Einzelbild herunterladen
 

WechW IMng

Js 111

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain >

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage."

DieGderhesftfche Itttnng" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertoge. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 3,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition Markt 21, 2 Mk.

Marburg

Donnerstag 13. Mai 1909.

Die Jnsertionsgebützr beträgt für die 7gespalten« Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Berlag: Joh. Ang. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitz «roth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg«

Im Abgeordnetenhause

Wurde am Dienstag, 11. Mai, die dritte Ttatsbera- tung fortgesetzt. Abg. Hintzman« (natlib.) wünschte, daß der Wald bei Elberfeld in städtischen Besitz über» aÄhe, um erhalten zu werden. Oberlandforstmeister Wesener erwiderte, daß solche« Kragen stet» Wohl­wollen entgegengebracht werde, daß aber bei Festsetz­ung des Preises auch Rücksicht auf die Steuerzahler genommen werden müsse. Abg. Borgmam» (Soz.) dehauptee^ daß ihm aus Försterkreisen Zustimmungen au seiner Anregung, die Jagden in den Staatsforsten freihändig zu verpachten, zugegangen wären. Abg. U. Arnim-Züsedom (fonf.) entgegnete mit großer Ent­schiedenheit, daß einzelne Förster, deren Namen Herr Borgmann übrigens noch nicht genannt habe, noch lange nicht die gesamte Iörsterschaft ausmache. Die berufene Vertretung der preußischen Förster, der Preußische Försterverein, habe sich mit allem Nachdruck gegen Herrn Borgmanns Anschauungen gewandt, wünsche die Beibehaltung des jetzigen Zustandeö und lehne eine Vertretung durch Herrn Borgmann oder einen seiner Parteigenossen heute und für alle Zukunft ab. (Beifall.) Zum Etat der Ansiedlungskommissio« lag ein Antrag Aronsohn (freis. Bp.) vor, welcker die mündelsichere Hinterlegung der Kautionen der Ansied­ler fordert. Abg. v. Till« (fonf.) begründete einen Antrag l>. Wentzel (fonf.), welcher wünscht, daß die Regierung, falls Re daran festhalt, die Befestigung größerer Güter nicht durch die AusiedlungSkommission, sondern durch die Bauernbank in Danzig und die Mit­telstandskasse in Posen ausführen zu lassen, mit diesen Institutionen zu vereinbaren, daß bei Mißhelligkeiten die Anstedlungskommission jederzeit in der Lage ist, die Befestigungen selbst zu übernehmen und daß auch alle bereits begründeten Rechte und Pflichten auf Re übergeben rind sie auch das ausschließliche Verfüg­ungsrecht über den angesammelten Risikofonbs erhält. Der Redner beantragte, den Antrag an die Budget- lommiffton zu überweisen. Abg. Viereck (freirons.) stimmte der Kommissionsberatung zu. Die beiden Anträge Aronsohn und v. Wentzel wurden der Budget­kommission überwiesen. Abg. Dr. Goigalal (Hosp. d. Kons.) wünschte, daß den Neberschwemmungsgebicten im Osten staatlicherseits kräftigere Hilfe gebracht werde. Minister v. Arnim erklärte, man suche die Verlegung solcher Gehöfte, die durch Ueberschwem- umngen gefährdet sind, zu veranlassen. Abg. Brutt (Ztr.) ersuchte den Minister, auch die Berqbauten, welche infolge ihrer Aussagen über bas Radboder Grubenunalück gemaßregelt worden sind, anzustellen. Minister Delbrück lehnte dieses Ersuchen ab. Er könne wohl Arveiter jederzeit nnterbringen, aber nicht Be­amte. Beim Etat des Ministeriums des Innern er­läuterte der Abg. Heckenroth (fonf.) feine früheren Ausführungen dahin, daß er wünsche, man möge in Krageir der Fürsorgeerziehung nicht die Ortsgeist­lichen üb-raeben, sondern sich mit ihnen in Verbindung sehe». Minister v. Moltke erklärte, alle hinsichtlich der Fürsorgeerziehung gegebene« Anregungen wür­digen zu wollen. Das Haus vertagte sich um 4% Uhr auf Mittwoch Vormittag 11 Uhr. Fortsetzung der dritten Etatsberatung. Besoldmrgsvorlagen.

Die Tabaksteuer in der Kinanzkammtsstan deS Reichstage».

In der gestrigen Sitzung der Finanzkommission des Reichstages stand die Tabaksteuer zur Beratung. Die Subkommission hat einen neuen Entwurf ausge­arbeitet. Sie hat sich gegen die van der Regierung borgeschlagene Tabaksverbrauchssteuer mittels Ban­derole erklärt und macht statt dessen folgende Vor­schläge: Inländische Tabake: statt 45 JK Steuer 50 ,K\ ausländischer Tabak 85 ,< wie bisher, aber außerdem 30 pCt. Wertsteuerzuschlag. Importierte Zigarren statt 270 dH Zoll 400 dH und 30 pEt. Wertzuschlag.

Der Ertrag aus dieser Art der Mehrbelastung des Tabaks beträgt nur rund 30 Millionen ,< gegen 77 Millionen jK. der Regierungsvorlage. Die Konser-

50 (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

«Forttetzung.l

Das ist recht," unterbrach ihn Dietrich Schöntngk,er hat Deinen festen Charakter und fu^rt durch, was er sich vornimmt) ich denke, das hat er früher bewiesen und wird es wieder, wenn es dara f ankommt."

Neulich also war der Junge und ich zusam­men gefahren, um uns die Ziegelei anzusehen) auf dem Rückwege sagt Friedrich Johann:

Vater, ich möchte mich in Kurland ankaufen und bitte Dich, mir mit Deiner Erfahrung da­bei zu raten."

Du bist wohl verrückt?" rufe ich,natürlich muht p« in Hollen bleiben und mir mit der Zeit die Bewirtschaftung des grohen Gutes ab­nehmen, ich werde alt und kann nicht mehr das leisten wie früher."

Da wird der Junge ganz nachdenklich und endlich sagt er:

Ich roh. Dir heute meine Pläne mitteilen, lieber Vater, gleich nach Weihnachten soll Fee zur Kräftigung an die Riviera gehen und da Mutter und Du ste begleiten, will ich bis zum Herbst auf ein Gut ganz in der Nähe von Kö­nigsberg, um als Volontär die fast vergessene Landwirtschaft aufzufrischen; denn ich nehme es ernst mit Deinem Vertrauen und bin gern bereit, hier im lieben Hollen als Dein Inspek­tor zu ritten.*

»Ja. flehst Du," erwiderte ich darauf,ich habe nichts dagegen, enterbt habe ich Dich vor bald zwanzig Jahren und ein Rothenfeld hält

vativen brachten im Laufe der Sitzung einen Antrag ein, den Wertsteuerzuschlag von 30 pCt. auf 50 pEt. zu erhöhen. Die Konservative Partei ließ erflären, die Verhandlungen der Subkommissstm entsprächen nicht ihren Erwartungen, Sie würde daher den Vor­schlag der Subkommission ablehnen, eventuell nur un­ter Protest dem Entwurf zuftimmen. Ein BundeS- ratsbevollmächtigter führte aus: die Regierungen müßten daran festhalten, daß Bier, Branntwein und Tabak zusammen rund 275 Millionen M bringen müßten. Er bitte dringend um Aenderung, so daß ungefähr 77 Millionen JK. heraurkämen. Der König­lich sächsische BnndesratSbevollmächttgre stellte aus­drücklich fest, daß seine Regierung die Banderole für die geeignetste Form der Belastung deS Tabaks halte. Die Sozialdemokratie äußerte sich absolut ablehnend. Die freisinnige Partei sttmmte einer Erhöhung de» bisherigen Zolles bis zu einer Mehrbelastung von 86 Millionen dH zu, der Banderole und einer Fatturrn- wertsteuer steht sie jedoch ablehnend gegenüber. Ein Regierungskommiffar bezeichnete es als nicht richtig, daß die gesamte Tabakindustrie eine Gegnerin der Banderole sei, vielmehr seien eine Reche namhafter Tabakfabrikanten auS dem Tabakverein ausgetreten, gerade weil sie mit ihrer Ansicht zu gunsten der Ban­derole nicht durchaedrungen seien.

Ein Mitglied der Reichspartei legte dar, daß die Regierungsvorlage den Wünschen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung entspreche. Er erSärte sich gegen eine Gewichtssteuer und für eine Banderole, eventuell nach Verbesserung. Unter allen Umständen müsse im Interesse des Zustandekommens der Finanz­reform eine Art der Besteuerung des Tabaks gefunden werden, die den von den Regierungen erforderten Ertrag bringe. Bon Seiten des Zentrums wurde an­erkannt, daß die Banderole zwar an sich das gerechteste System ist, sie ivürde aber beim Tabak eine große Ver­schiebung zu gunsten der Großindustrie Hervorrufen und sei daher zu verwerfen. Der Regierungskom- missar erklärte auf eine Anregung, daß bei einem Wertzoll, wie ihn die Vorlage der Subkommission vor­sehe, die Zigarette bereits mehr belastet werde, als durch die Regierungsvorlage, die die 1 Pfennigziga- rette ganz frei lasse und die 2 Pfennigzigarette nur mit 50 Pfg. für das Tausend belastet. Ein Freisinni­ger begründet einen Antrag, der eine Erhöhung des Eingangszolls nach dem Gewicht bezweckt.

Staatssekretär S v d o w wendet sich jedoch gegen diesen Antrag. Vor dem freisinnigen Anträge hab« der Entwurf der Subkommission, da er sich nach dem Worte richte, ioenigstens den Vorzug der Entwicke­lungsfähigkeit. Mit der Tabakverfeineriing wüchsen auch die Einnahmen. Ein konservativer Redner warnte namentlich die liberalen Abaeordneten vor zu großer Rücksichtnahme auf ihre Wähler. Wenn auf jede Interessengruppe Rücksicht genommen würde, so würde niemals eine vernünftige Reform zustande kommen. Tie nationale Sache erfordere die Einnahme eines höheren Standpunktes und Zurückstellung der Son- derinteressen zu gunsten der Allgemeinheit.

Am späten Nachmittag kam es zur Abstimmung. Die Erhöhung des Gewichtszolls wurde abgelehnt, der Wertzollzuschlag mit 16 Stimmen der Konservativen, Reichspartei, Wirtschaftlichen Vereinigung und Zen­trum im Prinzip angenommen. Damit ist das von der Regierung vorgeschlagene Banderolensystem ge­fallen. Heute Vormittag Spezialberatung.

Politische Umschau.

Eine Taktlosigkeit.

Verschiedene Blätter bringen die Meldung, daß der ehemalige Bürgermeister von Husum, der jetzige Rechtsanwalt Dr. S ch ü ck i n g in Dortmund, sich auf liberale Anfrage zur Annahme der Kandidatur im Reichstags­wahlkreise Landsberg-Soldin bereit er­klärt habe." Sie fügen hinzu, daß der Herr

fein Wort, aber wenn Du" ich stockte, da sagt Friedrich Johann:

Was meinst Du, Vater, bitte, vollende den Satz."

Wenn Du zum zweitenmal heiratest und Gott Dir einen Sohn schenkt, dann ist der natür­lich der Erbe: Deine Stellung ün Kurland änderte sich mit einem Schlage, Du wärest wie­der einer der Unfern . . .

Darauf ist er lange still: endlich meint er: Wir würde mich hier in Kurland nehmen?" Run," sage ich,ich glaube jemand zu ken­nen. der Dich nicht vergessen hat: die beste Wei­berseele nach Deiner lieben Mutter, diejenige, in der wir einst unsere zukünftige Schwieger­tochter zu sehen hofften, die uns mit jedem Jahr lieber geworden ist, die Fee wie eine jüngere Schwester liebt. Den Namen brauche ich Dir nicht zu nennen.

Und Du glaubst wirklich, daß. daß"

Sie Dich von Herzen liebt, ja dessen bin ich gewiß und Mutter wird es Dir bestätigen: die Frauenzimmer haben in solchen Dingen just eine so feine Nase, wie meine Setterhündin, die Laima.

Daraufhin tiefes NaWenten und längere Unterredung mit meiner Alten. Seitdem be­obachte ich Fränzchen und den Jungen heimlich und was ich sehe, gibt mir Hoffnung, daß mein Lieblingswunsch sich erfüllt.

Das ist ja famos! rief Schöningk und die beiden Verschworenen schüttelten sich die Hände.--

Und wieder sank der Weihnachtsabend het- nieber und eine schöne Tanne wurde im hohen Saale Hollens angezündet: darunter standen glückliche Menschen, das Brautpaar, die Groß­

Rechtsanwalt an Bronchialkatarrh leide und daßfür den Fall einer sehr bald bevofftehenden Wahl" des Marburger Prof.Schücking für feinen Herrn Bruder eintreten werde. Der Wert dieser Meldung wird vor der Oeffentlich- teit erst in die rechte Beleuchtung gerückt wenn man erfährt, daß der gegenwärtige Inhaber des Mandats, der Konservative B o e n i n g, schwer krank darniederliegt, daß sein Befinden zwar ernst, aber zurzeit nach unseren Jnformattonen eine Lebensgefahr nicht besteht. Wenn man auf liberaler Seite auch glaubt, schon jetzt Schritte zu einer Eroberung des Kreises tun zu müssen, so sollte doch jedes menschliche Tattgesühl, das auch in bet Politik eine gewisse Rolle spielen müßte, den künsttgen Kandidaten und seine Freunde von derartigen verletzenden Veröffent­lichungen im gegenwärtigen Moment entschie­den abhalten.

Deutsches Reich.

Die Heimreise Kaiser Wilhelms. Malta, 11. Mai. DieHohenzollern" mit dem Deut­schen Kaiser urtb der Kaiserin ist in Begleitung derStettin" und desSleipner" nach B r in - bist in See gegangen. Rom, 11. Mai. Der beutsche Botschafter, v. Jagow, ist nach B r i n b i s i abgereist.

Rom, 11. Mai. Der König unb die Kö­nigin, sowie Minister Tittoni sind heute Abend nach Brindisi abgereist. Außer dem deutschen Botschafter begaben sich auch der deutsche Militär- und MarineattachS nach Brindisi.Vita" gibt in einem Artikel über die Zusammenkunft in Brindisi dem Wunsche Ausdruck, daß die Beziehungen beider Völker die frühere, vertrauensvolle Intimität wieder- gewinnen mögen. Kaiser Wilhelm fei ein wahrer Vertreter des großen Volkes, dessen be­rühmtesten Schriftsteller Italien liebten und diese Liebe den nachkoirmenden Geschlechtern einpflanzten. Kaiser Wilhelm könne daher auch fernerhin nur ein Bündnis mit dem Lande wünschen, dem Goethe glühende Begeisterung entgegengebracht habe.

Zum Besuch Kaiser Wilhelms in Wien. Wien, 11. Mai. Auf Wunsch Kaiser Franz Joses? wird sich anläßlich des Besuches des Deutschen Kaiserpaares die ge­samte österreichische Kaiserfamilie in der Hofbura zusammenfinden. In einem Ueber Brindisi nach Wien" überschriebenen Arttkel führt dasNeue Wiener Tagblatt aus: Nach den Ereignissen des letzten Jahres wird niemand in Abrede stellen, daß auch bet bies- maligen Begegnung zwischen bem Deutschen Kaiser und bem König von Italien ein starker politischer Zug voll Ättualität innewohnt. Die Begegnung, bie morgen zwei bet gekrönten Kompasziszenten bes Dreibundes auf der Höhe von Brindisi haben werden, bildet auf ihre Art gleichfalls einen Epilog zu den nervenerregen- ben Schauspielen vom verflossenen Winter. Sie ist aber zugleich ein Prolog zu bet Wiener Fahrt des Deutschen Kaisers. Das Blatt schließt: Es ist der Staatsmann, der, bevor er sich zu dem brüderlich und kameradschaftlich innig mit ihm verwobenen Freunde begibt, den dritten Ee-

eltern, Dietrich Schöningk, Franziska und der Heimgekehrte. Fee sah noch sehr zart aus, aber das Glück verklärte ihr ganzes, süßes Gesicht unb bie braunen Samtaugen strahlten wie Sterne, wenn sie sie zu Hans Leopolb erhob unb sich an ihn schmiegte.

Friedrich Johann sieht die Vergangenheit vor sich, die ferne, frohe Kinderzett, feine lange vergangene Jugend, ihm ist sehr weich zu Mut und er tritt in das Nebenzimmer uni blickt durch bie Glastür in bie klare Mondscheinnacht hinaus, die ihre bläulichen Nebel um bie Land- schaft spinnt. Franziska hat seine Abwesen­heit bem .ft, leise folgt sie ihm und legt die Hand < .if seinen Arm.

Sie dürfen nicht ttaurig fein, FriÄrich Johann, sagt sie herzlich, heute nicht, wo si<h alles freut; denken Sie nicht an Vergangenes, die Gegenwatt will ihr Recht unb sie ist so schön, nicht wahr?"

Da ergreift er ihre beiden treuen, warmen Hände und hält sie in festem Druck umspannt.

Franziska," spricht er,bie Gegenwart könnte noch schöner werden, wenn Sie mir an- gehören wollen. Einst hatte ich eine flüchtige Jugendneigung für Sie, ich habe mit Ihnen ge­spielt und habe Sie schnell vergessen. Wissen Sie noch, wie wir im Mai unter dem blühenden Flieder standen und ich Sie um die blaue Blüte bat? Sie gaben Sie mir auf meine Bitte hin unb ich sagte Ihnen, es bedeute ein großes Glück. Jetzt liegt tiefer Schnee überall, bet Lenz ist vorüber und auch in unser Leben hat es geschneit; Silberfäden ziehen sich durch unser Haar, aber heute ist es mit wieder, als fei es Frühling unb ich frage wie einst:-Wollen Ste mir mein Glück geben, Franziskas

nossen dr- Bünbnispaktes aufsucht. Wo immer Kaiser Wilhelm weilt, da weilt auch bas Ge­wissen bes Dreibundes und ist bie Weisheit neu wirksam, bie diese Friedensallianz einst schuf.

Beisetzung des Herrn von Holstein. Ber­lin, 11. Mai. In der Kapelle des Augusta- Hospttals fand heute eine Irauerf eiet für den Geheimrat von Holstein statt, an bet bet Reichskanzler unb bie Fürstin Bülow, Staatssekretär Freiherr von Schoen, Unter« ftaatsfefretär Stemrich unb andere ieilnahmen. Prediget Professor Scholz sprach das Gebet unb hielt bie Gedenkrede. Auf bem bet Kapelle gegenüberliegenden Friedhöfe erfolgte bann bie Beisetzung. Professor Dr. Scholz verkündete rm Grabe des Geheimrats Holstein, der Entschla­fene hade gewünscht, daß an seinem Sarge keine Ruhmestede gehalten unb auch seiner amtlichen Wirtsamkeit nicht gedacht werde. So fand nut eine einfache liturgische Andacht statt.

Konferenz über die Wettzuwachssteuer. DieVossische Zeitung" meldet: Die gestrige Konferenz beim Reichsschatzsekretär, an bet bie Oberbürgermeister bet großen Städte, Ver­treter ber Wissenschaft unb eine Reihe von Kommissaren der einzelnen Bunbesstaaten teil- nahmen, beschäftigte sich eingehend mit ber Reichswertzuwachs st euer. Man ge­langte zu bem fast einmütigen Ergebnis, daß bie Frage der Reichswertzuwachssteuer zur Zeit noch lange nicht genügenb geklärt sei, um mit einer Vorlage an ben Reichstag heranzutreten, baß ferner zweifellos bie Erträg­nisse bet Steuer überaus großen Schwankungen unterliegen würben und die Steuer bei gün­stigster Schätzung höchstens 12V, Millionen, bei optimistischerer unb in besönbers günstigen Jahren höchstens 20 Millionen bringen würbe.

Ausland.

** Türkei. Konstantinopel, 11. Mai. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Prokla­mation, bie besagt, baß ber Sultan hoch» befriebigt unb stolz sei über bie Gefühle bet Liebe und eines außerordentlichen Respektes, bie ihm bie Minister, die Senatoren. Deputier­ten, die Armee und Marine, die Ulemas, Scheichs und Kirchenoberhäupter, alle Beamten, bie türkischen unb fremden Schulen, die ein­heimischen und fremden Notabeln, und bie Be­völkerung aller Klassen bei bet gestrigen Zere­monie, bie ein historisches Datum für bie ottomanische Nation sei. zum Ausbruck gebracht hätten. Er sei auch hochbefriedigt von bet Orb- nu- von bet et sich selbst überzeugt habe. Währenb der gestrigen Zeremonie gab der Sul­tan wiederholt seiner Freude über die errun­gene Freiheit unb Verfassung, sowie bem Wunsche Ausbruck, baß sie erhalten bleiben möge.

** Persien. Petersburg, 11. Mai. Nach einer hierher gelangten Nachricht würbe bei Korre­spondent ber Petersburger Telegraphen-Agen- tut im Lager bei Täbris von Sattar Khan empfangen, ber sich in längerer Unter» rebung bahin äußerte, et betrachte bie Rus­sen als werte Gäste, die gekommen seien, um ber atmen Bevölkerung Hilfe zu bringen. Sein einziges Ziel sei bas Volkswohl. Er unb

Da 'st sie an fein Herz gesunken unb hat ihm eingestanben, baß sie nie aufgehört hat, ihn zu lieben ..nd sich nach ihm zu sehnen.

Die Leidenschaft bes Jünglings ist ver­flogen, sagt Friedrich Johann,bie Liebe bes reifen, ^-nrüften Mannes ist Dein, mein Fränz­chen, wir wallen Schulttt an Schulter stehen unb Du mußt mir dazu helfen, in Kurland ganz heimisch zu werden.

Das walte Gott," ist die ernste Erwiderung unb lange bleiben die Neuverlobten umschlun­gen am Fenster stehen, haben sie sich doch so viel zu sagen.

Im festlichen Saal ist ihre Abwesenheit schließlich doch bemerkt worden, aber niemand ruft ste; Hans Leopold und Fee flüstern mit­einander, beide haben lange erraten, wie es um die beiden lieben Menschen steht und ahnen, daß sich noch beute die Herzen finden.

Es geht ja prächttg," kichert Dietrich Schö­ningk bem Baron Adam und Minchen verschmitzt zunickend.

Den Arm um die schlanke Gestalt seiner Braut geschlungen, tritt Friedrich Johann jetzt in den Saal.

Vater, Mutter, segnet uns, bittet er,hier stelle ich Euch meine zukünftige Frau vor, die Baronin Franziska von Rothenfeld."

Die Christbaumlichter brennen hell, auf der Spitze der Tanne schwebt der Weihnachtsengel unb blickt auf die glücklichen Menschen nieder unb durch den ' ben Raum zieht bie alte, ewig neue Verheißung Kes Festes:

_Ehre fei Gott in bet Höhe

Stiebe auf Erben ..."

(Fortsetzung folgt.)