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mrd de« Neklamewese» werd«« gewöhnlich weit überschätzt. Im Etatsjahco 1908 belief sich die Einnahme an Pachten für Zeitung» anb Bücherverkaufsstellen aus den Bahnhöfen aus WO 000 M, die Einnahme an Pachten für Re­klameschilder ufw., die in den Bahnhofsgebäu­den, außerhalb derselben und in den Eisenbahn­wagen zugelassen find, auf rund 300 000 Jt. Nach Ansicht der Verwaltung find die gegenwärtig erzielten Pachtvergütungen aus verschiedenen Bahnhöfen als noch nicht ausreichend anzu­sehen. Demgemäß sollen die betreffenden Ver­träge gekündigt und die Buchhandlungen öffent­lich ausgeschrieben werden, sofern nicht im Wege der Verhandlung mit den gegenwärtigen Päch­tern eine wesentliche Erhöhung erzielt wird. Die Verhandlungen werden auf der Grundlage des allgemeinen Erlasses vom 26. Oktober 1908 geführt werden, der die Grundsätze enthält, nach denen in Zukunft die Vergebung des Lahn­hofsbuchhandels stattfinden soll.

Ausland.

* * England und der Besuch des Zaren. Lon­don, 28. Juni. (Unterhaus.) In der heuttgen Sitzung ächtete Carlile (konservativ) an den Generalstaatsanwalt Sir W. S. Robson die An- ftage, ob seine Aufmerksamkeit auf die Artikel gelenkt worden sei, die vor kurzem in einer Zeitung in Bezug auf den herannaheiÄen Be­such des russischen Kaisers veröffentlicht wurden und in denen zur Ermordung des Kaisers an- aereizt wurde. Der Fragesteller bat um Aus­kunft, welche Schritte in dieser Angelegenheit unternommen werden würden. Der Eeneral- staatsanwalt erwiderte, er habe die Artikel ge­sehen; sie seien von höchst sträflichem Charakter; aber im Hinblick auf den herannahenden Besuch des russischen Kaisers halte es die britische Re­gierung nicht sür ratsam oder nötig, jetzt oder überhaupt irgend ein« Mitteilung über ihre Absichten bezüglich der Schritte zu machen, die gegen die für die betreffenden Artikel verant­wortlichen Personen zu unternehmen seien.

* * Frankreich und die Luftschiffahrt. Paris, 28. Juni. Der Großindustrielle Henry Deutsch hat der Pariser Universität für die Errichtung und Unterhaltung eines Luftschiffahrts-Jnstituts ein Kapital von 500 000 Franks und eine Jah­resunterstützung von 15 000 Franks bewilligt. Der griechische Industrielle Basil Zakaroff hat für die Errichtung einer Lebrkanzel für Flugtechnik an der Pariser Universität 700 000 Franks qe'iiiiet.

* * Streik der Seeleute. Marseille, 28. Juni. 9<is die eingeschriebenen Seeleute sich heute früh zur Wiederaufnahme der Arbeit meldeten, fanden sie auf mehreren Dampfern Besatzungen vor, die während des Ausstandes angenommen waren, und die zu entlaffen die Reedereien sich weigerten. Die Besatzungen von zwei Dampfern erklärten sich mit den einge­schriebenen Seeleuten solidarisch. Das Syndi­kat der eingeschriebenen Seeleute beschwerte sich telegraphisch beim Marineminister, darüber, daß die Reedereien die mit ihnen getroffenen Vereinbarungen nicht innehielten, und drobten, ----en Konflikt zu erneuern. Mehrere andere Dampfer verließen ohne Zwischenfälle den Hafen.

* * Von der Cholera. Petersburg, 27. Juni. Seit gestern find 58 Personen an Cholera er- kranft und 29 gestorben. Die Zahl der Er­krankten beträgt 506. Seit dem Wiedererschei­nen der Cholera vom 29. Mai bis 26. Juni sind 744 Personen erkrankt und 221 gestorben.

* * Die Lage in Persien. Teheran, 28. Juni. Vorgestern und gestern hatten der britische und der russische Geschäftsträger durch Vermittelung ihrer Generalkonsuln, die sich in Kum befinden, Unterhandlungen mit Sevdar Assad. Der Kern der Auseinandersetzungen war, daß der Vor­marsch der Vachtiaren äußerst ungelegen sei, weil er die Wiederauftichtung der Verfasiung hindere, statt sie zu erleichtern. Sevdar Asiad soll erklärt haben, er werde bis zum Zusammen­tritt des Medschlis in Kum bleiben. Inzwischen wächst die Sorge der Royalisten, von denen manche schon um Zuflucht in den Gesandtschaften nachgesucht haben sollen. Saad el Daulah hat auf Wunsch des Schahs seine Demission zurückge­zogen, dagegen hat der Krieasminister demis­sioniert. Die Nationalisten haben in dem Ge­fecht bei Mesched gegen die Russen 130 Mann verloren. Die Partei Afis ed Mulks forderte vom Schah die Entlastung Saad el Dauleh und des von fremden Gesandtschaften empfohlenen Kabinetts, an besten Stelle ein Kabinett aus der Mitte der Partei mit diktatorischen Voll­machten zu treten habe. Die Bewegung nimmt einen scharfen nationalen Charakter an.

Marburg und Umgegend.

JNachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 der Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhefs. Ztg." gestattet.)

Marburg, 29. Juni.

)( Universität. Die Gesuche um Zulastung zur ärztlichen Vorprüfung sind bis zum 3. Juli ein- »«reichen.

)( Akademischer Gottesdienst findet am nächsten Sonntag 9V2 Uhr in der reformierten Stadt- und Universitätskirche statt. Die Predigt hält Herr ; Konsistorialrat Prof. D. Achelis.

* Schloßbeleuchtung. Wie man uns mittellt, soll heute abend zwischen 9 und 10 Uhr das Schloß und voraussichtlich auch die Universität bengalisch beleuchtet werden.

* Die Nachzahlungen der SehAter und Wohnungsgeldzuschüste find nunmehr bei den Jreußischen Beamten erfolgt. Manch einem hat e die langersehnte Möglichkeit geboten, sich von Schulden zu befreien. Die Eisenbahner feCen übrigens fix, wie es nun einmal bei der Bahn zugehen muß, die ersten in der Auszah­lung gewesen sein.

* Eeneralstabsreise des 11. Armeekorps. Vom 5. bis 18. Juli findet eine Eeneralltabsreise des 11. Armeekorps von etwa 24 Offizieren, 50 Un­teroffizieren und Mannschaften und 45 Pferden pott. Ob bet der Reise auch unsere Stadt be­rühr wird, ist noch zweifelhaft.

Marburg« Ferienkurse, von der Geschäfts« ftefi« der Ferienkurs» erhalten wir folgend« Zu­schrift: Es ist auch in diesem Jahr« wiederholt vorgekommen, daß auswärtige Teilnehmer der Ferienkurse, von der Geschäftsstelle mit Woh- nungsadresten versehen, aus der Such« nach Zim­mern den Bescheid erhielten, sie seien bereits be­setzt, ohne daß das Sekretariat rechtzeitig davon in Kenntnis gesetzt war. Nun ist besonders für den Ausländer langes vergebliches Suchen feixte geringe Unbequemlichkeit. Der Geschäftsleitung verursacht die Vermittlung von Wohnung mrd Pension Mühe und beträchtliche Kosten an Porto, für den Vermieter dagegen ist sie kostenlos, dem­nach ist das geringste, was man erwarten dürste, daß die Vermieter von der Besetzung ihrer Woh- imng sofort Mtteilung machten. Im Jntereffe der Wohnungsuchenden ist daher beschloffen worden, diejenigen, welche diese kleine Mühe scheuen, künf- ttg ganz von der Wohnungsliste zu streichen.

* Von den Raiffeisen-Organisationen. Der Derbandstag der deutschen Raiffeisen-Organi­sationen in Breslau hat ohne Aussprache ein- sttmmig beschloffen, den Sitz des Eeneralver- bandes bis zum Beginn des Juli 1910 von Neu­wied nach Berlin zu verlegen. Man wählte als nächstjährigen Tagungsort Caffel. Dem Ver­bände gehören jetzt über 5000 Genossenschaf­ten an.

)( Vom Gauturnfest. Im kleinen Saale des Turnergartens hielt gestern abend der Gesann- ausschuß des Gauturnfestes eine Sitzung ab. Der Festvorsttzende, Stadw. Engel, begrüßte die Vrr- einsvertteter und hieran schloffen sich die Berichte der Vorsitzenden der einzelnen Unterausschüsse an. Wohl alle Herren, die sich zur Uebernahm« eines Amtes bereit erklärt haben, wurden tüchttg in An­spruch genommen und das Resultat ist nicht aus- geblieben. Es steht zu erwarten, daß das Gau- turnfcst auch diesmal in Marburg eine gute Stätte findet. Die Anmeldungen von fremden Turnern sind so zahlreich eingegangen, daß es schwer hält, für alle Wohnung zu beschaffen; es wurde des­halb der Wunsch ausgesprochen, daß diejenigen imserer Mitbürger, di« noch Turner ins Qixartter nehmen können, dies dem damtt Beauftragten, Herrn Kaufmann Rud. Schimpfs, Haspelstraße, mitzuteilen. Ms Wohnungsbureau imb Em­pfangslokal ist das Hotel Nicolai am Bohnhof ausersehen. Aus dem Bericht des Turnausschuffes ist zu entnehmen, daß etwa 80 Musterriegen und über 300 Einzelwetturner angemeldet sind. Be­sonderes Jrttereffe dürsten die Massenfreiübungen erwecken. Für Montag nachmittag ist ein großes Schiilerturnen vorgesehen. Gleichzeittg wurde das Ersuchen an die Mitglieder der hiesigen Turn­vereine gerichtet, sich an der Ehrung der verstor­benen Gauvorstandsmttglieder Schneider und Pabst, deren Gräber am Sonnabend um 4 Uhr mit Kränzen geschmückt werden, zu beteiligen. Um 8 Uhr wird das Fest auf dem Marktplatz offi­ziell eröffnet. Die Turner werden von da ab dirett nach dem Festplatz marschieren.

* Akademische Festspiele. Leider mußte die für gestern geplante Aufführung der HanS Sachs- Spiele (auf der Freilichtbühne in Marbach) ver­schoben werden. Die Vorstellung. zugleich das 6. und letzte der akademischen Festspiele, findet nun­mehr am Freitag, den 2. Juli, statt, vorausgesetzt, natürlich, daß an diesem Tage das Wetter weder trübe noch regnerisch ist.

* Handwerkertag. Der diesjährige Vertre­tertag der Innungen, Handwerker- und Ge­werbevereine wird, wie schon kurz erwähnt, am Sonntag, den 18. Juli, in Fritzlar abgehalten werden. Die Reihenfolge der sehr wichtigen Tagesordnung gestaltet sich folgendermaßen: 1. Eröffnung des Handwerkertages durch den Vorsitzenden der Handwerkskammer und Begrüß­ung der Herren Vertreter der staatlichen und kommunalen Behörden. 2. Vortrag des Herrn Landrat Dr. Schröder über denGesetzentwurf einer Reichsverficherungsordnung". 3. Vortrag des Herrn Srmdikus Thanheiser überDie För­derung des Handwerks durch die Gemeindever­waltungen. 4. Freie Aussprache über die Vor- träge. 5. Anträge und Mitteilungen aus der Versammlung.

* Tic Tveisewagen Verordnung. An uns ge­richtete Anfragen legen uns nahe, die Besttm- mungen, die neuerdings der Minister der öffent­lichen Arbeiten über die Regelung des Verkehrs in den Speisewagen im Gebiete der preußisch- hessischen Staatsbahnen gettofsen hat, nochmals bekannt zu geben: 1. In allen Zügen mst 8. Klaffe, die Speisewagen führen, ist der eine Raum des Speisewagens ausschließlich für Reisende 1. und 2. Kl., der andere fiir Reisende aller Wagenklaffen bestimmt. 2. Nach jeber gemeinsamen Mahlzeit sind die beiden Räume des Speisewagens zu lüs­ten. Die Reisenden haben während dieser Zett den Speisewagen zu verlaflen. 8. In V-Zügen mtt 3. Klaffe haben die Reisenden, bevor sie den Speisewagen betteten, sich Platzkarten für die Plätze in den Wagenabteilen zu beschaffen. DaS Zugbegleitpersonal ist streng anzuweisen, daß die Verteilung der Platzkarten mtt größter Beschleu­nigung bewirkt wird. 4. In der Regel sind die Speisewagen erst 20 Minuten, nachdem der Zug die Abgangsstation verlaflen hat, zu öffnen. ES bleibt den Königlichen Eisenbahndirekttonen über­lasten, in geeigneten Fällen bei besonders zu be­zeichnenden Zügen eine frühere Oeffmmg des Speisewagens anzuordnen. 6. Die Reisenden der 8. Klafle können sich in dem allen Reifenden zur Verfügung stehenden Raume zu den Hauptmahl­zetten Plätze belegen, und zwar, wenn mehrere Mahlzetten nacheinander stattfinden, nach ihrer Wahl zu der ersten oder einer folgenden. Wenn der gemeinsame Raum vollbesetzt ist, so kömre« ihnen zur Einnahme von Mahlzetten fteie Plätze auch in dem den Reffenden 1. und 2. Klasse vor- behaltenen Raume zur Verfügung gestellt werden. Das Zugbegleitpersonal ist angewiesen, bet Hand­habung bet vorstehenden Bestimmungen, ins. besonder« während der UebergangSzett mit Takt

-1. Lohra, 28. Juni. An Stelle der seit­herigen Ortsbrandmeister sind die Führer der Freiwilligen Feuerwehr, Landwirt Konrad Wagner und Maurer Johannes Willershausen von der Behörde als Ortsbrandmeister ernannt worden.

Frmxkenberg, 28. Juni. In diesem Jahre erreicht unser Rathaus das stattliche Alter von 400 Jahren. Bei dem großen Brande 1476 war bekanntlich das alte Rathaus mit feinen wert­vollen Akten niedergebrannt und nun erst nach 88 Jahren entstand der heutige Bau.

Treysa, 28. Juni. Heute morgen fand dahier bte Einwechung eines neuerbauten Schulsaale« statt. Vor dem seitherigen Schul­hofe der Mädchen-Oberkiaff« faegen die Schüler

und Zurückhaltung vorzugehen und jede «nge- bührkiche Belästigung der Reisenden streng zu ver­meiden.

)( Fremdenbefuch. Die höhere Mädchenschule a«S Butzbach stattete heute er Stabt einen Besuch ab.

* Ein neuer Taris fit Expreßgüter. Dom 1. Juckt d. I. ab wird, nach Vereinbarungen der beteiligten Eifenbahnverwaltungen, ein neuer preußisch-sächsisch-südwestdeutscher Expretz- guttarif in Kraft gesetzt werden, wodurch der bisher gültige Tarif vom 1. April 1905 aufge­hoben wird. Eine Reihe bisher nicht berück­sichtigter Stationen wird für die durchgehende Abfertigung in Betracht kommen. Es ist ferner angeordnet worden, daß die Beförderung der Güter nach Möglichkeit beschleunigt wird. Die Benutzung von Schnellzugsoerbindungen ist vorgeschrieben, soweit nicht die Züge speziell vom Absender bezeichnet wurden.

* Bon den Titeln. Die Bezeichnung ,Bau­meister" darf seit dem 1. Oktober 1908 nur von denjenigen Inhabern eines Geschäfts geführt weichen, die den hierüber gegebenen Vorschrif­ten der Landesregierung ihres Betriebfitzes ge­nügen. Nach den preußischenErundzügen" wiÄ zur Erlangung des TitelsRegierungs­baumeister" bezw.Baumeister" der Besuch einer technischen Hochschule, die Ablegung der Diplomprüfung unb nach einem praktischen Ausbildungsgange die Ablegung der großen Staatsprüfung gefordert. Wer diesen Voraus­setzungen nicht entspricht, wird durch die Be­stimmungen der Gewerbeordnung strafbar, wenn er sich die BezeichnungBaumeister" beilegt. Die Befugnis zur Führung des TitelsBaugewerks- meiftet bezw.Gewerksbaumeister" ist mit dem 1. Oktober v. I. erloschen, d. h. es ist straffällig, sich ihrer zu bedienen. Ferner hat das Reichs­gericht in einer seiner letzten Sitzungen entschie­den, es sei die ArchitÄtur eine Kunst, aber nicht ein Handwerk, weshalb die unberechtigte Be­zeichnungArchitekt" nach § 360 Ziffer 8 des Reichsstrafgesetzbuches zu bestrafen sei und sich nur derjenige den Titel beilegen dürfe, der ent= roebet durch den Ausbildungsgang auf einer technischen Hochschule und Ablegung der zweiten Prüfung für den bautechnischen Staatsdienst ein Recht auf ihn erworben oder durch Ausführ­ungkünstlerisch" ausgestatteter Bauwerke be­wiesen hat, daß seine Baukenntnis, das Maß des .Handwerks" überschreitend, in das Gebiet der .Kunst" übergreift.

)( Der Einbrecher. Daß es nicht ganz rat­sam ist, Kinder allein am Hause zu lasten, sollte am Sonntag eine Familie in Ockershausen er­fahren. Während die Frau des Hauses mtt noch anderen im Schwesternhausim Verein" war, suchte der Gatte Erholung im Wirtshause. Als die Dunkelheit längst hereingebrochen war, kamen zu beiden schreiend die Kinder gelaufen und teilten mtt, ein verdächtiger Kerl schleiche im Hause um­her und werfe sogar Streichhölzer zum Dachfenster hinaus. Die Sache scheint gefährlich zu sein, dachten Vater und Mutter; der Kerl steckt womög­lich daS Haus an. Mso schnell nach Hause. Der Mann nahm sich noch «inen Freund mtt der sich schleunigst unterwegs mtt einem Ockershäuser Spazierstock ht Gestalt eines Backschetts versah, während der Hauseigentümer sich mit einer trif­tigen Mistgabel bewaffnete. Die Frau blieb mtt den Kindern und vielen anderen Neugierige«, di« sich mittlerweile angesammelt hatten, erwartungs­voll vor der Türe stehen, als die beiden Tapferen im Innern des Hauses verschwanden.Nimmt Eich nur in Oacht, daß Eich naut basiert, wer wäs, woas doas fit en Kerl iS ff rief sie ihnen noch warnend nach. Bald hörte man aus dem Boden kräftige Flüche, verbunden mit stoßendem und krachendem Gepolter. Der eine stach das Heu durch und durch, während sein Begleiter, damtt der vermeintlich darin steckende Kerl auch wirklich ganz unschädlich gemacht würde, mit dem Backscheit kräftig dazwischen schlug. Aber kein Laut ließ sich hören. Plötzlich riefen die Kinder:Alleweil stecki r im Keller",Aech huns gesteh, toäie raus krieche wollt" fügte ein ganz Kleiner hinzu. Im Nu waren die beiden Männer in der Tiefe des Hauses verschwunden; sämtliche Sauerkrauffäfler usw. wurden mit der Mistgabel durchstochen und die Kartoffelsäcke mit dem Backscheit verprügelt. Aber auch hier war fein Kerl zu finden. Man kam schließlich aus den vernünftigen Gedanken, daß der Einbrecher nur in der Phantast« der ängst­lich gewordenen Kinder existiere und diese die in der Lust umherschwirrenden Glühwürmchen für Stteichhölzer angesehen hatten.Daß sich die Frä so ängstige muß", meinte zum Schluß treuherzig eine Nachbarin,der Mann könnt joa derhem bleiwe."

*Peter Purzel bricht dem Korn die Wurzel" sagt eine volkstümliche Redensart vom 29. Juni, dem Peter-Paulstage. Die Roggenfelder fangen nun an zu bleichen und die Aehren beginnen ihr« Spelzen auszuspreizen infolge des hart werdenden Kornes. Der 29. Juni ist dem Gedenken an die Apostelsürsten Petrus und Paulus geweiht und er hat zu vielerlei Volksbräuchen Anlaß gegeben. Wenn da? Wetter an ihm sonnenklar und heiß ist, so wird das in den Kreisen der Landwirte als ein gutes Vorzeichen für schönes Erntewetter an­gesehen.

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efweti Choral, rvormrs Herr Bürgermeister Wie, aaich nach einer mtt einem Hoch auf den Kaiser, schließenden Ansprache den neuen Saaff sowie einen gleichzeitig vollständig umgebauten alten Saal seiner Bestimmung mit dem Wunsche über» aab, daß in H>nen allezeit ein gottesfürchtiges, königstreues Geschlecht erzogen werden möge.

Seiger tshausen (Kr. Ziegenhain), 28. Juni. Dem Bürgermeister a. D. Dietz ist aus Anlaß feines Ausscheidens aus dem Dienst das Allge-' »eine Ehrenzeichen verliehen worden.

Waldgirmes, 28. Juni. Unter äußerst zahl, reicher Beteiligung der Kriegervereine der Kreise Wetzlar und Biedenkopf beging der hiesige Kriegerverein gestern sein 25jähriges Jubelfest. Gleichzeitig wurde der 27. Delegiertentag des Kreiskriegerbundes Biedenkopf damit verbun­den. Landrat Dr. Daniels führte den Vorsitz. Dem Kreisverband gehören 81 Vereine an; als jüngster Verein wurde der Militärverein Naunheim aufgenommen. Dem Fahnenträger Weimar-Waldgirmes wurde für 25jährige Mit- gliedschaft das Kyffhäuferbild überreicht. Durch Vermittlung des Vorstandes find für die Hoch- waffergefchädigten vom Deutschen Kriegerbund 600 eingegangen, die größtenteils der Ge­meinde Hermannstein zufallen. Der nächst-, jährige General-Kriegerappell wird in Rodheinch an der Bieber abgehalten. Wegen des Heftigeft Regens setzte sich der Festzug erst um 3 Uhr in Bewegung, dessen Spitze altgermanische Reiter bildeten. Der GesangvereinGermania" trug das alte SchlachtenliedVater, ich rufe dich" vor. Lehrer Kraft begrüßte die Gäste. Der Landrat überreichte sodann im Allerhöchsten Auftrag dem Verein Fahnenschleife und Nagel. (Gieß. Anz.)

Hessen-Nassau und Nachbargebrete.

Cassel, 27. Juni. In den Tagen vom 18. bis 25. d. M. fand lautCaff. Tageblatt" in den Räumen des hiesigen Provinzial-Schulkolle- giums die Mittelschul- und Rektoren-Prüsung statt. Die Prüfungskommission setzte sich aus dem Vorsitzenden Geh. Regierungs- und Provin- zial-Schulrat Dr. Otto, und den Mitgliedern, Geh. Regierungs- und Schulrat Mühlmann,, Geh. Regierungsrat Direktor Professor Srcuet«: Wiesbaden, Oberrealschuldirektor Dr. Quiehl, i Seminardirecktor Dr. Grau-Schlüchtern zusam­men. Die Mittelschulprüfung bestanden die Lehrer Amrhein, Brühl, Giesecke, Kolb, Leber und Reuter, sämtlich aus Frankfurt a. M., Freu»' denberger aus Dillenburg, Hahn aus Herborn, Kunze aus Rinteln, Leitz aus Eisenach, Strecker, aus Hünfeld, Szymanski aus Geisenheim, Weber1 aus Cassel und Wilcke aus Pyrmont. Dis Be­fähigung als Rektoren zur Leitung von Volks­schulen erlangten die Lehrer Vechtel und Scheuch aus Cassel, Furkel und v. d. Kammer aus Hanau, sowie Pfarrer Wepler aus Sontra; die Befähigung zur Leitung von Schulen, mtt fremdsprachlichem Unterricht die Mittelschul­lehrer Otten, Sichling und Theimann au« Frankfurt a. M. und Reichwein aus Wies, baden.

§§ Cassel, 27. Juli. Bei dem heute in An­wesenheit Sr. Exzellenz abgehaltenen nationa­len Wettschwimmen haben die Casseler Vereine nicht besonders gut abgeschnitten; von den 22 größtenteils schr wertvollen Preisen haben sie nur drei erobern können. An dem Damen- Brustschwimmen nahmen eine Anzahl Damen der Casseler Turngemeinede teil; den 1. Preis errang Frl. Elisabeth Lagneau; sie durch­schwamm 100 Meter stromabwärts in 1 Minute und 59 Sekunden.

Spangenberg, 27. Juni. Am 5. August feiert man hier ein Heimatsfest. Es find 600 Jahre vergangen, seit unserer Stadt die Rechte einer solchen verlwhen wurden. Zur Aufführung ge­langt u. a. ein fünfaktiges DramaKuno und Else" von Karl Engelhardt-Hanau.

Erünberg, 29. Juni. Die Eröffnung der neuen Bahn zwischen Erünberg und Lich findet nach neueren Entschließungen nicht am 1., son­dern erst am 5. Juli statt.

Frankfurt, 29. Juni. Für die allernächste Zeit ist die Abhaltung einer großen Protestver­sammlung Hierselbst in Aussicht genommen, zu der womöglich alle Gewerbetreibenden aus der Provinz Aessen-Naffau und dem Erotzherzogtum Hessen eingeladen werden sollen.

G. Hanau, 27. Juni. Die in Hanau, Geln­hausen, Alzenau, Fechenheim und Frankfurt, a. M. bestehenden freiwilligen Sanitätskolon- nen vom Roten Kreuz hielten heute am Main- ufer bei Hanau eine große öffentliche Hebung ab, die sich darauf erstreckte, ein am linken ' Mainufer errichtetes Feldlazarett zu räumen und die markierten Verwundeten uiö) Kranken nach einem Reservelazarett zu verbringen.

Tann (Rhön), 29. Juni. Ein Ilft/yjähriges Mädchen, welches zur Festausschmückuna Laub­werk au fdem hiesigen jüdischen Friedhöfe bolen wollte, erkletterte einen Leichenstein, welcher umttel um das Kind sofort tötete. Am Nach­mittage fand ein gerichtlicher Augenschecns- termin statt.

Avendorf, 29. Juni. Am Sonntag, den 27. d. M., fand die Feier der Grundsteinlegung des neuen Ausstchtsturms auf der Landsburg statt.

Daaden, 29. Juni. Der nächtliche Gast, der durch ein offenstehendes Fenster des Hotels Schmitz in die Gaststube gestiegen war, hat für seine Musik, die keineswegs als ein Scherz ange­sehen worden ist, schnell Strafe erhalten, nämlich 8 Tage Gefängnis. Es ist ein fremder Wan­derer gewesen. .. , ,

Bestwig, 29. Juni. Im hiesigen Bahnhof wurde der Wagenmeister Beck, welcher mit dem Rotieren der Wagenummern beschäfrigt war, von einer Rangiermaschine erfaßt und getötet.

Mainz, 28. Juni. Der Fuhrmann Saurier, auf der Mittelbleiche hier wohnhaft, dessen erte Frau sich vor zwei Jahren im Untersuchungs­gefängnis wegen einer Diebstahlssache befand und sich dort äufhängte, drückte seiner zweiten Frau nach einem Streit die Kehle zu und hangle die Leblose in seinem Zimmer auf. Der Mör­der konnte in einem Schankloka! verhaftet. »erden.