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für die Monate Mai und Avni ans die

oberhessische Zeitung« nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch» Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern ent» gegengenommen.

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Das LehrerbesoldunMesetz geht an das Abgeordnetenhaus zurück.

Was bereits aus dem Verlauf der Herrenhaus- sttzung vom Mittwoch zu schließen war, ist in der Sitzung vom Donnerstag zur Wahrheit geworden: das Plenum hat sich den Anträgen der Kommis­sion angeschlossen, die an dem in gemeinschaftlicher Arbeit sämtlicher bürgerlichen Parteien des Abge­ordnetenhauses und in Uebereinsttmmung mit der Königlichen Staatsregierung zustande gebrachten Lehrerbesoldungsgesetze wesentliche Abänderungen vorschlug. Das Lehrerbesoldungsgesetz muß nun­mehr an das Haus der Abgeordneten zur weiteren BeraMng zurückgehen. Vergebens hatten im Interesse der Lehrer in den kleinen Städten und auf dem Lande die Konser- »ativen Graf v. Carmer-Osten und v. Byern be- mttragt, die Paragraphen 8, 24 und 43 wieder herzustellen und damit insbesondere die von der Herrenbauskommisston vorgeschlagenen Härten in der Zahlung der Alters zulagen und die Amts zu­lagen für erste und alleinstehende. Lehrer beizube­halten, die Mebrheit des Hauses schloß sich den von den Oberbürgermeistern der großen Städte besonders befürworteten Abänderungen an der Fassung des Abgeordnetenhauses an.

Das gleiche Schicksal der Ablehnung erfuhr der Antrag des Konservativen Grafen v. Hohenthal- Dölkau, der außer der Annahme des § 24 in der Fassung des Abgeordnetenhauses vorschlug, die Deckungsmittel für die Alters- und Amtszulagen dadurch zu schaffen, daß in § 53 der Ergänzungs- fopds von 2,25 Millionen auf 850 000 M herab­gesetzt werde möge. Die Lehrer in den kleinen Städten und auf dem Lande, die durch den Be­schluß des Herrenhauses besonders betroffen wer­den, mögen aus dieser Feststellung erkennen, daß Von konservativer Seite auch im Herrenhause nichts unversucht gelassen worden ist, um ihnen die Amts zulagen zu erhalten und Härten in der Be­rechnung der Alterszulagen zu vermeiden.

Wie wir hören, beabsichtigt die konservattve Fraktion des Abgeordnetenhauses, in Gemein­schaft mit den anderen bürgerlichen Parteien (titf dem Boden der Beschlüsse des Abge-

40 ^Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

I Forti etzung.)

Er ist zu ihr hinübergekommen und hat ihre Hand ergriffen und gewaltsam zwingt er sie mit der- gebieterischen Blick seiner blauen, herrischen Lugen, emporzusehen. Aber das Herrische schmilzt, ein warmer Strahl trifft sie und wie v,i einem grellen Blitz geblendet, schließen sich ihre Lider.

Nein, nein," murmelt sie bebend,sehen Sie mich nicht so an, Herr von Schöningk, ich ertrage es nicht."

Ich kann nicht anders," bricht es leiden­schaftlich über seine Lippen,ich habe ein Vor­urteil gegen Eie gehabt. Noch ehe ich Sie ken­nen lernte, mutzten meine Worte Sie verletzen; seitdem habe ich sie bitter bereut, ich kann jetzt jetzt, wo ich Sie naher kenne, nur sagen, datz ich vorschnell geurteilt habe. Wollen Sie mir verzeihen?"

Sie bitten mich um Verzeihung," stam­melt Fee,mich, die Tochter des Kunstreiters, deren Mutter keineGeborene" ist?"

Ja ich tue es, denn ich sehe in Ihnen die Frau, die durch ihr ganzes Sein und Wesen Mich zu einer besseren Ansicht bekehrt hat, die mir mehr wert ist, als alle diejenigen, die un­vermischtes, blaues Blut in den Adern haben. Und wenn ich heute zu Syrien komme, Felicie von Rothenfeld, so ist es der Vasall, der zu keiner Königin kommt; ich have nut «inen Wunsch, nur eine Bitte: verlassen Tie Kurland

i

und den Beilagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beuage

44. Jahrg.

M 101

Marburg

Sonnabend. 1. Mai 1909.

Die FnsertionSgebühr beträgt für die 7gefpoltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, UnwersttätSbuchdrucker«: Inhaber Dr. T. H itzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Diesverhefstfche Jetttmg" erscheftrt täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis betragt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), ber unfern ZeitungSstellen und der Expedition Markt 21, 2 Mk.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 33.

ordnetenhaufes stehen zu bleiben und ohne zwingenden Grund nichts von dem mit vieler Mühe geschlossenen Kompromiß zwischen den Par­teien und der Staatsregierung preiszugeben.

Zur Reichsfinanzreform.

Berlin, 29. April. Die Finanzkommisston des Reichstages, in die die Patteiführer als Mtt- glieder eingttrtten sind, begann heute die Erörte­rung des konservattve» Anttages mtf Einführung der Retchswettzuwachssteuer. Die Nattonallibe- ralen verlangen die Erbanfallssteuer für Deszen­denten und Ehegatten in unbeerbter Ehe, sowie, falls dadurch 100 Millionen nicht einkommen, für den Rest eine Wettzuwachssteuer auf Immobilien. Die Freisinnigen verlangen eine Erbanfall- und daneben eine progressiv abgestufte bewegliche Ver­mögenssteuer, die Sozialdemottaten eine Nach­laß-, Vermögens- und Einkommensteuer. Die Reichspattei endlich will in dem konservativen An- ttag die Wotteanstelle der Erbschaftsbesteue- rung" streichen. Zunächst gab Freiherr von Gamp eine Erllärung ab, daß seine Ausführungen in der Dienstag-Abendsttzung in der Presse falsch wieder- geeben worden seien. Seine Pattei könne die Erb­schaftssteuer nicht fallen lassen. Ein Konservattver erklätte, daß seine Pattei nach wie vor jede Heran­ziehung der Erbschaften zur Deckung des ReichS- bedarfs ablehnen müsse, daß sie dieses aber nicht aus Egoismus tue, vielmehr, wie ihr Antrag aus Erhöhung der Matrikularbeittäge gezeigt habe, bereit sei, die Lebenden zu besteuern. Der ftei- sinnige Führer erklätte den konservattve» Antrag auf Einführung der Wettzuwachssteuer bei Im­mobilien für allenfalls diskutabel; sie bleibe aber besser den Gemeinden überlassen. Die Steuer auf Wertzuwachs bei Wertpapieren sei sachlich unan­nehmbar, praktisch undurchführbar itnb politisch indiskutabel. Seine Freunde bestünden fest auf der Ansicht, daß ohne Einbeziehung der Erbschaf­ten die Reichsfinanzreform nicht gemacht werden könne. Hierauf folgte eine ausführliche Begrün­dung des konservativen Antrages. Nach der Be­gründung des konservativen Antrages, die zwei SMnden in Anspruch nahm, erklätte der ReichS- schatzfekretär zu der Wettzuwachssteuer bei Im­mobilien, cs fehle sehr an Erfahrungen. In erster Linie seien die Gemeinden zu betticksichtigen und der Ertrag würde niemals über 20 bis 30 Mill. Mark hinauskommen. Trotzdem sei er bereit, den Entwurf einer Wettzuwachssteuer bei Immobilien ansarbeiten zu lasse», vorbehaltlich der Beschluß­fassung der verbündeten Regientngen. IN nor­malen Zeiten brauche man dazu ein halbes Jahr bis zwei Jahren. Er wolle aber sofort an die Ausarbeifting herantreten. Der preußische Finanz­minister fiihtte die Bedenken gegen den Anttag unter Erörterung der preußischen VcrhälMisse weiter aus. Trotz aller eMgegenstchenden Beden­ken wolle er, aus dem Bestreben hermis, den Reichsfinanzen aufzuhelfen, auf die Immobilien- wettzuwachsstcuer eingehen, aber vor Illusionen müsse man sich hüten. Sodann legte der'Reichs­bankpräsident die Gründe gegen die Zuwachssteuer

auf Wettpapiere dar. Er faßte sein Urteil dahin zusammen, datz die Steuer Handel und Verkehr unerträglich belasten werden, die tcttsächlich un­durchführbar sei und den Staatskredft schädigen werde; sie führe nicht zu einer Stärkung der Reichsfinanzen, sonder» zu einer Schwächung der­selben. StaatSsekrttär Sydow erklätte noch, daß nach der Ansicht der verbündtten Regierungen d i e Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten ein we­sentlicher Bestandteil der Reichs­finanzreform sei, ohne den diese we­der zustande kommen würde, noch könne.

Nachdem Fürst Hatzfeld (ReichSp.) erklätte, daß seine Freunde an der Erbschaftssteuer sesthal- ten und nachdem der Nattonalliberale Dr. Weber sich ebenfalls für eine solche ausgesprochen hatte, wurde die Sitzung auf morgen vettagt.

Die Lage in Konstantinopel.

Saloniki, 29. April. Die Villa Alla- tini, wohin Abdul Hamid gebracht wor­den ist, war bisher von Robilant Pascha be­wohnt. Sie wurde für den entthronten Sultan in aller Eile hergerichtet. Noch im Laufe der Nacht beschaffte man Betten und Essen aus einer italienischen Restauration. Die Villa, die auf einer leichten Anhöhe von einem schönen baum- reichen Park umgeben, liegt, gewährt eine präch­tige Aussicht auf die Stadt, das Meer und den Olymp. Von der Villa führt eine Straße zur Vai nach dem kleinen Badeort Sedes. In der Nähe befinden sich einzelne Häuser, darunter zwei Kaffeehausgärten. Abdul Hamid war heute früh zeitig aufgestanden. Er betrachtete vom Imster aus die schöne Umgebung der Stadt. Zahlreiche Neugierige suchten zur Villa zu ge­langen, wurden aber von den Wachtposten zurück­gehalten.

Saloniki "29. April. Die Fahrt Ab- dul Hamids von Konstantinopel nach Sa­loniki verlief ohne Zwischenfall. Abdul Hamid ist sehr niedergeschlagen und abgespannt, er schien unter dem Eindruck der letzten Ereignisse zu leiden. Seine Gesundheit scheint erschüttert. Er verbrachte die Fahrt meist vor sich hin­brütend und im Halbschlummer. Er verlangte weder Speise noch Trank, nur einmal nach einem Glas Wasser. In müder Haltung verließ er den Waggon und überblickte kurz seine Umgebung. Er wurde sodann in einen Wagen geführt, in welchem er mit den Prinzen Platz nahm. Unter starker Kavalleriebegleitung erfolgte die Fahrt nach der Stadt. Die Frauen hatten ihre Schleier zurückgeschlagen und blickten neugierig aus dem Wagenfenster. Viele glaubten einen Transport gefangener Würdenträger vor sich zu haben, nur wenige hatten von der Ankunft Abdul Hamids Kenntnis. In den Straßen waren überall sehr starke Militärposten aufgestellt. Das Volk feierte noch die Thronbesteigung des neuen Herrschers. Ueberall war Musik und Gesang. Die Straßen sind geflaggt. Die Illumination ist schon beinahe verlöscht.

Konstantinopel, 29. April.Sabah" eröffnet eine Sammlung für die Errichtung dreier Monumente, eines außerhalb der Stadtmauer zur Erinnerung an den Einmarsch

der mazedonischen Arme«, eines in Schischli am Soldatengrabe und einer Siegessäule aus dem Parlamentsplatze. Heute findet ein großes Soldatenfest im Lager außerhalb der Stadt für Freiwillige und Rüttfs statt, worauf der Ab­transport beginnt. Die Nachrichten über eine allgemein« oder teilweise Amnestie sind unbe­gründet. Mit dem netten Sultan wurde verein­bart, daß zum warnenden Beispiele die Haupt» führer der Revolte vom 13. April, sowie vom 27. April bestraft werden. Verführte Personen, insbesondere Soldaten, sollen möglichst mild« behandelt werden.

Konstantinopel, 29. April. Die Heu« ttge Nationalversammlung beschloß mit großer Majorität, daß der Sultan den Eid aus die Verfassung vor der National­versammlung wiederholen und an einem beliebigen Tage, binnen einer Woche, vor der Nationalversammlung erscheinen solle. Di« Versammlung billigte sodann einstimmig den Inhalt der Depesche Mahmud Schefket Paschas, kn der er die von bet Armee für notwendig ge» halten« Fortbringung Abdul Hamids nach Sa­loniki mitteilt.

Konstantinopel, 29. April. Es ver­lautet, daß das neue Kabinett sich wir folgt gebildet hat. Es wird Kriegsminister Salih Pascha, der Schwiegersohn Fuad Paschas (et hat lange Zeit in Deutschland gedient), Ju- stizminister der Deputierte und Advokat Sabtt Bey. Das Ministerium des Inner» (das Hilmi Pascha ablehnte) soll bis auf weiteres von dem Unterstaatssekretär geleitet werden. Die übrigen Minister bleiben.

Konstantinopel, 29. April. Nach einer Konsulardepefche aus Mersina ist Adana bei­nah : eingeäschert. Die katholischen Mis­sionsanstalten der Jesuiten und Josefinerinnen sind teilweise verbrannt; das Personal ist jedoch gerettet. Angeblich soll auch die protestantische Missionsanstalt abgebrannt sein.

Politische Umschau.

Zu bett Rede« iit ber Beamtenversammlung vom 18. April

schreiben dieB. Pol. N.": Die Reden, die fit der Beamtenversammlung vom 18. April gegen das Verhalten der Reoierung und gegen bi« gesetzgebenden Körperschaften in Sachen der Ne» ordnung der Beamtenbesoldungen gehalten wor­den sind, haben die zulässigen Grenzen vielfach weit überschritten. Wenn mit Drohungen ge­mischte Vorwürfe, als ob Regierung und Land­tag Veamtenfeindlichkeit bekundet hätten, in einem Augenblick erhoben werden, wo die Ge­setzgebung sich anschickt, zur Verbesserung der Läge der Beamten, Geistlichen und Lehrer der Bevölkerung eine Mehrbelastung mit Steuern in Höhe von einigen 60 Millionen Jt aufzuerle­gen, so spricht sich ein solches Vorgehen sein eigenes Urteil. Wenn aber Beamte sich an einet solchen Kundgebung beteiligen, so lassen sie zwei­fellos diejenigen Rücksichten außer acht, die ihnen ihr Amt auferlegt. Sie werden sich der Konsequenzen eines solchen Verhaltens auch be­wußt sein müssen, denn es liegt im Interesse sowohl der Regierung wie der Disziplin inner­halb der Beamtenschaft, daß solche Vorgänge nicht ungerügt bleiben dürfen. Man wird daher

nicht, bleiben Sie hier, denn ich habe Sie lieb, grenzenlos, über ottes."

Seine Leidenschaft ergießt sich über Fee; wie von einem glühenden Lavastrom ist sie umgeben und da wird ihr klar, daß auch sie ibn von gan­zer Seele liebt, daß sie es getan, auch bann, als sie sich feindlich gegenüberstanden. STit zugleich sagt sie sich, daß es nicht sein darf, daß sie Hans Leopold in dem Glauben lassen muß, er sei ihr gleichgültig; die erste ihrer Pflichten gilt ihrem Vater, dem Heimatlosen, Verbann­ten, der auf sie wattet, dem sie in erster Linie angehött.

Sie schweigt beklommen; da läßt Schöningk ihre kalte Hand los, er tritt zurück und seine Stimme ist heiser vor Erregung.

Sie geben mir keine Antwort, ich habe mich asso getäuscht?" sagt et dumpf, "Sie lieben mich nicht?"

Sie hält de» Kopf gesenkt und kann kein Wort hervorbringen, st« schüttett nut verneinend das blonde Haupt.

Dann entschuldigen Sie meine Werbung."

Sie stehen wieder beisammen und die gelben Herbstblätter schweben langsam zur Erde her­nieder. Sterbendes Laub und sterbendes Glück!

Die Jagd ist zu Ende, man fähtt nach Meige- zeem zurück und nach dem Diner schlagen Baron Adam und die Enkelin den Heimweg «in. Sie spricht lebhaft mtt dem Großvater und weiß doch kaum, was sie sagt; sie hat vorläufig ihr Herz zur Ruh« gezwungen, das wild« Klopfen des­selben dürfen die alten, guten Leute nicht ahnen.

Kein, gut ist nur st«, «ein GroßtnG,"

dentt Fee,warum muß Großpapa so unerbitt­lich bleiben, warum kann er nicht vergeben, dann, bann.

Sie wagt nicht, den Satz in Gedanken weiter zu formen, ein Gefühl großen Glückes und großen Leides erfüllt ihr« Brust, denn nun sieht sie endlich klar.

's ist Abend, Fee steht in ihrem Zimmer und liest einen Brief ihres Vaters, der In ihrer Abwesenheit angekommen ist; dieser Brief be­festigt sie in ihrem Entschluß, er bringt sie vor die Notwendigkeit, zu handeln:

Petersburg, 22. Ottober.

Mein geliebtes Kind! Ich muß Dir die Mit­teilung machen, daß ich schon jetzt meine Ge­schäfte abgewickelt habe und frei bin. Nur. tritt die ernste Frage an D'.ch heran, von deren Ent­scheidung alles abhängt. Ich habe es aufgege­ben. eine Sinnesänderung meines Vaters zu er» hoffen. Wenn es Dir, Du lieber Vertreter meines heißen Wunsches, nicht im Verlauf fast eines Jahres gelungen ist, so ist es eine ver» lorene Sach«. Wähle, mein Herzenskind, wähle ganz, wie Du es selbst für richtig hälft. Auf welcher Seite Du Dein Glück zu finden glaul't, dahin wende Deinen Schritt. Ich will Dir nickt da» Herz schwer macken; Du weißt, war Du mir bist, wie schön ich mir unser gemeinsames Leben ausmale. Fern vom Geräusch der Städte, die ich zum Uederbruß kenne, in einer schönen Ge­gend Süddeutschlands will ich Dir ein behag­liches Nest bauen unb Dir alle meine Zeit und meine Liebe widmen. Bestimmst Du ander» und bleibst Du in Kurland, nun, so zürne ich Dir nicht; wo Du auch fern« bleibst, sei go- se-net viel tausendmal.

Z-i) werde nach Memel reisen und benachrich­tige Dich telegraphisch davon. Willst Du ram­men, so kannst Du di« kurze Reise bis dah'» allein machen. Kommst Du nicht, so schreibe mir bald, damit ich meine Dispostttonen dar­nach treffe.

Meiner teuren Mutter küsse ich die Hände voll kindlicher Sohnesliebe; ich bange davor, ihr wieder neuen Schmerz zuzufügen, dadurch, daß ich Dich ihr zuerst gegeben unb jetzt wieder raube.

Und mein Vater!

Ach, auch feine Hand möchte ick noch ein- mal drücken, ihn noch einmal Wiedersehen!

Er will es nicht und ich gehorche; diese

Sühne bin ich ihm schuldig. I

Lebewohl, mein geliebtes Kind, eine Woche bleibe ich nock hier in Petersburg bis dahin läßt Du wohl von Dir hören. Dein treu« Vater Friedrich Johann v. Rothenfeld."

Fee läßt den Brief finken und starrt in di« Naht hinaus; der Sturm heult um das hohe Hau» und die hohen Bäume tautoen. Dunk« und sternlos ist der Himmel, dunkel und ohne Hoffnung das junge Menschenherz, das mtt sich kämpft und ringt! _ _

Eroßing," sagt Fee am anderen Tage.Du mutzt Papas Brief lesen; ich mutz noch einmal mit Großvater sprechen, glaubst Du nicht, datz et nachgibt?"

Frau von Rothenfeld schüttett trübe do» Kopf, ste hat es selbst in letzter Zeit wiederhol versucht, den Gatten umzuftimmen, « hat stß rau- abgewiefen.-- d

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