MchM ZeilMg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchenüiche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
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Marburg
Sonntag 25. April 1909.
Die Insertion»gebühr beträgt für die 7gespaltene Zelle ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Httzero th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Zweites Blatt.
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Die Temps und Kaiser Wilhelm.
Für diejenigen, die die Hoffnung auf ein völliges Verschwinden der Revancheidee in Frankreich noch nicht aufgegeben haben, dürste lehrreich zu lesen sein, was der französtsche Schriftsteller Jules Claretie im „Temps" über den Besuch Kaiser Wilhelms in Venedig zu bemerken für gut befindet. In dieser Zuschrift, deren Inhalt der Verfasser allerdings nur als „flüchtige Notizen und Eindrücke von unterwegs" bewertet wissen will, finden sich in der Schilderung der Fahrt der Kaiserbarke auf dem Kanal Grande u. a. folgende Stellen: „Die Kaiserin neigte ihr Haupt, der Kaiser stand unbeweglich, und so, in Sonnenschein gebadet, zog diese Erscheinung durch die Menge der amerikanischen und italienischen Fahrzeuge, der Gondeln und Fischerboote dahin. Mich aber überkam wie eine urplötzliche Erleuchtung die Vision eines Eroberers, der als Sieger in einer Stadt Einzug hält, und mir war, als sei diese seit unseren Jugendtagen geweihte und geliebte ftalienische Erde das teure Frankreich selbst und diese Lagunen von Venättg unsere lothringischen Marken. Warum sah ich schwere Thränen in den Augen einer in Trauergewän- dern gekleideten Frau eine Französin neben mir? .... Das geschah wohl unter dem Eindrücke der wie in einem Kinematographen sich vor uns abspielenden Szene voller Erinnerungen, Sorgen und Befürchtungen. Eine historische Persönlichkeit, deren geschichtliches Bild aber noch nicht feststeht, zog da an uns vorüber und verlor sich in der leuchtenden Ferne, als die Kanonen der „Hamburg" das Feuer eingestellt und der Rauch sich verzogen hatte. Es geschah deshalb, weil — wenigstens bilden wir uns das ein — dieser Monarch alles vermag und weil er für uns die Gefahr verkörpert, weil sein Wille entscheidend ist, ob Krieg oder Friede sein soll.
Das ist im wesentlichen die Tendenz der Zuschrift, der der „Temps" Aufnahme gewährt hat. Unverkennbar hat der Verfasier auch bei dieser Gelegenheit geglaubt, die französische Mode geistreichelnder Kritik mitmachen zu müsien. Das mag viel zur Entschuldigung dieses völlig ungereimten Phantasiegebildes
34 (Nachdruck verboten.)
Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele o. Schlippenbach.
< Fortsetzung.)
O! wenn ihr einsamer Vater wüßte, daß hier ein treues Frauenherz für ihn schlägt, wenn er es ahnte, daß in Kurland ein Schatz selbstloser Liebe seiner harrt und daß er allein ihn heben könnte! ,
Noch etwas ist es, das Fee letzt oft beschäftigt, sie hat den jungen Nachbar aus Klein- Troska oft im Laufe des Sommers gesehen, aber obgleich sie sich mit der größten Höflichkeit begegnen, ist ihr Verhältnis wieder dasselbe wie zur Saison in Mitau, ein fortwährendes Anziehen und Abstößen, ein unbewußtes Suchen und Verlieren.
Fee liegt an einem heißen Tage im Juli in der Hängematte unter den blühenden alten Linden des Parkes und Laima, des Großvaters Hühnerhündin hat sie begleitet und streckt die rote Zunge heraus. Träumerisch blicken die braunen Augen des jungen Mädchens in die Zweige der Bäume hinauf, durch die der Himmel tiefblau herniederleuchtet. Und sie ruft sich ihre letzte Begegnung mit Hans Leopow zurück. Es war bei Sickerns gewesen, wo man die Hochzeit der ältesten Tochter feierte, die nach Livland heiratete. Auch Graf Helm-Aalhof war erschienen, ihr abgewiesener Freier von der mitauschen Saison, er hatte sich ihr wieder ge- nä ;ert, obgleich sie fast ungezogen in ihrer Kälte gewesen. Schöningk beobachtete das Paar scharf, das ärgerte Fee und sie ließ sich so weit hinreißen, darüber eine Bemerkung fallen zu lassen.
„Ich weiß nicht, was es Sie angeht/' sagte ste, nachdem sie sich eine Weile tüchtig gezankt.
Zu de« Grafen Verwunderung änderte die
beitragen. Aber auch darin gleicht Herr Cla- retie seinen Landsleuten, daß er die Logik Purzelbäume schlagen läßt. Denn warum gleich die „geliebte italienische Erde" nur dann dem teueren Frankreich, wenn der deutsche Kaiser sie betritt? Warum kommt Herr Claretie nicht dieselbe Empfindung, wenn der König von England auf italienischem Boden weilt? Warum steht sein visionärer Geist nicht eine Blockade französischer Häfen und Küsten, wenn britische Kreuzer die Jacht des Königs von England auf ihrer Mittelmeerfahrt begleiten? Läge ein solches Phantasiegemälde nicht auch im Bereiche der Möglichkeit? Aber der „Temps" wäre dann um das Vergnügen gekommen, einem solchen Stimmungsbilde, und wenn es selbst einen Claretie zum Verfasier hätte, Aufnahme zu gewähren!
Umfang und Ergebnisse des bedingten Strafaufschubs.
Von dem bedingten Sttafaufschub, der seit 1895 bei allen deutschen Bundesstaaten mit Ausnahme von Mecklenburg-Strelitz und den beiden Reuß Eingang gefunden hat, soll nach den unter Vermittelung des Reichsjustizamts vereinbarten einheitlichen Grundsätzen vorzugsweise zugunsten jugendlicher Verurteilter unter 18 Jahren und nicht Vorbestrafter Gebrauch gemacht werden und die Höhe der erkannten Freiheitsstrafe die Gewährung nicht grundsätzlich ausschließen.
Bis zum 31. Dezember 1908 ist in 165 680 Fällen der bedingte Strafaufschub, den man mit Rücksicht auf seinen Zweck auch vielfach als „bedingte Begnadigung" bezeichnet, bewilligt worden. Seit 1898, wo der Durchschnittssatz im Jahre 6041 Fälle betrug, hat die Zahl mit jedem Jahre zugenommen, sie ist im vergangenen Jahre auf 28004 gestiegen, hat sich also mehr als vervierfacht. Die für 1908 ermittelte Zunahme war die bei weitem größte bisher beobachtete. Fast di« Hälft« der Zunahme entfällt auf Bayern, eine bedeutende Zunahme auch auf Württemberg, wohl infolge verschißener Verordnungen und Verfügungen, die von den dorttgen Justizministerien ergangen sind.
Ueber die Ergebnisie der Bewilligung wirb bekannt, daß von den bis zum 1. Januar 1909 endgültig erledigten 105 852 Fällen etwa */5 einen für die Verurteilung günsttgen Ausgang gehabt haben, im letzten Jahre ist das Verhältnis mit 82,3 Proz. endgültiger Begnadigungen so günstig gewesen, wie nie zuvor. Daß die bedingte Begnadigung zur Verminderung der Rückfälle beitrage, ist durch die Erfahrungen in Deutschland nicht nachgewiesen, andererseits aber auch nicht, daß die bedingte Begnadigung die allgemeine Kriminalität ungünstig beeinflußt habe. Als erfolgreich ist die Einrichtung doch stets in dem Sinn« zu bezeichnen, daß, wie erwähnt, immerhin 4 von 5 Betroffenen von der Freiheitsstrafe und den damit verbundenen schädlichen Folgen bewahtt geblieben und auch nicht unerhebliche Kosten erspart worden sind.
Der Natur der Sache nach waren es überwie-
Baronesie am zweiten Tage ihren Ton gegen Helm und schien sich seine Annäherung nicht mehr ungern gefallen zu lasien. Und da trieb Hans Leopold die Sache auf die Spitze, er ließ ein einziges Wort fallen, nur Fee verständlich, aber es wirkte wie ein Peitschenhieb.
„Kokett."
Er wollte an ihr vorbeigehen, da trat sie ihm in den Weg, mit zornig blitzenden Augen stand sie vor ihrem „Feinde", wie sie Schöningk nannte.
„Was sagten Sie, mein Herr?"
Ihre Stimme zittert vor Erregung.
„Etwas, was auf Sie paßt," entgegnete' er unfreundlich.
„Ich räume Ihnen nicht das Recht ein, meine Handlungen zu beurteilen," brauste Fee auf, „dieses dürfen nur wirkliche Freunde und Sie wisien, wir sind es nicht, können es nie werden, niemals."
Er lächelte spöttisch.
„Sie brauchen mir nicht eine Tatsache zu sagen, von der ich selbst fest überzeugt bin," lautete die heftige Antwort, „nur hatte ich trotzdem ein« zu hohe Meinung ihres Charakters und fühle mich enttäuscht, daß Ihr Betragem» gegen Helm Sie in meinen Augen herabsetzt, llebrigens ist es vielleicht ganz Ihre SchuÜ), wenn ich Sie für gefallsüchtig halte, vielleicht ist die Koketterie ein Erbteil des Blutes."
Fee taumelt zurück, ihre Hand faßt die Samtportiere, sie ist kreideweiß geworden und ihre Lippen zucken, die feinen Nasenflügel zittern, mit weit abgerissenen Augen starrt fi« auf den Sprecher, der ihr hier wißer ihre Herkunft von der polnischen Mutter ine Gesicht schleudert.
»Ich danke Ihnen," sagt sie tonlos dann geht N aus dem Zimm« und läßt ihn allein; « ist ärgerlich auf sich, wegen seiner 'Heftigkeit und
?end Männer, denen die Maßregel zugute kam 74 Prozent). Die Zahl der beteiligten Personen weiblichen Geschlechts ist aber doch höher, als sich nach der allgemeinen Kriminalität erwarten läßt. Dem oben erwähnten Grundsatz entsprechend betrafen % aller Fälle Jugendliche. Die Entwickelung geht jedoch auf ein Steigen des Anteils der Erwachsenen. Die strafbare Handlung, auf welch« sich die bedingte Begnadigung bezog, war meistens ein Vergehen (64 Prozent), die übrigen Fälle verteilen sich mit 21 Prozent auf Verbrechen und 15 Prozent auf Ueberttetungen. Besonders hoch ist der Anteil der Verbrechen in Hamburg.
Den Straftaten entsprechend handelte es sich auch überwiegend um Gefängnisstrafen (85 Prozent), seltener um Haftstrafen (15 Prozent), nur ganz vereinzelt um Zuchthaus- oder Festungsstrafe. Die Dauer der ausgesetzten Gefängnisstrafen betrug in etwa •/„ der Fälle eine Woche oder weniger. Einen Monat überstieg die Strafe nur in l/7 der Gesamtzahl der Fälle.
Die Dauer der Bewährungsfrist betrug in reichlich der Hälfte der Fälle zwei bis weniger als drei Jahre.
Weibliche Personen haben die endgültige Begnadigung häufiger erlangt als männliche, ebenso stellt sich das Verhältnis für erwachsen« Personen ein wenig bester als für jungendliche. Für die vorbestraften Personen ist die Zahl der endgültigen Begnadigungen wesentlich ungünstiger als für die noch nicht bestraften, obwohl bei ersteren die Bewilligung nur ausnahmsweise und nach einer eingehenden Würdigung aller Umstände erfolgt. Di« bisherige Entwickelung zeigt, daß der Erfolg der bedingten Begnadigung bei den kürzeren Strafen sicherer ist als bei den längeren. Bei den Strafen von einer Woche oder weniger betrug die Prozentzahl der günstig erledigten Fäll« 83, bei den Strafen von mehr als 6 Monaten nur noch 64.
Politische Umschau.
Herabsetzung der Altersgrenze.
In der neuen Reichsversicherungsordnung ist den in letzter Zeit vielfach aufgetretenen Wünschen auf Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente von 70 auf 65 oder gar 60 Jahre nicht Rechnung getragen. Hauptsächlich ist dies geschehen, weil die daraus sich ergebende Mehrbelastung nicht zu tragen ist. Diese Mehrbelastung läßt sich, nachdem bei der Berufsstatisttk von 1907 die Personen, für die Beiträge zur Invalidenversicherung entrichtet wurden, gezählt sind, feststellen. Berechnet man aus den von der Berufsstatisttk des Jahres 1895 festgestellten Zahlen der Versicherungspflichtigen der Altersjahre 48 bis 58 unter Berücksichtigung der inzwischen gemachten Erfahrungen Über Jnvaliditäts- und Sterbefälle die Zahl der Mitt« 1907 im Alter von 60 bis 69 Jahr« stehenden Versicherungspflichtigen, so erhält man als Ergebnis die Zahl 495 936 und der im Alter von 65 bis 69 Jahre stehenden die Zahl von 176 655. Die bei der Berufsstatisttk
ärgerlich auf sie, auf die ganze Welt. Graf Helm, der auf dem Punkt stand, noch einmal um Fee anzuhalten, findet sie zerstreut und gleichgültig, er dentt: „Sie ist reizend, aber voller Launen, ich will mit die Geschichte überlegen." Fee durchlebt heute wieder den unliebsamen Auftritt, wie sie so in der leise schaukelnden Hängematte liegt, die kleinen Füßchen übereinander gekreuzt, die Arme unter dem Kopf verschränkt. Sie ist feit der Hochzeit „schrecklich böse" auf Hans Leopold und vermeidet jedes Alleinsein mit ihm. Ihr abweisendes Benehmen ist schon der Großmutter ausgefallen und Schöningk der Aeltere hat bemerkt, daß sein Sohn und die Baroneffe Rothenfeld einen stillen, hartnäckigen y.rieg führen, deshalb sagt et zu feiner treuen Freundin:
„Minchen, was ist das mit unseren Kindern? Sie scheinen sich nicht leiden zu können und ich hatte gehofft, daß Fee meinen braven Jungen mit der Zeit lieb gewinnen könnte, daß auch er fein Herz an sie verliert und sie auf diese Art ginz in Kurland bleibt."
„Das wird sie nie, lieber Dietrich, so lange Friedrich Johann Kurland fern bleibt; Fee hängt zu sehr an dem Vater, um sich von ihm zu trennen.“
„So wird st« im Herbst Hollen und Euch vet- lasien?" fragte Schöningk zweifelnd, „aber Minchen, wie werdet Ihr das ertragen, der Adam und Du?"
„Ach! ich mag gar nicht daran denken," versetzt Frau von Rothenfeld mit überströmenden Augen, „denn sie ist unser Sonnenstrahl geworden und Hollen wird sehr ttautig ohne sie werden, noch mehr als früher, ehe sie zu uns kam.
„Und Du glaubst nicht, daß der Dickkopf, Dein Mann, nachgivt, daß et dem Jungen verzeiht?"
„(Es müßte etwas ganz Besonderes passieren,
von 1907 vorgenommene Zählung der Per. fonen, für die Beiträge zur Jnvalidenv«» ficherung entrichtet wurden, hat ergeben, daß die Zahl der Erwerbsfähigen der Altersklasien 60 bis 69 sich auf 495 828 stellt. Die Zählung stimmt somit fast genau mit der Fortschreitung von 1895 überein. Hiernach würde man bie Mehrbelastung nicht zu hoch anschlagen, wenn die elfteren Zahlen verwertet werden. Bei Herabsetzung der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahr« würde sich somit die Zahl der Alters- rentenempsänger um 170 655, bei Herabsetzung auf 60 Jahr« um 495 936 erhöhen. Die durchschnittliche Altersrente betrug im Jahre 1907 161,64 «M. Bei Zugrundelegung dieses Betrages ergibt sich eine jährliche Mehrbelastung durch die Herabsetzung auf 65 Jahre von 28,6 Millionen Mark, durch die Herabsetzung auf 60 Jahre von 80,2 Millionen Mark. Im ersteren Falle würden die Versicherungsträger 19,7 und das Reich 8,9 Millionen Mark, im letzteren die Versicherungsträger 55,4 und das Reich 24,8 Millionen Mark aufzubringen haben. Um die Bedeutung der letzteren Stimme zu übersehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß das Reich in den letzten Jahren einen Zuschuß von rund 50 Millionen Mark geleistet hat. Es würde sich also im ersteren Falle um eine Steigerung von 18 Prozent, im zweiten um rund 50 Prozent handeln. Es muß der Reicksverwaltung Recht gegeben werden, wenn sie der Meinung Ausdruck gibt, daß gegenüber dieser Mehrbelastung eine Herabsetzung der Altersgrenze nicht vor» geschlagen werden kann.
Zur Reichsfinanzreform.
Die „Kons. Korr." schreibt: Nachdem sich nunmehr ungefähr übersehen läßt, wie sich die Beschlußfassung der Finanzkom^ission des NeichS- tags inbezug auch auf die indirekten Steuern gestalten wird, ist ber engere Ausschuß der konservativen Pattei gestern in Berlin zu einer Sitzung zusammengetreten und hat folgenden Beschluß gefaßt: Der Ausschuß der kous-rvativen Pattet nimmt die vonseiten des Konservativen Landes- Vereins im Königreich Sachsen infolge besonderer Landesverhälwisse eingenommene Stellung zur Frage der Nachlaß- oder Erbanfallsteuer zur Kenntnis. Er beschließt für die Gesamtpattei: a) die konservative Reichstagsfraktion aufzufordern, so, wie bish-r. mit aller Entschiedenheit auf ein Zustandekommen der Reichsfinanzreform hinzuwirken, dabei jedoch an Stelle und zum vollen Ersatz einer Ausdehnung der Nachlaß- oder Erbanfallsteuer auf Kinder und Ehegatten, wogegen von der konservativen Delegiettenversammlung schon am 11. Dezember 1907 einmütig Stellung genommen worden ist. eine Reichswettzuwachssteuer in Verbindung mit anderen geeigneten Besitzsteuern vorzufchlagen. Was die indirkten Steuern anlangt, so wird empfohlen den Vorschlägen der Regierung, insbefondere inbezug auf Bier, Tabak und Branntwein im wesentlichen beizutreten. h) Dem sofort einzuberufenden Gesamtseufzte die Baronin, „etwas, das ihn in den Erundvesten feines Wesens packt und et» schüttert."
„Wollen wir auf dieses Wunder hoffen, Minchen, bei Gott ist kein Ding unmöglich, er kennt bie Mittel, um das hart« Menschenherz zu erweichen."
--Goldgelb wogten die Roggenfelder und roter Mohn und blaue Kornblumen leuchteten zwischen den Halmen, die nun bald geschnitten werden sollten. Hollen besaß schweren Boden, deshalb fand die Ernte später statt, als auf den Nachbargütern. Dieses Jahr hatte der liebe himmlisch« Vater Regen und Sonne, Wärme und Nässe zur rechten Zeit geschenkt, das Korn ging in schweren Wagen und die Aehren hingen tief hernieder.
„Morgen müsien wir mit dem Schneiden anfangen," hatte ber Baron zu feinem Inspektor gesagt.
„Heute gehe ich Kornblumen pflücken," dacht« Fee, die den Befehl des Großvaters hörte, „einen dicken Kranz soll Papas Bild bekommen, er liebt die blauen Blumen so sehr."
Gesagt, getan; das junge Mädchen begibt sich in der Nachmittagsstunde durch den Park auf das groß« Roggenfeld, das «ine Viertelstunde entfernt von Hollen an der Landstraße liegt Glühende Sonnenstrahlen schießen hernieder und Gewitterwolken ballen sich im Osten zusammen. Fee hat ihr leichtestes Kleid angelegt, es ist aus blauem Battist, Hals und Arme teilweise freigebend, leicht gebräunt ist die Haut und einige Sommersprossen treten auf dem Gesicht hervor, nicht genug, um es zu verunstalten, im Gegen»' teil, sie scheinen den pikanten Reiz der Züge z» erhöhen. In letzter Zeit ist der kindliche Aus» druck fast geschwunden, ein nachdenklicher Ernst verleiht der jungen Mronesie etwas über ihr» Jahre Verständiges. (Forts, folgt.) <