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Marburg und Umgegend. , «druck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 de» errechtS nur mit der deutlichen Quellenangabe

Lberhess. Ztg." gestattet.)

Marburg, 12. Mai.

)( Universität. Am nächsten Freitag nachmit­tags 6 Uhr hält Herr Dr. Alfred Rühl mit Geneh­migung der philosophischen Fakultät seine An­trittsvorlesung überdie NiederschlagSthpen und ihre geographisch« Bedeutung."

)( Universität. Wie aus einem Anschlag am schwarzen Brett ersichtlich ist, findet am nächsten Sonnabend, morgens 11 Uhr, in der Aula der Universität die endgültige Immatrikulation der Studierenden der medizinischen und philosophi­schen Fakultät und 8 Tage später, mittags 12 Uhr diejenige der theologischen Studierenden und der juristischen Fakultät statt.

* Genehmigung. Dem Architekten August Dauber wurde vom Kaiser die Genehmigung zur Anlegung des ihm verliehenen Fürstlich Lippischen LeopoldordenS erteilt.

* Militärische». Das Kriegsministerium hat anoeordnei daß die Zeiten, in welchen Truppen­teile zur Abhaltung von Uebungen au» ihren Gar­nisonen abwesend find, der landwirtschafilichen Be­völkerung bekannt gegeben werden, um dieselben zu unterrichten, an welche Stellen und an welche Truppenteile sie sich zweckmäßig mit ihren Ge­suchen wenden können, wenn die nach den örtliche« Verhältnissen für fie in Betracht kommenden Trup­penteile ausgerückt sind.

* Mamertus, Pankratius, Servatiu», mache« Gärtnern und Bauern viel Verdruß. So ganz un­geschoren scheinen uns die Eisheiligen nicht laffen zu wollen. Vergangene Nacht sank die Tempera­tur bis auf 0 Grad und heute früh zeigten die Fel­der einen leichten Reif.

P ostausweiskarten. Für den inneren deut­schen Verkehr bestehl die Einrichtung der Post- auSweiskarten, die dazu bestimmt ist, beim Emp­fange von Postsendungen Weiterungen zu vermei­den. und auf die wir bei Beginn der Reisezefi be­sonders aufmerksam machen möchten. Die Karte« dienen als vollgültiger Ausweis an den Postschal- tern wie auch gegenüber dem Postbestellpersonal. Bei der Abtragung von Postanweisungen sowie von Wert- und Einschreibsendungen an einen dem bestellenden Boten unbttmmten Empfänger, der sich durch Vorlegung einer Postausweiskarte aus­weisen kann, bedarf es daher der sonst vorgeschrie­benen Bürgschafisleistung durch den Gastwirt oder eine andere bekannte Person nid* Die Postaus­weiskarten haben eine Photographie, ein« kurze Personalbeschreibung und die eigenhändige Unter­schrift des Inhabers zu enthalten. Für ihre Aus­stellung ist eine Schreibgebühr von 50 Pf. zu ent­richten. Anträge aus Ausstellung sind an ein Post­amt persönlich unter Vorlegung einer unaufge- zogenen, nicht zn dunklen Photographie in Bifit» formst zu richten. Dem Postamt unbekannte Per­sonen haben sich durch eine andere bekannte Person oder in sonst zuverlässiger Art auszuweisen. Post- ousweiskarten sind ein Jahr, vom Tage der Aus- fiellung ab gerechnet, gültig. Postausweiskarten, während deren Gültigkeitsdauer hn Aussehen de» Inhabers solche Aenderungen eintreten, daß hit Photographie oder die Personalbeschreibung nicht mehr zutreffen, müsien schon vor Ablauf der Frist crrcuert werden. Die in Deutschland ausgestellten Vostausweiskarteu werden auch im Schutzgebiete Deutsch-Südwestafrika, in Oesterreich, Belgien, Dänemark, Luremburg. Norwegen, Schweden und in der Schweiz bei der Aushändigung von Post- sendimgeu als vollgültige Answeispapiere ange- sehen.

e Eine neue Feuerwehr-Verdienstmedaille. Kaiser Wilhelm hat dem großen Znteresie, da, «r den gemeinnützigen Leistungen der Feuer­wehr entgegenbringt und schon in zahlreichen «inzelnen Fällen betätigt hat, einen neuen dan­kenswerten Ausdruck gegeben durch Schaffung eines, preußischen Erinnerungszeichens für Verdienste um das Feuerlöschwesen". Diese Auszeichnung soll von nun an für vorwurfs­freie und.verdienstvolle Tätigkeit im Feuer­löschdienste verliehen werden, besonders an solche Personen, die während einer Zeit von 25 Jahren einer organisierten preußischen Feuer­wehr als aktive Mitglieder angehört und sich durch treue und eifrige Teilnahme hervorgetan haben. Das Erinnerungszeichen besteht aus einer bronzenen Medaille, für die der Kaiser selbst den Entwurf angefertigt hat.

* Unfälle beim Wintersport. In den letzten Jahren sind bei dem Betriebe des Winter­worts vielfach Unfälle vorgekommen; in dem vergangenen Winter aber haben die Unglücks- Eäe, welche sich in den verschiedensten Gegen- n Deutschlands besonders bei dem Gebrauche des Schlittens, des Rodelschlittens, des Bobsleigh usw., zugetragen haben, einen er­schreckenden Umfang angenommen. Es kann felbstverMndlich nicht di» Aufgabe der Polizei­

fein« Gesinnungsgenossen trauten de« Schab nicht, weil er sein Wort gebrochen hab«. Durch feine Handlungsweise babe der Schah das Land ruiniert und dennoch nichts erreicht, vom Schah erwarteten er und seine Eesinnungsgenosien nichts und wünschten nur die Wiederherstellung der von seinem Vater gegebenen Konstitution, aber unbedingt unter der Garantie der Mächte, sodest sie nicht mehr verletzt werde. Di» dahin würden fie die Waffen nicht widerlegen. An Waffen hätten fie Uebersluß, da ein große» Ar- senal von Täbris in ihren Händen sei. Wenn der Schah ihn nach Wiederherstellung der Ord­nung zu seinem Dienst berufe, werd« er bereit­willig dem Rufe de» Schahs folgen.

** Marokko. Paris, 11. Mai. Nachrichten aus F 'z zufolre, sollen sich die Beni Mter einem Schwager Mulay hafids unter­worfen haben, der hierher kommt, um eine Skr» siändigung mit dem Sultan anzubahnen.

behörden fein, di« Betätigung Munden, harm­losen Sports zu verhindern ob« durch über­triebene Kontrolle z» erschwere«; auch roirb selbst bei vorsichtigem Betriebe der verschie­denen Arten de» Außensports dem Eintritte vereinzelter schädigender Ereignisse nicht immer Sanz oorgebeugt werden können. Di« groß« lnzahl der in letzter Zeit bekannt gewordenen, zum Teil außerordentlich schweren Unglücksfäll« läßt jedoch in Verbindung mit den begleitenden Umständen die Vermutung zu, daß vielfach bei Rodelschlitten- und Bobsleighfahrten, sei es bei der Auswahl und Sicherung der Fahrbahn, sei e» bei der Prüfung der zu benutzenden Fahr­zeuge, nicht die gebotene Vorsicht angewendet wird. Ein Runderlaß de» Ministers des In- nern lenkt infolgedesien die Aufmerksamkeit der zuständigen Regierungsorgane auf diese« Punkt und weist fie an, soweit erforderlich, $or» kehrungen zu treffen.

* Zu« Reiseverkehr. Im Hinblick aus da» bevorstehende Anwachsen des Reiseverkehrs macht ein Runderlaß des Eifenbahnministers unter Bezugnahme auf früher ergangene Bor» schriften den Eisenbahndirektionen wiederholt zur strengsten Pflicht, einer glatten Abwicklung de» Personen- und Gepäckverkehrs die größte Sorgfalt zuzuwenden. Dabei wird bemerkt, daß der Ueberfüllung der Wagenabteil« durch Handgepäck in letzter Zeit nicht mehr ge- bührende Aufmerksamkeit geschenkt gu sein scheinen, wie verschiedene Klagen erkennen lasten. Die Schaffner, namentlich in den Durchgangszügen, sollen nicht erst Beschwerden benachteiligter Reisende« abwarten, sondern daraus achten, daß die Mitreisenden in der Be­nutzung des ihnen zustehenden Raumes nicht beschränkt roerben. Nötigenfalls haben die Schaffner dafür zu sorgen, daß übermäßiges Handgepäck in vorgeschriebener Weis« abgefer­tigt wird.

)( Sin kleiner Brand entstand gestern in einem Mädchenzimmer eines Hauses der Haspelstratz«. Der Schaden ist nicht unbedeutend.

Raw wende sich dieserhalb an di« Museumsver- valtung.

Bilbel, 11. Mai. Kurz vor dem Pasfieren des Frankfurt-Friedberger Zuges warf sich ge­stern mittag der Maurer Kreiling auf das Gleis, um sich totfahren zu lasten. Der rechte Maschinenräumer warf jttioch den Körper zur Seite, so daß dem Mann der linke Arm an der Schulter abgefahren wurde. Kreiling kam schwerverletzt ins hiesige Krankenhaus, viel« Krankl)eiten in der Familie und Nahrungs­sorgen sollen den Unglücklichen zu der Tat ver­anlaßt habe«.

Frankfurt, 11. Mai. (Gesangswettstreit.) In wenigen Tagen wird das Programm für di« Vorfeier veröffentlicht werden, und es ist zu erwrtten, daß die Fülle des Gebotenen auf hiesige und auswärtige Besucher eine starke An­ziehungskraft ausüben wird. Rach bien riesen­haften Dimensionen des Turnfestes wird das Sängerfest mehr einen intimen Tharakter tra­gen, der auch schon in der ganzen Anlage des Festplatzes zum Ausdruck kommt. Don dem Weinrestaurant mit seiner herrlichen Terrasse genießt man einen herrlichen Blick über den ganzen Platz und darüber hinau» «ach der Stadt und ben Taunusbergen.

Frankfurt, 11. Mai. vor dem Schwurge­richt in Wiesbaden begann gestern der Prozeß Burkhardt. Des Morde» an der Frau Rosa Thamer, die am 13. Januar auf dem Wege nach Königstein erschossen aufgefunden wurde, ist der Hilfserheber Johann Philipp Burkhardt aus Niederhöchstadt angeklagt, der Beihilfe sein Sohn Philipp. Es fhtb 97 Zeugen und acht Sachverständig« geladen. Für die Verhandlung find vier Tage in Aussicht genommen.

Wiesbaden, 11. Mai. vom 15. bis 20. b». findet die zweite der großen Sonder-Ansstellun- gen in der Gartenhalle statt. Sie wird Früh- lings-Schnittblumen vorführen. Rach dem großen Erfolg der ersten Sonder-Ausstellung, sowohl in bezug auf die Einzeldarbietungen der Aussteller, wie bezüglich des Gesamt-Arrange­ment», darf man wieder einer ganz besonderen

f Kirchhain, 12. Mai. Eine stadtbekannte Per­sönlichkeit, die Ehefrau Mai, ist durch den Tod ab­berufen worden. Sett langen Jahren brachte sie den hiesigen Einwohnern täglich die Oberhesfische Zeitung inS Haus.

Amöneburg, 11. Mai. Gestern morgen gegen 5 Uhr stürzten lautFuld. Ztg." da» Dachwerk und die beiden Giebel am Wohnhause des Land­wirtes A. Fuchs zusammen. Zum Glück wider­stand der Boden der Gewalt be» Einsturzes, wo- durch ein größeres Unglück verhütet wurde, da di« Familie in de« darunter befindlichen Stu­ben schlief.

(!) Schwabendorf, 11. Mai. Auf Anregung eines hiesigen Herrn haben fich hier die Bur­schen zu einem Fußball-Klub vereinigt.

Röllshause«, 11. Mai. In Schrecksbach hat di« Genickstarre das erst« Opfer gefordert. Es ist dringend zu wünschen, daß di« Vorsichtsmaß­regeln mit aller Energie durchgeführt werden.

+ Laasphe, 11. Mai. Im Stahlwerke der Bremerhütte wurde der Arbeiter August Klein aus Kroppach im Westerwald durch einen fieben Zentner schweren Eisenblock, bet auf ihn fiel, gelötet.

Studentisches.

Verband Deutscher Student engesongvereine. Der KommerS der Berliner Alten Herren des , Sonders Häuser Verbandes Deutscher Studenten- gefangberetne" unter der Leitung des Geheimen Regierungsrats Vogt (A. H. des A. G. B. Würz­burg) wat von mehr alS 200 Teilnehmern besucht. Einer der ältesten Angehörigen des Verbandes, Regierungsdirektor von Rasp aus München hielt die Festansprache. Der Abend war reich an mufi- kalischen Darbietungen, die gesanglichen standen unter der Leitung deS Dirigenten der Akademischen Liedertafel Adolf Schulze. Die Fidulttät stand unter dem bewährten Szepter des Rechtsanwalts Krüger (A. H. der Fridericiana-Marburg).

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Herborn, 11. Mai. Di« Sammlungen be» Altertumsvereins find von Sonntag, den 9. Mai, ab wieder zur Besichtigung geöffnet wor­den und zwar an Sonntagen von 1011% Uhr vormittags und nachmittags von 35 Uhr. Die Mitglieder des Skieins und deren Fami­lienangehörige haben an Sonntagen während obiger Zeit freien Eintritt. Nichtmitglieder und andere Besucher zahlen ein Nnttittsgeld von fe 30 Pfg. und schulpflichtige Kinder di« Hälfte. An Wochentagen können ebenfalls die Sammlungen gegen Zahlung von 50 Pfg., für alle Besucher gleich, besichtigt werden; bei gleichzeitigem Besuche von 5 und mehr Personen wird da» Eintrittsgeld auf je 30 Pfg. ermäßigt. Man wolle fich an den Museumauffeher Herrn ErLnbeck, Schuhmarkt 1, roenben. Die Samm­lungen find um zahlreiche Gegenstände ver­mehrt und jetzt in 14 größeren und kleineren Räumen geordnet und übersichtlich ausgestellt. Besondere Erwähnung verdienen di« Rüstun­gen und Waffen aller Art, Zinn-, Porzellan- nnd Tongefäße, die Teil« de» Hildesheimer Sil» betfunbes (14 Stück in Nachbildung) die Einhornapotheke, die bürgerliche und Bauern­stube, einige Herzog!. Nass. Soldaten (1809), sowie zahlreiche vorgeschichtliche Funde und Ge­genstände aus deutschen Kolonien, Alt-Herborn und zahlreiche Biümisie von Glieder« des Hau­ses Nassau. Die Wohnräume find insgesamt von li Bewohnern, in der dem Zeitalter enti sprechenden Tracht, bevölkert. Di« Besucher werden darauf aufmerksam gemacht, daß zu ein« gehender Besichtigung bet Sammlung 12 Stunden erforderlich find. Die Schüler sämt­licher städtischen und bet vom Eewerbeverein geleiteten Schulen, smvie die Besuch« der Kgl. Präparandenarrstalt haben in Begleitung der Herren Lehrer freie« Eintritt. Löcherige Der- ständigung bezügl. bet Besuchszeit ist erwünscht.

Leistung entgegensehen.

Hornburg u. d. H, 11. Mai. Gestern starb in Baden-Baden die Witwe be» im Jahr« 1888 verstorbenen nationalliberalen Landtagsabge- orbneten und Mitbegründer der Höchster Farb­werke Meister, Lucius und Bruening, Frau von Bruening.

Jdstei«, 11. Mai. Freitag Abend entstand kurz nach 10 llhr auf dem Zimmerplatz von Heinrich Kappus III. ein gewaltiges Schaden­feuer. Die Cchreinerwerkstätte mit sämtlichen Holzbearbeitungsmaschinen, bas Sägewerk, bas Dampfkesselbau^ ein Pferdestall mit den bar» über liegende« Wohnungen für di« polnischen Arbeite: und «in großer Schuppen mit sehr wertvollen Holzvorräten wurde ein Raub bet Flammen.

§§ Hofgeismar, 11. Mai. Im großen Saale des HotelsDeutscher Kaiser" wurde heute un­ter starker Anteilnahme der Behörden der 16. verbandstag des Mitteldeutschen Eastwirte- Skrbandes, E. $., durch den Vorsitzenden des Wirtevereins Hofgeismar, Herrn Kaletlch, mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet. Rach Erledigung bet geschäftlichen Angelegen­heiten sprach Herr Restaurateur Reinhardt- Fulda fiterdie gesetzlich« Aichung der Brannt- rodn» und Likörfasser". Es wurde folgender Antrag angenommen:Der Reichsverband Deutscher Gastwirteverbände ist zu veranlassen, an maßgebender Stelle ganz energisch dahin wirken zu wollen, daß bei der Neugestaltung des Aichgefetzes, die mindestens all« zwei Jahr« vorzunehmende amtliche Aichung sämtlicher Bier-, Wein- und Spirituosenfastagen obliga­torisch eingeführt wird." Zum diesjährigen Bundestage nach Darmstadt wurde Herr Kaletsch-Hofgeismar als Verbands-Bertteter gewählt. Al» Ott des nächsten Verbandstages wird Marburg gewählt, weil der dortige Witteverein sein 25jährig«s Sttstungsfest im nächsten Jahre begehen kann. Im Jahre 1911 soll dann der verbandstag in Göttinnen abge­halten werden. Dem Bund deutscher Gastwirte zu Leipzig wurde ein Dank ausgesprochen für die Agitation gegen die beabfichttgte Kontingen­tierung der Biererzeugung.

Raiuz, 11. Mai. Die verstorbene Frau Anna Kämffer hat dem Verein für Ferien­kolonien 20000 J*. testementarisch hinterlassen.

Worms, 11. Mai. Der Schuster Voigt bet Hauptmann von Köpenick wurde durch di« Wormser Polizei an seinem Vorhaben, fich gegen Eintrittsgeld während des gestrigen und heu­tigen Tages sehen zu lassen, verhindert und ausgewiesen, sobald er hier angekommen wat.

Bielefeld, 11. Mai. Der Vorstand des Kreis- kttegerverbands in Bielefeld hat fich gegen ben vom Deutschen Kriegerbund geplanten Aus­schluß der freien Gewerkschaften aus ben Ktte- gervereinen ausgesprochen. Die Gewerkschaften seien wirtschaftliche Vereinigungen, die Zuge- hörigkeit zu ihnen sei vielfach durch die Ver- hältnisse erzwungen.

Kierspe (Sßeftf.), 11. Mai. In einer Fabrik stürzte ein Werkmeister aus einem Fenster des dritten Stockwettes auf die Straße, wo er tot liegen blieb. Der verunglückte stand hn Alter von 39 Jahren und hinterläßt eine Witwe und 10 Kinder, von denen das öltest« 13 Jahre alt ist.

Unpolitische Tagesnachrichten.

Wolfenbüttel, 11. Mai. Bei einem in dem Anwesen des Tischlers Hämerling in Volkers- Heim ausgebrochenen Brande tarn die Frau des Tischlers, Mutter von sechs Kinder«, in ben Flammen um. Als das Feuer gelöscht war, taub man die stark angekohlte Leiche unter den Trümmern des niedergebrannten Stallgebäu­des. Anscheinend war die an Ohnmachtsanfäl­len leidende Frau bei dem Ausbruch des Feuers vor Schreck bewußtlos geworden und so ben Flammen hilflos preisgegeben.

Leipzig, 11. Mai. Das Reichsgericht ver­warf die Revision des Handlungsgehilfen Ri­chard Henkel, der vom Schwurgericht am Land» gerW I in Berlin am 24. März wegen (Et»

mordnng des Juwelier Frankfurter Ni Wie» zum Tode verurteilt worden war.

Vermischtes.

Ein gefähttich« Rollmops. Durch «ine« Roll­mops beinahe ums Leben gebracht worden, toär< in Döllnitz ein Handwerksgeselle, wenn nicht schnell hinzugesprungene Männer das böse Tier, das der Geselle in ungeteiltem Zustande und fogal mit dem bekannten Hölzchen im Restaurant bet« schlang, mit kühnem Griff entfernt hätten.

Letzte Nachrichten.

Berit«, 12. Mai. Die Vorlage wegen Auf« hesserung bet Mannschaftslöh«» ung um 8 Pfg. pro Tag unb wegen Hebet« «ahme bet Kosten fflt Putzzeug und Rei­nigungsmittel auf bte Reichskasse ging dem Reichsschatzamte aus dem Kriegsrniniste» rium zu. Sie gelangt demnächst an ben Bundesrat.

Berlin, 11. Mai. Der Eisenbahnminister' stimmte grundsätzlich dem städtischen Nord-Süd.' Unterpflasterbahnprojekt -n.it der Trace durch die Fttedrichstraße zu und ermächtigte die Auf­sichtsbehörden, das Genehmigungsvetfahten einzuleiten.

Esse«, 11. Mai. Oberregierungsrat Sie in« Hardt vom Kultusministerium ist hier eh», getroffen zur Untersuchung, wie roeit die im Landtage vorgebrachten Klagen auf unttrschied« liche Klassifizierung von Schülern des Gymna­siums auf Tatsachen beruhen.

München, 11. Mai. Der Kunstmaler von Reznieck ist heut« Mittag an ben Folge« einer Maae. Operation gestorben.

Wien, 11. Mai. In der heutigen Sitzung bes Erekutivausschusses der deutsch-freiheitliche« ^Parteien de» Abgeordnetenhauses wurde no« allen Seiten bet Freude darüber Ausdruck ge« (leben, daß der deutsche Kaiser auch diesmal bei einer Rückkehr von Korfu Gelegenheit nimmt, dem Kaiser Franz Josef seinen Besuch abz«. statten, wodurch die Innigkeit des Bündnisses zwischen dem Deutschen Reiche und der öfter» reichffch-unmrrffchen Monarchie ein« neue unb feierliche Bestätigung findet. Skn deutsch-radi­kaler Seite wurde der Wunsch ausgesprochen, daß in einer Plenarversammlung des Deutschen Nationalverbande» den freubigen Empfindun­gen der Deutschen Oesterreichs aus Anlaß des Besuches Kaffer Wilhelms in Wien AuÄruck gegeben werd«. Zu diesem Zwecke wird Frei« tag, den 14. d. Mts., um y212 Uhr vormittags eine Plenarversammlung des Deutschen Na« tionalverbandes stattfinden.

Caracas, 11. Mai. Trprästdent Castro wurde wegen der willkürlichen Bewohnung des Palais Mira Flores, des Besitztums der Witwe des früheren Präsidenten Crespo, gerichtlich ver­urteilt, Schadenersatz zu leisten.

Sofia, 11. Mai. Das Kriegsministerium ordnete ein« Untersuchung des von Schnei- bet «. Cteufst gelieferten Kriegsmaterials an.

Jtonftairtinopel, 11. Mai. Gestern mürben vom Kriegsgericht 25 Todesurteile gefällt. Z« den verurteilten gehören mehrere Soldaten als Offiziersmörder, einige Offiziere unb Hodscha» als Aufwiegler zu der Revolte vom 13. April unb eine Anzahl Mattosen, bk ben Komma«- bauten bes PanzerschiffesAssar-i-Tewfik" et« mordet haben.

Konstantinopel, 11. Mai. Die Kammer be­gann die Beratung des neuen Preßgefetzos. Sie nahm einen Antrag an, daß die für die Zeitun­gen verantwottlich zeichnenden Redatteure di« ottomanifch« Staatsangehörigkeit besitzen müs­sen. Ueber ben Antrag, als »era -hr ,etliche Redatteure nur solche Personen zuzulassen, die ein akademische» Diplom besitzen, entspann sich eine heftige Debatte, worauf die Sitzung abge« brockkn wurde.

Bloemfontein, 11. Mai. Nachdem bi« Ber­fa ssu n g fflt bas vereinigte Süd­afrika nunmehr mit einigen Abänderungen endgiltig einstimmig angenommen ist, be­gaben sich die Delegierten in ihre Heimats­kolonien zurück. Als die wichtigste Abänderung gilt bet Beschluß, daß die Provtnzialwahlkreise nur je einen anstatt, wie der Entwurf vor­gesehen hatte, drei oder mehr Abgeordntte ent­senden.

Der Poftftreik ht Frankreich erklärt.

Patts, 12. Mai, 1 Uhr früh. Die Postbe« amten haben in einer im Saale des Hippodroms abgehaltenen Versammlung beschlossen, in be« Ausstand zu treten. Von dem Lyoner Bahn­hof sind feine Postsendungen, vom Bahnhofe St. Lazare ist nur die Post nach Havre abgegangen.

PattS, 12. Mai, 1% Uhr früh. In der Bet» fammlung der Postbeamten, in der der Aus­stand beschlossen wurde, wurde auch beschlossen, den Verbandsausschuß aufzulöfen unb ihn durch einen Streikausschntz zu ersetzen. Die Name« der Mitglieder dieses Ausschusses werden geheim ge­halten. Ferner wurde beschlossen, daß über di« Wiederaufnahme der Arbeit nur durch die General­versammlung entschieden werden kann. Schließ­lich wurde eine Tagesordnung angenommen, in der es heißt: Die Beamten, Unterbeamten und Ar­beiter, die fich versammelt haben in demselben Ge­fühl der Unabhängigkeit und der Empörung Über die Illoyalität der Regierung, die ihrem Verspre­chen dadurch untreu geworden ist, daß fie gegen kämpfende Postbeamten vorgegangen ist, well diese fiel ihre Meinung äußerten, verpflichten sich die Arbett niederzulegen und zu kävlpsen, bis ihnen vollständige Genugtuung geworden ist; sie fordern laut das Syndikaisrecht, das sie um jeden Preis erlangen werden, rufen dem Postbeamtenverbande ihren Gruß zu und trennen sich unter dem Rufe: ES lebe der Ausstand!

Die Morgenblätter melden aus Brüffelt Durch einen zwischen den belgischen unb französi­schen Handelskammern organisierten Kurierdienst sollen während deS Pariser PoststreikS bis Handelsbeziehungen zwischen Frankreich, Belgien]