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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage J
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Marburg
Sonnabend, 19. Juni 1909.
44. Jahrgi
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Berlag: Joh. Aug. Koch, llnioersltätsbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblalt Nr. 47.
Fürst Bülow und die Lage.
Wer eine Verständigung des Reichstags über die Reichsfinanzreform auf der Grundlage der Regierungsvorschläge wünscht, kann nur hoffen, daß die Parteien die Mahnungen des Fürsten Bülow wohl beherzigen. Fürst Bülow zeigte, daß er über den Parteien steht und so befugt ist, ehrlich an einer Einigung zu arbeiten. Ob es gelingt, müssen ja die nächsten Wochen »eigen. Aber als der Reichskanzler zum Schluß die Frage seines Gehens oder Bleibens an- fchnitt, konnte man wohl vernehmen, daß Erfolg oder Mißerfolg diesmal für seine Stellung entscheidend sein werd«. Er werde, so meint« er, gegebenenfalls den Kaiser von der Notwendigkeit seines Rücktritts zu Überzeugen wissen. Daß der Weggang Fürst Bülows für uns ein schwerer Verlust sein würde, bedarf aber keiner Worte.
Die andere Konsequenz eines Scheiterns der Regierungspläne wurde von dem Reichskanzler nicht in den Kreis der Betrachtung gezogen und der „Vorwärts" ist damit nicht einverstan. den. „Von einer etwaigen Reichstagsauflösung, wenn die Entscheidung im Sinne einer konservativ-klerikalen Mehrheit ausfallen sollte, sagt« er keinen Ton", meint er enttäuscht. Die Re- Sierung wird nicht daran denken, sich ein« sozial- emokrattsche od«r radikale Mehrheit zu schaffen.
Der Ton der Rede des Fürsten Bülow ist den Verhältnissen angepaßt — auf Moll gestimmt — ein letzter Versuch, in dieser verworrenen Situation die Versprengten zum Sammeln zu blasen.
Wir fügen einige Urteil« der Partei
organe an.
Die „Konservative Korrespondenz" schreibt:
„Der Reichskanzler erklärte, daß er sich niemals der Rechten unterordnen und sich niemals von der Linie abdrängen lasten dürfe, die das Staatsintereste vorschreibt. Die konservattve Partei ist sich nicht bewußt, ein derarttges Verlangen an den gegemoärttgen oder an einen früheren Reichskanzler gestellt zu haben, aber sie glaubt doch wohl auch ein Recht darauf zu besitzen, daß ihre wtchlerwogenen Ansichten lediglich sachlich gewürdigt werden und daß man ihr nicht Mottve unterschiebt, von denen sie sich niemals leiten lassen wird.
Faßt man den Eindruck der Kanzlerrede zusammen, so vermißt man darin jedes Eingehen auf das doch auch in allen Stadien der bisherigen Verhandlungen nicht immer einwandfreie Verhalten der Regierung und einzelner ihrer Organe und vor allem jü>es Wort der Anerkennung für die Arbeit der Finanzkommis- ston. Insbesondere dafür, daß es in den letzten Wochen vor Pfingsten gelungen war. die Tkitig- keit dieser Kommission der völligen Versumpfung zu entreißen und ein frisches und erfolgreiches Arbeiten zu ermöglichen. Wie die durchweg tadelnde und keineswegs objektive Krittk am Verhalten einzelner Parteien, die schwerlich dazu angetan sein dürfte, Gegensätze auszugleichen, einigermaßen befremdete, so klang au» der
25 (Nachdruck verboten.)
Ei« Kommerleanm.
Roman von R. »an Beeker.
(Fortsetzung.)
Trotzdem wäre es der Gehetmrätin vielleicht nicht gelungen, das junge Pärchen in das richtige Fahrwasser zu bringen, wenn ihr nicht ihr Mann dabei zu Hilfe gekommeil wäre. Von dem Studium der eingegangenen Briefschaften aus feinem Zimmer zurückkehrend, gatt sein erster «lick Rita, mit der er vom Beginn tätet Bekanntschaft an auf dem zättlichsten, luftigen Kriegsfuß stand. Auch jetzt rief er ihr neckend zu: „Ah, kleine Eidechse, nun wird es erst Tag, da Sie erscheinen! Aber was hilft es, wenn Sie mir jetzt noch so freundlich Ihr Händchen entgegenstrecken? Mein Weizen hat bei Ihnen doch abgeblüht, jetzt, wo das jung« Grünkraut rings um St« aufschießt."
Rita, die eben noch ganz Weltdame und stille, beschauliche Heilige gespielt hatte, fuhr sogleich wie eine kleine Rakete in die Höh«. „Hören Sie, Herr Geheimrat, das soll wohl eine Illustration sein zu dem hübschen Sprichwort: „Die jungen Gänse gehen am liebsten nach dem Grünen? Ich weiß nicht, für wen das beleidigender ist, ob für mich oder für die Herren, die in so anzüglicher Farbe gehalten werden!
Der Geheimrat lachte herzlich. „O, Ste bitterböse, kleine Splitterichterin, wie tonnen Sie mir solche Ketzereien zuttauen!"
Mar aber, den verwandten Ton der lusti^n Kriegsführung mit Entzücken auffastend, fiel jetzt lebhaft ein: „Za. Papa, ich **6 mich «an.
Kanzlerrede dem feiner Zuhörenden vernehmlich genug das Bestreben heraus, auch die gegenwärtige schwierige Situation noch zu einer Art von Machtprobe zwischen Regierung und einzelnen Parteien zu benutzen."
Die freikonservative „Post" meint:
„Alles in allem: Fürst Bülow ist auch diesmal der ruhig«, kluge, verbindliche, aber sich nicht bindende oder auf irgend eine Frage unwiderruflich festlegende Staatsmann geblieben. Seine Rede zeigt deutlich, daß er über den Parteien steht."
Das „Berl. Tgbl." hält die jetzige Situation für erwünscht. Der Liberalismus, d. i. der Freisinn, wist« jetzt, daß er für die Reichs- tegierung unentbehrlich sei.
Aehnlich meint die „Voss. Ztg.":
„Man wußte nicht recht, was man aus diesem Schluß schließen sollte. Heißt es nun wirklich: „Klar zum Gefecht!", zieht Fürst Bülow in einen frischen, fröhlichen Kampf, ist er bereit, den Reichstag aufzulösen, wozu ihm Herr Basser- mann beherzt riet? Oder will er sich nur noch als später Bahnbrecher des Liberalismus einen guten Abgang sichern? Vielleicht dentt Fürst Bülow selbst, das wird sich zeigen, wenn der Reichstag aufgehört hat. zu reden, und di« Abstimmungen erfolgt sind. Bis dahin bleibt mancherlei ungewiß für das Volk wie für den leitenden Staatsmann. Rur daß et keine Finanzreform ohne Erbanfallsteuer und keine Politik zur „Ausschaltung" des Liberalismus machen will."
Die „Germania" ist über die dem Zentrum zuteil geworden« Behandlung, die sie einen „neuen Affront" nennt, nicht erfreut und glaubt nicht daran, daß Fürst Bülow das Zentrum nicht habe ausschatten wollen.
Aus dem Reichstage.
Auch in der gestrigen Sitzung hatte sich an der Spitze der Ressortminister und der einzelstaatlichen Bundesbevollmächtigten der Reichskanzler eingefunden ; Saal und Tribünen zeigten gleichfalls volle Besetzung. Sollten doch die heutigen Reden der einzelnen Parteiführer eine Klärung bringen, die ein Urteil über das mutmahliche Schicksal der neuen Projekte und damit der ganzen Finanzreform ermöglicht.
Der Sprecher der Konservativen, der erst seit kurzer Zeit dem Reichstage angehörende, aber in dieser Zeit viel genannte Graf Westarp, leitete die Verhandlungen mit einer fast anderthalbstündigen Siebe ein, während der es nach Lage der Dinge teilweise überaus stürmisch zuging. Hinsichtlich der Erbanfallsteuer erklärte er — um es vorwegzunehmen —, daß „dieselben schweren Bedenken, die gegen die Steuer in ihrer früheren Form bei den Konservativen bestanden, auch gegen die jetzige Form borlägen, die Ausdehnung auf Ehegatten und vor allen Dingen auf Abkömmlinge". Redner verteidigte, indem er einige Bemerkungen de» Kanzlers zurückwies und der Linken Vorhaltungen wegen ihrer Haltung in der Verbrauchsbesteuerung machte, das Verhalten der konservativen Partei. Diese habe sich nicht darauf beschränkt, die ihr aus sachlichen Gründen unannehmbar erscheinenden Regierungsvorschläge abzulehnen, sondern habe nach monatelangen fruchtlosen Bemühungen eine andere Lösung zu finden, ihre jetzigen Verhältnisse unterbreitet, an denen sie nunmehr festhalte. Die Einwände gegen sie suchte Redner eingehend zu widerlegen. Auf einer ausreichenden Besteuerung des mobilen Kapitals, das sich so leicht auf loyalem Wege der Besteuerung entziehen könne, müßte sie bestehen. Das mobile Kapital aber sei nur an der Börse steuerlich faßbar. Seine
auf die Seite des gnädigen Fräuleins stellen. Du wirfst hier mit Beleidigungen um Dich, deren jede von erschütternder Tragweite ist. Ich weiß selbst nicht, was schlimmer ist, Grünkraut genannt zu werden, oder einer nur an Blumendust und Blumengrazie gewöhnten kleinen Elfe den schlechten Geschmack der Liebhaberei für solches Grünkraut zuzutrauen!"
„Ja, mein Junge, laß Dich an einem Winkel- blättchen als Poetrker engagieren!" höhnte der Geheimrat. Aber Rita, weniger kritisch und wählerisch wie dieser, warf dem jungen Anwalt einen niedlichen Bundesblick zu und sttmmte ihm in strafendem Ton bei: „Ihr Herr Sohn hat ganz recht, Herr Geheimrat, wenn er sich auch vielleicht etwas zu poetisch und blühend mir gegenüber ausdrückte, aber jedenfalls war et galanter wie Sie? Sonst habe ich immer gefunden, daß die ältere Generation in allen Tugenden des äußeren und inneren Menschen der jüngeren überlegen ist, aber hier muß ich wirklich sagen —"
„Daß Sie sich natürlich dem jungen Sc^oa- droneur zuwenden und den alten ehrlichen Griesgram in Ungnaden verabschieden. Ei, ei, kleiner Leichtsinn, wenn Sie dabei nut nicht statt der Eiche die Brennessel wählen und sich das niedlich kleine Näschen verbrennen! "
Max fiel dem Vater entrüstet in die Rede, und Rita, das eben besprochen« Näschen fo im- pertinent wie möglich in di« Luft streckend, meinte kampflustig: „Ich fürchte mich gar nicht, Herr Assessor! Eichen können umpurzeln und harmlose Wanderer totfchlagen, während di« Brennnessel «in sehr nette», harmlose» Kraut ist, wenn «um es nur richtig anzufassen «erficht.
Partei sei aber bereit, die netten Vorlagen sachlich in der Kommfision zu prüfen, da die Regierung die» wünsche. Auch für ihre eigenen Projekte nehme sie verbessernde Mitarbeit aller Parteien dankbar an. Besonders lebhafter, ostentativer Beifall seiner Parteifreunde belohnte ihn für seine Ausführungen.
Dann hielt der Abg. Singer eine recht sozialdemo- kratftkie AgitationSrede, in der er alle gegen alle hetzte und sich zu der Behauptung verstieg, daß es sich bei der ganzen Aktion nur darum haitdle, unter der Firma „Reichsfinanzreform" die breiten Massen auf- neue auszurattbe». Er zog sich dadurch einen Ordnungsruf zu, während er bei der Siebe des Grafen Westarp, als biefet dem Reichskanzler mit einigen Einschränkungen Lob zollte, burch ben elegischen Zwischenruf „Armer Bülow!" minutenlange Heiterkeit erweckt hatte, in bie Fürst Bülow selbst herzhaft einstimmte.
Dann kam daS Zentrum zum Wort durch den Abg. Dr. Spahn. Dieser rechtfertigte burch eine Untersuchung bet sachlichen Gründe für und wider die einzelnen Steuerarten, bie Stellungnahme bes Zentrums und suchte sie burch Zitierung früherer Aeußerungen von ZentrumSmitgliedern als konsequent namentlich in Beziehung auf die Erbschaftssteuer nachzuweisen. Letztere lehne seine Partei nach wie vor ab. Er empfahl dann mit den bekannten Gründen die Kotierungssteuer und bemerkte gegenüber dem Fürsten Bülow: DaS Zentrum habe ihn boykottiert, nicht weil er in einen politischen Gegensatz zum Zentrum getreten sei, sondern weil er diesem dem Auslande gegenüber den Borwurf „antinationaler Arroganz" gemacht habe. DaS habe das Zentrum al» persönliche Beleidigung ansehen müssen; Pflicht deS Reichskanzlers sei e8 gewesen, zu erklären, daß ihm die Absicht einer solchen Beleidigung ferngelegen hab«. Das Zen, trum stehe der gegenwärtigen Situation vollkommen unbefangen und ohne Stücksicht auf bie Person de» Kanzlers gegenüber und lasse sich leiten von bet Erhaltung und Förderung be8 beutschen Reiches und Volkes. — Die Zentrumsmitgliede r begleiteten die letzteren Ausführungen mit einstimmigem lautem und wiederholtem Beifall.
Der preußische Ftnanzminister ging bann auf technische Einzelheiten bet vom konservativen und dem Zentrumsrebner befürworteten Steuervorschläge ein. Die Kotierungssteuer sei eine partielle Reichsvermögenssteuer, alle prinzipiellen Bedenken gegen diese träfen auch auf sie zu. Wertpapiere befänden sich durchaus nicht nut in ben Händen bet Wohlhabenden. Der Minister setzte sodann noch einmal unter Anführung von Beispielen auseinander, wie gering die Belastung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes durch die Erbanfallsteuer sein würde und richtete am Schluß seiner Rede ein wirkungsvolles Appell an die bürgerlichen Parteien, jetzt wo e» noch Zeit sei sich bie Hänbe zu einer Einigung zu reichen uttb zu versuchen, ob denn wirklich bie Gegensätze unüberbrückbar seien.
Dann gab Fürst von Hatzfeld, Herzog zu Trachen- berg, namen» ber Reichspartei die Erklärung ab: Wir haben uns, ba bisher andere geeignete allgemeine Be- sitzsteuetn nicht zu erreichen waren, in unserer großen Mehrheit auch bereit finden lassen, mit der Ausdehnung der Erbschastssteuet auf Deszendenten und kinderlose Ehegatten uns abzufinden, falls hiervon da? Zustandekommen ber Reichsfinanzrefotm abhängt. In derselben Voraussetzung sind wir auch jetzt in unserer überwiegenden Mehrheit entschlossen, der Erbanfallsteuer zuzustimmen in der Erwartung, daß die von unS für erforderlich gehaltenen Aenderungen angenommen werden. Dabei legen wir besonderen Wert auf Sicherung gegen künftige Erweiterungen ober Et- Höhungen der Steuer. Wir sind aber auch nach wie vor bereit, anderen Besitzsteuern, welche einen geeigneten Ersatz für bie Erbanfallsteuer bieten, zuzustimmen; benn wir halten es für unverantwortlich, das große nationale Werk der Reichsfinanzreform um ber in ihrer Bedeutung vielfach überschätzten ErbschaftS- fteuer willen in Frage zu stellen. In ben Vorschlägen der Kommission zur Regelung ber Besitzsteuern kann
Uni> ich hoffe, dieses Verständnis allmählich zu lernen." Und dem entzückten Assessor die kleine, feste Hand entgegenstreckend, setzte sie schelmisch hinzu: „Probieren wir gleich einmal die Ungefährlichkeit der Brennnessel mit einem Handschlag, der zu Schuh und Trutz gegen alle bösen, moquanten Papas verpflichtet!"
Die Eeheimrätin lächelte befiiedigt. Es ordnete sich alles regelrecht wie tm vtiteinstu- dierten Lustspiel, gerade so, wie «s für das schnell vorüberschwebende Bild einer Sommeridylle paßte. Ihre schwerfällige Tochter war mit dem gleichfalls etwas schwerfälligen, steifen Doktor sehr passend versorgt, die beiden konnte man getrost einander überlassen. Selbst wenn sich da ein tieferes Interesse anspinnen sollte, so war das ebenso nebensächlich wie das Gegenteil. Ulli gegenüber war nicht viel Umstände zu machen, man konnte das ja späterhin nach Belieben und Lage der Verhälnisse begünstigen oder beenden. Momentan handelt« es sich nur darum, dem anberen Paar freie Vergnügungsbahn zu schaffen, und dabei war es gut, wenn di« beiden Statisten miteinander beschäftigt waren und nicht stören konnten. Mit Max war die Sache schon unbequemer, denn wenn er auch sein Amüsement haben sollt«, so lag es doch nicht in den Plänen der Mutter, dieses über den Sommeraufenthalt hinaus auszudehnen. Sie gelobte S, ein wachsame» Auge zu haben, damtt das chtbewegltche Herz ihres Sohnes nicht gar zu fest in die Hände der niedlichen kleinen Person geriete, di« trotz ihres goldenen Hintergründe» und sympathischen Wesen» doch nicht das Ideal erreichte, welche» die Geheimrätin sich für ihr zuttinftige Schwiegertochter htnge-
cin gangbarer Weg zur Losung ber Ausgabe schon aul bem Grunde nicht erblickt werben, veil bie verbündeten Regierungen sie entschieden ablehnen. Di< Reichspartei ist nicht gewillt, die finanzielle Notlage des Reiches auszunutzen, um den verbündeten Regierungen parlamentarische Mehrheitsbeschlüsse aufzunötigen. Das würde allen konservativen Ueber« Iteferungen widersprechen und einen für die Zukunft gefährlichen Präzedenzfall bieten. Die Ersatzsteuervorschläge werden wir ohne Voreingenommenhest unter dem Gesichtspunkt vollständiger Lösung ber Aufgabe ber Reichsfinanzreform prüfen ttnb unser« ganze Kraft dafür einsetzen, daß die Reform in einer ben Interessen des Reiches und unseres Erwerbsleben» sowie der Gerechtigkeit entsprechenden Gestalt zustande kommt.
Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Dr. v»n DziembvwSki, daß die Polen jetzt nicht Stellung nehmen wollten, wurde bie Weiterberatung auf morgen 1 Uhr vertagt.
Deutsches Reich.
— Die Zusammenkunft in den Schären. Reval, 17. Juni. Die Fahtt von Danzig nach Bjeerkoe fand bei schönstem kühlem Wetter statt. Der Kaiser, der sich sehr wohl befindet, nahm die Vorträge des Staatssekretärs Freiherrn v. Schön mtb der drei Kabinettschess entgegen. — Bei dem Besucht auf der Kaiserjacht „Standart' war der Kaiser begleitet von dem Staatssekretär Freiherrn v. Schön, dem Botschafter Grafen von Ponrtales, dem Oberhofmarschall Grafen von Eulenburg, dem Generaloberst v. Plessen, den drei Kabinettschefs, dem Kommandanten der deutschen Schiffe und dem übrigen Gefolge. Der Kaiser tvurde auf der „Standart' begrüßt von dem Kaiser Nikolaus, der Kaiserin Alexandra Feodorowna und deren Gefolge, unter dem sich Ministerpräsident Stolypin, der Minister des Auswärtigen Iswolski und Marlneminister Wodjewodski befanden. Die erste Begrüßung der Monarchen auf der „Hohenzollern" war überaus herzlich; sie küßten einander wieder- holt. — Der Besuch des Kaisers Nikolaus an Bord der „Hohenzollern' bauerte eine halbe Stunde. Unmittelbar nachdem Kaiser Nikolaus an Bord der „Standard zurückgekehri war, erwidette Kaiser Wilhelm den Besuch. — Helsingfors, 17. Juni. Bei der Ankunst auf der „Hohenzollern' wurde Kaiser Nikolaus mit der Kaiserhymne empfangen. Als Kaiser Wilhelm zum Gegenbesuch auf der # „Standart' erschien, spielte die Musik die Wacht am Rhein. — Reval, 17. Juni. Um 1 Uhr fand Frühstückstafel aus der „Standart" statt. Der Kaiser verblieb auf der „Standart' bis 5V2 Uhl nachmittags und nahm dott auch den Tee. Del Kaiser von Rußland bat den ti'.rafcn E"lenkmrg und den Generalobersten v. Plessen durch Ueber- reichung kostbarer Geschenke ausgezeichnet und folgende Orden verliehen: Die Brillanten zum Alexander Newski-Orden dem Staatssekretär Frei- Herrn v. Schön und dem Generaladjuanten von Scholl; den St. Annen-Orden erster Klasse dem Chef des Marinekabinets Vizeadmiral v. Muller und dem Ebes des Geh. Zivilkabinetis Exzellenz v. Balentini; den St. Stanislaus-Orden erster Klasse dem Vertretet des Chefs des Militärkabi- netts General ät la suite v. Oertzen.
stellt hatte. Aber gerade ein gewisser Wechsel im Befördern und Verhindern entsprach der gewalttSigen und von Jntrigue nicht freien Art der lebhaften Dam«, die, seitdem sie selbst nicht mehr so erleben und mitmachen konnte, wie sie wollte, ihren rastlosen Tatigkeitsbetrieb mit Vorlieb« dazu benutzte, in das Schicksal und Leben anderer Leute einzugreifen. Sie tat das freilich immer fo geschickt und diskret, daß selbst die Beteiligten es selten merkten, und hier, w» ihr Lieblingskind die Hauptrolle spielte, gelobte sie sich besondere Geschicklichkeit und Dor« sicht. Es war dies kaum einmal nötig, da die beiden jungen Leute so vollkommen im Interesse aneinander aufgingen, daß sie gar nicht dazu kamen, sich auch noch um ihre Umgebung z« kümmern, oder gar Strömungen für oder gegen sich zu bemerken.
Die anfänglich« Einigkeit zwischen beide» war zwar schon im Laufe des ersten Tages dem lebhaften Meinungs- und Worttrieg gewichen, aber gerade dadurch wurden ste nicht nur der ■ Amüsementspunkt der kleinen Gesellschaft, sondern auch für einander täglich interessanter unfc unentbehrlicher. Max meinte, noch mental» eine schlagfertiger«, reizender« Partnerin ge- kannt zu haben, und Rita, zwar tit steter Empörung und Aufregung über die Neckereien und Keckheiten de» verwöhnten Nichtsnutzes, wie st» den Assessor mit Vorliebe nannte, gestand sich doch jeden Abend auf» neue, daß das Lebe» wundervoll sei, und roebet Ostende noch Baden- Baden ihr köstlichere Tage bieten könnten, bas kleine, erst fo verächtlich betrachtet« ringer Walddorf. r
l . Fortsetzung folgt.)