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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Benage."

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DieÄderhesftsche Zeitung" erschein täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiartaa«. Der Bez « g s prei« beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestetigeld), bei unfern ZettungSftellen und der Spedition Markt 31, 3 Mk.

Marburg

Sonntaa, 16. Mai 1909.

Die IaiertlouSgebüdr beträgt für btt 7gespaltene Zecke oder deren Rau« 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, llnwersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. <$. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44 Jahrg.

Zweites Blatt.

Bei den die

Rekrutierung des Heeres 1909.

(Allerhöchste Order voin 18. M8r, 1909.)

1. Entlassung der Reservisten. Der späteste Entlafsungstag ist der 30. September, den Truppenteilen, welche an Herbstübungen teilnehmen, findet Entlassung dei ~ '

Wiesbadener Ausstellungstage.

Aus Wiesbaden wird an« geschrieben:

Wenn wir heute unfern Leserkreis zu einem «einen Ausflug in u'.fere Ausstellungsstadt «inladen, so find wir überzeugt, daß alle ohne Ausnahme dieser Einladung Folge leisten» und vag alle unsere Begeisterung für das Unterneh­men verstehen werden, wenn fie erst einmal einen Blick in jenes kleine Paradies getan, das nunmehr dem großen Publikum zugänglich ge­macht fit, wenn es eben seinen Obolus am Stadttore" entrichtet. Daß dieses jedermann möglich ist, dafür hat derMagistrat" unserer Ausstellungsstadt, welcher der Oeffentlichkeit gegenüber den TitelVorstand" führt, im Ver­ein mit demStadtverordnetenkollegium" dem geschäftsführenden Ausschuß", Sorge getragen, denn nur für eine Mark, Mittwochs sogar für nur die Hälfte, kann jedermann Kinder nur SO resst. 30 Pfennig von morgen« 9 Uhr ab hie Mitternacht und nach Gefallen auch noch lairger, in der Ausstellung verweilen. Die -teue^verhaltnisfe" der Ausstellungsstadt find aljo sehr günstige: ganz besondere Erleichterun­gen genießen außerdem noch die Inhaber von Dauerkarten, deren Taxe bei ständiger Benutz, ung für 2 Personen nur etwa 10 Pfg. pro Tag ausmachr, einSteuersatz", der von den meisten »Gemeinden" weit überschritten wird.

Also hinein in die Ausstellungsstadt, deren wehende Fahnen uns schon von weitem bewill­kommne«. Schmunzelt drücken dieTor­wächter", nachdem unserSteuerzettel" alias Trntrittsausweis einer eingehenden Besichtigung unterzogen, auf einen Zählapparat, denn jeden ?^end kstgroße Volkszählung", das heißt, im statigrichen Bureau wird festgestellt, wieviel bie Ausstellung besuchen. Daß JeV hübsche Zahlen herauskommen, beweist »lgende Aufstellung. L« besuchten die Aus- Meuun, am Samstag, den 1. Mai, 5098, Sonn.

vallerie und der reitenden Feldartillerie wer­den bei ersterer mindestens 160 Rekruten für jedes der 11 Regimenter auf hohem Etat, min­destens 150 bei jedem auf niedrigem Etat ein­gestellt, bei den reitenden Batterien 18 auf hohem, 20 auf niedrigem Etat 32 bezw. 24, endlich zum einjährigen Dienst beim Train als Trainsoldaten bei jedem Traknbataillon 90.

Zur Deckung von Abgängen durch Tod, Un­brauchbarkeit usw. von Mannschaften aller Iah« resklasien und von Abgaben an gedienten Mannschaften werden Prozentmannschaften über den nach Vorstehendem ermittelten Bedarf ein­gezogen und zwar in Höhe von 9 Prozent (nut bei Oekonomiehandwerkern von 8 Prozent) dieses Bedarfs.

Die Einstellung erfolgt bei der Kavallerie, reitenden Feldartillerie, den Bespannungs-Ab-

Entlasfung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften unter Berücksichtigung dieser Fest­setzung in der Regel am zweiten, ausnahms­weise ar.i ersten oder dritten Tage nach deren Beendigung oder nach dem Wiedereintreffen in den Standorten statt. Die Mannschaften des Pommerschen Fußartillerie-Regiments Rr. 2, Standorte Swinemünde, Danzig, Pillau, wel­ches als Küstenartillerie-Regiment ausgebildet wird und an den Herbstübungen nicht teil­nimmt, find am 16. September zu entlasten, für die Mannschaften anderer Fußartillerie-Regi- menter, die die Herbstübungen in diesem Jahre nicht mitruachen, gelten besondere Bestimmun­gen. Die Mannschaften des Trains und -der Bezirkskomman^os, die Oekonomie-Handwer- ker und Militär! ankenwärter stnd am 30. September zu entlasten.

2. Einstellung der Rekruten. Zum Dienst mit der Waffe ist Lei den Truppenteilen mit 2jähriger Dienstzeit im allgemeinen die Hälfte der etatsmäßigen Zahl an Obergefreiten, Ge­freiten und Gemeinen einzustellen. Außerdem aber find über diese Zahl hinaus noch Mann­schaften einzustellen für Truppenteile, die selbst keine Rekruten ausbilden, nämlich für Maschi­nengewehr-Abteilungen, zur Ergänzung der Feld- und Fußartillerie-Schießschule, der Be­triebsabteilung der Eisenbahn-Brigade, der Versuchskompagnie der Verkehrstrupven und der vefpannungsabteilungen Les Luftschifferbatail­lons, der Telegraphcntruppen und der Kaval- lerie-Telegraphenfchule. Bei den Truppenteilen mit 3jähriger Dienstzeit, d. h. bei der Ka-

teUungen der Fußartilleri«, den Maschinen­gewehr-Abteilungen (bet diesen nur bezüglich der Fahrer) und beim Train möglichst bald nach dem 1. Oktober, jedoch grundsätzlich erst nach dem Wiedereintreffen von den Herbstübun­gen fn den Standorten. Die Rekruten des Pommerschen Fußartillerie-Regiments Rr. 2, der Bezirkskommandos, der Unteroffizierschulen, der Oäonomiehandwerker und Militärkranken- wärter werden am 1. Oktober selbst eingestellt. Für die Rekruten aller übrigen Truppenteile setzt das Kriegsministerium erst später den Tag des Monats Oktober fest, an welchem fie ein­gestellt werden sollen.

Die deutsche Answanderrmfl.

Da das Hauptziel der Auswanderer noch im­mer die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind, so ist deren Wirtschaftslage von entschei­dendem Einfluß für den Gesamtumfang der Auswanderung, die ihren Weg über die beiden deutschen Luswandererhäfen Bremen und Ham­burg nimmt. Dies gilt umsomehr, als eine von den Vereinigten Staaten ausgehende Wirt­schaftskrise ihre Rückwirkung auf andere als Auswa'lderungsziele in Betracht kommenden Länder wie Canada und Südamerika hat. Jn- folgedesten ist bei der Auswanderung aus Deutschland von deutschen Reichsangehörigen sowohl wie durchwandernden Angehörigen fremder Nationalität im Jahre 1908 ein er­heblicher Rückgang zu verzeichnen und eine um so stärkere Rückwanderung aus den Vereinigten Staaten, Lis die dortige Geldkrifis mehr und mehr behoben und die Präsidentenwahl beendet war. Erst Anfang November setzte eine stär­kere Auswanderung und ein Nachlasten der Rückwanderung ein.

Die meisten Auswanderer verließen auch 1908 Deutschland über Bremen, der geringere Teil über Hamburg. Im ganzen wanderten 135 221 Personen aus, was eine Verminderung um 254 124 bedeutet. Deutsche wanderten aus 16 722 Personen (darunter 9400 männliche). Der Rückgang beziffert sich hier auf 9658. Nach den Vereinigten Staaten gingen 101875 Aus­wanderer darunter 15 56: deutsche Reichsange­hörige. Im Gegensatz zur allgemeinen Vermin­derung der Auswanderung hat Brasilien mit 8865 Auswanderern, die es als Ziel wählten, eine starke Erhöhung erfahren. Es ist dies auf den Umstand zurückzuführen, daß die Einwan­derung armer, kinderreicher Familien aus Ga­lizien und Rußland (Wolgagebiet) von der brasilianischen Regierung durch Gewährung freier lleberfahrt usw. besonders unterstützt wurde. Von europäischen Ländern kam als Ziel nur Großbritannien in Betracht, wohin sich nur 1230 Auswanderer, etwa die Hälfte gegen das Jahr vorher, wandten, unter ihnen 42 Deutsche. Der größte Teil der Auswanderer gehört den slavifchen Nationalitäten an, als

tag 12 0&2, Montag 8512, Dienstag 8600, Mitt­woch 12 047, Donnerstag 8322 Personen. Zah­len reden eine deutliche Sprache, so daß wir die­sem Material nichts hinzuzufügen haben.

Innerhalb der Umfassungsmauer gibt ein ge­räumiger Vorplatz uns Gelegenheit zur Um­schau, tznd da finden wir gleich alles das, was uns in einer Großstadt das angenehme Gefühl der Sicherheit gibt. Ein ständiges Feuerwehr­kommando. eine Wache der königlichen Polizei und eine Abteilung Samariter zeigen uns, daß für den Fall der Not nach jeder Richtung hin gesorgt ist. Eine Garderobe gleich am Ein­gang, bete Benutzung aus Zweckmäßigkeitsgrün­den (Schirme und Stöcke sind bei der Durch­wanderung der Nusstellungsstadt hinderlich), jedermann zu empfehlen ist, ferner eine Ge­schäftsstelle der Eilboten-EesellschaftBlitz" und ein kaiserliches - PostamtWiesbaden 5 sorgen für jede gewünschte Verkehrserleichterung.

Eine Kaffeestube, in welcher besonders alleinstehende Mädchen wohlfeile Verpflegung finden, macht den Beschluß der Einrichtungen, die wir in unseren modernen Großstädten heute nicht mehr misten möchten.

Und nun geht« hinein In die eigentliche Ausstellung, denn Ausstellung ist alles das, was wir nunmehr zu sehen bekommen. Selbst das rechts vom Eingänge befindliche Verwalt­ungsgebäude, in demStadt-Direktor" Leege mit feinem Beamtenstabe, feinenBeigeordne­ten",Stadtbauräten",Architekten",Ingeni­euren" feines Amtes waltet, ist ein Aus­stellungsstück.

Ein n kurzen lleberblick über den Gefamtbe- trieb möchten wir aber zum Schluste dieser Aus­führungen geben und diesem gleichzeitig einige Winke die das leibliche Wohlergehen unserer Leser In der Ausstellungsstadt betreffen, hinzn- fügen.

Mit demMagistrat" und denStadtverord­neten" wünschen auch wir selbstredend, daß e« allen denen, die wir zum Besuche unserer ^u«»

Politische Umschau.

Steuerreklamationen und ihre Ergebnisse im Jahre 1908.

Gegen ihre Steuerveranlagung für 1908 (1907) haben bei der Einkommensteuer 764 386 Steuerpflichtige Einspruch erhoben, das sind 14,5 (12,6) v. H.» bei der Ergänzungssteuer 81 195, das sind 7,6 v. H. der in Betracht kommenden Steuerpflichtigen. Der durch die Einspruchsent­scheidungen herbeigefübrte Steuerabgang hat be­tragen bei der Einkommensteuer 4 660120,29 (3 552 241,11) M. oder 5,6 (4,8) v H. des Der- anlaqungssolls.

Berufungen von Steuerpflichtigen mit Ein­kommen übet 3000 M stnd eingelegt worden bei der Einkommensteuer von 42 721 (36783) Steuerpflichtigen oder 7,1 (6,5) v. H., bei der E.oänzungssteuet von 24 184 oder 5,6 v. H. der in Betracht kommenden Steuerpflichtigen. Der Ste-erabgang hat sich gestellt bei der Einkom­mensteuer auf 1003532,31 (925 210,53) J*. oder

Herkunftsländer standen auch jetzt wieder Ruß­land und Oesterreich-Ungarn an der Spitze.

63 001 Auswanderer kamen dorther, mtr 1503 aus anderen nichtdeutschen Ländern. Be­sonders auffällig ist der starke Rückgang ans Montenegro, Bulgarien und der Türkei; wäh- rend 1907 noch 1288 türkische Untertanen über Deutschland auswanderten, waren es im vori­gen Jahre nur 51.

In geschlossenen Trupps, mit Auswanderer­sonderzügen, traf nur ein kleiner Teil der außerdeutschen Auswanderer ein. Die weitaus meisten kamen mit den regelmäßigen Personen« und Schnellzügen. Ihr Gesundheitszustand war durchaus befriedigend, nur etwa 1900 wurden nach der ärztlichen Untersuchung von der Be­förderung nach überseeischen Ländern zurückge- wiesen, die überwiegende Mehrzahl wegen Augenkrankheiten.

Als Rückwanderer trafen in Bremen 60 648 Zwischendeckpassagiere ein, in Hamburg 40 799. Insgesamt waren unter diesen 1232, denen die Landung an ihrem Ziel nicht gestattet war, fast ausnahmslos durch ihr eigenes Verschulden in­folge unrichtiger Angaben. Die Rückwanderer, die stch fast alle im Besitze erheblicher Erspar­nisse befanden, wurden größtenteils durch Son- derzüge nach den östlichen Grenzen in ihre Hei­mat befördert: die meisten von ihnen reisten nach Oesterreich-Ungarn u;d6 den Balkanstaaten.

Die mittellosen Auswanderer, etwa 600 an der Zahl, die in Hamburg gelandet wurden, er­langten Hilfe durch die dortige Polizeibehörde und Auswandererbehörde, durch das Zentral­bureau für jüdische Auswanderungsangelegen­heiten und durch den Hamburger Vertreter des Londoner Board of Guardians.

Die mustergiltige Fürsorge der deutschen Behörden wurde allen Auswanderern bei ihrer Durchreise auf deutschem Boden zuteil.

stellungsstadt eingeladen haben, dorten wohl« . ergehe und daß sie derselben ein freundliches Ge­denken bewahren. Deshalb möchten wir heute noch besonders darauf aufmerksam machen, daß die Verpflegung in der Ausstellung bei zivilen Preisen eine gute ist. Du Verwaltung hat bei Abschluß der Verträge mit den Restaurateuren ganz besonderen Wert darauf gelegt, diese zur preiswerten Abgabe von Speisen und Getränken zu vervslichten. Eine gewisse Angst vorlieber« vorteilung" oberSchneiderei", wie solche viel­leicht nrch Erfahrungen aus anderen Ausstellun­gen nicht ganz unberechtigt war, ist bei unserer Ausstellung vollständig überflüssig. Im Gegen­teil, wir haben bei unfern wiederholten Rund­gängen stets gefunden, daß Speisen und Ge­tränke in ter Ausstellungsstadt einen Vergleich mit denen der sonstigen Wiesbadener gleich­wertigen Restaurants sowohl im Preise wie auch in Qualität sehr wohl aushalten können. So gibts im Apfelwein-Restaurant ein großes Glas dieses edlen Stoffes für 15 Pfg.,Handkäs und Butter" für 30 Pfg., also zum gleichen Preise wie am Wohnsitze des Unternehmers, dem weltberühmten Apfelweinorte Erbenheim. Bei Schlichte gibt es für 10 Pfg. einen echten Steinhäger und dazu unter anderem für 25 Pfg. ein echtes westfälisches Schinkenbrot» ange­messenen Umfange;. Auch Rauchfleifchbrödchen ohne Trinkzwang sind für 25 Pfg. in einem in der Nähe befindlichen Pavillon zu haben. Wern's schmeckt, der kann dazu nebenan ein Glas guter Milch zu zivilen Preisen bekommen. Im Hauprrestaurant gibts helles und Mün­chener Bier zu 15 resp. 25 Pfg. pro Glas, Spei­sen nach de, Karte gut und preiswert. Entree wird auch während der Konzerte im Haupt- reftaurant nicht erhoben.

Das Restaurant .Oberbayern" verzapft zu 30 Pfg. Vierzehnte! Münchener. Hier macht der Besitzer noch ausdrücklich durch Anschlag darauf aufmerksam, daß nicht genügend gefüllte Gläser -um Rachfüllen zurückerdeten werden. E» kostet

0,5 (0,5) v. £>., bei der Ergänzungssteuer auf 396 081,38 <M. oder 1,2 v. H. des Veranlagung«« falls.

Berufungen von Steuerpflichtigen mit Ein­kommen von mehr als 900 bis 3000 <M find ein* gelegt bei der Einkommensteuer von 20043 (17174) Steuerpflichtigen oder 0,4 (0,4) v. H., bei der Ergänzungssteuer von 1620 oder 0,15 v. H. der betreffenden Steuerpflichtigen. Der Steuerabgang stellt sich bei der Einkommensteuer auf 34 366,25 (32 879,20) M oder 0,04 (0,04) ». H., bei der Ergänzungssteuer auf 3 209,60 Jt ober 0,03 v. H. des Veranlagungssolls.

Bei der Veranlagung der Einkommensteuer Sr da« Steuerjahr 1908 find hiernach lieber« Atzungen von Steuerpflichtigen in weiterem Umfange, wie in anderen Jahren vorgekommen. Das ist offenbar verursacht durch Ende des ver­gangenen Jahres einsetzenden wirtschaftlichen Rückgang einzelner Erwerbszweige. Hierdurch erklärt sich die Steigerung der Rechtsmittel gegen die Einkommensteuerveranlagung, der Einsprüche nämlich von 12,6 auf 14,5 und der Berufungen von 6,5 auf 7,1 v. H. der in Be­tracht kommenden Steuerpflichtigen. Daß schon im Einspruchsverfahren durch die Veranlagungs- kommiffion diese Ueberschätzung wieder beseitigt worden ist, ist daraus deutlich erkennbar, daß die Anzahl der gegen die Einjp'mchsentscheidungen eingelegten Berufungen von 1907 auf 1908 nicht auch gestiegen, sondern unverändert auf 0,4 v. H. der Steuerpflichtigen stehen geblieben ist.

Industrie und Landwirtschaft.

Selten haben die Berichte der Gewerbeauf« fichtsbeamten in Preußen io deutliche Hinweise auf die Tatsache enthalten, daß eine, starke, prosperierende Landw'rfi<b"it auch für die In» dustrie nach den verschiedensten Richtungen hin von großer Bedeutung ist. wie die jetzt vorlie­genden Berichte für das Jahr 1908. Das Jahr hat für unsere Industrie einen Niedergang ge­bracht, der sich deutlich genug in der Vermin­derung der Gesa.ttiaM der industriellen Arbei­ter um mehr als 5000t) ausdriickt, und der für eine ganze Reihe von Jn'.u" iezwsigen geradezu gefahrdrohend wurde. Aus den Berichten der Gewerbeinspektoren läßt sich nun anerkennen, daß die Ungunst der Geschästsloge in den eigent­lichen Industriezentren am unheilvollsten ge­wirkt hat, während sie sich in jenen Bezirken, die neben der Industrie noch eine ausgedehntere Landwirtschaft aufweisen, weit weniger be­merkbar gemacht hat.

Neben dieser allgemeinen Wahrnehmung bieten die Berichte der Gemerbeaufsichtsbeamten für das vergangene Jahr aber auch direkte Be­lege für die der Industrie aus dem Gedeihen der Landwirtschaft erwachsenden Vorteile. Fast der einzige Industriezweig, der auch im letzten Jahre einen guten Geschäftsgang zu verzeichnen hatte, war die Maschinensabrikation. Während in fast allen anderen Branchen eine Einschränk­ung der Produktion infolge Fehlens von Aus-

der Eintritt infolge des Doppelkonzertes und sonstiger Darbietungen 30 resp. 20 Pfg. Da« Publikum ist somit also sehr wohl in der Lage, Abhülfe zu 'chaffcn wenn untergeordnetes Per- sonal einmal glaubt, den Ausstellunasbesuchern etwasbesonderes" bieten zu dürfen. , Die Unternehmer selbst tun sonach, was in ihren Kräften steht, jeden Besucher zufrieden zu stellen. Das möchten wir aber im Interesse aller derer, die die Ausstellung bestchtigen wol­len, ausdrücklich hervorgehoben haben.

Im Gegensatz zu vielen früheren Ausstellun­gen in anderen Städten erfreut sich weiterhin auch der sonstige Verkehr in unserer Aus- stellungsstadt eines in jeder Beziehung ruhige» vornehmen Tones. So ist jede marktschreierische Reklame vermieden, und für aufdringliche Ver­käufer oder Ausrufer ist in unserer Ausstellung kein Feld. Denselben ruhigen vornehmen Be­trieb, den die Besucher der Bäderstadt Wtes- baden gewohnt sind, finden sie auch in der Aus­stellung. auch ein Umstand, auf den besonder« hinzuweifen wir nicht verfehlen möchten. Es ist nicht jedermanns Sache, sich in geschästsfiches Gewühl zu stürzen, wenn et zur Kur nach Wiesbaden gekommen, und demjenigen, der nach des Tages Last und Arbeit Erholung sucht, ist ein allzu geschäftsmäßiger Betrieb ebenfalls nicht erwünscht. Beides hat die Ausstellungs­leitung zu vermeiden verstanden, und die Unter­nehmer haben sich diesen Wünschen gerne ge­fügt. Sodann haben die übrigen Unternehm­ungen des Vergnügungsparkes ihre Eintri^« preise recht groß und deutlich an ihren Etablss- senmenrs angeschlagen. Jedermann kann als« in Ruhe überlegen, ob er feinem Geldbeutel bei Besuch der einen oder anderen Schaustellung M. zumute» darf. So ist in jeder Beziehung Sorge getragen, daß Reellität in Handel un» Wandel das vornehmste Prinzig der Bevölkeu« ung unserer Ausstellungsstadt ist.