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44. Jahrg,

Druck und Berlaar Joh. Auq. Koch, ÜntversttätSbuchdruckere, Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

Marburg

Sonntag. 6. Juni 1909.

DieAbrrhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der zs t. »-x... Der Bezugspreis beträgt viertel» !5 Mk. (ohne Bestetzeld), bei

IS Sonn- und Feiertage. ...

* jährlich durch die Post bezogen 2,21____ m

unser» Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

Zweites Blatt

Ausfuhrhandel und Tarifverträge. K Wie sich aus den endgültigen Ziffern der Deutschen Handelsftatistik für das Jahr 1908 er« fiibt, ist die Ausfuhr Deutschlands in diesem Zeitrauur erheblich weniger zurückgegangen al« die anderer Länder. Jedenfalls Haden sich die fffiWSen, die angesichts der die ganze Welt beherrschenden ungünstigen Konjunktur gchegt Durden, in bezug auf den deutschen Ausfuhr­handel kerneswegs erfüllt. Das vergleichsweise günstige Ergebnis ist, wie die amtlichen Zahlen erkennen lassen, in erster Linie unseren mit den wichtigeren europäischen Staaten abgeschlossenen Handels- und Tarifverträgen zu danken.

Während die deutsche Eesamtausfuhr (ohne den Edelmetallverkehr) von 6845,2 auf 63985 Millionen Mark, also um 446,7 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahre zurück«

ging, ist die Ausfuhr nach den zehn europäischen Staaten, mit denen wir Tarifverträge haben zusammen von 2524,1 Millionen auf 24958 Millionen Mark, also nur um 28,3 Millionen Mark S>er 1,1 vH. gesunken. Und dieser Rück­gang ist lÄiiglich durch die Minderausfuhr nach drer von den zehn Vertragsländern heroorge« Iufen. In erster Linie nach der Si^veiz, wohin unsere Ausfuhr von 446,4 Millionen Mark im Ubre 1907 auf 401,0 Millionen Mark im Jahre ""hi" um 45,4 Millionen Mark oder 10,1 vH. fiel. Daneben nach Belgien (20,1 Mill. Wark) und nach Schweden (12,5 Millionen smf). Nach den übrigen europäischen Tarif- vertragsstaaten ist der deutsche Erport trotz der wrrbckm.ftlichen Depression gestiegen, so nach Oesterreich-Ungarn von 716,6 auf 736,8 Mill. Mark, also um 20.2 Millionen Mark oder 28 Ur>.. »ach dem europäischen Ruhlas von 420,6 434,6 Millionen Mark, das heißt um 14,0 tonen Mark oder 3,3 vH., nach Italien von 302 9 auf 311,3 Millionen Mark, also um 8 4 Millionen Mark oder 2,7 »$>., und nach den Balkanstaaten Bulgarien, Rumänien, Serbien And Griechenland zusammen von 108,1 Millionen Mark auf 115,2 Millionen Mark, mithin um 7,1 Millionen Mark oder 6,6 vH.

Wahrend unsere Ausfuhr mithin nach der Mehrzahl derjenigen Länder, mit denen wir Tarifverträge abgeschlosien haben, zugenommen hat, ist sie nach den Landern, mit denen wir in keinem Tarifvertragverhältnis stehen, von 4321,1 Mill. Mark im Jahre 1907 auf 3902,7 Mill. Mark im Jahre 1908. also um 418.4 Mill. Mark »der 9,6 vH. gegenüber dem Vorjahre zurückge­gangen.

So fiel die deutsche Ausfuhr nach den Ver­einigten Staaten von Amerika im Jahre 1908 SAen das Vorjahr von 652,3 auf 507,5 Mill. Mark, das ist um 144,8 Mill. Mark oder 22,2 D§.; nach Argentinien von 179,2 auf 147,0, also tlm 32,2 Mill. Mark oder 18 vH.' nach Brasilien von 104,1 auf 84,4 = 19,7 Mill. Mark oder 19

14 (Nachdruck verboten.)

M« Ssmmertraum.

Roman von Ä. van Seefet.

(Fortsetzung.» 'k,

, Als er dieselben wieder öffnete, war es schon foüt am Morgen, und mit einem gewisien Ge­fühl der Befriedigung berechnete Heinz, daß er nicht allzulange Zeit hinzuschleppen habe, dis er hinauf dürfe zur Villa, um die Hand auf sein Glück zu legen und zu fühlen, daß es wahrhaftig und wirklich sei, was wie ein schöner Traum vor seiner Seele schwebte.

Endlich hielt Heinz es nicht mehr aus unter den Linden bei dem streng wissenschaftlichen Werk, das er sich, um seine Gedanken zu bezwin­gen, mit hinunter genommen hatte und besten Studium er so gründlich betrieb, daß er sich end­lich dabei ertappte, es verkehrt in der Hand zu halten und aus jedem Buchstaben nur Loris schlanke Gestalt und leuchtende, zärtliche Augen herauszulesen. Lachend das Heft ins grüne, taufeuchte Gras werfend, nahm er hastig den leichten Filzhut, der seit gestern seinen dem Seegott geopferten Bruder ersetzte, und stieg, die sich weich und lässig über seinen Weg schie­bende Katze im Vorbeigehen streichelnd, den wohlbekannten steilen Pfad empor. Sein Herz klopfte heiß und unruhig, und je näher er sei­nem Ziele kam, desto voller umfing ihn das Ge­fühl eines grenzenlosen Glückes, das dort oben cm Wege stand und seiner wartete. Nie war ihm die Welt so wunderschön und wonnig.er­schienen wie heute. Die nicht ganz zum Durch­bruch kommende Sonne, die mit den noch jetzt nni diese schon vorgeschrittene Stunde aus dem Tale. aufsteigenden silberschimmernden Nebel- »shleiern kämpfte, hüllte alles in das weiche, temmernbe Licht eines Märchenbildes, aus dem

vH.s nach Mexiko von 58,7 auf 36,9 Mill. Mark also um 21,8 Mill. Mark oder 37 vH.: nach Chile von 84,8 auf 52,4, d. h. um 82,4 Mill. Mark .ober 38 vH.,' nach China von 63,2 auf 50,7 Mill.

ober um 12,5 Mill. Mark oder 20 vH.: »ach Japan von 102,4 auf 94,6 Mill. Mark, also um Mill. Mark = 7,6 vH.; nach Alpten »-NR.5 auf 30,9 Mill. Mark = 21 vH^nach Großbritannien von 1060,4 auf 997,4 Mill. Mark ~ 8 vH > «ach Frankreich von 449,1 auf 437,9 Mill. Mark 2,5 vH.

Vorstehende Daten lasten die erfreuliche Tat- fache^erkennen, daß die Zolltarifverträge, die Deutschland mit einer Reihe von Staaten des europäischen Festlandes verbinden, und deren Zahl demnächst durch den deutsch-portugiesischen Vertrag vermehrt werden wird, für unter m 5IusfuWnM die ungünstigste Konjunktur des Jahres 1908 wesentlich gemildert haben.

---- g Französische Mobilmachungs- Bestimmungen.

f ^Während in Frankreich im Verlaufe der letzten Jahre mehrfach Bearbeitungen über das deutsche Herr erschienen find, die eine beachtens- sverte Kenntnis unserer Armee bekunden wurde tn Deuschland bisher noch nicht der Versuch unternommen, die Einrichtungen und die Be­schaffenheit des französtschen Heeres in einer zu- l""Enfastenden, erschöpfenden Darstellung zu veröffentlichen. Diese Lücke auszufülle«, hat sich ein Buch zur Aufgabe gemacht, das sein Ent- stehen jahrelangem, eingehendem Studium aller die französische Armee betreffenden Dienstvor­schriften verdankt und unter dem Titel Die französische Armee" in den nächsten Tagen im Verlage von E. S. Mittler u. Sohn rn Berlin erscheinen wird. Bei her hohen Be­deutung, die dem französischen Heere unter den Armeen der großen europäischen Militärmächte zukommt, wild diese Schilderung der mili- tarrschen Organisation unserer westlichen Rach- barn allgemeine Beachtung erwecken. Das Werk mldet namentlich ein unentbehrliches Rach- und Studienwerk für jeden deutschen Omzrer, der die genaue Kenntnis der fran­zösischen Armee als unerlätzlich für sich be­trachtet.

Die französische Mobilmachung ist wahr- Wernlich in ihrer Durchführung einfach. Ein Blick auf die Earnisonkarte des Landes zeigt daß mit Ausnahme der Rordost-, Ost und Süd- grenze, sowie der Umgebung von Paris die Truppen ziemlich gleichmäßig über das Gebier verteilt find. Jedes Subdivision-Regiment der Infanterie steht schon im Frieden in der un­mittelbaren Nähe des Ergänzungsbezirkes, aus dem es im Mobilmachungsfalle seine Ergänz­ungsmannschaften erhält. Da die Bevölkerung Frankreichs, sich so gut wie gat nicht vermehrt, außerdem fe^r seßhaft ist, so kann man an- nehmen, daß umfangreiche Mobilmachungs­transporte im allgemeinen nicht erforderlich find. Nur die Mobilmachung der Truppen an der Ostgrenze, der Ueberschuß an Mannschaften

Sträucher und Bäume geheimnisvoll und in unsicheren Umristen, wie einer anderen Welt an­gehörig, hervorschauten. Gräser und Blumen standen feuchtglänzend, als hätten Elfen über sie geweint, und die langsam sie durchdringenden Sonnenstrahlen sprühten zeitweise ein fuiUelnd buntes Brillantlicht in diese träumerisch stille, silberschimmernde Welt, durch die ein leises, zit­terndes Atmen von unausgesprochener Seligkeit und ahnender Wehmut webte.

Halb bang, halb erwartungsvoll, glücklich, strebte Heinz seinem Ziele zu, und wie ein Schatten fiel es auf seine gehobene Stimmung, als er, dicht vor der Villa stehend, und jetzt erst in bet Nähe deutlich ihre Umriste unterscheidend, alle Fenster geschloßen sah und also annehmen mußte, daß Lori noch immer schlafe. Unmutig wollte er sich eben weiterwenden, um mit einem Gang in den Wald hinein die ihm endlos dün- kende Zeit des Wartens abzukürzen, als hinter der bekannten Eittertür der weißhaarige Kopf des alten Gartners erschien, der Haus und Garten zu versehen und von dem Lori beides gemietet hatte. Dem sich eben unschlüssig Ab­wendenden mit der braunen, zitternden Hand winkend, rief et mit heiserer Ereisenstirnme: Halt, junges Herrle, halt? I' hab' noch a Briefle von das Frölen an Sie abzugebe. Sie hats mir auf die Seel' bunden, daß es noch heut' in Ihre Händ' kämmt, und wenn Ihr Weg Sie nit hier vorüberführt hätt', denn müßt i' hin­unter ins Dorf klimme. Warte Sie, i' hol' ihn glei'!" Damit haftete er eilig dem Hause zu, während Heinz verständnislos und wie betäubt ihm langsam durch die Eittertür auf dem wohl­bekannten Wege nach dem Hause folgte.

Ehe noch klares Denken und Verstehen bei ihm zum Durchbruch gekommen waren, ftanb auch der Alte vor ihm und hielt ihm einen IleU

in den volkreichen Bezirken von Pari», Lyon, Marseille und Lille wird größere Transporte in östlicher und südlicher Richtung Während der Mobilmachungsspertode erfordern.

Alle Mannschaften erhalten schon im Frieden ihre Mobilmachungsbestimmung ausgehändigt. Den Bezirkskommandanten, Truppenteilen unb bet Gendarmerie erwächst hierdurch eine große Friedensarbeit. Dafür ist mit Eintritt der Mobilmachung im allgemeinen nichts mehr zu verfügen. Die Manschaften begeben sich ohne weiteres an die ihnen bekannten Plätze. Die Leute der vier jüngsten RefervejahresNasten werden den attiven Truppenteilen, die älteren bett Reserveformationen und den Depots über­wiesen. Die Territorial-Jnfanterieregimenter ergänzen sich ebenfalls aus der Subdivision. 3ebes aktive Infanterieregiment macht sein Reserve- und Territorialregiment mobil. Pferde, Fahrzeuge und Geschirre werden durch beson­dere Aushebungkommissionen dem Lande ent­nommen und nach Bedarf auf die Truppen ver­teilt. Mobilmachungsorte find im allgemeinen die Depots der Regimenter. An bet Grenze liegen sie meist rückwärts des eigentlichen Ear- nisonortes.

Der Kttegsminister bat nach dem Wehrqesetz schon in Zeiten politischer Spannung das Recht, für die Mobilmachung vorbereitende Maß­nahmen zu treffen. Er kann den zu entlastenden Jahrgang über die gesetzliche Zeit bei den Fah­nen zurückbehalten und übende Mannschaften der Reserve auch nach vollendeter Hebunaswt bei der Truppe belasten. Er kann ferner mit Zustimmung des Ministerrates den jüngsten Jahrgang her Reserve einberufen. Auf diese Weise ist der Ktiegsministet schon vor Ausbruch der Mobilmachung in der Lage, die Stärken der aktiven Truppenteile unauffällig zu er­höhen.

Das französische Armeekorps besteht bei nor­maler Zusammenstellung aus 24 Bataillonen, 8 Eskabrons unb 30 Batterien mit 120 Ge­schützen. Anscheinend treten zum Armeekorps im Mobilmachungsfalle noch fetf-s Batterien unb eine Referve-Jnfanteriebrigade zu sechs Ba­taillonen. Frankreich verfügt bei einet Mobil­machung über das erste bis achtzehnte, das zwan­zigste Armeekorps unb das Kolonialkorps, mit zusammen 43 Infanteriedivisionen Es ist nicht ausgeschlosten, daß hierzu nock Teile des in Algerien und Tunesien stehenden 19. Armee­korps treten. Ferner sind schon im Frieden acht Kavalleriedivisionen votbanden. Jedes Armeeekotps, mit Ausnahme des neunzehnten und des Kolonialkotps- übet die nichts bekannt ist, formiert vermutlich eine Reservedivision. Ob sie alle gleichmäßig zusammengesetzt sind, ist zweifelhaft.

Das Feldheer besteht aus den aktiven Armee­korps. und wird in mehrere Armeen gegliedert. Die für die Ostgtenze bestimmten Armeen führt der Generalissimus,, der im Frieden Vizeptä- stdent des Kriegsrates ist. Die im Sudosten bereitgestellten Kräfte werden vielfach als Armäe des Alpes" bezeichnet. Die Reserve­divisionen scheinen in Gruppen hinter den Ar-

neu, leichten Brief in den zitternden Händen entgegen. Zögernd ergriff ihn Heinz.Wieso, was ist denn mit dem Fräulein, schläft sie noch?" fragte er stockend.

Jesus Maria, wisie Sies denn nit? Ab- g'fahte ischs, ganz in bet Ftuah, in den Nebel Hinei mit Nachbar Burgers Gespann. Die ganze Nacht habens packt, un beim ersten Tagesgtau'n seins hiuausg'fahre in die Weit'!"

Wortlos wandte Heinz sich um. Seine Knie schwankten und die Welt drehte sich um im Kreise. Nur fort, nut fort, keinem ins Gesicht sehen, keinen Blick auf sich fühlen. Ohne Gruß und ohne Wort schritt er wieder der Tüt zu, unb kopfschüttelnd, auf den Rechen gestützt, sah ihm der Alte nach.

Mechanisch schritt Heinz den Weg zum Walde empor. Et wußte nicht, wohin ihn seine Füße trugen, nichts von der Welt um sich her. Ein einziger Gedanke stand vor seiner Seele: Sie ist fort, sie könnte mich verlassen! Unbe­wußt wohin, sttebte er vorwärts. Der Pfeil des Schmerzes brannte in der Wunde, unb ein dumpfes, qualvolles Gefühl trieb ihn, sich selbst zu entfliehen. Nur immer weiter, weiter in bie Welt hinein, fort von sich selber, von dem töd­lichen, unfaßbaren Weh in seiner Seele. Die Sonne war jetzt in sinkender Pracht Herrin bet sie umwogenden Nebel geworden. Nur wie luf­tige Spitzenschleier hing noch hier und ba ein weißes Fetzchen tn einem Baumwipfel, sonst lag die ganze Schönheit vor dem Auge de» einsamen Wanderers, dem alles um sich fahl, dunkel und erstorben erschien. Unsere Seele hat ihr eigenes Licht, sie kann uns den grauesten, regenschwer­sten Tag in ein leuchtendes, sonnengoldenes Gewand hüllen und dem lachendsten, strahlend­sten Frühlingshimmel die düsteren Farben der trauet und des Todes leihe»

meen erster Linie aufzumarschieren und Reserve- Armeen zu Silben. Der Aufmarsch der Armeen vollzieht sich unter dem Schutze der Eren-- iruppen, einiger Armeekorps, die schon an den Grenzen disloziert sind. Zu ihnen treten noch die Zoll -und Forstbeamten.

Politische Umschau.

Wer gibt bas Geld?

Den revisionistischenSozialistischen Monats­heften" war wiederholt von radikalen Partei­mitgliedern vorgeworfen worden, daß das Or­gan von bürgerlichen Geldgebern unter­stützt würde. DieS. M." erklären nun in aller Form, daß Genosse Dr. Leo Arons dem Ver­lage wiederholt größere Summen zur Verfüg­ung gestellt hat, unter der einzigen Bedingung, daß zur Annahme etwaiger Zuwendungen von anderer Seite seine Zustimmung einge­holt werden müsse; bisher habe erkeine Ver­anlassung gefunden, Einspruch zu erheben."

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberheff. Ztg." gestattet.!

Marburg, 5. Juni.

* Ein Gedenktag. Gestern vor 52 Jahren fand die denkwürdige Schlacht von Magenta statt, in welcher die Franzosen unter Napo­leon III. Über das österreichische Heer einen glänzenden, aber blutigen Sieg erfochten. Die Entscheidung der Schlacht war in erster Linie dem Marschall Mac Mahon zu danken, durch dessen energisches Eingreifen der rechte öfter« rcichische Flügel zurück gedrängt unb es der im Zentrum kämpfenden französischen Garde er­möglicht wurde, den Sieg zu erringen. Bis tief in die Nacht hinein wütete bie Schlacht und erst als Grulai, der Oberbefehlshaber der Oester- reicher. den fluchtartigen Rückzug der unter dem Best hl des Grafen Elam-Gallas stehenden Re­gimenter gewahrte, gab er den Befehl zum Ab- ma»sch. Die Franzosen zogen sich nunmehr unter Mac Mapon, den Napoleon noch auf dem Schlachtfelde mit der Würde einesHerzogs von Magenta" belehnt hatte, nach dem rechten Ticinoufer zurück und besetzten drei Trge später Mailand. Mac Mahon, dem Sieger von Ma­genta aber wurde im Jahre 1897 auf dem Schlachtfelde ein Denkmal errichtet.

* Sonnenfinsternis. Am 17. und 18. Juni ist eine totale Sonnenfinsternis, sie beginnt 9 Uhr 54 Minuten abends am 17. Juni und währt bis 2 Uhr 30 Minuten nachts am 18. Juni und ist sichtbar in Nord-Europa. Nord- Ost-Afien, Nord-Amerika und in den Nord­polargegenden.

* Zuführung und Abholung des Reisegepäcks in Berlin. Mit Genehmigung der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin hat dieBz. 53g., Bahnamtlich zugelassene Berliner Gepäckbeför­derung" a. Gen. m. b. H., Berlin NW. 6, Luisen» straße Nr. 37, die Zuführung des Hand- und

Da stand Heinz plötzlich, unbewußt des tu» rückgelegten Weges, auf fenem lichtgrüneu Wallssleckchen, auf dem er einst sie gefunden und seit jener Stunde fast jeden Morgen mit ihr gemeinsam verträumt und verplaudert hotte. Die goldenen Sonnenfunken tourt,,, im neckt« scheu Spiel über den grünen Wiese-tgrund, die Wtpfel der Tannen rauschten verheißungsvoll wie sonst irn leisen, erfrischenden Luftzug, diese w'lde Taube, die so oft ihren zärtlich gurren­den Lockruf in die selige Einsamkeit der beiden hineintönen ließ, streifte auch beute noch bie nahen Bäum«, und mitten in diese Fülle bet Erinnerungen warf sich Heinz aufstöhnend in das feuchte Gras hinein und meinte, weinte mit dem herzbrechenden, ungestümen leidenschaft­lichen Ton des ersten, grr - fos scheinenden Schmerzes.

Noch immer hielt Heinz den verhängnisvollen Brief unerbrochen in der Hand. Plötzlich zuckte cs ihm durch die Seele: Vielleicht, daß etwas lleberraschendes, Hnerroartetes kam, das sie unbedingt zwang, so schnell abzureisen, und sie Dir nur hier im Brief erklärt, was sie von Dir führte, das sie umhüllende Geheimnis abftrei« ferst». Dir den Weg weist, auf dem Du ihr folgen darfst unb sollst? Er riß hastig das Schreiben auf, aber schon ehe er es entfaltete, war der kurze, hoffnungstörichte Wahn entschwunden. Zu deutlich hob sich jetzt ihr ganzes Wesen wäh­rend der gestrigen Slbendstunden vom Hinter­gründe ihrer Flucht ab. Sie hatte ihn verlassen wollen, hatte gewußt, daß sie zum letztenmale mit ihm zusammen war, und alles, was sie ihm schreiben konnte, war entweder Lüge oder nutz­loses Beschönigen des herzlosen, grausame« Spiel», das sie mit ihm und seinem jungen, fort» los vertrauenden Herzen getrieben hatte.

i.., (Fortsetzung folgt.)