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- mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLondwirtschaftilche Benage. '

M 131

SieGbrrhrsftschr Irttmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Dienstag. 8. Jmii 1909.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Foh. Ang. Koch, UnioerfltätSbuchdruckere« Jnbaber Dr. E. Hitze roth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg«

Msaes

Der heutigen Auflage für den Kreis Kirchhain liegt Kreisblatt Nr. 43» bei.

Zur Reichsfinanzreform, schreiben die gut unterrichtetenBerl. Pol. Nachrichten":

Immer wird in der Presse dem Reichs- kanzlet gegenüber der Vorwurf erhoben, feine Haltung zu den Steuer- und Finanzfragen im Reiche lasse die Klarheit und Festigkeit ver­missen. Es ist unverständlich, wie ein solcher Vorwurf ernsthaft erhoben werden kann. Der Kanzler hat bei den verschiedensten Gelegen­heiten seine Stellung zur Reichsfinanzreform tIl* und unzweideutig zu erkennen gegeben, und wenn er zu den letzten Beschlüssen der Reichsfinanzreform sich noch nicht endgültig ge- Kuhert hat, so liegt der Grund dafür wahrschein­lich offen genug zu Tage. In dieser Frage müsien die verbündeten Regierungen sich ins Benehmen setzen und Stellung nehmen. Erft wenn dies geschehen ist, kann der Reichskanzler sich ver­bindlich äußern. Zu diesem Zwecke find ja für nächsten Dienstag die Finanzminffter der Ein­zelstaaten zu einer Konferenz nach Berlin be­rufen.

DieRordd. Allgem. Zeitung" be­schäftigt sich in ihrem Wochenrückblick mit den .Beschlüssen der Finanzkommission und jbeseiibnet es zunächst schon als bedenklich, wenn von der Kommission in den Finanzgesetzentwurf . neue materielle Steuervorschriften_ hineingear- !bcitet mn^en. die mit den Porschlägen der Re« aierailg nicht zusammenhängen. Dann fährt das 'Blatt fort: Noch schwerer wiegen die sachlichen Bedenken, insbesondere gegen drei der einge- ' fügten Steuerprojekte: die Steuer auf Wert­papiere, die Mühlenumsatzsteuer und der Kohlen­ausfuhrzoll. In erster Linie ist es die soge­nannte Kotierungssteuer, welche für den Handel und die Industrie, wie Überhaupt str die ge­samte deutsche Volkswirtschaft verhängnisvolle Folgen haben würde. Die Steuer ist ungerecht, denn sie trifft den Aktionär, auf den sie abge­wälzt wird, nicht nach seiner Leistungsfähigkeit; sie verstößt überdies gegen die anerkannte Not­wendigkeit, den gesamten Besitz heranzuziehen, und enthält einen Eingriff in die Rechte und Interessen der deutschen Einzesstaaten, da sie als Einkommen- und Vermögenssteuer die diesen zustehenden Einnahmenguellen angreift. Der dem Reich daraus zufließende Gewinn würde in keinem Verhältnis zu der schweren Schädigung der Handels und der Industrie stehen, die die unausbleibliche Folge einer derartigen Belast­ung wäre. Rur eine nach der Leistungsfähigkeit abgestufte Steuer auf den gesamten Besitz kann den Anforderungen sozialer Gerechtigkeit ent­sprechen. DieRordd. Allgem. Ztg." gibt so­dann die Einwendungen der Reichsschatzsekretär gegen diese Steuer nach dem nunmehr vorlie­genden Stenogramm im Wortlaut wieder und bezeichnet es als durchaus verständ­lich wenn die berufenen' Organisationen

des Handels und der Industrie sich zu einem Protest zusammengetan hätten, den weder der Reichstag noch die verbündeten Regierungen würden unbeachtet lassen dürfen.

Auch durch die Mühlenumsatzfteuer würde einem großen blühenden Gewerbe ein schwerer Nachteil zugefügt, ohne daß die Reichskasse oder andere Erwerbszweige daraus Nutzen ziehen würden.

Der Kohlenausfuhrzoll, der, leichter als jede andere indirekte Steuer auf die Berbmu- cher abgewälzt, der deutschen Industrie den internationalen Wettbewerb weiter er­schweren würde, sei ebenfalls eine ungeeignete wirtschaftliche Maßregel. Was Deutschland zur Zeit gebrauche, sei die Finanzreform, und je länger die Beschäftigung damit dauere, desto mehr stelle sich heraus, daß die ursprünglich be­tretenen Wege die richtigen seien. Die Regier­ungen hätten sich nicht davon überzeugen kön­nen, daß an Stelle ihres Plans, den Besitz durch Besteuerung der Erbschaften heranzuziehen, et­was besseres gesetzt werden könne. Sie mürben daher an ihrem Plane fest halten, eine progressiv gestaltete Erbschaftssteuer ein­zuführen und auf sonstige Besitzabgdben nur in­soweit zurückgreifen, als die Umgestaltung der Nachlaß in eine Erbanfallsteuer die ur­sprünglich vorgesehenen Erträge vermindert.

Vom Flottenverein.

RUI, 5. Juni. In Gegenwart des Prinzen Heinrich von Preußen wurde heute Vormittag um 9 Uhr in der Aula der hiesigen Universität die 9. Hauptversammlung des Deutschen Flottenver­eins durch den Präsidenten Großadmiral v. Köster eröffnet. Nach einer kurzen Ansprache des Präsi­denten, die in ein begeistert aufgenommenes Hurra aus den Kaiser ausklang, begrüßte Prinz Heinrich als Protektor des Flottenvereins die Versamm­lung und drückte dabei seine Freude aus, daß der Verein wieder in Einmütigkett zusammenstehe. Er drückte die Hoffnung aus, daß -die barometrische Depression, die über dem Flottenverein gelegen habe, für immer gewichen sei. Der Prinz gedachte sodann in Dankbarkeit des ehemaligen Präsidiums und beglückwünschte den neuen Präsidenten v. Köster für den von Erfolg begleiteten Aufwand an Mühe und Arbeit. Der Prinz fuhr fort: Die Herren werden von mir hören wollen, wie ich über die weitere Tättgkeit des Vereins denke. ES dürste nicht meines Amtes sein, diesen absolut unab­hängigen selbständigen Verein in irgendeiner ' Weise zu beeinflussen. Vielmehr ist dieS Sache Ihres ersten Präsidenten. Dürste ich mir jedoch einen Rat erlauben, so würde derselbe dahin lau­ten, daß der Verein besonders aufllärrnd wirke be­züglich der Bedeutung des Flottengesetzes, über dessen Inhalt, sowie über seine geschichtliche Ent­wickelung in unserer Bevölkerung noch manche Un­klarheit herrscht. DaS Festhalten an diesem Flol­tengesetz aber dürste die Grundlage für den Wir-

15 (Nachdruck verboten.)

Mn Komrrrertraum.

Roman von Ä. van Beeker.

(Fortsetzung.)

Heinz hätte den Vries ungelegt zerreißen und seine Fetzen in die Winde streuen mögen, aber statt dessen preßten sich seine Lippen auf dieses gelbe, matte Papier, dem derselbe wür­zig: Nelkendust entströmte, der ihrer Gestalt untrennbar anzuhaften schien, und seine Blicke eilten sekundenlang wie blind über die im Schimmer seiner Tränen verfchwimmenden, schlanken, festen Buchstaben der geliebten, treu­losen Hand. Dann las er: .vergib mir, Ge­liebter es ist das Einzige, was ich von Dir erflehe. Ich sage nicht:liebe mich, glaube an mich, bleibe mir treu!" All das, was doch als Liebstes und Höchstes vor meiner Seele schwebt, ist aus dem Bereiche meines Hoffens und Wün­schens gestrichen. Vergiß mich, verachte mich, wenn es nicht anders sein kann, aber vergib Mir! Nein, Heinz, es war kein Spiel, das ich mit Dir trieb, und wenn es vielleicht auch im Anfänge mir nur als solches schwebte ach, Geliebter, so habe ich die Schuld teuer bezahlt, ich habe mich dabei selbst verloren! Glaube mir mein brauner, teurer Knabe, es ist nicht mein Wohl, an das ich denke, wenn ich jetzt das Bind zwischen uns hoffnungslos zerreiße, es ist vor allem das Deine. Ich trenne Dich von mir, solange es noch Zeit ist, solange diese Liebe noch leicht und lose in Dir wurzelt und Deine un­gebrochene Jugendkraft Dir hilft, den augen­blicklichen Schmerz schnell und leicht zu über­winden. Nein, nicht leicht, ich weiß es, aber glaube mir leichter als das Festhalten an mir. Ich passe nicht in Deine Bahnen! Zum Sputen sind wir beide nicht die Naturen, und zum Ernst

--o, Kind, glaube mir, es gibt keine Ewig­keit der Gefühle, und an den Hindernissen ver- chiedenet Lebenslagen und Ansichten zerschellte chon manches starke Herz und manche allmächtig cheinende Liebe! Du siehst es jetzt nicht ein, aber einst wirst Du mir danken, daß ich den Mut besaß, uns den goldenen Sommertraum vor dem langsamen herbstlichen Welken und winterlichen Erkalten zu bewahren. Es war so schön, so schön, daß ich ihn festgehalten habe mit eilet Kraft meines Willens bis zur äußersten Grenze. Solange ich mich noch selbst belügen konnte, daß unsere Gefühle nur Spiel seien so­lange ich die Schranke der Freundschaft zwischen uns auftecht zu erhalten verstand, solange durste ich ihm seine sonnige Dauer gönnen. Mit dem Geständnis meiner Liebe, mit dem ersten Kuß w"t sein Ende besiegelt! O, Heinz, Heinz, nenne mich nicht kalt und herzlos! Du weißt es nicht, wie schwer es mir wird, wie schwach mein Herz ist, so schwach, daß, wenn Du jetzt neben mir ständest und mich mit den geliebten, braunen Augen ansähest, all meine Vernunft, all mein besseres Erkennen nicht standhielte vor dem leidenschaftlichen, sehnsüchtigen «erlangen nach Dir, nach Deinem Besitze! Aber Mischen uns liegt die Nacht, und wenn der Morgen kommt, dann bin ich fern von Dir. und die Wett, der ich gehöre, legt ihre Hand auf mich und sagt:Du bist mein, Du darfst nicht andere Götter haben neben mit!" And sie hat recht. Lebe wohl, mein Geliebter! Suche mich nicht, denn wenn Du mich findest, verloren bin ich Dir doch für alle Zeit. Aber glaube mir, was auch je durch mein Leben zog, was ich auch je empfand, wahrer war nie etwas wie da» Wort, das ich Dir gestern fang:36 liebe Dich, wie ich tm Leben noch nie Ledeudig«^eli^tk^^

Hein, suchte Lori nicht « wußte auch

kungskreiS des Flottenvereins bilden. Es unter­liegt keinem Zweifel, daß es den bisherigen Be­mühungen des Vereins gelungen ist, das deutsche Volk über die Wichttgkeit und Bedeutung der Sta­tine aufzuklären. Ein geeintes Volk aber, wie daS deutsche, bedarf eines Schwesterpaares, wie ein sol­ches dargestellt wird durch unsere ruhmreiche, in Hunderten von Kämpfen erprobte Armee und durch unsere junge, arbeitsame Statine, um seine Sicklung sowohl als auch den endlich errungenen Frieden zu wahren und würdig dazustehen in den Reihen der friedliebenden Mächte. Gelänge es dem Verein, solche Anschauungen zu verbreiten, so glaube ich mtt Bestimmtheit sagen zu können: Et hat seine Schuldigkeit getan. (Lebhafter Beifall.) Weitere Begrüßungsansprachen hielten Oberptäsi- dent der Provinz Schleswig-Holstein, v. Bülow, zugleich als Vettreter der Königlichen Staatsregie- tuug, der Chef bet Marinestatton der Ostsee von Prittwitz und Gaffron und Oberbürgermeister Dr. Fuß namens der Stadt Kiel. . Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetteten. Nachdem Groß­admiral v. Kostet seine Rede gehalten hatte, gab der äcschäftsführende Vorsitzende Kontteadmital Webet den Rechenschaftsbettcht, bet bie Zusttm- htung der Versammlung fand. Sodann wurde an den Kaiser ein Huldigungstelegramm gesandt. Auch an den früheren Präsidenten deS Flottenvereins, Fürsten Salm-Honnat wurde ein Begrüßungs! klcgramm gesandt mit der Bitte, als Anerkennung für die unvergänglichen Verdienste um den Flottenverein dessen Ehrenmitgliedschast entnehmen zu wollen. Sodann wurde bet bisherige Vorstanb mit aroßet Mehrhett wiebergewählt. Ws Ort bet nächsten Tagung im Iahte 1910 wurde Berlin bestimmt. Nach Erledigung einiger inter­ner Angelegenheiten wurde die Tagung um 1 Uhr geschlossen.

Politische Umschau.

Prinz Ludwig von Bayern zu bett bayerischen Schifsahrtsftagen.

Kitzingen, 6. Juni. Abenbs begann ht Kitzingen mit einer Begrützungsversammlung bie Tagung bei 19. Hauptversammlung bes Vereins zur Hebung ber Fluß- unb Kanalschiffahrt in Bayern. Der Versammlung wohnte Prinz Lubwig bei. Im Verlauf bctfelben ergriff biefer bas Wort unb fühtte u. a. auS: Der Main gehött zum Rheingebiet. Wenn baS Stammgebiet deS Rheins ausgebaut werben soll, wäre es ja gerabezu sünd­haft, wenn ber Main vernachlässigt werden sollte. Beim es der Fall ist, baß burch die projekttetten Schissahrtsabgaben Geld flüssig wird, um die sämtlichen Seitenflüsse des Rheins anzubauen, können wir speziell in Unterstanken recht wohl da­mit zufrieden fein und sollte es mich freuen, wenn endlich einmal vorwärts gegangen würde unb man nickst immer sagen würde, ti fei wegen eines

ohne ihre beschwörenden Worte, daß sie V'm ver­loren sei für alle Zeit. Aber die idealste, voll­tönendste Saite seiner Seele war zerrissen, und ttfa er am folgenden Tage auf demselben Wege, der ihn vor gmei Wochen in das friedlich stille Tal fühtte. ihm nun den Rücken kehtte, da ließ er hinter sich seine Jugend und den Glauben an br; Glück.

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Motto: Wir nehmen bie wenigen seligen Stunden AIS Borschuß auf tünffge, vollkommene Zeit, Die vollkommene Zett wird nie gesunden, Die Stunde, da? war bie Eiligkeit.

Schiebe den Wagen etwas zurück, Ulli ich fitze fast in der blanken Sonne! Es ist schrecklich, wenn man so hilflos und immer von den Rück­sichten und Besonnenheiten anderer Menschen anhängig ist. Du bist auch nicht da, wenn man Dich braucht, und Zöllner hat seine Gedanken immer, wo et sie nicht Haden soll, aber niemals bei seinem Amt und meiner Person!"

Aber, li-be Mama, Du hattest ihm ja nur sagen dürfen, daß er Dich etwas mehr unter den Baum schob. Außerdem steht die Glocke hier dicht neben Dir aus dem Tisch."

Ich will aber nicht alles immer erst sagen und die Glocke ewig in Bewegung haben müssen. Meine Leute sollen ab und zu auch selbständig denken und Interesse an mir und meinem Be­finden nehmen."

Das blonde, schlanke Mädchen schob den Krankenwagen der Mutter sorgsam etwas tiefer in den Schatten der großen Linde, durch deren dichte Blätterfülle sich die Eonnenfttahlen auch nach dem vortaen Platz nur eine Art Schleich­weg gebahnt hatten. Ihr ging selten die Ge­duld aus, die ste so nöttg brauchte im Dienste der noch immer schönen, herrlichen Frau, der da» Leiden keine Grziehungsschule, sondern eine un­erschöpfliche Quelle des Grolls geworden war.

Nachbarstaates nicht zu hoffen, auS dem Grunde, weil die Fragen der Schiffahttsabgaben nicht ge­regelt sind. Es ist ober nicht bloß Preußen, es ist das Deutsche Reich beteiligt, auch die Niederlande imb Oesterreich. Mögen sich auch die Schiffahrt-- abgaben nicht in dem Sinne lösen, wie Preußen tvill, so hoffe ich doch, daß sich Mittel finden lassen, daß ber Main ausgebaut wird. Das Gegentell wäre gegen bie Interessen des Landes, des ganzen Deutschen Reiches, am meisten gegen die Interessen bei nördlichen Bayerns. Der Pttnz fühtte aus: Was man machen kann, habe ich vor einigen Wo­chen in Karlsruhe gesehen. Wer hätte gedacht, daß Karlsruhe Rheinhafen wird? Ich habe Rhein- schiffe unmittelbar vor Karlsruhe landen sehen; das ist eine Stadt, die nicht an einer größeren Wasserstraße liegt und den Weltverkehr an sich zieht.

Süddeutsche Abgeordnete und die preußische Polenpolittk.

Wir berichteten kürzlich über eine Studienfahtt süddeutscher Abgeordneter nach der Ostmatt, um sich über die Wirffamkeit der preußischen Anfied- lungskommission zu informieren. Der Reichstags« abgeordntte Woelzl veröffentlicht jetzt in den »Münch. Neuesten Nachrichten" einen Artikel über die Studienfahtt, an der er teilgenommen hat, und schreibt darin:Die Ansiedelungspolitik selbst ist eine innere Angelegenheit des preußischen Bun­desstaates. Aber um den Kampf um das nationale Volkstum erfolgreich diirchzukämpsen, bedarf Preu­ßen der moralischen Unterstützung des ganzen denffchen Volkes. Daß Preußen diese moralische Unterstützung braucht, daß es sie verdient, das ist der stärkste Eindruck und die wichttgste polittsche Ettahnmg, die wir von unserer Osttnarkensahtt heimgenommen haben." Nicht überraschen wird es, daß freisinnige Blätter die Wirkung dieser An­schauungen durch die Behauptung aufzuheben sich bemühen, daß die Abgeordneten nichts selb­ständig hätten beobachten können. So druckt bie Frkf. Ztg." bereits einen Attikel eines Posener Blattes ab, ber in biefem Sinne gehalten ist. Es ist eigentlich ein stattes Stück, den betreffenden Ab- georbneten so von vornherein jedes krittschc Ver­mögen unb selbständige Beobachtung abzusprechen!

Deutsches Reich.

Verleihung Berlin, 5. Juni. Der Kaiser verlieh Frau Mofse, ber Gemahlin des Ver- lagsbnchhändlers Rubolf Mosse, in Anerkennung ihrer wohltätigen und gemeinnützigen Wirksamkeit den WilhelmSorden. Wirklicher Geheimer Obet-Regietrngsiat Dr. Schmidt vom Kultus- ministettum übereichte die Auszeichnung gestern mtt einer kurzen Ansprache.

Landtags-Ersatzwahl. Wiesbaden, 6. Juni. Nach einem Telegramm derWiesbadener Ztg." auS Diez beschloß die heutige Vertrauens- unb

Auch jetzt fuhr die Dame, dem sanften Blick der Tochter begegnenb, heftig fort:Ich wünschte ernstlich, Ulli, Du setztest nicht ewig diese Opferlamm-Miene aus! Ich verlange wirklich nicht genug von Dir, um sie zu motivieren. Zu- gegeben daß es schrecklich ist, eine an Armen und Seinen gelähmte mißlaunige Mutter "i haben, so wird die Sache doch nicht besser, renn Du als lebendige Anklage gegen dieses Schick­sal stets leidensvoll vor mit herumschwebst!"

Aber liebe Mama, wie kannst Du nur so sprechen?" Und Ulli beugte sich zärtlich auf die verkrümmten, reglos tm Schoße der Mutter ruhenden Hände herab.So unsäglich ich Dein Los auch bedauere, so kommt es mir doch nie­mals in den Sinn, deshalb als anklaaendes Opferlamm herumzugehen. Es tut mir nur immer web daß so selten mit mit zufrieden bist, und ? es so wenig verstehe, nach Deinem Geschmack xu sein."

Die Frau Geheimrat Wendenberg zuckle ärgerlich die Achseln. Ja, es wäre schon besser, wenn wir unser Temperament tauschen könntet, ich etwa» von Deiner mattgeistigen, saust- mütigen Geduld etwas abbekärne und Du ein Fünkchen von der mich fast verzehrenden Lebens­lust, Kraft und Lebendigkeit in Dir hättest. Aber Du schlägst leider ganz dem Vater nach!

Es lag in dem Tone dieser Behauptung eine gewisse wegwerfende Nüance, die der leiden­schaftlich am Vater hängenden Tochter ttotz ihrer sonstigen Unterwürfigkeit für die Launen unb Ausfälle der Mutter ein tieferes Rot in Me Wangen trieb und die beinahe zurechtwei- seud klingenden Worte in den Mund legte: Ich meine, daß ich dabei nicht schlecht gefahren wäre, und tatnv mit nichts Besseres wünschen, als einstmals in der Achtung und Liebe meinet Mitmenschen nur annähernd so hoch zu stehen wie mein Vater." (Forts, folgt.)