44. Jahrg.
? mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marbmg und Kirchhain
mrdden Beilagen: »Flach Feierabend" (rvöchenüiche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage."
Marbmg
Donnerstag. 6. Mai 1909.
Dis JnsertconSgebühr beträgt für die 7gefpattene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, llnwersitätSbuchdruckere« Anbaber Dr. C. Hltzerotd, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Die „Gdeichefstfch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der "W2 Sonn, und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel.
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Aus dem Reichstage.
3» der 252. Sitzung vom 4. Mai wurde die Beratung der Interpellation Tlbrestt und Gen. (Soz.) Aber die gesetzliche Regelung der Verhältnisse der pti* daten WohlfahrtSkafsen fortgesetzt. Abg. Dr. Arendt (ReichSp.) weist unter dem Beifall des Hauses au: len ungeeigneten Zeitpunkt hin. in dem die Interpellation eingebracht fet, von der die Antragsteller sich selbst keinen Erfolg versprächen. Mit den Kranken» und Derficherungskass n könnten die Wohlfahrtskassen überhaupt nicht verglichen werden. Die zutage tretenden Uebelstände w-irden gewiß auch ohne gesetzlichen Zwang beseitigt werden. Abg. Brejski (Pole) hält di« vielen Uebelstände in den Kassen für unerträglich. Abg. Behrens (Wirtsch. Vg.) lobt zwar die Kruppschen Einrichtungen als vorbUdlich, glaubt aber doch, daß die Uebelstände nur auf gesetzlichem Wege beseitigt werden könnten. Abg. Hengsbach (Soz.) bekämpft die Kassen als arbeiterfeindliche Einrichtungen, die die Freizügigkeit beschränkten. Abg. Werner (Reformp.) fordert ebenfalls Abstellung der Mißstände, warnt aber vor Beseitigung der Kaffen. Abg. Hu« (Soz.) wirft der Negierung vor, daß sie trotz der alte». Beschwerden nichts zur Abstellung der ' Mängel getan habe. Staatssekretär v. Bethmann- Hollwrg weist diese Angriffe zurück, während Abg. Severin« (Soz.) die Beschuldigungen aufrecht erhält.
Nächste Sitzung Mittwoch 3 Uhr. Tagesordnung: Haftpflicht der Retchsbeamten und kleinere Vorlagen. 8i~------------------- j
Aus dem Abaeordnetenhause.
Bei der gestrigen Fortsetzung der allgemeinen Besprechung des höheren Schulwesens vertrat Abg. Eick- hoff (frs. Vp.) den Standpunkt der Reformschulen und realistischen Anstalten gegenüber dem humanistischen Ghnmasium. Nach ihm legte in längeren Ausführungen Geheimrat Köpke den Standpunkt der Unterrichtsverwaltung zu den in der Debatte angeregten Fragen dar. Er sprach sich insbesondere gegen das Verlangen aus, daß oie humanistischen Gymnasien die englische Sprache in den Lehrplan aufnehinen, verbreitete sich dann über die Bewegungsfreiheit in den Oberklaffen der höheren Schulen und führte aus, daß stürgerkunde in allen Schulen, aber nicht als besonderer Unterrichtsgegenstand getrieben, besondere Kollegien an der Universität werde die Lehrer hierzu befähigen. Sexuelle Unterrichtung sei" in erster Linie Sache des Hauses, die Schule kann nur in Ueberein- stimmung mit den Eltern mit größter Vorsicht auf diesem Gebiete eingreifen. _
Dann gab der Abg. Ströbel (Soz.) längere Zeit fozialdemokratische Gemeinplätze zum Besten. Ihm olgte der Abg. Cassel (frs. Vp.), der die Bedeutung des humanistischen Gymnasiums betonte und in wirkungsvoller Ausführung den sozialdemokratischen Vorredner widerlegte. Der Abg. Maurer (natlib.) hob hervor, daß die Schulen unter dem Berechtigungswesen zu leiden haben und polemisierte gegen die Sozialdemokratie.
Nächste Sitzung morgen 11 Uhr. Kultusetat, i -------------------------
Aus den Kommissionen.
Die Beamtenbesolduug im Reich.
Die Budgetkommission des Reichstages setzte heute die Beratung der Besoldungsordnung fort. Sämtliche Parteien haben sich aus einen Antrag geeinigt, der eine Vereinfachung der Besoldungsordnung durch Zusammenfaffung mehrerer Klaffen zu einer enthält und dadurch eine Verbesserung der unteren und mittleren Beamten gegen die Regierungsvorlage bringt. Da eS sich um einen Kom- promitzantrag handelt, waren die Aeußerungen der Redner der einzelnen Parteien ihrem Inhalte nach übereinstimmend. Sie gingen tohin, daß die Parteien es als ihre Pflicht erachtet hätten, den Antrag zu stellen, um den Bedürfnissen der genannten Beamtenkategorien Rechnung zu tragen. Von verschiedenen
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Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
«Forttetzung.»
.Lassen Sie es mich tun," sagte Schöningk und es gelingt ihm, die fest zusammengepretzr«n Lippen zu öffnen, die weißen Zähne so weit auseinander zu bringen, daß ein Löffel des belebenden Getränkes Fee beigebracht wird. Dann gibt man ihr englisches Riechsalz zu riechen und badet ihre Strin mit kölnischem Wasser; endlich zucken die geschloffenen Lider, traumverloren, als käme sie aus einer anderen Welt zurück, blicken die Augen um stch. Sie erkennt den Großvater und ein schwaches Lächeln grüßt ihn, doch als fie Schöningk erblickt, zuckt ste zusammen und wendet den Kopf ab.
In les Großvaters Armen liegt di« Enkelin im Landauer und es geht nach Hollen zurück; Fee bat wieder das Bewußtsein verloren und merkt nichts. Man bringt sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer, Hans Leopold trägt die leichte Last vorsichtig hinauf, dann entfernt er sich und die Großmutter und Erieting kleiden das junge Mädchen aus. Sie stöhnt leise dabei und t'ne Schmerzenssalte gräbt sich in ihre Stirn nnd entstellt den Mund. Zum Glück hat der Stallknecht den Doktor auf halbem Wege getroffen und ihm seinen Auftrag ausgerichtet; nun greifen die beiden Schecken tüchtig aus und stehen dampfend vor der Eranitireppe in Hollen.
„Wie stehts Theodor." fragt Rothenfeld den alten Studienfreund» tie er nach Besichtigung
Seiten wären viel weitergehende Anträge geltend gemacht, aber zurückgestellt worden, um etwas zustande K bringen. Es gelte die Lösung einer seit Jahren webenden bedeutenden Frage. Der Antrag habe auch viele in Petitionen ausgesprochene weitgehende Wünsche unberücksichtigt gelaffen und er erscheine wohl als durchführbar. Es muffe jedenfalls der Versuch gemacht werden, den Antrag durchzubringen.
Staatssekretär Shdow erklärte den Antrag für die Verbündeten Regierungen für unannehmbar. Es seien für einzelne Kategorien darin Erhöhungen vorgesehen, die über das Bedürfnis hinausgingen. Vergleichende Tabellen zeigen, daß nach dem Anträge Erhöhungen der Gehälter eintreten für Bahnwärter und Nachtwächter um 32,25 Prozent, für Landbriefträger um 47 Prozent, die Schaffnerklasse würde um 55 Prozent aufgebessert, die Postaffistenten um 26 Prozent. Schlecht kämen die Ministerialsekretäre weg, die nur 6 Prozent Aufbesserung erhielten. Absolut genommen würde der Antrag der Parteien eine Mehrausgabe von 26,5 Millionen Mark verursachen. Davon kämen 16 Millionen auf die Unterbeamten, 10,5 Millionen auf die mittleren. Dazu käme noch die für die Veteranen vorgesehene Summe. Auf den Etat der Reichspost- und Telegraphenverwaltung würde die Wirkung des Antrags sehr schlimm sein, ein Defizit von 12 Millionen Mark wäre da die Folge. Die Wirkungen auf die einzelnen Bundesstaaten seien ebenfalls feit einschneidend. Preußen müßte 19 Millionen mehr bezahlen, wenn es dem Anträge folgen wollte. Es habe jedoch, um seinen Etat zu balan- zieren, eine Zuschußanleihe aufnehmen müssen.
Unterstaatssekretär v. Dombois bekämpfte den Antrag namens der preußischen Regierung. Mehr zuzugestehen al? dort den Beamten gewährt wurde, sehe sich die preußische Regierung außer Stande; es fehle an Deckungsmitteln. Die Aufbefferung der Beamten, Lehrer und Geistlichen betrage 126 Millionen, mit der Aufbefferung der Unterbeamten erhöhe sich diese Summe auf 186 Millionen Mark. Alles in allem werde Preußen künftig 200 Millionen Mark jährlich für die genannten Zwecke mehr aufzubringen haben. Dazu komme die schlechte Finanzlage.
Es wurden jedoch nach Schluß der Generaldebatte die ersten 17 Klassen (in der Regierungsvorlage 22 Klassens nach den Festsetzungen deS Antrags genehmigt. Besonders wandte sich der Staatssekretär gegen die Einreihung der Postassistenten in Klaffe 16 (1800—3600 Mark).
Berlin, 4. Mai. Die Finanzkommission des Reichstages fuhr in der ersten Lesung des Branntweinsteuergesetzes fort und erledigte die §§ 59 bis 63. Morgen vormittag tagt die Kommission nicht um den Borfiihrungen der Militärlufischiffe in Tegel beizuwohnen. Dafür sitzt die Kommission nachmittags um 2 Uhr, falls die Plenarsitzung ausfällt.
Der Stand der Beraaejetznovelle.
Die Bergesetzkommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat ihre erste Lesung kurz vor den Ferien beendet und es erscheint ein lleber- bltck über den gegenwärtigen Stand der Dinge angebracht. Die Kommission hat an Artikel 2 der Berggesetznovelle betreffend die Sicherheitsmänner mehrere Abänderungen vorgenommen, während die übrigen Bestimmungen, Verantwortlichkeit der Bergwerksbesitzer und ihrer Beamten, Neuregelung der Kündigungsfristen der Beamten, fast unverändert geblieben find.
Von den Abänderungsbefchlüffen heben wir folgende hervor:
Während die Vorlage bestimmt, daß alle Eicherheitsmänner auch Mitglieder der Arbei- terausschüffe seien und diese Forderung damit begründet, daß der Sicherheitsmann die Wünsche seiner Belegschaft gut kennt und diese
der Patientin am Schreibtisch fitzt und seine Rezepte schreibt.
..Sehr ernst," ist die Antwort, „ich kann noch nicht skststellen, ob innere Verletzungen vorhanden find, eine heftige Gehirnerschütterung ist d" und man kann noch nicht wissen, wie es endet."
„Du glaubst, daß Fee sterben wird, sage es mit!"
Der Baron packt des Arztes Arm und preßt ihn wie in einen eisernen Schraubstock.
„Ich will Dich nicht täuschen, mein armer Freund." lautet die mitleidige Antwort, „ich habe wenig Hoffnung."
Frau von Rothenfeld erfährt gleichfalls diesen Ausspruch und die beiden alten Leute wachen am Bett der Enkelin und ihr Herz ist voll Sorge.
„Papa, Papa, komm zu mir, warum darfst Du nicht nach Hollen."
Diese Klage wiederholt sich fortwährend, ste taucht immer roieber auf zwischen dem verworrenen Zeug, das Fee murmelt und vorwurfsvoll besten ihre Blicke in den kurzen, lichten Momenten sich auf die gebeugte Reckengestalt des Großvaters.
.(Erfüllen Sie ihre Bitte, gnädige Frau, telegraphieren Sie an Ihren Sohn " sagt Doktor Eörner zwei Tage nach dem Unfall. Sein Ton ist so eindringlich, daß er mehr verriet, als er möchte.
„Ja, ich will es," versetzte die Baronin fest.
Sie überläßt Fee für den Augenblick Grte- tings Aufsicht, und geht in den Saal, den Rothenfeld mit großen Schritten durchmißt, ste tritt auf ihn zu und sagt:
Wünsche nach Prüfung im Ausschuß zur Sprache bringen soll, beschloß die Kommission, die ipitt« glieder der Arieiterausschüffe indirekt in einer Mindestzahl von drei und in einer Höchstzahl von fünf von den Sicherhettsmännern wählen zu lasten. Die Belegschaft wählt also in g«. Heimer Wahl die Eicherheitsmänner und diese wählen in indiretter Wahl die Mitglieder des Ausschusses.
Die Funttionen der Sicherheitsmänner hat die Kommission im allgemeinen unverändert gelosten. Im Interests der Arbeiter beschloß sie, die Gruben auf Verlangen der Sicherheitsmänner öfter befahren zu lasten als die Vorlage vorsah) ferner müsten die Sicherheitsmänner bei Fragen der Sicherheit der Gruben zu den Ausschußsttzungen herangezogen werden, und die Ar 'eiterausschußsttzungen sollen nicht nur abgehalten werden, wenn die Verwaltung die« für nötig hält, sondern auch, wenn ein Viertel der Mitglieder des Ausschustes es verlangen.
Ueber die Bezahlung der Sicherheitsmänner faßte die Kommission salzenden Beschluß: Der Sicherheitsmann wird für den Tag der Kontrollfahrt von der Seite bezahlt, die die Befahrung verlangt hat. Ein solches Verlangen können nach der Vorlage der Staat, die Werksverwaltung und der Arbeiterausschuß stellen.
Eine Kündigung des Sicherheitsmannes darf nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen, und zwar für die ganze Amtsdauer, erfolgen. Auf Antrag des Sicherheitsmannes hat der Verzre- vierbeamte die Pflicht, zu untersuchen, ob die Kündigung berechtigt ist, und hat nötigenfalls zu vermitteln.
Die Lage in der Türk t.
Konstantinopel, 4. Mai. Eine amtliche Mitteilung des Generalissimus Mahmud Scherket Pascha erklärt kategottsch, daß die Armee bei den Vorgängen kein Instrument irgend einer Partei oder eines Komitees gewesen ist. Die Armee verfolge nur die Kräftigung und Konsolidierung der Verfaffung und habe fett der Juli-Umwälzung jede Verbindung mit dem Komitee abgeschnitten. Sie sei eine nationale Armee und das Exekutivmittel jeder Regierung ohne Ansehen der Pattei. sofern diese verfaffungsmäßig das Vertrauen der Nation besitze. Verbindungen und Sympathien mit politischen Patteien seien den Angehörigen der Armee bei (Strafe der Entfernung aus dem Armeeverbande verboten.
Konstantinopel, 4. Mai. Großwestr Tewfik Pascha überreichte heute vormittag im Palais dem Sultan die Demission des Kabinetts. Die Ernennung Hilmi Paschas zum Großwestr steht bevor.
Konstantinopel, 4. Mai. Türkischen Blättern zufolge hat der Sultan die von der Ftnanzkommission auf 25000 Pfund herabgesetzte Zivilliste auf 20 000 Pfund ermäßigt. — Hier und in der Provinz dauern die Verhaftungen flüchtiger Soldaten und Reaktionäre fort.
Konstantinopel, 4. Mai. Bei der Aufnahme des Inventars in den Zimmern Abdul Mamids wurden Rechnungen über bei Banken deponierte Gelder, Aktien, Schmuckstücke und Bank-
„Adam, wir müssen gleich an Friedrich Johann eine Depesche schicken, er muß sofort kommen. Eörner hält Fee für sterbend."
Der Baron schwankt, er hält sich an dem großen Mahagonittsch fest, wie Kohlen glühen feine Augen in den Höhlen.
„Eörner hält Fee für sterbend," wiederholt er gedankenlos, er ist wie vom Blitz niederge- sck.mettert.
„Ihr Vater gehört jetzt hierher, in zwei Tagen kann er in Hollen sein," sagt Frau von Rothenfeld enffchieden.
„Er soll nicht kommen," schreit der Baron, „hörst Du, ich verbiete es!"
„Hier hast Du nichts zu verbieten, es ist Friedrich Johannes natürliches Recht, hörst Du, sein Recht zu kommen, Du darfft es ihm nicht wehren, es ist mehr als grausam, es ist schlecht, Adan.."
„Ich bin hier Herr im Hause, zum Teufel noch eins!“
„Und ich bin die Mutter dessen, der hier sein Kind noch einmal wiedersehen muß," ist die hoheitsvclle Erwiderung.
Frau von Rothenfeld wendet stch kurz ab und geht in das Krankenzimmer zurück, der Baron folgt ihr langsamer.
„Papa, Papa," hört er Fees Stimme, „warum bist Du nicht hier?"
„Es fet,“ denkt der alte Starrkopf, „es läßt stch nicht ändern, das Schicksal will es so."
Am folgenden Tage hat Fee einen lichten Augenblick, sie ist gerade mit dem Großvater allein und mit einer flehenden Handbewegung flüstert ste kaum hörbar:
noten im Betrage von 300 000 Pfund gefundens ferner wurden drei Kassen beschlagnahmt, die heute geöffnet werden. Di« Sachen wurden nach dem Kttegsministettum gebracht. Die Deputiertenkammer hat die Regierung ennächtigt, bei der Ottomanbank auf die österreichksch-ungarischeEnt- schädtgung hin eine halbe Million Pfund für drin- gende Ausgaben aufzunehmen.
Petersburg, 4. Mai. Der Kaiser erhiest auf seine Glückwunschdepesche ein herzliches Danktelegramm von dem Sultan Mohammed V., in dem der Sultan zugleich aufrichtige Wünsche für die glückliche Regierung des Kaisers und die ständige Wohlfahrt seines Reiches ausspricht.
Politische Umschau.
Da« Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika, betreffend den gegenseitigen gewerblichen Rechtsschutz, ist dem Reichstage zugegangen. Das Abkommen besagt: Die in den geltenden oder künftigen Gesetzen beider Staaten entfallenen Vorschriften, wonach im Falle der Nichtausführung eines Patents, Gebrauchsmusters, Musters oder Modells die Zurücknahme ober eine sonstige Beschränkung des Rechtes vorgesehen ist, sollen auf die den übrigen Angehörigen des anderen vertragschließenden Teiles gewährten Patente, Gebrauchsmuster, Muster oder Modelle nur in dem Umfange der von diesem Teile seiner eigenen Angehörigen auferlegten Beschränkungen Anwen- duw finden. Die Ausführung des Patents usw. in dem Gebiete des einen vertragschließenden Teiles wird der Ausführung in dem Gebiete des anderen Teiles gleichgestellt. Das Abkommen tritt mit dem Tage seiner Verkündung in Kraft und bleibt bis zum Ablaufe von 12 Monaten nach erfolgter Kündigung von feiten eines der vertragschließenden Teile in Wirksamkeit. I« der Denkschrift wird u. a. ausgeführt daß ii“’ weitere Ausbau des internationalen Rechte» in der Richtung einer Beseitigung ober Erleichterung der Ausführungspflicht für Patente, Muller und Modelle den Wü.eschen der am gewerblichen Rechtsschutze beteiligten Kreise entspricht. E'ne solche Regelung liegt namentlich int Interesse derjenigen Industriezweige, di« auf die Ausfuhr patentierter Erzeugnisse ange- wiefep find.
EinfchrSnkung der Dienstreisen.
Berlin, 4. Mai. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine vom Finanzminister und dem Ver- treter des Ministeriums des Jnnem unterzeichnete Verfügung der preußischen Regierung, worin eine sachgemäße Beschränkung der Dienstreisen angeordnet wird. In der Verfügung heißt es: Die Reifetätiakeit der Beamten hat in den letzten Jahren einen Umfang angenommen, der zu einer nicht zu rechffertigenden Belastung der Fonds geführt hat. Reisen, die im wesentlichen nur reprS- sentativen Charakter haben, sind auf das unbedingt notwendige Maß zu beschranken. Mehrere Dienstgeschöste in derselben Gegend sind, wenn irgend angängig, in einer Reihe zu erledigen. Di« Zahl der teilnehmenden Beamten ist auf das unumgänglich notwendige Maß zu beschränken. Ein« =_ _____= ----- _ ----------.. ' 11 1
„Wird er kommen? Ich muß Papa noch einmal sehen?"
Das Herz des rauhen Greises bricht fast, et beugt sich über das Bett, die große, harte Hand streichelr die kleine der Kranken und stoßweise ringt es stch über die bärtigen Lippen:
„Ja, mein Liebling, er wird kommen." „Danke," haucht fie leise und will des Eroß- raters Hand küssen; fie ist zu schwach, matt finkt der Arm zurück.
„Vielleicht bleibt ste uns erhalten, fetzt, we ich das Opfer brachte, mich zu fügen," denkt Rothenfeld und beginnt die Stunden zu zählen, >is der Reisende eintreffen kann. In dem Zu- lande Fees ist keine Veränderung ein getreten, ie ist sehr schwach und phantasiert dazwischen, ie verrät unbewußt den Großeltern das keusche Geheimnis ihres Herzens.
„Nein, nein," flüstert ste hastig, „ich komme nicht, Hans Leopold, ich komme nicht, — ich muß fort von Kurland, — mein Vater ist allein, er hat nur mich."
Ein anderes Mal sagt sie mit unendlich zärtlicher Betonung:
„Ick habe Dich lieb, Hans Leopold, — fe lieb über alles!"
■ „Hörst Du, was ste sagt, Minchen?" fragt Rothenfeld.
„Ja und ich habe es geahnt," ist die ebenso leise Erwiderung, „ste stnd sich gut, ich weiß es." Doktor Eörner hat eine barmherzige Schwe- |;er aus Mitau holen lassen, denn Frau von Rotgenf:ld und Franziska von Drachenstätt, di« sofort hilfsbereit herbeigeeilt ist, stnd von bei Nachtwachen erschöpft.
(Fortsetzung folgt) j