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Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. Carl Hitzeroihin Marburg.

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DieGderhesstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der 1 ~ ~ »reis beträgt viertel»

. .. . , (ohne Bestellgeld), bei

unser» Zeitungsstellen und der Expedition Markt 21', 2 Mk.

Hessen-Nassau und Nachbargebiele.

Frankfurt, 15. Mai. Das Präsidium der Luftschiffahrt-Ausstellung hat auf 30. August bis 1. September ein großes Internationales Wettfliegen zu Frankfurt a. M. anberaumt. Vor und nach diesen Tagen find mehrere eigene Verbandstage für fremde Nationen wie den Aero-Club des France, Aero-Club of the U. Kingdom rc. bestimmt worden. Ferner sind sämtliche Luftschiffahrtverbände eingeladen wor­den, in Frankfurt interne Wettbewerbe zu ver­anstalten, wobei ihnen unter der Voraussetzung, daß mindestens 5 Ballons di« Mitfahrenden des betr. Verbandes zugleich starten, eine Reihe von Vergünstigungen eingeräumt werden.

G. Hanau, 16. Mai. Der landwirtschaftliche Kreis­verein hält den Erlaß eines Gesetzes zur Regelung der Verpflichtung der Eberhaltung für erforderlich und ersucht den Vorstand der Landwirtschaftskammer für den Reg.-Bez. Cassel, die Frage zur Beratung zu stellen.

Wiesbaden, 15. Mai. Zu Ehren des Kaisers von Rußland findet an dessen Geburtstag am Mittwoch, den 19. d. M., vormittags, auf dem Kursaalplatz vor dem Kaiser und der Kaiserin eine Parade statt, zu der, wie verlautet, nicht nur, wie sonst, das 80. Regiment, die hiesige

Der Eisenbahnunfall bei Herlisheim.

Colmar, 15. Mai. Die Ursache der Kessel- explosion der Güterzugsmaschine ist noch immer nicht einwandsfrei festgestellt: möglicherweise war der Kessel überhitzt. Der Schnellzug fuhr direkt in die Güterwagen hinein und stand so­fort infolge der Explosion des Gases in Flam­men. Die Maschine und der Packwagen liegen in einer sumpfigen Wiese, die beiden Schlafwa­gen auf dem Bahndamme, wo sie total ausge­brannt sind: sie bilden nur noch einen wüsten rauchenden Trümmerhaufen von verbogenen Eisenstücken. Es wird für möglich gehalten, daß unter den Trümmern noch Tote liegen, die dann verbrannt sein müßten: bisher hat man aber nichts gefunden. Auch heißt es, daß der Passagier, dessen Leiche völlig verbrannt und entstellt aufgefunden wurde, eine Dame gewesen sei. Der Materialschaden ist sehr groß, er soll über zwei Millionen Mark betragen. Die Post des Schnellzuges ist fast ganz verbrannt: nur 4 von 38 Postsäcken sollen gerettet worden sein, die nach Holland und Frankreich bestimmt waren. Was verbrannt ist, sollen meistens Wertsachen für Holland gewesen sein, doch auch ein Postbeutel mit 6000 M. Inhalt. Die Post im Eüterzuge wurde durch die Geistesgegenwart des Postschaffners gerettet, der sie sofort aus dem brennenden Wagen herauswarf. Die Bevölker­ung aus den umliegenden Orten wurde durch Sturmläuten herbeigerufen und leistete mit zwei Schwadronen Dragoner, die aus Colmar herübergeritten waren, tatkräftige Hilfe.

Colmar, 15. Mai. Bei dem Eisenbahn­unglück find nach den bisherigen amtlichen Fest­stellungen folgende Personen getötet oder töd­lich verletzte worden: 1. Lokomotivführer Chou- lat-Straßburg: 2. Lokomotivheizer Strack-Straß­burg ; 3. Lokomotivführer Krantz-Straßburg, in Mülhausen gestorben: 4. Lokomotivführer Alte- wein-Straßburg: 5. Oberpostschaffner Ludwig Roll-Straßburg: 6. Regierungsreferendar von Bötticher-Düsseldorf; verletzt: 1. Bremser Lam- bert-Schiltigheim, Schulterkontusion, Bruch dreier Rippen, ist im Bürgerhosvital Colmar: 2. Zugführer Lange-Kronenburg, Brandwun­den, leichte Quetschungen, zu Haus«: 8. Hilfs­bremser Rappold-Hausbergen, Nervenchok, zu Hause: 4. Fabrikant Karl Buchholz-Krefeld, Beckenbruch und Quetschungen, zu Hause: 5. Sei­denfabrikant Wilhelm Schmitz-Zürich, Bruch des rechten Oberarmes, HotelTerminus" in Col­mar. Außerdem wurden wahrscheinlich mehrere Personen leicht verletzt, die sich qjer nicht ge­meldet haben.

Straßburg L C., 15. Mai. Die Generaldirek­tion der Reichseisenbahnen teilt mit, daß der zweigleisige Betrieb bei Herlisheim heute nach­mittag 2 Uhr wieder ausgenommen worden ist.

Marburg

Dienstag. 18. Mai 1909.

tf«: es.

Vermischtes.

Gut verteidigt. Präsident:Angeklagter, gestehen Sie Ihr« Schuld ein?" Angeklagter: Nein, die Rede meines Verteidigers hat auch mich von meiner Unschuld überzeugt."

Er kennt sich. Lump zum Richter:Herr Richter, ich hätt' fetzt gerad' Zeit. Könnt' ich nicht einen Monat absitzen? Wissen's ich fürcht' immer, ich stell' die nächste Zeit wieder 'was an."

Aus dem Reichstage.

In der 258. Sitzung am Samstag wurde die Be­ratung des Vichsenchengesetzes fortgesetzt. Nach einer von unfreiwilligem Humor getragenen Polemik des Abg. Kobelt (liberal) gegen die Abg. Dr. Hahn und Dr. Röficke befürwortete Abg. v. Trzinski (Pole) einen Antrag, den Grenzbewohnern die bisher üblichen Vergünstigungen zu belassen. Nach weiterer unwesent­licher Debatte tvies Abg. Siebenbürgen (kons.) die Behauptung des Abg. Fegler (frs. Vg.) zurück, daß niemand an die Banernfreundlichkeit der Abg. Dr. Hahn und Dr Rösicke glaube. Seine Freunde lehn­ten alle Anträge ab und er selbst nehme im Interesse der Annahme der unveränderten Kommissions- beschlüsse seinen Antrag zurück. Auch der viel- umstrittene 8 6 wurde angenommen. Bei § 7, der 'auch die Einfuhr von Gegenständen verbietet "ober be­schränkt, die Träger von Ansteckllngsstoffen sein kön­nen. hielt Abg. Dr. Hahn (fonf.) Abrechnung mit den Gegnern des Entwurfs. Die Lederindustrie werde nicht geschädigt, die Äroßgerbereien hätten sich selbst für das Gesetz ausgesprochen. Auch der Antrag t>. TrzinSki sei abznlehnen, da gerade an den Grenzen die Gefahren am größten seien. Die Abg. Fegter und Wachhorst de Wente redeten den Leuten nach dem Munde, je nachdem eine Gegend irrf'r Rindvieh- ober mehr Schweinezucht betreibe tGroße Heiterkeit.) Schon durch seine Stellunanabme zu diesem Gesetze beweise der Bund der Landwirt,-, dah er nicht nur für den Großgrundbesitz, sondern für die ganze Landwirt­schaft eintrete. (Beifall ) Alle Anträge zu den ein­zelnen Paragraphen wurdrn abaelebnt. Nächste Sitzung Montag, 17. Mai. Tagesordnung: Fort­setzung und kleinere Vortagen.

Im $bacortmeb,n?i(riie

wurde am Sonnabend die dritte Lesung des Kultus- rtats fortgesetzt. Abg. Lessman» (Soz.) suchte sich gegen die gegen ihn und sein Verhalten erhobenen Vorwürfe zu verteidigen. Wem seinTon" nicht paffe, der möge die Regierung und die Rechte veran­lassen, in dieser Beziehung mit gutem Beisviel voran- Jugehen. Abg. Strosser (kons.) erklärte, die Lehrer- chaft würde sich die Vertretung durch den Abg. Hoff­mann genau so verbitten, wie die Förster den Abg. Borgmann (Soz.) in gleichem Sinne desavouiert hätten. Abg. Dr. Schepp (frs Vp.) betonte, daß die Mehrzahl der Lehrer auf dem Standvunkt siebe, der Religionsunterricht sei der Schule als wichtiges Er­ziehungsmittel zu erhalten. Abg. v. Arnim-Züsedom (kons.) verlas aus derBremer Bürgerzeitung" die Stelle, deren Richtigkeit letzthin der Abg. Hirsch (Soz.) angezweifelt hatte. Damit sich aber d-e Sozial­demokraten über den Inhalt ihrer eigenen Blätter informieren könnten, lege er das Exemplar der

schossen, und Sie alle stimmen mit mir in den frohen Ruf ein: Unser lOOOster Student lebe hoch!

Dabei überreichte der Redner dem nebenan stehenden Herrn von Archenewskq die erwähnte Urkunde und einen schönen mit blau-weiß-roten Bändern geschmückten Strauß. Die fein und zierlich durch Herrn Universitäts-Sekretär Kö­nig ausgestattett Urkunde hatte folgenden Wortlaut:

Denk studiosus juris

Herrn Wassily von Archenewsky wird hiermit bescheinigt, daß derselbe im Som­mersemester 1887 aus hiesiger Universität als der

Tausendste Student immatrikuliert worden ist.

Marburg, den 13. Juli 1887.

Geschäftliche Mitteilung.

BiSmarck-Archipel-Gesellschaft (A.-G.). Die Be- mütjungen des Syndikats zur Errichtung dieser Gesell­schaft gehen dahin, eine englische Firma im Bismarck- Archipel in deutsche Hände zu bringen. Schon einmal, zu Anfang März d. I., veröffentlichte das Syndikat einen Prospekt über das Unternehmen; kurz danach trat indes, wie bekannt, die durch den österreichisch- serbischen Konflikt hervorgerufene Kriegsgefahr aus und nahm das allgemeine Interesse ganz in Anspruch, so daß die Kapitalbeschaffung für bas Unternehmen eine Unterbrechung erleiden mußte. Nunmehr wie-, derholt das Syndikat seine Zeichnungseinlabung" mittels des im Anzeigenteil abgedruckten Prospetts, der gegen den früheren in verschiedenen Punkten eine Vervollständigung erfahren hat. Die günstige Lage des SüdseegeschästS, das in der Hauptsache aus dem Koprageschäft basiert, wird durch die Erfolge ver­schiedener erfolgreicher Unternehmungen bewiesen, z. B. der Deutschen Handels- und Plantagengesell­schaft der Südseeinseln und der Jaluitgesellschaft, di« bekanntlich nach Ueberwrndung der Anfangsschwierig­keiten sich gut rentiert und in den letzten fünf Jahren zwischen 12 und 20 Prozent Dividende verteilt haben. Das Syndikat rechnet damit, daß das Forsayhische Geschäft, das ebenfalls über die Anfangsschwierig­keiten längst hinaus ist, mit der Zeit den genannten Gesellschaften in Bezug auf die Rentabilität an die Seite gestellt werden kann.

Artillerieabteilung und bi« Biebrich er Anter» offizierschule, sondern auch das 1. Nass. Infan­terie-Regiment Nr. 87 zu Mainz befohlen wurde.

Guxhagen, 14. Mai. Der Hund des Witte« W. hat den hier weilenden Chinakämpfer H. aus Melsungen angefallen. Er riß dem Mann« ein Stück Fleisch aus dem Gefickt. Der Ver­letzte wurde durch die barmherziae Schwester verbunden und dann in das Melsunger Kran­kenhaus überführt.

Eine Erinnerung.

(Schluß.)

Noch einmal mahnte das Trompetensignal zum Antreten: Herr Landgerichtsrat Gleim, Mitglied des ständigen Bürgerauskchusses er- grisf zu folgender Mitteilung das Wort:

Verehrte Festversammlung! Fürchten Sie nicht, daß ich noch mit einer feierlichen Rede komme. Wir haben des Richtigen und Tüch­tigen viel gehört, sodaß ich mit der von mir ge­planten Rede aus der Parade geschlagen bin. Aber etwas neues kann ich noch hinzufügen. Doch soll es auch mir gegönnt sein, der Freude über unser Fest Ausdruck zu geben. Wir hör­ten, daß es in erster Linie unser Kaiser ist, wel­cher die Universität Marburg zu ihrer jetzigen SV':tc brachte, denn er machte aus der kurhessi­sch r Hochschule eine deutsche. Die schöne Lage Marburgs war dieselbe früher wie jetzt. Der Philister in seine Tüchtigkeit ist derselbe ge­wesen und geblieben. Aber der Zuzug kam nun aus ganz Deutschland. Die Kräfte wuchsen. Wir konnten die Konkurrenz mtt anderen Hoch­schulen aufnehmen ja wir haben einige über­flügelt, z. B. Freiburg, das erst vor einigen Jahren seinen lOOOsten Studenten feierte, und das hat doch 420r0 Seelen, während wir es noch nicht auf 14 000 Einwohner brachten.

Den Aufschwung unserer Universität ver­danken wir ferner den bewährten Kräften ihrer Professoren, nicht minder aber unseren Studenten. Wir hätten eigentlich einen jeden derselben zu feiern, denn ohne den ersten und den 999sttn wären wir nicht zum lOOOsten ge- komm -«. Doch^ ist nicht zu verkennen, daß um das Haupt dessen, der die Nummer 1000 zog, ein besonderer Strahlenglanz schwebt, schon des­halb, weil wir ohne ihn nicht dieses Fest hätt-A.

Es ist länger« Zeit gezweifelt worden, ob denn der lOOOste and, wirklich vorhanden und ob nicht etwas Bemogelei" dabei im Spiele sei. Ich bin in der erfreulichen Lage, mit die­ser (vom Redner vorgezeigten) unter Siegel ausgestellten Urkunde schwarz auf weiß beweisen «u können, daß die Sache ihre Richttgkeit hat und. wer der glückliche und uns -glückend« lOOOste ist. Sie alle wünschen gewiß diesen Herrn kennen zu lernen. Es ist die« Herr itudiosus juris aen Archenewsky aus Tambow n Rußland. 3r hat heute ben Vogel abge«

Bürgerzeitung" mit bet bestrittenen Stelle auf ben Tisch des Hauses nieder. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Friedberg (natl.) wünschte nochmalige Revision des Urteils bezüglich der Lebrermaßregelungen. Ministerialdirektor v. Schwartzkopff lehnte die Erfül­lung dieses Wunsches ab und betonte noch, baß beide Lehrer den National-Sozialen angehörten, die prin­zipiell ein Zusammengehen mit den Sozialdemokraten anstrebten. DerEssener Fall" wurde ebenfalls noch­mals angeschnitten und führte zu längeren Ausein­andersetzungen zwischen ben Abg. Maurer (natl.), Dr. Friedberg (natl.) und ben Abg. Dr. Kaufmann (Ztr.) und Dr. Heß (Ztr.). Der Etat wurde in dritter Lesung bewilligt. Es folgte die Beratung des Köhlbrandt-Vertrages" (Verbesserung des Elbfahr- wassers und der Seeschiffahrt nach Hamburg-Altona und Harburg) in Verbindung mit der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs betr. Aenderung der preußisch- hamburgischen Grenze im Landkreise Harburg. Die Redner der Parteien erklärten ihr volles Einverständ­nis mit der Vorlage. Die beiden Vorlagen wurden in der Kommissionsfassung angenommen.

Die Insertionsgebühr beträgt für die 7gefpaltene Zeile ober beten Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck unb Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckeret Inhaber Dr. E. H i ß e r o t h, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

stehender Menschen, bas war ein Bild von unvergleichlichem Einbruch, bas bann sei­nen Glanzpunkt noch erhöhte, als während des Gesangesbet Wacht am Rhein" etwa 50 Patronen Rot- unb Erünfeuer in einzelne Gruppen veteilt allgemeine Ueberraschung be­reiteten. Ein unübertroffener Schluß bes seit­herigen Festprogramms unb gleichzeitig «ine Einleitung zum ferneren Teil, denn schon er­klang die Polonaise zur Einleitung des Tanz­vergnügens, rasch bildeten sich die Paare und der Polonaisen-Rundgang wurde durch Sein« Magnifizenz ben Herrn Rektor mit bet Frau Vizebürgermeisterin*) eröffnet, benen bann noch wohl über 500 Paare folgten, bie sich nun durch verschiedene Laubgänge zu ben heiben Tanz­plätzen hinschlängelten, freilich konnten sie bet Tanzkunst hier nicht huldigen, benn ein Tanzen nicht, ein Wogen unb Drängen war es zu nennen.

Doch bleibt für den Heiteren ja immer gesorgt Weil stets der Frohe dem Föhlichen borgt!

Und so nahm dann auch dieser Teil des Festes ohne jeden Mißton den schönsten Verlauf.

Noch während des Festes traf an den Herrn Rettor folgendes Telegramm aus Wien ein, das nicht mehr zur Verlesung kommen konnte und dessen Wortlaut hier noch folgen soll: Mille quae splendes academicornm civium turba cellebrata vivas, floreaa, crescas, precor, ahna mater, mitte per annos!

In deutscher llebersetzung lautet dasselbe:

Die Du glänzest im Ruhme Deiner tausend akademischen Bürger, mögest Du, alma mater, blühen, wachsen und gedeihen tausend Jahr!

Herr Professor Vormann in Wien, früher hier, ist wahrscheinlich Absender desselben.

Bis dahin hatte der Himmel das Fest mit dem nicht schöner zu wünschenden Festwettet be­dacht und nut kurz war die Frist noch bis zur offiziellen Schlußstunde, da mahnten einzeln« Regenttopfen und weithin leuchtende Blitze an einen früheren Aufbruch, der sich dann auch rasch vollzog und erst als die Meisten wohl ein sichere« Unterkommen gefunden, nahte das Ee-

*) Herr Oberbürgermeister Schüler hat bei aller Fürsorge für die Stadt die Sorg« für «ine eigene Hausfrau unterlassen.

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witter und ein milder Regen, der al« ein Störenfried nicht mehr angesehen zu werden brauchte.

Vorüber ist das Fest, doch die Erinnerung ist geblieben, möge st« denn nun bei allen bis in die fernsten Zeiten als eine liebe und ange­nehme bleiben.

Wie die Gunst des Wetters zu dem unüber­trefflichen Verlauf des Festes beigetragen, fs war es auch dis praktische Arbeitsteilung unter die Mitglieder des Festaüdschusses. Die Gesamt« leitunq war be-r Herrn Vizebürgermeister Sie­bert übertragen, dem als Leiter früherer Feste reiche Erfahrungen bereits zur Sette standen. Die Arbeitsteilung wurde vollzogen, indem die Herren Reinhard Cuker und Wilh. Römheld fflt die Bierbeschaffung, di« Herr«» Renttee Schwanet und Kaufmann H. Berdmc für bee Essen, die Herren Landgerichtsrat Eleim und Buchhändler Braun für Beleuchtung und Deko­ration, die Herren Schreinermeister Schake und Stadtbaumeistet Brog für die Herrichtung der Tische, Banke, Buden und Tanzplätze, die Herren Rentier Koburger, Bäckermeister Ph. Matthaei und Schreibgehilfe Gotting für Aus­gabe der Festschleifen und Herr Turnlehrer Schneider für Wacht und Ordnung sorgten. Damit dem Gesang? in würdiger Weise gehul­digt werden konnte, waten bei Buchdruckerei- besitzet Koch Liedetheste angefertigt, denen der­selbe eine historische Skizze über bie Universität angefügt hatte, die auch auf besonderen Wunsch dem vorliegenden Bericht vorgedruckt ist.

Die Zahl der Teilnehmer an dem Feste läßt sich wie folgt angeben: circa 1000 Studenten, 150 Dozenten und Beamte der Universität, 470 Bürger, 760 Damen, 140 Musiker und Dienst­leute.

Der gehobenen Stimmung gemäß hat der Bierkonsum das Quantum von 8878 Liter er­reicht.

Noch sei des oberhalb des großen Platzes angebrachten Transparentes mit seinem tref­fenden Verse gedacht:

Da man das schönste Fest begeht: Wo Stadt und Universität Einmütig zu einander steht!

Vivat floreat, crescat

Stadt Marburg mit deiner Alma mater Philippinal

Herr Studiosus von Archenewsky hielt hier­auf folgende Ansprache:

Hochgeehrte Festgenossen, liebe Kommilito­nen! Den Jubeltag, den heute die Stadt Marburg im Verein mit der alma mater Philippina begeht, veranlaßt auch mich, den an hiesiger Hochschule als tausendster Student Immatrikulierten, obwohl ich der deutschen Sprache nicht recht mächtig big, das Wort zu ergreifen. Ich freue mich, bie Ursache des heu­tigen Festes zu sein und der Gedanke an das­selbe roirb in mir mein ganzes Leben hinburch die angenehmsten Erinnerungen erwecken. In diesem Moment kann ich aber nicht unterlassen in ehrender Weise des Mannes zu gebenden, dessen weit verbreiteter wissenschaftlicher Ruf mich an diese Stätte bet Wissenschaft geführt unb dem also ich die Ehre verdanke, der erste tausendste Bürget der hiesigen Universität zu sein, ick meine seine Magnifizenz den jetzigen Herrn Rektor Professor Dr. von Liszt. Ich fot- bete Sie auf, mit mir in ein dreimaliges Hoch auf Seine Magnifizenz einzustimmen. Seine Magnifizenz Herr Professor von Liszt et lebe hoch, hoch, hoch!!!

Mehr und mebr hatte die Fidelität Platz ge. griffen, di« Sonne hatte sich geneigt und die 1500 Lampions gaben nun durch ihr magische« Licht dem Festplatz erst recht ein festliches Aus­sehen, und dazu all Überall frohe Gesichter, fröhlich vereinter sonst tm Leben sich fern

? mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage