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MchM IMU mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage.-

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DieGbrrhefstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt oiertel- jährlich durch die Host bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsftellen und der Erpedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonntaq, 4. Juli 1909.

Dre JnsertronSgebübr beträgt fllr dre 7gespaltene Zelle! oder deren Raum 15 Pfennig, fiit Reklamen 30 Pfennig. I Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UnwersitätSbuchdruckerei I Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55. |

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44. Jahrg.j

Zweites Blatt.

Bestellungen

fSr das dritte Quartal .

auf die »Oberhessische Zeitung- nebst ihren Beilagen roetber. noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstnlten und Landbriesträgern ent» gegengenommen.

Innere Schwierigkeiten im polnischen Vager.

Auch die Polen muffen, so schreibt man der Ostdeutschen Korresp.", die Erfahrung machen, daß die Vertiefung der allgemeinen Bildung und die wirtschaftlichen Fortschritte nicht ohne Nach­teile zu erkaufen sind, nicht ohne das Austauchen von mannigfachen Gegensätzen politischer und wirtschaftlicher Art. So wird das Auseinander­fallen der polnischen Fraktion in eine konservative und eine demokratische kaum noch lange auf sich warten lassen. So erhält die Arbeiterfrage durch "die gewerkschaftliche Organisation allmählich ein anderes Gesicht und auch die polnische Kaufmann­schaft tritt neuerdings mit Klagen an die Oeffent- lichkeit. Wir werden zwar gut tun, diese Entwick­lung aufmerksam zu verfolgen, auf der anderen Seite uns aber vor zu weitgehenden Schlüffen und Folgerungen zu hüten haben. Denn uns Deut­schen gegenüber wird auch ein in Parteien auf­gelöstes Polentum stets einig und geschloffen aus­treten, das Deutschtum bleibt der äußere Feind, dem gegenüber alles Trennende zurücktritt. Hebet die Arbeiterfrage läßt sich jetzt noch kein abschlie­ßendes Urteil fällen, weil die Verschmelzung der drei polnischen Getverkschaften nur erst äußerlich vollzogen ist. Auch die Bildung der Parteien ist noch zu sehr im Werden begriffen, wenn auch die Umriffe der zukünftigen Entwicklung schon deutlich zu erkennen sind. Heute möchten wir uns nur mit den Klagen der polnischen Kaufleute beschäfttgen.

Die polnischen Kaufleute sind in einem Ver­bände der kaufmännischen Vereine als Prinzipale organisiert, daneben gibt es eine Vereinigung der kaufmännischen Jugend (Gehilfen) und einen Ver­band der Geschäftsreisenden. Die Kaufleute neh­men bei ihren Zusammenkünften neuerdings fast regelmäßig Stellung gegen dieRolniks", die landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsgenossen- schaften, deren Konkurrenz sich immer fühlbarer macht. Wächst doch die Zahl der polnischen kauf­männischen Betriebe rascher, als es ohne die Uebenragung des nationalen Gegensatzes auf das wirtschaftliche Gebiet geschehen würde. An vielen

8' (Nachdruck verboten.)

Mn Sornmertraurn.

Roman von K. van Beeter.

(Fortsetzung.)

Alles war plötzlich wie in einen anderen Gesichtskreis gerückt wie bisher, und mit brennenden Schmerzen wühlte Rita sich immer tiefer in die qualvolle Mög­lichkeit, daß ihr eigenes heißes Wünschen sie be­trogen, und Max, anstatt sie zu lieben, nur sein Spiel mit ihr getrieben habe. Aber es konnte fa nicht sein! Ihr ganzes glaubensvolles junges Herz bäumte sich gegen solche Annahme auf. Wenn nicht noch sein Empfang gewesen wäre, diese unüberlegte, impulsive Glut und Jn- nrgkeit seiner Begrüßung, die mit jedem Blick, jedem Ton von Glück und Liebe sprach! Es w.ar nicht möglich so konnte kein Mensch lügen! Wie hatte er doch gesagt?Gott sei Dank, nun ist alles gut, nun kann noch alles gut werden!" Vis jetzt hatte Rita hinter diesen Worten nicht mehr gesucht als gestillte Sehnsucht, als di« Uebereinstimmung seiner Wünsche mit den ihren. Heute stutzte sie zum erstenmal« vor dem neuen Sinn, der ihr aus ihnen hervorzuleuchten schien.Nun kann noch alles gut werden." Was sollte das heißen? Verriet das nicht einen Zustand, aus dem er sich heraussehnte, aus dem ste ihn retten sollte? Konnte das allein ihrer Abwesenheit gegolten haben, klang nicht viel­mehr etwas wie ein Hilferuf, ein Flüchten vor Gewalt hervor?

Als Rita mit ihren Betrachtungen sowett gekommen war, richtete sich ihre schlanke Gestatt aus der gebrochenen Haltung, mit der sie so» lange im Seffel gekauert hatte, elastisch auf und fernen Sksenflügel blähte« sich wie t*

Otten übersteigt ihre Zahl zweifellos die Kauf­kraft der Polen und sie würden sich nicht enthalten können, wenn sie nicht einen Stamm fester deut­scher Kunden hätten. Für Gnesen hat jüngst erst Vosberg in seinem Buche auf diese beklagenswerte Erscheinung und ihre Gründe hingewiesen. Und leider ist Gnesen nicht die einzige Stadt in unserem Osten, wo die Polen deutsche Beamte zu ihren regelmäßigen Kunden zählen. Aber ttotz dieser Hilfe von deustcher Seite fühlen sich die polnischen Kaufleute bedrängt. Und zwar nicht nur durch die Rolniks".

Auch die ländlichen Warenhäuser, deren es schon gegen 30 geben soll, machen ihnen immer mehr zu schaffen. Sollen doch diese ländlichen Be- tttebe sogar städttsche Käufer anlocken. In einer Anzahl von Städten soll das Ausbleiben der länd­lichen Kundschaft schon solchen Umfang angenom­men haben, daß die Verminderung der Einnahmen den Kaufleuten sehr bemerkbar wird. Ob es sich dabei um einenBoykott" der polnischen konser- vattven Gutsbesitzer gegen die ihnen zu demo­kratisch-demagogischen Staufleute handelt, wie diese behaupten, ob also die ländlichen Warenhäuser zur wirtschaftlichen Bekämpfung der Kaufleute gegrün­det werden, kann dahingestellt bleiben. Tatfache ist jedenfalls, daß der polnische Mittelstand vor Schwierigkeiten steht, an die noch vor kurzer Zett niemand gedacht hat. Daraus entwickeln sich Rei­bungen, die auch auf politischem Gebiet sich be­merkbar machen müffen. Die Polen werden eben auch erkennen müffen, daß man zwar der wirt­schaftlichen Entwicklung eine bestimmte Richtung zu weisen vermag, aber dann die Dinge zuweilen einen ganz andern Verlauf nehmen, als man wünschte. Je weiter die Differenzierung des pol­nischen Wirtfchaftssvstems fortf(breitet, desto größer müssen auch derarttge innere Schwierigkeiten werden. Der Verband der polnischen kaufmän­nischen Vereine will auf die Auflösung oder doch Verminderung der Warenhäuser in den Dörfern hinwirken. Man darf gefpannt sein zu hören, welche Ausnahme sein Vorgeben bei der ländlichen Bevölkerung, insbesondere bei den Großgrund­besitzern, finden wird.

Die Ckwlera in Petersburg.

Man schreibt derPost" aus Petersburg:

Das diesmalig« Ueberhandnehmen der Cholera in der Hauptstadt, die täglich bereits mehrere Dutzend neuer Kranke aufweist und am letjten Tage sogar die Zahl 100 neu hinzuge­kommener erreicht hat. ist nicht nur ein Unglück, es ist auch eine Schande für die gesamte Stadt­verwaltung. Als die Cholera im vorigen Jahre ausbrach, gab es wenigstens eine Ent­schuldigung für die Kopflosigkeit der Behörden. Unterdes ist ball» ein volles Jahr verflossen, ohne daß irgend welche wesentliche Maßregel zur Sanierung Petersburgs ergriffen worden wäre. Alles rief im vorigen Herbst nach schleu­niger Durchführung der Kanalisation, alles

Kampfeslust. Noch einmal ging sie in Gedanken alles durch, was man von der Schönheit, dem bezaubernden Gesang und allgemeinen Reiz der gefeierten Künstlerin gesprochen, wie man lächelnd und auch ein klein wenig giftig bestä­tigt hatte, daß die Männer schwach seien, und man sich nicht verwundern dürfe, wenn sie sol­chen Künsten und solchem Zauber nicht wider­stehen könnten. Damit war das Gespräch auf einen Prinzen hinübergespielt worden, und Rita wußte nicht mehr, was man weiter gesagt hatte. AberKünste" undZauber" waren ihr im Gedächtnis geblieben, und es war ihr plötz­lich sonnenklar, wie die Verhältnisse lagen. Aber auch, daß diese Kokette zu der sie Nora Linden ohne weiteres im Zorn stempelte ihren armen Max mit Künsten und Zauber ein­gefangen und ihm die Sinne verwirrt habe, und wie dieser sich angstvoll aus solchen Schlingen heraus-nach ihr gesehnt, sie jubelnd als Retterin begrüßt habe. Ja, so war es, so mußte es sein, und wenn es auch vielleicht nicht ganz regelrecht so fein durfte sie war groß genug, um zu verzeihen und den Glauben des Eeliebten an sie und ihre Hilfe zu bestätigen Mit dem Seherblick der Liebe sah sie die Sache fast genau so vor sich, wie sie wirklich war. und wenn ihr das Herz auch weh tat bei dem Gedanken, daß es möglich gewesen sei eine Ne­benbuhlerin zu haben, so war sie nicht die Na­tur, um sich solcher Tatsachen halber entrüstet und für ewig von dem Eeliebten abzuwenden.

Die Lampe höher schraubend, trat Rita vor den Spiegel, um sozusagen eine Musterung ihrer äußeren Hilfsttuppen zu hatten. Aber an all' das bentenb, was man über ihre Neben­buhlerin gesprochen hatte, wandte sie sich seufzend schnell wieder ab. Damit war nicht viel zu machen! Wenn nicht ihr Wesen und

mahnte, warnte vor diesem Sommer, der Chef der SanitätskommiKon Gubert erklärte im April, daß die Cholera nach einem Monat zu erwarten fei, aber die Petersburger Stadtväter rührten bis zum letzten Tage nicht einen Finger, um dem Unheil zu steuern, obwohl es bekannt war, daß die reichen Gewässer von Petersburg, von der Newa bis zur kleinsten Pfütze, von Colerabazillen überfüllt sind. Die Stadtver­waltung, die als Vertreterin großer Hausbesitzer stets nur deren Interessen zu wahren bedacht ist, hat sich dermaßen blamiert, daß die Regierung jetzt in ihre Rechte eingreift und die zwangs­weise Sanierung der Residenz durchzuführen entschlossen ist. Zu diesem Behufe setzt sie jetzt eine Beamtenkommission ein, die auf eigene Faust hin alle für die Gesundheit Petersburgs ihr erforderlich erscheinenden Maßnahmen in die Wege zu leiten hat, weswegen eine Hundert­millionenanleihe aufgenommen werden soll. Dies heißt allerdings den Teufel durch Beelzebub vertreiben. Denn wer sollte noch nach den un­heimlichen Enthüllungen über die Kolossaldieb­stähle in allen staatlichen Institutionen zu der neuen bureaukratischen Kommission Vertrauen haben? Die Stadtväter und Magistrat haben es sich aber außerdem noch zuzuschreiben, daß das Prinzip der selbständigen städtischen Ver­waltung bei dieser Gelegenheit gründlich durch­löchert wird, so daß ein Präzedenzfall von un­absehbaren Folgen entsteht.

Die alljährliche Wiederkehr des unheim­lichen Gastes ist auch für das benachbarte Deutsche Reich eine beständige Bedrohung, wenn auch aus Rußland etwa eingeschleppte Einzel­fälle von Cholera bald erkannt und ihre Weiter­verbreitung verhindert werden würde.

Politische Umschau.

Ein Franzose über Kaiser Wilhelm.

Paris, 30. Juni. DerMalin" veröfientlicht die Eindrücke eines Teilnehmers an dem auf der JachtMarianne" zu Ehren des Kaisers Wilhelm gegebenen Frühstücke. Niemals habe sich der Kai­ser freundlicher, liebenswürdiger und vettrauens- voller und den Franzosen gegenüber entgegen­kommender gezeigt. Gleich dem Kaiser habe sich der Reichskanzler sprühend von Geist und Witz gezeigt. Es sei ein schönes Schausiel gewesen, den kanzler sprühend von Geist und Mtz gezeigt. Es sei ein unvergleichliches Schauspiel gewesen, den Kaiser und den Reichskanzler, welche man den Franzosen seit Monaten als unversöhnliche Geg­ner geschildett habe, in herzlichster Weise mit ein­ander sprechen und vettranensvolle Blicke mit ein­ander austauschen zu sehen. Der Groll, den der Kaiser gegen den Reichskanzler empfunden haben mag, habe sich jedenfalls beträchtlich abgeschwächt in solchem Maße, als die gegenwärttgen Schwie­rigkeiten Deutschlands zunehmen. Denn der Kai­ser lege sich täglich immer besser Rechenschaft ab über die vom Fürsten Bülow geleisteten Dienste, über die Schwierigkeiten seiner Aufgabe und über die Mühe, einen Nachfolger für ihn zu finden.

ihre Liebe es taten, dann würde sie nii.t weit kommen! Aber es galt ja auch kein Erobern, sondern nur ein Zurückgewinnen.

Davon, daß der schwerste Kampf ihr vielleicht gerade mit Maxens Gewissen und Feinfühlig­keit bevorstehen würde, lag Rita noch jede Ahnung fern. Leider, denn in dieser neuen Schwierigkeit hätte sie die beste Kraft und zu­gleich den schönsten Beweis dafür gefunden, baß er ihr doch gehöre und sie mit dem mutigen Entschluß seiner Wiedereroberung auf dem rich­tigen Weg sei. Alle ihre Gedanken konzen­trierten sich auf die Gelegenheit eines endlichen Zusammentreffens, und sie sehnte leidenschaftlich den noch zwei Tage entfernt liegenden Mittwoch herbei, auf den der Gesellschaftsabend der Ee- heimrätin fiel und Max als Sohn des Hauses unmöglich fehlen konnte. Die Frau Kommer­zienrat hatte auch, trotz angegriffener Nerven und Jnfluenzanachwehen, - fest erklärt, dieser Einladung unbedingt nachzukommen, und selbst, wenn das nicht gewesen wäre, hätte sich Rita von dem Besuche in einem so befreundeten Hause unter keinen Umständen zurückhalten lassen.

Zu selben Zeit, da Rita in den vier Wän­den ihres verschwiegenen Boudoirs mit ihrem Herzen kämpfte und ihre Entschlüsse faßte, saß in dem behaglich, wohldurchwärmten Wohnzim­mer des Wendenburgschen Hauses Doktor Wer­ner und ruhte von der Tages Last und Arbeit im gemütlichen Familienkreise aus. Das heißt: der Familienkreis beschränkte sich augenblick­lich für ihn auf Ullis einzelne Person, da Max wieder einmal in Gesellschaft war und das Ehe­paar, wie jeben Abend, wenn sie allein zu Haufe waren, nach dem Abendbrot eine Partie Schach spielte.

Der Dotzor war in den zehn Tagen, di« er

Fürst Bülow gehört zu den modernen Staats­männern, welche mit unveränderlich skeptischer und lächelnder Ruhe die täglichen politischen Kämpfe misehen, weil sie totff en, daß Geist und Geschick faßt immer selbst die schroffste parlamentarische Oppo­sition besiegen können. Der Kaiser aber sei viel­leicht weniger zuversichtlich und mehr besorgt, weil er in hohem Grade das Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit als Staatsoberhaupt besitze. Dieselben Gedanken, welche er darüber in seiner jüngsten Hamburger Rede äußerte, habe der Kaiser in bett Gesprächen an Bord derMarianne" wie­derholt, wenn auch vielleicht in einer weniger förmlichen Art. Der Kaiser habe ans seiner Be­friedigung über seine Zusammenkunft mit dem Zaren niemanden gegenüber ein Hehl gemacht/ weil diese Zttsammenknnft nurenergisch" zur Er­haltung des Weltfriedens beitragen könne. Jede Bemühung, jede Idee, jedes Unternehmen im Interesse des Friedens finde beim Kaiser eine warme und aufrichtige Aufnahme.Sagen Sie mir," wiederholte er früher ost,was ich tun kamt, um eine Annäherung an Frankreick zu fördern!" Und wenn er dieses Wort heute nicht mehr sage, weil er vielleicht die Schwierigkeiten einer An­näherung besser kenne, so lege er doch ebenso wie früher Wett auf das Urteil, welches man in Frank­reich über feine persönlichen Bemühungen zur Be- seittgung von neuen Zwistigkeiten hege.

Cine Aenderunq de? Prüfungsordnung für Aerzte

in dem Sinne, daß das Halbjahr, in dem der militärpflichtige Mediziner als einjährig-frei­williger Arzt dient, in das praktische Jahr ein, gerechnet werden könne, ist von dem Verbände Deutscher Klinikerschaften in einer an den Reichstag gerichteten Eingabe befürwortet wor­ben. Es ist Aussicht vorhanden, daß diesem Wunsche bei einer Revision der ärztlichen Prüfungsordnung Erfüllung wird. Wenn du« Reichsamt des Innern bisher einen ablehnen­den Standpunkt eingenommen hat, so geschah dies in der Erwägung, daß die Approbation als Arzt grundsätzlich erst nach Vollendung des praktischen Jahres erteilt werden könne und, daß anderseits die Armee nur solche Personen zur Handhabung des ärztlichen Eesundheits- und Krankendienstes bei der Truppe wie im Lazarett gebrauchen könne, welche die volle Approbation als Arzt bereits erlangt hätten. Man wa über­zeugt, daß es auch außerhalb der Arme» im Volke sicherlich gebilligt werden würde, nenn für die Armee nicht voll approbierte Aerzte zur Verwendung gelangten. Noch im Jahre 1908, als die Frage nochmals erörtert wurde, hat der preußische Kriegsminister darauf hingewiesen, daß zwischen der unselbständigen Tätigkeit der Medizinalvrattikanten während des p. kt,scheu Jahres und der Tätigkeit der einjäh''g-frei­willigen Aerzte ein gru^sätzlicher Unt .schied bestehe. Wenn auch die letzteren tn der Aus­übung ihres Dienstes beaufsichtigt und geleitet würden, so bringe es doch ihre Verwendung bei der Truppe wie im Lazarett mit sich, daß st« häufig ärztliche Maßnahmen .elbstäncig zu

in H. weilte, im Hause seines Vorgesetzten schon so heimatberechtigt geworden, daß seine Gegen­wart die den Eltern liebgewordene '"pielstunde nicht mehr hemmte und störte, besonders da der­selben stets eine allgemein gemütlich' Schluß­unterhaltung folgte, bei der die Hausdame mH lobenswerter Toleranz sogar eine Zigarre ge­stattete. Heinrich Werner war mit der Schach­partie auch durchaus nicht unzufrieden, denn während die beiden Eltern zu derselben in ein« behagliche Ecke neben dem breiten Kachelofen rückten, blieben er und UlU in einem anderen Eckchen des großen Zimmers zurück, das mit sei» nem zierlichen Sofa, den tiefen, weichen Polster­stühlen und dem etwas niedrigen kleinen Tisch, über den die rotverhangene Lampe ihr traulich warmes Licht warf, einen so abgeschlossenen ge­mütlichen Eindruck machte, daß der Dottor in Gedanken schon beschlossen hatte, genau solches Plätzchen müsse in seiner künftigen Wohnung auch geschaffen werden. Vorläufig beschäftigte er sich damit, das Hauptstück und die Fee biefer Phantasiewohnung täglich genauer zu studieren, um besonders an den ganz ungestörten und un­beobachteten Spielabenden immer mehr zur Ge­wißheit zu gelangen, daß das Glück ihm mtt diesem reinen, selbstlosen Mädchenherzen ei« wunderbares seltenes Kleinod in den Schoß ge­worfen habe. Trotzdem konnte er sich nicht ent­schließen, schon jetzt das Wort zu sprechen, das diesen Schatz zu seinem festen Eigentum, auch vor der Welt gemacht hätte. Wußte er doch ganz genau, daß derselbe ihm jetzt ebenso gehöre, wie dann, und war doch ein gewisses Etwas in sei­nem Herzen, das immer, wenn das Wort schon auf seiner Lippe lag, ihm wieder den Mund schloß und mit zehn Gründen ihm bewies, daß es besser wäre, so ernste Dinge nicht zu über­eilen. (Forts, folgt.)