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Beilagen Werber, noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch» Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriestragern ent» gegengenommen. '*"

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

uno den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage.

Bundesrat und Reichskanzler.

Berlin, 1. Juli. In der heutigen Sitzung deS Reichstages gab der Staatssekretär des Innern, Dr. v. Bethmann-Hollweg folgende Erklärung ab: In Preßäußerungen der letzten Tage wird ver­schiedentlich behauptet, daß sachliche Meinungs­verschiedenheiten und persönliche Differenzen zwi­schen dem Bundesrat, seinen Mitgliedern und dem Herrn Reichskanzler beständen. Ich habe im Na­men des Reichskanzlers und des Bundesrats, der mich in seiner soeben abgehaltenen Sitzung ein­stimmig ermächtigt und ausdrücklich darum ersucht hat, diese Behauptungen als seder Grundlage ent­behrend zurückzuweisen. Der Bundesrat ist mit dem Verhalten und dem Vorgehen des Herrn Reichskanzlers in der Frage der Finanzreform durchaus einverstanden und ist dem Herrn Reichs- kanzler dankbar, daß er Kaiser und Reich den Dienst erwiesen hat, solange im Amte zu bleiben, bis die Fiuanzreform in einer den verbündeten Regierungen annehmbaren Gestalt erledigt ist.

Ihm schloß sich der bayrische Bmwesrats- bevollmächtigte Graf v. Lerchenfeld mit folgender Erklärung an:Nach dem, was der Stellvertreter des Herrn Reichskanzlers soeben erklärt hat, möchte auch ich noch ganz besonders die Behaup­tung über angebliche Verstimmungen zwischen Mitgliedern des Bundesrats und dem Herrn Reichskanzler in das Gebiet der Fabel verweisen. Ich kann es nach meiner vollen Ueberzeugung aus­sprechen, daß der Herr Reichskanzler, der seit 12 Jahren dem Bundesrat angehört, zu allen Mi- Medern des Bundesrats die besten, vertrauens­vollsten Beziehungen unterhalten hat. Insbeson­dere iveise ich auch die nun schon zum zweitenmal« auftauchende Legende von einer persönlichen Ver­stimmung zwischen mir und dem Herrn Reichs­kanzler auf das enffchiedenste zurück."

Der Erklärung bezieht sich auf einen Artikel der Köln. Ztg", worin eine angebliche Verstimmung zwischen dem Reichskanzler und dem Bundesrat erörtert und angedeutet wurde, daß der Bundesrat in der Frage der Erledigung der Reichsfinanz- reform nicht auf der Seite des Reichskanzlers stehe. Dieser Artikel rief eine scharfe Entgegnung am Mittwoch imReichsboten" hervor, in der ver­sucht wurde, die Schuld an einem Zwist zwischen dem Bundesrat und dem Kanzler diesem letzteren zur "Last zu legen.

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welche eine ernste Gefahr für die russischen tmb sonstigen auswärtigen Anlagen und Staats­angehörigen wie auch für die Straße ? on Enzeli nach Teheran im Gefolge haben würde.

** Bon der Cholera. Petersburg, 1. Juli. . An der Cholera sind seit gestern 94 Personen erkrankt. 29 Personen sind gestorben. Die Ge­samtzahl der Erkrankten beträgt 607. In Ar­changelsk sind 5 Cholerafälle festgestellt worden.

** Türkei. Konstantinopel, 1. Juli. Nach einer Meldung desTanin" wurde infolge der Beschlagnahme einer Eewehrkiste ein geheimes griechisches Komitee entdeckt. Bisher wurde» ; 30 Personen verhaftet, darunter mehrere gtir , chische Notabeln.

** Besuche. Konstantinopel, 1. Juli. Ein4 Deputation der Kammer reist heute nach ßon* don zum Besuche des englischen Parlaments ab. ; Der Führer der Deputation, der Vizepräsident der Kammer, und die Mitglieder der Deputa« ; tion wurden gestern vom Sultan in Audienz i empfangen: später wird die Deputation auch: dem französischen Parlament einen Besuch ab­statten.

lebten Kaffeerunde aufgefangen hatte. Daß die­selben nicht absichtlich und als Stich für sie ge­fallen waren, dafür sprach die Deutlichkeit vnv Unbefangenheit, mit der man sie ausgesprochen hatte Außerdem wußte auch keine 7 et dort versammelt gewesenen Damen von den ganz neuen, noch durch kein gesellschaftliches Zusam­mentreffen bekannt gewordenen Beziehungen zwischen ihr und Max. So konnte sie ruhig an­nehmen, trotzdem ihr ganzes Empfinden sich dagegen sträubte, daß in den mit sehr starken Farben ausgemalten Bemerkungen über das Jn- tereffe des Asiesiors Wendenburg an der be­rühmt schönen und interesianten Sängerin Lin- den immerhin ein Körnchen Wahrheit stecken müße. Zum vollstäiwig aus der Luft gegriffe­nen Klatsch war die Einstimmigkeit zu groß und die Einzelheiten zu genau, und wenn di« Sache auch ziemlich flüchtig und sozusagen als: ein Fall allgemeiner augenblicklicher Mode- , krancheit behandelt wurde, so hatten doch dr« j Andeutungen genügt, um Ritas ganzes Innere in Aufregung zu setzen und sie in ein Chaos von Gedanken zu stürzen, aus dem es ihr vorläufig unmöglich war, einen Weg herauszuftnden. Konnte Max ihr untreu sein? War so etwa, denkbar, und ließ sich daraus vielleicht auch btt Unmöglichkeit jebes Zusammentreffens herlei» len? Was Rita solange als Zufall angesehen hatte, schien ihr nun auf einmal in dem gelben, häßlichen Lichte des Zweifels und der Efferfucht wie Berechnung und Absicht. 1

(Fortsetzung folgt.)

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Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 51.

(Nachdruck verboten.)

Girr Sommertrarrrrr.

Roman von Ä. »an Beeker.

(Fortsetzung.)

Bestellungen für da» dritte Quartal aus die »Obrrhessische Zeitung" nebst

Deutsches Reich.

Der Dank der Berliner Stadwerordneten. London, 1. Juli. In der heutigen Versammlung der City-Korporation wurde ein Bttef des Ober­bürgermeisters von Berlin verlesen, dem Ab- schnsten der von den Stadwerordneten angenom­menen Resolution beilagen, in denen der Stadt London für die glänzende Gastfreundschaft wäh­rend des Londoner Besuches Dank ausgesprochen wird und gleichzeitig die Ueberzeugung, daß die deutsche Nation den Austausch freundlicher Ge­fühle zwischen London und Berlin hochschätzt. Der Lord-Mayor wurde aufgefordett, den Reso­lutionen beizupflichten und einen Dankesbttef an die Berliner Stadwerordneten zu senden.

Bom Grafen Zeppelin. Stockholm, 1. Juli. Astonbladet* kann aus bester Quelle Mitteilen, daß die schwedische Regierung bei dem Grafen Zeppelin angefragt habe, ob er zwei Luftschiffe für

Ausland.

** Staat und Kirche in Frankreich. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte den Erzbischof von Auch zu 500 Frs., ferner sechs Priester des Departements Eers zu je 50 Frs. Geld­strafe wegen Veröffentlichung eines für die Laienschule beleidigenden Hirtenschreibens.

** Vom Streik der Seeleute. Marseille, 1. Juli. Die Dampfschiffahrtsgesellschaften haben Mühe, ihre Schiffe zu bemannen. Ein Postdampfer konnte infolge davon nicht abfah­ren. Die eingeschriebenen Seeleute der Mesia- gerie Maritimes beschlossen, sich heute wieder an Bord zu begeben, nacktem die Gesellschaft zugestanden, gemäß dem Kompromiß vom 23. April die wöchentlichen Ruhestunden zu bezah­len, welche den Mannschaften durch ihren Dienst an Bord entgehen. Die Mannschaften der an­deren Dampfschiffahrtsgesellschaften setzen den Ausstand fort.

** Kreta. Paris. 1. Juli. Die Antwort der Schutzmächte Kretas auf die türkische Note wird vermutlich im Anfang der nächsten Woche in Konstantinopel übergeben werden, da die Ueber- einstimmung zwischen den vier Kabinetten voll­ständig ist. In der Kollektivschrift wird in Athen und in Kanea zur Ruhe gemahnt werden. Die Zurückziehung der internationalen Truppen ist auf den 24. Juli festgesetzt.

** Die Lage in Persien. Petersburg, 1. Juli. In Anbetracht der beunruhigenden Lage in Per­sien ist der Statthalter von Kaukasien beauf­tragt worden. Truppen in Bereitschaft zu stellen, um sie auf die russische Straße Enzeli-Teheran zu senden, sowie auch Fahrzeuge zur Ueberführ- ung dieser Truppen von Baku nach Enzeli bereit zu halten. Diese Maßregeln werden rechtzeitig unternommen für den Fall, daß eine weitere Bewegung der Vachtiaren und Fidais von Kaz- win nach Teheran die Anarchie mit sich zieht,

Schweden liefern wolle. Graf Zeppelin «Härte sich dazu bereit.

Theatergesetz. Wie eine Berliner Korre­spondenz erfährt, hat der Minister des Innern be­reits vor längerer Zeit einen Runderlaß an die Regierungspräsidenten gerichtet, in dem sie zur Berichterstattung über die Frage anfgeforbert wer­den, ob eine Neuregelung der Arbetterwerhältuisse bei Schaustellungsunternehmungen aller Att nötig sei. Dabei haben sich die Regierungen mit der Genossenschaft deutscher Bühncnangehöriger' in Verbindung gehalten. Die bisherigen Antwotten der Regierungspräsidenten sind einer Neuregelung der Materie günstig.

Post" undNationalzeitung". Berlin, 1. Juli. Den Redakteuren derNattoualzeittmg" soll nunmehr sämtlich zum 1. Oktober gekündigt worden sein, so daß die Verschmelzung der Redak­ttonen vonPost* undNattonalzeitung" dann vollständig wäre. Trotzdem soll der nattouallibe- rate Charakter des politischen Teiles derNatio­nalzeitung" ebenso unangetastet bleiben, wie der freikonservative derPost".

Verein zur Abwehr des AntisemitismuA. Berlin, 30. Juni. Zum Nachfolger Dr. Batths als Vorsitzenden des Vereins zur 9lbwehr des Antisemitismus ist durch einmütigen Beschluß der Mitglieder des engeren Vorstandes Reichstags­abgeordneter Gothein gewählt worden.

Marburg

Sonnabend, 3. Juli 1909.

Wir bemerken dazu:

Es ist uns angenehm, zu hören, daß unsere Nichteinladung nicht auf Geringschätzung der Presie, sondern auf Grundsatz beruht. Wir stellen aber fest, daß dieser E r u n d s a tz für der­artige Ereignisse etwas vollständig Neues fft, von besten Vorhanbensein wir nichts wissen konnten. Früher erhielten die Zeitungen nicht der Berichterstatter schriftliche Ein­ladungen, ja es wurde auch mitgeteilt, wo man einen Platz für sie z. B. Lei Re^n reserviert hatte, damit der von der Zeitung entsandte Berichterstatter den Verlauf über-

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberhess. Zig." gestattet.)

Marburg, 2. Juli.

In eigener Sache.

Wir erhalten folgende Zuschrift: An

die verehrliche Redaktion der Oberhess. Zeitung Hier.

Unser Grundsatz ist. daß die Zeitungbericht­erstatter überall Zutritt bei Veranstaltungen der Stadt, welche nicht geheim sind, haben. Es bedarf daher einer besonderen Einladung nicht, wohl aber der Verabfolgung der zum Eintritt berechtigenden Abzeichen. Das ist auch in dem vorliegenden Falle geschehen, allerdings, nachdem ein Stadtverordneter darauf aufmerk­sam gemacht hatte, daß es noch nicht erfolgt war, immer aber noch früh genug. Die Ab­zeichen sind ohne Anschreiben kurzer Hand aus­gefertigt, weil die Teilnahme als selbstver­ständlich, die Handlung daher nicht als eine förmlich einzuleit-nde aufgefaßt ist. Hefter die Anwendung dieses Grundsatzes hinaus zu gehen, war nicht erforderlich, da auch sonstige Ein­ladungen, außer an Angehörige ber -niver- sttät, nicht ergangen waren. Da die Redaktion ihre Anschauung der Angelegenheit durch die Zeitung veröffentlicht hat, so bitten wi , diese Beantwortung ebenfalls als offenes Schreiben

Aus dem Reichstage.

Die zweite Lesung der Verbrauchssteuern wurde heute mit dem Brausteuergesetz begonnen. Es lagen verschiedene Anträge vor, u. a. von einem Teil des Zentrums zugunsten der kleinen Brauereien, wonach für die ersten 150 Doppelzentner Malz die Ermäßi­gung der Steuer nicht 8, sondern 12 Mk. betragen soll, ferner auf Herabsetzung der Steuerskala. Auch die Nationalliberalen ließen durch den Abg. Dr. We­ber eine andere Staffelung befürworten im Interesse der mittleren Brauereien. Die Zentrumsanträge empfahlen die Abg. Dr. Zehnter und Dr. Pichler. Staatssekretär Sydow trat ebenfalls für den Zen- trumsanttag ein. Abg. Gamp (Reichsp.) bedauerte, daß man dem Gedanken der Kontingentierung der Brauereien nicht näher getreten ist.

Zu einer Erklärung, die unsere Leser an anderer Stelle finden, erhielt der Stellvertreter des Reichs­kanzlers, Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg, das. Wort.

Frhr. v. Richthofen (kons.): Ich habe zur Sache etwas zu erklären (Unruhe links; Rufe: Zum Bier?): Ob ich eine Bierrede halten werde, werden Sie später beurteilen können. Unserer Partei liegt daran, daß die Reichsfinanzreform zustande kommt. Wir haben deshalb geglaubt, wichttge Bedenken zurückstellen zu müssen. DaS gilt in erster Linie für die Brausteuer. Wir werden für die von der Kommission beschlossene Fassung stimmen.

Viel Heiterkeit erweckte in der weiteren Diskussion über den § 5 (steuerpflichtiges Gewicht) und § 8 (Erhebungssütze) eine Rede des bayrischen Zentrums­abgeordneten Steindl, der in urwüchsiger Weise die Bierpreiserhöhung mit dem außerordentlichen Bier­konsum in Bayern und der Unentbehrlichkeit des Bier- genuffeS für seden echten Bauern namentlich der Ar­beiter bekämpfte.Bei uns wird die Frage der Bier­preiserhöhung nicht mit Gründen, sondern mit Maß­krügen ausgefochten" meinte er drastisch.

Berlin, 1. Juli. Der Reichstag nahm mit 196 gegen 138 Stimmen bei 15 Stimmenthaltungen den § 6 des Brausteuergesetzes in der Fassung der Kommission an, welcher enthält die Skala (von den ersten 250 Doppelzentnern der steuerpflich­tigen Braustoffe 14 Matt, von den folgenden 1250 Doppelzentnern 15 Mark, von den folgenden 1500 Doppelzentnern 16 Mark, von den folgenden 2000 Doppelzentnern 18 Mark und von dem Rest 20 Mark), ferner die Besttmmungen für obergährische Biere und über die Zusammengehörigkeit mehrerer zum gleichen Unternehmen gehörender Brauerei- betriebe, auch wenn sie an verschiedenen Otten liegen.

veröffentlichen.

Marburg, den 1. Juli 1909.

Der Magistrat.

Troje.

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aufgestellte Programm mit Leichttgkeit zerstört werden können, wenn sich nicht der Zufall mit ihm verbunden und der Frau Kommerzienrätin eine tüchtige Influenza geschickt hätte Durch diese wurde auch Rita von jeder größeren Ein­ladung ferngehalten und der Fall des gesell­schaftlichen Begegnens mit Max vollkommen an­geschnitten. Rita war darüber in sttller Ver­zweiflung. Ahnungslos für die Absichtlichkeit dieses Verfehlens und durch das erste Begegnen vollständig in ihrer Sicherheit von Maxens Liebe gefestigt, schob sie alles auf den Zufall, und je mehr ihr dieser den Geliebten und die Erfüllung ihrer Wünsche fernhielt, desto leiden­schaftlicher gestaltete sich ihre Sehnsucht. So nahe dem Ziele, wurde sie sich immer mehr be­wußt, wie ihr ganzes Herz an Max hing und jeder Gedanke von Glück sich an seinen Besitz kettete. Die einzige Sorge dabei war ihr die Mama, deren Widerstand gegen diese Verbind­ung ihr vollständig klar lag, so wenig er vor­läufig noch in Handlung getreten war. Doch stand die Ueberwindung desselben in dem eigen­sinnigen Köpfchen des verwöhnten Töchterchens so sch, daß diese Sorge eigentlich nur vorüber­gehend in ihr auftauchte.

Dafür war heute eine andere Sorge in Rita» Herz gezogen. Von einem großen Damsniaffee zurückgekehrt, saß sie in ihrem Boudoir, tief in einen vor den Kamin gerückten Sessel gerückt und brütete, in die langsam verlöschenden Flam­men starrend, über die Bemerkungen, die sie au» den hin- und herhuschenden Gesprächen der be-

lich Noras Bild, das noch gestern mit glühenden Farben in seiner Seele brannte, so verlöscht und weit entrückt, so jedes Zaubers entkleidet schien? Wo lag ein scher Zug in seinem Cha­rakter, auf den man bauen, wo «ine Garantie, welche er für das Leben bieten konnte? Ein grenzenloser Ekel vor sich selbst durchströmte all' seine Gedanken und Gefühle.

Eines stand bei Max fest, daß er soviel wie möglich Rita meiden müsse, denn es dünkte ibm unmöglich, ihr kalt und fremd zu begegnen, be- forbers nach dem heutigen Wiedersehen. Aber ebenso wenig durfte er sich erlauben, ihr wie einst zu nahen und die Bewerbung um sie fort­zusitzen. Und da ein dritter Fall nicht zu den­ken. war, so blieb ihm nur das Vermeideü jeg­licher Begegnung, die feige Flucht vor jeder Be­ziehung zu ihr. Er wußte es daher io einzu­richten, daß er bei dem Besuch der Jördisschen Damen nicht im Salon der Mutter erschien, trotzdem er im Hause war. Vom Fenster seiner Wohnung aus sah er heimlich mit wildschlagen- bem Herzen den sehnsüchtigen, unruhigen Blick, mit dem Rita beim Einfteigen in den Wagen die ganze Front des Hauses streifte. Es gelang ihm auch, feinen nicht zu umgehenden Besuch bei Kommerzienrats in eine Stunde zu verlegen, von bet er mit unumstößlicher Sicherheit wußte, daß keine ber Damen zu Haufe war, und et be­schränkte seine Spaziergänge auf einsame Wege und Zeiten, an denen e» unmöglich wat, Rita irgendwo zu tteffen.

Gesellschaftlich Hütt« Max nun dieses gut

DieOveetzesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn» unb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Bast bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Die InsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Nnioersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Mattt 21. Telephon 55.

Unb bas wat noch nicht das Schlimmste. Was mochten seine Augen dazu gesprochen, was ber heiße Druck seiner Hände ihr verraten haben? Prügeln hätte er sich mögen; denn konnte, durfte et noch so zu Rita sprechen, jetzt, nachdem sein Herz das Bill» einer Zweiten in sich aufgenommen, nachdem et selbst sich nicht wert befunden hatte für die Liebe und den Be­sitz eines treuen, reinen Mädchenherzens?

Es war ksiix abscheulich zumute, und ver­gebens zerbrach er sich den Kopf darüber, wie et fortan fein Benehmen gegen Rita einzurichten habe. Sie aufgeben? Sein Herz zitterte bei diesem Gedanken. Nie hatte et es deutlicher gefühlt, als heute bei dem Wiedersehen, wie fest Rita mit all' seinem Denken verwachsen war, wie seht er zu ihr und sie zu ihm gehöre. Aber gerade dieser Erkenntnis schloß sich die zweite, Kbe Verbindung zerschneidende an, daß er gegen pe und auch gegen sein besseres Selbst ein un- sühnbares Unrecht begangen hatte, als er von bem Zauber einer anderen sich so bestricken ließ, daß et diese neben, ja oft über Rita gesetzt und seine Gefühle zu einem fast unlösbaren Wirrwarr durcheinander geworfen hatte. War es nun nicht eine zweit« Treulosigkeit und ein j»eiter verächtlicher Akrnkelmut, daß ihm plötz-