mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
I Die „Gverßesftsche 3dttmg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Dienstag, 22. Juni 1909.
Dio InsertionSgebühr beträgt für b-e 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für R-k ,-i 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, li ' itätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzero th, Marburg, M.. 2 l. — Telephon 55.
44. Jahrg«
Die Monarchen - Zilsammenkunft.
I Der Abschied.
Standartreede, 18. Juni. Seit dem Morgen war das deutsche Geschwader unter Dampf und bereit, in See zu gehen. Im Laufe des Vormittags begab sich der Kaiser von Rußland in deutscher Marineuniform auf die ^Hohenzollern" und von dieser mit dem deutschen Kaiser auf die „Gneisenau". Kaiser Wilhelm trug die russische Admiralsuniform. Die Monarchen schritten auf der „Eneisenau" die Front der Mannschaften ab, die der Kaiser von Rußland in deutscher Sprache begrüßte. Es folgte ein Bordmanöver, ein Besuch der Kajüten und des Maschinenraumes. Der Kaiser von Rußland überreichte den Offizieren und den Mannschaften Auszeichnungen. Hierauf begaben sich die Kaiser auf das Torpedoboot „Finn", wo der deutsche Kaiser die Mannschaft in russischer Sprache begrüßte und das Torpedoboot genau besichtigte und den Offizieren Orden überreicht«. Alsdann fuhren die Monarchen nach der Kaiserjacht „Standart" zurück. Hier wohnt« Kaiser Wilhelm dem Gottesdienste anläßlich des Geburtstages der Großfürstin Anastasia bei. Die Monarchen, sowie die Kaiserin Alexandra begaben sich darauf zur „Hohenzollern", wo um 1 Uhr das Frühstück eingenommen mürbe. Kaiser Wilhelm brachte einen Toast auf di« Kaiserin aus. Später trafen der Thronfolger und di- Töchter des Kaisers Nikolaus auf der „Hohenzollern" ein. Kaiser Wilhelm begrüßte sie herzlich, den Thronfolger hob er hoch und küßte ihn. Bis zur Abfahrt des Geschwaders verweilte das Kaiserpaar mit seinen Kindern auf der „Hohenzollern". Beim Abschied küßte Kaiser Nikolaus den deutschen Kaiser dreimal. Unter den Klängen der russtschen Nationalhymne verließen das Kaiserpaar mit den Kindern die „Hohenzollern". Vom „Standart" erklang die deutsche Nationalhymne und von allen Seiten erschallten Hurrarufe. Nachdem die russischen Majestäten an Bord der „Standart" angekommen waren, feuerte der Kreuzer „Eneisenau" den Abschiedssalut. Die „Hohenzollern" lichtete die Anker und setzte fich in nördlicher Richtung in Bewegung, gefolgt vom „Sleipner". Auf den Schiffen beider Geschwader standen die Mannschaften in Parade. Als die „Hohenzollern" an dem „Standart" vorüberdampfte, nahm Kaiser Wilhelm, der auf der Kommandobrücke stand, die Mütze ab, winkte den russtschen Majestäten den Abschiedsgruß zu, den die Kaiserin und die Kinder durch Winken mit Taschentüchern erwiderten. Der „Standart" und die „Polarnaja Svjesda" feuerten ihrerseits den Abschiedssalut, der sich mit den Hurrarufen der Mannschaften und den Klängen der deutschen Nationalhymne vermischte. Beim Passieren des „Polarnaja Svjesda" rief Kaiser Wilhelm einen rusischen Gruß hinüber. Mehr und mehr entfernte sich di« „Hohenzollern" mit ihren Begleitschiffen; um 4 Uhr bog das deutsche Geschwader um die entfernt liegende Insel und kam außer Sicht.
Neufahrwasser, 19. Juni. Der Kaiser ist an Bord der „Hohenzollern" um 7% Uhr hier eingetroffen. Er begab fich um 7% Uhr im Automobil nebst Erfolge nach Langfuhr zur I '<»■ ! । ..... - --------
«F (Nachdruck otrboter.)
Gin Sonrrnertrarim.
Roman von K. van Beeker.
l Fortsetzung.)
Die beiden Herren, die sich mit jedem Tage besser ineinander fanden, gingen meistenteils im gegenseitigen und vorwiegend wissenschaftlich gehaltenen Gespräch aus. Aber Ulli war auch kein junges Rädchen allgemeinen Genres, und die häuslichen Verhältnisse hatten die zurücktre- tende, mehr in anderen lebende Art ihres Wesens doch so bedeutend herausgebildet, daß ihre Ansprüche bei der nebensächlichen Rolle, die sie als dritte im Bunde spielte, durchaus nicht litten. Da sie überhaupt lieber hörte als selbst redete, so war ihr auch schon für manches Ernste, das ihrem Alter in seinem übersprudelnden Selbstleben sonst verschlossen bleibt, genügendes Verständnis aufgegangen, um den Gesprächen oer beiden Männer oft mit verstehendem Interesse folgen zu können. Und wenn das nicht der Fall war, so empfand sie es schon als Genuß, frei von den Launen der Mutter am Arm des geliebten Vaters durch die schöne grüne Welt wandern und dem weichen, klangvollen Organ »es neuen Freundes lauschen zu dürfen. Sie war seh: glücklich in dieser Zeit.
Wenn Werner sich manchmal seiner Pflicht als Kavalier erinnernd, seine Rede direkt an Ulli richtete und sich freundlich bemühte, ihre Ansichten zu entlocken und ihr Urteil herauszufordern, so war er oft erstaunt über die Klarheit und Reise ihrer Gedanken und empfand den leuchtend dankbaren Blick, mit dem die blauen Augen zu ihm aufschauten. mit einem gewissen
Abendtafel im Kasino der Leibhusaren. Die Abreise von Langfuhr über Berlin nach Hamburg erfolgte um 10 Uhr 20 Min. abends. Die beiden Begleitkreuzer „Hamburg" und „Eneisenau" setzten ohne Unterbrechung die Fahrt nach Kiel fort.
Danzig, 19. Juni. Der Kaiser ist um 10 Uhr 20 Minuten nach Berlin-Hamburg abgereist.
Petersburg, 19. Juni. Die vorgestern gehaltenen Kaiserreden sind erst heute früh hier verbreitet worden und daher von der Preffe noch nicht gebracht worden. Die sonstigen Preßstim- men zeigen, daß die konservative Presse wiederum in zwei Lager geteilt ist. „Swjet" bringt einen äußerst gehässigen Artikel, in dem ausgeführt wird, daß Deutschland der natürliche Feind Rußlands ist. Deutschlands Erfolge bedeuteten Rußlands Niederlagen. Dagegen führt „Rußkoe Snamja" die zwischen Deutschland und Rußland entstandenen Reibungen auf die englische Verhetzung zurück und erinnert an die Dienste, die Deutschland Rußland erwiesen habe und betont die Notwendigkeit eines guten Einvernehmens mit Deutschland. Die „Peters- burgskaja Gazeta", die zuweilen mit dem Ministerium des Aeußeren Fühlung hat, widmet der Entrevue einen sehr herzlichen Begrüßungsartikel und sagt, die Zusammenkunft trug einen so herzlichen, aufrichtigen und freundlichen Charakter, wie nie zuvor und hebt ferner die Stolypin durch den deutschen Kaiser bezeugte Achtung hervor und stellt die früheren russisch-deutschen Streitfragen nur als vorübergehende Verdunkelungen der Jahrhunderte alten Freundschaft dar.
Die Woodburn-Affäre.
Petersburg, 19. Juni. Wie die Peters- - Bürget Telegraphenagentur erfährt, richtete der englische Botschafter Sir Arthur Nicolson, nachdem er von dem englischen Pizekonsul in Wiborg über das Vorgehen gegen den Dampfer „Woodburn" unterrichtet worden war, an den Minister des Aeußeren die schriftliche Bitte, ihn über den Grund der gegen den genannten Handelsdampfer ergriffenen Maßnahmen aufzuklären. Als Antwort auf die Note brachte der Minister des Aeußeren die Tatsachen in derjenigen Form zur Kenntnis des englischen Botschafters, wie sie vom Generalstab der Marine veröffentlicht worden find.
Petersburg, 20. Juni. Ueber die Angelegenheit des englischen Dampfers „Woodburn" veröffentlicht der Eeneralstab der Marine folgende Mitteilungen: „Angesichts der mehrfach vorgekommenen Fälle, daß sowohl russische als ausländische Handelsdampfer sich dem Standorte des in russischen Territorialgewässern befindlichen Geschwaders der Kriegsflotte näherten und ungeachtet der Warnung der Wacht- schiffe in den Schutzbereich des Geschwaders ein- drangen, ist es im letzten Jahre für nötig befunden worden, ergänzende Regeln für solche Fälle festzusetzen. Regeln, welche für die fini- schen Schären durch den Eeneralgouverneur von Finland eingeführt und in englischer Uebersetz- ung in den diesjährigen Januar- und April
erwärmenden Gefühl, das ihm ganz fremd war. Max hatte nicht so ganz unrecht, wenn er den jungen Doktor als Frauenfeind hinstellte. Zum mindesten war Heinrich Werner sehr wenig um Damenumgang bemüht, und sehr kaltherzig und pessimistisch, wenn ihm derselbe entgegentrat. Fünf Jahre waren verflosien seit jenem Sommer, in dem er Lori fand, aber sie hatte noch immer nicht vermocht, die Erinnerung an das Glück und den Schmerz jener flüchtigen Tage zu verlöschen. Umgewandelt hatte ihn die Zeit, aus dem phantastischen Knaben mit dem jugend- heißen, gläubigen Herzen einen mißtrauischen, herben und schwer zugänglichen Mann gemacht. Die Narben der einstigen schweren Wunden brannten noch so oft und so deutlich, daß er all' den weißen, gefährlichen Händen, die sich seitdem so vielfach bemüht hatten, ihn seiner Einsamkeit und Zurückhaltung zu entziehen, schroff und unnahbar auswich und auf dem besten Wege war, ein nur der Wissenschaft und sich selHt lebender Sonderling zu werden. Durch den Freund und durch das Berufsinteresie an besten Vater war er jetzt in eine ihm ganz fremd« Strömung geraten, von der er selbst nicht wußte ob sie ihn freiwillig oder gezwungen mit sich fortriß. Und bald überließ er fich ihr mit einem durch kein Bedenken mehr gestörten Behagen. Ulli war daher auch die erste junge Dam«, die ihm seit fünf Jahren nähertrat, und di« unbe- wußte Hingabe ihres unberührten Kinderherzens verfehlte nicht, einen leisen, bestrickenden Reiz auf ihn auszuüben.
Werner sab, was Ulli in voller Unbefangenheit selbst nicht ahnte, das langsame Erwachen und immerhin innigere, wärmer« EmvorbWen ihrer Siebe. Anfangs erschreckte ihn diese Er»
Ausgaben der vom englischen Handelsamt herausgegebenen Nofizen für Seefahrer abgedruckt wurden. Am 16. Juni ging der englische Handelsdampfer „Woodburn" unter Führung eines finifchen Lotsen aus den Schären seewärts. Bei Ankunft des Dampfers an die in Pittopas auf der Standartreede liegenden, die Kaiserjacht begleitenden Kriegsschiffe, fuhr das wachthabende Torpedoboot dem „Woodburn" entgegen, ging auf seine Seite und befahl ihm, den Kurs zu ändern und den Schutzbereich des Geschwaders zu verlassen. Da der „Woodburn" ungeachtet des Befehls den Kurs auf die Kaiserjacht beibehielt, gab das Torpedoboot drei blinde Schüsie ab und, als der Dampfer seine Richtung trotzdem nicht änderte, einen scharfen Schutz gegen die oberen Teile des Dampfers ab. Als gleichzeitig das Torpedoboot „Emir Bukharski" bemerkte. daß der „Woodburn" fortfuhr, auf die Kaiserjacht loszusteuern und bereits die Linie des Schutzkreises überschritten hatte, gab es ebenfalls zunächst einen blinden, dann einen scharfen Schutz aus einem 75 Millimeter-Geschütz ab, der den unteren Teil des Schornsteins traf. Das Kommuniquö des Generalstabes der Marine schließt: Sofort auf Anordnung des Flaggkapitäns, Generaladjutanten Milow, wurde ein Ofizier auf die „Woodburn" entsandt, um die Befchädigung des Dampfers zu besichtigen und festzustellen, warum die Befehle des Wacht- fchiffes nicht befolgt worden waren. Es stellte sich heraus, daß ein 75 Millimeter-Geschoß die Bekleidung des Schornsteins durchgeschlagen und das Dampfrohr der auf dem Oberdeck befindlichen Reservemechanismen zerschmettert hatte; außerdem wurde ein Heizer durch ein Eeschotz- splitter am Oberschenkel leicht verwundet. Bei Befragung des Kapitäns ergab sich, daß der Lotse, der das Schiff steuerte, die Linie des Schutzkreises schneiden wollte. Der Kapitän hatte lediglich die Anordnung der Lotsenchefalgt.
London, 19. Juni. Korrespondenten mehrerer englischer Zeitungen haben mit dem Piloten gesprochen, der die „Woodburn" führte, und berichten hierüber ihren Blättern. Sie schildern den Mann als wenig intelligent. Er ist Finländer und versteht kein Wort russisch, weshalb er auch auf die Warnungsrufe von den russischen Kriegsschiffen nicht reagieren konnte. Er führte den englichen Dampfer zweifellos viel zu nahe an die russische Kaiserjacht heran. Ein Torpedoboot fuhr daher plötzlich mit großer Geschwindigkeit auf die „Woodburn" zu, um ihr den Weg zu versperren. Dabei gerieten die beiden Schiffe so dicht aneinander, daß der Engländer eine rasche Wendung machen mußte, um nicht mit dem Russen zusammenzustoßen, aber unglückseliger Weise geriet er bei diesem Manöver noch näher an den „Standart" heran. Nun wurde der russische Torpedojäger erst recht mißtrauisch und feuerte zuerst drei blinde Schüsie auf die „Woodburn" ab, dann wurden dem englischen Schiffe einige Worte durchs Sprachrohr zugerufen, die aber an Bord der „Woodburn" nicht verstanden wurden. Erst jetzt schoß der Rusie scharf mit dem bereits gemeldeten Resultate.
kenntnis und machte ihn stutzig, aber das war nut vorübergehend, und allmählich rang sich immer mehr der Wille durch, mit diesem ihm so ungesucht entgegengebrachten Glück einen festen Riegel vor die Vergangenheit zu schieben und ein neues, segensvolles Leben zu beginnen. Es war bei diesem Zukunstsgedanken nichts, was sein Herz schneller schlagen, sein Blut heißer durch die Adern rollen ließ. Damit meinte er für sein Leben fertig zu sein. Aber es war ein beruhigendes, herzerwärmendes Empfinden, in dem sich die Herbheit und Bitterkeit, die durch Jahre fein ganzes Sein und Wesen verhärtet hatten, sanft und friedlich lösten — ein Frühlingserwachen nach Winterfrost und Sturm. Zu übereilen dachte er dabei gar nichts. Es trieb ihn ja auch kein Ungestüm und sehnsüchtiges Verlangen dazu. Er wollte die Dinge sich natürlich und von selbst entwickeln lasten und konnte fich umsomehr Zeit gönnen, da der Geheimrat ihm wirklich das Anerbieten gemacht hatte, zum Oktober als fein erster Assistent bei ihm einzu- treten, und er mit Dankbarkeit und Freude auf diesen Vorschlag eingegangen war. Dort, auf heimatlichem Boden, wo er fast ebenso wie jetzt mit Ulli in steter Verbindung blieb, konnten ste sich immer mehr ineinander einleben und verstehen lernen. Losgelöst von der Unbefangenheit des Badelebens würden auch die Eltern durch ihr verhalten ihm kund tun, ob sie seine Bewerbung begünstigten oder ablehnten, und er brauchte sich dann nicht der Unannehmlichkeit einer unsicheren Antwort auszusetzen.
So batte fich der Doktor feine Zukunst in voller Ruhe und Behaglichkeit zurechtgelegt, «nd als der Geheimrat eines Tage» im Fa- «Uienkretst mtttetlte, daß Doktor Werner
Politische Umschau.
Fürst Bülow und der akademisch gebiwete Lehrerstand.
Berlin, 19. Juni. Die „Norddeutsche Allg. 3tg* schreibt: Der Vorsitzende der Del» giertenkonferenz der Provinzialvereine akademisch gebildeter Lehrer Preußens, Eymnasial- direktor Dr. Mertens, hatte an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet: „Brühl, 10. Juni. Eurer Durchlaucht beehre ich mich nach Verabschiedung der Besoldungsvorlage, dir zwar nicht alle Hoffnungen des höheren Lehrer« ftandes erfüllt hat, aber namentlich durch die Gleichstellung der Oberlehrer mit dem Amts- und Landrichtern-Höchstgehalt seinen Wünschen weit entgegengekommen ist, ehrerbietigsten Dank auszusprechen. Der höhere Lehrerstand ist sich bewußt, daß er diesen Erfolg nur mit der tatkräftigen Unterstützung Euerer Durchlaucht zu erringen vermochte. Er roirb es als seine heilige Pflicht ansehen, die seiner Bedeutung für den Staat und seiner bisherigen Wirksamkeit gezollte Anerkennung dadurch zu erwidern, baffer auch in Zukunft treu seines Amtes waltet und bei der ihm anvertrauten Jugend echtrvaM^ ländische Gesinnung zu wecken und zu nähren bemüht bleibt." — Fürst Bülow antwortete wie folgt: „Euer Hochwohlgeboren haben mich durch das Schreiben vom 10. b. M., das Sie in Ihrer Eigenschaft als Vorsitzender der Delegiertenkonferenz der Provinzialvereine akademisch gebildeter Lehrer Preußens an mich richteten, sehr erfreut. Daß meine Bemühungen für di« Erfüllung der berechtigten Wünsche des höheren Lehrerstandes, über die wir uns vor zwei Jahren unterhielten, nicht erfolglos gewesen sind, erfüllt mich mit lebhafter Genugtuung. Die Regierung und der Landtag des preußischen Sttaates haben durch die dem höheren Lehrer- stände in der neuen Besoldungsordnung zugewiesene Stellung ihrer hohen Meinung von seiner Bedeutung für unser nationales Leben deutlichen Ausdruck verliehen. Ich bin gewiß, daß dies Ihre Verussg-nosten bestärken roirb in ihrer bewährten Hingebung an ihr schönes Amt und ihre heilige Aufgabe, in den Herzen der ihnen anvertrauten Irgend die Reinheit der Ceünnung und der Vegesterung für unser Vaterland zu wecken und zu stärken. Mit vorzüglicher Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebenster gez. Bülow."
Saatenftanb in Preußen.
Berlin, 19. Juni. Saatenftanb te Preußen Mitte Juni (wenn 2 gut, 3 teiltet bedeutft: Winterweizen 3,2 (Mitte Juni 1908. 2,3), Sommerweizen 2,8 (2,6), Winterspelz 2,4 (2"). Winterroggen 2,9 (2,4), Sommerroggen 30 (2,7), Sommergerste 2,7 (?,6) Haftr 2,7 (2,5), Erbsen 2,8 (2,7), Ackerbob-cn 21? (2,6), Wicken 2,9 (2,6), Kartoffeln 2,8 (2,8, Zuckerrüben 2,8 (2,7), Winter raps und Rübsen V> (8,6) Flachs 2,9 (2,6), Klee 3,5 (2,1), L«zerr e 3,3 (2,2), Rieselwiesen 3,3 (2,1) andere Sßtden 3,7 (2,4). — In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz heißt es: Die auf die gute Entwicklung der Saaten gcsetzre Hoffnung im Berichtsmonat ist nur teilweise in Erfüllung geg »gen. Die allgemeine Witterung war viel zu kühl und
fortan nicht nur allgemeiner Freund, sondern als sein erster Assistent auch ein kleines Stück Familienmitglied werden wollte da war es Über Maxens stürmisch freudige ilmarmung und die herzliche Liebenswürvt^ft der Echeirn- rätin hinweg doch am meisten das im rosigen Glück leuchtende liebliche Gesicht Ullis, was ihm den Gedanken »n eine neue Wendung feines Lebensweges zu einem frohm und hoffnungsvollen machte.
Vier Wochen waren so im schnellen Fluge und ungetrübten Frohsinn dahingegangen, unb in beiden Familien fing man an, ganz ernstlich an die Abreis zu • ’^en. Die Kommerzienrätin fand, daß es allgemach der Ausflüge und Neckereien gerade genug fei, und daß man sich bedenklich der Grenze nahe, von bn «ns mit einem Schritt aus all' dem Scherz ein schwerwiegender Ernst werden konnte. Zeigte Rita doch jetzt schon eine der Mutter gar nicht behagende, ge-. dankenabwesende, wechselnde Art, die der klugen Frau sehr nach Konttebande und Herzenserwachen aussah, und so sehr ste auch der Heben Freundin Eeheimrätin als Hilfsgenosfin traute, so schien ihr deren Macht den feurigen Blicken und Huldigungen des Sohnes gegenüber doch nicht mehr ganz ausreichender Schutz gegen eine mit tebem Augenblick hereinbrechen rnnenbe Katastrophe. Das mutzt« vermieden werden, umsomehr, als di« Kommerzienrättn nach wie vor an dem Wunsch freundschaftlicher Heimats- beztebungen festhielt, und von Herzensbeweglichkeit der beiden gefährlichen Subjette so überzeugt war, daß st« für den Winter bei der reichen Auswahl des Eesellfchaftslebens teing&i Aß»! fahr mehr fürchtete. - --•?
(Fortsetzung NW