Einzelbild herunterladen
 

AHM Beitrag

mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchham &

und den Beilagen:,Illach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

die 7

uvun.nr».! uu| vie lagiuy erjajeinenoevoetqem me <

Bettung" bet allen Postämtern und nnsern Zntunqsstellen in

Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. ****** ***

Bestellgeld)/be? unfern Zeitungsstellen und tet Expedition Freitag 30. April 1909.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder bereit Raum 15 Pfennig, für Reklamen §0 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UntverfitStsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Httzeroth, Marburg, Parkt 21. Telephon 55.

Bestellungen

für die Monate Mai und Juni auf die

^)öerhessis «e Zeitung* nebst ihren Beilagen werden, noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern ent­gegengenommen.

Die Einschränkung des Wahrheits­beweises bei Beleidigungsprozessen.

?ut kleinen Strafgesetznovelle führte der Staatssekretär des Reichsjustizamtes Dr. Nie- berding u. a. aus, daß sich die Einschränkung des Wahrheitsbeweises bei Beleidigungsprozesien als notwendig erwiesen habe, indem er unter Be­tonung der unerfreulichen Nebenerscheinungen in dem Hau-Prozeß darauf hinwies, welchen Ge­fahren das ganze Innen- und Außenleben des Beleidigten oder eines Zeugen ausgesetzt sei, wenn auf Grund böswilligen Geredes Dinge zur Sprache gebracht werden, die einmal der Klatschsucht Tür und Tor öffnen und zum an­dern mit dem Gegenstand des Prozeesis nicht das geringste zu tun haben.

Große Skandalprozesie aus der fügten Ver­gangenheit haben das allerdings zur Genüge be­wiesen. Die Klatschsucht und die Sensations­lust haben hierbei wahre Orgien gefeiert. Der Wunsch der Staatsregierung, im Verein mit der gesetzgebenden Körperschaft des Reichstages, hierin schnell Abhilfe zu schaffen, ist nur zu berechtigt, wenn man bedenkt, wie sehr sie auf diesem Gebiete nötig ist. Ls ist ein bekanntes Fechterkunffftück gewiffer Advokaten, den Belei­digten in die Rolle des Angeklagten zu drängen, indem versucht wird, in vielen Fällen leider nicht ohne Erfolg, den Kläger in die Lage brin­gen, sich selbst noch wehren zu muffen. Häufig genug verleidet ein solches Gebühren dem Kläger den ganzen Prozeß, so daß er lieber auf die Ver­folgung seines Rechtes verzichtet, als sich neuen Beschimpfungen auszusetzen. Wie viel Fälle die­ser Art dazu beigetragen haben mögen, den Be­leidiger und Verleumder im Privatbeleidigungs­verfahren straffrei ausgehen zu lassen, soll hier nicht erörtert werden. Es paßt eben nicht jedem Menschen, seine intimsten Familienverhältnisse in der breitesten Oeffentlichkeit behandelt zu sehen. Beleidigte, denen für «inen Rechtsbei­stand die Geldmittel fehlen, die also das Armen­recht für sich in Anspruch nehmen müssen, befin­den sich dem bemittelten Beleidiger gegenüber fast immer im Nachteil. Wird nun der sogen. Wahrbeitsbeweis angetreten, der nicht selten jetzt schon mitunter überflüssig erscheint, wenn aus Form und Inhalt der Beleidigung die Ab­sicht der Beleidigung hervorgeht, so kommt es oft genug vor, daß auswärtige Zeugen vor allen möglichen Gerichten kommissarisch vernommen werden. Der Beleidigte muß ffi.; der Vernehm­ung dieser Zeugen fügen, hat indes auch das

39 (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

(Fortsetzung.)

Der Oktober brachte noch herrliche Tage und Fee lernte in diesem Herbst das altkurische Le­ben auf dem Lande kennen, die Damen erschie­nen zu den Rasttagen, da gab es Spiel und Tanz, lebende Bilder wurden gestellt, Theater gespielt und zuweilen begleiteten die jungen Maschen unter der mütterlichen Aufsicht einer älteren Frau die Jäger in den Wall». Beide Schöningks waren heimgekehrt und Fee und Hans Leopold waren oft zusammen, aber « rir etwas Erkältendes zwischen sie gekommen, Schöningk kämpfte noch mit seiner Liebe. Jetzt, nachdem der schwüle Zauber jenes Julitages vorüber war, mußte er das zu vergessen suchen, was seine Pulse fieberhaft erregt, der Zirkus­direktor durfte nie sein Schwiegervater werden, das |tarü) fest. Man kann sich sehr gut in einer größeren Gesellschaft vermeiden, wenn beide Teile es so wünschen. Schöningk kam nicht mehr nach Hollen außer zu einer größeren Jagd und ba.at spielte er mit den übrigen Herren Karten, w s ec früher nicht gerne getan. Aber lieber das, als Fee gegenüber zu sitzen, mit _ ihr sprechen müssen, ihre weiche Stimme zu hören, eie ihn überall hin verfolgte. _

Hans Leopolds Mannesstolz bäumte sich gegen die Fessel, die seine Liebe ihm gebieterisch anlezte.

Ich will nicht!" rief es in ihm undDu mußt Felicie Rothenfeld lieben," so lautete die Entgegnung auf den empörenden Schrei seine» Herzens.

Recht, seinerseits Zeugen zu seiner Entlastung zu nennen, wenn es ihm nötig erscheint. Hierdurch kann ein Prozeß jahrelang verschleppt werden, ehe es gelingt, dem Beleidigten die Sühne zu verschaffen. Das soll jetzt ebenfalls verhindert werden, indem man zu dem alten Grundsätze zurückkehrt, daß der Tat die Strafe auf dem Fuße zu folgen habe.

Von den Nachteilen, die eine kommissarische Zeugenvernehmung notwendigerweise mit sich bringt, wenn der Beleidigte aus Mangel an Geldmitteln oder Zeit nicht nach dem entfernten Eerichtsort Hinreisen kann, wollen wir hier nicht weiter reden. Eine mündliche Verhandlung vor dem Richter, wie sie im Strafprozeß geübt wird, gibt ein ganz anderes Bild von dem Gegen­stand der Sache, als die Verlesung kommissari­scher Zeugenaussagen. Wie oft ist unter den heutigen Verhältnissen nachher der Beleidigte nicht noch der am schwersten Geschädigte, wäh­rend der Beleidiger straffrei ausgeht oder mit einer so geringen Strafe belegt wird, daß sie in keinem Verhältnis zu dem Schaden steht, den er angerichtet hat.

Es kann uch vorkommen, daß der Beleidigte vor langen Jahren einmal einen dummen Streich gemacht hat, an den kein Mensch mehr denkt und für den er damals vielleicht mit einer Freiheitsstrafe belegt worden ist. Der Belei­digte ist von da ab aber wieder ein der mensch­lichen Gesellschaft nützliches Mitglied geworden, das sich der Achtung seiner Mitbürger erfreut und es vielleicht zu einem gutgehenden Geschäft gebracht hat. Ist cs nun gerecht, wenn zu seiner Belastung etwas angeführt werden soll, das längst der Vergessenheit anheimgefallen ist? Wird der Beleidigte nicht hierdurch in seinem Innersten getroffen und vielleicht wirtschaftlich zugrunde gerichtet, weil sich nach Bekanntwerden eines Jugendfehlers alles von ihm zurückzieht?

Das Gesetz schützt heute schon den ehemaligen Sträfling, indem es denjenigen unter Strafe stellt, der ihm die Strafe vorhält. Einen wie viel höheren Anspruch hat nicht der unbeschol­tene Mensch daraus, daß sich niemand in seine Privatverhältnisse mischt! Die angekündigte Einschränkung des Wahrheitsbeweises bei Be- leidigungsprozeffen ist nur mit Freude zu be­grüßen.

Begreiflich ist es allerdings, daß sich die sozialdemokratische und radikale Presse mit allen Mitteln der Agitation hiergegen sträuben. Ihnen wird natürlich das Wasser abgegraben, weil sie nicht mehr so schreiben dürfen, wie sie wollen. Sie müssen sich Beschränkungen auferle­gen, wenn sie nicht ihre Redakteure bestraft sehen wollen. Wir können es der Sozialdemo­kratie und dem ganzen Radikalismus nachfüh­len, wie ergrimmt sie sind; richtet sich doch der Gesetzentwurf auch gegen den Ton der Gasse, der bisher zu ihrem Rüstzeug gehört hat!

Die anständige Presse wird von' dem beab­sichtigten Gesetz nicht getroffen, weil es nicht zu ihren Gepflogenheiten gehört, ihr Hauptaugen­merk daraus zu richten, dem Gegner etwas anzu- hängen.

Nach alledem empfinden wir eine große Ge­nugtuung über den Gesetzentwurf, von dem wir nur wünschen können, daß er bald verwirklicht

Es war bei Sickerns in Meigezeem, da siegte das Herz doch über den Verstand und warf alle festen Entschlüsse über den Haufen. Man hatte bestimmt, daß bei jedem Jäger eine der jungen Damen stehen sollte. Darüber brummten zwar die älteren Herren und besonders Rothenfeld konnte sich nicht über diese Neuerung beruhigen und meinte, die Frauenzimmer sollten besser mit dem Strickstrumpf zuhause fitzen, fie würden doch nur das Wild verscheuchen."

Von seiner Enkelin hätte er es nicht be­haupten können, das Los hatte sie wie früher bei der Schlittenpartte, dem jüngeren Baron Schöningk Klein-Troska als Dame zugeteilt. Stumm folgte sie ihm auf feinen Stand, der unter einer mächtigen Eiche war, deren gold­gelbes Laub langsam auf sie niederrieselte.

Sie sehen, gegen das Kismet hilft nichts," hatte Schöningk gesagt, als er den halb er­schreckten, halb scheuen Ausdruck in Fees Gesicht l merkte,aber hier sind wir nicht im Schlitten," fügte er sarkastisch hinzu,und S e haben keinen Muff, um llngebührlichkeiten zu bestrafen."

Fee antwortet nichts, sie steht neben dem '"'-er und blickt in die Herbstlandschaft hinaus. Es liegt eine große Traurigkeit über allem; ein trüber Tag ohne Sonne hüllt den sterbenden Oktober in ein gleichförmiges, graues Gewand.

In seinem bunten Kleide steht der Wald da, Spinngewebe flattern in langen, weißen Fäden von Ast zu Ast und Moos und Faire find gelb­lich geworden. Wie still ist es im Forst! Nur in der Ferne klopft ein Specht und man hört mit Unterbrechungen das Jagen der Hunde, di« das Wild auffpüren.

Fee nimmt das Bild des sterbenden Wald« in sich auf. Wenn er wieder grün dasteht, dann ist sie weit, weit fort, sie wL nie wieder nach

wird. Auch er dient dazu, die bürgerliche Ehre zu schützen vor jedem, der es frevelhaft unter­nimmt, sein« Mitmenschen Ehre anzutasten.

Tie Lage in Konstantinopel.

Heute liegen folgende Meldungen vor:

Konstantinopel, 28. Apttl. Der amt­liche Wortlaut des in der gestrigen Nationalver­sammlung über den Thronwechsel gefaßten Be­schlusses ist folgender: Dienstag, den 27. April 1909. Die aus Senatoren und Deputierten zu­sammengesetzte, als Nationalverfammlung ta­gende Versammlung wählte einstimmig unter den beiden Vorschlägen, die in dem von dem Scheik ül Islam verlesenen und unterzeichneten Fetwa enthalten sind, die Entthronung. Dem­zufolge wurde der Sultan Abdul Hamid II. des islamitischen Kalifats und des ottomanischen Sultanats für verlustig erklärt und als fein legi­timer Erbe Mehmed Reschad Effendi unter dem Titel Mehmed V. zum Kalifen und Sultan pro­klamiert.

Konstantinopel, 28. April. Entgegen den wiederholten Meldungen, Abdul Hamid fei nach Saloniki gebracht worden, befindet der ab­gesetzte Sultan sich, einer Aussage des derzeitigen Kammerherrn des neuen Sultans, Gavik-Bey, zufolge, jetzt noch im Jildiz. Sicher ist, daß die JachtErtogul" von Dolrna Vagtfche unter Dampf liegt, anscheinend zur sofortigen Abfahrt bereit.

Konstantinopel, 28. April. Ueber die Wegführung Abdul Hamids verlauten folgende Einzelheiten: Abdul Hamid protestierte anfäng­lich energisch gegen seine Wegführung, fügte sich jedoch schlaeßlich dem unabwendbaren Beschluß. Er wurde sehr niedergeschlagen mit kleinem Ge­folge unter strengster Ueberwachung wie ein Ge­fangener fortgeführt.

Konstantinopel, 28. April. Sultan Mobamed V. beauftragte Tefwik Pascha mit der Bildung des neuen Ministeriums.

Konstantinopel, 28. April. Der Staatsrat Muktar Pascha, ein Sohn d« frü­heren Scheik ül Islam, sowie andere Mitglieder der liberalen Union wurden gestern noch vor dem Thronwechsel verhaftet. Der neue Sul­tan soll sich gestern geäußert haben, fein Wunsch sei, gemätz dem Scheriatgesetz und der Verfassung zu regieren. Er sei stolz darauf, der erste wirk­liche Freiheitspascha zu fein. Die türkische Presse huldigt dem neuen Sultan und gibt der Hoffnung auf eine neue glückliche Aera Aus­druck. Den Blättern zufolge hat das Kabinett um feine Entlassung gebeten; der Sultan habe es jedoch ersucht, vorläufig im Amte zu bleiben.

Paris, 28. April. Präsident Falliöres sprach dem neuen Sultan Mohamed V. telegra- pl'-'ch seine Glückwünsche aus.

Paris, 28. April. Der Minister bes Aeußern begab sich heute Nachmittag auf die ottomanische Botschaft, um den türkischen Bot- frtafter zur Thronbesteigung Sultan Moha­meds V. zu beglückwünschen. Die französische Regierung hat der türkischen Regierung ihre Glückwünsche zum Thronwechsel telegraphisch übermittelt.

Kurland zurückkehren. Ohne ihren Vater will sie nicht und ihm bleibt das Paradies seiner Jugend verschlossen.

Hans Leopold ist auf der anderen Seite der Eiche, der dicke Stamm trennt ihn von seiner Dame. Die Hunde kommen näher, man hört einzelne Schüsse, aber Schöningk hort noch etwas anderes. Wie leis«, unterdrücktes Weinen schlägt es an sein Ohr; da vergißt er all«, et stellt die Flinte an den Baum und kommt zu Fee hinüber.

Sie weinen," sagt er sehr leise und zieht ihre Hand, die fie beschämt auf die Augen ge­deckt hat, von dem traurigen, jungen Gesicht ab.

Ach! warum bemerkten Sie es!" ruft fie ärgerlich,Sie haben kein Zartgefühl!"

Entschuldigen Sie," entgegnet der Geschol­tene sehr steif.

In diesem Augenblick bricht ein prächtiger Rehbock durchs Unterholz, die Hunde folgen; Hans Leopold stürzt auf die Flinte zu, aber es fft zu spät, das stolze Wild verschwindet und der wohlgezielte Blattschuß Reckensteins streckt die Jagdbeute nieder, die eigentlich Schöningk gehört.

Zum Kuckuck, warum schossen Sie nicht?" ruft Sickern hinüber.

Schöningk unterdrückt einen Fluch; seine Jä­gerehre ist verletzt, das verzeiht ein echter Kurländer nicht.

Warum blieben Sie nicht, wo Sie waren," klingt es überdies an sein Ohr. Es ist Fees Stimme, sie hat schnell ihre Augen getrocknet und blitzt ihn spöttisch an.

Weil ich so töricht war, mich um etwas anderes als den Rehbock zu kümmern," erwidert « scharf.

Nach einet ganzen Weile sagt Fee:

Konstantinopel, 28. April. Hier läuft das Gerücht, der frühere Eroßwesier Kiami Pascha sei verhaftet worden.

Konstantinopel, 28. April. Es ver­lautet, der neue Sultan habe es dem Parlament überlassen, ihm den ersten Sekretär und den ersten Kammerherrn auszuwählen.

Konstantinopel. 28. April. Anläßlich der Thronbesteigung des neuen Sultans findet heute ein offizieller Feiertag statt. Alle Aemter sind geschloffen. Heute Abend findet eine Illumi­nation statt. Seit gestern treffen zahlreiche Gliickwunfchdepeschen an den Sultan, die Natio­nalversammlung, das Oberkommando der maze­donischen Armee und die Pforte ein.

Die neue Regierung und Deutschland.

Der neue Sultan Mohammed V. sprach sich zu einem Vertreter desTag*, nachdem er sich als einen ausgesprochenen Anhänger der Ver- faffung bezeichnet hatte, über seine Stellung zu den Mächten und besonders Deutschland u. a. dahin aus:

Verkünden Sie, daß ich ein Freund der Mächte bin und nur den Wunsch hege, daß die Türkei mit allen Mächten in Freundschaft und Liebe verkehre, besonders mit unserem alten Freund und Gönner Deutschland."

Der Generalissimus Schesket Pascha erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter eines hiesigen Blattes, er und alle türkischen Offiziere gedächten dankbar des Deutschen Reiches und ihrer deutschen Lehrmeister, vor allem von der Goltz Paschas. Sie wüßten, daß Deutschlands Sympathien auf ihrer Seite ständen und hofften, daß sie sich so würdig geführt hätten, wie ihre deutschen Freunde erwarteten.

Mohammed V

Der neue Sultan ist ein Mann von 65 Jah­ren und der dritte Bruder des entthronten Sul­tans Abdul Hamid. Er ist am 3. November 1844 geboren und somit ungefähr zwei Jahre jünger als der bisherige Sultan. Als türkischer Sultan wird er der 35. Souverän vom Stamme Osmans und der 29. nach der Eroberung Konstantinopels sein. Er lebte als Gefangener in einem Paläste am Bosporus, wohin ihn fein Bruder nach An­tritt feiner Regierung verbannt hatte. Dadurch ist es gekommen, daß Mohammed Reschad Effendi in der Oeffentlichkeit wenig bekannt geworden ist, und daß sogar türkische Eroßwürdenträger, die im allgemeinen über die Verhältnisse am tür­kischen Hofe genau Bescheid wissen, von ihm noch sehr wenig positive Züge kennen. Bekannt ist nur, daß er im Jahre 76 nur mit knapper Not und Mühe dem Tode entging, den ihm die da­maligen Verschworenen bei der Entsetzung d« Eroßsultans Murad V. zugedacht hatten. Die Schreckenstage haben sehr lange auf das weich« ur, empfindliche Gemüt des neuen Sultan» nachgewirkt. Reschad Effendi wird von Leuten, die mehrfach mit ihm als Gouverneure in Be­rührung kamen, als sehr zarter, fenttmentaler und nicht sehr energischer Charakter geschildert. Die zielbewußte Energie und diplomatische Sdlauljeit Abdul Hamids fehlen ihm jedenfalls vollkommen. Er wäre auch nie imstande ge­wesen, von selbst seinem Schicksal eine andere

Herr von Schöningk!"

.Baronesse von Rothenfeld!"

Müssen wir uns denn immer zanken? Meine Schuld ist « nicht."

Meine auch nicht," versichert Hans Leopold.

Und bann schweigen sie, die Hunbe jage» ganz in der Nähe, Fee ist atemlos vor Ermatt­ung. Blitzschnell sieht fie etwas Rötliches vor­beihuschen, da knallt der Schuß des neben ihr Stehenden, jetzt der zweite.

Doublett auf Füchse," ruft Reckenstein, ,chrav gemacht, junger Freund, bas wetzt die Scharte mteber aus."

In bet Tat, zwei der schlauen Wald­räuber liegen langhingestreckt auf zwanzig Schritte Entfernung.

Ich gratuliere," sagt Fee,sind Sie nun bei besserer Laune?"

Schöningk lacht.

Ja," sagt er freimütig,verzeihen Sie mit meine unfreundlichen Worte von vorhin, ich vergaß, daß ich Ihnen zu fremb bin, um Ihre» Kummer zu bemerken."

Ihre Lippen beginnen zu zittern.

Nach einem Monat bin ich nicht mehr i» Kurland," sagt sie leife.

Wie!" ruft er, ,Me meinen Sie das?"

Ich kehre zu meinem Vater zurück. Ich war nur ein Zugvogel in Hollen und werde « nicht Wiedersehen; ich dachte, Sie wissen «?*

O, warum sind Sie nicht allein? Warum kann er sie nicht wie ein betrübtes Kind in sei:.: Arme nehmen und trösten? Warum kann er ihr nicht die Tränen fortküssen, die rote Tau* I tropfen an den langen Wimpern glitzern? i i . (Fortsetzung folgt.) i