Einzelbild herunterladen
 

MechM Miuifl

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain G

und den Verlagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage."

44. Jahrg.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische ~ I " .. , , _, . _ ~ ~

Zeitung bet allen Postämtern und nnsern Zeitungsstellen in E^Elonsgedühr betragt für bie 7gespaltene Zeile

J13. efV Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. ***** ** oi)ec deren Raum 15 Pfennig, siic Reklamen 80 Pfennig.

Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2^5 Mk. (ohne ^nnnhn Qfhrif 1QAQ Druck und Verlag: Joh. «uz. Koch, Unioersttättbuchdruckerei

______________Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. öDnüIuy, «D. <iptU lifUa, Inhaber Dr. T. Hitze roth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Umschau im Auslande.

Der von mohammedanisch - kirchlicher Seite unternommene Versuch, das Reformwerk der Jungtürken und ihre Vorherrschaft in der Türkei zu stürzen, darf als gescheitert gelten. Dagegen ist noch nicht mit Gewißheit adzusehen, wie sich das Geschick des Sultans Abdul Hamid gestalten wird. Wenn auch der Rest der ihm bis zum be­waffneten Kampf gegen die jungtürkischen Armee­korps treu bleibenden Truppen ein sehr geringer sein dürste, so spielen doch andere wichtige Mo­mente mit, die die Stellung des Kalifen stärken. Als solcher ist Abdul Hamid unabsetzbar, falls er nicht dem Irrsinn verfallen sein sollte, und ob sich der Scheik ül Islam oder ein neuer Großmuftt bereit erklären wird, kraft seines Amtes dem Ka­lifen den Besitz seiner Geisteskräfte abzusprechen, erscheint sehr zweifelhaft. Zu einer gewaltsamen Entfernung des osmanischen Kaisers dürste eS mich deshalb nicht kommen, da sie kaum ohne einen Kampf gegen die von den Priestern auf- gestachelten Bolksmassen durchzuführen sein wird. Dadurch rückt die Intervention der Mächte in ge­fahrbringende Nähe. Sie würde die Jungtürken ihres Nimbus in allen Volkskreisen berauben, der schon durch den Verlust Bosniens und Ostrume- liens und durch die Unabhängigkeiterklärung Bul­gariens starke Einbuße erlitten hat. Und was weiß man von der Haltung der anderen Balkan­staaten, die sich doch seit langem schon als die Erben des Osmanenreiches fühlen? Man kann nur hoffen, daß die Jungtürken auch jetzt wieder ihre bereits einmal bewährte Mäßigung walten lassen und nichts unternehmen, was ihr Reform­werk und den Weiterbestand einer starken Türkei gefährdet.

In dieser Hinsicht können sie sich ein Beispiel nehmen an Rumänien, dessen König Karli, ftn Laufe eines Menschenalters aus den beiden in ttefster Barbarei befindlichenFürstentümern" Moldau und. Wallachei einen modernen, fest ge­fügten Staat gezimmert hat. Wir schließen uns den Glückwünschen an, die unser Kronprinz im Namen seines Vaters und der preußischen Armee dem greisen Hohenzollernkönig zu seinem 70. Ge­burtstag überbracht hat.

Durch die Balkanwirre,i ist das Interesse für denjenigen Sultan, der lange Zeit im Mittelpuntt der Erörterung stand, für Mulay H afid von Marokko, stark in den Hintergrund gedrängt worden. Ihm scheint es jetzt, nach kurzer unum­strittener Alleinherrschaft, nicht besonders zu gehen.

Doch werden wohl die Nachrichten, die von einer Gefährdung seiner Existenz melden, stark über­trieben sein und aus ttüber Quelle stammen.

Daß Frankreich bei den Unruhen gegen den sympathischen marokkanischen Fürsten seine Hände im Spiele habe, ist kaum anzunehmen. Das Land steht am Vorabend neuer großer innerer Umwälzungen; der 1. Mai soll den Ge­neralausstand aller Arbeiter bringen, während die Beamtenaus Rücksicht auf das Publikum", also nicht aus Ehrgefühl heraus, diesmal noch ab­gesagt haben; die nach dem Bosporus beorderten Kriegsschiffe waren seedienstunfähig und ihre Ge­schütze fehlerhaft montiert. Das Land geht eben an den Folgen seiner Revoluttonen, an dem Ver­luste der Achtung vor den Gesetzen und der Kirche langsam aber sicher zugrunde.

Mit besonders schmerzlichen Gefühlen dürste diese Auflösung von Großbritannien aus verfolgt werden. Schwindet doch somit immer mehr die englische Hoffnung, den guten alten fran- zöstschen Degen als Waffe gegen den gewalttgen Nebenbuhler in der Polittk und auf dem Welt- martte, Deutschland, verwenden zu können. Dieses Bewußffein dringt in immer weitere englische Kreise und macht Stimmung für uferlose Flotteu- und andere Rüstungspläne. Die Torypartei nutzt sie zu ihren Gunsten aus und rennt mit großem Erfolg Sturm gegen die liberale Regierung, deren Stunde bald geschlagen haben dürste.

Die Budgetkommissson und die Beamtendemonftration.

Die Beratung der Beamtenbesoldungsvor­lage wurde am Freitag in der Budgetkommis­sion des Reichstages begonnen. Zum Referen­ten über die gesamte Vorlage wurde der Abge­ordnete Dr. Dröscher (deutsch-konservativ) ge­wählt, auf dessen Vorschlag beschlossen wurde, zwei Lesungen in der Kommission zu veranstal­ten und einen schriftlichen Bericht durch ihn er­statten zu lassen. In der allgemeinen Aus­sprache wurde dann zunächst die am letzten Sonntag in Berlin veranstaltete Beamten­demonstration einer lebhaften Kritik un­terzogen. Von den Rednern aller Parteien wurde hervorgehoben, daß diese Versammlung weit über das Ziel hinausgeschossen und den Beamten mehr geschadet als genutzt habe. Ver­urteilt wurde auch, daf^ anscheinend verantwort­liche und unverantwortliche Ratgeber hinter dieserMache" ständen. Von nationalliberaler Seite wurde betont, daß dieDeutschen Nach­richten" die Versammlung veranstaltet hätten.

Dann nahm ein Konservativer das Wort und brachte das Bedauern seiner politischen Freunde darüber zum Ausdruck, daß solche Versammlun­gen wie die Mittelstandsversammlung und die Veamtenversammlung ausgenutzt würden, um einzelne Parteien in ihrer Objektivität zu be­einflussen. Hinter den Versammlungen stecke ein Mitglied des Reichsschatzamts, Herr v. Halle. Wenn der Staatssekretär erklärt habe, er wisse

35 (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele o. Schlippenbach.

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Fee ging am Rande des Grabens immer weiter und weiter, die Zeit der Kornblumen war eigentlich schon halb vorüber, nur hin uni» wieder leuchtete ihr tiefes Blau zwischen den Roggenfeldern hervor. Den Hut am Arm schritt Fee langsam daher, sie pflückte den brennend- roten Mohn und steckte ihn sich an die Brust Htti» in die blonden Flechten, die fast zu schwer für das zierliche Köpfchen erschienen.

Ich bin die Roggenmuhme," dachte sie,ich gehe heimlich durchs Korn und segne die Aehren. Ob ich nicht mein Haar löse und dadurch ihr noch ähnlicher sehe, so wie ich das Bild in mei­nem Märchenbuch bewunderte."

Sie blickte um sich, nirgends ein Mensch zu sehen, eine Lerche trillerte hoch oben ihr Lied und ein Häschen saß da und spitzte die Ohren, dann hüpfte es erschreckt weiter und verschwand im Felde. Eine übermütige Laune trat bei der Baronesse zutage, sie setzte sich am Graben nieder und flocht einen Kranz aus Mohn und Korn­blumen, zog die Nadeln aus dem Haar und flocht es auf. In prächtiger, leicht gewellter Fülle floß es an ihr nieder.

Nun noch den Kranz und ich sehe wahhaftig wie die Roggenmuhme aus," dachte Fee fröhlich, vielleicht finde ich jetzt eine Stelle, wo die blauen Blumen üppiger blühen."

Sie ging immer weiter, die Sonne hatte sich versteckt, dunkle Wolken zogen langsam über das Feld, aber in ihrem Eifer achtete Fee nicht darauf.

Ah! hier finde ich endlich, was ich brauche!" rief sie leise und erfreut,ganz blau ist der Roggen jenseits des Grabens."

Mit einem elastischen Sprung war die schlanke Gestalt drüben und stand bald mitten unter den Halmen, die sie überragten. Sie sammelte und pflückte, immer größer wurde der Strauß in ihrer Hand, dabei sang sie das Lied aus ihrem Märchenbuch, das Lied von der Beschützerin des Korns. Die süße Mädchenstimme mischte sich in das Jublieren der Lerche.

Ein hübsches Konzert," dachte der Mann, der auf dem Grenzstein ganz in der Nähe saß und dem Dopelgesang lauschte. Es war Hans Leopold, der eine neue Kubitze an der Klein- Troskaschen Grenze hatte aufwerfen lassen. Die Kubitze ist eine große, kreisförmige Erhöhung, die allmählich mit Gras bewächst, in alter Zeit war es Sirte, daß ein kleiner Bauernjunge auf dieser Stelle Prügel bekam, damit er sich als Greis in strittigen Fällen an das Entstehen des Merkzeichens erinnere.

Heute war es natürlich unterblieben, die Leute waren mit ihren Schaufeln fortgegangen und ihr junger Herr faß, eine Zigarette rauchend da. Sofort erkannte er Fee in der Sängerin^ mutwillig zuckte es um den Mund mit dem lan­gen Schnurrbart.

Ob ich sie nicht pfände," dachte der Baron, sie ist reizend, wenn sie mich mit den schwarz- braunen Augen anblitzt, man könnte es den samtweichen Sternen gar nicht zutrauen."

Er hustete ziemlich laut, das Lied ver­stummte, neugierig guckte der hübsche Mädchen­kopf zwischen den dichten Halmen hervor.

Ach! Sie sind es!" sagte Fee gleichgültig. Hans Leopold war mit einigen schnellen Schrit­ten an ihrer Seite, er umfaßte das liebreizende Bild mit so bewundernden Blicken, daß Fee er«

nichts von dem Ursprung dieser Versammlun­gen ,so nähmen seine Freunde gern Notiz von dieser Erklärung und glaubten ihr; damit sei die Sache aber nicht erschöpft; der Staatssekre- tär dürfe auch nicht dulden, daß ein Beamter feines Ressort» solche Agitationen veranlasse. Die Vorgänge der Beamtenversammlung seien höchst bedauerlich; die deutsche Beamtenschaft müsse eine solche höchst ungeeignete Vertretung ihrer Interessen mit Entrüstung zurückweisen; sie schade mehr als sie nütze.

Staatssekretär Sydow entgegnet, daß Herr v. Halle aus dem Marineamt von ihm über­nommen sei, um ihn in volkswirtschaftlichen Fragen zu unterstützen. Sollte er in der Agita­tion zu weit gegangen sein, so bedauere er dies lebhaft. Ein freisinniger Redner erklärte, daß es besser gewesen wäre, wenn die Regierung sich an den beiden Versammlungen nicht beteiligt hätte. Der Ton auf der Beamtenversammlung sei entschieden zu verurteilen. Ein Zentrums­abgeordneter, der selbst Postbeamter ist, stellte fest, daß die Beamtenversammlung kein Recht gehabt habe, im Namen aller Beamten zu sprechen. Der sogenannteDeutsche Beamten­bund" stehe überhaupt nur auf dem Papier. Der Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung teilte mit, daß ihm von verschißenen Beamten­organisationen, z. B. den Postbeamten, die leb­hafte Entrüstung über den Verlauf der Ver­sammlung ausgebrütft worden fei. Die Ver­sammlung könne überhaupt nicht den Anspruch erheben, im Namen der Beamtenschaft zu sprechen. Es sei nur ein Eeschäftsunternehmen derDeutschen Nachrichten". Von nationallibe- rater Seite wurde verlangt, daß die Beamten sich in der Agitation Beschränkung auferlegen müßten. Ein konservativer Redner betonte noch­mals, daß seine Partei keineswegs das Recht der Beamten beschränken wolle, aber gegen die Art und Weise der Sonntagsversammlung müsse energisch Verwahrung eingelegt werden. Das Vorgehen der Postbeamten sei dagegen durchaus loyal gewesen. Seine Partei werde sich trotz­dem durch die ganze öffentliche Agitation und Stimmungsmache der letzten Tage und Wochen nicht von einer objektiven und rein sachlichen Prüfung sowohl der Finanzreform wie der Be­soldungsvorlagen abdrängen lassen. Sie hofften dadurch am beften den Interessen des Vaterlan­des und dem Wohle aller Beamten zu dienen. Die Weiterberatung wurde dann auf nächsten Dienstag vertagt. Es liegt ein Antrag des Abg. Erzberger (Zentr.) vor, der die Besold­ungsgrundsätze zum Teil neu regeln und im Ge­setz festlegen will.

Die Militär-Revolution in der Türkei.

Der Sultan abgesetzt.

Köln, 23. April. DieKöln. Ztg." meldet aus Konstanttnopel von Mitternacht: In der heutigen geheimen Sitzung des Komitees in San Stefano, an der Abgeordnete und Senatoren teil- nahmen, wurde die Absetzung des Sultpns mit 150 Stimmen beschlossen. Bedenken bestehen le-

rötete, aber trotzig und kampfbereit senkte sie bie langen Wimpern nicht und um ihre Lippen grub sich ein verächtlicher Zug. Er bemerkte ihn und es reizte ihn, daher sagte er hastig:

Wissen Sie auch, daß ich Sie pfänden könnte?"

Wieso?" klang es schnippisch zurück.

Wieso?" äffte er ihren Ton nach,dies ist Klein-Troskasches Feld, sie stehen auf meiner Grenze und haben so und so viel Roggenhalme abgetreten, obgleich Sie winzige Füßchen haben, Fräulein Felicie von Rothenfeld."

Erschreckt blickte sie zu seiner stattlichen Größe empor, kaum bis zur Schulter reichte sie ihm.

Bitte, ich bin bereit, das Pfand zu bezah­len," entgegnet sie trotzig,wollen Sie meine goldene Uhr? Nein, Sie schütteln den Kopf, bann bas Armband, auch nicht? Was bann?

Er ist ganz nahe an Sie herangetreten unb hat ihre beiben Hänbe ergriffen, jein Atem geht schnell unb er fühlt, baß er int Begriff steht, eine Torheit zu begehen. Sie sind hier allein und nie­mand sieht sie. Wie, wenn er dem Drängen seines heißen Herzens nachgibt, wenn er sie plötz­lich an sich reißt unb biefe nachttiefen Augen küßt, bieses blonde, duftende Haar, den süßen, halboffenen Mund.

Ahnt sie, was feine Brust wie ein Orkan durchtobt? Zitternd, willenlos steht sie da, ge­fangen von den starken Männerhänden, versengt von dem leidenschaftlichen Blick, der auf sie nie­derfällt wie glühende Lohe. Sie ist wie erstarrt, sie entringt ihm nicht die Hände, ihr Köpfchen sinkt tief auf die Brust. Und in der Ferne grollt der Donner, schwefelgelbe Blitze zucken am Himmel und bie Luft ist schwer unb schwül.

Was ist es bann?" fragt Fee noch einmal beklommen, als ihr keine Antwort wird.

Wissen Sie es nicht, Set?

digltch über den Zeitpunkt der Absetzung. De» ' Scheich Ül Islam' soll ein Felwa darüber vor­bereiten. (Wiederholt.)

Der die Absetzung des Sultans legalisierende Fetwa des Scheich ül Islam liegt nach einer De- . pesche derFranks. Ztg." aus Konstantinopel be­reit und wird zugleich mit der Proklamie­rung des Prinzen Reschad zum Suita» Sonnabend verkündet werden.

Konstantinopel, 23. April. Wie bet Courier b Orient" angeblich auf Grund verläß­licher Informationen wissen will, habe die Ge­sundheit des Sultans unter dem Eindruck der letz­ten Ereignisse stark gelitten. Der Sultan leide an Gehirnstörungen, was die Aerzte sehr beunruhige. Diese Meldung scheint, dem Wiener K. K. Tele- graphen-Korresp.-Bureau zufolge, absichtlich lan- ziett zu sein. (Wiederholt.)

Sämtliche Prinzen und Prinzessinnen habe« bereits vorgestern in aller Heimlichkeit den Jildiz verlassen. Prinz Burhan Eddi», der Lieblings­sohn des Sultans, der an den letzten Vorgängen nicht unbeteiligt sein soll, wurde in den . Palast einer seiner Schwestern gebracht und soll von da auf einem Schiff geflohen fein.

Rach einer weiteren Meldung hat bet Kom­mandierende des Komitee Heeres feine letzten In­struktionen erteilt. Die Truppenkonzentrationen vor Konstantinopel sind beendet. 35 000 Mann lagern einige Kilometer vor der Stadt. Der Ein­marsch soll nun aufgenommen werden. Mahmud Mukhtar Pascha, der mit tausend Gendarmen aus Saloniki eintraf, wird dann den Sicherheitsdienst in Konstantinopel übernehmen.

WaS der Sultan dazu meint.

Konstantinopel, 23. April. Aus bet Umgebung des Sultans verlautet, daß ber Mon­arch sich entschlossen habe, auf keinen Fall frei­willig dem Thron zu entsagen, obgleich et von allen feinen Getreuen, mit Ausnahme des greife« Marschalls Edhem Pascha unb seiner persönliche« Leibgarde, bie aus 4000 Mann besteht, verlassen ist. Gesetzmäßig kann er von niemanden abgesetzt werden. Falls der Scheich ül Islam seine Macht zugunsten des jungtürkischen Komitees mißbraucht, und die Entthronung des Kalifen ausspricht, würde eine derartige Handlungsweise von viele«, Hunderttausenden unter englischer, französischer und russischer Herrschaft stehenden Moham­medanern auss schärfste gemißbilligt werden. Die gesamte Welt des Islams würde in Aufruhr ge­raten, falls man Hand an die geheiligte Person des Kalifen legen wollte.

DieDaily Maik" meldet aus Konstantinopel: Der Sultan lebt äußerst ruhig und ist nicht im geringsten für seine Zukunft besorgt. Er erklärt, daß er absolut nicht an der Bewegung gegen die Verfassung beteiligt sei. Er verurteilt diese Be­wegung und ist berett, dies zu beweisen. Er fürch­tet nichts, da fein Gewissen rein fei. Et verstände die Unmöglichkeit, die Truppen seiner Leibgarde

Zum erftenmale hört sie ihren Namen au» seinem Munde unb et klingt weich wie eine Liebkosung. ._ -

Nein," versetzt sie,wie sollte rch es wissen.

Er läßt die Hände, die er so fest umipannt hält sinken, der Kornblumenstrauß fällt zwischen ihnen zu Boden.

Da ist Ihr Eigentum," sagt sie,nun kann ich wohl gehen?"

Hans Leopold aber hebt die Blumen auf.

Wollen Sie mir eine schenken?" bittet er, das soll Ihr Loskauf fein."

Sie nimmt den Strauß aus feinen Hande« und will ihm eine der blauen Blüten reichen, da sagt er leise:

Nein, nicht von diesen da, bitte, eine vo« denen, die Sie im Haar tragen."

Verwirrt faßt Fee nach dem Kopf, sie hat es1 ganz vergessen, daß ihr Haar gelöst ist und er­rötet über und über. Er scheint sich an der hol­den Scham zu weiden; sie lieft in feinen Augen, daß er sie schön findet, er sagt es ihr ohne Worte und huldigt ihr wie feiner Königin.

Der Kranz ist schnell abgenommen und Fee hält eine Kornblume zwischen den Fingern.

Bitte," sie reicht sie Hans Leopold mit ge­senkten Lidern. . ,

Nicht so," sagt er,Sie müssen sie mir selbst anstecken."

Und während sie es tut, streicht er leicht übet das goldblonde Eelock. . , ,

Welch herrliches Haar! sagt et bewundernd.

Sie gerät sofort wieder in Harnisch und tritt einige Schritte seitwärts, mit der ihr eigenen stolzen Bewegung wirft sie den Kopf in ben Nacken.

Das behält man für sich," sagt sie mit küh­ler Abwehr.

i _ _ (Fortsetzung folgt.)