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und den Benagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhammgsveuage) und ^Landwirtschaftliche Benage."

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DieGberhesstsche Iritnnq" erscheint täglich mit Aufnahme der 'Ä'X IßQ Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- IVO jährlich durch die 'Soft bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Ervedition Markt 21, 2 Mk.

Marburg

Sonntai. 9. Mai 1909.

Di« Jnfertionsgebühr beträgt für bl« 7gespaltene Zelte ob« deren Raum 18 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Berlaar Iah. «ug. Koch, llnwersttätSbuchdruckere, Jndaber Dr. L. H iherotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55

44 Jahrg«

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Englisches Urteil über Deutschland.

Es ist nock nicht lange her, daß angesehene Organe der - » scheu Presse daS politische Schwer- gewicht Deutschlands ziemlich geringschätzig beur­teilten und urbi et orbi verkündeten, die Mächte der Triple-Entente seien als die für die internatio­nalen Beziehungen aitsschlaggebenden Faktoren anzusehen. Gegenwärtig, unter dem Eindruck der Neberlegenheit der deutsch-österreichischen BündntS- Politik, scheint eine etwas andere Auffassung Platz gegriffen zu haben. In der neuesten Nummer der »Fottnightly Review" findet sich folgende Würdi- gung der Stellung des Deutschen Reiches im Kon­zert der Mächte:Eindringlicher als unser eigener Flottcnstreit haben uns die Ereignisse auf dem Konttngent während der letzten Wochen darüber belehrt, daß die einzig feststehende und beherr­schende Tatsache in Europa die Tatsache der deut­schen Vorherrschaft ist. Deutschland gleicht in seiner Stellung einer Zitadelle, die über andere, auf unsicherem und schwankendem Boden stehende Gebäude hoch emporragt... Nichts auf dem Kon- tingent kann sich auch nur für einen Augenblick mit der wuchtigen, fest organisierten Kraft vergleichen, die in Deutschland verkörpert ist. Und wenn wir Vicht beizeiten lernen, uns mit der verstandes­mäßigen und praktischen Tatkraft jener großen Ration vertraut zu machen, werden wir in Politik und Handel sowie im Punkte der Seegewalt an Boden verlieren gegenüber einer fähigeren und männlicheren Rasse, die zu dem Erfolg, den sie auf uesere Kosten erzielt,, dank derselben Energie ge- langt, die unS befähigte, auf Kosten anderer uns vorwärts zu bringen." Die Frage, welche Eigen­schaften der Politik Deutschlands und Oesterreich- Ungarns das Uebergewicht verschafft haben, wird von Dr. E. I. Dillou in derContemporary Re­view" dahin beantwortet:Oesterreich-Ungarn und Deutschland sind jetzt enger befreundet und fester verbündet als je zuvor. Ihre Verbindung bedeutet augenscheinlich Stärke, während die Unsrige Schwäche bedeutet die Schwäche von drei Wollschafen, die bei einem hereinbrechenden Univetter vor Angst nach drei verschiedenen Rich- tungen ausreißen. Oesterreich steht im Begriff, drei bis vier Dreadnoughts zu bauen. Deutsch­lands Ziel ist die Vorherrschaft zu Lande, zu Wasser und in der Lust. Italien steht achtungsvoll und freundschaftlich neben ihnen. Mtt einem Worte, der zwilisierten Wett ist durch die jüngsten Ereignisse zum Bewußtsein gebracht worden, daß noch immer die Waffen Trumpf sind, daß heute genau so wie in alter Zeit ein Reich mtt denselben Mitteln, mit denen eS geschaffen ist, erhalten wer- de» niuß, und daß Staatsverträge und Bündnis- abniachungen genau so wie Banknoten in dem Augenblick ihren Wert verlieren, wo offenbar wird, daß nichts Zuverlässiges dahinter steckt."

Ueber die Absichten, die mtt solchen Aeußemn- gen verfolgt werden, wird man keinen Augenblick EU--"----- -----

(Nachdruck verboten.)

Ein solider Zimmerherr.

, Humoreske von AdolfThiele.

Eduard Seliger putzte seine Brille, er glaubte nicht recht gelesen zu haben, was auf dem Pappschilde über der Haustüre stand:Hüb- sches Zimmer an einen soliden Herrn billig zu vermieten, 2 Treppen links." Nach einigem Zögern Seliger zögerte immer, ehe er etwas tat, trat der junge Mann in Vas Haus und stieg die Treppen empor. Nichts fataler als in der großen Stadt ein Zimmer suchens Hat man wirklich etwas gefunden, so stört irgend eine Fatalität die abendliche Ruhe. Daß zu seiner jetzigen Vermieterin abends öfter weiblicher Be» such kam und eine« endlosen Schwatz begann, hatte den soliden jungen Buchhalter, der abends die Zeitung las 'oder Sprachstudien trieb, aus seinem bisherigen Zimmer verscheucht. Er langte im zweiten Stock an. Dort stand der Nam; A. Knörker an einem Schilde. Nach eini­gem Zögern drückte Seliger den Knops. Eine leise Klingel ertönte. ,Sie Klingel macht kei- gen Lärm!" sagte sich der ruheliebende Herr. Eine freundliche Frau, etwa 40 Jahre alt, öff- :ete und bat höflich, einzutreten. Im Zimmer, lt» nach der ziemlich stillen Straße hinauslag, S-ftel ihm ebenfalls alles. Ein Bsrüuer Ofen

im Zweifel fein können und naturgemäß wird man ihren Wert nicht überschätzen dürfen. Aber eins fft sicher: Ohne die militärisch« Stärke, über die der Dreibund verfügt, wäre der Erfolg, den die deutsch-österreichische Politik erzielt hat, nicht möglich gewesen. Damit ist aber auch die zwtn- gende Notwendigkeit, die finanziell« LeistungS- fähigkett des Reiches so zu gestalten, daß sein« militärische Stärke den wachsenden Anforderungen entsprechend fortentwtckett werden kann, ebenso unwiderleglich wie überzeugend dargetan.

Die Zentral-Auskunftsstelle für Auswanderer.

Di« Zentral-Auskunftsstelle für Auswande­rer in Berlin W. 9, Schellingstr. 4, hat im ersten Piertelfahr 1909 (1. Januar bis 31. Märzj in 4224 Fällen Auskunft an Auswanderungslustige erteilt und zwar in 2865 Fällen schriftliche und in 1359 Fällen mündliche. Beantwortet wurden insgesamt 6701 Anfragen über die verschiedenen Auswanderungs-Gebiete. Davon bezogen sich 3548 auf die Deutschen Kolonien, und zwar auf Deutsch-Südwestafrika 1609, Deutsch-Ostafrika 606, Kamerun 212, Togo 169, Samoa 73, Deutsch-Neuguinea 52. die Karolinen, Palau und Marianen 16, Kiautschou 51 usw. Anter den ftemden Auswanderungs-Gebieten steht Süd-Brasilien mit 836 Anfragen an der Spitze; dann folgen Argentinien mit 480, Nord- und Mittel-Brasilien mit 342, die Vereinigten Staa­ten von Amerika mit 281, Kanada mit 157. Brasilien im allgemeinen mit 97, Chile mit 85, Paraguay mtt 58, Vritisch-Südafrika mit 46, Uruguay mit 42, Italien mit 24, Mexiko mit 20, Niederländisch-Jndien mit 19, Queensland r"t 19, China mit 17, Rußland mit 16, Eng­land mit 14, Bolivien, Peru und Neu-Seeland mit je 13. Der Rest verteilt sich auf Colum- bie-, Cuba, Ecuador, Guatemala, Honduras, Französisch-Guayana, Nicaragua, West-Indien, Panama, Abessynien, Algier, Vritisch-Ostafrika, Egypten, die Kanarischen Inseln, den Kongo­staat, Madagaskar, Marokko, Mozambique, Franzi,,. und Pottug. Guinea, Tripolis, Tunis, Zanzibar, Britisch-Jndien, Hongkong, Japan, Persien, die Straits Settlemants, Siam, Sibi­rien, die Astatische Türkei, Tonking, Neu-Süd- wales, Nord- und West-Australien, Tasmanien, Victoria, Belgien, Frankreich, die Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Bulgarien, Dänemark. Por- tuc Spanien, die Schweiz, die Türket, Rumä­nien, Schwülen usw. Es gibt somit kaum ein Gebiet der Erde, über das nicht Anfragen ein- gelaufr: und beantwortet wären. Von den 2848 Anfragenden, di« ihr Alter angaben, warm 34b weniger tu* 20 Jahre, 1699 zwischen 20 und 30, 571 zwischen 30 und 40, 178 zwischen 40 und 50, und 46 über 50 Jahre alt, und von den 3412 Fragestellern, die Angaben über ihren Personenstand machten, waren 2403 ledig, 970 verheiratet und 39 verwitwet. Nach dem Be­rufe waren unter den Anfragenden am stärk­sten die Kaufleute, Handwerker und Landwirte vertteten. Von den Anfragenden bezeichneten sich 668 als mittellos, während über elfhundert zumteil über recht erhebliche Summen verfüg­ten; x. B. 50 über 10 000 Jt, 18 Met *15 000 -4t, 37 über 20 000 -4t, 22 über 30 000 -4t, 8 über 50 000 4 über 60 000 -4l usw. bis zu 500 000 -4t hinauf. Von den Anftagen kamen aus Preußen 2980 und zwar aus Brandenburg mit Berlin 1733, aus der Rheinprooinz 233, Sachsen 200, Westfalen 146, Schlesien 114, Hannover 101,

mit Röhre, sein Ideal, ein bequemes Sofa, ein Schreibtisch und eine solide Kommod«, dabei alles sehr sauber.Wo ist denn aber das Bett?" ftagte er.Die Bettstelle befindet sich," lautet die freundliche Antwott,gerade zur Reparatur; es ist ein schönes, großes, breite» Bett. Ich würde Ihnen die erst« Nacht mit den guten Betten, die Sie bekommen, ein Lager auf dem Sopha zurecht machen.". Da jetzt die Frau sehr gute Betten herbeibrachte, so war Seliger auch mit tiefem Punkte zufrieden. Und der Preis, den Frau Knörker nannte, war auch sehr, sehr niedrig sodaß Seliger innerlich den Kopf schüt­telte; sein Haupt äußerlich zu schütteln, wäre undiplomatisch gewesen. Und dabei diese Ruhe, denn Kinder hatte das Ehepaar auch nicht. Aber eine Bedingung muß ich stellen," sagte Frau Knörker mit einschmeichelndem Lächeln, wir, mein Mann und ich, vermieten nur an einen Herrn, der die Nachtruhe nicht stört, der al,o zeitig nach Hause kommt." ,^Da können Sie unbesorgt sei»/ sagte Seliger,ich sitze jeden Abend zu Hause, zumal jetzt im Winter, nur am Sonnabend habe ich Skatabend." Dies schien der Frau zu gefallen, und der Mietsvertrag wurde nun abgeschlossen.Sie können übri­gens," sagte Frau Knörker,gleich morgen ein- ziehen, wen» es Ihnen in Ihrer alten Wohnung nicht gefällt, ich berechne Stfnen dann die zehn Tage bis jut Ersten nicht." Dies leuchtete Se-

Schleswig-Holstein 101, Hessen-Nassau 91, Ost- Preußen 91, Bommern 82, Posen 46 und West- preußen 42. An der Spitze der übrigen Bundes­staaten steht Sachsen mit 274, es folgen da» Kö­nigreich Bayern mit 225, Württemberg mit 109. Hamburg mit 105, Baden mtt 104, Elsaß-Loth- ringen mtt 60, Hessen, Mecklenburg-Schwerin und Bremen mtt je 31, Braunschweig mit 21, Anhalt mit 19 usw. Aus den deutschen Kolonien kamen 16 Anfragen, aus dem Ausland« 145, davon 40 aus Oesterreich-Ungarn, 27 an« der Schweiz, 21 aus Rußland usw. Die Zentral- Auskunftsstelle für Auswanderer erteilt kosten­los schriftliche und mündliche Auskunft.

politische Umschau.

Der neue deutsch« Botschaft«, in Amerika.

Milwaukee, 7. Mai. Im deutschen Klub fand heute vormittag zu Ehren des deutschen Botschafters Grafen v. Bernstorff großer Emp­fang mit nachfolgendem Gabelfrühstück statt. Der deutsche Botschafter beantwortete die Begrüß­ungsansprache des Präsidenten des Klubs mit einer Rede, in der er ausführte, es sei sein leb­hafter Wunsch gewesen, möglichst bald die deutscheste Stadt Amerikas zu besuchen. Daß es keine besseren Bürger in den Vereinigten Staa­ten gebe, als die deutscher Abstammung, das jri von dem früheren und dem jetzigen Präsidenten der Vereinigten Staaten offen anerkannt wor­den. Beide betonten aber auch, daß die Liebe zum alten Paterlande mit dieser BLrgertuqend sehr wohl vereinbar sei. Ganz auf demselben Standpunkt stehen die Deutschen in der Heimat. Die einzigartige Stellung der Amerikaner deut­schen Ursprungs komme beiden Ländern zugute, indem sie deren Beziehungen inniger gestalte. Was die Heimat sonst von den Deutschen in Amerika erhoffe, sei die Erfüllung einer rein kulturgeschichtlichen Aufgabe, die garnicht zu er­füllen wäre, wenn sich die Deutschen irgendw'e von ihren Mitbürgern absondern wollten. Eine ähnliche Aufgabe, wie sie der griechische Geist in Deutschland erfüllt habe, stehe hier in Amerika dem deutschen Geiste offen; er könne ein stark:r Faktor der amerikanischen Gesamtkultur werden. Das sei eine weltgeschichtliche Aufgabe, des Schweißes der Vielen wert, an deren Erfüllung mit zua-beiten, die Deutschen Milwaukees vor­zugsweise berufen seien.

Ein« Mahnung der Regierung.

Berlin, 7. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Unter den preußischen Zollaufsehern hat seit längerer Zeit, namentlich unter dem Einfluß der Fachpresse, durch Verbreitung irriger Anschauungen und unwahrer Gerüchte Unzufrie. denheit und Mißstimmung in eben so hohem wie unberechtigtem Umfange platzgegriffen. Der Finanzminister hat sich dadurch veranlaßt ge­sehen, in einer Rundverfügung an die Präsiden­ten sämtlicher Oberzolldirektionen die Beamten der preußischen Zollverwaltung zur Besonnen­heit zu mahnen und ein energisches Einschreiten gegen alle Beamten in Aussicht zu stellen, di« bei der Verfolgung ihrer Standesinteressen, namentlich in Fachblättern, es an der nötigen Mäßigung fehlen lassen sollten. Zugleich hat bet Finanzminifter Gelegenheit genommen, der unter den Zollaufsehern weit verbreiteten Auf­fassung, als sollten diese Beamten durch die neue Besoldnngsordnung in ihrem bisherigen Range eine D ^-adietung erleiden, mit dem Hinweise darauf entgegenzutreten, daß die Besoldungsord­nung selbstverstüi-dlich lediglich die Besoldungs- Verhältnisse der Beamten zu regeln bestimmt sei,

liger ein, und da er froh war, seine geschwätzige Nachbarin los z.r werden, so war er einverstan­den. Am nächsten Abend zog er ein. Er packte nur einen Teil seiner Habseligkeiten aus, las noch etwas und legte sich dann nieder, wobei er sich über die im Hause herrschende Ruhe freute. Und so schlummerte er dann nach 10 Uhr sanft ein. Er mochte wohl einige Stunden geschlafen haben, als er plötzlich erwachte. Was war denn das? Im Nebenraume, im großen nach dem Hoie zu gelegenen Zimmer entstand ein Mords­lärm. Ein Mann schimpfte und fluchte, warf Stühle um, schmetterte ein Glas auf die Erde, daß es klirrend zerbrach, und prügelte Seli­ger hörte es deutlich Frau Knörker erst mit der Hand, dann mit dem Stocke. Die unglück­liche orau suchte vergeblich zu flüchten, der Wü­te, ich sprang mtt wuchttgem Tritt hinter ihr her, wobei der Tisch mit Geräusch verschoben wurde. Selig r saß im Bett und hötte bleich vor Schrecken und Aerger den Skandal mit an. Jetzt hatte Knörker seine Frau erreicht und prügelte sie, und plötzlich ries sie halblaut um Hilfe. Das wurde Seliger zu viel, er setzte seine Drille auf, kleidete sich schnell an und griff zum Revolver, den er ab vorsichtiger Mann stets bei der Hand hatte. So trat er auf den Flur hinaus, dann klopfte er an die Tür. Da nie­mand antwortete, trat Seliger, der ziemlich kräftig und nicht gerade furchtsam war, in da»

dagegen die Rangverhältnisse der Beamten in jeher Beziehung unberührt lasse. Das in Zoll­aufseherkreisen umgehende Gerücht, daß die Re­gierung beabsichtige, die Aufrückungsverhältnisse der Zollaufsehet oder der sonst au» Militär­anwärtern hervorgegangenen Beamten der preußischen Zollverwaltung durch Einstellung einer besonderen aus Einjährig-Freiwilligen hervorgegangenen Klass« von Zivilanwärtern z» verschlechtern, verweist der Minister in düs Reich der Erfindungen.

13 »9 weniger Fabrikarbeiter ie Berlin.

Hebet di« Verschlechterung der wirtschaft­lichen Lage bet Berliner Arbeiter gibt der Jahresbericht eines Berliner Eewerberats nähere Auskunft. In diesem wird nachgewiesen, daß, abgesehen von einigen Zweigen der Be­kleidungsindustrie, im allgemeinen ein Still­stand, aus vielen Gebieten sogar ein merklicher Rückgang der wirtschaftlichen Entwicklung einge­treten ist, bet namentlich bas gesamte Bauge­werbe und die ihm nahestehenden Gewerbe und Industrien umfaßt. Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen fbn an der Tagesord­nung, und manche Fabriken suchen sich dadurch i en Arbeiterstamm zu erhalten, daß sie die Arbeitszeit einschränken. So sind, ohne daß eine Lohnherabsetzung eingetreten ist, durch den Weg­fall der Ueberstunden, Verkürzung der Arbeits­zeit und dadurch, daß an die Stelle des Stück­lohns ein Tageslohn getreten ist, die Einnahmen der Arbeiter verringert worden. Recht bezeich­nend für Berliner Verhältnisse ist dann noch der Passus, daß eine Verminderung der Ausgaben für Miete habe eintreten müssen,infolge Auf­gebens einer größeren und bequemeren Wohn­ung". Wer nur einigermaßen die geradezu er­bärmlichen und aller Zivilisation hohnsprechen­den Arbeiterwohnquartiere Groß-Berlins kennt, kann sich ja ohne weiteres diese Wohnungsver- schlechteruug ausmalen. Nun kommt aber das wesentliche des ganzen Berichts: Im Jahre 19M v""den 13 300 Arbeiter weniger in den Fabri­ken beschäftigt als im Vorjahre. Also trotz aller Einschränkungen in den Arbeitsmethoden und in der Arbeitszeit haben sich große Arbeiterent- lapungen nicht vermeiden lassen. Von den Ar­beitslosen muß eine große Anzahl Berlin ver­lassen haben, da nämlich ein Massenangebot von Schlafstellen eingetreten ist, die auch eine be­sondere schöne Seite des Berliner Wohnungs­wesens darstellen. .

Während so in der Reichshauptstadt Tausende von Arbeitern brotlos sind ober boch nut not« bürftig ihren Lebensunterhalt fristen können, leiden das platte Land und die Klein- und Mittelstadt an Arbeitermangel trotz den über­aus günstigen Arbeitsbedingungen, Wohnungs- Verhältnissen und anderen persönlichen sozialen Momenten. ,,

Reu« Modell« für Wahlurnen

werden gegenwärtig vom Reichsamt des Innern eingehend erprobt. Staatssekretär v. Bethmann- Hollweg bringt dieser Angelegenheit em der­beres Interesse entgegen. Es handelt sich darum, eine Wahlurne zu finden, die das Schickten der Umschläge mit den Stimmzetteln verhindert, da­mit" eine Nachkontrolle der Wahlzettel unmöglich gemacht wird. Ein neues Modell von einet Firma in Frankfurt a. M., das bisher dem er­strebten Ziel am nächsten zu kommen scheint, tft ceben dem preußischen Ministerium des Innern zur Begutachtung überwiesen. Die grunosatz.'cke Frage ob es sich Überhaupt empfiehlt, derartige Wahlurnen gesetzlich einzuführen, 'st einstweiten noch nicht entschieden, da auch gewisse Bedenken Zimmer ein. Hier sah er nun etwas sehr Uner­freuliches^ der Ehemann, ein kleines borstige» Kerlchen,' prügelte heftig auf seine Frau los. Als er jedoch den Eindringling erblickte starrte er ihn versteinert an.Was ist denn das für ein Lärm?" fragte Seliger ärgerlich.Was soll das heißen?' Endlich faßte sich der Ehemann, l a, erlauben Sie," sagte er mit zagender Stimme,wie kommen Sie denn hier herein?" Nun, ich habe doch das Zimmer hier gemietet! erwiderte der junge Mann.Zimmer gemie­tet?" stotterte der Ehemann ganz perplex. Jetzt trat Frau Knörker in Aktion.Herr Seliger, sagte sie,Sie haben doch gewiß gehört und ge­sehen wie mein Mann mich mißhandelt hat?" Natürlich habe ich das gehört und gesehen!" et. widerte Seliger.Na, dann ist's gut! Jagte die Frau.Ich habe nämlich unser gutes Zim­mer ohiie Wissen meines Mannes heimlich an Sie vermietet, um einen Zeugen zu haben. Wie?" fragte Seliger erstaunt, undWas? fragte Knörker mit gleichem Staunen. Pause. Ja warum?" fragte nun Seliger,brauchten Sie denn dazu einen soliden Zimmerherrn?" Na, der mußte doch rechtzeitig zu Hause fein." erklärte Frau Knörker, «denn wenn v- spät nachts heimkam, störte er doch meinen Plan!" Am Tage nach dieserruhigen" Nacht zog Se- 1 et aus. Infolge seines Zeugnisses führte Frau Knörker ihr« Ehescheidungsklage glänzend durch.