mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Verlage.
M 112
Die „KderhrMfche Srihme4* erscheint täglich mit Ausnahme der sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Erpedition Markt 31, 2 Mk
Marburg
Freitaq 14. Mai 1909.
Die JniertionSgebützr beträgt für bie 7gespaltene Zelle »der deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 90 Pfennig. — Druck uno Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerel Jndaber Dr. E. Higeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Vor 25 Jahren.
Einer der ältesten Südwestafrikaner, der schon vor der deutschen Flaggenhisiung im Land« »ar, schreibt der „Deutschen Kolonialzeitung" «ns Windhuk:
Den Kapländern waren die Liideritzschen Eroberungen keine Quelle der Freude. Ein alter englischer Händler, Heridge, erhielt von dem Magistrat in Springbokfontein, Colonel Eultace, den Auftrag, das Namaland zu durch- reisen, um die Häuptlinge zu bearbeiten, den englischen Schutz anzunehmen. So sollte wenigstens das Hinterland dem Einfluß der Deutschen entzogen werden. Im Hereroland lag die Wühl- arbeit in den bewährten Händen des Robert Lewis, der einen ganzen Stab Helfershelfer um pch gesammelt hatte. Den südlichsten Rama- stamm, die Bondelzwarts. hatte man ja am Gängelband, denn der dortige Häuptling Willem Christian bezog jährlich 60 £ Gehalt von der Kapbehör^e. Um aber auf alle Fälle stiber zu sein, wurde Willem Christian veran- tapt, mit seinem Kanzler, dem politisch klugen Timotheus Snewe nach Kapstadt zu reisen.
Der Sekretär des Herrn Eustace erschien eines Tages in Warmbad, um die feierliche Einladung zu vollziehen. Fast hätte das Auswärtige Amt in London einen Strich durch die Rechnung gemacht. Lord Derby wintte nämlich ab, aber London ist weit, deshalb beachtete man der Wink n'cht. Willem Christian und Snewe reisten ab und wurden von Springbokfontein vis Kapstadt in feuchtfröhlicher Stimmung geholten. Dort ab- erfolgte fürs erste eine Ernüchterung. Zur rechten Zeit hatte die deutsche Regierung den Dr. Bieber als Generalkonsul nach Kapstadt gesandt. Dieser war von dem Kommen der beiden Bondelzwatts verständigt und hinter keb nun eine Abmachung der Kap- mborden mit den Bondels auf das energischste. W'llem Christian und Snewe wohnten bis zum nächsten Abgang eines Schiffes nach Port Nol- lotb im Hotel Royal in Kapstadt, natürlich auf Kosten der K"pregierung. Moralisch und körperlich verkatert, kamen die beiden Bondels wieder in Warmbad an. Heftet den Erfolg ihrer "leise schwiegen sie stch aus. Herridges Mission war erfolgreicher. Er hat wenigstens bei dem alten Moses Witboi, dem Vater des Hendrik Witboi. Erfolg gehabt.
Als im Juni 1885 der Reichskommissar Pastor Dr. Bü4 ner, der früher Missionar im Hereroland war, nach Warmbad kam, eröffnete ibm W'llem Christian, daß er vertraglich mit der Kavreaierung ssoll wohl heißen mit Colonel Eustace) abgemacht hafte, ohne vorherige Tenebm:g".ng dieser kein Laich an ein; fremde Mscht cknugeben. Damals trieft der englische Händler Wheeler mit einttäglichem Schnavs- handel sein Unwesen in Warmbad. Als Dr. Büttner an seinem Wagen eine kleine deutsche Reichsfla^ge anbrachte. erwiderte das Wheeler mit Hissung eines schwarzen Kopftuches an seinem Flaagenpfahl. In Keetmanshoop residierte der energielose Häuptling Jonathan Zeift, ein alter l .stiger Bettler. Als Büttner mit ihm erhandeln wollte, lehnte Zeift es ab, indem
lNachdruck verboten.)
(Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
-, _ , , ttlorttetzung.)
Die Berlobungsanzeiqen von Vater und Sohn wurden erst in Berlin gedruckt und nach K land geschickt, Rothenfelds, beide Schöningk und Franziska von Drachenstätt reiften in aller Stille gleich nach Neujahr ab. Das Unerhört« begab p* daß Baron Adam fein geliefttes Hollen verließ und ins „Außenland" reiste, wie er immer zu sagen pflegte.
Iw „Gottesländchen" erregten die Doppelanzeigen viel unnützes Geklatsch und einige Wochen bildete die überraschende Tatsache das Hauptthema aller Kaffees und Klubabende. Es wurde eifrig hin und her disputiett und die Meinungen standen sich schroff gegenüber. Einige fanden es ganz in der Ordnung, daß Friedrich ^oftanit wieder die ihm von Geburt zukommende Stellung einzunehmen gebenfe. Andere, strenger dem Kastengeist Huldigende, sprachen sich ablehnend aus und hielten ihr Vorurteil gegen den ehemaligen Zirkusdirektor aufrecht, der sich so weit vergessen konnte, keine ebenbürtige Frau zu wählen, und sich nun wieder durch die zweite Vermählung zu rehabilitieren hoffte, lleber die zweite Anzeige, die Hans Leopolds und Felicies Namen trug, war man »ast allgemein erfreut, man erinnerte sich «es lieblichen Mädchens von der vorjährigen Mitauer Saison, da sich Fe« schnell aller Herzen erobert batte und man gönnte ihr den reichen MajoraiLherrn. Der einzige Bettübte war «ras Hrlm, der Fee nicht vergessen konnte, ttoz- kem sein Antrag zwei Mal zurückgewtese« Worten wat.
er Büttner erwiderte: „Du bist ja ein Pastor, was hast Du mit Politik zu tun." Er hatte das Sprüchlein, das ihm irgend ein englischer Händler eingetrichter hatte, gut auswendig gelernt.
Als am 21. Januar 1885 Herr Vogelsang in Gibeon eintraf, kam er zu spat. Herridge hatte Moses Witboi bereits bearbeitet, so daß dieser erklärt«: „Ich stehe von jeher unter englischem Schutze." Der damalig« Missionar von Gibeon, Rust, erkühnte sich, Moses Witboi den Schutzvertrags-Entwurf vorzulegen, er wurde durch Schließung der Misstonskirche bestraft.
Wir vereinzelte Deutsche hatten damals in Südwestafrika einen schweren Stand. Unaufhörlich wühlten die englischen Händler weiter und machten die Deutschen mit ihren machtlosen Unterhändlern lächerlich. Und wir schämten uns dieser Machtlosigkeit, wußten wir doch, welch ein mächtiges Vaterland wtt hatten. Wir hatten es drüben übet dem Ozean, aber hatten es nicht hinter uns bei den ersten Schritten der Besitzergreifung Südwestafrikas. Jetzt, wo so vieles hinter uns liegt, wo Tausende ihr Leben hingeben mußten, um uns fest mit dem Vaterlande zu verbinden, jetzt, wo wir Tausende jugendfrische und kampfesmutige Krieger vor- Leiziehen sahen, überkommt uns beim Rückblick auf die Anfangsjahre unserer Kolonialarbeit in SLdwestaftika ein wehmütiges Gefühl.
Politische Umschatt.
Die Ronarchenzusammenkunft in Brindisi.
Brindisi, 12. Mai. Bei der Einfahrt der „Hohenzollern" in den Hafen fuhren die italienischen Torpedoftootszerstörer „Espera" und „Aguilone" vorauf, der Kreuzer „Stettin", welcher folgte, gift den Salut, den der italienische Kreuzer „Coatit" erwiderte, während die Musik 'es Kreuzers „Vittorio Emanuele" die deutsche Hymne spielte. Die „Hohen- zcllern" ankerte neben dem „Vittorio Emanuele", die „Stettin" bei der „Coattt". Um die Schiffe bewegten sich viele mit Flaggen ge- schmücktt Fahrzeuge. Das Meer ist sehr ruhig und das Wetter prächtig. Kurz nach 10V2 Uhr schifften sich der König und die Königin auf einer Dampfbarkasse nach der „Hohenzollern" ein. — Der Kaise. nahm die Meldungen des Botschafters in Rom v. I a g o w, sowie des dorttgen deutschen Militärattaches entgegen; ferner empfing er die Spitzen der italienischen Marine-, Militär- und Zivilbehörden. Um 12 Uhr fand beim König und der Königin von Italien auf dem Panzer „Vittorio Emanuele" Frühstück statt. — Bei der Frübstückstafel tranken die beiden Souveräne auf ihr gegenseitiges Wohl, auf das ihrer Häuser und ihrer durch den Dreibund geeinigten Länder, deren Bündnis sich drei Jahrzehnte hindurch als Friedenshort erwiesen hat. Der Kaiser gedachte nochmals besonders des schweren lln- alücks, das Sizilien betroffen hat und gab der Bewunderung für die aufopfernde Tätigkeit Ausdruck, t": der König und die Königin bei dieser Gelegenem an den Tag gelegt haften. Um 4 Uhr gaben die Majestäten an Bord der
Niemand nahm herzlicher und freundschaii- licher an den frohen Ereignissen in Hollen teU, als Mandans, die mit Rothenfelds noch einen Tag zusammengewesen, denn Luischen mußte doch ihre liebe Fee als Braut sehen und d e Bekanntschaft ihres Vaters machen. So blieb m die Reisenden in Eoldingen und dann ging es erst wetter.
Mandau meinte: „Lieber Adam, es ist klug, daß De*n Sohn bis zum Herbst fortbleibt, über alles wächst Gras und es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Kehrt der Fried- rich Johann als Gatte der Franziska heim, so ist es gut. Deine Fran vertraute mir an, daß die Hochzeit des älteren Paares schon im Februar ist und der neugebackene Ehemann nach Ostpreußen geht, um als Volontär in der Näh- von Königsbronn tüchtig Landwirtschaft zu tteiben. Er nimmt gleich die Frau mit, richtet sie in der Stadt ein und besucht sie Sonntag-, so ist es recht. Ich weiß wirklich nicht, wer von den beiden Brautpaaren glücklicher aus- sieht, charmant, charmant."
--An der Riviera n Pallanzan mieteten die Kurländer alle zusammen eine reizende Villa, hier fand die Hochzeit des „Enterbten" statt und Fee flocht der Stiefmutter den Brautkranz; ihr wieder frisches Gesicht war das letzte, das die neuvermählten Eheleute sahen, als der Eisenbahnzug gen Norden sich in Bewegung st-tzte. —
„Mein Weib," tagt Friedrich Johann und mit tietar Zärtlichkeit zieht er Fränzchen an ficy, „wie neues Leben beginnt für mich, und Du, mein guter Engel, wirst es zu einem fööne« harmonischen gestatten.
„Hohenzollern" lee, wozu der König und die Königin mit Gefolge geladen waren. Um 5 Uhr erfolgte die A^cahrt nach Po la.
R o m, 12. Mai. Die „Tribuna" führt aus, die Zusammenkunft in Brindisi zeige, daß die Behauptung, die Bande des Dreibundes seien gelockert, nicht der Wahrheit entspreche. Der Dreibund sei noch immer eine strategische Stellung ersten Ranges gegen jeden kriegerischen Zusammenstoß. Deshalb seien ihm alle vernünftigen Staatsmänner Italiens und der beiden ihm verbündeten Reiche günsttg gesinnt. Die heutige Zusammenku nft der Souveräne sei gerade deswegen, weil jetzt zwischen beiden Staaten keine brennende Frage vorliege, ein Beweis wechselseitiger Sympathie, loyaler Freundschaft ohne Vorbehalt und ein Zeichen ausgezeichneter Beziehungen zwischen beiden Ländern, sie werde daher von ganz Italien mit aufrichtiger Freude begrüßt.
Französischer Unterricht in Elfaß-Lothringen.
Straßburg (Elsaß), 12. Mai. Bei Beratung der Anträge des obligatorischen französischen Sprachunterrichts in allen elsaß-lothringischen Volksschulen, die heute im Landesausschusse stattfand, erklärte vor Eintritt in die Beratungen Staatssekretär Frhr. lorn v. Bulach namens der Regierung folgendes: Es liegt der Regierung durchaus fern, prinzipiell dem Unterricht der französischen Sprache Schwierigkeiten zu bereiten und erkennt an, daß in den gemischten Sprachgebieten und in den an der Landesgrenze gelegenen Orten, deren Einwohner mit französischen Nachbarorten unmittelbar in Verkehr treten, die französische Sprache in den Volksschulen zu pflegen ist, und Hai dott bereits immer auf solche praktische Bedürfnisse Rücksicht genommen. In 470 Elementarschulen mit 994 Klassen werde dort schon der französische Unterricht erteilt, obgleich in den Volksschulen jenseits der Grenze, wo ein gleiches Verkehrs- ftebürfnis bestehen dürfte, deutscher Unterricht nicht erteilt werde. Ganz Elsaß- Lothringen als Grenzgebiet zu betrachten, halt die Regierung für unrichtig, und ein allgemeines Bedürfnis nach französischem Unterricht im ganzen Lande erkennt di« Regierung nicht an. Ein solcher würde eine gründliche Ausbildung beeinträchtigen zugunsten einer Minderheit dieses Gebietes, die die französische Sprache im späteren Leben praktisch verwerten könne und unnöiia belasten. Die Regierung lefint es dafte. bestimmt ab, zur Einführung des französischen Sprachunterrichts in den Elementarschulen des deutschen Sprachgebietes die Hand zu bieten, sowohl dann, wenn der Unterricht für alle diese Schulen einen gemeinsamen Charatter tragen, ata auch, wenn er nur für einzelne Schulen nach dem Wunsche der Ermeinderäte eingerichtet werden taste. Das Bedürfnis der Ausbildung von befähigten Schülern in der französischen Sprache erkennt di« Regierung an und ebenso, daß dafür durch Mittel- und Fortbildungsschulen gesorgt werden müsse. Daß dieses geschieht, wird nach wie vor die Sorge der Regierung fein. Rach dieser Erklärung beantragten die Antragstester Ueb-r-
weisung der Anträge an eine Cpezialkommisfion von 18 Mitgliedern. Diesem Anträge schlossen stch die Vertreter aller Parteien an mit der Bemerkung, daß man hoffe, mit her Regierung noch zu einer Verständigung zu kommen. Die Forderung entspringe lediglich wirtschaftlichen und nicht politischen Bedürf, niffen.
Laa Miseren Kolonien.
Berkin, 11 Mai. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt iifter die Lage in Samoa: Na-.; einem hier eingetroffenen Telegramm traf der Sprecher L a u t i mit sieben weiteren Rädelsführern auf dem Kanonenboot „Jaguar" in Saipan ein. Zwei weitere Häuptlinge und der Anhang der Verbannten sind auf dem Kreuzer „Arkona" ebenfalls dahin unterwegs. Die Ruhe ist zwar inzwischen her- gestestt, doch bleibt auf Antrag des Gouvernements, her auch dem im Reichstage ausgefpro. dienen Wunsch entspricht, ein kleiner Kreuzet noch längere Zeit vor Apia stationiert-, da hi« Frage wegen her Nachfolgerschaft von Alnefili und Mataasa die Eingeborenen nach wie vor in einer gewissen Erregung erhält.
Aus Kamerun wird amtlich gemeldet, daß der Sitz des Gouvernements nunmehr wieder nach Bnea »urückverlegt worden ist.
Am 11. Mai iand unter dem Vorsitze des Statsfekretärs Dernburg eine Beratung über die wirtschaftliche Erschließung der Wal- düngen der deutschen Kolonien und über hie Einführung kolonialer Nutzhölzer in Deutschland. sowie über die Möglichkeit ihrer tech- nififien Verwertung statt. An her Konferenz nahmen zahlreiche Vertreter her Behörden, her Handelskammer, der kolonialen Gesellschaften, sowie der beteiligten Kreile des Wandels und der Industrie, der Forstwiriicbaften uta). teil. Unter den zur Diskussion stehenden Fragen, mit denen sich die Versammlung beschäftigte, wur» 1 den namentlich hie Bestands- und M'ickmngs- ■ Verhältnisse der ausl.euiunasfäbiaen Wakdun- ge**. deren Nutzwert, die Transvort- und Treis« Verhältnisse für überseeische Hölzer und die Anforderungen her Inhustrien. hes Eisenftabtt- unh hes Schiffsbaues einoebenh erörtert. Um die Grundlagen für ein weiteres Vorgehen zu gewinnen, wurden Ausschüsse gebildet, die sich zunächst mit der Bearbeitung spezieller Fragen zu befassen haften werden.
Aus hem Neichstaae.
In der 255. Sitzung vom 12. Mai wird die Beratung der Anträne Dr. Roesicke (fonf.) und Speck lZtr.s auf Einführung einer gestaffelten Mühlen- Umsatzstener fortgefeht. Die Abg. Molkenbubr (Soz.) und (Uotbein (freis. Vag.) bekämpfen die Steuer dam freihändlerischen Standvunkt aus. Die Vetriebsein- stollungen der kleinen Mühlen seien nicht umfangreich und gerade die mittleren Betriebe hätten sich vermehrt. Die Vermahlung in den Grotzmühlen sei auch bedeutend billiger. Dem Abg Beck (Aichachs (Ztr.) wird es nicht schwer, die Vorredner zu widerlegen, deren Ausführungen praktischen Wert nicht hätten. Es gelte, die kleinen Müller vor der Grotzindustrie zu schützen. Abg. KauSmann snatlib' lehnt namens eines Teiles seiner Freunde die Anträge ab. Abg.
Fees Hochzeit wurde erst im April gefeiert, eftenta klein und ebenso gemütlich wie die ihres Vaters, der dazu mit seiner Gemahlin nach Pastanza gekommen war.
In iungfräulicher Schönheit trug die iunge Baronesse v. Rothenfeld den bräutlichen Schmuck und jetzt war es „ihr Fränzchen". das ihr Kranz und Schleier auf das goldschimmernde Haar drückte. Fee nennt ihres Vaters zweite Frau, ihrem Wunsche nach, beim Namen und das schwesterliche Verhältnis dauert unverändert fort.
„Daß mein Sohn Dich wahrhaft liebt, habe ich gewußt." bemerkte Schöningk am Hochzeitstage zu seiner Schwiegertochter, „jetzt habe ich Kn sichersten Beweis davon, in den kurischen Wäldern balzt her Auerhahn, es will viel Jagen, wenn Hans Leopold seinem Ruf nicht folgt."
„O!" ruft Fee, „bas tut mir öfter leid für Dich, lieber Schatz." Sie wendet das Köpfchen bedauernd dem Gatten zu, der ihr vor einigen Stunden c getraut ist, „oft wir nicht schon jetzt Heimreisen, ich fühl« mich ganz gesund."
„Nein, Liebling," versetzt Schöningk jun. entschieden, „wir gehen in hie Schweiz, hie Bergluft hes Engadin wird den letzten Rest Deiner Krankheit verscheuchen, wills Gott, kehren wir in unser eigenes liebes Nest wieder, wenn die Johannisfeuer angesteckt werden und unser rauher Norden festlich geschmückt zum Empfang zweier glücklicher Menschen ist."
--Die drei alten Leute kehrten hirett nach Kurland zurück, bis Königsberg von Friedrich Johann und Franziska begleitet.
»-£UJ Wiedersehen im September, me'.n Junge," sagt Barou Adam, „bann ist Eure Wohnung im unteren Stock ix Hollen fertig
und Minchen und ich erwarten Euch im trauen 5 ’im."
— — Es ist wieder Johannisaftend bau i..erben bie Teertonnen brennen und auf den Höfen werden bie Bauern das „Libgo Jahnite" singen, da rollt her halbe Wagen über den Kies des Weges und in Klein-Troska stehen bi.* Großeltern Fees unb Baron Dietrich Schöningk auf her Veranha unb strecken hem jungen Ehepaar zum Willkomm bie ölten runzeligen Hände entgegen. Fee blüht wie eine Rose unb fliegt von Arm zu Arm. Sie kennt ihr neues Heim noch nicht unb ist von ben hellen, freundlichen Zimmern entzückt, die weniger großartig wie in Hollen, aber sehr gemütlich sind. Hat b-vf ihr lieber Papa her Großmutter eine ansehnliche Geldsumme gegeben, damit seiner Tochter Haus bei ihrer Rückkehr mit allem nötigen versehen ift.
Zum ersten Mal fitzt bie junge Baronin Schöningk an ihrem eigenen Tita), bem Gatten gegenüber unb krebenzt ben Kaffee.
„Ich trete Dir unser Erieting ab,“ sagte Frau von Rothenfeld, „Du siehst, fie hat sich heute übertroffen."
Lächelnd weist Frau Wilhelmine auf di« klstlichen, hochaufgegangenen Kümmel- und Sastkuch.n, auf ben großen Napfkuchen unb bie golbgelven, knusperigen Zwiebäcke unb Kringel» chen, die so einladend duften.
„Ich danke Dir, Grotzing, und hoffe unter Grietings erprobter Leitung bald selbst ein« gute, kurisch« Hausfrau zu werden," entgep net« Fee.
(Schluß folgt.)
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