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Erstes Blatt
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Annahme der Besoldungsordnnng
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Sonnabend in Abgcordneten- Zunächst >vikd
hatten. Für Deutschland ist es bei Aufnahme der Streitfrage lediglich nur darauf angekom- men, die Anwendung von Gewalt den Konsulatbeamten gegenüber zurückzuweisen, wie solches ja auch vom Schiedsgericht verworfen wird. Uebrigens mögen die Rechtsfragen, die der Streitfall aufgeworfen bat und die der Schiedsspruch selbst als sehr verwickelt und noch ungelöst bezeichnet, teilweise bei seinen Erwägungen ganz ausschaltet, die völkerrechtliche Literatur später noch beschäftigen. Für die praktische Politik ist mit dem Schiedsspruch ein sehr unliebsamer Zwischenfall in einer würdigen, für di« internationalen Beziehungen durchaus befriedigenden Weise gelöst worden.
heit Recht bekommen habe. Der „Temps" fügt hinzu, man sollte gar nicht abwarten, daß Angelegenheiten wie der marokkanischen Streitigkeiten, die Schwierigkeiten betreffend die Kongo- Kamerun-Grenze und der Zwischenfall von Mis- sum-Missum gütlich beigelegt werden müssen. Man sollte sie durch ehrlich« Vereinbarungen hinanhalten und so den beiden Ländern überflüssige Aufregungen ersparen.
Die „Rordd. Allgmeine Zeitung" schreibt:
im Herrenhaus.
Das Herrenhaus behandelte am einmaliger Schlußberatung die vom
(Nachdruck verboten.)
Gin Sommertrarrm.
Roman von K. new Vetter.
(Fortsetzung.)
Marburg
Dienstag. 25. Mai 1909.
haus abgeänderte Besoldung-Vorlagen. ,, das Lehrerbcsoldungsgesetz beraten. Die Kommission
sächlich okkupierte Gebiet nicht verlassen haben, der militärischen Gerichtssamkeit der Vorzug zukommt und dass demgemäß die deutschen Deserteure von der Fremdenlegion innerhalb von der befestigten und von französischen Streitkräften besetzten und bewohnten Stadt Casablanca unter ausschließlicher französischer militärischer Jurisdiktion verblieben seien. Bei der zweifelhaften Rechtslage sei es nicht zu tadeln, wenn die deutsch« Konsulatsbehörde gleichwohl den deutschen Deserteuren den von ihnen nachgesuchten Schutz gewährt habe. Da dieser Schutz offenbar unrechtmäßig war, hätten die französischen Militärbehörden sich darauf beschränken müssen, die deutschen Deserteure an der Flucht zu verhindern und bis zur Lösung der Frage im Gewahrsam des deutschen Konsulates zu lassen statt sich ihrer mit Gewalt zu bemächtigen. Die Deserteur« hätten daher an sich zur Wiederherstellung des gestörten tatsächlichen Zustandes dem Konsulate zurückgegeben werden müssen. Bis zu einer endgültigen Entscheidung über ihr Schicksal sei aber von der Anordnung einer solchen Rückgabe abzusehen. Die Entscheidung gibt den beiderseitigen Angestellten in gewissen Punkten unrecht und es werden sich die beiden Regierungen nunmehr, nach der hierüber früher getroffenen Verständigung, insoweit ihr Bedauern gegenseitig auszusprechen haben. Dies wird deutscherseits bereitwillig geschehen, da das Verfahren der deutschen Agenten hier, wie bekannt, von vornherein in jeder Hinsicht als einwandfrei angesehen wurde und der gegenseitige Ausdruck des Bedauerns, soweit das Vorgehen der beiderseitigen Angestellten zu einer Beanstandung Anlaß gab, schon vor dem Schiedsverfahren von uns vorgeschlagen worden ist. Daß das Schitt>sgericht die Herausgabe der deutschen Deserteure abgelehnt hat, mag im Interesse der davon Betroffenen bedauert werden, wenngleich diese, da sie sich ihrer militari- chen Pflichten in der Heimat entzogen haben: eine besondere Sympathie verdienen. Sie haben ich ihr Schicksal lediglich selbst zuzuschreiben, da ie den Dienst in der Fremdenlegion, aus dem ie zu entweichen suchten, freiwillig übernommen
baten um Annahme der Beschlüsse des Abgeordnetenhauses. Der Antrag Ackermann wurde abgelehnt, da» Gesetz nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses en bloc einstimmig angenommen. Die Besoldungsordnung wurde unverändert e» bloc angenommen.
Der Gesetzentwurf betreffend die Abänderung de» Einkommensteuergesetzes und des Ergänzungssteuergesetzes wurden ohne Debatte angenommen. Es folgte die Beratung des Mantelgesetzes. Berichterstatter von Wedel-Piesdorf befürwortete die Abgeordnetenhausfassung und bat die Regierung darauf hinzuwirken, daß die Regierung bei ihrem Widerstand gegen die Beschlüsse der Budgetkommission des Reichstages verharrt. Das Mantelgcsetz wurde ohne Debatte mit großer Mehrheit en bloc angenommen, ebenso das Wohnungsgeldgesetz und die Pfarrbe- foldungsgesetze. Damit war die Tagesordnung erschöpft.
sagen, Howe Fee — im Märchen braucht man ja überhaupt für Wunderlichkeit und Wunder keine Erklärungen, und seit ich diesen grünen, verzauberten Waldesfleck betrat, lebe ich in einem Märchen, und zwar in einem so wunderherrlichen, daß ich wünsche, die Welt da draußen versänke hinter mir, es führte kein Weg mehr zurück zu ihr und ich dürfte neben dieser schaukelnden Hängematte meinen seligen Traum ewig fortträumen, während draußen die Wellen des Alltags im Sande verrinnen."
„Jawohl, damit es Ihnen ginge wie jenem Gesellen: Und als er auftauchte vom Grunde, da war er müde und alt! Nein, mein junger Träumer, ich habe es Ihnen schon einmal gesagt, mit der Ewigkeit ist es nichts! Dazu hat die Feenhaftigkeit noch zu wenig Besitz von mir ergriffen, ich hielt es nicht mehr eine Stunde lang in diesem hochromantischen Zustand aus, denn — hören Sie und verhüllen Sie schaudernd Ihr Angesicht — ich würde dann spüren, daß die Mittagsstunde naht und ich Hunger hätte!"
„Um Eotteswillen, welche Prosa in dieser rosenduftigen Umhüllung!"
„Ja, der Schein trügt. Ich sagte es ja gleich, Sie müssen noch schrecklich viel lernen, Kind! Aber das geht nicht so weiter mit den Titeln, die ich mir für Sie ersinnen muß. Mein Vorrar ist nun baw erschöpft, und ich liebe feste Punkt«, an denen ich mich halten kann. Sie müssen doch irgend einen Namen haben, mit dem man Sie rechtmäßig rufen kann. Wie heißen Sie denn?"
„O, Verzeihung, aber in unserem weltentrückten Verkehr habe ich an Formen wirklich noch nicht eine Sekunde gttiacht. Erlauben Sie —"
„Halt, halt — nur nichts von Vorstellung! Wir sind ein paar Wanderer, die sich zufällig auf der Insel der Romantik zusammengefunden und die allen Tand der Konvenienz als überflüssigen Reiseballast da draußen in der Welt zurückgelassen haben! Wir können in unserem luftigen, himmelblauen Revier nur existieren,
beantragt die unveränderte Annahme nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses. Danach sind die Alters- und Amtszulagen beibehalten und die Staatszuschüsse in der Hauptsache auch für die großen Gemeinden beschlossen. Ferner ist die rückwirkende Kraft der Mictsentschädigung für 1008 wiederhergestellt. Dazu liegt ein Antrag des Oberbürgermeisters Dr. Ackermann-Stettin vor, wonach zur Gewährung von Ergänzungszuschüffen an Schulverbände mit mehr al» 25 Schulstellen ein Betrag von 2 Mill. dH durch den Etat alljährlich bcreitgestellt werden soll. Stadtdirektor Tramm-Hannover hielt die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses trotz ihres Entgegenkommens gegen das Herenhaus für hart und mangelhaft. Er wünschte allen Gemeinden ihre Zuschüsse zu erhalten die Mittel dazu könnten ans den Stempelsteuern gewonnen werden; mindestens empfehle sich der Antrag Ackermann. Finanzminister Freiherr van Nheinbaben machte darauf aufmerksam, daß die Stempelsteuer vom Abgeordnetenhause erheblich gekürzt seien. Die Staatsbeiträge sollten nut da fortfaüen, wo sie nicht erforderlich seien. Die großen Städte hätten die Pflicht, für die minderleistungsfähigen Kommunen einzutreten. Der Antrag Ackermann führe zu einer Kürzung der Beiträge für die letzteren. Es liege im allgemeinen Staatsinteresse, .die Materie endlich zum Abschluß zu bringen und die Lehrer zufrieden zu stellen.
Die Oberbürgermeister Wallraf-Köln und Balt- mann-Aachen sprachen zugunsten des Antrages Ackermann. Oberbürgermeister Holle-Essen sprach in demselben Sinne, ebenso Oberbürgermeister Dr. Rieve- Halle, dieser wies auch die verächtlichen Aeußerungen disziplinloser Beamten und Lehrer über das Herrenhaus zurück. Solche Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen sei nicht nur im Disziplinarwege, sondern auch strafrechtlich zu ahnden. Ihm schloß sich Oberbürgermeister Körte-Königsberg an, der im übrigen die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses befürwortete. Ministerialdirektor Schwartzkopff stellte fest, daß sowohl der Vorstand des Preußischen Lehrervereins, wie der des Berliner Vereins öffentlich erklärt haben, sie billigten jene gehässigen Aeußerungen nicht. Daraus ergebe sich, daß eS sich nur um einzelne Entgleisungen handele. Der Minister behalte sich die Einleitung weiterer Schritte vor. In seinem Kern sei der große Lchrerstand gesund. (Beifall). Graf za Dohna-Finbenftein und Staatsminister a. D. Studt
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage
„Ek bewahre, Kind? Der Himmel schütze Sie vor Größenwahn, den dürfen Sie in Ihrem zarten Alter sich noch nicht erlanben? Richt eine Spur intelligent sehen Sie aus mit diesen großen, brombeerdunklen Augen ,in denen noch ein Stückchen des letzten Knabentraumes schimmert. Intelligenz ist ein nüchtern kahles Wort, ein Rechenexempel mit elektrischem Lichte beleuchtet, und Sie sind eine Frühlingsmelodie, noch ohne Worte, nur zusammengeschmolzen aus Sonnenschein und Mondenlicht, Lerchenjubel und Nachtigallenklang, Dornstrauch und Ver- gistmeinnicht! Ist das nicht hübsch gesagt, mein junger Prinz?"
„Sehr hübsch, Sie sind eine Poetin, Frau Prinzessin? Nur daß Ihre Schilderung besser für ein Backfischchen wie für einen jungen Studenten paßt!"
„Ah, Sie sind schon wieder etwas beleidigt! Ich fürchte, Bruder Studio, das Beleidigtsein auf Ihrer Seite wird der Erundton unseres Verkehrs bleiben, und wenn ich's gar zu arg treibe, dann stoßen Sie mir eines schönen Tages mit einem stumpfen Rapier mitten durch mein armes, lustiges, blutrotes Herz! Gnade, stolzer Jüngling, ich nehme alles zurück, was ich gesagt habe! Meinetwegen sollen Sie ein intelligenter, kahlköpfiger Spießbürger, ein langweiliges Kulturungeheuer sein, aber bitte, dann nehmen kie Ihren Knotenstock wieder zur Hand und wandern ins Dorf hinunter? Hier oben in meinem Waldrevier kann ich dergleichen nicht gebrauchen!" —
Det junge Student rückte seinen Keinen Schemel von der bequemen Tann« fort, ganz ei*t an die leicht schaukelnd« Hängematte heran.
„Wissen Sie auch, daß Sie eine Tyrannin find und mich ganz greulich behandeln? So ungefähr wie ein Spielzeug oder wie ein Stückchen Wachs, das je nach Belieben die Gestalt annehmen soll, welche diese herrischen, weißen Finger ihm zu geben belieben?"
Dabei suchte er die gescholtenen Finger, die lässig auf dem rosa Klett>e lagen, an seine Lippen zu pressen. Dieselben entzogen sich ihm aber. Zwar sehr ruhig, aber so ausgesprochen abweisend, und der Blick, der dabei zu ihm herüberflog, hatte etwas so Kühles und Hoheitsvolles, daß sein hübscher, dunkler Kopf sich verlegen fenfte und et abbittend murmelte: „Vergebung!"
Die graugrünen Augen der Dame ruhten mit einem Gemisch von Prüfung und Träumerei auf diesem gesentteu Gesicht mit den eblen, fein- geschnittenen Zügen und dem warmen, südlichen Kolorit. „Ich hatt' einst einen braunen Schatz, der hatt' so süße Wangen, als blühten wilde Rosen drauf — das ist nun längst vergangen," zogen ihr die Worte eines Lieblingsliedes träumerisch durch den Sinn, und der klar« Blick ihres Auges verdunkelte sich in Weichheit und unwillkürlich« Zärtlichkeit.
Mit der eben so streng entzogenen Hand leise über die dunklen Locken fahrend, sagte die junge Dame, und mit Entzücken trank sein musikalisches Ohr den melodischen Ton dieser weichen, klangvollen Stimme: „Bin ich etwas wunderlich, kleiner Kamerad? Sie wissen, die wilden Rosen haben nicht nur weiche, zartfarbige Blättchen, sondern auch unzählige grüne, böse Dornspitzen! Man muß das mit in den Kauf nehmen, besonders wenn man so leichtsinnig war, Vasallendienste auf Tod und Leben zu geloben. Aber ich bin bei aller Böswilligkeit doch eine milde Herrin, und wenn meine übermütige Zunge eine Nein« Wunde schlua, so legt meine Liebenswürdigkeit gleich ein riesengroße» Pflaster auf dieselbe."
„Ach, 6te brauchen mir bae nicht erst zu
Der Schiedsspruch legt sich auf eine mittlere Linie zwischen der deutschen und der französischen Auffassung. Er führt aus, daß sich der Konflitt nicht nach einer absoluten Regel, sondern nach den tatsächlichen Umständen des Einzelfalles entscheiden läßt. In dieser Hinsicht nimmt der Schiedsspruch an, daß, so lang« die Angehörigen unmittelbar für dauernd und tat«
Aus bett Kommissionen.
Die Finanzkommission des Reichstages beschäftigte sich am Sonnabend zunächst mit der zweiten Lesung der Novelle zum Erbschaftssteuergesetz, welche einige Steuerbefreiungen und -Vergünstigungen des bisherigen Gesetze» aufheben will. Staatssekretär Sydm, teilte hierzu mit, daß die verbündeten Regierungen
Der Spruch des Casablanca- Schiedsgerichts.
Haag, 22. Mai. Der Schiedsspruch in der Easablanca-Angelegenheit ist heute nachmittag 4y. Uhr vom Schiedsgerichtshof abgegeben worben. Privaten Mitteilungen zufolge, erklärt das Urteil, daß der Sekretär des deutschen Konsulates in ungerechtfertigter Weise und infolge eines schweren und freiwilligen Irrtums versucht habe, Deserteure der französischen Fremdenlegion auf einen deutschen Dampfer übzerzuführen, daß aber auch die französischen Militärbehörden die Tatsache, daß die Deserteure von dem deutschen Konsulat in Schutz genommen wurden, der sie soweit als möglich hätten Rechnung tragen müssen, in ungerechtfertigter Weise nicht respektiert haben. Die Umstände hätten den französischen Militärs nicht das Recht gegeben, mit dem Revolver zu drohen, die Verfolgung aufzunehmen, oder dem marokkanischen Bediensteten des Konsulates Stockschläge zu versetzen. Die übrigen Forderungen der Parteien wurden nicht anerkannt
Französische Preß stimmen.
Paris, 23. Mai. In den Vlätterstimmen 86er den Haager Schiedsspruch tritt mehrfach die Genugtuung darüber zu Tage, daß durch denselben im wesentlichen die französische Rechtsauffassung anerkannt werd«. Gleichzeitig aber wird allgemein in lebhaften Worten der Freude Ausdruck gegeben, daß der einst so bedrohliche Zwist friedlich und für beide Völker gleich ehrenvoll beigelegt werden konnte.
Der „Figaro" schließt sich der Aeußerung der „Kölnischen Zeitung" „es gibt in dieser Sache weder Sieg er noch Besiegte" an und sagt, es bleibt nur ein Beispiel von zwei großen Völkern, die einen Beweis von gegenseitigem guten Willen gegeben haben, um einen peinlichen Zwischenfall in denkbar bester Weise zu regeln. Es ist überhaupt nützlich, sich ein solches Beispiel stets vor Augen zu halten.
Das „Journal" schreibt: Die schiedsgerichtliche Entschiedung hat mehr den Charakter eines Komprimisses als eines Urteils und bildet eine Ehrenrettung für die so verschrieene Diplomatie.
„Peit Parisi en" fragt, wer würde heute noch zu behaupten wagen, daß das schiedsgerichtliche Verfahren die Würde und die Lebensinteressen der beiden Völker nicht gewahrt habe.
Auch die Abendblätter erörtern eingehend den Haager Schiedsspruch unb legen denselben mit besonderem Nachdruck dahin aus, daß die französische Auffassung in betreff der grundsätzlichen Seite der Angelegen-
Preußischer Landtag.
Im R6|e»rbneten6aufe
wurde am Sonnabend 22. Mai, die zweite Lesung bet Sternpelsteuergesehnovelle vorgenommen. Abg. Frhr. V. Richthofen (fonf.) erklärte, daß mit Rücksicht auf die neueste Fassung des Lehrerbesoldungsgesetzes, aus der Stempelsteuer möglichst hohe Einnahmen erzielt werden müßten. Die Maschen des Netzes, durch welche Gesetzesumgehungen hindurchschlüpfcn könnten, seien möglichst eng gezogen worden. In Zukunft werde die Stempelsteuer auch von Miete- und Pachtverträgen erhoben werden, welche nicht schriftlich, sondern nur mündlich geschlossen worden sind. Der Stempel auf Jagdscheine soll bis zu 20 dH ansteigen können. Von der Jagdpacht sollten allgemein 10 v. H. erhoben werden. Da durch diesen Modus zweifellos kleine Gemeinden schwer betroffen werden könnten, wurde vor- geschlagen, auffteigend Vi bis 5 v. H. von der Pacht- suinme zu erheben. Um die durch diese Aenderungen zu erwartenden Mindereinnahmen zu decken, sollen Vie Automaten mit 10 M, größere mit 20 'dH versteuert werden. In besonderen Fällen soll cs der Regierung gestattet sein, die Steuer auf 2 M ju ermäßigen. Auch eine Fahrradsteuer von 50 Pfg. werde voraussichtlich große Beträge liefern, ohne den einzelnen Fahrradbesitzcr besonders zu belasten. Seine Partei werde der Vorlage in der Kommissionsfaffung in bet Hauptsache zustimmen. (Beifall.) Abg. Dr. König (Krefeld, Ztr.) meint-, daß die Automatensteuer überall freudig begrüßt werden würde. Abg. Dr. Lohmann (natlib.) wünschte, man hätte mit bet Steuer auf Standeserhöhungen noch höher gegriffen, da alljährlich über 1000 NobilitierunaSge- suche eingehen sollen. Abg. Reinbacher (freif. Vp.) wandte sich gegen die Fahrradsteuer und meinte, di« Automatensteuer sei zu Höch angeseht. Abg. Wolss- Lissa (freif. Vgg.) meinte, daß die Fabrradsteuer trotz ihrer Kleinheit eine Verkehrserschwerung bedeute. Abg. v. Till» (fonf.) beantragte Vertagung. ®» schwebten Verhandlungen zwischen den Parteien über neue Anträge. Die Verhandlung werde sich voraussichtlich später wefentlich fchneller gestalten. Unter all- fettiger Zustimmung vertagte sich das Hau».
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zelle
oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — * i !>r/t
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UnioersttätSbuchdruckerel
Inhaber Dr. C. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der TLq 490 Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis Beträgt viertel-
«/!=. 1ÄV jährlich durch die Poft bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei
unfern Zeitungsstellen und der Expeditton Markt 21,) 2 Mk.
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wenn wir gang frei von den Beschwerden der Privatverhältnisse bleiben, und dazu gebe ich als erste und strengste Losung unseres Verkehrs die Weisung, nie an diese zu rühren? Nur Ihren Vornamen will ich wissen — bet sagt nicht» und doch für mich genug!"
„Wie Sie befehlen! Aber leider paßt mein Vorname wenig in die Poesie Ihrer Auffassung hinein. Er ist echt spießbürgerlich und wird Ihrem empfindlichen, feinen Ohr fast weh tun — ich heiße Heinrich."
. O, ich bitte Sie, was paßte besser in die Zeit der Romantik, als solch echt altdeutscher Minnesängername? Denken Sie nur an Heinrich ?frauento6! Kann etwas süßer in Frauenohren lingen! Aber ttohdem, Sie haben recht, ich werde Sie nicht so nennen, wie voraussichtlich alle Welt Sie nennt! Es klingt mir zu kalt und hart und lang. Heinz — das ist weich und kurz — Heinz?"
Wie Musik ttang der Nam« an sein Ohr. Vor langen, langen Jahren hatte eine einzig« Person ihn so genannt, die teuerste, die er bi, jetzt besessen, seine verstorbene Mutter, und genau ebenso weich, zärtlich und melodisch war der Ton gewesen, den sie in das kurze Wort hineingelegt hatte. Di« feinste, tief empfinbenbR« Saite seiner Seele zitterte unter dem Klange, und di« dunkeln, fast im Tränenschimmer leuchtenden Augen mit einem unendlich warmen, dankbaren Blick zu seiner Nachbarin auffchla- gend, sagte er leise: „Dank, Sie wissen nicht, wie süß das meinem Ohr klingt! Außer meiner verstoichenen Mutter hat nie ein Mund solch kosenden herzlichen Ton für mich geft nden, und ich hätte ihn nach diesem auch von keinem anderen hören mögen als von dem Ihren!" Damit zog «r diesmal die nicht widerstrebende Hand ehrfurchtsvoll «n seine Lippen. j;
i___... (Fortsetzung folgt.)