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14. Jahrg.

Marburg

Donnerstag, 1. Juli 1909.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage.-

Die Insertion Sgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koh, UnioersttätSbuhdruckerei Inhaber Dr. C. H i tz e r o t f), Marburg, Markt 21. Telephon 55.

®ieGberhesstlche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der L>onn. und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel, lahrlrch durch dre Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21") 2 Mk

Erstes Blatt.

Abgeordnetenhaus nnd Studentenschaft.

Webet das Maß der studentischen Freiheit sind die Ansichten von jeher weit auseinander ge­gangen. Theodor Mommsen vertrat den Stand- 1»lnkt, daß die Universität vor allen Dingen doch -«uch eine Erziehungsanstalt sei und bleiben solle, daß diejenigen allgemeinen Beschränkungen, welche jeder Lehrer von seinen Zuhörern fordern muß, bis auf einen gewiffen Grad auch auf die Universitäten Anwendung finden müssen und daß die Berusitng auf das allgemeine Landr-cht den Studenten nur unter Beschränkungen gestattet wer­den kann. Heinrich v. Shbel hat bei der Beratung des Disziplinargesetzes von 1879 im preußischen Landtag ausgeführt:Die Studenten befinden sich in einer mittleren Stellung; zum lveit größeren Teil sind sie bei unseren Verhältnissen noch mino­renn; sie sind nämlich noch Schüler, wenn auch in einem weiteren und höheren Sinne, aber immer noch Schüler. Ich tvill es dahingestellt sein lassen, ob es sich empfehlen würde, den Studierenden ein absolutes Verbot der Teilnahme an politischen (auch akademischen) Verbindungen aufzuerlegen. Aber, meine Herren, das kann ich versichern, so­lange wie ich Einfluß als akademischer Lehrer auf unsere Studenten gehabt habe, habe ich ihn immer in der Richtung auszuüben gesucht, daß ich ihnen eingeschärft habe: Einstweilen seid ihr hier, um zu lernen, um euch vorzubilden durch wissenschaft­liche Kultur zu späterer wirksamer politischer Tätigkeit, und eben deshalb tut ihr besser, eure Lernzeit nicht in politischen Verbindungen zu ver­zetteln, bei denen schlechterdings nichts als unreife Dinge zum Vorschein kommen." Auf der andern Seite wandte sich der frühere kürzlich verstorbene Abg. Langerhans entschieden gegen jede Abhän­gigkeit des Studenten von der Disziplin der Uni­versität. Die preußische Regierung ihrerseits ließ damals erklären:Ter Student verzichtet eben auf einen Teil der völligen Ungebundenheit des reinen Privatmannes, wenn er sich immatrikulieren läßt." Mit gewisser Einschränkung -war, aber im wesent­lichen doch denselben Staildpunkt bat der verstor­bene ehemalige Ministerialdirektor Dr. Althosf cin- genommcn, indem er im Februar 1905 im preußi­schen Abgeordnetenhause ausführte:Die Diszip­linarvorschrift ist ein Gesetz, das nach unseren heu- ttgen Begriffen sehr weitgeht in der Beschränftmg der akademischen Freiheit, so daß es für die jetzige Zeit eigentlich nicht mehr ganz paßt nnd man sich fragen kann, ob man nicht einmal an eine Revi­sion dieses Gesetzes denken soll."

Tie Frage hat das Abgeordnetenhaus in seiner letzten Sitzung beschäftigt anläßlich einer aus den Streitigkeiten an der Berliner Universität hervor- gcgangenen Petitton, in der eine Berliner allge- meine Akademikerversammlung der Finkenschaft um staatsbürgerliche Gleichberechttgung mit allen Altersgenossen unter etwaigem Verzicht auf Sond»rvergünstigungen einkam. Das gegen­wärtige Verhältnis zwischen Universitätsbehörden und Studenten soll der viel entwickelteren Persön­lichkeit des Studenten von heute und seinem Drange nach Selbständigkeit und Selbstbestim­mung nicht mehr entsprechen. In der Kommission hatte demgegenüber der Berichterstatter darauf hingewiesen, daß die Sttrdentenschaft eine aus Minderjährigen und Volljährigen gemischte Ge- meiilde bildet. Wenn auch mit dem neuen Reichs­vereinsgesetz eine allgemein gülttge Rechtsgrund­lage geschossen ist, die jedem Deutschen vom 18. Lebensjahre an die Teilnahme an Vereinen und öffentlichen Versammlungen gestattet, so ist doch zu sagen, daß die Stellung der Studenten eine andere ist als die ihrer Altersgenossen. Sie ge­hören durch die Immatrikulation einer Körper­schaft an die gleich anderen Vereinigungen berech­tigt erscheint, ihr Eigenleben durch Sonderbefttm- mungen zu regeln. Tie Aufhebung der Diszip- linargesetz würde ein Aufgeben der umfassenden Beeinflussung und Kontrolle des akademischen Nachwuchses und damit den Verzicht auf ein im politischen und Hochschulleben nicht unwichttges Moment bedeuten. Es kommt hinzu, daß für die Studenten Staatsmittel in sehr erheblicher Höhe ausgcwendet tverden und daß der Staat deshalb -uch ein Recht auf eine gewisse Aufsicht bean­spruchen kann. In der Komnlission bestand in der Hauptsache ein allgemeines Einverständnis dar­über, daß eine Disziplinarordnung notwendig sei nb nicht ganz abgeschasst werden könne. Ueber- ein stimmend wurde auch betont, daß dem Sw- I deuten das Recht zur politische« Erziehung und

Bildung in keiner Weise beschräntt werden dürfe; aber allseitig wurde auch anerkannt, daß eine po­litische Betättgung sich mit bett Pflichten des Stu­denten nur schwer vereinigen lasse. Mit dem Ver­treter des Kttltusministeriums war die Kommis­sion der Meinung, daß gewisse Beschränkungen der studentischen Freiheit zur Aufrechterhalttmg der Ordnung sowie zur Erziehung und Charakterbil­dung durchaus nötig seien. Demgemäß konnte ein Anlaß ztt einer Aendentng der geltenden Diszip­linarvorschrift nicht anerkannt werden. Das Ple­num des Abgeordnetenhauses hat sich dieser Auf­fassung mit großer Mehrheit angeschlossen und die Petition durch Uebergang zur Tagesordnung er­ledigt. Ob nicht doch manche heute veralteten Rechtsverhältnisse einer genauen Prü­fung ttnd eventttellen Abschaffung Werl gewesen wären, sei dahingestellt.

Politische Umschau.

Jmmediatkommission zur Borbereitung der Verwaltungsrekorm.

Berlin, 29. Juni. DieNordd. Allg. Ztg." teilt mit; Im Ministerium des Innern trat gestern die Jmmebiatkommission zur Vorbe­reitung der Verwaltungsrefom zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Staatsminister v. Moltke legte den vollzählig erschienenen Mitgliedern den Arbeitsplan der Kommission in großen Zügen dar, woran sich eine längere Besprechung knüpfte. Es wurde beschlossen, Ausschüsse zu btlden und zwar je einen für die Vereinfachung des Geschäftsbetriebes bei den Behörden der inneren Verwaltung, die Reform der Schulver­waltung, die Reform der landwirtschaftlichen und der Landeskulturverwaltung, die Reform der Finanzverwaltung, die Dezentralisation der Dienstgeschäfte, für die Reform des Rechtsmittel- wesens. Der Ausschuß für die Vereinfachung des Geschäftsbetriebes bei den Verwaltungsbe­hörden wird demnächst zuerst in Tätigkeit tre­te", da für sein Gebiet die Vorarbeiten am weitesten gediehen sind. In diesem Ausschuß sind als Mitglieder eingetreteni Staatsminister Graf von Zedlitz-Trützschler, Oberbürgermeister Dr. Adickes, Legationsrat a. D. Krupp von Dohlen und Halbach, Oberbürgermeister Dr. Lentze, Regierungspräsident Schreiber. Als­bald nach Beginn ihrer Beratungen hatte die Jmmediatkommission dem Könige Meldung von ihrem Zusammentreten erstattet. Darauf traf aus Kiel folgende telegraphische Antwort ein: Ich habe gern Ihre Meldung vom Zusammen­treten der Jmmediatkommission zur Vorberei­tung der Verwaltungsreform entgegengenom- men. Ich hoffe, daß die eben begonnenen Ar­beiten zum Segen des Vaterlandes einen guten Verlauf nehmen und eine brauchbare Grund­lage für die beabsichtigte wichtige Reform zeitigen werden. Ich entbiete den Kommissions- Mitgliedern dazu meine landesväterlichen Wünsche und Grüße, gez. Wilhelm R."

Kreta.

Konstantinopel, 29. Juni. Die Pforte rich­tete vorgestern an ihre Botschafter eine Zirku­larnote, von der allen hiesigen Botschaftern eine Abschrift übergeben worden ist. Die Pforte erklärt, sie habe den Eindruck, daß die Schutz- Mächte die letztens den Kretern gemachten Kon­zessionen als wohlerworbenes Recht betrachten wollten, während die Pforte immer energisch da­gegen protestiert habe, weil diese Konzessionen eine offene Verletzung ihrer Souveränität bilde­ten. Die Pforte müsse auf ihrem Standpunkt bestehen und hoffe, daß die Schutzmächte bei den Verhandlungen, die zur Feststellung der Form der der Insel zu gewährenden Autonomie ge­führt werden sollten, die oben erwähnten Kon­zessionen nicht beachten würden. Die Pforte bemerkt weiter, sie sei unter dem Drucke der öffentlichen Meinung und der Kammer, die wegen der fortgesetzten Verletzungen ihrer Rechte erbittert seien, entschlossen, die Rechte der Türkei auf Kreta zu behaupten. Wenn die Schuhmächte auf dem Beschluß bestünden, den sie gefaßt zu haben schienen, werde das Prestige des neuen türkischen Regimes, das noch auf die wohlwollende Mitwirkung der Großmächte rechne, merklich leiden. Schließlich fordert die Rote die Boffchafter auf, ihre patriotischen Be­mühungen darauf zu richten, den Kabinetten zum Bewußtsein zu bringen, daß die Pforte un­bedingt genötigt sei, jeden Vorschlag abzuwei­sen, der Griechenland gestatten würde, sei es auch indirekt, an den kretischen Angelegenheiten teil- zunehmen.

Enthüllungen.

Ein ehemaliger Angestellter der Leipziger Ortskrankenkasse.. Oskar Rand, der sich selbst r-1 .^Wialdemokrat bezeichnet, hat in einer Schrfft den Nachweis schwarzer Listen innerhalb der Sozialdemokratie geführt und das Regiment eines sozialdemokratischen Kassenvorfitzenden an­

schaulich geschildert. Nicht nur die niederen, son­dern auch die höheren Kassenbeamten haben, wie in der Schrift ausgeführt roitb, unter dem schweren Druck der Vorstandsherrschaft zu feiben unb sind Zeugen täglicher Ungerechtigkeiten. Keiner kann seinem Nächsten trauen, weiß er doch nicht, ob er zu den heimlichen Spionen des Vor­sitzenden gehört." Ohne es zu ahnen, kommen die Beamten in dieFührungslisten", die voll­kommen geheim gehalten werden.Kein An­gestellter erfährt, was sein Vorgesetzter über ihn mitteilt; wenn ihm ein Gesuch abgeschlagen wird, das bei einem anderen Kollegen anstands­los genehmigt wurde, wenn er in seiner Beför­derung jahrelang ohne ersichtlichen Grund zu­rückgesetzt wird, so steht er vor einem Rätsel, dessen Lösung nur in den Eintragungen in der Führungsliste seines Vureauchefs zu finden ist." Wenn so etwas bei denverrotteten Bour­geois zu finden ist."

Deutsches Reich.

Fürst Bülow und Graf v. Mirbach-Sor- quitten. Berlin, 29. Juni. Graf v. Mirbach- Sorquitten hat von dem Reichskanzler Fürsten Bülow zu seinem 70. Geburtstage das nach­stehende Schreiben erhalten:Berlin, 25. Juni 1909. Sehr verehrter Graf! An dem Tage, an dem Sie bas siebente Jahrzehnt eines an Arbeit und Erfolgen reichen Lebens vollenden, ist es auch mir ein Bedürfnis, Ihnen herzliche Glück­wünsche auszusprechen. Ich hoffe, daß Ihre be­währte Kraft unserem politischen Leben noch lange erhalten bleiben roitb, in dem wir die Erfahrung der Veteranen aus den parlamen­tarischen Kämpfen des großen ersten Kanzlers notwendig brauchen. In aufrichtiger Verehr­ung Ihr sehr ergebener Bülow."

Zur Reichsfinanzreform. Ein Kompro­miß bezüglich der Reichsfinanzreform wird da­hin angestrebt, daß als Ersatzsteuern für die von der Regierung abgelehnte Kotierungssteuer, Mühlenumsatzsteuer und Kohlenausfuhrzoll solche gelten gelassen werden, welche die Börse belasten, darunter eine Dividenden-, Effekten- unb Jmmobilienumsatzsteuer. Der Vorstand des konservativen Vereins Groß-Lichterfelde sagte sich von der konservativen Parteileitung wegen deren Haltung in der Frage der Erb- anfallsteuer los.

Gerichtliches Nachspiel zur Essener Eymna- sialaffäre. Ein gerichtliches Nachspiel soll die viel erörterte Essener Gymnasialaffäre erfahren. Nach derKöln. Ztg." hat der jetzt nach Bunz- lau versetzte bisherige Direktor des königlichen Gymnasiums in Essen, Dr. Biese, gegen die Germania" in Berlin die Beleidiungsklage wegen der gegen ihn erhobenen Angriffe einge­leitet. Dr. Biese selbst veröffentlicht in der Köln. Ztg." eine lange Erklärung über die Affäre, aus der hervorgehoben sei, daß Dr. Biese meint, die gegen ihn erhobenen klerikalen An­griffe seien nur der Absicht entsprungen, wieder einen katholischen Direktor an die Spitze des Essener Gymnasiums zu bringen.

Die christlichen Gewerkschaften. Berlin, 29. Juni. Die christlich-nationalen Gewerkschaf­ten haben, wie die Freie Kirchlich-soziale Kon­ferenz mitteilt, int Jahre 1908 beachtenswerte Fortschritte in ihrer Kräftigung gemacht. Im Jahresdurchschnitt gehörten ihnen 341 204 Mit­glieder an, wovon 260 767 auf den Eesamtver- band christlicher Gewerkschaften entfallen. Das Verbandsvermögen am Jahresschlüsse betrug 4 513 409 M gegen 3 487 745, 2 370 782, 1 249 408 ar Schlüsse bet vorangehenden Jahre, hat sich also von Iaht zu Iaht um übet 1 Million Mark vermehrt. Im Kalenderjahr 1908 betru­gen die Einnahmen 4 394 745 Jl, die Ausgaben 3 556 224 Es ist sehr bemerkenswert, daß von den Ausgaben 514 284 Jt auf Krankengeld, 170 639 auf Sterbegeld 134 453 M auf Reise- unb Arbeitslosenunterstützung, 128 091 auf Rechtsschutz entfallen. Der vorliegende Bericht zeigt, daß die christlich-nationalen Gewerkschaf­ten, deren Eesamtverband bekanntlich kaum zehn Jahre alt ist, bereits fest gefügte Organisationen sind und ihren Mitgliedern einen festen Rück­halt gewähren.

Ausland.

* * Weiterreise des Zaren. Tullgarn, 29. Juni. Das russische Kaisergeschwader ging mor­gens in See.

Frankreichs Zolltarif. Paris, 29. Juni. Bei der weiteren Beratung der Revision des Zolltarifs führte Berichterstatter Morel aus, bei französische Tarif sei gegenwärtig ungenü­gend, angesichts der Aenderungen, die von an­deren Mächten an ihren Tarifen vorgenommen worden seien, besonders gegenüber Deutsch­land, das auf Grund seines Spezisikationssystems nut Piodukte einführe, deren Ursprung genau bestimmt sei. Dei deutsche Import nach Frank­reich sei beträchtlich gewachsen, insbesondere für

Werkzeugmaschinen, während der französische Export nach Deuffchland in den letzten drei Jahren gehemmt worden sei, so hauptsächlich d.-e Export von Seidengeweben Mousselin, Klavie» ren, Automobilen und Pariser Artikeln. Dio neuen ausländischen Tarife würden Frankreich eine Mehrausgabe von über 30 Millionen auf. erlegen, von denen auf Deutschland 3 830 009 8rs- entfielen. In feinen weiteren Ausfiihrun» gen betonte Morel, die Kommission habe den Eeneraltarif erhöht, um der Aufforderung der Regierung zu entsprechen, die sich gegenwärtig, wenn, sie verhandeln wolle, ohne Waffe sähe. Der in Aussicht genommene Unterschied von fünfzig Prozent Zwist'- Generaltarif und dem Minimaltarif H cht übermäßig hoch. Der von der Kommission entworfene Tarif sei derart, daß keine Nation daraus einen begrün­deten Anspruch auf Repressalien gegen Frank- reich herleiten könne.

* * Organisation des Echlachtwesens in beit Bereinigten Staaten. Die Zahl der Schla >t- häuser war im Jahre 1908 : 929, hiervon besaßen die vier größten Firmen, meist in Chicago 38. Es wurden geschlachtet 1907/08 von diesen 4 Firmen 4,05 Millionen Stück Rinder und 1,03 Millionen Stück Kälber, überhaupt im ganzen Lande zirka 13 Millionen Stück Rinder und 5,50 Millionen Stück Kälber. Die Produktion an Rind- und Kalbfellen war inkl. der Felle von etwa 1 Mill, krepierten unb sonst nicht auf Schlachtweife getöteten Tieren 1907/08 etwa 19,5 Millionen Stück. Dem Gewichte nach wur­den von den im Lande verbrauchten Fellen 1898/08 etwa 14 Prozent ringeführt.

* * Streik auf Corsika. Paris, 29. Juni. Der Streik der Eisenbahn-Bediensteten auf Cor­sika ist nahezu beendet; nur die Eisenbahner bes Bezirks Bastia haben die Arbeit noch nicht wie­der aufgenommen. Die zum Schutze des Bahn- verkehrs und der Arbeitswilligen getroffenen Maßnahmen werden jedoch bis auf weiteres aufrecht erhalten.

Z, I.

Berlin, 29. Juni. Die Meldung betreffend die Landung des Zeppelin-Ballons ist dahin zu ergänzen, daß das Luftschiff nach einer Mitteilung des Majors Sperling nicht um 4 Uhr früh, son­dern um 2 Uhr 45 Min. früh gelandet ist. Zur Hilfeleisttlng ist die Garnison von Ulm und Mili­tär aus Weingarten dort. Die Landung ist sehr glatt von statten gegangen.

M i t t e l b i b e r a ch, 29. Juni, 5 Uhr 40 Min. nachmittags. Nachdem bereits alle Vorbereitungen getroffen waren, das Wasserstoffgas in die Ballo- nets nachzufüllen, wurden die Arbeiten im letzten Augenblick wieder eingestellt. Das Fahrzeug liegt jetzt still und fest verankert auf seinem Platz. Der Wind ist noch immer nicht abgeflaut, der Himmel dicht bewölkt. Als ein ungünstiges Zeichen ist eS aufzufassen, daß die fernen Schweizer Berge am Horizont deutlich sichtbar hervortreten. Das Luft­schiff ist, wie seiner Zeit bet der Münchener Fahrt, mit Hilfe von in den Erdboden eingegrabenen Wagengestellen sestgemacht. Neuerdings ver­lautet, daß die Fortsetzung der Fahrt nach Metz auf keinen Fall vor heute abend 10 Uhr, wahr­scheinlich erst morgen früh, zu erwarten ist.

Mittelbiberach, 29. Juni, 4 Uhr nach«. Nachdem drei Lastwagen den beschwerlichen Weg von Biberach zur Landungsstelle zurückgelegt hat­ten, begann man um y,4 Uhr mit der Nachfüllung von Gas, zu welchem Zweck ungefähr 150 Wasser- stoffgasbehälter zur Stell- waren. Um diese Zeit rückte auch eine ^lbteilung Pioniere mit Spaten und Hacken an, um das vom Wind leicht hin und her bewegte Fahrzeug sicherer zu verankern. Der Motordefeft gilt als behoben. Major Sperling weicht nicht von der Stelle und überwacht das planmäßige Fortschreiten der Arbeiten. Bestimmte Dispositionen zu treffen, erscheint aber angesichts der zweifelhaften Wetterlage vorerst immer noch ausgeschlossen, denn, nachdem die Sonne eine Zeit- lang von neuem geschienen hatte, begann es jetzt abermals zu regnen. Auch der Wind hat an Stärke zugenommen. Soweit man den belebten Platz übersehen kann, ist außer dem technische« Personal der Daimler Werke nur militärische Hilfeleistung am Orte.

Metz, 29. Juni. Major Sperling hat de« hiesigen Militärbehörden telegraphisch mitgetettt, daß die Weiterfahrt desZ 1" nach Metz keines­falls vor morgen erfolgt. Die Ankunft hier ist also nicht vor morgen nachmittag zu erwarten.

Mittelbiberach, 29. Juni, abends 11 Uhr 10 Min. Nachdem zwischen 7 und 8 Uhr dir Rachfüllung des Ballons beendet, der reparierte Motor und die Propeller ausprobiert wordm waren, ging über die hiesige Gegend ein Wolke»' bruchartiger Rege« nieder, wodurch die Hülle bei1