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WechM Bettung

44. Jahrg.

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®ieBberhrlstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstelleu und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Donnerstag, 8. Juli 1909.

Frühstück auf derHohenzollern" fand für di« weiteren Festteilnehmer Tafel an Bord des FährschisesPreußen" statt. Die genannte Feier nahm einen überaus harmonischen Ver­lauf.

Saßnitz, 6. Juli. Auf dem Fährschiff Deutschland" hielt Minister v. Breitenbach eine Rede, in der er sagte: Der Verkehr sei ein Träger und eine Stütze des Friedens unter den Völkern. Heute gelte es ein neues Werk des Verkehrs seiner Bestimmung zu übergeben. Schweden und Deutschland, durch das Meer ge­schieden, schicken sich an, ihre bislang getrennten Eisenbahnsysteme in unmittelbare Verkehrsbe­ziehungen zu setzen. Die Verkehrsnotwendigkei­ten, so führte Redner aus, sollen schnell zur Tat werden. Gefördert durch den allerhöchsten Wil­len der beiden hohen Souveräne kamen die Ver^ Handlungen rasch zum Abschluß. 1908 ging es frisch ans Werk, das heute betriebsfähig vor uns liegt. Schnelle starke Schiffe werden die bei­derseitigen Gestade verbinden, die Hauptstädte Schwedens und des Deutschen Reiches werden in unmittelbaren Verkehr gesetzt. Und dieses den Jnteresien Schwedens und Deutschlands heil­same Werk habe sich von seinen Anfängen bis zum Abschluß der Allerhöchsten Fürsorge der hohen Souveräne zu erfreuen gehabt. Deshalb bitte er die Majestäten ehrerbietigen Dank für diese Fürsorge und für die Ehre ihrer Gegen­wart entgegennehmen zu wollen. In der An­wesenheit der hohen Souveräne dürfe nicht nur ein günstiges, glückbringendes Vorzeichen für. das Gedeihen des neuen Verkehrsmittels er­kannt werden, sondern auch ein Zeichen der An­erkennung für diejenigen, welche durch rastlose Arbett das Werk zu einem so schnellen Anschluß gebracht haben. Redner erbat von den Maje­stäten die Erlaubnis, die Dampfverbindung zwischen Deutschland und Schweden Saßnitz- Trelleborg für eröffnet zu erklären und schloß mit einem Hurra auf beide Majestäten.

Saßnitz, K. Juli. DieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist in Begleitung der Hamburg" und des Sleipner" nach Trelleborg abgedampft, ebenso der PanzerKönig Oskar" mit dem König von Schweden an Bord, in Be­gleitung Weier anderer Panzerschiffe. Auch die FährschiffeDeutschland" undDrottning Vik­toria" sind nach Trelleborg abgegangen.

Trelleborg, 6. Juli. Die deutschen Fest­teilnehmer wurden von schwedischer Seite über­aus herzlich empfangen. Aus dem Verkehr zwi­schen den beiden Majestäten wie zwischen den Würdenträgern beider Länder war zu erkennen, wie vertrauensvoll sich die persönlichen Bezieh­ungen gestaltet haben. Der Kaiser und der König begaben sich int Königlichen Sonderzuge von Trelleborg nach Malmoe, wo der Kaiser nach überaus herzlicher Verabschi^mng an Bord derHohenzollern" ging, um nach Kiel zu fahren.

Politische Umschau.

Austritt aus der nattonalliberalen Partei.

Graf Oriola hat infolge seiner Gegnerschaft gegen di« Erbansallsteuer jetzt seinen Austritt aus der nationaliberalen Fraktion vollzogen. Er gibt dabei eine Erklärung ab, in der es

einen guten Grog und Bettwärme, oder was mir wahrscheinlicher vorkommt irgend eine Saite in Ihrer Seele ist zu heftig angeschlagen, und Sie bedürfen einer ruhigen Stunde und eines kühlen Philosophie-Umschlages!"

Der junge Doktor, der noch vor dem Patien­ten saß, stand ziemlich heftig auf.Durchlaucht haben recht, einer ruhigen Stunde, aber ich fürchte, der kühle Philosophie-Umschlag steht außerhalb meiner Mittel und würde vielleicht in diesem Falle auch nicht helfen."

Das feine Ohr des Blinden hörte aus dem Ton, in dem diese Worte von den Lippen des Sprechenden fielen, all die Seelenqual und Un­ruhe heraus, die bei der zutreffenden Frage wieder von dem jungen Manne Besitz ergriffen, und leise den schon grau schimmernden Kopf schüttelnd, sagte er teilnahmsvoll:Junges Blut weiß noch nichts von dem größten aller Heilmittel, der Zeit. Es geht alles vorüoer, es ist alles nur ein Augenblick, den der folgende wieder auslöscht. Aber freilich, solange wie wir noch fühlen, sind wir auch noch Sklaven dieser Gefühle. Und seien Sie ftoh, junger Freund, daß Sie noch in diesem Stadium stehen! Ob Leid oder Lust, es ist Leben! Bald kommt die Zeit, da die feinsten und schönsten Fühlfäden unserer Seele absterben und das Eis der Selbst­sucht und Einsamkeit sich erkältend auf unser Empfinden legt. Sie stehen noch weit davon, aber glauben Sie mit, man tauschte dann manch- mal all die Ruhe und Kaltblütigkeit seine» Her­zens gern mit einem heißen, lebensvollen Schmerz der einstigen empfind ungsvolleN Jugend!"

Vielleicht ist es so, wie Ei« lagen, Durch­laucht, aber wer mitten bttit in jenem heißen,

heißt: Infolge der jetzigen durch die Reichs­finanzreform herbeigeführten Kttfis hat sich lei­der ein scharfer Gegensatz der nattonalliberalen Reichstagsfraktton zum Bunde der Landwitte herausgebildet, so daß mir die Möglichkeit ge» nomen ist, in der Fraktion in dem Sinne zu wirken, der den meinen Wöhlern gegebenen Er­klärungen entspttcht. Entgegen dem seit meinem Eintritte in den Reichstag geübten Frattions- gebrauche wurden bei der Reichsfinanzreform Frakttonsbeschlüsse gefaßt, die alle Mitglieder bezüglich ihrer Abstimmung banden. Da mir zu­dem mitgeteilt worden ist, daß mein Verbleiben als Laichesvorsttzender des Bundes der Land­wirte für Hessen mit meiner Angehörigkeit zur nattonalliberalen Reichstagsfraktton dieser un­vereinbar erscheine und ich damit vor die Frage gestellt war, ob ich das mir von den hessischen Landwitten übertragene Ehrenamt nieberlegen sollte, sah ich mich zu meinem lebhaften Be­dauern veranlßt, meinen Austritt aus der Frak­tion zu erklären, der ich so lange angehört habe und mit deren SJlitgliebet mich politische An- schaungen und aufrichtige persönliche Freund­schaft verbunden hielten.

Der obligatorische französische Unterricht In den Volksschulen des Reichslandes.

Straßburg, 6. Juli. Heute fand im Landesausschuß die Beratung über di« Anträge Kübler und Genossen, sowie Dr. Back und (Sen. betreffend Einführung des obligatorischen fran­zösischen Unterrichts in den Volksschulen statt. Während der Debatte ergriff Unterstaatssekre­tär Freiherr Zorn von Bulach das Wort und be­zog sich dabei auf die frühere Ettlärung der Regierung. Der Regierung läge es durchaus fern, der Verbreitung der französischen Sprache Schwiettgkeiten zu bereiten, die Regierung könne aber dem Wunsche auf allgemeine Ein­führung eines französischen Unterrichts in der Volksschule und zwar im deutschen Sprachgebiet nicht zustimmen; das durchbräche die Einheit des Vildungsplanes der Volksschule. Ue6er die Notwendigkeit eines französischen Unterrichts in den französischen und gemischtsprachigen Sprachgebieten herrsche überhaupt keine Ver­schiedenheit zwischen Regierung und dem Hause. Dieses Bedürfnis werde von der Schulverwal­tung auch schon befriedigt. Hier kämen höchstens Einzelfragen in Frage. Der Staatssekretär be­zog sich dabei aus die im Mai gegebene Erklär- rung und betonte die Notwendigkeit des Zu­sammengehens von Eingewanderten und Ei.r- heimischen, um eine Demonstration, die jenseits des Rheines oder der Vogesen aufgefaßt wer­den könnte, zu vermeiden.

Das Studium der Theologie in Deutschland.

2382 Theologen sind in diesem Sommer­semester an den 17 evangelisch-theologischen Fa­kultäten der deutschen Universitäten immattt« kuliert, gegen 2072 im Wintersemester 1908/09 uni) 2311 im Sommersemester 1908. Die meisten evangelischen Theologen zählen die Uni­versitäten Leipzig und Tübingen, nämlich je 330. Es folgen: Halle mit 280, Berlin mit 258, Marburg mit 169, Erlangen mit 135, Greifs­wald mit 119, Göttingen mit 112, Bonn mit 96, Straßburg mit 91, Heidelberg mit 83, Königs­berg mit 79, Breslau mit 74, Gießen mit 65,

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ein vorläufig noch Blinder leisten kann, da» steht Ihnen bei mir stets zu Diensten?' '

Nun. so Gott will, Durchlaucht, habe ich an Ihnen nächstens auch einen sehendenGönner, unb wenngleich ich glaube, daß Sie kaum besser wie jetzt in den Herzen lesen könnten, wenn Sie ganz gesunde Augen hätten, so hoffe ich doch vom ärztlichen und vom menschlichen Stand- punkt aus, daß Sie recht bald der Welt als un­gehindert tätiges Mitglied wieder gegeben werden!"

Gott gebe es, wenngleich ich mich noch immer hüte, die Hoffnung zu fest in mir Wur- { zel schlagen zu lassen. Ganz kann ich mich frei­lich vor ihren schönen Trugbildern nicht ver-, schließen, der Mensch bleibt Mensch, und Euer großer Dichter sagt nicht umsonst:Ri?ch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf!" ,

Der Fürst fuhr sich, leicht aufseufzend, Eber die hohe, furchendurchzogene Stirn.Sie wissen ; nicht, junger Freund, was es heißt, das Augen- i licht zu entbehren! Daneben scheint einem jede ' andere Entsagung klein, jeder andere Schmerz geringfügig. Ein Blick in die schöne, weite Eotteswelt man weiß nicht eher, welche Hirn-: melsgabe das ist bi» man im Dunkeln steht.

Der Doktor, dessen Nerven sowieso in fieber­hafter Erregung waren, schauerte bei der tiefen Klage, die durch die Watte des Blinden Hang, fröstelnd zusammen. Ja, e» gab viel Leid auf der Welt, und es war vielleicht Sünde und Tor­heit, .sich Über den keinen Teil, der davon ihm Miftel, so leidenschaftlich aufzuregen. Aber man taxiert immer nur da» gewichtig, was man [etbft fühlt, und schöpft keinen Trost aus den

- Saften, die ander« tragen,

. (Fortsetzung folgt.)

Rostock mit 68, Jena mit 52 und Kiel mit 48. 183031 betrug die Gesamtzahl der evangeli­schen Theologen 4267, 185051 1615, 1870-71 1827, 189091 4190, 189394 3175, 189607 2676 und 18991900 2352. An den katholisch- theologischen Fakultäten studieren im Sommer­semester 1909 1766 Theologen, gegen ltiti3 im Wintersemester 190809 und 1778 im Sommer­semester 1908. Bonn zählt 843, Breslau 815, Münster 810, Freiburg 224, Tübingen 185. Straßburg 157, München 147 und Würzburg 85 Theologen. 187071 waren 899 katholisch« Theologen immatrikuliert, 188485 075,

188788 1123, 189394 1841 und 18991900 1546.

Aus dem Reichstage.

Im Reichstage stcmd am Dienstag, 6. Juli, zu­nächst der Gesetzentwurf über die zollwidrige Verwen­dung von Gerste zur zweiten Beratung. Nach dem Kommissionsantrage soll es verboten werden, Malz aus Gerste, die nach einem niedrigeren Zollsatz, all dem für Malzgerste festgesetzten, verzollt ist, zu Brau­zwecken zu verwenden. Ausländische Gerste, die mit 1,80Ä pro Doppelzentner verzollt ist, soll kenntlich gemacht oder nachgewiesen werden, daß sie zur Malz­bereitung ungeeignet ist. Abg. Stolle (Sog.) be­kämpfte die Vorlage. Abg. Hausmann - Hannover (natlib.) befürwortete sie, ebenso Abg. Hufnagel - (kons.), der darauf hinwies, daß die Zunahme der Mnfuhr von Futtergerste und der Rückgang der Ein­fuhr von Braugerste, den Beweis liefere, daß die Um­gehung des Zolls von 4 A sehr wohl möglich fei. Abg. Carsten (freif. Vp.) trat der Vorlage entgegen, da sie «ine Verschlechterung und Verteuerung des ViehfutterS bringen werde. Ministerialdirektor Kühn betonte, daß eine grundsätzliche Kennzeichnung der Werte mit den Handelsverträgen nicht im Einklang stehe. Abg. Gothein (freif. Vgg.) wandte sich ebenfalls sehr ener­gisch gegen die Vorlage. Abg. Speck (Ztr.) befürwor­tete die Vorlage, welche lediglich den reellen Handes fchühen wolle. Ein konservativer Antrag auf Schluß der Debatte wurde in namentlicher Abstimmung an­genommen. Der § 1 wurde sodann mit der Bestim­mung angenommen, daß Futtergerste gefärbt werden mutz, Gerste zu Brauzwecken dagegen nicht. Der Rest des Gesetzes wurde in der Kommissionsfaffung nach kurzer Debatte angenommen. Nachdem der Rest del Gesetzes erledigt war, wurde tlie zweite Lesung der Steuervorlagen fortgesetzt. Der von der Kommission abgelehnten Gas- und Elektrizitätssteuer, sowie der Anzeigen- und Plakat st euer wurde endgiltig ein Ende bereitet. Es sollte die Stem­pelsteuer folgen. Hier kam die auf der äußerste« Linken bestehende Gereiztheit gegen die Mehrheit wie­der underholen zum Durchbruch. Graf Westarp be­antragte mit Rücksicht auf die schwebenden Verhand­lungen mit der Regierung über neue Vorschläge Ab­setzung dieses Gegenstandes. Abg. Singer (Soz.) widersprach dem in wenig urbanen Formen und mit außerordentlicher Schärfe gegen die Mehrheit. Seine bissigen Bemerkungen, während deren wiederholt ein ohrenbetäubender Lärm herrschte, krönte er mit der geschmackvollen Wendung, daß der Reichstag zu einer Schacherbude gestempelt sei. Er zog sich dadurch, all sich der Sturm einigermaßen gelegt hatte, vom P.äst- denten, der fortwährend die Glocke schwingen mußte, einen Ordnungsruf yx. Schon vorher hatte er meh­rere Ausdrücke wieMoral der Roßtäuschcrci" ange- wcndet, die Graf Stolberg all unparlamenürrtsch be­zeichnen mußte. Sein Antrag, nur überhaupt zu ver­tagen, wurde unter großer Heiterkeit abgelehnt. Man fetzte die Beratung der Zündwarensteuer fort. Lbg. Dr. Ofann (natlib.) begründete und empfiehlt enüde Abänderungsanträge zugunsten der kleinen und mi» leren Fabriken, darunter einen gemeinschaftlichen nrit '*

lebensvollen Schmerz steckt, dem fehlt die darüberstehende Verklärung, und der kann sich nicht mit der philosophischen Bettachtung der Vergänglichkeit desselben trösten. Was Lesser ist, leiden können oder dessen nicht mehr fähig sein, das liegt augenblicklich außerhalb der Fähigkeit meiner Ueberlegungen. Ich weiß nur, daß ich leide, daß meine Seele in Aufruhr ist und ich einen Teil meiner Zukunft hingeben möchte, um Ruhe zu erringen und einen klaren Weg vor mir zu sehen."

Nichts von Zukunft hingeben, junger Freund! Das Leben ist sowieso kurz genug, halten Sie Haus, jeder Tag nimmt doch etwas davon fort! Und die Ruhe kommt schon mit der Zeit, man geht durch alles. Aber vielleicht kann Ihnen der Rat eines erfahrenen, die Hilfe eines mit Elücksgütern gesegneten Mannes etwas nützen, dann stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Es ist ja die einzige Freude eines Menschen, der selbst mit dem Leben abgeschlossen hat, anderen das Leben erleichtern zu helfen."

Sie find unendlich gütig, und ich werde mich Ihrer Worte stets dankbar erinnern," erwiderte Werner mit bewegter Stimme,aber es gibt Dinge, in denen der Mensch ganz allein auf sich selbst angewiesen ist und allein den Kamvf mit sich bestehen muß. Haben Sie Dank und ver­zeihen Sie, daß meine augenblickliche Stimmung

«mit mir durchging und Sie belästigte!"

Im Gegenteil, lieber Dottor, ich muß um Verzeihung bitten, daß ich mit meinen indis­kreten Fragen eine schmerzend« Wund« berührt«. Schreiben Sie diesen Uebergttff auf mein« wirklich freundschaftliche Teilnaym«, und er­innern Sie sich derselben in jedem Augenblick, wo Sie Gebrauch tww ihr machen könnens Was

Die InsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Iah. Äug. Koch, UnwersitätSbuchdrnckerei Inhaber Dr. C. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

(Nachdruck verboten.)

Gin Sommertrimm.

Roman von K. van Bettet.

< Fortsetzung.)

Der Arzt brachte es zustande, den Menschen für den Augenblick zu überwinden, und keinem derjenigen, die seiner Aufsicht anvertraut waren, seinen Anteil verlangten, kam der Gedanke, daß der junge Doktor, der so liebevoll in dem Be­finden anderer aufging, soeben auf einem Punkt seines Lebens stand, von dem aus er in unent­wirrbares Dunkel und qualvolle Seelenkämpfe schaute. Nur der erste der Patienten, der eigent­lich her elfte und nach jeder Seite hin bedeu­tendste derselben war, ein russischer Fürst, der vom ersten Augenblick an für Werner ein be­sonderes Interesse gezeigt hatte, blieb dem Seelenzustand des jungen Arztes gegenüber nicht verständnislos. Seit drei Jahren erblin­det und von verschiedenen Autoritäten als hoff­nungslos erklärt, hatte er bei Geheimrat Wen­denburg eine lebensgefährliche Operation durch­gemacht und sah jetzt auf dem Wege der Heilung deren Früchten entgegen. Ein feiner Beobachter von Natur, hatte sein langjähriges Leiden die Cchärse seiner Empfindungsfähigkeit bis zur geistigen Hellseherei ausgebildet, und nachdem die ganze Konsultation erledigt und die dazu gehörigen Fragen und Formalitäten abgetan waren, sagte er in seinem etwas harten, aber vollendet reinen Deutsch:Was haben Sie, lieber Dottor? Ihre sonst so kühle, frische Hand ist fieberheiß und au» Ihrer Stimme Hingt ein arg verstimmter Ton! Entweder sind Eie krank, und dann rate ich Ihnen schleunigst

Tie Feier in Saßnitz.

Saßnitz. 6. Juli. Um 11 Uhr versam­melten sich die Festteilnehmer auf dem Fähr­schiffDeutschland", wo um 1 Uhr 30 Minuten 'der Kaiser und der König von Schweden ein» .trafen. Unter den Anwesenden befanden sich Staatssekretär Frhr. v. Schoen, Staatsminister v. Breitenbach, sowie der Minister des Innern Frhr. v. Moltke und die schwedischen Minister. Der Kaiser trug schwedische, der König von Schweden deutsche Admiralsuniform. Die Monarchen nahmen vor beit Thronsesseln Auf­stellung, die in der für den Eisenbahnzrlg be­stimmten Halle des Fährschiffes auf einem Po­dium standen. Minister Breitenbach hielt dann die bereits gemeldete Ansprache. Die Monarchen reichten sich die Hand und besichtigten darauf di« großartigen Räumlichkeiten des Fährschiffes. Um 12 Uhr 30 Minuten fand an Bord der Hohenzollern" Frühstückstafel statt, wobei der Kaiser folgende Rede hielt:Es gereicht mit zur großen Freude und ganz besonderen Genug­tuung, Euere Majestät heute an Bord meiner JachtHohenzollern" begrüßen zu können. Ich -in dankbar dafür, daß Euere Majestät beschlos­en haben, an den in den deutschen Gewässern ; tattf inbenbett Feierlichkeiten anläßlich der Er­öffnung der Fährverbindung zwischen Deutsch­land und Schweden in höchsteigener Person teil­zunehmen. Einer Anregung Euerer Majestät weiser Regierung entsprungen, hat der Plan der neuen Verkehrseinrichtungen bei mir und mei­ner Regierung freudige Aufnahme, volles Ver­ständnis und eifrige Förderung gefunden. Dank hingehender Arbeit ist das Werk heute vollendet. Möge der neue Weg über die Ostsee Handel und Verkehr zwischen Deutschland und Schweden kräfig beleben und fördern. Möge er eine neue Drücke bilden zwischen den Herzen der beiden stammverwandten Nationen. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Euerer Majestät, des er­habenen Vertreters und Lenkers des ruhm­reichen schwedischen Volkes.

Der König von Schweden antwortete bei dem Frühstück auf derHohenzollern" folgendes: Majestät! Es ist mir ein Herzensbedürfnis, Euerer Majestät meinen wärmsten Dank aus­zusprechen für die freundlichen Worte, die Ew. Majestät an mich gerichtet, und für die heutige schöne Feier, an welcher teilzunehmen, mir die größte Freude und Genugtuung berettet. Seit lange hegte ich und meine Regierung den Wunsch, eine den modernen Anforderungen mehr entsprechende Verkehrsverbindung zwischen den beiden Ländern entstehen zu sehen. Dank dem großen Wohlwollen und dem tatkräftigen Bei­stände, welche Ew. Majestät Regierung unseren Bestrebungen entgegengebracht, haben unser« Bestrebungen nun in schönster Weise verwirk­licht.. Von Herzen teile ich die Hoffnungen, die Ew. Majestät für die Zukunft mit der neuen Verbindung zum Ausdruck gebracht hat. Möge dieselbe dazu beitragen, die herzlichen Bezieh­ungen zwischen den beiden von Alters her be­freundeten Nationen zu stärken und zu ent­wickeln. In dieser Hoffnung erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers und Königs und das Wohlergehen des deutschen Reichs!" Gleichzeitig mit dem

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und ,^Landwirtschaftliche Berlage.-'