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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain»
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage. '
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Die „Äberhesftschr Seit«««" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und' der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Freitag 2. Ja» 1909.
Die Insertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Berlag: Joh. Tug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. H itzer o th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
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ffit das dritte Quartal auf die
„Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen roetber. noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch» Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstcuten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Aus dem Reichstage.
Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung stand die Interpellation der Sozialdemokraten betreffend die Lebensmittelbe st euerung mit dem Anträge auf zeitweilige Aufhebung der Getreidezölle, der Zölle auf Futtermittel, sowie des 8 11 des Zolltarif- gesetzcs (Erteilung von Einfuhrschcinen).
Die Interpellation ist ein alter Bekannter, sie kehrt von Zeit zu Zeit wieder, jedesmal, wenn die Getreidepreise unvermeidlicherweise auf dem Weltmarkt und damit im Inlandc steigen. Das Thema ist wie kein andere? geeignet, um nach außen hin mit allgemeinen Redewendungen und Angriffen gegen die „brotverteu- eriide agrarische Zoll- und Wirtschaftspolitik" und alles, was damit in Zusammenhang gebracht werden kann, agitatorisch zu wirken. In einer Zeit, wo die Sozialdemokratie sich in ihrem innersten Innern mit der stillen.Hoffnung auf ihr sehr willkommene Neuwahlen trägt, muß die Gelegenheit genutzt werden. So brachte denn der Abg. Molkenbnhr, der die Interpellation begründete, ein reichhaltiges, geschickt zurecht- frisiertcs Material aus dem wohlassortierten Lager sozialdomokratischcr Agitationsreden gegen Brot- und Kohlenwucher und vieles andere mehr in einstündiger Rede zum Vortrag, versprach sich aber selbst von den angeregten Maßregeln keinen Erfolg.
Staatssekretär t>. Betbmann-Hollweg verwies in seiner sachlichen und eingehenden Beantwortung darauf, daß es sich hier nm den alten grundsätzlichen Streit zwischen Freihändlern und Schutzzöllnern handele und sich daher immer Wiederholungen einstellen müßten. Er habe deshalb auch seinen Ausführungen, die er im Herbst 1907 aus Anlaß einer gleichen Interpellation namens der Verbündeten Negierungen gemacht habe, grundsätzlich Neues nicht hin.zuzusiigen. In der Fraae der Einfuhrscheine habe heute die Budgetkommission eine Denkschrift verlangt. Die Ge- trcidepreise seien nicht übermäßig hoch. Ein wirtschaftliches politisches Stiftern könne nur dann zum Ziele führen, wenn es stabil sei, wenn alle Wirt- schastskörper sich darauf einrichten, und verlassen könnten. Vorübergehende Zollaufhebungcn verfehlten, wie Beispiele des Auslandes zeigten, ihren Zweck. Der Konsument würde nichts gewinnen, dagegen die Getreideversorgung des Inlands gefährdet. Die einheimische Landwirtschaft sei imstande gewesen, trotz der ständigen Bevölkcrungszunahme nicht nur die ausreichende Quantität, sondern auch eine bessere Qualität von Getreide zu liefern. Damit sei auch der Beweis gegeben, daß Deutschland nicht beginne, seinen Charakter als Agrarstaat zu verlieren. (Beifall. Der Anteil des ausländischen Roggens des Hauptbrot- getrcides an der Inlandversorgung betrage nur noch 1,9 v. H.; er hoffe auf einen solchen Rückgang auch beim Weizen. Nur wenn beide Getreidearten eine abnorme Preishöbe erreichten, könne man von einer Kalamität sprechen. Die Zölle auf Futtermittel spielten eine geringe Rolle. Die verbündeten Regierungen blickten über die gegenwärtigen Schwierig-
.16 (Nacyr! uck verbaten.)
Girr Sommrrtraum.
Roman von K. van Beeter.
(Fortsetzung.)
Ter Antwort auf die Schilderung der Ge- heimrätin wurde Doktor Werner glücklich dadurch überhoben, daß Max bei den letzten Worten der Mutter ins Zimmer getreten war und ihn herzlich begrüßte. Erst jetzt, im Hellen Tageslicht, sah der Doktor, wieviel der Freund von seiner sommerlichen Frische und Heiterkeit einge- büstt hatte. Die sonst so übermütigen Augen zeigten einen unruhigen, beinahe finsteren Blick, und auf der früher so klaren, glatten Stirn lag eine Wolke, von der man nicht wußte, ob man sie dem Unmut oder der Sorge zuschreiben sollte. Momentan freilich bemühte er sich augenscheinlich, heiter auszusehcn, und seiner Mutter die Hand küssend, sagte er, an deren letzte Worte anknüpfend: „Wer soll eine Gefährtin wählen? Will meine Mutter Dich etwa verheiraten, Heinrich? Ich meine, das müßte kein so leichtes Werk sein!"
Die Eeheimrätin lachte. „Nein, das glaube ich selbst, und soweit erstreckt sich mein Tätigkeitsdrang nicht. Ich begnüge mich vorläufig damit, Deinen Freund ganz leise und vorsichtig auf die Sterne unseres Salonhimmels aufmerksam zu machen. Aber er hat mich schon, bei der Schilderung des ersten und schönsten so pesfi- wistisch und abweisend behandelt, daß ich ganz klein geworden bin und in meiner Verzweiflung schon zum höchsten Trumpf, zur Bewerbung eines Prinzen, griff, um meinen Lobpreisungen «inen gewichtigen Untergrund zu geben."
„Ach so, Ihr sprecht von Nora und dem Prinzen August!" sagte Max und pfiff, in Ullis Ar-
leiten hinaus und würden an der als wichtig erkannten, von der überwiegenden Mehrheit des Reichstages gebilligten, bewährten Wirtschaftspolitik im Interesse unseres gesamten Wirtschaftslebens festhalten.
Die Rede des Staatssekretärs wurde mehrfach von Beifall und Zustimmungsäußcrungen unterbrochen.
Abg. Dr. Pieper (Zentr.) meinte, die jetzige Preissteigerung sei eine vorübergehende Erscheinung, hervorgerufen durch die schlechte. Welternte in Weizen in den letzten beiden Jahren. Vorderhand würde eine Suspendierung der Zölle nur Schulden bringen.
Abg. Dr. Arendt führte für die Reichspartei aus: Wir scheu keinen Grund aus Anlaß der Interpellation unsere Stellung zu den landwirtschaftlichen Zöllen zu revidieren. Auch scheint uns der gegenwärtige Moment der geeignetste für die Erörterung und weitere Verfolgung dieser Frage. Der Staatssekretär hat sich in seinen Ausführungen vollkommen mit unseren Anschauungen identifiziert. Die Suspension der Getreidezölle im jetzigen Augenblicke würde nur der Spekulation zugute kommen, neben den Landwirten würden namentlich auch die Reichsfinanzen sebr schwer darunter zu leiden haben. Eine solche einschneidende Maßregel würde nur aus Anlaß eine? Notstandes als Folge einer Mißernte ernsthaft in Erwägung zu ziehen sein. Der Zolltarif hat sich gerade für die Landwirtschaft so außerordentlich bewahrt, daß wir daran durchaus festhalten müssen, denn er hat die Landwirtschaft befähigt, in einer Zeit der Krills eine Stütze der gesamten Volkswirtschaft zu werden. Wir können deshalb der Interpellation nur so ablehnend wie möglich gegenüberstehen. (Beif.)
Für die freisinnige Volkspartei sprach Abg. Kaempf vom freihäudlerischen Standpunkt, für die Konservativen Graf Schwerin-Löwitz im Sinne des Staatssekretärs. Ihm folgte Abg. Dr. Pansche, der ebenfalls vor den geforderten Maßnahmen warnte und dann Abg. Feater (frs. Vg.) mit einer längeren anti- agrarischen Rede.
Politische Umschau.
Zur Lage.
Karlsruhe, 30. Juni. Der offiziösen „Süddeutschen Reichskorrespondenz" wird unter dem 28. Juni ans Berlin geschrieben: In einem unparteiischen Blatt wird zur Rechtfertigung der Konservativen bemerkt, sie hätten als Folge ihrer Halwng in der Erbanfallstenerfrage den Rücktritt des Reichskanzlers nicht gewollt. Diese Art der Entschuldigung sollten die Konservativen selbst ablehnen. Man führt nicht, mit Hilfe anderer, einen wohlerwogenen Streich, um dann zu murmeln, es sei aus Unbedacht geschehen. Man stürzt nicht nebenher und ahnungslos den Reichskanzler. Die konservativen Führer dursten nach ihrer Kenntnis der politischen Lage keinen Augenblick im Zweifel sein, daß die Ablehnung der Erbanfallsteuer durch die konservative Partei den Rücktritt des Fürsten Bülow nach sich ziehen mußte. Sie wußten, was sie taten, als sie — unter polnischem Beistand — eine Mehrheit gerade gegen diese Vorlage zustande brachten. Die Tatsache, daß die Konservativen durch parlamentarische Schachzüge mit dem Zentrum und den Polen zu ungelegener Zeit einen Kanzlerwechsel in Deutschland herausbeschworen haben, ist durch nichts zu verdunkeln. Mit der Abstimmung der Konservativen in der Erbanfall- steuerfragc hat Fürst von Bülow fein Entlassungs-
beitskasten kramend, einen kurzen Walzertakt. „Na, laß Werner nur erst sehen und hören, dann wird er auch schon in das allgemeine ßieb einstimmen!"
„Uebrigens, Kleine," fuhr Max fort, „ich soll Dir einen Gruß bestellen und Dir, liebe Mama, eine Empfehlung! Ratet mal, von wem?"
„Das ist nicht ganz so leicht, da könney wir vielleicht eine halbe Stunde lang rate«, ehe wir die richtige Person treffen! Sags lieber gleich!"
„Wenn die Schwalben wieder kommen," pfiff Max seiner Schwester neckisch ins Gesicht, und Ulli, von schnellem Verständnis gefaßt, rief hastig: „Rita, sag', hast Du sie gesehen?"
„Und gesprochen, soeben, vor etwa einer Viertelstunde. Die Damen sind gestern angekommen, und Fräulein Rita spricht in den nächsten Tagen bei Dir vor. Bis dahin, wie gesagt, für Euch beide Grüße und Empfehlungen!"
Werner und die Eeheimrätin sichen mit gleicher Spannung in das Gesicht des Erzählers, das einen ganz unbefangenen Ausdruck zeigen wollte und doch nur schwer eine gespannte Unruhe und Verstimmung verbarg.
„Und anstatt nun zu tanzen und zu jubeln, wie es sich eigentlich für einen Verehrer bet niedlichen jungen Dame schicken würde, macht mein rätselhafter Herr Sohn ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter!" neckte die Eeheimrätin sondierend. „Hat die Kleine sich gleich am Anfang mit Dir gezankt?"
„Ich bitt' Dich, Mama, was hast Du an meinem Gesicht auszusetzen? Frisch und holdselig wie ein Apriltag, in dem di« Wolken nur da find, um die Schönheit der Sonne doppelt leuchten zu lassen! Nein, zum Zanken find wir vorläufig noch nicht gekommen; wir sprachen «ns tui im Vorbeigehen! Die Nerven der Fra»
gesuch begründet und den Kaiser von der Notwendigkeit, es zu genehmigen, überzeugt. Auf die treuherzige Vermutung, der Entschluß zum Rücktritt sei vielleicht nicht unwiderruflich, kann nur ein Nichtwissender kommen. Es ist ei» vom Kaiser gebilligtes Ergebnis reiflicher Ueberlegung. — Zentrum und Polen wollten von vornherein die Schwierigkeiten der Rcichsfinazreform zmn Sturze des Reichskanzlers benutzen. Dafür suchten sie Helfer und fanden die Konservativen. — Die Auslassung stammt offenbar aus Kreisen, die dem Reichskanzler nahestehen.
Deutsches Reich.
— Nordlandsreise des Kaisers. Berlin, 30. Juni. Die Nachricht, daß der Kaiser mit Rücksicht auf die Spannung in der inneren Politik feine diesjährige Nordlandsreise aufgegeben habe, ist, wie die Post schreibt, in dieser Fassung unrichtig. Wie die „Köln. Ztg." mitteilt, hat ein endgültiger Verzicht auf die Reise nicht stattgefunden: wohl aber wird Kaiser Wilhelm sie nicht eher antreten, als bis die augenblickliche Krise ihren scharfen Charakter verloren und die innerpolitische Lage sich einigermaßen geklärt hat.
— Eouverneurwechsel. Berlin, 30. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein Eouverneurwechsel in Neuguinea wird von einem hiesigen Blatte erneut angekündigt. Als Nachfolger des Gouverneurs Dr. Hahl wird diesmal der Regierungsrat im Reichskolonialamt, Dr. Oß- wald genannt. Wie wir erfahren, ist die Nachricht unzutreffend. Der Meldung scheint eine Verwechselung zu Grunde zu liegen. In Neuguinea ist zur Zeit die Stelle eines Referenten beim Kouvernement neu zu besetzen, für welchen Posten Negierungsrat Dr. Oßwald in Aussicht genommen ist.
— Ferien des Reichsverficherungsamtes. Berlin, 30. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Während der Zeit der Eerichtsferien wird die Spruchtätigkeit des Reichsversicherungsamtes wie in früheren Jahren eingeschränkt. Vom 15. Juli bis 15. September werden zur Erledigung der besonders eilbedürftigen Sachen sowohl in Unfall- wie in Invalidenversicherungs-Streitigkeiten wöchentlich mehrere Stitzun- gen stattfinden. Auf die Fristen zur Einlegung des Rechtsmittels des Rekurses und der Revision (ein Monat vom Tage der Zustellung des Schiedsgerichtsurteils an gerechnet) hat die Ferienordnung keinen Einfluß.
— Ein deutscher Bauernbund. Berlin, 30. Juni. Vertreter des Bauernstandes aus dem ganzen Reich gründeten heute unter Teilnahme von mehreren nationalliberalen und freikonservativen Reichs- und Landtagsabgeordneten einen Deutschen Bauernbund, dessen Ziel ist, die Interessen des Bauernstandes in der energischsten Weise zu fördern. Der neue Bund schließt namentlich diejenigen Landwirte zusammen, die mit der Art und Weise, wie der Bund der Landwirte die Landwirtschaft zu fördern sucht, nicht
Kommerzienrat waren schon wieder einmal angegriffen und vertrugen augenblicklich keine längere Konversation!"
Aha, dachte die Eeheimrätin, daher die Verstimmung! Es geht ihm also doch mit der kleinen, schwarzen Rita tiefer, wie ich dachte, und Nora war nur Lückenbüßer. Das ist mir eigentlich recht beruhigend, denn immerhin ist Rita passender und erreichbarer, selbst wenn die alberne alte Pute von Mutter ihre Kopriolen macht! Mit denen will ich schon fertig werden!
„Wollen Sie schon gehen, lieber Freund?" sagte die Eeheimrätin, ihren Eedankengang unterbrechend, in bedauerndem Tone zu dem sich erbebenden Doktor. „Immer stilvoll, den Antrittsbesuch im Rahmen der gebotenen Minutenzahl haltend! Nun, ich hoffe, das ist Ne letzte kleine Philisterei, die ich an Ihnen zu verzeichnen habe ,unb wir fangen nun einen Cyklus der Behaglichkeit und Ungeniertheit an, indem Sie sich wie ein Familienglied benehmen und auch ganz so schlecht und recht wie ein solches behandelt werden!"
„Mit dem größten Vergnügen, gnädige Frau, Besseres kann ich mir ja garnicht wünschen! Auf Wiedersehen, Fräulein Ulli! Kommst Du mit, Max?"
„Ja, wenigstens bis zu meinem Zimmer, da ich mich schleunigst umkleiden muß. Zweite Gesellschaft, sehr zum Entsetzen meiner feudalen Mama! Aber der Sohn ist mein Korpsbruder aus Heidelberg her, da muß man schon Rücksicht nehmen! Adieu Mamachen, morgen wache ich sicher mit einem Kater auf; sorge nur für einen guten Kaffee, Ulli!"
„Soll ich noch mit Dir heraufkommen, oder kannst Du mich momentan nicht gebrauchen?" fragte draußen der Doktor.
Jitmtn» ehr nicht Übel, Heinrich, ater ich
einverstanden find. Besonders zahlreich beteiligten sich auch die Ansiedler aus den Provinz«» Pofen und Westpreußen. Die erste große Bundesversammlung findet am 6. Juli in Enese» statt. In das Präsidium wurden gewählt: der Reichstagsabgeordnete Wochhorst de Wente als Vorsitzender, ferner Landtagsabgeordneter Wamhoff, Reichstagsabgeordneter Löscher unb Landwirt Härte-Posen.
— Hansabund. Der Eesamtausschuß der Hamburg-Altonaer Eewerbeschutzvereine und der Eewerbeschutzkommissionen beschloß, den Hansa- Lund energisch zu bekämpfen.
— Gegen die Schundliteratnr. Dresden, 80. Juni. Der Schulvorstand in Radebeul bet Dresden hat angeordnet, daß die Besucher bet11 Volks- und Fortbildungsschulen in Buchhandlungen, die Schundliteratur verkaufen, bei Vermeidung von Schulstrafen keine Einkäufe mache», dürfen. Diese sehr vernünftige Maßnahme fei zur Nachahmung empfohlen!
Ausland.
** Bon der Reise des Zaren. Helsingfors, 30. Juni. Die „Standart" mit dem russischen' Kaiser und der kaiserlichen Familie an Bord, ist heute nacht in Pitkacpaafi angekommen.
** Verhandlungen über Kolonialzölle. London, 30. Juni. Wie das Reutersche Bureau erfährt, wird England mit Frankreich, Deutschland. Spanien, Portugal und Belgien zum Zwecke der Erhöhung der Zölle auf Spiritus, der in die westafrikanischen Kolonien und Schutzgebiete exportiert wird, sowie der Beschränkung der Ausfuhr von Waffen und Munition in diese Gebiete Verhandlungen anknüpfen. Die Verhandlungen werden sich ferner mit dem Abschluß einer internationalen Konvention über Quarantäne und Sanitätsmaßregeln im Anschluß an die Pariser Konvention, betreffend den Schutz vor Epidemien befassen. Dem Vernehmen wünscht England den Spirituszoll, der bisher 3 Schilling 2y2 Pence für die Ealonne betrug, auf 5 Schilling zu erhöhen.
** Englische Docks. London, 30. Juni. (Unterhaus.) Auf eine Anfrage aus dem Hause, ob die Admiralität sich über die Schaffung weiterer Dockgelegenheiten für die Schiffe größten Typs schlüssig geworden sei, erwiderte der erste Lord der Admiralität, daß beschlossen worden sei, Mei zur Aufnahme der größten Kriegsschiffe eingerichtete Schwimmdocks zu bauen. Di« Stationierung dieser Docks in diesem oder jenem Hafen würde seinerzeit von den strategischen Erfordernissen abhängig gemacht.
Von Z, I.
Mittelbiberach, 30. Juni, 7 Uhr abends. Das Wetter wird immer ungünstiger. Zwar hat der Wind an Stärke nicht mehr zugenommen, aber es vergeht kaum eine Stunde, ohne daß immer wieder neue Regengüsse niedergehen. Unter diesen Umständen ist an eine Fortsetzung der Fahrt nach Metz auch heute nacht nicht zu denken und es ist nach den aus Friedrichshafen eingegange-
habe soviel Zeit verbummelt, daß es nun mit meiner Toilette im Galopp gehen muß! Da habe ich doch keinen Genuß von Deiner Gesellschaft! Auf Widersehen für morgen, Alter, denn ich hoffe, Du nimmst es mit Mamas Worten ernft und betrachtest unser Haus als das Deine!"
Der Doktor nickte treuherzig mit dem Kopfe. „Gewiß, also auf Wiedersehen und viel Vergnügen!"
Der mit diesem Wunsch Bedachte schnitt ein etwas kritisches Gesicht, und während Werner eine Treppe hinabstieg, sprang Max die andere empor. Aber anstatt dem Diener um Hilfe bei der besprochenen Toilette z. schellen, schritt er unruhig und heftig in dem Salon seiner Junggesellenwohnung auf und ab. Vor seiner Seele stand das Bild des Wiedersehens, das er soeben gebabt hatte, und immer wieder malte er sich bis in die kleinsten Einzelheiten dieses erste heimatliche Begegnen mit Rita aus. Mitten in einer der belebtesten Geschäftsstraßen hatte fie auf einmal vor ihm gestanden, und mit wildem Herzschlage sah er rückerinnernd immer wieder den strahlenden Elücksblick und unbedachten Liebesausdruck der samtbraunen Sterne,. die ihm aus dem rosig erglühenden Gesichtchen entgegenleuchteten. Auch er, ahnungslos und unvermutet ihr gegenübergestellt, die feit Wochen sein ganzes Denken erfüllte, und seit letzter Zeit in dem Zwiespalt seiner Seele eine so ge-, wichtige Rolle spielte, hatte alles vergessen,, was nach seinem Gewissen zwischen ihnen stand; und nur dem Impulse seines Herzens folgend», war ihm nichts weiter über die Lippen gäom- men als: „Rita, kleine Rita, find Sie endlich da? Eott sei Dank, nun ist alles gut. R»»' kann noch alles gut werden!"
(Fortsetzung folgt)