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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage. -

DieNberhesstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel, jährlich durch die Post bezogen 2,35 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitung-steilen und der Expedition (Markt 31,) 2 Mk.

Marburg Sonntag, 4. Juli 1909.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55,

44. Jahrg.

Erstes Blatt.

Umschau im Auslande.

In Oesterreich beherrscht den deutsch-sla» Irischen Gegensatz auch heute noch die Stunde. Der vor wenigen Tagen aufgenommene Hochverrats- prozeh gegen die tschechischen Antimilitaristen ver­spricht Aufklärung über das landesverräterische Verhallen der Tschechen während des österreichisch- serbischen Konflikts zu geben. Hoffentlich zieht die Zentralregierirng in Wien daraus die richtige Nutzanwendung und nimmt entschiedener als lange Zeit Stellung gegen die Bedrängung der Deutschen durch die slawischen Elemente des Reiches. Im Reichsrat ist es bereits wieder zu einem Konflikt der Regierung mit der slawischen Union gekommen. Diese bestand auf der Schlie­ßung der Sibring, während Ministerpräsident Frhr. v. Bienerth. der sich übrigens als ein äußerst geschickter Geschäftsleiter entwickelt, und Handels­minister Weiskirchner, der frühere christlich-soziale Parteiführer, mit aller Entschiedenheit für die Er­ledigung der handelspolitischen Vorlagen ein­traten. Die Mehrzahl der Obmänner trat dieser Forderung bei und die stawische Union wurde ab­gewiesen. Bedauerlich ist es, daß das Befinden des bcdeliteiidsten inneren Politikers Oesterreichs, Dr. Lueger, der trotz schweren Leidens seine Amts­und Parteigeschäfte weiter versieht, eine weitere Verschlechterung erfahren haben soll, indem man seine völlige Erblindung meldet. Vor kurzem noch hielt er am Grabe Haydns in Ungarn eine mann­hafte Rede und geißelte scharf das Verhalten der madfarischen Gewalthaber, die die toou Haydn ge­schaffene österreichische Nationalhymne innerhalb der ungarischen Grenzpfähle verbieten. Dock auch die Svmde dieser fanatisierten madiarischen Her­ren wird schlagen. Die innere Krisis ist wieder einmal für Ungarn in Permanenz erklärt, und als nächster Retter des Staates gilt jetzt der frühere ungarische Finanzminister Lnkacs- der zurzeit in Wien weilt und mit dem greisen Kaiser über die Beendigung des Konflikts berät. Franz Josef hat daher bis auf weiteres sogar seinen alljährlichen Erholungsurlaub in Ischl aufgeschoben, der ihm zahlreichen Besuch bringen dürfte. Vom deutschen Kaiscrhause soll der Kronprinz gemeinsam mit seiner» Onkel Prinz Heinrich eintreffe», und man spricht auch vorr einem Besuch König Karls von Rrruränien, falls er bis dahin hergestellt sein sollte. Wie schon bekarrnt ist, wird der Deutsche Kaiser mit seinem östcrrci-l-ifchen Verbündeten wahrend der großen Manöver in Böhmen zusammentrrffen, und der tschechischen Bevölkerung hat fiäj wegen dieses Ereignisses, das sich auf seinem Gebiete ab­spielen soll, eine große Erregung bemächtigt. Hof-

Bor hundert Jahren.

Unter französischer Herrschaft.

Von L. Müller.

(Fortsetzung.)

Originell ist ein Schriftstück, welches die Landleute am Diemelfluß dem nach dem Frie­densschluß 1S16 zusammengetretenen Landtag übermittelten. Das höchst merkwürdige Doku­ment lautete:

Da unser gnädigster Landesherr seine ge­treuen Stände wieder zusammengerufen bat, um mit ihnen die Not des Landes zu beraten und ihr, wenn es angsht, abzuhelfen, so nehmen wir uns die Erlaubnis, unserem zum jetzigen Landtag erwählten Deputierten und besonders dem Herrn Schulz, Direktor der Kurie des Bauernstandes, folgende Begehren nahe ans Herz zu legen.

Die Abgaben, welche wir entrichten, sind unerträglich schwer. Die Franzosenzeiten waren schlimm, aber die jetzigen sind, wenn man alles Geben zusammenrechnet, noch schlimmer, und wenn es nicht unser lieber guter Kurfürst wäre, der ein Hesse ist, so gut wie wir, so hätte das Land nicht so lange stille geschwiegen, denn Geld wird gefordert ohne Aufhören, und doch ist kein Handel und Erwerb, und ist das Geld einmal aus unseren Händen, sehen wir's nim­mermehr wieder. Wir wissen wohl, was wir schuldig sind, dasjenige zu geben, was zur Er­haltung des Staates nötig ist, und gern wollen wir dies tun, so lange es nur möglich ist, aber das ist eben das Unglück, daß wir nicht wisien, v»e viel das Land eigentlich braucht. Da nun unser allergnäsigster Kursürst seine Landstände hat Zusammenkommen lassen, um mit ihnen über den Haushalt des Landes zu sprechen, so wird hoffentlich ein jeder erfahren, was nötig und was zu viel ist. Das hofften wir schon, würde »eun ersten Landtag geschehen, da es aber nicht geschehen ist, sondern seit der Zeit die Lasten

sentlich werden sie daraus auch die richtigen Lehren ziehen.

Etwas ernstere Töne haben in den letzten Ta­gen die Türken gegenüber Griechenland angeschlagen, da es die Befesttgung seiner Grenzen mit aller Macht betreibt und sich in der Kretafrage den Loslösnngsbestrebungen der Kreter gegenüber, wenn auch nur passiv, wohlwollend verhält. Wenn man den Zeitungsmeldungen glauben darf, sind Türken und Griechen an der Grenze schon aneinander geraten. Die in der Türkei lebenden Griechen werden streng überwacht und im Wilajet Adrianopel will man einer griechischen Verschwö­rung auf der Spur sein. Wenn bei dieser ge­reizten Stimmung die Schutzmächte Kretas Blut­vergießen verhindern wollen, so müssen sie schleu­nigst etwas unternehmen, denn sonst sind wir un­versehens wieder in der schönsten Balkanbalgerei mitten drin. Wir können uns nur dazu beglück­wünschen, daß wir nach Bismarckschem Rezept von der Insel derfaulen Bäuche* unsere Hände ge- laflen haben.

Während so der Süden Europas äußerst krie­gerisch gestimmt ist, tönen aus seinem abgeklärten Norden wieder einmal Friedensschalmeien. Dies­mal sind es rein skandinavische, haben aber auch für uns Interesse, da auch die Frage der Neu­tralisierung der Ostsee wieder austaucht. Ein alter dänischer Plan, den Oeresund, die Wasserstraße zwischen Schweden imd Dänemark, zu neutralisieren, wird von schwedischen Politikern von neuem ausgenommen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten, doch können wir schon jetzt bemerken, daß die theoretische Neutralitätserklärung kaum Wert hat, umsomehr'aber die praktische durch Versperrung dieser Straße mittels Wracks und anderer Fabrthindernisse.

Zur Lage.

Die vorgestrigen Erklärungen des Vertreters des Reichskanzlers und des bayerischen Bevoll­mächtigten zum Bundesrat haben eine höchst unerquickliche Debatte glücklich unterdrückt, die über die Einheitlichkeit des Bundesrates in wichtigen Fragen im Entstehen war. Unerquick­lich vor allem deshalb, weil sie nach außen hin den Eindruck Hervorrufen mußte, als ob der alte deutsche Partikularismus, die Eifersucht der einzelnen Teilstaaten jetzt im Bundesrat wieder aufgewacht fei und zwar in einer für das Reich so bedeutsamen Angelegenheit.

Wenn dieKöln. Ztg." sagt,Fürst Bülow hat Recht, wenn er sich weigert, mit einer Re­gierung, die sich so um alle Autorität bringt, noch länger zusammen zu arbeiten und in an­deren Blättern von einerDiktatur Bayerns" die Rede ist, so begreift man, wie nötig es war, d'diesen Behauptungen der Boden entzogen wurde durch authentische Erklärungen vom Re­

imn-er drückender geworden, so bitten wir un­sere Herren Deputierten:

1. Ins Reine zu bringen, was von dem vie­len Gelbe, welches das Land Hessen wie man sagt ausstehen hat, dem Lande zu Gute kommt, oder was von dem Staatsvermögen, das wir bereits haben, dem Lande und was dem Landesfürsten gehört. Ist dieses im Reinen, so bitten wir:

2. 5t untersuchen, in welche Kaste das viele Geld, welches wir jährlich geben müsten, fließt, und wozu es verwandt wird, und alsdann her­nach:

3. Mittel und Wege aufzusuchen, wodurch die jetzt bestehenden Abgaben können gemildert werden, um auf einen erträglichen Fuß zu kommen. Damit dann diese bestehende mildere Besteuerung nicht nach Belieben wieder geän- br t werde, so bitten wir die Deputierten, daß sie:

4. dahin sehen mögen, daß eine feste Ver- fastung dem Lande möge gegeben werde, wo ohne Genehmigung der Landstände nichts darf gefordert und auferlegt werden weil es recht und billig ist, daß derjenige, welcher geben soll, auch gefragt werde, wie viel er geoen kann. Dies sind, soviel wir bis dahin einsehen, unsere Wünsche, unser notwendiges Begehren. Wir hätten gar nichts gesprochen, wenn's zu er­tragen wäre, aber es ist zu arg und es tut uns leid, daß unser guter Landesfürst bei ben Leuten im Lande an Liebe verliert, weil er seinen bösen Ratgebern das Haus ni ft ver­bietet. Darum bitten wir unsere Herren Depu­tierten, daß sie frei die Wahrheit sagen, denn wir Hesten meinens ehrlich mit Fürst und Vaterland, daß die alte Ordnuirg unb die alte Liebe zum Mrsten wieder kommen möge, dann ist uns allen geholfen."

lieber 90 Unterschriften, zum größten Teil Namen von Ortsvorstehern, bÄeckten di« Petition.

Der Kurfürst, welcher sich einbildele, laß di«

gierungstische aus. Meinungsverschiedenheiten müsten naturgemäß in einer Körperschaft, rote dem Bundesrat, im einzelnen sein, bis jetzt aber hat er es immer verstanden, im Großen einig zu fein und nach außen so aufzutreten. Dafür darf man ihm im Interesse des Reiches Dank wissen.

DieDeutsche Tgsztg." erinnert bei dem Thema Reichskanzler und Bundesrat an die Ansicht des Fürsten Bismarck in ähnlichen Lagen. In verschiedenen Artikeln hat er sich zu Zeiten Caprivis Über ihr Verhältnis zu einander geäußert, so 1892:

Die Verantwortlichkeit für die an den Reichstag gebrachten Vorlagen liegt im vollsten Maße bei dem Bundesrate, bei der Gesamtheit der Verbündeten Regierungen und ihren Mi­nistern";

und 1894:

Verfastungsgemäß ist der Reichskanzler oberster Chef der Reichsverwaltung und aller Aemter derselben; in der Gesetzgebung aber hat er gar nichts zu sagen, soweit er nicht als Be­vollmächtigter der preußischen Staatsregierung spricht. Die ganze legislative Bedeutung des Reichskanzlers steht und fällt mit seiner Eigen­schaft als Mitglied des preußischen Staatsmini­steriums.

Am 14. März 1893 hatte Fürst Bismarck schreiben lassen:

Wenn eine Vorlage nicht zur Annahme ge­langt, so besteht das nächste Auskunftsmittel darin, daß die Regierung sie derartig modifi­ziert, wie sie glaubt, sie durchbringen zu können. Es ist in dem Vierteljahrhundert des Reichs- verfassungslebens, das hinter uns liegt, mehr­fach vorgekommen, daß die Vorlagen, welche die Verbündeten Regierungen mit Entschiedenheit vertreten, nicht durchgingen, ohne daß jemand auf die Idee gekommen wäre, entweder müstr der Reichstag aufgelöst werden, oder der Kanz­ler zurücktreten. Die politische Aufgabe ist in solchen Fällen die, eine Uebereinstimmung zwi­schen beiden gesetzgebenden Körperschaften, Bun­desrat und Reichstag, herbeizuführen, und wenn dies auf dem einen Wege nicht gelingt, es auf einem anderen zu versuchen."

Wie imV. T." mitgeteilt wird, haben zwi­schen der nationalliberalen und freisinnigen Partei Besprechungen darüber stattgefunden, ob nicht die beiden Vizepräsidenten angesichts der veränderten Sachlage im Reichstage ihre Aem­ter niederlegen sollen; man glaubte indessen, von einer solchen Maßnahme absehen zu sollen. Ebenso habe, so heißt es in der Meldung weiter, die Sozialdemokratie zunächst auf die Obstruk­tiv verzichtet, die sie bereits in Erwägung ge­zogen habe._____

Ein politischer Mord in London.

London, 2. Juli. Am Ende eines Vortrags­abends der Rational Indian Association Im­perial Institute in South Kensington, ereig-

Bauern ihn anbeteten, fühlte sich höchst betrof­fen. Aber anstatt die gerechten Bitten der Bauern in Erwägung zu ziehen, ordnete et eine Untersuchung an. Die Unterzeichneten bekannten freimütig ihre Unterschrift, und auf die Frage, wer das Schriftstück verfaßt haben, nannten sie einen kürzlich verstorbenen Schulmeister. Man suchte nun den Unterzeichnern unterzuschieben, daß sie wohl die Petition nicht genau gelesen, oder vom Inhalt gar keine Kenntnis gehabt, oder ihn nicht verstanden hätten. Aber darauf gaben die Bauern zur Antwort:Die Herren von der Regierung sollten ja nicht denken, daß, wenn sie auch einfache Bauern feien, sie nicht wüßten, was sie unterschrieben. Die Untersuch­ung blieb erfolglos und wurde niedergeschlagen. Eine andere Untersuchung gegen Subaltern­beamte an die Landstände um Aufbesserung ihres Gehalts endete mit deren Bestrafung. Ein Gesuch sämtlicher hessischer Offiziere um Ee- haltsaushesserung, mit Ausnahme von dreien, erregte einen solchen Unwillen beim Kurfürsten, daß ihn nur der Abschied der drei an der Spitze der Bewegung stehenden Offiziere beruhigen konnte. Natürlich mußten die anderen drei, die sich ausgeschlossen hatten und die man die hei­ligen drei Könige nannte, da sie sich vor ihren Kameraden nicht mehr halten konnten, auch ihren AbschiÄ nehmen. Nun folgten traurige Friedensjahre unter der Rückkehr veralteter Einrichtungen und bei magerem Gehalt. Kur- süust Wilhelm 1. war mit seinen trefflichen Eigenschaften 100 Iahte zu spät auf die Welt gekommen. Bei Paraden besichtigte et nicht nut die Vorder-, sondern auch die Hinterfront seiner Soldaten, um die Zöpfe zu untersuchen. Er war in dieser Beziehung sehr streng, so daß einem Kanonier, der infolge einer Krankheit die Haare verloren hatte, so daß man ihm kei­nen Zopf flechten konnte, ein solcher an einem Band um den Hals gehängt wurde, weshalb der Kommandeur bet Paraden in Zukunft den Mann lieber zu Hause ließ

nete sich ein grausiger Mord, bet zeigt, daß trotz aller offiziellen Versicherungen dir Erbitterung der Inder gegen die Engländer nicht gemildert ist. Hebet die Tat wird berichtet:

Die Versammlung bestand aus ungefähr 20t Personen, größtenteils indischen Eingeborenen, die sich zum Studium in Oxford, Cambridge untz London aufhalten. Außerdem befanden sich noch eine Reihe angesehener Indier mit ihren Damen in der Gesellschaft. Viele trugen ihr« heimische Tracht, während andere int Frack und Turban erschienen waren. Das Musikprogramm war beinahe völlig absolviert, und viele Per­sonen begaben sich bereits nach der Garderobe. Es war gerade 11 Uhr, als ein junger Hindu- student, der einen dunklen Jackettanzug unb einen hellblauen Turban trug, plötzlich auf Sir William Curzon-Wyllie, einen früheren inbt* fchen Offizier, bet feit 1901 len wichtigen Posten eines politischen Agenten des Staatssekretärs für Indien bekleidet, zutrat. Beide sprachen anscheinend freundlich miteinander. Da zog bet; Student plötzlich einen Revolver aus der Tasche, und feuerte vier Schüsse auf den Oberleutnant' ab, der auf der Stelle tot zusammenbrach. Be­vor man den Mörder fassen konnte- feuerte die­ser noch einen fünften Schuß ab, der den hier feit langem schon wohnenden indischen Beamten Dr. Cawas Lalcaca, einen Parsen, gleichfalls zu Tode traf.

Ein anderer junger Hindu und ein Englän­der waren die ersten, die ihre Geistesgegenwart roiedergewannen und sich auf den Mörder stürzten. Er kämpfte jedoch wie ein Verzweifel­ter, und es gelang ihm, den einen Arm frei zu bekommen. Schnell wie der Blitz setzte er dtn Revolver an die Schläfe und drückte los. Aber es war keine Patrone mehr in der Kammer. Andere Personen eilten nunmehr zur Hilfe her­bei und warfen ihn zu Boden. Die Verwirrung war allgemein. Alles schrie durcheinander nach d"7 Polizei und nach Aetztt:.

Als man die Taschen des Hindus durchsuchte, fand man zwei weitere Revolver und einen langen Dolch. Der Mörder gab seinen Namen als Dhringri an und erklärte, Student in Bays­water zu fein. Er wurde nach der Waltonstreet« Polizeiwache geführt, wo sofort ein Verhör mit ihm vorgenommen wurde, das bis 1 Uhr nachts dauerte. Als er aus der Halle herausgeführt wurde, sagte ein Engländer:Der atme Kerl tut mir leid, er muß verrückt sein." Ein ernst blickender Indier antwortete:Nicht er tut mir leid, ich trage Sorge um Indien. Denn das ganze Land wird wegen d.r Tat dieses Mannes zu büßen haben, und jeder Indier hier fühlt! das gleiche."

Höheres Schulwesen.

lieber die Erfahrungen mit den Kurzstunden an den höheren Lehranstalten wird folgendes berich­tet: Seit einem Jahr werden an einem Gymna­sium in Berlin und gleichzeittg an verschiedenen

Es war der Tag einer neuen Geschichte un­seres Volkes hereingebrochen.Das Volk stand auf, der Sturm brach los", in Begeisterung waren deutsche Männer unb Jünglinge ou ben Waffen geeilt, allen voran die akademische Ju­gend. Lützows wilde verwegene Jagd bestand meistenteils aus Studenten. Auf den Feldern von Leipzig und Waterloo schlaft mancher blond gelockte Musensohn den langen Schlaf des Heldentods für deutsche Freiheit. Und als nun der blutige Sieg entschieden war u i das deutsche Volk zwar das Joch der französischen Tyrannei gebrochen hatte, aber durch di Feder der Diplomaten um seine Hoffnungen unb ge­rechten Forderungen einer wahren freiheitlichen Einigung des Gesamt-Vaterlandes schnöde be­trogen, als sich nach dem Frieden mit der allge-; meinen Enttäuschung auch allgemeine Ec- fchlaffung der Gemüter bemächtigte da waren, es die nach ihren Hochschulen zurückgekehrten' Jünglinge, welche bas in Deutschland erwachte Nationalgefühl, die Begeisterung für deutsche Einheit unb deutsche Freiheit in sich wach und lebendig erhielten unb dem deutschen Volke für' spätere Zeiten bewahrten. Die zurückgekehrten Freiheitskämpfer erstrebten eine durchgreifende, Reform, eine Vereinigung aller Studierenden^ ' gegründet auf den Geist der Freiheit und Selbst > ständigkeit des Vaterlandes, eine Bereinigung zu allseitiger Ausbildung der Jugendkraft zum Heil des Volkes. In diesem Sinne gründeten' die zurückgekehrten Freiheitskämpfer, welche sich vorerst mit körperlichen Hebungen beschäftigten, zuerst eine Wehrschaft, aus dieser ging bann die Burschenschaft hervor. Am 10. Juni 1815 er­ging der Aufruf an alle ehrenwerte Studenten,; daß sie sich um 9 Uhr am 12. Juni vormittags' zur Gründung einer Burschenschaft auf dem. Markte zu Jena versammeln sollten, von wej sie unter den Klängen bet Musik zum Gasthaus zur Tanne zogen, wo die Burschenschaft gegrü»* 1 2 3 4 bet wurde.

(Fortsetzung folgt!