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und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

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SieGbevhesstsche Jeittnrg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel« jährlich durch die Post bezogen 2,35 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21",) 2 Mk.

Marburg

Mittwoch. 2. Juni 1909.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile

«oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. i i

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersitätSbuchdruckerei 0*41)10«

Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

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Die Regierung und die Reichsfinanzresorm.

DieNordd. Allgem. Zig* bringt in ihrer Wochenrundschau eine eingehende Erörterung, der durch die hellte abgeschlossenen Arbeiten der Fi- Nl nzkommission des Reichstages geschaffenen Lage, bedauert, daß sich die Nationalliberalen, Freisin­nigen und Sozialdemokraten veranlaßt sahen, den letzten wichtigen Verhandlungen der Kommission fernzubleiben und sagt: im Interesse unseres ge­samten politischen Lebens sei es dringend zu wün­schen, daß das entstandene Zerwürfnis zwischen den Parteien, die grundsätzlich zur Durchsetzung der Reform mitzuwirken bereit sind, beigelegt werde, bevor die Verhandlungen im Plenum be­ginnen. Alsdann geht sie auf das finanzielle Er Wagnis der gefaßten Beschlüsse für die Reichskasse ein. Betrachtet man die Erträge im einzelnen, so ist es bedauerlich, daß aus den drei großen Steuer­objetten: Bier, Branntwein und Tabak bei weitem nicht die Summen gewonnen sind, die von den verbündeten Regierungen unter Beifall weiter Volksschichten aufgefordert wurden. Hinsichtlich der übrigen indirekten Steuern, so heißt es weiter, habe sich das Bild in der zweiten Lesung gegen­über den Beschlüssen der ersten Lesung wesentlich verschoben. Gegen den Ausfall der Wein- und Jnseratensteuer sei auf Initiative der Kommission eine Erhöhung des Kaffee- und Teezolles einge­führt. Während diese Vorschläge der Kommission im Bereiche der Möglichkeit lägen, seien daneben noch zwei andere Projette, Mühlenumsatzsteuer und Kohlenausfuhrzoll vorgeschlagen und ange­nommen worden, die jedenfalls in diseer Form nicht Gesetz werden könnten. Sie gehörten nicht ins Finanzgesetz, sondern seien ganz überwiegend wirtschaftliche Maßnahmen. Lasse man diese bei­den Vorschläge aus der Ertragsberechnung aus, so ergebe sich für die indireken Settern aus denen die verbündeten Regierungen 380 Millionen hät­ten ziehen wollen, nur 320 Millionen Mark. Wäh­rend so auf Gebiete der indirekten Steuern eine immerhin brauchbare Grundlage für die Durch­setzung der Finanzreform geschaffen sei, sei auf dem Gebiete der Besitzsteuern solches Ergebnis nicht zu verzeichnen. Gegen die von der Kommis­sion bestätigten Beschlüsse auf Einführung der sog.

Kotterungssteuer, sowie der Reichsumsatzsteuer von Grundstücken und der Reichswertzuwachs­steuer beständen so starke Bedenken, daß nicht an­zunehmen sei, sie werden Gesetz werden. Die ver­bündeten Regierungen seien in Verfolg ihres Pro­gramms der Finanzreform nach wie vor der Mei- uung, daß die Besteuerung der Erbschaften die ge- eignetste Besitzabgabe sei, die für das Reich in Frage komme. Zu der in einem Teil der Presse über die Haltung des Reichskanzlers in diesen Fragen geäußerten Anschauungen sagt dieNordd. Allg. Ztg ", diese seien gänzlich unbegründet und führt dann fort: Der Reichskanzler war in den ätzten Wochen fortgesetzt mit den Verhandlungen über die Finanzreform beschäftigt. Er ließ nichts unversucht, um eine Einigung zwischen der Rech­ten und Linken herbeizuführen. Auch die Vor­gänge in der Kommission, die er aufs lebhafteste bedauert, können ihn keineswegs zu einer Aen derung seiner ganzen bisherigen Haltung be­wegen. Der Reichskanzler wird, wie wir hören, die nächste Gelegenheit im Reichstage benutzen, um seine Stellung von dem Lande klarzulegen. Alsdann rekapituliert dieNordd. Allg. Zig.« aus­führlich die parlamentarische Arbeit des Herren­hauses und des Abgeordnetenhauses.

Die Mitteilung, daß in der Finanzkommission auch die Jnseratensteuer wieder eingebracht wor­den ist, beruht auf einem Irrtum, der dadurch ent­standen ist, daß bei Bestellung der Referenten auch das Referat über die Jnseratensteuer vergeben wurde, die in der ersten Sitzung abgelehnt wor­den war.

DieNordd. Allg. Zig.* schreibt: In der.Presse wird behauptet, die Regierung habe die Erbanfall- fteuer fallen lassen. Dies ist vollkommen unrichtig. Die Regierung wird die Erb anfall- steuer einbringen und nach wie vor mit allem Nachdruck für ihre Annahme wirken. Die verbündeten Regierungen und der Reichskanzler werden sich keine Steuer aufdrängen lassen, die eine Schädigung von Handel und Industrie nach sich ziehen würde.

Der heutigen Nummer liegt bei Krcisblatt Nr. 4 .

Politische Umschau.

Aus der Finanzkommisfion des Reichstages.

Berlin, 29. Mai. In der heutigen Sitzung der Finanzkommission des Reichstages begründete Roestcke (kons.) die Einbringung der Mühlenum­satzsteuer mit dem zu erwartenden Ergebnis von 12% Mill. ohne daß der Konsum belastet würde. Staatssekretär Sydow erhebt gegen die Aufnahme prinzipiellen Widerspruch; es solle hier ein Zwang auf den Bundesrat ausgeübt werden. Der § i, der die Erhebung einer Mehlumsatzsteuer anordnet, wurde gegen die Stimmen der Reicdk- partei angenommen, ebenso § 2 trotz des Hin­weises des Regierungsvertreters, daß dieser § die Mehlausfuhr unmöglich machen würde. Der Rest des Gesetzes wurde gleichfalls unverändert ange­nommen. Ebenso wurde der Kohlenausfuhrzoll erledigt. Betreffend Aenderuugen im Finanz­wesen liegt ein Zentrumsantrag vor, nach welchem § 3 des Gesetzes betreffend Ordnung des Reichs-

Bestellungen

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auf die v

herhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriefträgern ent» gegengenommen. -

Haushalts und Tilgung der Reichsschuld vom 3. Juni 1906 außer Wirksamkeit tritt. (Keine Bin­dung der Matrikularbeiträge.) Der Antrag besagt weiter, daß die Reineinnahme aus der Bräunt-' Weinverbrauchsabgabe den einzelnen Bundesstaa­ten nach der Maßgabe der Bevölkerung, mit wel­cher sie zu Matrikularbeiträgen herangezogen wer­den, überwiesen werden. (Aufrechterhaltung der Klausula Frankenstein.) Soweit die Einnahmen aus der Besteuerung der Wertpapiere und aus der Umsatz- und Wertzuwachssteuer in den Rechnungs­jahren 1910 bis 1914 den Betrag von 100 Mi«. M übersteigen, sind sie zur Tilgung gestundeter Matrikularbeiträge aus den Jahren 1906 bis 1908 zu verwenden. Die Zahlung dieser Matrikularbei­träge wird bis zum 1. April 1914 ausgesetzt. Schließlich wird der Zentrumsantrag angenom­men, ebenso wird die Aufrechterhaltung der Klausula Franckenstein mit den Stimmen des Zen­trums und Konservativen gegen die Stimmen der Rcichspartei und der wirtschaflichen Vereinigung angenommen. In der Nachmittagssitzung äußerte sich im Laufe der Debatte Staatssekretär Svdow wiederholt ablehnend gegen die Besteue­rung der Wertpapiere und erklärte noch, daß die Verbündeten Regierungen eine Steuer im Auge hätten, die das mobile Kapital aller Art treffen solle, sodaß bei mäßigen Sätzen hohe Erträge er­zielt würden. Er habe die Verhandlungen mit den verbündeten Regierungen darüber noch nicht zu Ende führen können. Die Besteuerung der Wert­papiere wurde darauf mit unwesentlichen Aende- rungen angenommen. Es folgten die zweite und dritte Lesung der Umsatz- und Wertzuwachs­steuer. Auf Antrag des Grafen Westarp wurde schließlich beschlossen, daß 50 pCt. der Erträgnisse der Wertzuwachssteuer der Reichskasse, der Rest vorbehaltlich einer anderweitigen Bestimmung der Landesgesetzgebung den Gemeinden zufließen sollen. Darauf wurde die Umsatz und Werzu- wachssteuer angenommen, ebenso die übrigen ge­meldeten Vorlagen.

Das Bedauern.

Berlin, 29. Mai. Heute nachmittag ist im Auswärtige» Amt von dem Staatssekretär des Aeußern, Freiherrn von Schön, und dem fran­zösischen Geschäftsträger, Baron von Berckheim, folgendes Protokoll unterzeichnet worden: Nach­dem die Kaiserlich deutsche Regierung und die Regierung der französischen Republik am 10. No­vember 1908 Übereingekommen sind, die gesam­ten Streitfragen, welche durch die am 25. Sep­tember 1908 in Casablanca vorgekommenen Begebenheiten hervorgerufen sind, einem Schiedsgericht zu unterbreiten und nachdem die beiden Regierungen sich verpflichtet haben, ein­ander ihr Bedauern über das Vorgehe» ihrer Angestellten nach Maßgabe der von den Schieds­richtern zu treffenden Entscheidungen auszu­sprechen und nachdem sodann das Schiedsgericht im Haag am 22. Mai 1909 erkannt und ver­kündet hat (folgt der bereits bekannte Schieds­spruch), so erklären die Kaiserlich deutsche Re­gierung und die Regierung der französischen Re- publick jede, soweit sie betroffen ist, daß sie ihr Bedauern über das in dem Schiedsspruch ihren Angestellten zum Vorwürfe gemachte Verhalten ausspricht. Geschehen in doppelter Ausfertigung

Ausland.

* Der Streik der Seeleute. Marseille, 29. Mai. Die eingeschriebenen Seeleute hatten der Compagnie Transatlantique angeboten, vier Schiffe zu bemannen, um Passagiere zu beför­dern. Da aber die Kompagnie auch Post, Post» kollies und Waren beförden wollte, zogen di« Seeleute ihr Angebot zurück und beschlossen die Fortsetzung des Streikes. Der Ministerrat beschloß zur Sicherstellung des Post- und Passa­gierverkehrs zwischen Frankreich, Algier, Corsica und Tunis, den Reedern für die Bemannung einer bestimmten Anzahl von Dampfern bis auf weiteres aktive Marinesoldaten zur Ver­fügung zu stellen. Drei Torpedobootzerstörer sind mit Postsäcken nach Algier und Tunis abge­gangen.

* * Der Stapellauf desDanton". Brest, 29. Mai. Nach dem Ergebnis der amtlichen Unter­suchung ist das Mißlingen beim Stapellauf des Danton" darauf zurückzuführen, daß eine neue Art der Einfettung angewandt wurde, die sich als unzureichend erwies, daß ferner die Schlit­tenbahn nicht genügend gereinigt war, daß weiterhin eine Vermehrung des Widerstandes dadurch hervorgerufen wurde, daß der Hinter­teil vorzeitig auf die Wasseroberfläche gelangte und daß endlich infolge der zuletzt genannten Ursache der Schlitten aus der Gleitbahn gelenkt wurde. Durch diese Ablenkung wurde der Schiffskörper zum Stillstand gebracht.

* * Venezuela und Deutschland. Caracas, 31. Mai. Die Botschaft des Präsidenten Gomez an den Kongreß zählt verschiedene Reformen auf, die für das Land wohltätig gewirkt haben und erklärt, daß das freundschaftliche Verhältnis zwischen Venezuela und Deutschland beständig wachse.

* * Ein böser Gast. Petersburg, 31. Mai. Hier sind drei Fälle von sibirischer Beulenpest und zwei von Aussatz vorge­kommen,' hin und wieder sind auch Cholerafälle zu verzeichnen.

* * Die Russen in Persien. Teheran, 31. Mai. Die Nationalisten in Täbris beklagen sich bitter, über die von den Russen vorgenommenen Ver- Haftungen und andere llebergriffe, die sich die Zivilbehörden zu Schulden kommen ließen. Sattar Khan und die übrigen Führer, die fürchteten, abenfalls verhaftet zu werden, such­ten im türkischen Konsulat Zuflucht, nachdem das englische Konsulat ihnen seinen Schutz ver- weigerte. Die Russen beschaffen sich bereits Material, um unverzüglich den Bau der Bahn

in Berlin, am 29. Mai 1909. gez. v. Schön und Freiherr v. Berckheim.

Deutsches Reich.

Die Feier des Stiftungsfestes des Lehr­infanteriebataillons fand gestern vormittag bei prächtigem Wetter statt. Das Bataillon war im offenen Viereck ausgestellt. Mit den Maje­stäten waren erschienen der Kronprinz, da» Prinzenpaar Eitel Friedrich, das Prinzenpaar August Wilhelm, das Prinzenpaar Friedrich Leopold und die Prinzessin Viktoria Luise. Der Kaiser brachte drei Hurras auf die Armee aus, General v. Kessel erwiderte mit einem drei­fachen Hurra auf den Kai r.

Zum Andenken an Johannes v. Müller.

Am 29. Mai sind 100 Jahre verflossen seit dem Tode des bekannten Geschichtsschreibers des Schweizers Johannes von Müller. Sein Leben war reich an Arbeit, an Leistungen und auch an Abwechselung. Geboren im Jahre 1752 in Schaff­hausen, hat er dann in den verschiedensten deut­schen Staaten gewirkt, namentlich in Cassel am Carolinum, in Mainz, wo er unter dem Namen don Svlvelden in den Reichsritterstand erhoben wurde, in Wien und in Berlin.

Hier hatte er am 20. November 1806 eine Un­terredung mit Napoleon, der soeben Preußen zer­schmettert hatte. Diese sollte fein Leben in an­dere Bahnen bringen, die recht wenig bekannt und doch gerade für uns besonders interessant sind. Seine Bewunderung Napoleons und der Zusam­menbruch Preußens ließen fein längeres Ver­weilen in Berlin nicht zu. So kam ihm denn wie eine Erlösung ein Ruf an die Universität Tübin­gen, dem er sofort Folge leisten wollte, um dort ganz seinen Arbeiten zu leben. Aber es sollte ganz anders kommen, und mit feinen wissenschaftlichen Leistungen war es nunmehr völlig vorbei l

Stuf seiner Reise nach Tübingen überraschte ihn nämlich am 5. November 1870, abends 11 Uhr, in Frankfurt a. M. ein französischer Kurier, der ihm eine Einladung Napoleons nach Fon­tainebleau überbracht«. Am 12. kam et dort an.

too ihm zu seinem großen Erstaunen eröffnet wurde, daß er Minister-Staatssekretär (d. h. Prä- sident) des neuen Königreichs Westfalen werden fottte. Alles Sträuben gegen Napoleons Willen half ihm nichts. Als ihm Aussicht gemacht wor- ben war, daß er nach einigen Jahren, wenn das meufy eingerichtet fei, eine ruhige, schöne Stellung erhalten sollte, fügte er sich besonders auch aus bem Grunde, weil es den Geschichtsschreiber reizte, auch einmal Geschichte selbst zu machen. Aber bald

er em. daß dies tote Staats amt für ihn durch­aus nicht paßte, und als er nach feiner am 19. De­zember erfolgten Ankunft in der westfälischen Hauptstadt Cassel als einziger Deutscher int Mini­sterium von allen Seiten mit Anfragen Bitten Befchwerden und bergt, bestürmt wurde, erbat er vom König Jerome schon am 28. feine Entlassung Am 21. Januar 1808 wurde sie ihm endlich ge­währt und ihm das Amt eines Generaldirektors der Studien übertragen. Aber auch jetzt konnte er nicht daran denken, feine Studien wieder aufzu­nehmen, da et außerordentlich viel Arbeit in feiner Stellung hatte. Das gefamie Unterrichtswesen war ihm unterstellt. Dabei war das Königreich aus einer großen Menge von Staaten und Staats­teilen zusammengesetzt, in dem nun alles einheit­lich geordnet werden sollte. Viel Mühe und Sorge verursachten ihm auch die französischen Gewalt­haber, die für das deutsche Wesen kein Verständnis hatten. Go beschwert er sich manchmal in Briefen und auch bt amtlichen Eingaben über Unwissen­

heit und Böswilligkeit, die ihm entgegengebracht wurden.

Seine Hauptfrage bezog sich auf die Existenz und das Wohl feiner fünf Töchter, nämlich der zu Westfalen gekommenen Universitäten; biefe waren die Georgia Augusta (in Göttingen), die noch ganz hübsch blühte, die Philippi»« in ihrem Marburger Felsenneste, ein frommes, anständiges Mädchen, die kleine Ernestina in Rinteln, ganz demütig, die Helmstädter Julia mit einem gewissen alten Stolze auf die Conaiuge, die Calierte, Meibome und Mosteirne, endlich die arme Friederike von Halle, vom Schlage getroffen und fast hoffnungs­los seit dem 14. Oktober 1806*. Alle Bemühungen Müllers zur Erhaltung dieser 5 Hochschulen waren vergeblich, aber die wichtigsten blieben doch be­stehen. Im Mai 1808 war Göttingen, im März 1808 auch Halle und im April endlich Marburg gerettet, dessen sich ft» Staatsrate der frühere Prä­fekt zu Marburg, Ludwig von Berlepsch, sich eifrig angenommen hatte. Aber die dringend erforder­lichen Mittel zur Ausstattung dieser drei Univer­sitäten zu beschaffen, war außerordentlich schwie­rig, denn einerseits waren ihre eigenen Besitzun­gen als Domänen in Anspruch genommen, deren Ertrag je zur Hälfte Napoleon und Jerome zu­fielen, andererseits kamen alle Einkünfte in da« Danaiden,Faß*, den Tresor Public, ohne Rück­sicht auf ihre eigentliche Bestimmung.

Auch an die Ordnung des höheren und nie­deren Schulwesens war Müller bet angetreten.

Um zunächst eine Statistik zu schaffen, erließ er im Mai 1808 die nötigen Anfragen in alle Departe­ments. Aber erst am 7. Dezember 1809 forderte der Maire von Cassel, Freiherr von Canstein, ein Verzeichnis aller Schulen und Erziehungs­anstalten Cassels ein, das im folgenden Jahre endlich zustande kam. Müller hatte dies nicht mehr erlebt.

In allen Sorgen und Nöten, Aergerlicheiten und Bekümmernissen kamen noch pekuniäre Be­schwerden, da die Reise nach Paris und der Auf­enthalt dortselbst, die Amts- und Ordenskleiber unb bergt, große Opfer geforbert hatten. Trotz­dem muß man aber wohl fagen, daß Müller in seinem Amte geleistet hat, was nur möglich war.

Am 18. Mai 1809 erkrankte er an der Gesichts­rose. Weder dem Casseler Arzte Dr. Richard Harnier, noch dem Göttinger Hofrate Richter ge­lang es, sein Leben zu erhalten, am Montag, de« 29. Mai, morgens 4% Uhr, entschlief er sanft. Bei seinem Begräbnis hielt der Minister Simeon eine ergreifende Rede, von welcher der bekannte Reinhard an Goethe schrieb:Er hat w'e ei« Deutscher an Deutsche gesprochen * Noch jetzs wird Johannes von Müllers Grabstätte mH dem stattlichen Denkmal, das ihm der nachmalige König Ludwig I. von Bayern errichten ließ, auf dem schönen alten Totenhofe unweit des Turms der neuen lutherischen Kirche treu bewahrt.

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