*
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
—ii> den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
Jti 160
Die „Gbeuhasstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonntag, 11. Jnli 1909.
Di- Inserti onSgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Zur Lage.
Die Beratungen der Reichsfinanzreform gehen ihrem Ende entgegen. In einer Abendsitzung am Donnerstag wurde die zweite Lesung abgeschlossen und bereits gestern ist die dritte Lesung begonnen und das endgilttge Aussehen einer Reihe von neuen Steuern festgestellt worden. Bei den sicheren Mehrheitsverhältnissen sind große Aenderungen gegenüber der 2. Lesung nun nicht mehr zu erwarten. Der Reichstag hat gestern die Brausteuer mit 204 gegen 160 Stimmen und die Tabaffteuer mit 107 gegen 165 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen angenommen, sowie die . Branntweinsteuer mit 229 gegen 137 Stimmen bei Stimmenthaltungen angenommen. Die Tabak-, steuer erhält am 15. August 1909, soweit sie sich auf* Zigarettensteuer bezieht am 1. Dezember 1909 und : die Brausteuer am 1. August 1909, einige Teile jedoch am 1. April 1910 Wirksamkeit.
So erfreulich es ist. daß jetzt nach langem Hin und Her endlich dem Reiche das Nöttgste gegeben wird, so sehr muß man auch bedauern, daß der Gang der Verhandlungen speziell die Ablehnung der Erbschaftssteuer es dem Fürsten Bülow, wie er selbst sagte, unmöglich gemacht hat, Reichskanzler zu bleiben. Im Ottober 1900 hat Fürst Bülow als Nachfolger des Fürsten Hohenlohe die Leitung der Reichsgeschäfte übernommen und sie trotz manchen Anfechwngen nach innen und außen gut geführt. Sein Feld ivar vor allem die Vermittelung zwischen den Gegensätzen, und hier hat er manches erreicht. Mit seiner Schutz,oll-Tarifpolittk tst heute nur noch die äußerste Linke nicht einverstanden, auf allen anderen „Seiten des Hauses" weiß man, daß dieser Schutz der heimffchen Land- wirffchaft und Industrie im nationalen Interesse unbedingt notwendig war. Wenn er weiter die inneren Angelegenheiten des Reiches im Sinne eines ruhigen Fortschrittes zu lenken bemüht war, so durste er auf die Zustimmung des deuffchen Volkes zähle. Noch in frifcher Erinnerung ist es, E wie taktvoll und richtig Fürst Bülow in den schwe- Mren Rovembertagen gehandelt hat. Die schwersten ^Angriffe hatte seine Politik auf dem Gebiete des Aeußeren zu ertragen. Hier waren eS vor allem nationale Kreise, die in der Sehnsucht nach Bts- märckischer Tatkraft von der Art ruhiger, oft vielleicht zu fünfter Vermittelung im Sinne Bülows nichts wissen wollten. Eine fernere Zeit wird einmal urteilen können, ob für die heutigen verwickelten Völker-Verhältnisse der bismarckische KÜrassier- stiefel in der Tat das richtige Mittel zu Erfolgen
Vor hundert Jahren.
Unter franzöfischer Herrschaft.
Don L. Muller.
(Sortierung.)
Der frühere Lützower Jäger Jahn veranlaßte 1819, daß die allgemeine deutsche Bur- fchenschaft gegründet wurde. Mit echten deutschen biederen Worten lud Robert Westelhoft (derselbe, welcher wegen seinen patriotischen Bestrebungen nachmals elf lang« Jahre zu Köpenick und Magdeburg im Kerker schmachten mußte), im Namen der Jenaer Burschenschaft zur Doppelfeier der dreihundertjährigen Reformation und des wiederkehrenden Tages der Leipziger Schlacht nach der Wartburg ein. Dort wurde jenes Fest abgehalten, welches als ein verhängnisvolles und folgenschweres in der Geschichte eine so traurige Berühmtheit erlangt hat. Nach einem Bankett auf der Wartburg und einem Festgottesdienst zu Eisenach zogen die Studenten bei Fackelschein nach dem Wartenberge, wo die verbrannten Fackeln weit hin die Ebene beleuchteten. Da kam Maßmann aus Berlin auf den Gedanken, politische Schriften reaktionären Inhalts zu verbrennen. Man warf die Schriften eines Schmalz, Kamptz, Kotzebue« u. a., sowie einen Schnurleib, den hessischen Zopf und großmächtigen Korporalstock in das Feuer, welches weithin den ganzen deutschen Himmel rötete, unter dem Gesang:
Zuletzt nun rufet Pereat, Ten schuft'gen Lchmalzgesellen Und dreimal Perc-Pereat!
So fahren sie zur Höllen!
Nus! auf! mein deutsches Vaterland, Ihr Brüder, reichet Euch die Hand Und schwört: So woll'n tvic'S halten!
gewesen wäre. Immerhin zeigte aber das energische Festhalten am Bündnis mtt Oesterreich in der SMnde der Gefahr und fein Erfolg, daß ruhige Sicherheit mehr zu erreichen vermag als liebenswürdiges Umwerben; und darum hätten wir attch während Fürst Bülows Reichskanzlerschaft nach außen hin öfter eine festere Hand gewünscht. Nun ist zu hoffen, daß mit seinem Abgang der Typus des citatenfrohen Causeurs Bülow aus dem Bild der Zeit verschwindet und die unzweifelhaften Verdienste, die er sich erworben hat, ihm auch im Privatleben ein treues Gedenken des deutschen Volkes erwerben.
Von der äußersten Linken wird die Erbanfall- fteuer heute gern als das A und O der Reichsfinanzreform hingestellt und es muß »zugegeben werden, daß die Zustimmung der Konservativen zu dieser Steuer erwünscht gewesen wäre. Die Linke aber war Wohl grundsätzlich zur Bewilligung von indiresten Steuern bereit, in der Praxis aber reduzierte sie möglichst die Erwäge der vorgefchlagenen Steuern auf ein Minimum und kümmerte sich nicht um Ersatzvorschläge. Diese Haltung der Linken, die der Abgeordnete v. Payer auch so ausdrückte, daß mit einer etwaigen Zustimmung der Rechten zur Erbanfallsteuer die Bedenken der Linken gegen die inbircHcn Steuern noch keineswegs aus dem Wege geräumt feien, hat wesentlich zu dem jetzigen Ausgange der Verhandlungen beigetragen. Wenn daher die Parteien, die für eine Erbanfallsteuer eingetreten sind, jetzt mit der Regierung und den Mehrheitsparteien dafür sorgen, daß dem Reiche wird, was es bedarf, so sind sie im Rechte. — Die Kotierungssteuer, Müblemtmsatz- und Kohlenausfuhrsteuer sind aus Wunsch der Regierung gefallen, und daß wotz allem Geschrei der Börse die Steuer auf Wertpapiere, die doch gewiß keinen Armen trifft, Handel und Industrie nicht schädigt, zeigt die Ausnahme der Steuern ditrch die Börse. Daß auch die jetzigen Steuern auf Widerstand stoßen werden, und nicht nur auf unberechtigten ist leider wahr; in weiten Kreisen des Vaterlandes aber wird man vor allem den Wunsch hegen, daß die Finanzreform nun endlich einmal ein positives Resultat zeitige.
Die reine Verneinung ist zwar bequem, hilft aber in einer (Situation, in der sich das Reich zur Zeit befindet, garnichts.
Politische Umschau.
Steuereinnahmen.
Im Mai d. I. haben sich di« sogenannten neuen Steuern zum ersten Male einigermaßen leidlich entwickelt. Die Zigarettensteuer ist ihrer Gewohnheit, den anteiligen Gtatsansatz zu überschreiten, im Mai allerdings nicht treu geblieben. Sie hat gerade nur den Etatsansatz in Höhe von 1,3 Millionen Mark erreicht. Mit einem Mehr von 0,1 Mill, gegenüber dem Etat präsentiert sich die Kraftfahrzeugsteuer, mit
einem solchen von 0,4 Million die Tantiemesteuer. Diesem Mehr von 0,6 Million steht allerdings bei dem Frachturkundenstempel und der Erbschaftssteuer ein Weniger von je 0,1 Million • und bei der Brausteuer ein Weniger von 1,3 Millionen, insgesamt ein Weniger von 1,5 Millionen gegenüber, sodaß, da die Personenfahrkartensteuer gerade den Etatsansatz erreicht hat, die neuen Steuern im Mai eine Mindereinnahme gegenüber dem Etat in Höhe von 0,9 Million Mark erlitten haben. Trotzdem darf diese Entwicklung als leidlich günstig bezeichne n werden, denn im April d. I. hatten der Frachturkundenstempel und die Erbschaftssteuer Ausfälle in Höhe von je 0z2 Million und die Per- sonenfahrkartensteuer und die Drausteuer Ausfälle in Höhe von 1 bezw. 2 Millionen Mark zu verzeichnen. Besonders erfreulich ist, daß die Personenfahrkartensteuer, deren Monatsertrag im Etat für 1909 auf 1,6 Millionen gegenüber 2 Millionen Mark im Jahre 1908 herabgesetzt ist, endlich einmal wenigstens diesen Betrag erreicht hat. Auch die Erbschaftssteuer scheint nunmehr in ein leistungsfähigeres Stadium treten zu wollen. Dagegen sind die verhältnismäßig starken Ausfälle, die di« Brausteuer in den beiden ersten Monaten des laufenden Etatsjahres erlitten hat, Ausfälle in Höhe von 2,7 Millionen Mark bei einer veranschlagten Einnahme von 9,2 Millionen Mark gänzlich unerwartet gekommen.
Der Eoldverbrauch zu gewerblichen Zwecken.
Das Reichsamt des Innern hat Erhebungen über die gewerbliche Verwendung von Gold in den Jahren 1906 bis 1907 veranstaltet. Nach dem Ergebnis dieser Ermittelungen sind in diesen beiden Jahren eingeschmolzen, aufgelöst oder anderweit verarbeitet im Durchschnitt 87 673 500 JL Der Verbrauch war fast doppelt so hoch wie der für die Jahre 1896/97 ermittelte Betrag von rund 45 Millionen. Zur Verwendung gelangten in erster Linie deutsche Goldmünzen mitX>4,2 v. H., der Verbrauch von Feingold beziffert sich auf 43,2 v. H., die «in- geschmolzenen fremden Goldmünzen machten 2,6 v. H. des gesamten Eoldverbrauches aus.
Die Erhebungen haben sich auf alle 'betriebe erstreckt, die für den Goldverbrauch in Betracht kommen, auf Goldwarenfabriken, Juweliere, Eoldarbeiter, Goldschlägereien, Reparaturwerkstätten, chemische Fabriken zur Herstellung von Eoldsalzen und Eoldlösungen, Vergolder, Elas- und Porzellanmalereien, Uhrmacher, Optiker, ferner für Zahnärzte und Photographen. Zur Versendung gelangten 20 484 Fragebogen, davon gingen an die für die Verwendung von Gold zu gewerblichen Zwecken in erster Linie in Betracht kommenden Eewerbetriebe 5391, von denen 5267 Fragebogen oder 97,7 v. H. beantwortet wurden. Von den für den Eoldver- brauch hauptsächlich in Frage kommenden Plätzen liegen die Ergebnisse vollständig vor. Die fehlenden Fragebogen (2,3 v. H.) betreffen kleine Betriebe, die einen nennenswerten Eold- verbrauch nicht haben.
-* —
Graf Zichy und Fürst von Hardenberg wurden von Oesterreich und Preußen als Spione nach Jena geschickt, um die unerhörten Dinge, welche dort vorgingen, in der Nähe anzuschauen. Zu den freiheitsfeindlichen Schriftstellern jener Tag« gehörte von Kotzebue, welcher ein vom Auslande bezahlter Spürer war. E. M. Arndt nannte ihn einen „Lauscher", einen „Späher" und „Schmeißfliege". Am 23. März 1819 fiel Kotzebue zu Mannheim unter dem Dolche des Burschenschafter Ludwig Sand. Obgleich die Burschenschaft mit dieser Sache nichts zu tun hatte, wie die Untersuchung herausstellte, obgleich man bei Sand die Tortur angewandt hatte, nahm man in Berlin und am Wiener Hofe die Sache ernster, die preußische Regierung rief alle Preußen von Jena ab und der Karlsbader Kongreß trat zusammen, um der akademischen Jugend den Todesstoß zu geben. Dem Kongresse gemäß wurden nun durch Bundesbeschluß vom 20. September 1819 für die Universitäten Regierungsbevollmächtigte gestellt, welche die Burschenschaften verboten zugleich wurde die berüchtigte schwarze Kommission in Mainz niedergesetzt, um ihr sauberes Werk zu beginnen. Die Burschenschaften wurden überall aufgelöst, so auch am 26. November in Jena, wo man zum letzten Male das Bundeslied mit seinen Schlußworten sang:
Das Wort, das unsren Bund geschürzet. Das Heil, das uns kein Teufel raubt! Und kein Thrannentrug uns kürzet,. Das sei gehalten und geglaubt!
Die Burschenschaften, von welchen ihr« Mitglieder, als der Ruf fürs Vaterland erlassen wurde und welchen der König von Preußen selbst die Uniform gab, an welcher die Farben schwarz, rot gold waren, wurden augelöst. Bei dem Pflanzen der Eiche auf dem Eichplatze in Jena
am 19. Januar 1816 war es der Burschenschafter Stud. theol. K. Horn, welcher, aus dem Freiheitskriege zurückgekehrt, folgende Worte sprach: „Wir setzen ihn ein, den Baum der Hoffnung, den Baum der Stärke, den Baum der Freiheit, wir schwören Liebe zum V-rterlande, Ergebenheit unseren Fürsten, die für des Vaterlandes Wohl Gut und Blut zu opfern bereit sind, wir schwören standhafte Treue allen deutschen Brüdern, die mit uns einen Sinn, ein heiliges Streben teilen, wir rufen in froherLegeisterung ein Hoch der deutschen Freiheit!" Und diese Männer, die vorstehendes auf ihre Fahne geschrieben hatten, wurden nun verfolgt und aufgelöst; ihre Farben schwarz-rot-gold zu tragen, wurde verboten. Auf Anregung einer Anzahl nach der Schweiz geflüchteter Professoren stiftete der einstige Jenenser Burschenschafter Adolph von Schrewitz im Geheimen den sich über ganz Deutschland verzweigenden „Jünglingsbund", mit der Tendenz, für politische Freiheit und Einheit des gemeinsamen Vaterlandes zu wirken. In Preußen war der König durch den Einfluß Metternichs und Rußlands der Reaktion, welche jede freie Volksbewegung hinderte, in die Arme getrieben worden. Im Januar 1816 wurde der Tugendbund aufgehoben und der Rheinische Merkur verboten, und man fand in dem Wartburgfest und der Ermordung Kotzebues die Anlässe, den König Friedrich Wilhelm HI. zu den schlimmsten Polizeimaßregeln hinzureißen. Im Verein mit Oesterreich begannen die schmählichsten Demagogenverfolgungen, deren Spionendienste die Schmalzgesellen und andere erbärmliche Kreaturen besorgten. Männer, auf welche die deutsche Nation stolz sein konnte, wurden als freisinnig« Lehrer von ihren Stellen entfernt und eingekerkert, v- ®- der hochverdiente Professor Ernst Moritz Arndt in
Deutsches Reich.
— Lom Kaiser. Kiel, 9. Juli. Der Kaiser begab sich heute Vormittag an Bord des „Meteor", um eine Segelfahrt nach Muerwick und Sonderburg zu unternehmen. Der „Sleip- ner" begleitet die Segeljacht des Kaisers, dir „Hohenzollern folgt im Laufe des Vormittags. — Paris, 9. Juli. Der deutsche Kaiser beauftragte den hiesigen deutschen Botschafter Fürsten Radolin, der Familie des verstorbenen Generals de Gallifet seine Teilnahme auszu- sprechen und am Sarge des Verstorbenen einen Kranz niederzulegen.
— Vom Bundesrat. Berlin, 9. Juli. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurde den. „Reichsanzeiger" zufolge noch die Zu- stimmung erteilt, den Ausschußanträgen zur Vorlage betreffend Abänderung des Paragraphen 1, Absatz zwei, der Ausfüqrungsbe- stimmungen zum Reichsstempelgesetz, zur Vorlage betreffend Abänderung der Vorschriften über Befähigungsnachweis u. Prüfung der See- fchiffer und Seesteuerleute, zur Vorlage betref- fend Bestimmungen zur Ausführung des Weingesetzes, sowie zur Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Elsaß- Lothringen für das Rechnungsjahr 1907. Annahme fanden ferner ein Antrag Bayerns, betreffend Vollzug des Paragraphen 7 des Jn- validenversicherungsgesetzes, die Vorlage betreffend Aenderungen des Militärtarifs für Eisenbahnen und der Entwurf des Gesetzes betreffend Feststellung des zweiten Nachtrags zum Reichshaushaltungsetat für das Rechnungsjahr 1909.
— Berlin und London. London, 9. Juli. Der Lordmayor von London richtete an den Oberbürgermeister Kirschner ein Schreibe.!, in dem er ausführt, daß der Brief Kirschners mit seinen Mitteilungen über den Beschluß der Berliner Stadtverordneten aus Anlaß ihres Be- fucks in England dem offiziellen Archiv der Stadt London einverleibt worden fei. Der Lordmayor stimme mit» dem Oberbürgermeister Kirschner darin überein, daß die beiderseitigen Besuche der Städteoertreter sehr viel zu dem Wachsen der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien beige- trugen hätten, die beide bemüht feier, die Beziehungen wci'.e, zu befestigen und za stärken.
— Zum Wechselstempelgesetz. SBerlih , 9. Juli. Die Reichstagsabgeordneten Gamp, Müller-Fulda, Frhr. v. Nichthofen und Westarp beantragen zu dem Wechselstempelsteuergeseh in 8 2 einen Zusatz, in dem es heißt: Tritt die Verfallzeit eines auf einen bestimmten Zahlungstag oder auf einen auf Sacht gestellten Wechsels später als drei Monaie nach dem Aus. stellungstag ein, so ist auf die Zeit lis gum Verfalltage für die nächsten neun und weiterhin für je fernere lechs Monate oder den an- gefangenen Teil des Zeitraumes eine weitere Abgabe in der im Absatz eins bezeichneten Höh« zu entrichten. Eine weitere Abgabepflicht tritt nicht ein bei Wechseln mit bestimmtem Zah. lungstagc, wenn die dreimonatige Frist nicht mehr als fünf Tage überschritten Hai.
Bonn, der der Lieder: „Der Gort, der Eisen wachsen ließ" und „Was ist des Deutschen Vaterland". Ludwig Jahn, der unter Llltzow, Jäger zur Befreiung Deutschlands gegen Napo. leon mitkämpfte, Weicker und viele andere, Schleiermacher und Enei'enau wurden mit Spionen umgeben, eine Anzahl Professoren flüchtete in die ächweit. z. B. Karl Fallen, Suell, Völker. Das Studium der Geschichte hatte in ihnen die u-ttgft« Liebe zu Volk und Vaterland wachgerufen, fi" sahen mit blutendem Herzen, wie in langwierigen Kriegen auf dem Boden des deutschen Vaterlandes Deutsch« gegen Deutsche für fremdes Interesse, betört durch fremde Arglist, sich selbst bekriegten und auf- rieben, sahen ein Geschlecht wieder erstehen, das bet verwunderten Welt Ansprüche und Vorur. teile zeigt«, welche man lange in Familiengruften verwest glaubt«, sahen alte verrostete Formen aus der Rumpelkammer wieder hervorgeholt, sahen den Wert der letzt vergangenen Zeit so tief als möglich wieder herabgesetzt. Del heldenmütige Aufschwung des deutschen Volkes wurde wie eine Sache hündischen Gehorsambehandelt, das französische Joch wat zwar ab. geschüttelt, aber statt dessen litt Deutschland nun unter dem Druck bet Verkehrssperren, unter bei geistigen und Demagogenriecherei, sowie unter den Mißernten. Das was man nach dem Ab. schütteln der französischen Herrschaft erwart« hatte, jetzt in einem freien Vaterlande zu freie» Männern heranzmoachsen, war ein Trugbild gewesen, uhland sang damals:
.Der Deuffche ehrt zu allen Zeiten Der Fürsten heiligen Beruf, Doch liebt er ftei einherzuschreiten •
Und aufrecht, wie ihn Gott erschuf!" !
(Fortsetzung folgt) |