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44. Jahrg.!

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(Nachdruck verboten.)'

aus!"

(Fortsetzung folgt)

wollen, politische über die den hat,

nach Erledigung der Finanzreform aus dem Amte zu scheiden.

jedoch ist er mit Rücksicht auf die Entwicklung, die durch Abstimmung Erbschaftssteuer ihren Ausdruck gefun- unwiderruflich entschlossen, alsbald

seiner großen, in zwölfjähriger Ministertätigkeit der Krone und dem Lande geleisteten Dienste dringend gebeten, sein Amt noch so lang« zu führen, bis die Reichsfinanzreform, deren Erledigung eine nationale Notwendigkeit fei, zu Stande gebracht fei. Der Kaiser hat sich dabei von der Ueberzeugung leiten lasten, daß es am allerersten dem Fürsten Bülow gelingen werde, das Werk unter Abweisung der dem Ee- samtintereste schädlichen und daher für die ver­bündeten Regierungen unannehmbaren Steuer­vorschläge zu Ende zu führen. Dem Ersuchen des Kaisers hat der Kanzler sich nicht entziehen

alle berechtigten Wünsche der Beamten- und Lehrerschaft befriedigt sind und Ruhe und Zu­friedenheit in diese Kreis« wieder einkehren werden.

Unter den übrigen gesetzgeberischen Auf­gaben beansprucht die größte Bedeutung di« Novelle zum Berggesetze. In ihr sind, unter Sicherung gegen Mißbrauch zu staatsfeindlichen Agitationszwecken, Einrichtungen getroffen, die eine beträchtliche Verstärkung des Schutzes der Bergarbeiter gegen Gefährdung ihres Lebens oder ihrer Gesundheit gewährleisten. Von all­gemeinem Jntereste ist ferner das Gesetz betref­fend die kommunale Besteuerung der Beamten, Geistlichen und Lehrer, durch welche die seit Jah­ren schwebende Frage des Kommunal-Steuer- Privilegs der genannten Bediensteten endgültig gelöst wird, so wie der in letzter Stunde noch ver­abschiedete Gesetzentwurf betreffend die Haftung des Staats für Amtsverletzungen der Beamten bei Ausübung der obrigkeitlichen Gewalt. Neben den üblichen Begleitern des Staatshaushalts­etats, dem Eisenbahnkredit- und dem Beamten­wohnungskreditgesetz, hat der Landtag noch eine ganze Anzahl kleinerer Gesetze von provinzieller oder lokaler Bedeutung und den wichtigen Ver­trag mit Hamburg betreffend die Regulierung des Köhlbrandes und der Elbe bei und unter­halb Hamburgs erledigt.

Aber nicht blos dieZohl und di« Bedeutung der gesetzgeberischen Aufgaben verdient Er­wähnung. Vielmehr charakterisiert die eben ab­gelaufene Session sich vor allem dadurch, daß der weitaus überwiegende Teil der gesetzgeberi­schen Aufgaben auf Grund einer Verständigung aller bürgerlichen Parteien unter einander und mit der Regierung gelöst worden ist. Dies gilt vor allem von den sämtlichen Besoldungsgesetzen und den in dem Mantelgesetz vorgesehenen Eteuererhöhungen. Aber auch bei dem Berggesetz hat man sich schließlich soweit verständigt, daß es die Zustimmung aller bürgerlichen Parteien fin­den konnte. Dasselbe gilt von dem Beamten­haftungsgesetze. Wenn bei dem Stempelsteuer­gesetze Meinungsverschiedenheiten hervortraten, so bezogen sich diese nur auf Einzelheiten. Ge­rade in diesem verständnisvollen Zusammen­wirken aller bürgerlichen Parteien mit der Re­gierung ist die große Fruchtbarkeit der verfloste- nen Tagung zu suchen. Dieses Einvernehmen steht in bemerkenswertem Gegensatz zu der weit­gehenden Parteizersplitterung, die sich in so be­denklicher Weise im Reichstage geltend macht.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 50.

Eitle Mitteilung an die Post sei es persönliche Bestellung bei dem d« Briefträger oder bei dem Postamt, ge« ÄA nügt vollständig, um den regelmäßigen

Bezug derOberhesstschen Zeitung­auch im neuen Quartal zu sichern. Man werfe gegebenenfalls einen un­frankierten Zettel mit der Mitteilung, daß man dieOberhessische Zeitung" wünscht, in den nächsten Briefkasten.

preußische Kandidaten in Frankreich, 2 in England und 8 in Amerika. Der Lehreraustausch mit Amerika hat sich besonders günstig gestaltet. Die jungen Amerikaner haben sich hier als tüchtige und allgemein beliebte Lehrer erwiesen. Außerdem werden von der Unterrichtsverwalttmg Oberlehrer als Stipendiaten mit staatlicher Unterstützung in das Ausland zur Vervollkommnung in der Landessprache entsandt.

Deutsche Gäste in Schweden. Malmö, 28. Juni. Heute vormittag trafen hier die Teilnehmer an der von der deutschen Zentralstelle für Volks- Wohlfahrt veranstalteten Informationsreise eins sie wurden im Rathause tvon dem Stadtverord- netenvorsteher Dr. Lindahl als Gäste der Stadt willkommen geheißen. Im Namen der Teil­nehmer dankte Staatsminister v. Möller. Er sprach dabei die Ueberzeugung aus, daß sie sich In Schweden an Erfahrungen bereichern würden. Darauf besichtigten die deutschen Gäste das Rat­haus, die St. Petrikirche und verschiedene kom­munale Einrichtungen. Nach einer Besichtigung des Hafens fand ein Frühstück in einem Strand­pavillon statt. Heute abend veranstaltet die Stadt zu Ehren der Gäste ein Fest im Königspark.

Vom betrügerischen Einschänken. In wel­chem Maße ein Bedürfnis für die Erhöhung des Schaumrmrmmaßes bei Schankgefäßen besteht, geht aus einer dem Reichstag zugegangenen Pe­tition des Münchener Verbandes zur Bekämpsiing betrügerischen Einschänkens deutlich hervor. Es wird darin erwähnt, daß die Schänkkellner ost mehrere Mar! pro Hektoliter, bis zu 11 Mk., mehr Herausschänken muffen, als der Inhalt des Ge­fäßes nach Maßgabe des Preises gestattet, und eS wird auf Grund Materials des bayrischen Sta­tistischen Amts festgestellt, daß das bierkonsumie­rende Publikum in München allein jährlich um mehr als 4 000 000 Mk. durch dieses schlechte Gin* schänken geschädigt wird. Diese Summe, die auf den ersten Blick enorm hoch erscheint, findet ihre Erklärung, wenn man annimmt daß bei einem Liter Bier durchschnittlich nur ein Zehntel Liter fehlt. Dieser ziffernmäßig auf Grund statisttschen Materials nachgewiesene Bettag erhöht sich aber noch um ein bedeutendes angesichts der offen­kundigen Tatsache, daß in München in den grö­ßeren Bierausschankstellen gewöhnlich nur % Liter verabreicht werden. Bei der Beratung der Petitton sprach man sich von verschiedenen Setten übereinstimmend dahin aus, daß die beklagten Mißstände nicht bloß in Bayern, sondern auch außerhalb Bayerns an vielen Orten und nicht zum wenigsten auch in Berlin bestehen. Ihnen müsse, soweit es im Wege der Gesetzgebung überhaupt möglich sei, entschieden entgegengetreten werden. Gleichzeitig wurde hierbei von allen S--tte» der Meinung Ausdruck gegeben, daß die von dem petttionierenden Verein vorgeschlagene Erhöhung des Schaumraummaßes ein wirksames Mittel zr Bekämpsimg des betrügerischen Einschänkens bil den »oürde.

Die Einnahmen der preußischen Eisen­bahnverwaltung aus dem Bahnhossbuchhandel

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Rellamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C.Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Mittwoch, 30. Juni 1909.

Zur Lage.

Berlin, 28. Juni. DieNordd. Allgern. Zeitung" schreibt: Von einigen Blättern ist versucht worden, die am Samstag ergangene Mitteilung über den bevorstehenden Rück­tritt des Reichskanzlers in ihrer Be­deutung abzuschwächen. Zur weiteren Klar­stellung bemerken wir daher folgendes: Der Reichskanzler hat den Kaiser um seine sofortige Entlassung gebeten. Seine Maje­stät hat sich zur sofortigen Erfüllung seines Wunsches nicht zu entschließen vermocht und hat den Reichskanzler., unter warmer Betonung

Deutsches Reich.

Reise des Herzogs Johann Albrecht. Braunschweig, 28. Juni. Der Herzog-Regent trat gestern nacht eine sechswöchige Nordlandreise an. Er wird etwa Mitte August nach Schloß Wiligrod zurückkehren.

Herr v. Haffe ch. Berlin, 28. Juni. Der bis vor kurzem im Reichsschatzamt tätig gewesene Geheime Admiralitätsrat, Professor Dr. v. Halle, ist gestorben.

Neuwahl. Koblenz, 28. Juni. Wie die Koblenzer Zeitung" meldet, ist der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Oberlandesgerichtsrat Wellstein-Frankfutt a. M. (Koblenz 3) zum Se- natspräsidenten am Oberlandesgericht Hamm in Westfalen befördert worden. Dadurch sind dessen beide Mandate erloschen und es haben Neuwahlen stattzu finden.

BomZ 1". Friedrichshafen, 28. Juni. Das ReichsluftschisfZ 1" wird, falls das jetzige günstige Wetter keine Aenderung erfährt und ein dem Luftschiff ungünstiger Wind aufttitt, heute abend zwischen 9 und 11 Uhr event. später zur Fahrt nach Metz aufsteigen. Heute früh wurde noch eine kleine Gasfüllung vorgenommen; eine Kompagnie der Garnison Weingatten ist zur Hilse- leistung eingetroffen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Ge­setz betteffend die Heranziehung der Beamten, Elementarlehrer und unteren Kirchendiener zur Gemeindeeinkommensteuer.

Internationaler Lehreraustausch. Gegen­wärtig halten 50 Franzosen, 8 Amerikaner und 7 Engländer in den preußischen Schulen Konver- sationsübungen ab. Es ist angeordnet worden, daß die ausländischen Assistenten auch zur Mit­wirkung bei den regelmäßigen Unterrichtsstunden herangezogen werden, wodurch auch diejenigen Schüler, die nicht an den wahlfreien Konver- sattonsübungen teilnehmen, Nutzen von der Ein­richtung haben. Andererseits befinden sich 14

DieGberhrsstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Vom Abgeordnetenhaus.

Mit der hundertsten Sitzung hat das Abge- ordnetenhaus eine an Arbeit und auch gesetz­geberischen Früchten sehr reiche Session geschlof­fen. Sämtliche von der Regierung dem Land­tage unterbreiteten Vorlagen sind zu einem posi­tiven Ergebnis geführt worden. Keine ist ge­scheitert oder liegen geblieben. Dabei handelt es sich um gesetzgeberische Aufgaben von großer Bedeutung und erheblicher Schwierigkeit. In erster Linie standen die Besoldungsvorlagen, die Besoldungsordnung, die Lehrer- und Pfarrer­besoldungsgesetze und das Wohnungsgeldzufchuß- gesetz nebst den zur teilweisen Deckung des Mehr­bedarfs bestimmten Steuervorlagen. Gegenüber den Anfeindungen, denen das Abgeordneten­haus von bürgerlicher und sozialdemokratischer Seite vielfach ausgesetzt ist, verdient hervorge­hoben zu werden, daß der Bedarf an Mehrein­nahmen in ganz überwiegendem Maße der wohl- 'habenderen Minderheit der Bevölkerung aufer- i legt ist, während die schwachen Schultern nahezu ganz verschont bleiben. Dies gilt namentlich von den Zuschlägen zur Einkommen- und Er- ^ganzungssteuer, wobei den Steuerpflichtigen ;mit geringerem Einkommen in der Erweiterung :b«s Kinderprivilegs ein mehr als ausreichender Ausgleich für die geringeren Steuerzuschläge ge­währt worden ist. Die Bedeutung der Besol- dungsordn-ng erhellt aus der Tatsache, daß ab­gesehen von der wirksamen Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses die unteren Beamten im Durchschnitt 20 Prozent, die mittleren 15, «di« höheren 7% Prozent an Gehaltszulagen er­halten. Noch ungleich höher stellt sich die Auf­besserung für die große Mehrzahl der Volks« schullehrer. Die auf dem Mindestsätze stehenden Lehrer erfahren eine Aufbesserung um rund 60 Prozent. Aber selbst die mit der mittleren Be­soldung von 1200 =41 Grundgehalt und 150 =.41 Alterszulagen werden um rund 30 Prozent auf­gebessert. Erwägt man, daß diese Aufbesserungen in dem Diensteinkommen der Beamten, Eeist- lkichen und Lehrer nur um den Preis einer Mehrbelastung der Steuerzahler um rund 67 Millionen Mark zu ermöglichen waren, so wird man der Erwartung leben dürfen, daß nunmehr

Gin Sommerlraum.

Roman von R. van Beetee.

< Fortsetzung.)

Nein, nein, Weib bleibt Weib! Wankel- fltui und Charakterschwäche sind dasjenige, was sie am tiefsten beim Mann verachten, und beson­ders meine Mutter, die selbst fest ist wie Eisen! Jein, das wäre das erstemal, wo ich mich echt und recht vor ihr schämen müßt«! Gerade vor ihr könnte mich das rasend machen!"

Du bist ganz nervös geworden, alber Knabe!" lächelte der Doktor beruhigend.Mach, daß Du ins Bett kommst und die gar zu tollen Grillen ausschläfst!"

Ja, Du hast recht, es ist Zeit, Dich nach ;ber langen Reise zur wohlverdienten Ruhe kommen zu lassen, nachdem ich greulicher Egoist Dir gleich am ersten Abend als Willkommen­gruß die Behaglichkeit des neuen Heims gestört .habe. Wenn das Ulli wüste! Ich bekam' trotz all' ihrer Sanftmut gewiß ein paar strafend«, böse Augen. Gute Nacht .und träum« von den guten Engeln, die hier für Dich gesorgt und gewirtschaftet haben, Du weißt, ich könnte mir nichts besseres wünschen!" Damit drückte Max dem Freunde verständnisvoll di« Hand, ihm mit «in: n Anfluge des sonstigen Schelmensinns herzlich zunickend.

Am folgenden Tage, nachdem der Geheimrat feinen jungen Assistenten begrüßt und in all' ' seine Pflichten und Rechte eingefühtt hatte, machte dieser seinen Antrittsbesuch in der Fa­milie und wurde von der Hausfrau mit der bezaubernden Herzlichkeit und Wärm« einer

Hand auf Sie zu legen und den jungen Ein­siedler zum Gesellschaftvogel zu erziehen!"

Sehr gütig, meine gnädige Frau, daß Sie sich dieser Mühe unterziehen wollen, aber ich fürchte, sie wird etwas groß sein! Ich habe viel mehr Talent zur Nachteule wie zum Ge- sellschastvogel, zu dem mich die Natur schon viel zu schwarz gezeichnet hat!" Er fuhr damit lächelnd über das dunkle, leicht gewellt« Haar. Raben, Tintenfische und Weisheitsvögel ge­hören nicht in die elegante, bunte Sphäre der Salons!"

O Ihr« Lust am Ausweichen vor Verant­wortlichkeiten kenne ich vom Sommer her ganz genau! Sie find darin so gewandt, daß Ihnen zum Salondiplomaten kaum mehr ein Federchen fehlt, und es fällt mir auch nicht eine Sekunde ein Sie auf diese Schlangenwindungen hin ent­schlüpfen zu lassen! Der erste Assistent meines Mannes ist stets, soweit das fein Beruf zuließ, auch erster Adjutant meines Hauses gewesen, und wenn momentan dieser wichtige Posten auch von Max besetzt ist, so werde ich schon immer dafür Sorge tragen, daß Sie nicht ganz beschäf- ttgungslos davonkommen! Ich hoff« nämlich, lieber Doktor, daß Sie vor allen Dingen als bcher Freund meines Sohnes unser Haus ganz wie ein Elternhaus betrachten, in dem Sie zu jeder Stunde und bei jeder Gelegenheit willkom- men sind und immer offene Hände und offene Herzen finden!"

Di« Frau Geheimrat wußte bei paffender Ge­legenheit auch mit nie fehlender Sicherheit den paffenden Ton anzuschlagen, und als st« jetzt mit einer reizend gütigen Miene die seit einigen Wochen wieder etwas beweglichere weiße Hand mühsam erhob, um Re dem jungen Mann« wie

zu einer Bestätigung ihrer Worte hinzureichen, lag ein solch echter Schein freu'idlichen Wohl- wollens und Entgegenkommens in ihrer ganze« Art, daß Heinrich Werner all' die kleinen Be­obachtungen vergaß, die ihm im Sommer manch­mal den Charakter der klugen Dame, besonder» Ulli gegenüber, nicht so ganz ausgezeichnet hat­ten erscheinen lassen, und sich dankbar bewegt zum Handkuß herabbeugre.Jeder Widerspruch gegen ihre gütigen Bestimmungen, meine gnä­dige Frau, ist natürlich von vornherein ausge­schlossen, und was Ihre Erlaubnis für den häus­lichen Verkehr anbetrifft, so nehm« ich dieselbe nicht nur unendlich dankbar, sondern auch mit tausend Freuden an. Aber was so die Gesell­schaft heißt wahrhaftig, ich habe so garnichts an und in mir, was für diese paßt."

Das lassen Sie nur meine Sorge fein! Er­stens muß es ja auch Staffage geben, Dekoration, und dazu wären Sie für alle Fälle zu gebrau­chen, zweitens bin ich ein moderner Kolumbus in der Entdeckung verborgener Talente und Künste. So hörte ich zum Beispiel ein Vöglein singen, daß ein gewisser junger Mann, der be­hauptet, für die Gesellschaft garnicht zu paffen, ein Klavier mit unter seine Einrichtung zahlte Sollte sich an dies« Tatsache nicht ein Fädchen binden lassen, mit dem man ein verborgene« Talent aus der Tiefe hervor zieht?"

Ueber das eben noch so Helle Gesicht des Dok. tors zog ein tiefer Schatten, und mit beinah« herbem Tone sagte er ganz kurz:Ich bedauere, gnädige Frau, aber mein Klavierspiel ist nut für mich, ich übe es niemals vor anderen Öeutti

alten Freundin empfangen, während Ulli, schüch­tern und verlegener wie bei der ersten Begeg­nung. nur durch den im stillen Glück leuchteiiden Ausdruck ihrer Augen di« Innigkeit ihrer Ge­fühle verriet. Neben der Mutter kam ste ja sowieso nicht viel zum Sprechen, und es war ihr auch dieser gegenüber nicht sehr viel darum zu tun. Die Wärme, mit der der heimliche Ge­liebte sich für die Einrichtung seiner Wohnung bedankte, durchdrang beseligend ihr ganzes We­sen, und mit stillem Entzücken gab sie sich dem Genuß hin, seinen Wotten, dem langentbehtten Klange seines weichen Organs zu lauschen. Das Glück war wieder da der Sonnenschein, der ihr erloschen war zwei lange, bange Monate hindurch, und bet nun, so Gott es wollte, und ihr Hoffen sie nicht trog, fortan immer, immer «in ganz köstliches Leben hindurch über ihr schei­nen sollte. Ach, es war zuviel, zu schön! Wie konnte sie unbedeutendes Geschöpf so über- - schwengliches Glück erhoffen? Sie wollt« es auch nicht tun, nein, nichts hoffen, nichts den­ken, nur der Gegenwarb, seiner Gegenwart leben.

Während die Tochter so still vor sich hin- ttäumte und nur ab und zu einen der warm und herzlich aus sie fallenden Blicke des Gastes auffing, hatte die Mutter, anknüpfend an des Dottors Dank für die Einrichtung der Wohnung, das Gespräch gleich in die Bahnen gelenft, die ihr am nächsten lagen und am interessantesten waren.Ja, mein lieber Dottor, nun bilden Sie sich aber nur nicht ein, daß diese hübsche Häuslichkeit auch Ihre Welt sein darf, und Sie darin ebenfo menschenscheu Hausen dürfen, wie Sie das in M. mit Virtuosität getrieben haben! Hier werden wir uns erlauben, «in bißchen

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

urtb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage/'