mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.-
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Die „Gberhesftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Poft bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Spedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Donnerstag, 20. Mai 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Berlag: Joh. Auq. Koch, Unioerfitätsbuchdruckeret Inhaber Dr. C. Hitz er o th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Zweites Blatt
Vermischtes.
Amerikanische Seeleute in venezolanischer Gefangenschaft. In den Vereinigten Staaten hat eine Depesche aus Kingtown (6t. Vincent) große Erregung hervorgerufen. Ein amerikanischer Seemann, namens Payn«, der einem venezolanischen Gefängnis entsprungen ist, hat berichtet, daß die Offiziere und die Maniffchast des amerikanischen Walfischfängers „Carrie Knowles" in venezolanischen Kerkern als Gefangene behalten würden. Das Schiff sei unweit der venezolanischen Küste gescheitert, und die Behörden hätten die amerikanischen Seeleute ohne jede Erklärung ins Gefängnis geworfen. Payne war in der Lage, die Namen dieser Gefangenen mitzuteilen, und diese Namen stimmen, der „Frankfurter Zeitung" zufolge, tatsächlich mit denen der Besatzung der „Earrie
Zum Htmmelfahrtstage.
,Jn den Mai, des Jahres wonnige Frühlingszeit, fällt der Himmelfahrtstag, der wohl gerade um dieses günstigen Zeitpunktes willen von jung und alt besonders freudig begrüßt wird. Die Blüten prangen und duften, die Vögel fingen und jubilieren, lachendes Himmelsblau lockt wie mit Allgewalt aus der Haft der Stuben und der Enge der Städte in den freien, weiten .Garten der Natur. Und da heißt's plötzlich inmitten des Einerleis der Woche: Heute ist Feiertag! Heraus denn und hinein in die sonnigen Lenzgefilde? — Wer wollte, wie allen anderen, so fich selbst diesen köstlichen Genuß nicht gönnen? Nur sollten wir über der frohen Erdenfahrt nicht ganz vergessen, daß wir sie dem Feste der Him- melfahrt zu danken haben, und sollten darum auch Wald und Flur im Frühlingsschmuck wieder einmal in uns zum Tempel Gottes werden lassen? Wohl sagt man gerade dem heutigen Feiertag« nach, daß seine Botschaft unsere Fassungsgabe vor ein allzuschweres Räffel stelle. Aber ist der Inhalt jener Botschaft darum, weil er allerdings mit dem Verstände allein nicht arsgeschöpft werden kann, auch schlechtweg als heilige Tatsache zu verwerfen? Wenn alles das nur wahr sein soll, was unserem Verständnisse fich lückenlos erschließt, dann wäre zu allererst die ganze wonnige Frühlingspracht mit ihrem Vlütenzauber und Nachtigallengesang eine einzige große Lüge, weil fie ein ewig unfaßbares, von keinem Verstand der Verständigen entschleiertes Wunder bleibt. So fordert denn auch ganz besonders Himmelfahrt zu vornehmer Weitherzigkeit in der Beurteilung religiöser Piro- ble.ne auf und lehrt uns, erhabene Geheimnisse nicht bloß darum zu verdammen, weil wir sie nicht begreifen können. Soviel ist ja gewiß: wem rodlet das „Ehre sei Gott in der Höhe" zu Weihnachten, noch zu Ostern das „Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!" etwa» zu sagen wußte, was über das gar so kleine Eng- gebiet verstandesmäßigen Erfassens hinausging und seine Seele ganz zu füllen wußte, der wird auch von Jesu Himmelfahrt nur bezeugen können: „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." Wer aber den Glauben der Christenheit als eine unwiderstehliche Ueber- zeugungskraft inneren Erlebens und somit als innere Wahrheit erfahren hat, — so gut wie uns allen die Lenzenspracht draußen zur Wahrheit ward, indem wir sie erleben, — dem ist Himmelfahrt nur der notwendig gegebene Abschluß einer Lebensgeschichte, die in einer geheimnisreichen und doch lichtklaren Heiligkeit zugleich das tieffte und reinste Glück des Daseins verbürgt. Himmelfahrt ist ein rechtes Freudenfest. Möchte es Glück und Sonnenschein nicht bloß über die duftenden Lande, sondern auch in alle danach verlangenden Herzen senken!
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Steinbach (Kreis Gießen), 17. Mai. In der Nacht auf Sonntag hat es hier wieder einmal gerannt. Das Feuer enfftand in dem Anwesen des Wirts Karl Horn I. und vernichtete dessen Scheuer, sowie drei Nachbarscheuern. Man vermutet Brandstiftung und es wurden bereits zwei Verhaftungen vorgenommen.
Erdbach, 17. Mai. Die Kapelle zu Erdbach (Dillkreis) wird zur Zeit im Innern unter der Leitung des Kirchenbaumeisters Hofmann in Herborn einer gründlichen Herstellung unterzogen. Bei der Entfernung von alter Tünche wurden nun in diesen Tagen an den Wänden des Jnnenraumes alte Malereien, anscheinend aus der Zeit des Mittelalters stammend, blos- gelegt. Die maßgebenden Behörden sind von dem Freilegen dieser Malereien, welche eine auffällige Äehnlichkeit mit denjenigen in der evangelischen Kirche zu Haiger haben, bereits in Kenntnis gesetzt worden. Es ist wohl zu erwarten, daß diese Funde die nötige Beachtung finden und eine Konservierung der Bilder, wie auch in der Kirche zu Haiger, stattfindet. Danach dürste das so schön gelegene Dörfchen um eine Sehenswürdigkeit bereichert sein. (H. T.)
Mainz, 16. Mai. Ein in Saargemünd verhafteter Neisender namens Hecker aus Ludwigshafen ist jetzt als derjenige ermittelt worden, der hier zahlreiche falsche Einmarkstücke in den Verkehr gebracht hat. Es scheint, daß Hecker die Falschstücke auch hier angefertigt hat.
Frielingen, 17. Mai. Hiesige Waldarbeiter fanden, als fie beim Steinebrechen für Wegebauten einem Hünengrabe aus Versehen zu nahe kamen, einige Schmucksachen aus Bronze.
Siegen, 17. Mai. Ein Unfall, der fich bereits am 3. d. M. ereignete, hat nun noch nachträglich zum Tode des davon Betroffenen geführt. Am genannten Tage wurde der 51 Jahre alte ledige Fuhrknecht Haas, der bei einem hiesigen Fuhrunternehmer in Diensten stand, von einem scheuenden Pferde durch einen Hufschlag am Oberschenkel getroffen. Die Wunde, die an und für sich nicht gefährlich war, wurde im Krankenhause behandelt, wo sich dann später Wundkramps einstellte, an dem der Mann am Samstag gestorben ist.
Vor hundert Jahren.
Unter französischer Herrschaft.
Bon L. Müller.
< Serif efcung.)
Am Hofe in Cassel nannte man die Freischaar des Herzogs von Braunschweig wegen ihrer schwarzen Tracht „die schwarze Räuberbande des Braunschweigers". Auf das Gerücht, daß die Engländer an den Küsten des Meeres gelandet seien, beschloß der Herzog, den Gelandeten die Hand zu reichen und schickte zwei Offiziere, den Oberst von Dörnberg und den Kapitän von Oppen, nach dotten ab. Diese krhr- ten bald mit der Nachricht zurück, daß von einer Landung der Engländer keine Rede sein könne. Also „dre Waffen hoch, die Fahnen frei zum Flattern und in gefährlichem Marsche ging es gegen die Elb- und Wesermündungen. Als der Herzog in Altenburg seine Leute mustette, konnte er nur noch über tausendvierhundert Mann Infanterie mit vier Geschützen und sechshundert Mann Reiter verfügen. Die Feinde dieser schwarzen Schaar waren Deutsche, sächsische Reiter unter Oberst Thielemann verfolgten den Herzog und seine Schaar bis an die Srenze des Königsreichs Westfalen. In Halle bereitete die Studentenschaft den Schwarzen einen begeisterten Empfang, von hier setzte der Herzog am 27. und 28. Juli seinen Marsch bis kluedlinburg fort, wo er am 29. eintraf, gier erfuhr der Herzog, daß der Oberst von Willingerode mit dreitausend Mann Westfälin- 8er auf dem Marsche nach der Weser begriffen besetzt habe. Bei der Üeber- «acht Wellingerodes lief er Gefahr, einge- TOionea, nredergemetzest und gefangen zu wer
den. Er mußte angreifen und den Feind zurückwerfen oder auseinandertreiben. Bald darauf gaben die Geschütze ihr Feuer auf Halberstadt ab. Wellingerode sandte einige Kompagnien dem Feinde entgegen, welche mit den Schwarzen handgemein wurden und den Herzog Wilhelm mit Kartätschen empfingen. Die Westfalen zogen sich in die Stadt zurück und verrammelten die Tore. Auf beiden Seiten floß viel deutsches Blut um französische Sache. Schon stiegen die Schatten der Rächt herauf, fast kein Mann der angreifenden Kolonne blieb unverwundet, darunter die beiden ersten Offiziere des Schützenkorps — da gelingt es dem Maior Korfes, dem das Pferd unter dem Leib erschossen wurde, durch einen glücklichen Schuß das Kühlinger Tor zu sprengen, die Schwarzen dringen in zwei Kolonnen vor und erstürmen die Stabt. Jetzt werden fie mit den Truppen Wellingerodes handgemein. Am heftigsten entbrannte der Kampf in der Kühlinger und am Ausgang der Schmiedestraße. Husaren brachten unter Major von Schrader den Oberst von Wellingerode und den Stadtkommandanten Stock- mayer als Gefangene ein. Die Offiziere Brüder von Eirrewald hatten Wellingerode, der fich verzweifelt wehtte, aus seinen Leuten herausgerissen. Die Marttplätze, die Gassen, in deren Nähe die Kirchen, waren mit Sterbeitden und Toten überfüllt. Wildes Geschrei, das Rollen der Wagen, der Hufschlag der Pferde, unterbrochen von Signalhörnern und Geknatter von Eewehrfeuer, bildeten ein Nachspiel des Dramas, welches fich in der alten Bischofsstadt abspielte. Das Regiment Wellingerodes hatte 600 Mann verloren. Die Schwarzen zählen 400 Tote ui* verwundete. 14 Offizier»
Knowles" überein, so daß Paynes Mitteilung auf Wahrheit zu beruhen scheint. Die „Carrie Knowsles" hat im Januar 1904 ihren Ur- sprungshafen Provincetown in Massachusetts verlassen, und man hat seither nichts von dem Schiff gehört.
Avfelstnen al» Heilmittel «egen Influenza. In London ist gegenwärtig der Umsatz an Apfelsinen außerordentlich groß. Diese Erscheinung veranlaßt nicht nut der durch die Jahreszeit bedingte Mangel an anderem Obst, der durch die in diesem Jahre verhältnismäßig schwachen Aepfelzufuhren aus Amerika noch verschärft wird, sondern vor allem der Ausspruch verschiedener englischer Aerzte, di« den Genuß von Apfelsinen als Vorbeuge, und Heilmittel gegen Influenza empfehlen. In allen Obstläden prangen große Plakate, welche die Apfelsinen als Jnfluenzamedizin anpreisen, und alle Welt macht Apselstnenkuren.
Schwer z« tteffen. Besuch: „Kann ich den Herrn Kommerzienrat sprechen?" — Zofe: „Ich glaube wohl — nur' weiß ich nicht, befindet er sich im Schreib-, Rauch-, Spiel- ober Bibliothekzimmer, bei den Kindern oder im Turn-, Musik- oder Speisesaal. Ist er auch nicht in der Telephonhalle. finden Sie ihn im Billardfalon oder im Wintergarten, im Gemache mit der gnädigen Frau, in der Automobielgarage, im Pferdestall, eventuell in der Ballonhülle "
Berräterische Spuren. „Gestern abend brachte ich meiner Angebeteten ein Ständchen." — „Weiß ich schon?" — „Woher denn?" —- „Ich hab' heut' morgen die Wasserlache vor dem Haus geseh'n."
Humoristisches. A.: „Rubens war ein so großer Maler, daß es ihm möglich war, mit einem Pinselstrich ein lächelndes Kindergesicht in weinendes zu verwandeln." — Kuttchen: „Das Kunststück bringt unser Lehrer mit einem Rohr- stock auch fertig!“
Gttrrivr - Wochenbericht
der Preisberichtftelle des Deutschen Landwirt- schakfsrats vom 11. bis 17. Mai 1909.
Während der deutsche Getreidemartt in der ersten Hälfte der letzten Woche unter dem Einfluß der allgemeinen Abschwächung auf dem Weltmärkte stand, trat auf ihm in der zweiten Hälfte eine scharfe Preiserhöhung ein, die um so bemerkenswerter war, als der Weltmartt mehr zu einer rückgängigen Bewegung neigte. Diese selbständige und unabhängige Preisbildung in Deutschland hatte ihren wHentlichen Grund in der anhaltenden kalten und trodenen Witterung, die zu ernsten Befürchtungen, auch bei Roggen, sowohl hinsichtlich des Ertrages als des Erntezeitpunktes Anlaß gab. Dazu kan die jetzt immer klarer in die Erscheinung tretende außergewähnliche Knappheit an inländischem Weizen und, wie es scheint, allmählich auch an einheimischem Roggen. Von besonderem Interesse bei der letzten Preisbesserung ist noch, daß sie den deutschen Martt endlich auf die Parität mit dem Weltmarkt oder doch nahe an dieselbe gebracht hat, was bisher während des laufenden Erntejahres zu Angunsten einer rechtzeitigen Versorgung mit ausländischem Getreide und zu
von ihnen lagen am Kampfplätze verwundet ober tot. 2000 Mann und 80 Offiziere fielen den Schwarzen ckls Gefangene in die Hände, obgleich Letztere viel geringer an Zahl waren. Rach dem Sieg der Schwarzen in Halberstadt gingen allerlei Gerüchte umher. Man sprach von einem Angriff auf Cassel, Aushebung des Königreichs Westfalen ufro. Jedoch Herzog Wilhelm mußte darauf bedacht fein, die Frei- schaar glücklich weiter zu führen auf dem gefährlichen Marsche, und nach dem Mutigen, siegreichen Tage nach Halberstadt zweffelte auch niemand mehr daran, daß die Freischaar sich glücklich durchschlagen würde, denn Napoleon bot alles gegen ihn auf. Hieronymus begab sich mit seinen Truppen nach Sachsen, wodurch freilich fein Königreich entblößt wurde. Der Herzog Wilhelm schlug feinen Weg nach Wolfenbüttel und Braunschweig, wo er mit feinen Schwarzen glänzend empfangen wurde, ein. Da» nächste Treffen der Heldenschaar fand bei Oelper statt. Wieder standen hier Deutsche den Deutschen gegenüber. Der General Reubel mit 5000 Mann, welchem zur Unterstützung von (Erfurt her unter Eratien die Holländer anrückten. Herzog Wilhelm mußte wieder angreifen, et mußte die Feinde, welche ihn fangen sollten, niederzuwerfen suchen. Hieronymu» schrieb an den Oberst Thilemann: „Der Herzog kann uns nicht entwischen." Aber er entwischte doch. Der schwarze Herzog, der sein Land nach der Schlacht bei Leipzig wieder erhalten hatte, regierte nur zu kurz und unter schweren Zeiten. Ihm war es bestimmt, auf dem Echlochtselde am 15. Juni 1815 bei Quadteba» seine Heldenlaufbahn zu beenden. — Die Entblößung de» Königreich» Westfalen von Truppen rief in
Gunsten eines starken Exports nicht der Fast war. Mit welcher Besorgnis der Handel zur Zeit die Erntsausficht selbst für die wichtigste Brofrucht, für Roggen, ansteht, geht daran» hervor, daß der Mai- und September-Termin mit ca. 183 cM. auf derselben Höhe stehen, während um dieselbe Zeit im Vorjahre der September-Termin um fast 20 M niedriger notierte al ober Mai-Terman. Die große Preisspannung zwischen Weizen pnd Roggen blieb indes bestehen, sie betrug ist Berlin bei Lokoware 79 bei Mai-Termin 75 M, bei Juli-Termin 58 und selbst bei September-Termin noch 87% <K. Erst am Schlüße der Berichtswoche hat angesichts der stärkeren Verschiffungen aus Rußland und der günstigen Saatenstandsberichte aus diesem Lande eine kleine Abflauung ein. Hafer ist nach wie vor fest, zumal es an kontraktlicher Ware fehlte; auch Mais konnte seinen Stand behaupten, während Futtergerste in der ersten Hälfte der Berichiswoche etwas nachgiebiger war. Von Braugerste hört man im Verkehr nichts mehr.
ES stellten fich heute die Getreidepreste in 'Wart pro 1000 Kilogr. an den nachgenannten Orten, wobei das Mehr (+) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vor- Woche in Klammern () beigrfügt ist, wie jolgt:
Haier
Roggen
Leipzig
Metzen
Berlin 260 (4-6) 183 (+3) 209 (4-3)
Leipzig 261 (4-7) 181 (4-1) 205 (4-5r
Hamburg 252 (4-2) 181 (4-H 204 (4-l>
Frankfurt a. M 262’/, (4-2«/,' 188*/, (4-2«/? 195 (4-2«/,'
Mannheim 260 (—) 185 (—> 192*/, —)
UarJorVRP.No.!82747/48u.l89733/34. raienTierierengl. Pat. No. 1662S, franz. Pat No 369234 belgisch.Pat.No. 194219)
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Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. phil. Carl Hitzeroth in Marburg.
Marburg einen Aufstand hervor, der zweck- und aussichtslos war und nur den Erfolg hatte, die Zahl der unglücklichen Opfer des Patriotismus noch zu vermehren.
Der Anführer dieses Aufstandes war der 75jährige Oberst Emmerich. Am 24. Juli 1809 meldete der Moniteur darüber Folgendes: „Aufgewiegelte Bauern sind, 400—500 an der Zahl, in der Nacht vom 24. Juni vor den Toren von Marburg erschienen und in die Stadt eingedrungen. Als fie auf den großen Platz kamen, wurden fie von der Departementalgarbe zurückgedrängt und verfolgt. Die Anführer wurden verhaftet, unter anderen auch ein gewisser Herr Emmerich, ein ehemaliger englischer Oberst. Unter dessen Papieren hat man einen an Schill adressterten Brief gesunden. worin er diesem meldet: ,b«ß Dörnberx bald zu der unter seinen Befehlen stehender Räuberbande stoßen würde." Da bet Herr Präfekt den Herzog von Valmy von diesem Aufruhr unterrichtete, so kam am 26. Ju i General Bayer, Chef vom Eeneralstab der Obser- vattonsarmee, mit 15 000 Mann Infanterie einer starken Abteilung Dragoner und einer Batterie Artillerie in Marburg an."
Jener Bauernaufstand war schon zur Zeit des Dörnbergschen Aufstandes geplant gewesen und infolge zu spät erhaltener Nachricht vorerst unterblieben. Infolge der verbreiteten falschen Kunde, der Kuttürst sei mit einer in Oesterreich angeworbenen Legion, unterstützt von zwei österreicher Korps Landwehr, jedes in der Stärke von 5000 bis 6000 Mann, im Anmarsch, welchen sich die Hessen anschließen sollten, wurde da» törichte Unternehmen in Szene gesetzt.
t (Fortietzung folgt.) 1