von unseren Interessen preis ohne Rücksicht auf Unzufriedenheit und Abfall in unseren eigenen Rechen. Als der Block 1907 ins Leben trat, wollte das deutsche Volk das Aufhören des Vorherrschens einer einzelnen Partei, wie cs dem Zentrum zugefallen war. Die- Ziel ist erreicht wor­den und bleibt erreicht. Fürst Bülow wollte aber auch eine Verbindung zwischen Konservativen und Libe­ralen herbeiführen, unter Ausschaltung des Zen­trums aus jeder maßgebenden Arbeit. Eine Verbin­dung zwischen zwei Parteien, die eine Weltanschauung trennt, mutzte aber zu Situationen führen, die eine Verständigung unmöglich machten. Mr sind dem Kanzler zu Dank verpflichtet, und darin einig, daß er nur aus ehrlichster Ueberzeugung gehandelt hat. Und dieien Kanzler hätten wir stürzen wollen? Die preu­ßischen Konservativen gönnen den Liberalen durchaus ein Plätzchen an der Sonne. Wir wissen genau, daß ein Gesetz, auch das preußische Wahlgesetz, nicht von ewiger Dauer sein kann. Wenn eine Partei aus nichts beruhte,^ als auf den formellen Bestimmungen eines Wahlgesetzes, könnte sie überhaupt keinen Bestand haben. Hätten die Liberalen positiv mitgearbeitet, so hätte Fürst Bülow ein Recht gehabt, sich mit ihnen solidarisch zu erklären. Ein Bündnis zwischen UN» und dem Zentrum besteht nicht. Wir sind sür die Zukunft vollständig sreigeblieben, und wünschen die Vorherrschaft keiner Partei, aber auch keine Ausschal­tung. Aus der Zustimmung der Polen ist eine Ge­fährdung unserer deutschnationalen Interessen nicht hervorgegangen, und wir haben uns in diesem schweren Kampf ein gutes Gewissen bewahrt. (Stür-

Kanzler nicht wieder bekommen. Wäre die Linke I positiver bei der Arbeit geivesen, dann wäre da» Ver- I trauen, das der optimistische Kanzler ihr entgegen« I brachte, gerechtfertigt worden und er würde noch lange I geblieben sein. Hätten die Liberalen die Resorm ge- I macht, so hätte wohl der Jüngste unter uns das Ende 1 nicht mehr erlebt. Große Opfer werden erforderlich, I sie find aber für das Vaterland nötig zur Sicherung I unserer Interessen nach außen und zur Sicherung der I Wohlfahrt und des Friedens nach innen. (Beifall I links.)

I Abg. Zimmermann (Refpt.): Wir haben uns nie I negativ verhalten. Das Scheiden des Fürsten Bis- I ward (Heiterkeit) bedauern auch wir, und seine Ster« I dienste erkennen wir an.

I Darauf wird der Schlußantrag angenommen. Es I folgt die Spezialdebatte. Beantragt sind sieben na« I mcntliche Abstimmungen. (Bewegung.)

I Zunächst wird die Wertzuwachssteuer in I einfacher Abstimmung abgelehnt. Daraus werden I Kaffee- und Teezoll angenommen. Die Be- I fteuerung der Be le u ch t u n g sm i 11 e l wird unter I Annahme eines Antrages von Dr. RSsicke (kons.) aus I Differenzierung der Steuer auf Kohlenfadenlampen, I Nernstlampen usw., wonach die Beträge für die leb« I teren Arten durchweg die doppelte Höhe haben und je I nach der Wattstärke 10 Pfg. bis 1 Mk. betragen, in I einfacher Abstimmung beschlossen. Ebenso wird die I Zundholzsteuer angenommen. Die Hinaus- I schiebung des Termins für die Herabsetzung I der Zucker st euer bis zum 1. April wird in I namentlicher Abstimmung entschieden. Es stimmen I mit ja 217, mit nein 121, bei 15 Stimmenthaltungen. I ®te Vorlage ist somit in dieser Form angenommen. I Fahrkartensteuer ist ein Antrag auf I Wiederherstellung der Regierungsvorlage (Aushebung I der Steuer) eingegangen; der Antrag wird mit 205 I gegen 149 Stimmen abgelehnt. Das ganze Gesetz I ftitt, soweit es sich auf den Kaffee- und Teezoll be« I utn 1 August 1909, die Beleuchtungssteuer am I 1. Oktober 1909 und die Zuckersteuer am 1. August I 1909. im übrigen mit dem Tage der Verkündigung I '» Kraft. Darauf wird über das Finanzgesetz im I ganzen abgestimmt. Es stimmen dafür 226, dagegen I Abgeordnete, bei 2 Stimmenthaltungen. Das I Finanzgesetz ist somit angenommen.

I Es folgt die Schaumweinsteuer. Ein An« Ig Dr. Rösicke, die Skala dahin abzuändern, daß I Schaumwein bis zu 4 Mk. pro Flasche mit 1 Mk. bis I 8U ö Mk. Wert mit 2 Mk. und darüber Wert mit 3 I Mark belegt werden, wird angenommen. Die I ®$<mmtoetnfteuer wird mit dieser Aenderung mit I 232 Stimmen gegen 120 Stimmen bei 3 Enhaltungen angenommen. Der Einzelzoll für Schaumweine be«

I imem ebenfalls angenommenen Anträge

I Dr. Rosickes vom 1. August 1909 an 180 Mk pro Doppelzentner, welcher Betrag vom Bundesrat auf

I 130 Mk. herabgesetzt werden kann.

Es folgt das Reichsstempelgesetz und zwar die Umsatzsteuer auf Immobilien. Graf Westarp begründet hierzu einen Anttag, in dem die Vorlage einer Wertzuwachssteuer bis zum 1. April 1911 ver­langt wird. Bis zum 1. April 1912 soll eine Reichs­abgabe von dem Wertzuwachs auf Immobilien ein» geführt werden, die so zu bemessen ist, daß sich ein Jahresertrag von mindestens 20 Millionen Mark er­warten läßt. Den Gemeinden mit Wertzuwachssteuer ist der bis zum 1. April 1909 erreichte jährliche Durchschnittsertrag auf mindestens 5 Jahre zu be­lassen. Die Einzelheiten dieses Gesetzes sind durch die für den 1. April 1911 verlangte Gesetzesvorlage

I zu regeln.

Der Antrag Westarp wird mit 222 gegen 128 Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen.

Ein Antrag Gr^f Carmer-Zisewitz auf Einbezie­hung der Fideikommisse wird einstimmig angenom­men. (Große Heiterkeit.) Das Reichsstempelgeseh und ebenso die Novelle zum Wechselstempelgesetz wird angenommen. Hiermit ist die Reichsfinanzreform in dritter Lesung cntgiltig angenommen.

Nächste Sitzung Montag 11 Uhr: Beamtenbcsol- dung und kleine Vorlagen.

am en - 1 Mischer anhaltender Beifall bei der Mehrheit, fort«

DleReiHsfmanzresorm angenommen. gesetztes Zischen links.)

. I Abg. Singer (Soz.) meinte, daß man es nach der

Die Reichsslnanzreform ist abgeschlossen. Die Erklärung des Staatssekretärs nicht mehr mit Re-

Verhandlungen des Reichstages vom Samstag gaben I gierungsbeschlüssen, sondern nur noch mit Befehlen

en Parteien Gelegenheit, sich zurückschauend über I der Konservativen zu tun habe. Seine Fraktion werde

Hre Stellungnahme zu dem nun vollendeten Werke I die Finanzreform im ganzen ablehnen.

«uszusprechen. I Abg. Dr. Lieber führte namens der Nationallibe­

ralen aus: Den Konservattven kann der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie, als sie das Bündnis mit dem Zentrum eingingen, wissen mußten, das Zentrum werde nur seiner Tradition treu bleiben und nie eine wirkliche Reform machen. Die Konservativen haben sich einfangen lassen zum Rachefeldzug des Zentrum» gegen den Reichskanzler. Deswegen sind sie am Sturz des Fürsten Bülow schuld. Auch die Polen wollten nur für die antipolnische Politik des Reichskanzlers Rache nehmen. Das ist von sehr autoritativer pol» "Ncher Seite ausgesprochen. Der soziale Grund- gedanke der Regierungsvorlagen war für uns der Kern und die Vorbedingung für die Mitarbeit. Der Gedanke der Erbanfallsteuer hat geradezu einen Sie- geszug gemacht und er wird wiederkommen.

Frhr. v. Hertling bestätigte namens des Zentrums d,e Erklärungen des Abg. v. Hehdebrand über das Verhältnis zwischen Konservativen und Zentrum. Es habe sich lediglich um ein Bündnis zur Lösung einer beftimmten Frage gehandelt. Eine konservattv-kleri- kale Alliance gebe es nicht und könne es nicht geben. Dazu seien beide Parteien in ihrer Zusammensetzung zu verschieden. Es könne weder von einer Knechtung der Konservativen durch das Zentrum noch von einer Gefolgschaft des letzteren gegenüber den preußischen Junkern die Rede fein. Die Liberalen hätten aus- gespielt, es fehlten ihnen die großen Wählermassen. Die Mitarbeit der Polen sei gerade mit Rücksicht auf bic Anttpolenpolitik anerkennenswert. Später werde man einsehen, daß diese Reform so schlecht denn doch nicht ist.

Abg. Dr. Wiemer (frf. Vp.) wies die Schuld an d«r Unzulänglichkeit der früheren Reform dem Zen- trum zu.. Auch diesmal fei da» Ziel nicht erreicht. Die Ausführungen des Redners der Konservativen hattcn gczeigt, daß diese dem alten Block mißtrauisch und kühl gegenüberstanden. Was in der Zeit des Blockes geschaffen fei, könne die Kritik besttmmen. Bei den Wahlen würden sich die Beschlüsse der Mehr­heit rachen.

Dann nahm der Abg. v. Dirkse« das Wort für die Reichspartel. Er führte aus: Als es sich als un« möglich erwies, die Reform mit der Mehrheit von 1907 durchzuführen, haben wir uns bemüht, Steuer- Plane zu verhindern, die unser Erwerbsleben prägra- vieren könnten. Das Resultat der zweiten Lesung hat nicht weniger als % Milliarde gezeitigt, und zwar nicht bloß auf dem Papier. Wir glauben auch in öte(er dritten Lesung für diese Reform trotz Bedenken in einzelnen Punkten stimmen zu müssen. Die Finanzreform leidet schwer an Schönheitsfehlern, ab-rsie hat d,e erforderlichen Mittel gebracht. Da ist e- die Pflicht der Verbündeten Regierungen und des Reichstages, das Gleichgewicht in den Finanzen auf« recht zu erhalten. Möchte es der Zukunft Vorbehalten sein, daß die jetzt zutage getretenen scharfen Partei- gegensatze auf ihr berechtigtes Maß zurückgeführt wer­den und daß der nationale Gedanke zu neuer Lebens­kraft erwacht. (Beifall rechts.)

Czarlinski (Pole) gab eine Erklärung ab wonach die Polen sich lediglich von sachlichen Gründen haben leiten lassen und keine Versprechungen irgend­welcher Art für ihre Mitarbeit verlangt, auch solche niemandem gegeben haben.

slbg. Raab (Wirtsch. Vg.): Wir. begrüßen viele der neuen Steuern, die unserem Parteiprogramm entsprechen, so die Effekten- und Talonsteuer. Auch die Wertzuwachssteuer wird kommen. Im Hansabund wurde kürzlich angeregt, die Finanzreform bis zum Herbst zu Vertagen. Ein zustimmender Pole ist mehr wett als 50 negierende Nationalliberale. (Sehr gut') Wir geben gerne zu, daß Fürst Bülow seit dem gro­ßen Kanzler der markanteste und erfolgreichste Kanz- ler gewesen ist. Sobald werden wir einen solchen j

Rnb, wenn man ihre Fähigkeiten und Reize prä- I bewußtes Herz fast bis in den Hals schlagen, Mneren will. Hch hätte es mir denken können, I als er der lange vermiedenen Begegnung nun et ist em Drckkopf, der nur für die Familie I nicht mehr ausweichen konnte und die sich qe- brau^are Setten entwickelt, aber es ist eine I schmeidig zwischen Ulli und den Teetisch schie- Schande, daß der Himmel ihn dazu mit solcher I bende kleine Grazie begrüßen mußte. Sie reichte äußeren Erschemung ausgestattet hat!" Und | ihm sehr unbefangen die Hand, trotzdem ihr gar wahrend ste sich so heimlich und unausgesetzt I nicht so unbefangen zumute war, rmd »widerte ärgerte, empfing sie mit strahlendem Lächeln I sein etwas ungeschickt und verwirrt vorgebrach- 2m;FST^C;( Liebenswürdigkeit die all- tes Bedauern, sie bis jetzt noch garnicht gesehen 'Ä..c.t"^nbenVnY. Echte, machte ihren I zu haben mit einem ihrer Mannten schelmisch- besten Schützling und heben jungen Freund spöttisches Blicke, der genau wie im Sommer

mtt den Ankommenden bekannt, hatte für jeden ' ' ' ~

ein besonders passendes Wort, verband die ver­schißenen Parteien zum gemeinsamen Geplau­der und versuchte es immer wieder, den schweig­samen, ernsten Doktor, dessen dunkles, schönes Gesicht besonders von den Damenaugen mit offener und versteckter Bewunderung gestreift wurde, in die Unterhaltung zu ziehen.

Gelingen tat der Eeheimrätin das erst, als die Kommerzienrätin, in violettem Samt und reich mit Brillanten geschmückt, angerauscht kam und den lieben Dottor, den Freund vom Som­mer, mit einer solchen Flut von Liebenswürdig- ketten überschüttete, daß derselbe wohl oder übel nicht nur dem Redeschwall standhalten, sondern auch mit spärlichen Antworten und ge­zwungen teilnehmenden Zuhörern erwidern mußte.

lFortsetzung.)

Aufgebot all seiner mo-

Jit wi

DieGberheMsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel« jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 'Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Dienstag, 13. Juli 1909.

Die Insertionsgebühr beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.