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Marburg
Sonntag 27. Juni 1909.
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Erstes Blatt.
Zur inneren Lage.
Die durch die Ablehnung der Erbansallsteuer teschaffene Situation hält noch immer die Gemüter ta Aufregung. Die Frage nach der Stellungnahme »er Regierung ist eben zur Zeit noch ungeklärt. Daß sich die Spannung zwischen der neuen Mehr- deit und den, Fürsten Bülow verschärft hat, zeigen folgenden Meldungen, die wir noch gestern Abend durch Extrablatt verbreiteten:
B e r l i n, 25. Juni. Wie Wolffs Telegraphisches Bureau erfährt, wurde der konservativen Fraktton im Auftrage des Reichskanzlers eröffnet, daß die Kotierungssteuer, die Mühlenumfatzsteuer und der Kohlenausfuhrzoll unannehmbar seien, weil sie den Handel und Verkehr schädigen, die Industrie unerträglich belasten und unsere gesamte wirtschaftliche Stellung verschlechtern würden. Die Parfümertesteuer habe unüberwindliche Bedenken gegen sich. Hinsichtlich der Wertzuwachs- steuer wurde auf die ausführlichen letzten Erklärungen des Reichsschatzsekretärs Bezug genommen.
Berlin, 25. Juni. Der Reichskanzler be- giebt sich heute Abend zum Vortrag beim Kaiser nach Kiel.
Ueber die Abreise des Fürsten Bülow wird noch gemeldet: Bei der Abreise des Reichskanzlers und des Chef des Zivilkabinettes heute Nacht auf dem Lehrter Bahnhofe nach K i e l waren die Fürstin Bülow, der Staatssekretär des Inneren Dr. v. Bethmann-Hollweg, sowie verschiedene Herren der Reichskanzlei anwesend. Fürst Bülow unterhielt sich bis zum Abgänge des Zuges • lebhaft mit dem Staatssekretär des Inneren.
Eine Entscheidung bereitet sich also vor. Ob es aber zu einer Reichstagsauflösung kommen Wird, ist aus vielen Gründen mehr als zweifelhaft, Wenn sie auch noch so laut von den Organen der Kinken gefordert wird. Daß Fürst Bülow jetzt gleich gehen ivird ist auch nicht anzunehmen. Die ,D. Tagesztg." weiß sogar zu melden: „Wie wir authentisch erfahren, hat der Reichskanzler Fürst Bülow sich persönlich bereits mit aller Deutlichkeit dahin ausgesprochen, daß er es für seine Pflicht halte, auf seinem Platz auszuharren, um die Reichsfinanzreform zu Ende zu führen. Wir würden diese Mitteilung aber vielleicht als eine Selbstverständlichkeit kaum veröffentlicht haben, wenn uns dabei nicht gesagt worden wäre, Fürst Bülow habe sich dahin ausgesprochen, daß ein Rücktritt infolge der gesttigen Abstimmung vielleicht seinem persönlichen Empfinden
Marburg im Jahre 1645.
Oberlehrer Kürschner von der hiesigen Oberrealschule hat, wie wir bereits erwähnten, in einem dem diesjährigen Programm der Oberreal- schnle beigegebcnen Schristchen dies Thema in äußerst interessanter, fesselnder Weise behandelt, das allen an der Geschichte ihrer Stadt interessierten Kreisen mancherlei Belehrung bieten dürfte. Es verlohnt sich, auf den Inhalt etwas näher einzugchen:
Der Verfasser hat vor, ein auf eigenen archivalischen Forschungen beruhendes Bild der Stadt Marburg zur Zeit des 3Vjährigen Krieges zu geben. Da der verfügbare Raum sehr beschräntt war, hat er an dieser Stelle nur ein einziges Kriegsjahr, und zwar 1645, behandelt, weil Marburg bis 1645 von feindlicher Beschießung und Er- oberung verschont blieb und daher zu Anfang dieses Jahres noch ein verhältnismäßig gutes Bild einer Stadt im 17. Jahrhundert bietet, andrerseits aber auch kriegerische Ereignisse und ihre Wirkungen auf die ansässige Bevölkerung gezeigt werden können.
Rach einer Mitteilung der benutzten Quellen, unter denen die am hiesigen Königlichen Archiv befindlichen Ratsprotokolle und Kämmereirech- itungen die erste Stelle einnehmen, gibt der Verfasser zunächst einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Stadt seit dem Tode Philipps des Großmütigen, um das Verständnis ihrer Schicksale im 30jährigen Kriege zu erleichtern, und läßt dann eine auf archivalische Mitteilungen sowie Mehrere gleichzeitige Bilder der Stadt gestützte Beschreibung derselben folgen. Das Marburg des 80jährigen Kriegs bietet demnach äußerlich noch dasselbe Bild wie im Mtelalter, hat noch denselben Umfang, dieselben, allerdings teilweise ver- alteten Verschanzungen, Mauern, Türme, Tore; Innerhalb der Ringmauer liegen 137 Wohnhäuser. Die „Vorstädte* find besonders befestigt, die Burg
entsprechen, aber nur den Beifall der Ga- lerie finden würde, nach dem er nicht geize.'
Fürst Bülow wird wohl die Finanzreform auch unter den neuen Parteiverhältnissen zu End« führen und die Mehrheit in dem Änne beeinflussen, indem er gestern der konservativen Partei hat eine Mitteilung zukommen lassen (vgl. oben). Dann wird er, so nimmt man wohl nicht mit Unrecht an. zurücktreten. Im Anschluß an unsere gestrige Ueberstcht von Preßäußerungen führen wir noch charatteristische Parteiäußerungen an.
Die „Conserv. Corresp." schreibt: Der Reichstag hat in seiner gestrigen Sitzung die Vorlage be- tteffcnd eine Heranziehung der Kinder und Ehe- gatten zu einer Erbanfallsteuer abgelehnt. Damit ist ein weseMliches Hindernis fiir das Zustande- kommen der Reichsfinanzrefonn beseitigt. Es wird nunmehr Aufgabe der konservativen Frattion des Reichstags sein müssen, mit allen Kräften danach zu streben, da das große nationale Werk so schnell als möglich und in einer Weise zur Vollendung gelange, die das Einverständnis der verbündeten Regierungen zu finde» vermag. Sie wird zu diesem Behnfe auch vor Opfern eigener Ansichten im einzelnen nicht zurückschrecken dürfen, um dem deutschen Volke endlich die ersehnte Sicherheit für eine feste und dauernde Begründung der finanziellen Erfordernisse des Reiches zu verschaffen.
Die „Franks. Ztg.' meint zum Auflösungsgedanken: Wenn die Regierung zögert, die Auflösung zu beschließen, so liegt das nicht lediglich an ihrer Schwäche und Unentschlossenheit. Die Gegner der Auflösung weisen nicht ohne Grund darauf hin, daß ein erfolgreicher Wahlkampf um die Finanzreform durch die Haltung der Sozialdemokratte erschwert werde. So verständig die sozialdemokra- ttsche Fraktton in der Erbschaftssteuersrage operiert hat, so ungewiß ist es, ob sie nach einer Reform sich bereit finden ließe, die einen guten Ausgang des Wahlkampfes ohne weiteres stcherstellen würde. Das ist, wie man zugeben muß, ein erschwerender Umstand, aber er darf nicht vor der Auslösung abschrecken. Der Appell an die Wähler wird ttotz dieser Schwierigkeit die besten Chancen haben, wenn nur die Regierung sich dann zu einem Finanzprogramm aufrafft, das der Wahlbewegung die nöttge Schwungkraft zu geben vermag. Die augenblicklichen Regierungsvorlagen mit ihren 55 Millionen Erbanfallsteuer und ihren 400 Millionen Massenbelastung würden dazu selbswerständlich nicht in der Lage sein. Im Wahlkampf kann die Regierung nur mit einem viel entschiedeneren und fortschrittlicheren Steuerprogramm siegen.
Von der Abstimmung über die Erbanfallsteuer liegen jetzt genauere Nachrichten vor.
Nach dem nunmehr gedruckten Ergebnis
hat durch Befesttgungen auf dem Berg dahinter unter Landgraf Moritz an Stärke gewonnen.
Dann geht der Verfasser auf die Verwaltung der Stadt und ihre Behörden ein, schildett Wahl »ind Rechte der Bürgermeister, Schöffen und Vierer. Unter den Vorrechten der Ratsverwandten werden besonders die Steuer-, Konttibuttons- und Einguartterungsfreihett erwähnt, die ihnen aber in der Not der Zeit verloren gehen. Die Umstände zwingen noch dazu, häufiger als jeden Donnerstag (altherkömmlicher Ratstag) Sitzungen abzuhalten, im Jahr 1645 sind es 72, und die Ratsmitglieder beschweren sich bitter darüber, daß sie deshalb ihre Geschäfte versäumen müssen. Nach Aufzählung der übrigen städttschen Beamten werden die fürstlichen Beamten der Kanzlei und des Rentamtes und ihre Tättgkeit besprochen. Wie stramm regiert wurde, zeigt das Beispiel, daß wegen unbezahlter Schulden der Stadt der ganze Rat auf 10 Tage in Arrest gesteckt wurde. Nach den städttschen und fürstlichen Beamten werden die Unwersitätsbeamten und die VerhälMtsse der Universität kurz erwähnt, besonders die Kämpfe der Stadt gegen die Universttätsverwandten wegen ihrer Prwilegien.
Ein weiterer Abschnitt bringt Angaben über das Vermögen der Stadt und Bürgerschaft. Ersteres ist recht genau zu ermitteln, letzteres wird auf ca. 40 000 Gulden angegeben. Auf diese Summe wird die Kontributton für die hessen- darmstädttsche Besetzung verteilt, es werden zwar je 100 Gulden, monatlich 50V2 albus, d. L im Jahr dtofl V4 des Vermögens verlangt; ein ungeheur- ltch hoher Prozentsatz! Unter den Schulden der Stadt spielen die Erb- und Leibrenten eine große Roller im ganzen werden etwa 60 000 Gulden Schulden angegeben. Die Einnahmen der Stadt bestehen besonders aus dem „Feuerschilling', einer Steuer von 10 Schilling auf die FamiNe, und aus dem Geschoß, einer verschieden abgestuften Steuer. Hohe Beträge brachte die Steuer aus Wein und
der namentlichen Abstimmung über K 9» des Erbanfalffteuerentwurfs (Heranziehung der Kinder und kinderlosen Ehegatten zur Erbschaftssteuer) haben 383 Abgeordnete an der Abstimmung teilgenommen. Der Abstimmung enthalten hat sich bet liberale Elsässer Dr. Erlöste (Metz), ungültig abgesttmmt haben der Elsässer Preist und der Sozialdemokrat Stadthagen. 11 Abgeordnete haben gefehlt, nämlich die Konservativen Beuchelt und Böning, die Nationalliberalen Haas, Heyl zu Herrnsheim und Graf v. Oriola, der Abgeordnete Dr. Opfergelt (Ztr.), Zimmermann (Reformpartei), Fürst RadziwiÜ (Pole), Bebel (Soz.), De Wendel (liber. Elfäss.) und der Präsident Dr. Graf zu Stolberg-Wernigerode. Gegen den Paragraphen 9a sind 194, dafür 186 Stimmen abgegeben worden. Von den Konservativen haben 53 Abgeordnete dagegen und 6 dafür gestimmt, und zwar die Abgg. Arnold, Dr. Eies«, Fürst zu Hohenlohe, v. Ka^hengst. Pauli (Potsdam) und Dr. Wagner (Sachsen). Auster dem gesamten Zentrum und den Polen haben von den sonstigen Parteien dagegen gestimmt: von der Reichspartei die Abgg. Dirksen, Dr. Barenhorst und v. der Wense, von der Wirtschaftlichen Bereinigung die Abgg. Bindewald, Kölle, Sie- Hermann von Sonnenberg, Bogt (Crailcheim) und Bogt (Hall), fetnet die Abgg. Köhler (Reformpartei), Labroise (liberaler Elsässer), Lehmann (Jena), bisher nationalliberal, Hilpert (bayr. Bauernb.), v. Dannenberg (Welse) und die 4 Elsässer Delsor, Dr. Ricklin, Wetterte und Wöltberger. Bei vollbesetztem Hause würde die Erbanfallsteuer mit 203 gegen 189 und 2 Stimmenthaltungen abgelehnt worden sein.
Umschau im Auslande.
Das schon etwas abgedroschene Thema von der politischen Hysterie der Engländer kommt immer roieber auf das Tapet. Es verlohnt sich aber kaum noch, sich länger damit aufzuhalten. Nur darauf glauben wir aufmerksam machen zu müssen, dast jetzt endlich ein besonders pfiffiger Engländer heraüsgefunden hat, dast anläßlich der grosten Flottenparade auf der Themse im Juli die ganze Britenflotte durch in die Themse gelegte Minen oder versenkte Schfffe im Flusse eingekeilt werden könnte so dast e» einem Feinde ein leichtes wäre, die schutzlosen Küsten zu überfallen. Na also! Wozu das ganze Geschrei und das Ansammeln der ganzen Flotte auf einer so geringen Basis! Old-Enq- land braucht nur seine Flotten wieder, wie einst, über alle Meere zu verteilen, und diese Gefahr wenigstens ist beseitigt und das stark gesunkene Prestige des meerbeherrschenden Britenmannes mit einem Schlage überall dort wieder hergestellt, wo es früher durch die An-
Bier der Stadt ein, eine genaue Buchung und Zusammenrechnung aller Steuern hat wegen der Kriegswirren am Jahresschluß nicht stattgesunden. Auch die Ausgaben find nicht vollständig gebucht. Besonders interessant sind die Gehälter der städttschen Beamten und Ausgaben für Arbeiten und Lieferungen, auch die hohen Weinrechnungen der Ratssitzungen. Die erwähnten Summen werden von dem Verfasser an das rechte Licht gerückt durch Mitteilung einiger Preise für Lebensmittel und Kleidung. So kosten z. B. ein Pfund Fletsch 12 Pf., 5 Pfund Brot 2 Albus, 1 Kalb iy2 Reichstaler, eine Kuh 10 Reichstaler, 1 Paar Schuh 1 Gulden 4 Albus, eine Elle Tuch 30 Albus.
Auch über das Leben der Bürger gebe« die Quellen manche Auskunft; ein hattes, von sozialem Empfinden weit enffernteS Geschlecht ist in der Kriegszeit herangewachsen, das zäh seine Rechte und seinen geringen Besitz zu verteidigen sucht. Besonders das Bürgerrecht wird effersüchttg bewahtt und alle Richtbürger werden vor dem Winter unbarmherzig Vertrieben; aber ca. 250 Soldatenweiber und -Kinder, die zu der hiesigen Besatzung gehötten, konnten nicht ausgewiesen werden. Kurz erwähnt werden einige Rechte der Bürger, z. B. das Brauen in den städttschen Brau- häusern und die Märtte, sowie einige alte Gebräuche, z. B. der Grenzgang. Die Zünfte müssen vom Rat chre Preise genehmigen lassen, Un- reellität wird hart bestraft, kommt auch, ttotz der bösen Zeiten, sehr selten vor. Zweimal haben Bäcker zu leichtes Gewicht; dann wird das ganze Gebäck beschlagnahmt und den Armen im Hospital, sowie den Schulttndern geschentt, die Uebeltäter werden mit Geld- oder Haftstrasen bedacht. In aller Kürze stteist der Verfasser dann die Pflicht der Bürger zum Wachdienst und zur Verteidigung der Stadt, die Gastlichkeit der Stadt gegen Fremde, das Hospital und die kirchlichen VerhälMisse, ferner das Verhälntts der Stadt zu ihrem Landesherr«, Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt,
Wesenheit englischer Schiffe und Kanonen w®* geherrscht hat. — Auch das reichste Bolk be ®tbe hat wie wir armen Schlucker seine Reich«, finanzreform, und haben sich die Kaufleute und Bankiers zusammengetan, um die Finanzvor- schläge des liberalen Minister« Lloyd George zu bekämpfen. Unter dem Vorsitze von Loch Rothschild wurden einstimmig Resoluttonen a» genommen, in denen die Notwendigkeit ehe« Erhöhung der Besteuerung anerkannt, aber die ministeriellen Borschläge verurteilt wurden, da sie den Handel schädigten.
Während so bet den Engländern bte politische Hysterie seltsam geformte Früchte treibt, ist bei den Angelsachsen jenseit- de« großen Teiches in den Vereinigte - Staaten, wieder eine anders geartete Hysterie zum Ausbruch gekommen. Anläßlich der Ermordung bet Enkelin bes deutsch-amerikanischen General' Sigl durch einen chinesischen Lüstling wird wieder -in wahrer Bernichtungskampf gegen die ''**■ " leorebigt. So verfehlt es sein mag sich 'chlitzäugigen und bezopften Söhnen des hiiiNiilUchen Reiches auf gleichen Fuß zu stllen, ebeiijo falsch dürfte es aber ,. > für den Mord des unglücklichen jungen Mädchens nun da» ganze Bolk oder feine sittlichen Eigenschaften veranttoortlich zu machen. Schuld an den wüsten Szenen, die aus dem „Licbesleben' der Chinesen unb ihrer „Missionarinnen" bekannt geworden sind, tragen doch wohl 00- allem diese „Damen der Gesellschaft" selbst, unb btt« den Chinesen eigentümliche Laster des Opium« aenusses ist ihnen ja von der famosen menschen. freundlichen GeschaststÜchttgkeit Old-Englands vor 50 Jahren aufgezwungen worden unb wird heute nirgends so energisch von Bolk unb Regierung bekämpft wie in China selbst.
Ein blindlings wütendes Vorgehen gegen die Zopfträger in den Bereinigten Staaten dürste aber auch nicht ohne nachteiligen Einfluß auf die amerikanischen Eeschäftsafpirationen in China sein. Bei dem Wettbewerb um Erteilung von Eisenbahn-Konzessionen find nämlich die amerikanischen gegenüber den deutschen, englffchen und französischen Konkurrenten be- rett« ins Hintertreffen geraten und haben da- her die Hilfe ihrer Regierung in Anspruch genommen. Obwohl Amerika das Recht hat, sich mit 27U Millionen an der Hankau—Szechuan- Bahnanleihe zu beteiligen, soll es sich mit 20 v. H. begnügt haben, um den übrigen Machten die Lösung der Aufgabe zu erleichtern.
Die letzten Nachrichten aus M rokko lauten wieder für den Sultan Mulay H a f i b günstig. Es soll ihm gelungen sein,, dem Rhogl kurz vor Fez eine entscheidenbe, Niederlage beizubringen. Da außerdem der entthronte Abdul Asis erklärt haben soll, daß; er sich in seiner Billa bei Tanger sehr wohl als: Privatmann fühle unb keine Neigung habe, • wieder den Thron zu besteigen, dürfte es mit
In einem 2. Hauptteil der Abhandlung werden die kttegettschen Ereignisse um Marburg von 1645 : geschildert, zunächst das hessen-darmstädttsche Mitt-, tär in Marburg und die von ihm der Stadt auferlegten Lasten. Dazu kamen noch erhebttche Aus- gaben für vorbeimarschierende Truppen. In buntem Wechsel ziehen Rtederheffen, Bayern, fran- zösisch-weimattsche Völker und Schweden an Marburg vorbei und fordern jedesmal Hobe Konttibu- tton. So mußte die Stadt allein von 24.—31. Mat' 83 825 Pfund Brot liefern ohne die übttgen Lieferungen, und gelegenttch einer verspäteten Lieferung machen die Schweden einen Ueberfall mtf Wetdenhausen, das geplündert wird; einige Bürger und Soldaten blieben dabei tot.
Am 31. Oktober rückten dann die Riederheffen unter Geyso vor die Stadt, schießen in die Mau« hinter der Untergaffe eine 125 Fuß lange Bresche und zwingen so die Stadt zur Uebergab«. Die Bürger hatten zuerst ihre Posten verlassen und bet alte 70jährige Kommandant Willich hatte sich darauf aufs Schloß zurückgezogen, das erst im Januar 1646 fiel. Die Stadt bekam 6—700 Mann Einquartterung, die aber bis zum Januar auf 3000 Mann wuchs, die fast sämtlich in den 137 Häusern der Stadt untergebracht werden und eine Zeittang von der Stadt verpflegt und besoldet werden mußten. Dadurch stieg die Rot der schon verarmten Bürgerschaft auss äußerste und viele v«ließen als Bettler die Stadt. So kann da» Beispiel Marburgs, ttotzdem die Rtederheffen die Stadt gut behandelten und keine Ausschreitungen der Soldaten gegen die Bürger duldeten, doch f« recht das Elend und die Rot zeigen, di« gegen Ende des Ktteges auf unserer Heimat lastete.
Das Schristchen ist, wie zum Schluß bemerfl sein mag, auch im Buchhandel — im R. G. wertschen Verlage — erschienen und hah« käuflich, zu haben,