Einzelbild herunterladen
 

W

J2 151

Marburg

Donnerstag, 1. Jnli 1909.

mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

uno den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage

DieGberhesstschr Ieitnng" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel, jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Die Insertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile '1

oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. 11 Cy-Vf»** Druck und Berlagl J»h. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei xjUylbt Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55. 1

Zweites Blatt.

Bestellungen

das dritte Quartal Z auf die -

* »Oberhessische Zeitung- nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern ent* gegengenommen.

Zweckmäßigkeit der Nrlaubseinrichtung.

Der seit einigen Jahren in größerem Umfange zur Aufnahme gekommene Brauch, Arbeitern Urlaub zu gewähren, bürgert sich immer mehr em. Die Bedingungen und Begleitumstände der Urlaubsgewährung sind außerordentlich verichreden. Ein bestimmter Anspruch auf Ur­laub wird nur selten zugestanden. Wo Urlaub gewährt wird, geschieht es meist unter Fort- Mhlung des Lohnes, nicht selten auch unter Gewährung von Zuschüssen zum Lohne, beson- deren Gratifikationen oder unter Zuwendung von Mitteln aus Stiftungen zu Urlaubszwecken, aus sog. Urlaubskaffen usw.. Bei den Fragen der Gewährung und der zeitlichen Bemeffung von Urlaub pflegen Rücksichten auf die Länge der Dienstzeit, auf das Lebensalter, auf die Familrenverhältniffe, auf den Eesundheitsstand der Arbeiter und auf die Arbeitsleistungen eine besondere Rolle zu spielen. Im letzten Falle wird, entsprechend der Erprobung des Arbeiters das Maß des Urlaubs erhöht, auch wiü> vielfach ein besonderes Verdienst durch Verlängerung des Urlaubs belohnt, um so den übrigen Ar­beitern einen Ansporn zu geben, sich gleichfalls hervorzutun. Einzelne Betriebe haben die durch­aus zweckmäßige und bestens bewährte Ein- richtung getroffen, daß die erholungsbedürftigen Arbeiter in besonderen, von den Unternehmern errichteten Erholungsheimen untergebrachi obet in Badeorte und Erholungsheime gesandt wer­den. Die Arbeiter werden so von unnützen Ausgaben, die leicht die freie Zeit mit 'sich bringt und von verfehlter Anwendung der Ruhezeit, auch davon abgehalten, daß sie wäh­rend der Zeit, die der Erholung gewidmet sein soll, andere Arbeiten übernehmen. Bei einer Firma besteht der Brauch, daß die Arbeiter, Manner und Frauen, die einen einwöchigen Er­holungsurlaub erhalten, Reisegesellschaften bil­den und mit Unterstützung des Unternehmers Fahrten in die holsteinische Schweiz und den Harz unternehmen.

Das Urteil von Arbeitgebern und Arbeitern über die Zweckmäßigkeit der Urlaubseinrichtung ist verschieden. Zunächst ist die Nachfrage der Arbeiter nach Urlaub im großen und ganzen nicht so stark, als man erwarten sollte. Dies er- ftärt sich wohl daraus, daß die Ausgaben in der Ruhezeit sich meistens beträchtlich erhöhen und

"" (Nachdruck verboten.)

Sommertraum.

Roman von Ä. van Beeker.

P ' (Fortsetzung.)

Die Eeheimrätin hatte für die unhöfliche, knappe Zurückweisung ihrer sehr leise und takt- voll gehaltenen Anfrage gerne mit einer ihr bekannten, scharfen und hochmütigen Zurück­weisungen belohnt, aber sie wußte schon vom Sommer her, daß der junge Sonderling nicht so ganz leicht und auch nicht in der Art anderer Leute seines Alters zu behandeln sei, und da es ihr nach mehreren Seiten hin darum zu tun war, ihr Einvernehmen nicht gleich im Anfang zu zerstören, so gelobte sie sich, ihm diese Ant­wort späterhin bei Gelegenheit heimzuzahlen, und ging jetzt ganz glatt darüber fort.

Das ist ja auch nicht nötig, junger Freund! Vielleicht wollte ich sogar nicht einmal biefe Bedeutung in meine Worte legen. Ich spiele nur auf musikalisches Jntereffe und Verständnis an und wollte Ihnen damit sagen, daß Sie in der Geselligkeit, besonders der unseres Hauses, sehr reiche Nahrung dafür finden!"

O, Verzeihung! Ich glaube, ich war über. Haupt unhöflich," schob der Doktor beschämt «in.Aber es ist das eine empfindliche Stelle in mir, und es ginge wirklich über meine Kraft, irgendwo anders als zwischen meinen vier Pfäh­lt ausübend musikalisch aufzutreten."

. "Sehr schade, aber das ist ja, wie gesagt, auch Nlcht nötig! Unsere ganze Familie ist nicht aus­übend musikalisch, seitdem mir leider die Hände »ebunden sind! Aber ich hab« in der Zeit, in ich spielte urMchrng und zwar nicht ganz

3

verstehen, daß die Arbeitsgeber die Urlaubsge­währung nicht nur von der Geschäftslage und von Familien- und Gesundheitsrücksichten, son­dern auch von guter Führung, zufriedenstellen­den Leistungen und anständiger Gesinnung der Arbeiter abhängig machen.

andererseits die über den gewöhnlichen Ver-j dienst hinausgehenden Nebeneinnechmen, Heber» stundengelder, Arbeitsprämien usw. in Fortfall kommen. In manchen Gegenden ist der Ausweg getroffen, daß während des Urlaubes Lohn nicht gezahlt wird, daß aber zum Schluffe des Jahres eine nach der Beschäftigungsdauer abge- stufte Gratifikation gewährt wird. Dieses Ver­fahren erfreut sich wegen der um Weihnachten und Neujahr sich häufenden Feiertage beson­derer Beliebtheit. Die Arbeitgeber es han­delt sich immer nur um kapitalkräftige größere Unternehmer sind vielfach der Ansicht, daß die Beurlaubungen geeignet sind, die Anhäng­lichkeit des Arbeiters an ihre Arbeitsstätte zu fördern und einen günstigen Einfluß auf ihre ganze Lebenshaltung und Arbeitsfreudigkeit auszuüben. Solche Wirkungen sind vorzüglich bei den in großstädtischen Betrieben beschäftig­ten Arbeitern zu beobachten. So berichtet Gehet- mer Regierungsrat Hartmann aus dem Lan­despolizeibezirk Berlin:Die Erfolge der Beur­laubungen scheinen den Erwartungen vollauf entsprochen zu haben. Die, wenn auch oft nur kurze Unterbrechung der unter eigenartigen Ver- hältniffen sich abspielenden großstädtischen Le­bens- und Arbeitsweise übt auch auf den Arbei­ter einen heilsamen Einfluß aus. Neben der gesundheitlichen Stärkung ist die geistige Auf­frischung nicht hoch genug anzuschlagen. Das Leben unter veränderten Verhältniffen und der Verkehr mit anderen Menschen frischen die geistige Spannkraft auf und heben die Schaf­fensfreudigkeit. Nach Rückkehr vom Urlaub sind nach den Bekundungen der Arbeitgeber die Arbeiter nicht nur leistungsfähiger, sondern auch geistig reger und gehen ihrem Berufe freudiger nach. Ferner ist beobachtet worden, daß in denjenigen Betrieben, die ihren Arbei­tern Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes ge­währen, so insbesondere in den Brauereien, der Atfeiterwechsel merklich nachgelaffen hat. Ebenso scheinen die Beziehungen zwischen Arbei­ter und Arbeitgeber dadurch günstig beeinflußt zu werden."

Andererseits fehlt es auch nicht an Unter­nehmern, die der Beurlaubung' der Arbeiter ablehnend gegenüberstehen: sie vertreten die An­sicht ,daß wohl ein Fabrikbeamter, der in ar­beitsreichen Zeiten ohne Extrabezahlung länger als gewöhnlich tätig ist, Anspruch auf Beurlaub­ung erheben könne, nicht aber Arbeiter, die sich meist weigerten, in solchen Zeiten Ueberarbeiten zu leisten, und wenn sie solche leisteten, dafür er­höhte Zuschläge erhielten. Daß derartiges vor­kommt, beweist ein Fall, über den der Regier- ungs- und Eewerberat für den Bezirk Magde­burg folgendermaßen berichtet:Die Arbeiter einer Druckerei sollten an einem Tage, an dem besonders eilige Arbeiten fettiggestellt werden mußten, die Mittagspause, die von 12 bis 1V2 Uhr zu dauern pflegte, um eine halbe Stunde hinausschieben (von 12y> bis 2). Sie verlang­ten dafür, auf dem Tarif fußend, bei der nächsten Lohnzahlung eine besondere Vergütung von 75 Pfg. Diese wurde gebohlt; indessen zog der Geschäftsinhaber wegen des bewiesenen Mangels an Jntereffe für das Geschäft die Vergünstig­ung der Urlaubsbewilligung zurück." Angesichts solcher Erfahrungen wird man es ohne weiteres

dilettantenhaft, denn die Mufft ist stets der Genius meines Lebens gewesen doch eine ge­wiss« Autorität in musikalischen Kreisen behal­ten, und was darin bedeutend und tonangebend in der Stadt ist, das pflegt bei mir zu verkehren und mit seiner Kunst mir über die traurige Ertötung meiner bedeutendsten Kraft hinfott zu helfen. Alle vierzehn Tage habe ich am Mitt­woch Eesellschaftsabend, an dem freilich auch an­dere Interessen, Strömungen und Künste sich vereinigen, wie nur die Mufft; aber immerhin bleibt diese meine Königin, und irgend etwas wird darin stets geleistet. Zu diesen Abenden nun ftnb Sie ein- für allemal engagiert, und von da aus können Sie langsam die gesellschaft­lichen Fühlhörner ausstrecken und sehen, wie und wo Sie sich noch weiter einfangen und binden laffen wollen."

Wahrscheinlich nirgendwo, denn es wird wohl kaum jemand einfallen, sich um einen stummen alten Burschen wie mich zu kümmern!"

Sie find aber wirklich ein widerspenstiges Subjett! Warum denn stumm und alt? Dok­tor, Doktor, wenn Sie eine Dame wären, könnte man Sie der Kokettette beschuldigen! Aber für jeden Fall weide ich Sie hier an meinen Stuhl beordern und Sie somit ein bißchen in das rich­tige Fahrwasser Bringen. Seien Sie doch nicht so eigensinnig! Wir haben Mitglieder, die sich sehen und hören laffen können, und es steht noch nicht bei den Hmvahrscheinlichkeiten, daß Eie schließlich an ein» meiner Schönheiten Ar Herz verlieren!"

Es ist sehr schlimm, gnädige Frau, daß ich Ihnen unausgesetzt widersprechen und den Rus des Eigensinn» lmmer mehr aus mich laden muß- afex daß ich bet einet dieser unhÄannteS

Politische Umschau.

Volksunterricht.

Die schwedischeStattstika Oefversitstabeller för olika Länder" des Stattstikers Sundborg macht folgende intereffante Angaben über den Stand des Volksunterrichts in den europäischen Staaten. In den Ländern, die verhältnismäßig die größte Zahl der Schulen, Lehrer und Schü­ler haben, ist auch die niedrigste Zahl von Analphabeten. Obenan steht das Deutsche Reich mit weniger als 0,05 Prozent Analphabeten. Es folgen die anderen Staaten in folgender Reihe: Schweden 0,1 Prozent, Schweiz 0,1 Pro­zent, Dänemark 0,2 Prozent, Großbritannien 1,0 Prozent, Niederlande 2,1 Prozent, Frankreich 4,0 Prozent, Finland 4,9 Prozent, Belgien 10,2 Prozent, Oesterreich-Ungarn 25,7 Prozent, Grie­chenland 30,0 Prozent, Italien 31,3 Prozent, Bulgarien 52,7 Prozent, Serbien 61,6 Prozent, Rußland 61,7 Prozent, Portugal 70,0 Prozent, Rumänien 75,0 Prozent. Im nordwestlichen Europa bettägt der Durchschnittssatz für An­alphabeten 2 Prozent, für das südwestliche Europa dagegen 30,0 Prozent, für das östliche sogar 55 Prozent. Der Durchschnittsprozentsatz für ganz Europa beläuft sich auf 30 Prozent. Eine ebensolche Rückständigkeit der östlichen Ge­biete Europas offenbart sich in den Zahlen über den Schulbesuch. Rechnet man alle Einwohner von 5 bis zu 15 Jahren als int schulpflichtigen Alter stehend, dann ergibt sich, daß im nord­westlichen Europa 75 Prozent dieser Kinder die Schule besuchen; im südwestlichen Teile 60, im östlichen sogar nur 27 Prozent. Dadurch wird auch der Durchschnittssatz für ganz Europa wesentlich herabgedrückt; er beträgt nur 51 Prozent. Auch die Aufwendungen für den Volksunterricht sind außerordentlich verschieden. Die Gesamtausgaben in den europäischen Staa­ten betragen rund 1700 Millionen Mark. Auf Rußland, das den vierten Teil der Bevölkerung Europas umfaßt, entfällt aber davon nur ein Zwanzigstel, auf das Deutsche Reich fast ein Drittel, auf Großbritannien mehr als etn Viertel, auf Frankreich rund ein Achtel. In Europa sind vorhanden 465 451 Schulen, 1050 632 Lehrer, 45 281691 Schüler. Die Zahl der Lehrer ist absolut am höchsten in Rußland: 195 000 Großbritannien: 177 629, Deutschland: 168 000, Frankreich: 158 865, Oesterreich-Hn- garn: 124 855.

Sozialdemokratische Hetzereien.

Man schreibt uns:

Im August veröffentlichte dieBergarbeiter­zeitung", das Organ des sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandes, einen Artikel, in dem von umlaufenden Gerüchten gesprochen wurde, wonach in dem vor etwa drei Jahren verhan­delten Burussiaprozeß unter Eid wiffentlich falsche Aussagen zugunsten des angeklagtenBe»

Damen mein Herz verlieren sollte, das steht wirklich aus dem Bereich aller Wahrschein­lichkeit!"

Der Sprecher sah dabei nicht die Mutter, sondern die Tochter so überzeugend an, daß diese, deren Gedanken wirklich einen Augenblick angst­voll vor solcher Möglichkeit gestockt hatten, mit einem verräterischen Erglühen das Köpfchen sentte und die Eeheimrättn nur schwer ein spöttisches Lächeln unterdrücken konnte.Wer weiß?" fuhr sie fort.Sie müßten dann ein gepanzertes oder schon besetztes Herz haben was freilich vorkommen könnte! Aber selbst dann werden Sie sich bei einzelnen nicht der Be­wunderung verschließen können! Zum Beispiel die erste Sängerin unseres hiesigen Theaters, Fräulein Nora Linden, ist nicht nur eine Schönheit und Künstlerin ersten Ranges, son­dern auch zugleich eine Dame von bebeutenbem Geist und Charakter, die sogar meinen Mann, der sonst wenig Talent zum Damenfreund hat, zu ihren Freunden und Bewunderern zählt! Hat Max Anen noch nicht von ihr gesprochen? Ich meinte, sie wäre seine neueste Liebe!"

Vielleicht schien es dem Dottor nur so, viel­leicht lag aber auch wirklich etwas Lauerndes im Blick der Eeheimrätin bei dieser Frage, und Werner, an Maxens Worte über diesen Punkt denkend, antwortete mit unbewegter Miene: ,Lch kann mich nicht entsinnen; außerdem hätte ich bei einer Dame vom Theater auch nicht Wett darauf gelegt."

Oho, das klingt ja fast etwa» gering» schätzend! Nun, ich will Ihnen das nicht t>e« denttn, denn im allgemeinen würde ich mich auch wohl hüten, einer Theaterdame meine Sa­lons zu öffnen, Nora Linden nimmt ei«

triebsführers der Zeche gemacht fein sollte«. Es wurde an die Bergbehörde und an die Staatsanwaltschaft die Aufforderung gerichtet diesen Gerüchten, wenn fie auch haltlos fett«, nachzugehen, da die Namen der Personen, welch« in dem Prozesse die Unwahrheit gesagt habe« sollten, namhaft gemacht werden könnten.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuch, ung der Angelegenheit in die Wege geleitet, di«^ wie vorauszusehen war, vollständig ergebni», los verlaufen ist. Auf eine Anfrage der Zechen« Verwaltung hat die Staatsanwalffchaft mitge, teilt, daß die angestellten Ermittelungen keine« lei Anhaltspunkte dafür ergeben haben, daß i« dem Strafprozeß gegen den Betriebsführer bet Zeche Borussia ein Meineid geschworen sei, ödet eine Verleitung zum Meineid stattgefunden habe.

Es dürfte angebracht fein, angesichts diese» Ergebnisses der Untersuchung an die maßlosen Hetzereien zu erinnern, die von der Sozialdemo- ktatie auf Grund des angeblich umlaufenden Gerüchtes getrieben worden sind. Der sozial­demokratische Reichstagsabgeordnete Sachse kam in einer nach dem Radbodunglück abgehattene« Bergarbeiterversammlung auf den Borufflapro« zeß zu sprechen und führte dabei nach einem Zeitungsberichte folgendes aus:

Mehrere Zeugen hätten es bereits ausge- plaudett, daß sie nicht bei der Wahrheit geblie- ben feien. Diesen Leuten seien kürzlich die Häu­ser abgebrannt und man habe die Betteffenden wegen Brandstfftung verhaftet. Man neige aber der Ansicht zu, daß das Feuer auch in der Absicht angelegt sein könne, die Zeugen zu fe-

fettigen."

Man darf wohl mit Sicherheit annehmen, daß das Gerücht, in dem Borussiaprozeß seien Meineide geschworen worden, von ben Gegnern der Bergwerksbesitzer zum Zwecke der Verhetz­ung ausgestreut ist. Daß aber der sozialdemo­kratische OrganisationsMrer unter Hinweis auf dieses Gerücht sich den Anschein gibt, al» halte er die Werksverwaltungen bezw. die zu ihnen stthenden Beamten und Arbeiter des Mo« des und der Brandstiftung fähig, übersteigt doch wahrlich alle Schranken. Man kann es den Bergwerksbesitzern nicht verargen, daß sie keine Neigung haben, sich mit diesen Leuten, denen in ihrem Haffe gegen die Arbeitgeber jedes mensch­liche Empfinden abhanden gekommen zu sein scheint, in Verhandlungen irgend welcher Att einzulaffen.

Deutsches Reich.

_ von der Kieler Woche. Kiel, 29. Juni. Ein Telegramm aus Eckernförde meldet:Die Zackten der mittleren und kleineren Klaffen gingen gegen 4.30 Uhr durchs Ziel in der Eckern- färbet Bucht. Vor ben kleinen Jachten passierte Meteor" mit dem Kaiser an Bord als Erst« etwa 3 Uhr 9 Min. nachmittags das Ziel. Germania" folgte gegen 3.30 Uhr,Iduna wat int Laufe des Vormittags von einem Tor­pedoboot hier eingeschleppt worden. Die Kai­setjachtHohenzollern" ist mittags hier etnge. troffen. Der Wind hat aufgefrischt, das Wetter ist schön.

unantastbare Stellung in der hiesigen besten Ge- sellschaft ein und ist selbst aus einer seht vo« nehmen österreichischen Familie, deren Namen st« nur für die Bühnenkgrtiere abgelegt hat. S« ist fie vollständig comme il faut, daß man sogar davon spricht, Prinz August, der ziemlich nah« mit dem regierenden Hause verwandt ist. habe die Abstcht, sie zu seiner Gemahlin zu machen."

Das will nicht viel sagen," meinte bet Dok­tor achselzuckend.Es ist ja heutzutage tn bei hohen und höchsten Aristottatte Mobe geworden sich mit der BLHnenwelt so eng als möglich zu verbinden. Aber es ist das wohl kaum ei« Fortschritt, und ebenso wenig jemals eint paffende, glückliche Wahl zu nennen!

Nein, Sie haben recht, Gutes tst dabet Selten herausgekommen, und ich bin die letzte »ie diesen Zug der Zeit santtionieri. Aber, da» muß ich wiederholen, Nota Linden ist eine Aus­nahme, und bet Prinz, der gar keinen Hang für Bühnenbeziehungen und zweideutige Größe« hat, bleibt sozusagen in richtiger Sphäre, wen« er sich diese Gefährtin wirklich wählen sollte.

Diese Person ist mir widetwättig, dachte bet Doktor, und was Max gestern noch nicht mit seinen Schilderungen dazu getan hat, ba» tut heute die Mutter. Es würde mich erquicken, einen Menschen zu hören, bet von diesem Mon­strum an Tugenden und Schönheit im Tone all­täglicher Ktittk und Unbenommenheit spricht. Ich muß doch mal Ulli im Vertrauen votneh- men! Ihr reiner, unbestechlicher Kinderblick hat sich hoffentlich nicht so verblenden laffen, daß sie auch im siebenten Himmel schwebt, wenn fi« von dem koketten Frauenzimmer spricht!

(Fortsetzung folgte -1 l " - "J