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DieGverhesftlche Iritmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der

12 117 Sonn» und Feiertage. Der BeznaSp H* jährlich durch die Post bezogen 3,25 Mk. (

Erstes Blatt

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»reis beträgt viertel- . , , . . (ohne Bestellgeld), bei

unser» ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

(Nachdruck verboten.)

Gr« Sommerlraum.

Roman von Ä. van veeker.

< Fortsetzung.)

Wieder schallte der matte Ton des Abend-

Marburg

Donnerstag, 20. Mai 1909.

Die Hochwasserschäden im Ueberschwemmunqs - Gebiet.

Die Hochwasserschäden haben sich nach zwei Richtungen geltend gemacht, nämlich Anfang Februar durch die Schneeschmelze uni> Mitte Februar durch den Deichbruch in der Altmark. Durch die Schneeschmelze sind besonders die Ge- birosdörfer heimgesucht, in Hessen-Nassau das Lahntal und seine Seitentäler, die Rheinpro­vinz in der Gegend zwischen Rhein und Main, in der Provinz Hannover die Leinegegend und in der Provinz Sachsen die Kreise Heiligen- stadt, Mühlhausen und Nordhausen. Im Durchschnitt sind die Schäden kleiner, als an­fangs befürchtet war.

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage.

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Deutsches Reich.

Der Kaiser in Wiesbaden. Wiesbaden, 18. Mai. Heute nachmittag 4 Uhr fand auf Allerhöchsten Befehl ein Galakonzert im großen Saale des Kurhauses statt, der mit einer glän­zenden Gesellschaft bis aus den letzten Platz ge­füllt war. Der Kaiser, die Kaiserin, die Prin­zessin Viktoria Luise und die Damen und Herren des Gefolges wohnten dem Konzerte bei. Nach­dem das Kurorchester unter Leitung des Kur- kapellmeisters Afferni die Beethovensche Leo- noren-Ouverture Nr. 3 vorgetraqen hatte, folgte das Auftreten der französischen Sänger der: Soci^ nationale des Orchionistes Trick-Sicks* aus Tourcoing unter Leitung des Herrn Josef Duysburgh.

Fürst Bülow. Wiesbaden, 18. Mat. Der Vortrag des Reichskanzlers, Fürsten v. Bü­low, bei Seiner Majestät dem Kaiser heute vor­mittag dauerte zwei Stunden. Am Nachmittag gewährte die Kaiserin dem Reichskanzler eine Audienz. Später konferierte der Reichskanzler mit dem russischen Botschafter, Grafen von der Osten-Sacken. llnterstaatssekretar Löbell be­gab sich heute nachmittag zum Reichskanzler nach Wiesbaden.

Deutscher Besuch ht Rußland. Petersburg, 18. Mai. Hier ist eine Deputation des Kaiser- =^'1' ' -_____= = Zj==^

Mit diesem Trost mußte sich der arme Rei­sende denn vorläufig wirklich begnügen, und nachdem er fluchend erst zwei Drittel des in rot- karrierten Bezügen steckenden derben Feder- überflusies beiseite geschafft hatte, machte ihn» die immer stärker auftretende Müdigkeit selbst dies ungewohnte Lager so bequem und ange­nehm, daß sogar der Gedanke an die schöne Fremde, den er anfangs noch sehnsüchtig und entzückt in sich auftauchen ließ, sr, ll und voll- stänchig in einem tiefen, traumlosen Schlummer untetfltnfl.

Mit dem Erwachen traten freilich im neuen Tageslicht auch all seine Sorgen und Bedenken wieder riesengroß vor ihm an, und die liebe Sonni", die recht groß und unverschämt durch das einzige, unverhängte Fenster seines soge­nannten Zimmers einiguckte, erfüllte durchaus nicht die freundlichen Versprechungen der alten Schiffliwirtin, sondern beleuchtete dem verzwei­felten Kulturmenschen nur noch deutlicher wie das gestrige schlanke Tageslicht all das, was war und nicht war. Ungenügendes Wasch­wasser, fehlende Schelle, ungeputzte Stiefel unb nach langem Warten ein Kaffee, der durch Länge all das ersetzen sollte, was ihm an Stärke und Echtheit fehlte, waren Dinge, welche den Humor des Schiffligastes nicht sehr hoben, und als er nach eingenommenem Morgenfrühstück sich zu einem Spaziergang in die B .ge an- schickte, war er tödlich entschlossen nur noch die Ankunft seines leichtsinnig hierher beorderten Koffers abzuwarten und dann Seebergen, bem Schiff« und all den mit den beiden verbunde­nen Reizen und Nichtretzen für ewig den Rücke» zu wenden.

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und sich vergegenwärtigte, daß er seine Wohn­stätte für einige Wochen in diesem Staunte auf- ichlagrn sollte, dessen Höhe mit dem erhobenen Arm bequem zu erreichen und dessen Breite mit einigen langen Schritten ebenso bequem zu ermessen war. Den größten Teil desselben nahm ein unter riesigen FÄierkissen auf dünnen, wackligen Beinchen schon vor dem Gebrauch mit Zusammensturz drohendes Bett ein, dem sich als anmutiges Pendant ein pritschenarttges Sofa, ein hinkender Tisch, zwei sehr unsichere Stühle und ein spinnenbeiniger Waschtisch mit einem winzigen, höchstens Säuglingsbediirfgissen ge­nügenden Waschschälchen anschloß. Wenn dazu noch sein Koffer kam, so konnte der E'nwohner nur mit Schlangenwindungen und Seiltänzer­sprüngen sein Reich bereisen, und umsonst fragte er die ihn hinaufbegleitende Schiffliwi-.tii- eine echte, kernige, alte Schweizergestalt irrt nackten, schmutzigen Armen und einem in Humor, Schmutz und Eutmüttgkeit leuchtendn Gefickt, verzweifelt, ob sie denn nicht ein etwas größere» und besseres Zimmer habe, er wolle gern bezah­len, was sie dafür verlange. Aber die alte Schwerzerdame, die von dem eleganten Nord­deutsch ihres Gastes ebensowenig verstand, wir er ton ihrem unverfälschten Schweizerdialc't. schüttrlte nur mißbilligend den Kopf, und mit der des Tages Last und Mühen in dunklen Spu'kn auf stch tragenden breiten Hand freund­lich itn zart grau bekleideten Rücken desselben klopfend, beteuerte sie immer wieder, daß dies idr schönstes Stübli sei, in dem schon manch feines Herr« logiert hätte, und daß dir Sach' schon gehen würd', wenn nur erst die lieb« Sonni eingucken tät und da» .junge Herrli ordentti ausgeschlafen hätf.

Durch die freiwilligen Gaben stich etwa 2 Millionen zusammengebracht. Die Regierung beabsichtigt ebenso wie in früheren Fällen die Unterstützungen zunächst außeretatsmäßig zu zahlen und demnächst eine Denkschrift über die Verwendung dem Landtag vorzulegen.

Die Finnnzkommisston. Zu Beginn der heutigen Sitzung der gänanzkommiffion der Reichstags, die vom stellverttetenden Vorsitzenden Abg. Dr. Spahn eröffnet wurde, richtete der Abg. Schulz (Reichsp.) an den bisherigen Vorsitzenden Abg. Dr. Paasche die nochmalige Bitte, den Vorsitz wieder zu übernehmen. Dieser lehnte jedoch mit Dank für daS ihm erwiesen« Vertrauen daS Anerbieten ab. Darauf wählte die Kommission den Abg. Frhr. v. Richthofen-Damsdorf (kons.) zum Vorsitzenden, der die Wahl annahm, mit der Bitte, auch bei den weiteren Verhandlungen die bisher geübte Sachlichkeit zu bewahren. Nach der Wahl des Vorsitzenden fand die Abstimmung über den Artikel 4 der Vorlage der Subkommission betreffend die Tabaksteuer statt. Der erste Satz des Artikels 4 (Termin des Inkrafttretens und Aufhebung der Vor» schrift des § 1 Abs. 1 des Zigarettensteuergesetzes vom 3. Juni 1906) wurde mit 13 gegen 12 Stimmen der Sozialdemokraten, der Polen und eines Teils der Freisinnigen und der Nationalliberalen angenommen. Die Kommission erklärte damit die Abstimmung über die Banderolensteuer in erster Lesung für erledigt, sodaß diese in erster Lesung abgelehnt ist. Die Zu­satzanträge, welche heute von der Finanzkommission auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung gesetzt wurden, sind die Anträge Richthofens betreffend dir Bestimmungen über die Besteuerung aller zum Bör­senhandel zugclassenen Wertpapiere und über die Er­hebung der Umsatz- und Wcrtzuwachssteuer. Der Steuersatz der Wertpapiere schwankt zwischen 23 * vom Tausend bezw. 24 M vom Tausend des ganzen zu Beginn des Steuerjahres amortisierten Kapitals. Befreit sind die Renten und Schuldverschreibungen des Reichs und der Bundesstaaten. Steuerpflichtig sind ferner Kauf- und sonstige Anschaffungsgeschäfte auch über Wertpapiere, die nicht zum Börsenhandel zugelassen sind. Die Umsatz- und Wertzuwachssteuer wird erhoben vom Erwerber, der % Prozent des Wertes und vom Verkäufer, der die Wertzuwachs­steuer zu zahlen hat, die 10 Prozent beträgt, und bei einer Wertsteigerung um mehr als 10 Prozent sich progressiv steigert bis 25 Prozent bei einer Wert­steigerung um mehr als 150 Prozent. Diese Sätze kommen jedoch nur zur Erhebung, wenn der letzte Be­sitzwechsel höchstens 5 Jahre zurückliegt. Bei einem längeren Zeitraum treten Ermäßigungen ein. Die Finanzkommiffion hat die Denkschrift betreffend die Aenderung der Fahrkartensteuer zur Kenntnis ge­nommen und darauf nach langer Debatte die von dem Vorsitzenden Frhr. v. Richthofen für morgen vor­geschlagene Tagesordnung, Besitzsteuerkompromiß mit den Zusatzanträgen und Erbschaftssteuer, an­genommen.

Aus dem Reichstage.

Bom Reichstag wurden heute zunächst die revi­dierte Berner Uebereinkunst, das deutsch-amerikanische Abkommen über gewerblichen Rechtsschutz, das Münz­gesetz und die Bankgesetznovelle in dritter Lesung end- giltig genehmigt, ebenso der Gesetzentwurf betreffend die Verwaltung des Reichsinvalidenfonds und des Hinterbliebenenversicherungsfonds-

Bei der dritten Lesung der Novelle zur Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen wandte sich Abg. Dr. Strnve (frs. Vg.) polemisierend gegen den Abg. Dr. Hahn. Er bekämpfte dessen Stellungnahme in der Frage der Futtermittel-Einfuhr und verlas dann einen an ihn gerichteten Brief des Geheimrats Pro­fessor Adols Wagner, aus dem hervorgeht, daß Pro­fessor Wagner in der Versammlung der Steuer- und Wirtschaftsrcformer den AusspruchSie wollen nur nicht bezahlenl", den Dr. Hahn ihm nachgesagt batte, tatsächlich nicht getan hat. Abg. Dr. Hahn (kons.) er­klärte, daß ein anderer Herr ihm diese Acußerung mitgeteilt habe. Davon, daß er nicht die Wahrheit gesagt habe, könne in keinem Falle die Rede sein. An der persönlichen Auseinandersetzung beteiligten sich noch die Abg. Stolle (Soz.), Gothein (frs. Vg.), Dr. Mösicke (kons.) und Fegter (frs. Vg.). Der Abg. Dr. Struve äußerte, Professor Wagner habe nicht nur an Dr. Hahn, sondern auch an ihn selbst einen Brief ge­richtet, weil er von der Loyalität des Dr. Hahn wohl nicht genügend überzeugt gewesen sei. Dagegen pro­testierte Abg. Dr. Hahn sehr lebhaft.

Nach dieser unfruchtbaren Debatte wurde die Vor­lage en bloc angenommen. Cfjne erhebliche Debatte gingen dann in dritter Lesung daS Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, der Bericht der Reichs- schulden-Kommisston und der Rechnung der Kasse der Ober-Rechnungskammer vorüber. Dagegen kam es zu einer längeren, ziemlich erregten Debatte bei der Rechnungsübersicht über Ost- und Südwestafrika für 1901. Abg. Görcke (natl.) beanstandete in Ueberein- stimmung mit der Rechnungskommiffion eine Etats­überschreitung in Höhe von 127 400Ä zum Bau eines Helling und einer Mole. Mit ihm suchen die Abg. Erzberger (Ztr.) und Ulrich (Soz.) daraus eine große Staatsaktion zu machen. Staatssekretär des Reichskolonialamts Dernbnrg, der persönlich über­haupt nicht beteiligt ist, weil der Vorgang lange vor seiner Amtsführung liegt, machte darauf aufmerffam, daß die Rechnungskommiffion des Reichstages im Jahre 1903 unbedenklich Decharge erteilt hat. Und das war gut so, denn der Beamte habe zwar in un­zulässiger Weise gehandelt, er habe aber auch im In­teresse der Reichskasse gehandelt, indem er aus eigener Initiative ein notwendiges Werk ausgeführt habe.

Abg. Erzberger sprach von Eiertanz, den der Staatssekretär vollführt habe, Abg. Ulrich meinte, der Schmuß" des Staatssekretärs könne dem Reichstage nicht imponieren Präsident Graf Stolberg bat, einen anderen Ausdruck zu wählen (Große Heiter­keit). Abg. Ledebour (Soz.), der eine unparlamen­tarische Zwischenbemerkung machte, wurde zur Ord­nung gerufen.

Nachdem Abg. v. Oertzen (Rp.) für die dritte Le­sung der Rechnungsübersicht einen Antrag angekün­digt hatte, der zwar Mißbilligung der Handlung aus­spricht, aber keine gerichtliche Verfolgung der schul­digen Beamten verlangt, wurde der beanstandende Antrag der Rechnungskommission einstimmig an­genommen.

Der PrSstdent machte dann noch Mitteilung von einer Einladung des Oberbürgermeister Gauß zum

Der Minister des Innern hat die Oüerprä- sidenten veranlaßt. Erhebungen anzuftellen, welche Verbände Schäden erlitten haben, die aus eigenen Mitteln nicht auszugleichen sind, und welche leistungsschwache Private in ihrer Existenz gefährdet worden sind. Die Berichte der Oberpräsidenten sind mit Ausnahme der Rheinprovinz noch nicht eingegangen. Die Staatsregierung hat wie in früheren ähnlichen Fällen zur Hauptsache die Unterstützungen durch Darlehn in Aussicht genommen, welche auf drei Jahre unverzinslich vorgestreckt werden sollen, um dann in fünf Jahren zurückgezahlt zu wer­den unter Verzicht auf 15 Prozent des Kapitals. Es ist dabei von der Staatsregierunq gefordert, daß die Provinzen sich beteiligen. Die Rhein- provinz hat sich hierzu bereit erklärt. Der Schaden in der Rheinprovinz ist auf reichlich eine halbe Million geschätzt, die Provinz trägt 40 Prozent. Die Berichte aus dem Lahntäl liegen noch nicht vor, ungefähr wird der Schaden auf eine halbe Million veranschlagt. Der Scha­den in Hannover, im Leinetal, wird über­schläglich auf eine halbe bis dreiviertel Mil­lion geschätzt. Der Schaden in den drei Kreisen der Provinz Sachsen wird voraussichtlich erheb­lich niedriger werden, der größte Schaden ist durch den Deichbruch in der Altmark entstanden. Die Schadenabschätzung konnte noch nicht zu Ende geführt werden.

gen des Vorredners und begründete den Äntrag Borgmann auf Einsetzung selbständiger Gruben­kontrolleure au« der Mitte der Arbeiter.

Abg. Jmbusch (Ztr.) erkannte das Bestreben der Regierung den Arbeitern zu helftn an, und bedauert« die VerschlechterungSmaschine im Parlament. Redner sprach sich entgegen dem Abg. Beumer für die Not­wendigkeit der Arbeiterorganisation aus.

Handelsminister Delbrück bat um Ablehnung bet Antrages Borgmann. Die Regierung habe bei der Vorlage den verschiedenartigen kollidierenden Inter­essen Rechnung getragen. Die Sicherheitsmänner seien gegen ungerechtfertigte Maßregeln geschützt. Der Minister sagte: Die Vorlage bedeutet einen festen Entschluß der Regierung und der Parteien des Hauses, den Arbeitern, welche auf dem Boden der gegebenen Staats- und Wirtschaftsordnung stehen, loyal die Hand zu reichen und ihnen zu helfen. Neh­men Sie dankbar das Gebotene an und verabschieden Sie den Gesetzentwurf in der Kommissionsfassung.

Nach weiteren Ausführungen der Abg. Korfantv (Pole), Beumer (natl.), Spitzln (freikons.) und Wolff-Lissa erbat Abg. Brust (Ztr.) die Annahme seines Antrages, nach dem in § 80 f. die Worte unterirdisch betriebenen" zu streichen sind.

Hierauf wurden die sozialdemokratischen Anträge abgelehnt und der Antrag Brust angenommen, jedoch der durch den Antrag Brust nunmehr abgeänderte 8 80 f. gegen die Stimmen des Zentrums abgelehnt. Hiernach wurde § 80 f. a bezüglich der Zahl der Sicherheitsmänner debattelos angenommen. Hierauf wurde £ 80 f. b bezüglich des Wahlmodus und der Persönlichkeit der Sicherheitsmänner unter Ableh­nung aller Abänderungsanträge gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen in der Kommissions­fassung angenommen.

Bei der Beratung über den Wahlmodus der Mit­glieder des ArbeiterausschuffeS wandte sich der Abg. GronowSki (Z.) in Begründung eines Abänderungs­antrages vornehmlich gegen die Art, wie der Abg. Beumer sich über die Arbeiter äußerte.

Minister Delbrück bat um Annahme der Kommis­sionsbeschlüsse, weil dadurch den Arbeiterausschüssen größere Leistungsfähigkeit gewährleistet werde.

Hierauf wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt; außerdem Wahlprüfungen.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Am Ministertische: Handelsminister Delbrück.

Zunächst wird der Staatsvertrag zwischen Preußen und Hamburg, betreffend die Verbesserung des Elb- fahrwassers, mit der Koehlbrandvorlage sowie der Ge­setzentwurf über den Bergwerksbetrieb außerpreu- ßischer Gewerkschaften in dritter Lesung angenommen.

Es folgte die weitere Beratung der Novelle des Berggesetzes. Nach Ablehnung einiger sozialdemo­kratischer Anträge bezüglich der Verantwortlichkeit der Bergwerksbesitzer und Aufsichtspersonen ging daS Haus zur Beratung der Anstellung der Sicherheits­männer sowie des Arbeiterausschusses in unter­irdischen Betrieben (§ 60 f.) über.

Abg. Beumer (natl.) befürwortete die Annahme des Paragraphen.

- Abg. Leinert (Soz.) widersprach den Ausführun-

fühlte et mit seiner auf Schönheit, Sauberkeit und Eleganz gestimmten Seele sich so aus allen Himmeln gerissen, daß er am liebsten gleich wieder umgekehrt und irgendwohin gewandert wäre, wo Kultur und Bildung den passenden Rahmen für die herrlichen Bilder einer groß­artigen Natur lieferten. Das war nun freilich für heute nicht mehr möglich, denn der fast sechsstündige Weg, den er von der letzten Eisen­bahnstation wandernd zurückgelegt hatte, war jetzt, bei einbrechender Dämmerung und mit müden Beinen, nicht gut zu wiederholen. Außerdem hatte Heinrich Werner, den Schil­derungen eines Studiengenossen blind ver­trauend, sich Seebergen als Ziel- und Kern­punkt feines Ferienausfluges gesetzt und jein Gepäck dahin beordernd, sich wenigstens vor­läufig an das kleine, feinen Anforderungen an Komfort so wenig genügende Nest gebunden.

Während Heinrich Werner die auf rissigen, braunen Tellern servierten Speisen von zwei­felhafter Güte mit der Toleranz eines ausge­hungerten Magens daher klaglos herunter­schluckte und feinen gesunkenen Mut etwas an dem zwar herben, aber reinen, roten Landwein aufrichtete, verwunderte er sich selbst über die Ansprüche und Bedürfnisse, von deren Empfind-, lichckeit und Ausdehnung er im Alltagsleben und auf feinen sonstigen, stch im großen Per- kehrsgleise bewegenden Reisen bis jetzt gar- nichts gewußt hatte und schalt stch weibisch und verweichlicht, ohne dabei über die Ungemütlich­keit und Unschönheit seiner augenblicklichen Um­gebung hinauskommen zu können.

Sein Unbehagen wuchs, als er über zwei knarrende, schmale und steile Holzstiegen in das einzig, Logierstüble bw Haufe, geführt wurde

alöckchens zu dem noch immer sinnend Dastehen­den empor und rief den jungen Träumer in die Wirklichkeit zurück. Ueber stch selbst den Kopf schüttelnd, nahm dieser jetzt den unschuchi- gen Hervorrufer der eben erlebten Szene, den Knotenstock, fester in die Hand und schritt mit schnellem Entschluß und ohne einmal den Kopf zu wenden, seinen Pfad weiter. Freilich flogen seine Gedanken beim Gehen immer wieder zu dem schönen, eben genossenen Bilde zurück, und die pessimistischen Ernüchterungen, mit denen er feine noch immer hochflutende Begeisterung selbst zu dampfen versuchte, fielen auf einen ziemlich unfruchtbaren Boden.

Erst als mit dem austauchenden gesuchten »Schiffli", einem langgestreckten, weißgetünchten Bauerngasthof, dem mächtige Linden vor der Sür einen Anstrich von Behaglichkeit und Schönheit gaben, die Wirklichkeit und der All­tag dem müden und, wie er jetzt erst merkte, auch recht hungrigen Wanderer zwingend ent- gegentraten, ruckte der poetische Eingang seines Seeberger Aufenthaltes etwas in den Hinter- fitunb, und als er in dem großen, niedrigen Gastzimmer, das nur notdürftig mit einigen hölzernen Tischen und Stühlen möbliert war, von der mageren, häßlichen Wirtstochter be- vient wurde, die den weichen Gurgeltönen ihres heimlichen Dialekts sehr zu deren Nachteil einen

hochdeutschen Glanz zu gebe» suchte,

Besuch von Stuttgart im Anschluß an den Besuch in Friedrichshafen (lebhaftes Bravo) und wünschte allen Abgeordneten fröhliche Feiertage (Heiterkeit und-

K. Nächste Sitzung: Dienstag. 15. Juni. V: e auf Aenderung der bestehenden mecklenburgi­schen Verfassung.

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will an der Hilfsaktion mit einem Fünftel des Gesamtbetrages stch beteiligen.

Inzwischen hat die Staatsregierung einge- griffen, wo dies dringend erforderlich war. Nach Hessen-Nassau sind etwa 30 000 Jl gekom­men und für die Altmark sind 400 000 «M. bereits aufgewandt. Es sind jedoch nicht bloß Darlehn gegeben,, sondern etwa 160 000 <M. sind ä fonds perdu von der Staatsregierung verwandt wor­den und zwar namentlich da, wo es sich um die Kosten für militärische Hilfsaktionen und sani­täre Maßnahmen handelt» Herstellung von Brunnen, Austrocknung von Ortschaften usw. Auch haben in einzelnen Fällen ganz leistungs­fähige kleine Leute, die Darlehne doch nicht würden zurückzahlen können und durch Zu­wendung aus der freien Liebestätigkeit nicht ausreichend bedacht werden konnten, Unterstütz­ungen erhalten.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile

oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen SO Pfennig. 11 cy*«;«»

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckere«

Inhaber Dr. S. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.