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und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

Jti 118

DieGverhesstschr Zettuug" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel» sährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsftellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonnabend. 22. Mai 1909.

Di» IasertionSgeblthr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfemng, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, ilntversttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Httzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

44. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 39.

Die vier Berliner Mandate.

Das Haus der Abgeordneten hat, dem An­träge der Kommission für di« Wahlprüsungen entsprechend, die Mandate der vier sozialdemo­kratischen Abgeordneten in Berlin, Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann, für ungültig erklärt. Der Protestgrund, daß für die Urwäh­lerlisten und für die Bildung der Abteilungen innerhalb derselben Urwahlbezirke für dieselben Steuerarten verschiedene Steuerjahre herange­zogen worden sind, trat völlig zurück.

Der wichtigere Grund zur Ungültigkeitser­klärung der vier Mandat« war vielmehr der be den letzten Landtagswahlen von der Sozial­demokratie geübte Terror In dem gegen die Wahl der vier Abgeordneten eingelegten Pro- test war festgestellt worden, daß von feiten der sozialdemokratischen Partei auf Grund offizieller BeschlÜffe der Parteiorganisationen planmäßig eine Bewegung ins Werk gesetzt sei, die darau hinausging, solche Gewerbetreibende, welche So­zialdemokraten zu ihren Kunden zählen, mit geschäftlichem Boykott für den Fall zu bedrohen, daß sie bei den Wahlen nicht im Sinne der So­zialdemokratie Stelling nähmen. UiÄ es ist denn auch in der Tat noch nie in solcher btu* to>>« Weise und mit so zynischer Offenheit ein Waylterror geübt, noch nie eine derartige Ver­gewaltigung kleiner Gewerbetreibenden von Partei wegen angeordnet und organisiert wor­den, wie bei diesen Wahlen. Der wirffchaftliche Kampf, den die Sozialdemickratie gegen die Ge­schäftsleute führte, ging bis zur Vernichtung von Existenzen. Und dabei ist es dieselbe Sozial­demokratie, die konseqnent und unerbittlich Mandate von bürgerlichen Abgeordneten für ungültig erklärt, wenn auch nur die geringste Beeinflussung durch Arbeitgeber oder durch Be­amte vorzuliegen scheint. In den Wahlkreisen der Borgmann und Genossen aber scheute sich die Sozialdemokratie nicht, diejenigen Milchhänd­ler, Bäcker, Fleischer, Kohlen-, Holz- und Eriin- kramhändler, die nicht für die Sozialdemokratie stimmten, wirtschaftlich zu ruinieren. Es ist unter Beweis gestellt worden, daß bürgerliche Wahlmänner durch Bedrohung veranlaßt wur­den, der Wahl fernzubleiben. an die Häuser wurden Plakate geklebt, die die Staren von 14 dem Handwerker- und Händlerstande angehören­den konservativen und freisinnigen Wahlmänner enthielten. Auf sie sollte infolge dieser Denun- zierung dann zum Zwecke der Einschüchterung und des Boykottsdie wirtschaftliche Macht aus- geübt werden," wie es in einer offiziellen sozial­demokratischen Parteizeitschrift sehr geiibmackvoll hieß. Aller dieser verwerflichen Mittel be­diente sich aber die Sozialdemokratie nicht etwa heimlich, sondern die Parteileitung billigte st« ausdrücklich, und man rühmte sich ihrer vor aller Welt. So wie s nach dem Berichte des Vorwärts" dieVertrauensperson der sozial­demokratischen Frauen" auf einer Konferenz der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands im September 1908 auf die hervorragende Tätigkeit hin,die die Frauen bei der letzten preußischen Landtagswahl entfaltet haben. Hier konnten sie einmal zeigen" so wurde gesagtwie sie den preußischen Staat hassen. Sie hicken sich nicht nur auf die Agitation beschränkt, sondern haben den kleinen Geschäftsleuten, die von den Arbeitergroschen leben, auf den Zahn gefühlt

3 (Nachdruck verboten.)

Ei« Ssnrmertrimm.

j Roman von K. van Beeter.

1Fortsetzung.)

Draußen zeigte es sich nun freilich, daß die alte klug« Schiffliwirtin mehr prophetischen tc ?a&> °Is man das hinter ihrem Schmutz und ihrem freundlichen Gesicht vermuten konnte, ?n. t>te liebe Sonnt, die funkelnd und brillantenspruhend über den taufrischen grünen Hohen und Waldern lag, doch wohl ein« Zau­berin war, die mit ihren Märchenbildern selbst di« Räuberhöhle eines bäuerlichen, ungemüt­lichen Gasthauses vergessen machen konnte. Vor der majestätischen und doch lieblichen Pracht und Schönheit, die sich dem anfangs so unzu­friedenen Wanderer mit jedem Schritt seines weit ausgedehnten Spazierganges enthüllte, schwanden allmählich seine grollenden Vorsätze, und als er gegen Mittag auf demselben Pfade, auf dem er gestern seinen Einzug gehalten, sich heule wieder dem Dörfchen näherte, stand sein Entschluß ziemlich fest, all die vorhandenen lln- oequemlichkeiten und Mängel der inneren Ver­hältnisse tapfer zu ertragen int Hinblick auf die merze und Vorzüge der äußeren. Sein guter

*c*ne .srische Jugendlust waren wieder »ollstandtg in ihre Rechte getreten, und lustig

und st« gefragt, wem sie ihre Stimme geben wollten. Sagten sie, wir wollen für die Gegner der Sozialdemokratie stimmen, dann war die Antwort: Gut, bann seid Ihr unsere Feinde und wir werden die Kundschaft eines anderen." Da nun von maßgebender sozialdemokratischer Seite noch kürzlich die Drohung ausgesprochen woichen war, solch« Mittel bei späteren Wahlen in noch viel schärferem Maße zur Anwendung zu bringen, so handelte das Haus der Abgeord­neten vollkommen richtig und dürste der Zu­stimmung der überwältigenden Mehrzahl aller mittleren und kleineren Gewerbetreibenden sicher sein, wenn es durch die Ungültigkeits­erklärung der vier Wahlen klar und energisch au-ssprach, daß die mit solchen Mitteln zustande gebrachten Wahlen jetzt und auch in Zukunft stets kassiert werden müssen. Hoffentlich gelingt es der vereinten Anstrengung aller bürgerlichen Parteien, bei der Neuwahl die Mandate dem gemeinschaftlichen Gegner zu entreißen.

Zündholzsteuer.

lieber die als Ersatzsteuer in Aussicht genom­mene Zündholzsteuer schreibt man dem91. P. T." von unterrichteter Seite:Fast alle europäischen Staaten haben die Zündholzfabrikation zu einer fiskalischen Einnahmequelle gemacht, teils als Monopol, teils als Objekt der Besteuerung. Für Deutschland kann bei der Abneigung des Reichs­tages gegen Monopole nur eine Steuer in Frage kommen. Da,e8 sich hier um eine Konsumsteuer handelt, die in gleichem Maße die besitzenden wie die unbemittelten Kreise trifft, muß die Belastung so bemessen sein, daß sie auch von den letzteren nicht als drückend empfunden wird. Nimmt man als zulässige Grenze hierfür eine Belastung von 4050 Pfg. pro Jahr und Kopf der Bevölkerung an, so würde fkb ein Steuerertrag von 25 biS 30 Millionen Mark ergeben, bei dem die Verteuerung der Zündhölzer nur minimal wäre. Zum Ver­gleich sei darauf hingewiesen, daß Frankreich aus seinem Monopol einen Jahreserttag von 27 Mil­lionen Mark erzielt, wobei aber der Preis der Zündhölzer etwa den acht- bis zehnfachen Bettag erreicht, wie in Deutschland. Die Form der Be- steuemng ist in den einzelnen Staaten sehr ver­schieden, es überwiegt die Banderole und die Steuermarke. Da bei uns die Fabrikatton sich auf eine sehr geringe Anzahl von Betrieben beschränft, die infolge ihrer Konzessionspflicht leicht kon- ttollierbar sind, so erscheint eine Niederlage-Be- steuemng nach Art des Zuckers sehr wohl durch­führbar und erheblich billiger. Ein bleibender Konsumrückgang als Folge der Steuer wird auch in den Kreisen der beteiligten Industrie nicht c > genommen. Die außerordentlich billigen Preise, die in Deutschland im Gegensätze zu fast allen Län­dern für Zündhölzer herrschen, werden auch in der erzeugenden Industrie als nachteilig empfunden; man kann daher taum annehmen, daß sich dort ein erheblicher Widerspruch gegen eilte mäßige Steuer, die einen weiteren Preisrückgang «fpchalten ge­eignet ist, erheben wird.

Polittsch« Umschau.

Eine amerikanische Stimme über die deutsch- englischen Beziehungen.

Safe Mohon, 19. Mai. Der Präsident der Columbia-Universität, Butter, eröffnete die jähr-

pfeifend bog et eben in einen schmalen, wenig betretenen Fußpfad ein, bet ihn vom Wege ab zu einem Aussichtspunkt zu führen fcyien, als er in nächster Nähe einen bekannten, bumpf knurrenden Ton hörte.

Hastig zuschreitend, stand der Wanderer im Ru vor einer kleinen, grünen Waldlichtung und dem gestrigen, groß aufgerichteten, gelben Wäch­ter des Dornröschenfchlosses gegenüber. Auch heute schien er micbei gewillt, sich dem unberu­fenen Eindringling gegenüber feindlich zu er­weisen, indem er ihm mit seiner ganzen mäch­tigen Gestalt energisch den Weg vertrat und in seinem dumpfen, unheimlichen Knurren fort­fuhr. Aber wenn er auch momentan den Schritt des jungen Mannes hemmen konnte, über die Blicke desselben hatte er keine Macht, und Liese flogen entzückt über den runden kleinen Wiesen­fleck nach einer zwischen zwei mächtigen alten Tannen schwebenden Hängematte, in der di« Herrin des gewissenhaften Wächters sich leis« schaukelte und, ohne di« geringste lleberrasch- ung und Unruhe zu verraten, mit demselben lächelnd-spöttischen Blick wie gestern auf den Nahenden schaute. Das heißtNahenden" wäre zuviel gesagt, denn Heinrich Werner stand nodj immer wie angewurzelt und sah gleichfalls mit denselben stumm-beredten, -«Wundernden ' Blicken wie gestern a* die lchS» Unbekannt«. Sie erschien ihpt, he * zart rosa tziffngrs Er­

liche Mohon-Konferenz für internationale Schieds­gerichte. Er führte in längerer Ansprache aus, Englands Verdächttgungen gegen Deutschland seien ein unvernünftiger Ausbruch der Leiden­schaft, hervorgerufen durch die Verschiebung in der Position der beiden wichttgen Nattonen, die durch wirffchaftliche und intellektuelle Gründe be­dingt werde. Deuffchlands Bedeuttmg nehme be­ständig zu, während Englands Vorrang abnehme. In diesen Gründen liege aber keineswegs eine Herausforderung zum Kriege. Ein Krieg werde vielmehr die begonnene Verschiebung beschleu­nigen. Redner wies dann auf Deuffchlands ge­waltige Forffchritte auf allen Gebieten, insbeson­dere auf dem des Welthandels hin. Deuffchland fei jetzt der Lehrmeister der ganzen Welt auf den internationalen Gebieten der Industrie und des Handels. Schritt haltend mit der Ausdehnung feines Handels, baue es seine Flotte aus. Er frage, worauf die Annahme Englands sich stützte, daß die deutsche Flotte gegen Epglaud gebaut werde. Von allen Flotten der Welt solle die deutsche die einzige fein, die speziell für Angtiffs- zwecke gebaut werde. Die ganze Idee sei geradezu lächerlich und die Verdächtigungen Englands ge­genüber Deuffchland feien völlig haltlos. Es sei Pflicht der Freunde der Engländer, diesen das Vernunftwidriae ihrer Haltung gegen Deutschland vorzuhalten. England sei der aggressive Teil und müsse seine Halsima aufgeben, ehe ein weiterer Schritt in der Sicherung des Weltfriedens erfolgen könne. England müsse in seinem eigenen Inter­esse Deutschland besser kennen lernen und von ihm lernen. Es müsse deutsche Schulen und deutsche Sozialpolittk studieren, anstatt die Energie und das Geld eines verarmten Volkes aufzubrauchen in dem eitlen Bemühen, sich für den Zustand inter­nattonaler Feindschaft zu rüsten, der nut in der Einbildung existiere. Englands Zwei-Mächte- Standard fei einzig gegen Deutschland gerichtet. Es solle für ein besseres Einvernehmen zwischen den beiden Ländern gesorgt und die Torheit und Leichtferttgkett hervorgehoben werden, die darin liege, daß man irgend einem Elemente in beiden Ländern gestatte, Zwiettacht zu säen.

Im Abaeordnetenbause

wurden am Mittwoch zunächst Wahlprüfungen vor­genommen. Die Wahl de» Abg. Dr. Dionysius (kons.) wurde für gilttg erklärt. Die Kommission hatte be­antragt, die Wahlen der vier sozialdemokrattschen Ab­geordneten Borgman«, Heimann, Hirsch und Hoff­mann für ungilttg zu erklären wegen Benutzung un­zulässiger Wählerlisten* und Ausübung von Terroris­mus seitens der Sozialdemokratte. Abg. Ströbel (Soz.) trat diesem Anträge in erregter Weise ent­gegen. Mit seinem Schlußwort:Sie werden sich da» Brandmal der Schande aufdrücken, wenn Sie die Wahlen von unfern vier Parteignoffen kassieren", zog er sich eine Ordnungsstrafe zu. Abg. Stroffer (konf.) betonte, daß gerade die Sozialdemokraten wegen der geringfügigsten Uffachen die Ungilttgkeitserklärung von Wahlen gefordert hätten und nun selbst mit an­derem Maße gemessen fein wollten. Die beanstan­deten Wahlen müßten für ungilttg erklärt werden, um dem Grundsatz Ausdruck zu geben, daß auch in Zukunft jede Wahl kassiert werden würde, die durch so unerhörten Terrorismus zustande kommt. (Bei­fall.) Abg. Fischbeck (fff. Vp.) betonte, daß die <5o= zialdemokratie bei diesen Wahlen mit so verwerflichen Mitteln gearbeitet habe, wie sie bi» jetzt noch nie und von keiner Partei angewandt worden wären. Die be­anstandeten Wahlen müßten kassiert werden. Nach­dem noch die Abg. Dr. Kriedberg (nattib.) und Rein­hard (Ztr.) für den Kommissionsantrag gesprochen

wand gehüllt, unb von bei. durch bas Grün tanzenden, golbenen Sonnenfunken lockenb um­spielt, wie ein verkörpertes Märchen bet Wald­einsamkeit.

Jetzt zog die junge Dame eine der unter dem blonden Kopfe verschräntten Hände hervor, und mit ihr nach den beiden versteinert Da­stehenden winkend, tief sie lustig:

Hierher, Troll Du brauchst nicht immer den Drachen zu spielen? Der Prinz kommt ge­rade zur rechten Zeit, notabene, wenn er nicht ebenso taub wie stumm ist und meine liebens­würdige Einladung, näher zu treten, verstehen kann!"

Der also Angegriffene warf erglühend unb etwas beleidigt den dunklen, hübschen Kopf zurück. Zugleich abertourbe er durch den Spott der rosa Waldprinzesfin vollkommen Über die augenblicklich einschüchiernde Unsicherheit seiner Stellung hinausgehoben, und keck antwortete er: Vorläufig hat mich Prinzeßchen Dornrös­chen noch garnicht zu Worte kommen lassen, sondern stichelt ganz ungeredjtfertigt, ohne zu beb«nlen, daß die erlösenden Prinzen ihren Mund nicht zuerst »um Reben gebrauchen."

Jetzt wat es die junge Dame, übet deren schönes Gesicht ein leises Rot huschte, aber amü- jiert lacht« sie sogleich auf.

Bravo! Troll, et verftcht es, unseren

hatten, wurde er angenommen und damit die Wahlen der vier sozialdemokratischen Abgeordneten kassiert. Die Wahl de» Abg. Hausman« (natl.) wurde für un- ß, die de» Abg. vom Rath (natl.) für gütig et» Rach unwesentlicher Debatte wurden die An­träge v. Wohna (freikons.) auf Annahme eines Ge­setzes betr. den erweiterten Grunderwerb am Rhein- Weser-Kanal und am Grotzschiffahrtswege Berlin Stettin in zweiter und dritter Lesung und v. Bülow (Homburg) (natl.) auf Annahme eine» Gesetzent­wurfes betr. die Schulversäumnisse im vormaligen Herzogtume Nassau und in der vormaligen Landgraf- fchaft Heffen-Hombnrg in erster und zweiter Lesung angenommen. Der Gesetzentwurf betr. die Aufhebung der Generalkommiffion für Westpreußen und Posen in Bromberg wurde auf Antrag des Abg. Weifiermel (kons.) nach kurzer Beratung an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen.

Au» der Finanzkommiffio« des Reichstages.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung de» Besitzsteuerkompromisses, dazu der neue konservattve Antrag auf Umsatz- und Wertzuwachs­steuer, und die zweite Lesung der Erbscbatissteuer- novelle.

Zunächst begründete Graf Westarp den neuen kon- servattven Antrag. Der Antrag auf Börsenumsatz- steuer folge dem französischen Quotisierungssystem. um eine Abwanderung des Kapitals ins Ausland zu verhindern. Bei den nicht zum Börsenhandel zugelas­senen Papieren als ausgesprochenen Spelulaiions- objekten sei eine schärfere Besteuerung durchaus ge- rechtferttgt. Die an der Börse zugelnssenen Papier« würden 86 Millionen erbringen. Vielleicht könne man den Entwurf in den Stempeltarif hineinbringen.

Der Gesetzentwurf besteht aus 17 Paragraphen und ist der Wertzuwachssteuer von Köln nacbgebildet. Der Erwerber eines Grundstückes hat eine Umsatz­steuer von % v. H. des Wertes zu entrichten, die Ver­äußerer den Wertzuwachs, und zwar gemäß einet Skala von 1025 v. H.. bei einer Wertsteigerung von 10150 v. H. zu versteuern. Liegt eine vorige Ver­äußerung mehr als 5 Jahre zurück, so sind geringere Sätze zu erheben, neun Zehntel bis zu 10 Jahren usw. Bei mehr als 25 Jahren nur fünf Zehntel der vorher genannten Sätze. Die Steuer wirkt bis zum Jahre 1884 zurück. § 15 läßt zu, daß Bundesstaaten und Gemeinden noch Zuschläge von insgesamt 2 b. .<?. de» Wertes als Umsatzsteuer erheben.

ließet die Wertzuwachssteuer fuhrt Graf Westarp aus, die gehörten Bürgermeister könnten als unpar­teiische Sachverständige nicht gelten. Die breite Bass», auf die der Entwurf gestellt sei, würde die bisher beobachteten Schwankungen verhindern; 120 Mil­lionen ließen sich daran» gewinnen.

Staatssekretär Svdow erklärt, er beabsichtigte hin­sichtlich der Besteuerung dec Böffe erst Sachverständige zu hören.

Abg. Raab (wirffchaftl. Vg.) meinte, das Besitz- kompromiß sei Wohl allgemein aufgegeben. Der Weg­nahme der Umsatzsteuer für das Reich könne er nicht ohne weiteres zustimmen. Die Wertzuwachssteuer auf Grund und Boden sei dagegen völlig gerechtfertigt.

Während der Sitzung geht eine nationalliberale Resolution ein, die eine Aenderung des Erbschafts­steuergesetzes vom 3. Juni 1906 nach folgenden Ge­sichtspunkten wünscht:

1. Die EffchaftSsteuer wird ausgedehnt auf: al Ehegatten ohne gemeinschaftliche Abkömmlinge, b) eheliche ober diesen rechtlich gleichstehende sowie eingekindschaftete Kinder, c) uneheliche Kinder hin­sichtlich des mütterlichen Vermögens und d) auf Nach­kommen der unter b) und c) aufgeführten Kategorien.

2. Die Steuersätze für die unter 1. aufgeführten Stempelpflichten sind progressiv zu gestalten; Heinere Vermögen bleiben steuerfrei.

3. Sollen, wenn das Mehrerträgni» aus der Ge­setznovelle nicht jährlich 100 Millionen erreicht, die im bestehenden Erbfchastssteuergesehe enthaltenen Steuer­beträge entsprechend erhöht werden.

Weitere Ziffern (47) enthalten Einzelbestim­mungen, u. a. soll unnötiges Eindringen der Steuer­behörde in das Familienleben vermieden werden.

Abg. Dr. BSHme (wirtschaftl. Vg.) beantragt ein« Staffelung der Umsatzsteuer nach dem Wert und grd« lafsung der Grundstücke unter 20 000 X.

Abg. Dr. Weber (natl.) spricht sich dahin aus, daß

Dornen zu begegnen unb uns seine geistig« lleberl«genh«it fühlen zu lassen? Was meinst Du, sollen wir mit dem Stachelritter FriÄen schließen? Treten Sie näher, Prinz Weißborn, ober Brombeerstrauch, was eigentlich zu ihren dunklen Brombeeraugen besser paßti Treten Sie näher unb leisten Sie mir ben Handschlag der Treues"

Damit streckt« di« Sprecherin dem inzwischen Herbeigettetenen lächelnd die Hand entgegen, unb dieser beeilte sich, das Knie beugend, seine Lippen feurig auf di« kühlen, schlanken Finger zu drücken. Vielleicht etwas zu feurig, denn die junge Dame entzog sie ihm sehr schnell unb sagte, diesmal mit einem wirklich etwas sou­veränen, hoheitsvollen Ton:

Stehen Sie auf, Vasall? Wir sind auch ohne die Kniebeugung von Ihrer Treue unb Hingebung Überzeugt. Komm her, Troll, gib dem Herrn ein Pfötchen, schließe mit ihm Freundschaft unb gelobe ihm, wenn er sich an* ^fettlg^unb artig erweist, Deine hohe Gönner- $*§a» mächtige Tier trat gehorsam heran unb legte seine breite, große Pfote schweifwedelnd in die sich ihm entgegenstreckende bräunliche Hand des lachenden Fremden, während es ihn au» klugen, ernsten Augen treuherzig anfah.

____ . tAorffetzung folgt.) ;