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44. Jahrg.
Sie JnsrrtionSgcbühr beträgt für die 7gefpottene Zette ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UntversitätSbuchdruckerei Jntzaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnabend, 26. Juni 1909.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg imb Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Vellage.
. 1Ä, Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der JML 147 *lnb Mittage. — Der Bezugspreis beträgt viertel. «/■Ä jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei
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Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 49.
Eine Mitteilung an die Post sei es persönliche Bestellung bei dem, • Briefträger oder bet dem Postamt, ge-' < ni’-’t vollständig, um den regelmäßigen;
Bezug der »Oberhesfischeu Zeitung«} auch im neuen Quartal zu sichern^ s Mas werf« gegebenenfalls einen utu > frankierten Zettel mit der Mitteilung t man die „Oberhesfische Zeitung- > wirnjcht, in den nächsten Briefkasten,}
Die Erbschaftssteuervorlage
der Regierung abgelehnt!
Wie wir noch gestern Abend durch zwei Extt-rblatter mitteilten, ist die Vorlage der Re« gierung bei der gestrigen Abstimung der zwei« ten Lesung gefallen! Der entscheidende Para« graph 9 a, der das Prinzip der Deszendentendesteuerung enthält, wurde mit 194 gegen 186 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung abgelehnt. !fDas ursprüngliche Resultat 195 gegen 187 mußte geändert werden, da Abgeordnete zugleich mit Ja u n d Rein gestimmt hätten.) Für das Gesetz stimmten die Sozialdemokraten, Freisinnigen, Nationalliberalen, Reichspartei unb wirtschaftliche Vereinigung zum größten Teile «nd von den Konservativen die Abgg. Wagner, Pauli, Dr. Giese und Fürst Hohenlohe-Oehrin« gen, dagegen die übrigen Konservativen, Zentrum und Polen geschloffen. Da der Reichstag auch Einleitung und Ueberschrift ablehnte, ist die dritte Lesung nicht möglich. Das Erb- fchaftssteuergesetz ist also endgültig abgelehnt. Man erwartet für heute eine Erklärung des Fürsten Bülow, der gestern nur sozusagen als Zuschauer den Verhandlungen beiwohnte, und dann wird man erfahren, wie die Zukunft der Reichsfinanzreform sich gestalten rviü». Irgend welche sichere Voraussage über die Haltung der Steigerung wird man nicht machen können. Die Regierung hat nicht nur bis i tzt auf Annahme ihres Erbschaftssteuervorschlages bestanden, son- dern hat sich auch gegen den bedeutendsten Ersatzvorschlag der Konservativen, gegen die Kotierungssteuer unbedingt ablehnend verhalten. Als der nationalliberale Abgeordnete Sieg der Mehrheit zurief: „Machen Sie jede andere Steuer, aber verschonen Sie uns mit dieser", hat, so verzeichnet der Parlamentsbericht, Fürst Bülow heftig genickt. Und die „Rordd. Allg. Ztg." erklärt noch einmal: „Wie der Reichskanzler in der Sitzung vom 16. d. M. erklärt hat, lehnt er es ab, im Bundesrat Steuern zu vertreten, die Handel und Verkehr schwer schädigen,
die Industrie unerträglich belasten, unser« gesamte wirtschaftliche Stellung verschlechtern." Die Lag« ist also durch die ablehnende Haltung der Mehrheit kritisch geworden. Die Entschei« düng über die Zukunft wird den verbündeten Regierungen nicht gerade leicht fallen. Reichstagsauflösung oder Rücktritt des Kanzlers sind fast die einzigen Auswege aus dieser Situation, beides Wege, bi« di« schwersten Befürchtungen für di« Zukust erwecken müssen.
Wir bedauern aber auch heute von unserem Standpunkt, daß die Erbanfallsteuer, die die Regierung in so milder Form vorschlug, keine Mehrheit fand. Die Steuer hat zwar große Bedenken, das brachten auch gestern die Redner der bürgerlichen Parteien, di« dafür stimmten, zum Ausdruck. In der jetzigen Lage wäre ihre Annahme aber nach unserer Ansicht für das Reich das beste gewesen.
Politische Umschau.
Saatenstand im Reich«.
Berlin, 24. Juni. Der „Reichsanzeig«r" berichtet über den Saatenstand im Deutschen Reich für Mitte Juni (roenn 2 gut, 3 mittel, 4 gering bedeutet,- die eingeklammerten Zahlen bedeuten den entsprechenden Saatenstand Mitte Juni 1908): Winterweizen 3 (2,1), Sommerweizen 2,7 (2,5), Winterspelz 2,4 (2,1), Winter- toggen 2,8 (2,3), Sommerroggen 2,5 (2,3), Sommergerste 2,5 (2,4), Hafer 2,6 (2,4), Kartoffeln 2,6 (2,7), Klee 3,3 (2), Luzerne 3,1 (2,1), Bewässerungswiesen 2,8 (1,8), andere Wiesen 3,3, (2,1). In den Bemerkungen des Saatenstandsberichts heißt es weiter: Die kühle und vielfach kalte Witterung blieb noch fast im ganzen Berichtsmonat hindurch vorherrschend. In den größten Teilen des Reiches wurde die andauernde Trockenheit erst durch die vom 11. bis 14. Juni niedergegangenen Regenfälle wirksam unterbrochen. In großen Teilen war sie aber noch nicht nachhaltig genug. Verschiedentlich ist durch Hagelschlag ziemlich beträchtlicher Schaden verursacht worden. Von Unkraut wird besonders Hederich, von tierischen Schädlingen werden vor allem Drahtwürmer und Engerlinge genannt. Für di« Winterung dürste das zuletzt eingetretene wärmere, niederschlagsreiche Wetter von großem Nutzen esin. Weizen steht verschiedentlich dünn, ebenso Roggen, der nach mehrfachen Berichten kurz im Stroh geblieben ist. Recht gut bestanden soll früh gesäter Roggen sein. Die Blüte ist teilweise vorüber und gut verlaufen. Der Stand in der Sommerung war Mitte Juni, abgesehen von Verunkrautung int ganzen befriedigend unb dürfte sich jetzt noch wesentlich bessern. Die Kartoffeln finden im Hinblick auf die erwartende Nachwirkung der Niederschläge eine nicht ungünstige, in Süddeutschland recht befriedigende Beurteilung. Für Klee und Luzerne kamen die Niederschläge meist zu spät; der erste Schnitt fiel infolgebeffen vielfach sehr gering aus. Mancherorts ist daher schon Futternot eingetreten. Auch der Stand der beiden Wiesenarten wird günstiger als im Vormonat beurteilt. Der Heuschnitt
31/~£ (Nachdruck verboten.)
Sommerlraum.
* % Roman von Ä. van Beeker.
(Fortsetzung.)
IH.
Motto: „Schon vernarbt des Herzens Wunden glaubt' in der Jahre Lauf, Wo ich Dich gemieden. Plötzlich brechen all' die tiefen auf.
Längst ist alles ja vergessen, was so schmerzlich mich betrübt — Eins nur ist mir klar geblieben: Wie ich Dich so sehr gebiebt!"
Der Herbstwind fegte die letzten braunen Blätter von den Bäumen, unb die kahlen Nest« funkelten des Morgens schon im silbernen Reif- schmuck, als in den ersten Tagen des Novembers Heinrich Werner seinen Einzug in di« neue Heimat hielt. Von Max auf dem Bahnhof mit lauter Freude empfangen, war der Doktor gleich nach seiner Wohnung gefahren und ließ sich dort mit angenehmer Ueberraschung von dem Freund die Behaglichkeit präsentieren, mit der feine oorausgeschickten Sachen so geschmackvoll, bequem unb mit solch liebevollem Verstäidnis arrangiert waren, daß der Besitzer in ihnen kaum die Einrichtung seiner früheren steifen unb unfreundlichen Junggesellenbube wieder erkannt«. Man sah, baß eine weibliche Hanb, ein liebender Sinn hier überall gewaltet hatte, und es war ganz überflüssig, daß Max verschmitzt lächelnd dem Freunde vorzulügen versuchte, dies alles fei das Werk seiner sorgenden Freundesliebe. Heinrich Werner umfaßte die ganz« traute Häuslichkeit mit leuchtendem Blick und sagt« dann so Lberzeugungsvoll freudig: „Mio donkbar ich Deiner Schwester bin" — daß Max, »eiter*
Münchhausiaden ausgehend, sich behaglich in einen Sessel streckte unb, mit den spöttisch pathetischen Worten: „Ich ahn', o Mädchen, Deinen Geist!" ein Streichhölzchen anzündend, die Ver- zeliuslarnpe unter dem bereitstehenden Teekessel in Brand setzte.
Ein« Viertelstunde darauf saßen die beiden Freunde gemütlich beim Abendessen unb bte düstere Melodie des draußen an den Fensterläden rüttelnden HerbWurmes, gemischt mit dem leisen Summen des Teekessels, erhöhte bte behagliche Stimmung des wohldurchwärmten und erleuchteten Zimmers so sehr, daß Werner mit dem vollzufriedenen Lächeln dem Freunde die Schulter klopfte, unb, sein Erogglas hebend sagte: „Wenn es so anheimelnd und gemütlid) weiter geht, dann danke ich dem Himmel unb Dir, daß ihr mich an diesen traulichen Strand schleudertet! Es sieht beinahe aus, als wenn es sich hier gut leben läßt!"
„Das will ich meinen, fast zu gut!" Unb Max seufzte, die Serviette fortwerfend, leise auf, während ein Schatten Über fein Gesicht flog,
„Oho, was soll denn das heißen: fast zu gut? Ich hoffe, Du bist nicht in die Fehler Deiner Jugend verfallen unb hast Schulden gemacht? Die Zett dazu wäre zwar etwas kurz, aber mit gutem Willen und Talent läßt sich manches zustande bringen. Du stehst mir auch bei näherer Betrachtung garnicht so mobil und frisch aas wie im Sommer!"
„Pah! Das sind die Anfänge der Gesellig- feit! Man hat mich schon jetzt, nachdem jeder knapp in sein Winternest zurückgekehtt ist, und ich kaum meint Besuchsrunde vollendet habe, mit Diner- und Soupereinladungen zerrissen. Aber das ist nichts. So etwas halten bte alten Knochen noch aus. <5s sind auch Mn* Schulden, lieber Moraldackel, bte mich drücken, Vafürßnb
liefert vielfach nur geringen Ertrag. Die Niederschläge dürften hauptsächlich nur noch dem Erummetansatz zu gute kommen.
Aus dem Reichstage.
In der Reih« der einzelnen Steuerprojekte kam gestern die Erbschaftssteuer zur Beratung. ES lagerte eine Unruhe und Spannung über dern gesamten, gutbesuchten Hause, die verriet, daß gerade dieser Gegenstand eine besondere Stellung unter all den übrigen einnimmt. Reichskanzler Fürst Bülow erschien gleich zu Beginn der Sitzung am Bundesratstisch, ohne jedoch Platz zu nehmen; er folgte vielmehr den Verhandlungen stehend, meist von der zurückliegenden Bank des BundesratStisches aus, dadurch gewissermaßen für jetzt die Rolle des Zuhörers andeutend.
Zu der Vorlage sind Abänderungsanträge — Raab- Graef und Albrecht und Genossen auf Erhöhung der Sätze — eingegangen, insbesondere zum § 9 a, der die Prozentsätze enthält. Nach einer Debatte über die geschäftsmäßige Behandlung dieser Anträge berichtete Ahg. Graes-Weimar über die Verhandlungen der Kommission, die zur Ablehnung der Vorlage führten. Zugleich wurde der reichsparteiliche Antrag Gamp auf verfassungsmäßige Bindung der Sähe zur Besprechung gestellt. Der Redner der Konservattven, deren Haltung das Hauptinteresse beansprucht, leitete die Debatte ein: Freiherr von Richthofr«, der Vorsitzende der Finanzkommission. Er führte auS: Deswegen, weil die Erbanfallsteuer mit Rücksicht auf die Steuergesetzgebung der Bundesstaaten als die bequemste Besitz- steuer bezeichnet werden kann, ist sie noch lange nicht die beste. Wirtschaftlich ist sie nichts anderes als eine Abart teils der Vermögens-, teils der Einkommensteuer. Man hat uns in der Presse Absichten unterge- schoben, als ob wir den Reichskanzler stürzen wollten. Das würde den Grundprinzipien unserer Partei widersprechen. Wir haben das feste Vertrauen, daß, wenn der heuttge Tag zur Ablehnung dieser Steuer fuhrt, von allen bürgerlichen Parteien der ernste Wille gezeigt wird, die Vorlage der Regierungen zu verbessern und annehmbar zu machen. Dann werden Be- sihsteuern in ausreichendem Maße geschaffen werden. Die Erbschaftssteuer lehnen wir ab. (Beifall rechts und im Zentrum.) Staatssekretär Tydow ging noch einmal auf die schon bei Einbringung der Vorlage von ibm gekennzeichneten prinzipiellen Grundlagen ein. Allgemeine Besitzsteuern seien nur Einkommensteuer, Vermögenssteuer und Erbanfallsteuer. Erstere beiden schieden für da? Reich (aus den oft wiederholten Gründen) auS; bliebe nur die Erbanfallsteuer, deren geringfügige Sätze die Befürchtungen der Gegner nicht rechtferttgten. Abg. Sieg sprach namens der Na- ttonalliberalen für die Erbanfallsteuer. Nur in stock- rabenftnsterer Nacht, wo allein Tastsinn und Gehör anwendbar seien, könnten sich die Konservativen mit Zenttum und Polen vereinigt haben. (Stürmische Heiterkeit.) Besonders der gegen die Polen gewählte Graf Westarp hätte von diesem Bunde absehen sollen. Den Reichskanzler, der Großes in der inneren und äußeren Politik geleistet habe, zu stürzen, hätten gerade die Konservattven am allerwenigsten Grund. Dann gab Fürst Hatzfeld, Herzog zu Trachenburg, folgende Erklärung für bte Reichspartei ab: Wir werden — bis auf wenige Ausnahmen — in der zweiten Lesung für die Erbschaftssteuer stimmen, um einen letzten Versuch zu machen, die Finanzreform zur Verabschiedung zu bringen. Wird die "Erbschaftssteuer abgelehnt, so können wir die Verantwortung für das Scheitern der für unser Vaterland nach innen und nach außen unumgänglich notwendigen Finanzreform nicht auf unsere Schultern nehmen. In diesem Falle sind wir entschlossen, die Konseauenzen daraus zu ziehen und werden unsere ganze Macht für das Zustandekommen der Finanzreform auch ohne Erbschaftssteuer einsehen.
wir boch schon in bet Vollendung unserer Grundsätze zu weit vorgeschritten, und meine Mama steht als zu gute Hilfsquelle im Hintergrund. Nein — ach, es ist überhaupt nichts — bas war nur so eine Redensart!"
„Hör' mal, Max, Du magst sonst ein ganz gescheiter Mensch fein, aber mit Deinem Schauspielertalent ifts nicht weit her! Wenn Du etwas verbergen willst, dann sieht man es Dir doppelt klar von der Nase ab! Also setze kein sorgloses Lebemannsgesicht auf — täuschen kannst Du mich damit doch nicht! Aber wenn Du Deine Angelegenheiten für Dich behalten willst, gut — das ist Deine Sache, dann reden wir einfach nicht darüber! Für den Augenblick fülle Dir mal Dein Erogglas unb zünde Dir eine Zigarre an! Dann können wir ein anderes Thema vornehmen, es gibt, Gott fei Dank, noch allerlei sonstige unverfängliche Dinge."
Dazu lächelte der junge Doktor gemütlich, und dem Freunde ei« brennendes Streichholz hinhaltend, streifte er dessen hübsches Gesicht, in dem augenscheinlich bte Lust zur Mitteilung mit einer gewissen Scheu vor derselben kämpfte, mit einem launigen Blick. Er kannte Mar zu gut, um nicht zu wissen, baß in den nächsten zehn Minuten di« Scheu enbgülttg besiegt unb er die Wolke, welche den Humor des Freundes zu verdunkeln schien, vollkommen kennen lernen würde.
Momentan freilich schien Mar wenig zu ver« traulichen Mitteilungen geneigt zu sein. Er rauchte wie ein Fabrttschornstein unb rührte mit so grimmigem Gesichtsausdruck in feinem Teeglas verum, als wenn er die langsam schmelzenden Zuckerstücke i» den Grand bet Erd« drücken wolle.
Sein Partner hatte sich ihm gegenüber be- ImSA h eine» hmtzft»» «mmA nwb
(Beifall.) Abg. Frhr v. Hertling (Ztr.) glaubt, daß der heuttge Tag über das Schicksal der ganzen Finanzreform enffcheiden werde. Denn die Zukunft sei dunkel. (Stürmische Heiterkeit.) Wenn Abg. Sieg gemeint habe, man solle die Rede des Finanzministers nach französischem Muster überall öffentlich anschlagen, so empfehle er, auch die früheren Reden des Finanzministers im Jahre 1905/06 gegen die Erbschaftssteuer bekannt zu machen. Die Besteuerung der Erbanfälle an Deszendenten sei für seine Freunde von jeher unannehmbar gewesen, und in diesem Kampfe gegen die Erbschaftssteuer hätten seine Freunde stets mit den Konservattven gestanden. Man könne also nicht behaupten, daß sie nach parteipolitischen Gründen hier sttmmten. (Beifall.) Abg. David (Soz.) behauptete, daß erst die -Konservattven die Stellung zur Erbschaftssteuer zu einer wichtigen Staatsaktion gemacht hätten. Da hinter den Parteien, die für die Erbschaftssteuer wären, 1% Millionen Wähler mehr ständen als hinter der konservattv-klerikalen Mehrheit, sollte die Regierung zur Auflösung schreiten. Abg. Müller-Meiningen (freis. Vp.) tritt für den Antrag Raab ein und polemisiert gegen das Zentrum. Es sei schade, daß der erbschaftsfreundliche Abg. Heim hier nicht für das Zenttum sprechen dürfe. (Abg. Heim ruft: Wer verbietet es ihm denn?! Heiterkeit.) Dar Zentrum erinnere er auch an den Prinzen Ludwig von Bayern, der ihm noch nahestände. Trotz der früheren Reden der Abg. Fritzen, Gröber und Speck bekämpfe jetzt daS Zentrum aus partikularistischen Rücksichten diese Steuer. Abg. Dr. Heim (Ztr.) erklärt, er habe stets nur der Nachlaßsteucr das Wort geredet, nicht aber dem Wechselbalg, den diese Erbschastsfteuervor« läge darstelle. Und auch die Nachlaßsteuer wünsche er nur als Korrelat. Unerläßlich sei eine stärkere Heranziehung des mobilen Kapitals, dessen steuerliche Erfassung das größte Steuerproblem der Gegenwart sei. So wie eS jetzt stände, würde wohl das immobile Kapital voll und ganz beim Erbansall erfaßt, nicht aber daS mobile. Derselben Ansicht sei auch Prinz Ludwig. Abg. Lattmann (wirtsch. Vgg.) stimmt mit seinen Freunden, nur der Not gehorchend, für die Steuervorlagen und für den Antrag Gamp.
Nach Ablehnung mehrerer Abänderungsanträge wurde über den unverändert gebliebenen 8 9 s der Regierungsvorlage, der das Prinzip der Erbanfallsteuer unter Ausdehnung auf Deszendenten und Ehegatten enthält namentlich abgcstimmt. Dieser Paragraph wurde mit 195 gegen 187 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Beim § 10, der die Steuerskala für die entfernteren Verwandten enthält, wurde von den Sozialdemokraten eine Erhöhung der Prozentsätze beantragt. Bei der Absttmmung wurde Hammelsprung nötig. Es stimmten dafür 166, dagegen 190 Abgeordnete. Dieser Antrag ist somit a b gelehnt. Unter Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge wurde der Rest des Gesetzes ebenfalls abgelehnt, desgleichen Einleitung und Ueberschrift. Da sonst von der ganzen Vorlage nichts übrig geblieben ist, ist eine dritte Lesung nicht möglich, und die Erbschaftssteuer definitiv abgelehntk
Vizepräsident Dr. Paafche konstatiett, daß sich nach dem korrigierten Ergebnis der Abstimmung die Stimmenzahl um je eine für und gegen vermindert. DaS Stimmverhältnis wird dadurch nicht beeinflußt. — Weiter nahm Vizepräsident Paafche den Ordnungsruf gegen den Grafen Mielczhnski zurück, da Gras Ballestrem einmal konstatiett habe, daß auch die Kapuziner anständige Leute feien. (Heiterkeit.)
Nächste Sitzung Freitag zwei Uhr: Wechselstempelgesetz lNns bei den Sozialdemokraten: Wo bleibt Bülow?'.
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FinanzkommWen.
Berlin, 24. Juni. Die Finanzkommission bei Reichstags stimmte heute folgenden Erhöhungen deS Effektenstempels zu: Inländische «ttien bisher - ---
als ihm bas Gespräch lange genug verstummt schien, eröffnete der Doktor es, gleichmäßig seinen btauen Rauchringeln nachschauend, mit bet harmlosen Frage: „Unb was macht denn unser» gemeinschaftlich« klein« Sommerfreunbin, Frä». lein Rita?" !
Max stampfte wie unsinnig auf bem letzten; hartnäckigen Zuckerrestchen herum unb antroot«, tete grollend: „Weiß ichs? Irgendwo in bet' Welt steckt sie unb amüsiert sich wahrscheinlich. Das heißt, Ulli hat öfters »riefe von ihr, unb’ da steht nicht getabe riesig viel von Amüsement : barin, sonbern immer mehr von Sehnsucht nach bet Heimat, «bei, was nützt bas mir?" j
Also richtig, daher weht der Wind, dacht« der Dottor unb sah amüsiert, welche finstere Falten auf der Stirn seines Freundes thronten. Sich selbst im sicheren Hafen fühlend unb bei bei» klaren Feststellen seiner Zukunftspläne von keinerlei Lewenschaft aufgeregt, kam ihm bi« Düsterheit des Freundes ebenso verwunderlich wie bemitleidenswert vor, unb in diesem Ton klang auch seine Antwort. „Aber, lieber Kerl, wenn st« sich nach der Heimat sehnt, dann ist das bißchen Trennung leicht zu ertragen, besonder^ da es nun doch wohl bau» beendet ist. Du bist ihrer, pe ist Deiner sicher — was quält Dich denn da noch?"
Max sah mit einem grollenden Blick zu dem Sprecher auf. J5o, woher weißt Du denn das so genau, daß st« meiner und ich ihrer sicher bin? Das ist beides doch noch sehr di« Frage!"
..Nanu — wenn sie sich nach der Heimat sehnt, so heißt das doch mit anderen Worten, daß sie Sehnsucht nach Dir hat, und bas spricht doch dafür, bafc Du ihrer stcher sein kannst!" - I
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