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J ___Die „Gbmchesksche Iritnug" «scheint täglich mit Ausnahme du
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unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2'Mk.
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44 Jahrg.
Marburg
Sonnabend, 11. Juni 1909.
Die Jasertionsgebiihr beträgt für die 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen SO Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unto«sttät-buchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
5 mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beuage.
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Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 45.
Die Preußische Verwaltungsreform.
Der .Staatsanzeiger" veröffentlicht folgenden ■ königlichen Erlaß: „Ich wünsche, die als notwen- big erkannte Reform der gesamten inneren Ver- ivaltung in jeder Weise gefördert und beschleunigt I* sehen. Um die Einheitlichkeit dieses die der- schiedensten Gebiete der Verwaltung umfassenden Werkes zu wahren, zugleich aber für seine Vorarbeiten den Rat und die Einsicht sachverständiger, erfahrener Männer aus wetteren Kreisen zu gewinnen, habe ich beschlossen, unter dem Vorsitz des Ministers des Innern eine besondere JmmediatS- kommission zur Vorbereitung der Berwaltungs- «form einzusetzen. Die Kommission hat in der Richtung des von mir nach der Beratung im Kronrat in seinen Grundzügen gebilligten Reformplanes zu prüfen, welcher Aenderungen der gesetzlichen und Verwaltungsvorschristen tot Sinn« einer Vereinfachung und Dezentralisation es bedürfen wird, um die Gefchästsformen, den Behördenaufbau, die Verteilung der Verwaltungsgeschäfte auf die Behörden und die Ordnung des Rechtsmittelwesens und der Jnstanzenzüge in der gesamten inneren Verwaltung den Anforderungen der heutigen Entwicklung deS öffentlichen Lebens anzupaflen. Das Ergebnis ihrer Feststellungen hat die Kommission mir mft ihren gutachtlichen Vorschlägen zu unterbreiten. Diese Vorschläge werden dann die Grundlage für die wetteren Verhandlungen tot Schoße des Staasmtnistertums bilden. Die von mir genehmigte Anweisung für die Kommission folgt anbei zurück. Als Mitglieder will ich nach dem Vorschläge des Staatsministe- riilms in die Kommission die hierdurch in beiliegendem Verzeichnis genannten Personen berufen, Worunter ich zugleich den Staatsminister Grafen zu Eulenburg mit der Stellvertretung des Ministers des Innern im Vorsitz der Kommission betraue. Der Minister des Innern hat die Genannten von ihrer Berufung in Kenntnis zu setzen und das Weitere wegen des alsbaldigen Zusammentritts der Kommission und der Aufnahme ihrer Geschäfte zu veranlassen."
Die nach Beratung im Kronrat beschlossene Einsetzung einer besonderen Immediatkommission zur Vorbereitung der VerwalMnasresorm knüpft an einen Gedanken an, der in der Landtaassession 1907/08 in einem von den Freikonservativen angeregten und von diesen und den Nattonalliberalen zusammen eingebrachten Antrag« Ausdruck gefunden hat. Dieser Antrag lautet:
„Das Haus der Abgeordneten wolle beschlie- ßen: die Königliche Staatsregierung tu erhüben, ohne Verzug eine aus Kommissare aller Ministerien, erfahrenen Beamten der Vrovinzialverwal- futtg und int praktischen Leben stehenden Privat-
19 (Nachdruck verboten.)
Gin Sommerlraum.
Roman von ft. van Beek«.
< Fortt etzung.i
Der Gegenstand dieser mißliebigen Gedanken kam eben schneller wie sonst den (Ätrtenpfad zu- tütfgegangen, und in der Hand triumphierend einen Brief schwenkend, rief sie schon von weitem mit einer Art schüchterner Neckerei: „Ein Brief, Mamachen! Rate von wem? Ich glaube, er kommt aus dem Schlaraffenland!"
Die verdrießliche Abspannung, welche eben noch den Gesichtszügen der Geheimrätin einen Schein von Alter und Verfall gegeben hatte, wich augenblicklich einem freudig erregten Ausdruck, und mit einem schwachen Versuch, eine der steifen Hände zu heben, sagte fie hastig: „Von Max? Der gute Junge! Schnell öffne und lies, was er schreibt!"
„Er wird sich wohl zur Serienreife anmelden," lächelte Ulli.
Und einen Stuhl dicht neben di« Mutter rückend, entfaltete Ulli den großen Bogen und las: „Es ist eigentlich nur Verschwendung von Papier und Tinte, liebste Mama, wenn ich heute noch schreibe, wo ich in 2—3 Tagen schon gedenke, bei Euch zu sein. Aber Dein musterhaft erzogener Sohn weiß nicht nur, was sich schickt, nein, er handelt auch danach, und benutzt daher einen nicht anders tot zu schlagenden Nachmittag, um sich Dir zu Füßen zu legen und Dich dringend zu ersuchen, Deine Sparkassen momentan nur als Abzugskanäle für den Ueberfluß Deines Nadelgeldes zu benutzen und mit ihrer Eröffnung zu warten, bis der solideste aller Assessoren seine Taschen eigenhändig ihrem Goldregen öffnen kann. Allzu lange Säuert es 1
Personen zusammengesetzte Kommission mit der Prüfung der Frag« zu beauftragen, wie in allen Ressotts mft Ausnahme der Eifenbahnverwaltung die Organisation, das Verfahren und das Rechnungswesen den Bedürfnissen der Jetztzeit zu vereinfachen und zu modernisieren sein wird. Dabei wird insbesondere auch die weitete Stärkung der Lokalinstanz zu erwägen sein."
Bei den Verhandlungen dieses Antrages in dem Abgeordnetenhaufe fand der Gedanke einer solchen Kommission Widerspruch. Der Anttag selbst wurde in folgender Gestalt angenommen:
„Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, ohne Verzug geeignete Schritte zu tun, um die Organisation, das Verfahren und das Rechnungswesen der Staatsbehörden, den dringenden Bedürfnissen der Jetztzeit entsprechend, zu vereinfachen, zu modernisieren und zu dezentralisieren, insbesondere auch auf dem Gebiete der Schulverwaltung, sowie auf eine Stärkung der Lokalinstanz Bedacht zu nehmen."
Jetzt ist dieser Gedanke, die ganze Arbett in der Hand einer solchen Jmmediattommission zu konzenttteren, seitens der Staatsregiening wieder aufgenommen worden. Auch in der Richttlng, nach welcher die Reform unserer gesamten inneren Verwaltung In Aussicht genommen ist, berühren sich die Pläne, die von der Staatsregierung, insbesondere von dem mit der Leitting der Reform betrauten Minister des Innern verfolgt werden, mit den durch jenen Beschluß des Abgeordnetenhauses vorgezeichneten Richtlinien mehrfach. Die Jmmediat- kommisston soll ihre Tättgkeit ohne Verzug aus- nehmen.
PoNttsche Umschau.
Aus Deutsch-Süd-West.
Königsberg, 10. Juni. Zur Beseitigung der Schwierigkeiten, die sich der Unterhaltung der Bahnstrecke Lüderitzbucht-Keetmanshop in Deutsch- Südwestasrika durch Wanderdünen und Flugsand- Verwehungen entgegenstellen, besteht an zuständiger Stelle die Absicht, die Schaffung einer befon- ders wirksamen Festlegung der Dünen ins Auge zu fassen. Um nun auch die Erfahrungen, die bei den anderweittg bereits bestehenden Befestigungs- anlagen gemacht worden sind, für Südwestafrika nutzbar machen zu können, ist, wie wir hören, der Referent für Landwirtschaft im Reichskolonialamt, Negierungsrat Dr. Busse, beauftragt worden, am 11. und 12. Juni eine Besichtigung der Dünenbe- fefrtgung auf der torischen Nehrung vorzunehmen. Ihm wird sich voraussichtlich auch der Di- reftor der deutschen Kolonial-Eisenbahnbau- und Betttebsgesellschast Berlin, Regierungsbaumeister Reh, anschließen.
Von Abdul Hamid.
Türkische Blätter veröffentlichen eine Aufstellung aller Immobilien, die Abdul Hamid feiner
nicht mehr, Mamachen, denn die Ränzel find schon geschnürt, und morgen gedenken wir in rosiger Morgenfrühe abzudampfen. „Wir" ist nicht königliche Redewendung, sondern bedeutet diesmal die Mehrzahl, nämlich neben meiner Persönlichkeit noch die eines alten Studienfreundes, dessen Wiederfinden und Verkehr die einzige Freudenpflanze gewesen ist, die mir bei dem einjährigen Rechtskursus in dem gottvergessenen M. erblüht ist. Ich habe den alten Knaben, der, nebenbei gesagt, Frauenfeind und natürlich gerade deshalb auch Frauenliebling ist. toll bearbeiten müssen, ehe ich ihn aus seinen schwarzen Brillen, Augenuntersuchungen und Operationen zu der Idee einer Erholungsreise emporriß. Aber ich verfolge damit meine besonderen Plänchen und ließ nicht nach, bis ich mein Stück durchgesetzt hatte. Der Papa hat dabei als Regenwurm an der Angel dienen müssen. Werner hat als Spezialkollege einen heillosen Respekt vor meinem berühmten Vater, und gerade darauf baue ich meine Idee, indem ich glaube, Papa braucht ihn nur kennen zu lernen, um ihn an sich zu fesseln. Der junge Mann muß aus diesem Nest heraus, in dem er ohne mich zum Sonderling und Spießbürger wird, und da mich das Glück nun wieder in meine schöne, großstädtische Heimat wirft, so mochte ich meinen alten Heinrich gar zu gern mir nachziehen. Es ist das ein kleiner Wink für Dich, Mamachen. Du verstehst ja alles dem Papa so hübsch mundgerecht zu machen, leite ihn doch leise und sacht auf diesen Weg hin. Sonst nichts Neues int Reich, als daß ich mich wie ein großer Schuljunge auf das Wiedersehen mit Euch freue. Was macht Ulli? Sie soll sich nur irgend einen niedlichen Pussel von Freundin dort anschaffen, damtt ich etwas zum Eovrschneiden finde. Selbst lange suchen mag
Zivilliste feit feinem Regierungsantritt zusügte. Bekanntlich hat sie Sultan Mohammed dem Staatsschatz zurückerstattet mit Ausnahme der vor 1877 vorhandenen Besitzungen, die fernerhin Krondomänen bleiben. Wie groß die Jahreseinkünste Abdul HamidS waren, auf die er nun zu verzichten hat, zeigt folgende Tabelle: Besitzungen in der Umgebung der Hauptstadt 4750 Pfund, Besitzung in der Vorstadt Beschittasch 1400, Magazine in Tophane 2600, Gut Hekim Baschi 2000, Güter Ibrahim Pascha und Curbali 2000, Besitzungen und Wälder bei Salonik 8000, Anteil der Zivilliste am Hafen von Salonik 4500, Magazine in Salonik 2400, Gut Baliadji 1500, Gut Smyrna 10 000, Gut Jenischehir 2500, Wälder von Feredjik und Babai Atik 4200, Besitzungen in Jerusalem 5000, Besitzungen im Wilajet Aleppo 21800, Unternehmungen in Baflorah 10 000, Uferbesitzungen am Tigris 40 000, Makata in Bagdad 25 000, Makata in Medina 200, Besitzungen in Syrien 19 300 Pfund. Somit im ganzen 167150 Pfund. — Wie dem „R. Wiener Tgbl." aus Salonitt depe- schiett wird, kommt dott in dieser Woche ein Prozeß der Konstanttnopeler Goldschmiede Gebrüder Konstantara zur Verhandlung, die von Abdul Hamid einen Schadenersatz in der Höh« von 40 000 Pfund fordern, weil et auf Gnind falscher Beschuldigungen die Schlleßung ihrer Geschäfte anordnete, eine Maßregel, die sieben Jahre hindurch aufrecht blieb. Einen zweiten Sibadensersatzvrozetz hat der französisch« Oberkoch wegen rückständigen Gehalts angestrengt. Auch der deutsche Arzt Dr. Bier, dem bald nach der Einftihrung der Per- foffiing das Honorar von 500 Pfund monatlich entzogen wurde, hat den gerichtlichen Weg zur Durchsetzung seiner Forderungen betreten
Deutsches Reich.
— Kaiser Wilhelm bei den Ssterreichischen Manövern. Wie der „Post" gemeldet wird, bestätigt es sich, daß Kaiser Wilhelm während der deutschen Manöver sich für drei Tage in das Hauptguartter der österreichischen Manöver nach Mähren begeben wird, wogegen nach Beendigung der österreichischen Manöver der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und Erzherzog Franz Salvawr dem deutschen Manöverfelde einen Besuch abstatten werden.
— Zeppelins Dank. Stuttgatt. 10. Juni. Gras Zeppelin hat an die Stadwerwaltung Göppingen ein Schreiben gerichtet, in dem er allen, die bei dem jüngsten Unfall hilfreiche Hand geboten haben, auf das herzlichste dankt und versichert, was ihm di« Stadt Göppingen erwiesen hab«, werde er bis ans Lebensende in dankbarer Erinnerung behalten.
— Zur Reichsfinanzreform. Die national« liberalen und freisinnigen Mitglieder der Reichs- finanzkommifston werden an der am 12. Juni stattfindenden Sitzung der Kommission zwecks
ich nicht, und Beschäftigung für mein Hetz muß V, haben. Es hat hier lange genug brach gelegen, asso laß Ulli sich nur schon im Voraus etwas für mich anftrengen! Dir, meine schöne, goldene Mama, küsse ich die lieben warmen Hände, die Dir hoffentlich jetzt in der Sommerwärme weniger Schmerzen bereiten, wie in dem bösen, kalten Winter, und bleibe wie immer in treuer Liebe Dein nichtsnutziger großer Junge Max!" —
Aller Schatten war aus dem Gesicht der Geheimrätin entfämunben, während sie mit begierigem Ohr jedem der vorgelesenen Worte folgte. Das war der Sohn ihres Herzens, ihr Erstgeborener, ihr Abgott, die einzige Person, der gegenüber ihr eigenes Ich vollkommen in den Hintergrund trat. Ihr Max hatte ihr auch noch nie eine traurige Stunde bereitet, denn sein sonniger Leichtsinn, der ihn für das Herz der Mutter doppelt bestrickend machte, ging nie über eine gewisse, anständige Grenze hinaus, und Glückskind, wie er war, hatte sich bis jetzt noch nie eine Schwierigkeit in fein Leben geschoben, di« ihm und der in ihm lebenden Mutter zur Sorge hätte anwachsen können. Vielleicht war er nicht ganz so klug, so weitgeistig und begabt wie die Mutter, aber dafür hatte er ein fröhlicheres, ehrlicheres und vertrauenderes Herz, und um dieses nicht zu verletzen, keinen Schatten zwischen ihn und sich kommen zu lassen, verstand die ehrgeizige Frau sich in Gegenwart des vergötterten Sohnes so zu beherrschen daß dieser in ihr nur das sah, was sie ihn sehen lassen wollte, bi« tadellose Gattin und Mutter, die über ihrer Umgebung stehende geistige und großherzige Frau.
Es war daher für das ganze Haus stets eine Festzeit, wenn Max zum Besuche kam. Auch setzt strahlte Ullis Gesicht, und zur Mutter auf«
Feststellung des Berichtes teilnehmen. Dies« Parteien haben ledigllch wegen Verletzung der Geschäftsordnung an der Beratung der neuen Steueranträge nicht teilgenommen; sie werden sich jedoch der Mitwirkung an der Feststellung des Berichte» ebensowenig entziehen wie der Mitwirkung an der Beratung der Regierungsvorlagen.
— Besuch englischer Geistlicher. Hamburg, 10. Juni. Anläßlich des Gegenbesuches der englischen Geistlichen sand heute Vormittag in der Hauptkirche St. Nikolai eine kirchliche Feier statt, woran die Vettreter der staatlichen und kirchlichen Behörden, sowie zahlreiches Publikum teilnahmen. Hauptpastor Grimm und Reverend Marshall hielten Ansprachen, toorin fie betonten, daß die chttst- liche Kirche beider Länder stets auf gute Beziehungen zwischen blutsverwandten Völkern und auf die Erhaltung des Friedens hinwirke. Sologesang, Orgelborträge und Chorgesang bildeten den übrigen Teil der eindrucksvollen Feier. Später wurde eine Rundsahtt um die Alster gemacht und ein Frühstück im Rathaus eingenommen.
— Fürst Eulenburg. Gastein, 10. Juni. Wie hier behauptet wird, ist der zum Kuraufenthalt hier gewesene Fürst Eulenburg gestern abgereist und zwar zunächst nach Salzburg, um dott zu Übernachten, worauf er über Prag nach Berlin zurückkehren wollte. Doch sind zuverlässige Informationen noch nicht zu erhalten gewesen.
— Utteil im Geheimbündeleiprozeß. Dresden, 10 Juni. In dem Prozeß wegen Geheimbündelei wurden von den angeHagten zehn russischen Studenten zwei zu j« zwei Monaten, zwei zu je sechs Wochen, einer zu einem Monat Gefängnis vetur- telt. Die Strafen wurden als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. Die übrigen Ange- llagten wurden freigesprochen.
Ausland.
** Frankreich. Paris, 10. Juni. Die Polizei nahm in den Wohnungen von 23 Anarchisten oder Syndikalisten, darunter Hetv6 und Erandjouan, Haussuchungen vor, weil sin im Verdacht stehen, die Organisation zur Unbrauchbarmachung der telegraphischen und telephonischen Linien in die Wege geleitet zu haben. In den Wohnungen von fürs Anarchisten wurden Briefe gefunden, die zur Vergleichung der Handschriften und Druckschriften revolutioären Inhalts dienen werden. Im übrigen sind die Haussuchungen ergebnislos ausgefallen.
** Spanien und Marokko. Madrid, 10. Juni. Einer Meldung des „Jmparvial" aus Tanger zufolge ist man dort überzeugt, daß die Rückkehr des spanischen Gesandten Merry de Val nach Tanger unmöglich geworden ist. Allein der Bries des Sultans an König Alfons, aus dem das Bestehen einer gewissen Animosität zwischen dem Minister des Aeußern El Eebbas und Merry de Val hervorgeht, dürfte ein ständiges Hindernis für dessen Rückkehr sein. El Gebbas erhielt überdies ein eigenhändiges Schreiben
schauend, sagte fie fröhlich: „Wenn er nur erst hier wäre! Sieh nut, Mamachen, was für ein Glückspilz der Junge ist! Die Rita ist birett für ihn heute vom Himmel heruntergefallen. Etwas Besseres kann er sich ja garnicht wünschen!"
„Ja, di« werden gut zueinander passen!" lächelte die Mutter. „Gib mir den Brief in die Hand? Ich möchte ihn doch einmal selbst durchlesen." Und dabei flog über das leblose, weiße Papier ein so zärtlicher Blick, wie er das lebens-, warme, rosige Gesicht der Tochter niemals traf. Aber Ulli liebte den schonen, lustigen Bruder selbst zu sehr, um über seine Bevorzugung Eifersucht zu empfinden. Sie schob das Blatt sorgsam in die Finger der Mutter, und nachdem sie von einem Kissen eine hochhaltende Stütze dafür errichtet hatte, meinte fie: „Wenn der Papa nur ’ wirklich morgen käme, wie er versprochen hat, damtt Du ihn noch etwas auf Maxens Pläne vorbereiten könntest!"
lieber das Gesicht der schon in den Brief vertieften Mutter flog ein schneller Schatten, und ihr« Stimme klang lange nicht so freundlich und weich wie vordem, als fie antwortete: „Da ist Max leider in einem Irrtum befangen. Ich kann nach dieser Seite hin garnicht für ihn wirken. Papa hat die Eigentümlichkeit, alles, was in feine Wissenschaft hmeinschlägt, als unerreichbar für jeden anderen Menschenverstand anzusehen und barin keinem den leisesten Einfluß zu erlauben. Wenn der junge Mann nicht für sich und durch sich selbst wirkt, dann roitb ihm all unsere Protektion nicht einen Pfiffet/ ling nützen. Uebrigens ist es mit, als hätte, ich den Namen schon früher von Max nennen, hören, kann mich aber nicht mehr entsinnen/ wie und was mit der Persönlichkeit dieses Hein-, rich Werner zusammenhing." (Forts, folgt.) !
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