mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage/
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Di- „OberheMchr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahm« der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel, jährlich dnrch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei »ufern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonnabend, 10. Juli 1909.
Die JnsertionSgebüdr beträgt fite di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckeret Inhaber Dr. 6. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 53.
^Das Frauenstudium auf oen deutschen Universitäten.
Im Herbst vorigen Jahres wurden den Frauen auch die preußischen Universitäten, sowie »ie reichsländischen Universitäten Straßburg und die hessische in Ei»ßen für das ordentliche Studium, d. h. für die Jnr^trikulation, zu» gänglich gemuht, so daß ihnen jetzt alle Universitäten b«* Reiches, ausgenommen allein die mecklenburgische in Estock, offen stehen. Dadurch ist jetzt eine sicher- Grundlage für die Statistik des Frauenstudi geschaffen, die jeweils ein zuverlässiges Bild von dem schrittweisen Eindringen der Frau an alle akademischen Berufe gibt.
Die Zahl der weiblichen Studenten stieg im lebten Winter von 376 im Sommer des Vor- sayres bereits auf 1108 und im laufenden Sommerhalbjahr auf 1432. Davon sind 900 in Preußen immatrikuliert, nämlich in Berlin 417 (im letzten Winter 400), in Bonn 144 (69), in Göttingen 110 (50), Breslau 64(71), Greifswald 38 (5). Marburg 33 (27), Königsberg 30 (2), Hall' 26 (22), Münster 25 (0), Kiel 13 (2). In Baden studieren 228 weibliche Studenten, nämlich in Heidelberg 138 (101) und in Freiburg 90 (67); ,tn Bayern 173 (152), davon in München allein 148 (134), in Erlangen 16 (11) und in Würzburg 9 (7). In Leipzig studieren 56 (44), in Eiehen 30 (23), in Straß- burg 21 (31), in Jena 15 (13) und in Tü- bingen 9 (6).
In der Verteilung der studierenden Frauen auf die einzelnen Fakultäten bezw. Studienfächer ergeben sich in neuester Zeit gegenüber der Entwickelung zu Beginn des Frauen», studiums bemerkenswerte Abweichungen. Während noch vor 3 Jahren die Hälfte der Studentinnen sich der Medizin zuwandte, ist heute der Anteil der Medizinerinnen an der Gesamtzahl auf den vierten Teil zurückgegangen, wogegen der Zufluh zur Philologie und Literatur so erheblich stieg, daß jetzt fast die Hälfte der Studentinnen darauf entfällt. Stellt man den jetzigen Bestandsziffern der einzelnen Studienfächer die des letzten Winters gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild: Philosophie und Philologie oder Geschichte studieren 699 (int Winter 505), Medizin 371 (322), Mathematik und Naturwissenschaften 245 (175), Kameralmissen- schasten 42 (40). Zahnheilkunde 44 (40), Rechtsund Staatswissenschaften 23 (20), evangelische Theologie 4 (3) und Pharmacie ebenfalls 4 (3).
Der neuerdings hervorgetretene starke Zugang zur Philologie und zur Mathematik bezw. zu den Naturwissenschaften rührt zweifellos daher, daß eine große Anzahl geprüfter Lehrerinnen von dem ihnen in Preußen neuerdings eingeräumten Rechte auf Immatrikulation auf Grund der sogenannten kleinen Matrikel Gebrauch macken.
Die Zahl der an den Universitäten als rußerordentliche Hörerinnen zugelasienen /rauen beträgt in diesem Sommer 1152 gegenüber 1782 im Winter und 1767 im Sommer
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42 (Nachdruck verboten.)
Ein Sommerlraum.
Roman von K. van Beeter.
k Fortsetzung.)
Es blieb Max keine Zeit, diesen Fragen weiter nachzudenken, denn Nora, nachdem sie die Flamme unter dem silbernen Teekessel entzündet und über den sich vor dem Kamin lagernden Troll hinweg das Feuer etwas lebhaft in Zug ,gebracht harte, schmiegte sich nun behaglich in einen der lichtblauen, kleinen Sesiel, und ihren.East musternd, lächelte sie ein klein wenig spöttiich: „Teurer Freund, Sie sehen aus, als b- -en die Hühner oder die Sorgen etwas an Hhnen. herumgerupft und ein schlechter Friseur unpassende graue Striche in Ihr sonst so frisches, rosiges Gesicht gemalt! Wo steckt's, was haben Sie? Ihre mütterliche Freundin ist bereit, jede Seelenbeichte mit vertrauenerweckender Milde anzuhören. Halt, mein Wasser kocht! Sie müssen mit Ihren Seelenergüssen noch etwas warten, bis ich mit meinem Wag ergießen fertig bin! — So, und nun kommen Sie an die Reihe!"
„Ich weiß nicht, was Sie wollen, gnäbigts Fräulein!" sagte Max lachend, ärgerlich und etwas verlegen. Ich habe nichts zu beichten und meder Sorgen noch Erlebnisse zu berichten. Ich befinde mich genau so rote immer, schlecht und recht, rote es einem unbescholtenen Assessor und in Anspruch genommenen Gesellschaftsmenschen gebührt."
, «-rnn Sie es glauben, muß ichs glauben. Das sind also die Spuren gesellschaftlicher
1908, so daß gegenwärtig 2584 Frauen am Ani- versitätsunterricht teilnehmen. Die meisten Hörerinnen zählt die Universität Berlin, nämlich 149. München hat 116, Straßburg 97, Breslau, 83, Tübingen 80, Bonn 78, Leipzig 75, Gießen 74, Königsberg 62, Heidelberg 50, Göttingen und Freiburg je 43, Rostock 40, Jena 38, Halle 28, Greifswald 22, Münster 20, Kiel und Würzburg je 19, Marburg und Erlangen je 8.
Politische Umschau.
Die Budgetkommiffion de« Reichstags beendigte am Mittwoch abend und Donnerstag früh die Beratung der Besoldungsvorlagen. Die einzelnen Gehälter wurden durchweg in lieberem« stimmung mit den verbündeten Regierungen gegen Nationalliberale, Freisinnige und Sozialdemokraten angenommen, und damit auch gegen diese Parteien das endliche Zustandekommen der Beamtenaufbesserungen gesichert. Für die Unterbeamten der Poswerwaltung wurde das Gehalt auf 1100—1700 M festgesetzt. Den Intendantur- beamten wurde eine persönliche Zulage von 150 M zugebilligt. Die Besoldungsordnung für Offiziere und Unteroffiziere wurde en bloc angenommen und der Wohnungsgeldzuschuß für Zeug- und Feuerwerksleutnants wurde erhöht. Zu lebhaften Erörterungen kam es bei der Debatte über die Deckungsfrage. ReichSschatzsekretär Sydow erklärte, daß die Reichsfinanzreform mit den bewilligten 500 Millionen Mark nicht auSreiche zur Begleichung der 17 Millionen Mark, um die die Besoldungen von der Kommission erhöht worden feien. Er schlage daher vor, die Erhöhung der Mamrschastslöhne mit 18—14 Millionen Mark um einige Jahre aufzufchieben. MS die freisinnigen Vertreter auch dir Verschiebung um nur ein Jahr bekämpften, erwiderte Schatzsekretär Sydow unter lebhaftem Beifall der Mehrheitsparteien, daß dies« freisinnige Taktik unerhört sei. Der Freisinn fordere Erhöhungen ins Blaue hinein, für die entsprechenden Einnahmen zu sorgen, überlasse er aber anderen Parteien. Die konservattven Vertreter, denen sich die Nationalliberalen und die Reichspartei anschließen, verlangten für die Manu- schastSlöhne und die Veteranenbeihilfen die Vorlage einer Wehrsteuer. Auch eine Patronensteuer wurde von freikonservativer Seite angeregt. Schließlich wurde von den Konservattven, der Reichspartei, Wirtschaftlichen Vereinigung unb dem ’tnfrum eine Resolution angenommen, wo- nack die Erhöhung der Maunschaftslöhne auf das nächste Jahr vertagt werden soll. Diese Erhöhung soll aber in den nächstjährigen Etat eingestellt und gleichzeittg eine entsprechende Deckungsvorlage eingebracht werden, soweit es nicht gelingt, durch entsprechende Ersparnisse die Deckung herbeizuführen.
Beendigung der Reichstagsverhandlungen.
Es hat sich herausgestellt, daß es nicht möglich ist, den noch zu erledigenden Beratungsstoff bis zum Sonnabend aufzuarbeiten. Der Reichstag wird vorausstchttich erst am Mittwoch nächster Woche seine Verhandlungen schließen. Am heu- ttgen Freitag sollen kleinere Vorlagen (Verträge
Tätigkeit? Und deshalb haben Sie sich auch nicht ein einzigesmal während zweier langer Wochen bei mir sehen lassen, Herr Vagabund?" „Ja, wirklich, gnädiges Fräulein, ich war gesellschaftlich sehr in Anspruch genommen. Außerdem habe ich, genau seit der von Ihnen angegebenen straffälligen Zeit, meinen besten Freund hier, der erfter Assistent bei meinem Vater geworden ist und dem ich mich viel widme."
„Sie sind wirklich ein großartiger Mensch! Widmet seine Mußestunden der Freundschaft! Erlauben Ihnen Ihre seelischen Dollkommen- heiten vielleicht doch noch den Genuß irdischer Butterbrötchen, und womit darf ich Ihnen die- selben zubereiten, Lachs, Zunge oder Gänseleberpastete?"
„Ganz ohne Einschränkung mit allem, gütige Fee! Von Ihren Händen bereitet verlieren die Portionen auch in dreifacher Auflage nicht an Wert!"
„Bravo, Sie fangen an, vernünftig zu werden und scheinen Hunger za haben! Und nun, wahrend ich für Sie meine Finger in Bewegung setze, können Eie für mich Ihren Mund strapazieren und mir etwas vorplaudern?"
„Was ist das für ein Freund? Wie schaut er aus? — um mit Banalitäten zu beginnen!"
„Sehr interessant. Tief brünett, mit dunkeln, schwermütigen Augen. Groß, schlank, tadellos ruhig im Benehmen, etwas ernst und tief veranlagt, eiserner Eharakter, kurz, da» direkte Gegenteil von Eure, Majestät ergebenstem Diener!"
»Dann muß er fretltch fefr reizend feint*
mit auswärtigen Staaten usw.), sowie Wahlprüfungen beraten werden, am Sonnabend die Besoldungsvorlagen in zweiter Lesung. Montag wird die dritte Lesung der Reichsfinanzreform beginnen, an die sich die dritte Beratung der Besoldungsvorlagen schließt. Die Frage, ob der Reichstag geschlossen oder nur vertagt wird, ist noch offen. Eine Vertagung wird vielfach für erwünschter gehalten, da sonst verschiedene sozial- politiscke Gesetze, wie das Arbeitskammergesetz und die große Gewerbenovelle, von neuem eingebracht und beraten werden müssen.
Der konservative verein Groß-Lichterfelde hat in seiner bekannten Angelegenheit jetzt ein Schreiben an den Hauptverein gesandt, in welchem u. a. angeführt wird: „Wir stehen nach wie vor auf dem Boden des Programms der deutsch-konservativen Partei. Wir haben uns in dem an unsere Mitglieder gerichteten Schreiben gegen das Verhalten der konservativen Fraktion im Reichstage erklärt. Wir verurteilen das Verhalten, weil es nach unserer in weiten konservativen Kreisen geteilten Ansicht mit wahrhaft konservativen Grundsätzen unvereinbar ist. Der feste Pakt mit Polen und Zentrum gegen die Regierung, der dadurch bewußt her- beigeführte Sturz des Reichskanzlers find nicht mehr rückgängig zu machende Tatsachen. Ob die Liberalen hierbei ein Vorwurf trifft, ist an dieser Stelle nicht zu erörtern. Weder der Ee- samtvorstand der deutsch-konservativen Partei, noch eine von ihm einzuberufende Generalversammlung der Partei hat zur Haltung und Richtung der Reichstagsf«lktion Stellung genommen. Im Interesse der konservativen Sache hoffen und erwarten wir daß beide Faktoren nicht alle Schritte der Reichstagsfraktkon billigen werden. Wir find nicht aus der deutfch-konser- vativen Partei ausgeschieden, wie irrtümlich in dem Schreiben Euerer Exzellenz angenommen wird, wir haben vielmehr in unserem Rundschreiben die weitere Stellungnahme des Erotz- lichterfelder konservativen Vereine zu der deutsch-konservativen Partei einer Hauptversammlung unseres Vereins vorbehalten. Auch kann ein Verein, der Satzungen und Parteiprogramm innehält, nicht au» der Partei ausgeschlossen werden."
Der Postscheckverkehr im ersten Halbjahr.
Berlin, 7. Juli. Die Zahl der Konten bei den Kaiserlichen Postämtern hat, wie wir der „F. Z." entnehmen, am 1. Juli 29 064 erreicht. Abgesehen von dem bayerischen und dem württembergischen Postscheckamt hat es das Reichspostgebiet schon im ersten halben Jahre auf 30 000 Konten gebracht, während Oesterreich nach einem Bestehen von 23 Jahren es erst zu 80 000 Teilnehmern gebracht hat. 1895. nach zehnjährigem Bestehen, hatte man in Oesterreich über 28 000 Konten, also noch nicht so viel als jetzt im Reichspostgebiet nach einem halben Jahr. Von den einzelnen Aemtern hat die meisten Konten Berlin mit 5703, dann Köln 5374, Leipzig 5162, Frankfurt a. M. 2902, Breslau 2421, Hamburg 2316, Karlsruhe 2134, Hannover 1940 und Danzig 1112. Der Umsatz betrug in dem halben Jahr an Guffchriften über 1733 Millionen, an Lastschriften 1684 Mill.
meinte Nora, ernsthaft ein Lachsstückchen auf dem Weißbrot vor fich arrangierend. „Vielleicht, um das Gegenteil abzurunden, auch damenfeindlich gesinnt?"
„Aber natürlich! Das heißt, da scheint er mir jetzt eine kleine Schwenkung nach links zu machen. Ullis blaue Augen und stille Lieblichkeit sind nicht ohne Eindruck auf fein weiberfeindliches Herz geblieben, und ich sehe langsam, aber sicher, ein ruhig glückliches Brautpaar heranwachsen."
„Ach, was Sie sagen? Das ist ja allerliebst, der Mann muß einen guten Geschmack haben und wird durch die Fülle der Beziehungen, die er zu ihrer Familie unterhält, ordentlich interessant! Assistent des Vaters, Freund des Sohnes, Verehrer der Tochter — fehlt ja nur noch Schwiegersohn der Mutter, dann kann man ihn als Universalerbe präsentieren."
„Um Himmelswillen, verraten Sie mich nicht, daß ich aus der Schule geschwatzt habe! Ueber den beiden letzten Beziehungen liegt noch der Nebel vollkommener Unsicherheit. Ich habe nur meine Mutmaßungen, die nirgendwo auf fester Unterlage ruhen."
„Wo denken Sie hin! Ich bin verschwiegen wie eine ägyptische Sphinx."
„Darf ich auch noch eine kleine Salzstange auf Aren Teller legen?"
„Himmel, gnädige» Fräulein, das wächst zu einem Berge an! Darf ich vielleicht st n an- fangen, denselben abzutragen?*
„Jawohl, langen Sie nur «geniert zu, der Tee hat auch gleich genug gezazen! Wie heißt denn der -»sagte Freund?"
Aus dem Reichstage.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Lesung des Reichsstempelgesetzes. In der Vorlage sind vorgesehen Steuersätze auf Aktien, Anteilscheinen. Kuxe, Renten- und Schuldverschreibungen mit Ausnahme der Renten und Schuldverschreibungen bei Reichel und der Bundesstaaten, ferner Jnteriml- scheine der Einzelstaaten auf diese Wertpapiere, sowie der auf Grund del Reichsgesetzes vom 8. Juni 1871 abgestempelten ausländischen Jnhaberpapiere mtt Prämien. Des weiteren sieht die Vorlage eine Scheck- und Umsatzsteuer und eine Erhöhung des Effektenstempels vor.
Nach einem Kompromißantrag der neuen Mehrheit soll anstelle der früher vorgenommenen Kotierungs« steuer eine Steuer auf Gewinnanteile und Zinsbogen (die sog. Talonsteuer) in das Stempelgeseh eingefügt werden, Reichs- und Staatspapiere sollen frei fein; die Quittungen bei Auszahlungen auf Bankguthaben sollen ebenso wie di« Schecks behandelt und mit einer Steuer belegt werden. Der Umsatzstempel soll durch den Kompromißantrag beseitigt werden.
Ein freisinniger Antrag bezweckt die Herabsetzung einer Anzahl der von der Kommission vorgeschlageneu Sätze.
Abg. Speck (Zentt.) einpsahl den Kompromiß- antrag. Die Talonsteuer sei geioiß ettvas roh in der Form, da sie vom Nominalwert erhoben werde, andrerseits aber nehme die Außerachtlassung der Rentabilität der Steuer den Charakter einer Einkommensteuer unb damit fei die Befürchtung eines Eingriffs in die Finanzhoheit der Einzelstaaten beseitigt. Die Bürsen- kreise hätten die Talonsteuer als erträglich bezeichnet.
Von der Regierung (el sprachen Reichsschatzsekretär Svdow, Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben, Hand« clkminister Delbrück und ReichSbankpräsident Haven- stein) wurde betont, daß der borgeschlagene Weg nicht erwünscht sei und nur angesichts der Notwendigkeit eines Ersatzes für die unannehmbare Kotierungssteuer von den Verbündeten Regierungen beschritten würde.
Staatssekretär Sydow trat für die Wiederherabsetzung einzelner von der Kommission beschlossener Stempelerhöhungen ein, besonders des Börsenumsatz- stempels, der das Geschäft in der Kulisse erschwere.
Andererseits hoben die Regierungsvertreter die Vorzüge der Talon- vor der Kotierungssteuer hervor.
Mitglieder der Linken sprachen ihre ablehnende Stellung aus. Die Abg. Dr. Weber (natl.), Mommsen (ftf. Vg.), Singer (Soz.), Kämpf (frs. Vp.) unb Dove (frs. Vg.) befürchteten namentlich eine Ansvan- derung der ausländischen Wertpapiere von den deutschen an fremde Börsen und meinten, die Einwirkung der Steuer auf das Wirtschaftsleben sei gar nicht geprüft. Sie decke sich im Grundprinzip mit der Kotierungssteuer.
Abg. Frhr. v. Gamp (Reichsp.) führte aus: Ich bin anderer Ansicht. Es handelt sich hier um keine Einkommen- oder Vermögenssteuer, die wir nun einmal leider nicht haben erreichen können. Wenn auf einmal das Reich in die Lage kommen sollte, erhebliche Summen für seine Bedürfnisse zu brauchen, so wird der Reichstag im ganzen an der Einkommen- und Vermögenssteuer nicht Vorbeigehen können. Mit der Kotierungssteuer hat die Talonsteuer nichts zu tun. Die Freilassung der Staats- und Reichspapiere be» baute ich, sie hätten die zwei Zehntel pro Mille tragen können, ohne im Kurse Schaden zu leiden. (Sehr richtig! rechts.) Der niedrige Stand unserer StaatS- und Reichsanleihen ist durch die dauernde Pumpwirt- schaft im Reiche und den Einzelstaaten verursacht worden. Mit der Freilassung der Stantspapiere werfen wir unnütz 2 Millionen weg, die wir für die Be- amtenbesoldnng hätten brauchen können. Mit der Talonsteuer sind wir auf dem Wege zu einer Kapitalrentensteuer. Es ist nicht einzu sehen, warum für die Heranziehung der ausländischen Aktten, die bei bet Aushändigung oder Veräußerung int Inland heran« gezogen werden, nicht dieselbeit Grundsätze gelte« sollen wie für die Talons. Wir können mit gutem Gewissen die Talonsteuer annehmen, sie bewegt sich in
„Heinrich Werner."
„Heinz!" wiederholte Nora, träumerisch in die Welt blickend.
„Nein, beileibe nicht Heinz? Das kann er nicht hören! Er wird ganz blaß, wenn man ihn so nennt. Die Abneigung muß mit einer Jugendgeschichte zusammenhängen, in der irgend eine Evastochter eine böse Rolle gespielt hat."
„Ah!" sagte Nora, und die nach Maxerg Tasse hinllberlangende Hand zitterte leise. „Hai Ihr Freund eine Vergangenheit, und kennen Sie diese?"
Wenigstens soviel davon, um zu wissen, daß sie eine Vergangenheit ist. Ich traf ihn erst vor Jahren schwer krank in der Schweiz, und al» ich ihn damals pflegte, hat er im Fieber soviel von einer Lori phantasiert —"
Klirrend fiel die eben vollgeschenkte Tasse zu Boden und ihr heißes Naß floß über die schlaff herabhängende Hand der todblassen Dame, die, wie vom Schreck benommen, leise schwankte und kraftlos in den hinter ihr stehenden Sessel sank. „Mein Gott, gnädiges FräW lein, was ist Ihnen? — Haben Sie sich die Hand verbrüht oder sind Sie nur so erschreckt? Sie sehen wie eine Leiche aus!"
„Es war ein Krampf in der Hand," lächelte die Gefragte mühsam, mit blassen Lippen. „Unb ich bin so entsetzlich erschreckt. Recht kindisch, nicht? Ja, die Hand ist ein klein wenig verbrüht, aber das ist nicht schlimm! Danke, danke, wenn Sie nur nach Rosa schellen wollen, daß sie den Schaden wieder in Ordnung h ringt!"
(Fortsetzung folgt.)