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DieOberhesstsche Zettnng" erscheint täglich mit Ausnahme der I Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- I jährlich durch die Post bezogen 2,35 Mk. (ohne vestellgeld), bei I unfern ZeitungSstellen und der Expedition Markt 21, 3 Mk. I

Marburg

Mittwoch. 12. Mai 1909.

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und,Landwirtschaftliche Benage.-

Die JnlerttvnSgebliqr beträgt für die 7gehaltene Zette oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck «ad Verlag: Joh. Ang. Koch, UnwersttätSbuchdruckeret Inhaber Dr. L. H itzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

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44. Jahrg.

Erstes Blatt

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 36.

Fünf Jahre Reichsverband.

Bei der Reichstagswahl im Jahre 1903 war <s der Sozialdemokratie gelungen, 81 Abgeord­nete in deil Reichstag zu entsenden; ihre Stimmenzahl hatte sich gegen das Jahr 1898 um über 900 ooo und die Zahl der Mandate um 25 vermehrt. Dieser ungeheure Erfolg rief in weiteren nationalgesinnten Kreisen unseres Volkes schwere Besorgnis um die Zukunft un­seres Vaterlandes, sowie die Ueberzeugung her­vor das; es so wie bisher nicht weiter gehen .könne, Und so traten denn bald nach den Wah­len von i 93 eine Reihe von patriotischen Män­nern verschiedener bürgerlicher Parteien in Halle zusammen, um darüber zu beraten, wie 5ie Sozialdemok-atie von den bürgerlichen Par­teien am erfolgreichsten bekämpft werden könne. Das schließliche Ergebnis dieser Beratungen war die Begründung desReichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" am 9. Mai 1904 mit der Parole: Zusammenfassung aller bürgerlichen Kreise gegen die Sozialdemokratie!

Seitdem hat der Reichsverband durch seine vaterländische Aufklärungsarbeit über das wahre Wesen der Sozialdemokratie in weite Volkskreise die Ueberzeugung getragen, daß alle bürgerlichen Parteien, unbekümmert um das, was sie in diesen oder jenen politischen oder wirtschaftlichen Fragen trennt, einig sein rnüs- >sen, wenn es sich um die Bekämpfung der So- ztaldemokratie handelt. Die Erkenntnis hat Fortschritte gemacht, daß die Unterschiede zwi­schen den bürgerlichen Parteien auf der einen und der Sozialdemokratie ai f der anderen Seite |o ungeheuere sind, datz das, was die einzelnen bürgerlichen Parteien von einander scheidet, Micht so gewaltig ist, wie die Kluft zwischen paatserhaltendcr und sozialdemokratischer ^Weltanschauung. Und daher kann man, am Tage der Feier seines fünfjährigen Bestehens vom Reichsverbande mit Fug und Recht sagen: Seine Arbeit ist von Erfolg gekrönt gewesen, der alte deutsche Erbfeind, der Parteihader, von dem Bi" ^rck einst sagte, datz er es sei, den er Anklage vor Gott und der Geschichte, wenn das ganze herrliche Werk unserer deutschen Ration wieder in Verfall gerät, dieser Parteihader ist wenigstens der Sozialdemokratie gegenüber aus unserem öffentlichen Leben fast verschwunden und damit die von allen Patrioten glühend er­sehnte Einigkeit der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zur Tatsache geworden.

In der Uebe -eugung, datz die bürgerlichen Parteien nur dann die Sozialdemokratie wer­den niederringen können, wenn sie der Umsturz­partei eine gleiche oder eine noch stärkeren Or­ganisation entgegen zu stellen vermögen, als diejenige ist, mit der die Sozialdemokratie sie bekämpft, ist der Reichsoerband von Anfang an bestrebt gewesen, Mitglieder aus allen bürger- lrchen Parteien zu werben und ihre Zahl stän- Kleine Brider aus dem alten Kurhefsen.

Von «. W.

(Schluß.)

Weniger dagegen patzte wohl in di« Kultur unserer Tage der alte Kriminalrat, der einer jungen Bäuerin, als sie ihm das ihre Vorladung ots Zeugin enthaltende Schriftstück überreichen über die ihrem Belieben anheimgegebene Verwendung dieses Dokumentes eine drastische Rechtsbeleh'i'ng erteilte; und wenn ein gleichfalls bejahrter Kollege desselben als Bei­sitzer in der Verhandlung über ein Vergehen, mit welchem jetzt der § 175 des Strafgesetzbuches sich best Pt, die Frage stellte:War die Kuh jung?, fo jrf man die hier durchschimmernden ^e^n über Strafbemessungsgründe heute wohl minbefL.ts als antiquiert bezeichnen.

Leider können wir auch mit einem Beleg da­für dienen, datz die oft beklagte Weltfremdheit der Richter wenigstens soweit die Welt der Znsekten in Betracht kommt schon in jener Zeit bestand.

Diesmal war es ein jüngerer Richter, der in <inem zu Cassel spielenden Mietprozeß die Ent­scheidung traf. Kläger sollte für seine Behaupt-' "ng, datz die Wanzen stinken und beißen, was Beklier mit Entrüstung bestritten hatte '"eis beibringen.

Hüte man sich jedoch, der Konservierung die­ser forensischen Fehlgeburten, deren Sorte wohl ure aussterben wird, eine falsche Deutung zu -eben.

, Wie bei den oberen Gerichten des Kurstaats manche Männer wirkten, deren wissenschast-

dig zu vermehren, um den staatserhaltenden Parteien di« Waffe zu schmieden, deren fte im Kampf« gegen die Sozialdemokratie bedürfen: «ine einheitliche, geschlossen«, antisozialdemo­kratische Eegenorganisation.

Bereits am 31. Dezember 1905, also nach l^jährigem Bestehen zählte der Reichsverband 82 310 Mitglieder, die in 79 Ortsgruppen und 213 körperschaftlich angeschlossenen Vereinen or­ganisiert waren. Gewitz ein Beweis dafür, datz die Begründung des Reichsverbandes eine Tat war, wie sie die politischen Bedürfnisse und die Rot der Zeit gebieterisch erforderten. Heute be­trägt die Zahl der Ortsgruppen rurtb 700, di« der angeschlossenen Vereine 402, mit insgesamt 205 932 Mitgliedern, darunter 42 Arbeiterver­eine mit 27 422 Mitgliedern, eine gewaltige Zu­nahme, wenn man bedenkt, datz die Sozialdemo­kratie es trotz jahrzehntelanger volksverhetzen­der. an die stärksten Leidenschaften und In­stinkte der menschlichen Natur sich wendender Agitattn es bis heute erst auf zirka 600 000 politisch organisierteGenossen" gebracht hat.

Um die praktisch-politische Arbeit nach dem Muster der Sozialdemokratie mehr und mehr zu dezentralisieren, sind im Laufe der Jahre 10 Geschäftsstellen eingerichtet worden, deren Auf­gabe darin besteht, durch Abhaltung von Ver­sammlungen, durch Entsendung von Rednern nach allen denjenigen Orten, wo bisher noch keine Organisation gegen die Sozialdemokratie besteht, neue Ortsgruppen und Sammelstellen zu schaffen, um so die Arbeit des Reichsver­bandes allmählich über das ganze Reich auszu­dehnen. Um nationalgestnnten Arbeitern die Möglichkeit zu gewähren, ihre Angelegenheiten sachkundigen und gleichgesinnten Männern über­geben zu können, unterstützt oder unterhält der Reichsverband selbst z. Z. 23 Rechtsauskunfts­stellen, die mit nationalen Arbeitersekretariaten verbunden sind. Um ferner neue Kämpfe für den schweren nationalen Kampf heranzubilden, hat der Reichsverband im Jahre 1907 sogenannte fliegende Rednerschulen und Hauptrednerschulen in Berlin ins Leben gerufen und deren bis jetzt 41 in der Provinz abgehalten, die mehr und mehr zu nationalökonomisch-politischen Aus­bildungskursen ausgebaut werden, deren vor­nehmster Zweck die Verbreitung politischer Kenntnisse ist. Da der Reichsverband die Bür­gerkunde als ein Hauptmittel nationaler Er­ziehung betrachtet, so ist er mit allen Kräften bestrebt, alle vom Staat«, von anderen natio­nalen Verbänden oder von der vaterländischen Presse ausgehenden Bestrebungen auf För­derung der Kenntnisse in der Bürgerkunde zu unterstützen. Zu diesem Zweck hat er 1908 zum ersten Mal einen nationalökonomisch-politischen Ausbildungskursus für Volksschullehrer abge­halten, eine Einrichtung, die dauernd werden soll, und alljährlich roeriien ein oder zwei der­artige, ausschließlich für Lehrer bestimmte Aus­bildungskurse abgehalten werden. Endlich sind zahlreiche Volksunterhaltungs- und Lichtbilder­vortragsabende vom Reichsverband veranstaltet worden, um gegen die durch die Sozialdemo­kratie drohenden Gefahren auch in Familie und Haus anzukämpfen.

An weiteren Auftlärungsmitteln hat der Reichsverband eine Koresvondenz geschaffen und zahlreiche populärwissenschaftliche Schriften ver­legt, für die Wahlarbeit insgesamt 15 914 580

liches Ansehen weit über die Grenzen des Landes hinausreichte, so gab es auch eine zahlreiche Klasse von wohlgeschulten Praktikern, die als Einzelrichter in erster Instanz fungierten, und hört! hört! das Gesetz vertraute ihnen in Prozessen über Mein und Dein die Entscheidung ohne irgendwelche Wertgrenze an. Erst feit dem Jahre 1863 wurde, wenn es sich um ein Wert­objekt über 200 Taler handelte, auf Antrag einer Partei der Prozetz alsbald beim Ober­gericht verhandelt und entschieden, so datz dann nur zwei Instanzen übrig blieben.

Und wäre nicht vielleicht diese Einrichtung auch für die Gegenwart zu empfehlen?

Beileibe nicht! da könnte ja wohl ein Drittel aller Richter und Rechtsanwälte brot­los werden.

6.

Wie stand es nun aber um die Mtite des vorigen Jahrhunderts mit den übrigen Verwalt­ungszweigen und den militärischen Angelegen­heiten des Kurstaates?

Ja, d Netze sich gar viel berichten was in kleinen Bildern nicht erschöpft werden kann.

Wer von den Mit lebenden hat denn aber noch besonderes Interesse für jene Dinge? Wer würde dem Schreiber dieser Zeilen noch ein williges Ohr leihen, wenn et zu erzählen be­gänne von dem Schneid und dem Glanze der hessischen Regimenter, von der Zaubergewalt der berühmten Eardemufikkapelle, von dem kurhesfi- schen Offizierkorps, das sachverständigen Ken­nern in Hinsicht auf Intelligenz, Pflichttreue und militärische Ausbildung mustergültig er­schien, von dem echt kameradschaftlichen Verkehr,

Flugschriften in 98 Nummern, davon allein während der Reichstagswahl 1907 10149 330 verteilt, sowie einen Volkskalender für 1909 in 300 000 Exemplaren verbretcet.

Biel Müh« und Arbeit, aber auch reicher Er­folg ist dem Reichsverband feit seinerBegründung beschieden gewesen. Der Reichsverband wird weiter marschieren und nicht ruhen, noch vasten, brs er sein Ziel, die Befreiung des deutschen Volkes von der Sozialdemokratie, erreicht hat. Dazu bedarf es der Mitarbeit aller Rational- gesinnten. Allen diesen mutz der Jubiläumstag ein Ansporn sein zu weiteren Kämpfen und Siegen.

Wenn all« nationalen Kreise wie bisher so auch in Zukunft die Arbeit des Reichsverbandes weiter unterstützen, dann wird der Reichsverband doch schlietzlich der eherne Felsen sein, an dem sich noch einmal die sozialdemokratische Hochflut brechen wird zum Heile urferes Volkes und des gesamten deutschen Ijaterlandes.

Die Lage in der Türkei.

Konstantinopel, 10. Mai. Rach der Erklärung von Mahmud Schefket Pascha soll die hiesige Garnison von jetzt ab aus sech­zehn neugebildeten Bataillonen bestehen; von diesen sind acht bereits aufgestellt.

Konstantinopel, 10. Mai. Der ge­stern abgehaltene Ministerrat beschlotz, eine gemischte Untersuchungskommission in das Wila- jet Adana zu entsenden. Das Amtsblatt ver- öffentlicht Depeschen des Mali von Adana, aus denen hervorgeht, datz die armenischen Flücht­linge in ihre Ortschaften zurückgeleitet werden und datz im Wilajet Ruhe herrscht.

Saloniki. 10. Mai. Die Bewachung Abdul Ha mids im Exil wurde durch die Heranziehung einer weiteren Anzahl von Dffi. zieren verschärft. Personen, die in der Villa zu tun haben, werden vorher untersucht.

Konstantinopel, 10. Mai. Der Mi- nister hat den türkischen Blättern zufolge den Befehl erhalten, Schritte zu tun, damit von den Depots von Abdul Hamid und seinen Kin­dern bei den ausländischen Banken nichts abge­hoben werden kann, bis die Kammer Beschluß dar-ber gefatzt hat.

Konstantinopel, 10. Mai. Die Feier der Schwertumgürtung ist ohne Zwischenfall verlaufen. Der Sultan traf wie vorgesehen, um 12y2 Uhr zu Schift vor der Ejubmoschee ein, wo er von den Ministern und ^rbenträgern empfangen wurde. Zu der Feier innerhalb der Moschee, die etwa eine Stunde dauerte, hatten Fremde keinen Zutritt. Den Rückweg legte der Sultan zu Lande zurück. Der Festzug, der in seinen Einzel­heiten etwas anders geordnet war, als das amtliche Programm vorgesehen hatte, bewegte sich durch das Adrinopeler Tor und durch die am Goldenen Horn telegenen Vororte nach Stambul, von wo der Sultan zu Schiff in das Palais Dolmobagtsche zurükehrte. Der Sultan war in großer Uniform und wurde auf dem ganzen Wege von den Truppen und der Volks­menge mit lebhaften Rufen: Lange lebe unser Padischa! begrüßt. Er machte einen frischen, lebhaften Eindruck, ihm gegenüber satz Ehazi Muktar. Auch der Präsident der Kammer, der

der alle Waffengattungen eng zusammenkettete, von der Geltung, die nur durch Tüchtigkeit, nicht durch den Namen erworben wurde!?

Und wenn er nun gar mit Vergleichen tarne und zurückgriffe auf jenen Tag der tiefften Trauer, den 1. November 1850, da ein weit minder kultiviertes Truppenkorps, die sogenann­ten Strafbayern, mit Kirchweihmusik durch's Nürnberger Tor zu Hanau ins Hessenland sich ergossen und die Hoffnung der Patrioten auf Wiedererstehen des Reiches zu Grabe ging!

Wen rühren noch diese alten Schmerzen?

Lassen wir lieber zur Erheiterung di« Nörg­ler aus jener 9eit zu Worte kommen, die sich darauf versteiften, datz es um manche Verwal­tungszweige, wie z. D. die Finanznerwaltung, nicht gn so glänzend bestellt sei.

Rannt: man doch bas Kurfürstliche Ober­steuer-Kollegium zu Cassel dasStierenkolleg", was ja freilich Einige nur im Sinne eines un­bändigen Amtseifers deuten wollten.

Von der Oberfinanzkammer aber wollt« man gar wissen, ihre Tätigkeit beschränke sich in der Hauptsache darauf, datz sie auf alle Eingänge die Verfügung setze:Zur Probatur!" und der hier­durch zur Aeutz^ ng aufgeforberte sehr tüchtig« Vorstand dieses Bureaus, Herr Faz, erzielte dann für feine Vorschläge stets ein glattesGe- nehmigt".

Erläuternd fei noch bemerkt, datz dieser Be­hörde außer der Domänalverwaltung auch die Verpachtung des Betriebes der Echankwittschast in den Landgemeinden im Wege des öffentlichen Ausgedots oblag und in der Regel der Refft« bietend* den Zuschlag erhalten sollte.

Generalissimus Schefket Pascha und Majo Ria» wurden lebbaft begrübt. Für das diplo­matisch« Korps, das fast vollzählig vertret«« war, für die Vertreter der Presse und für an­dere geladene Gäste waren in der Nähe der Adrianopoler Tore Zelte mit Buffets aufge- schlagen. Auch di: Offiziere und Mannschaften des deutschen StattonsschtfsesLoreley" hatten an der Feststratze Aufstellung genommen. Die ganze Feier macht« einen einfachen Eindruck und verlief ohne große Prunkentfaltung, jedoch unter Teilnahme der Bevölkerung.

K ö l n, 10. Mai. Ein Berliner Telegramm derKölnischen Zeitung" meldet: Die letzten Nachrichten aus Kleinasien lauten günstiger. Es scheint, datz es den Bemühungen der neuen Regierung gelungen ist, wieder einigermatzen Ordnung zu schaffen. Das ändert aber nichts daran, daß die Ereueltaten, die in Adana und anderen Orten begangen wurden, aufs schärfste verurteilt werden müssen. Man darf aber nicht übersehem datz der gegenwärtigen türkischen Re. giernng keine Schutt» an ihnen beigemssen wer- den kann. Der Ursprung dieser Unruhen liegt auf einem anderen Gebiet. In den französi­schen Berichten wird zugegeben, daß die Arme- niet durch di« herausfordernde Haltung der Türken gereizt wurden und somit an der furcht­baren Ausschreitung gewisse Schuld tragen. Die neue türkische Regierung hat durch ihr Verhalten bewiesen, daß sie das Geschehene auf das Entschiedenste mißbilligt und zu einer nötigenfalls rücksichtslosen Unterdrückung der Unruhen bereit ist. Je entschiedener sie auch in Zukunft auftreten wird, mit desto größerer Sicherheit kann sie darauf rechnen, daß künfttg die Ruhe in den armenischen Bezirken nicht mehr einer solchen Störung unterworfen wer- den wird.

Konstantinopel, 10. Mai. Bei der Pforte eingelaufenen Meldungen zufolge ist in Bitlia und in anderen in der Umgebung des Wansees gelegenen Orten eine Scheria-Beweg- ung ausgebrochen. Die Mohamedaner drohen die Christen niÄerzumetzeln, falls ihre For­derungen nicht erfüllt werden. Die Kurden- Scheichs haben bei der Pforte telegraphisch militärische Hilfe verlangt.

Politische Umschau.

Die Beschlüsse der Stempelsteuerkommisfion des Abgeordnetenhauses.

Die Stempelsteuerkommisston des Abgeord­netenhauses hat ihre Beratungen über btt Stempelsteuernovelle nunmehr abgeschlossen, r jbei an der Vorlage selbst, die bekanntlich da­zu dienen soll, für Beamtenbesoldungsaufbesser­ungen dauernd neue Einnahmen zu erzielen, nur unwesentliches geändert wurde. Dagegen hat die Kommission über den Rahmen der Vor­lage hinaus neue Stempelsteuern beschlossen und ben Ertrag aus der Novelle, die 15 Mill. Mark neue Einnahmen bringen sollte, bedeutend erhöht. Die Novelle erhöht bekanntlich de« Stempel für einzelne Tarifstellen des Stempel­tarifs und die Steuersätze für die Errichtung von Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. ., führt eine staatliche Jagbscheinsteuer ein, ver­doppelt die Sätze der Lustbarkeitssteuer und bringt als Neuerung die staffelmäßige Besteuer-

Die Abneigung gegen alle in jüngster Zeit vorgeschlagenen Steuern gibt bei Befürchtung Raum, baß man am Ende gar auf bie höchstbe- denkliche Erschließung dieser Eoldguelle aufs Neue vc-'allen möchte. Jedenfalls müßte dann auch den Landwirten wie damals die Befugnis eingeräumt werden, aus Gründen eines etwa entgegensteh'nde.: öffentlichen Interesses ihr Veto gegen die Zulassung des Meistbietenden zum Wirtschaftsbetrieb einzulegen.

Mit : elcher Gewissenhaftigkeit diese kurhes« fischen Verwaltungsbeamten im Gegensatz zu neuerlicher Schlaffheit dem Volkswohl dienten und speziell auf Erhaltung der Sittenreinheit hinwirkten, zeigt das Beispiel des Landrats von Rotenburg.

Rein!" so begründete er seinen Einspruch gegen die Person ines meistbietend gebliebenen Bewerbers.der Mann hat zwei Töchter, die beide in der Fülle der Kraft und des Fleisches stehen, da wäre der Unordnung Tür und Tor <*eSffnet!

Und so wurde dieser Unwürdige an der Aus. führung seines gefährlichen Vorhabens ge­hindert.

7.

Aus dem Rahmen des letzten Bildchens ttitt uns ein Referendarius entgegen, der, wie wir nicht verschweigen dürfen, von seinen Borfabren den Namen Wertz geerbt hatte. Erfüllt von de» Drange, die Finanzen seines Vaterlandes nach Kräften zu heben, war er der Themis untten geworden und seinem Wunsch gemäß vom Rau fürsten Friedrich Wilhelm zum Dbetfbwny kammer-Referendar ernannt worden.