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Marburg

Sonntag, 25. April 1909.

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E55ESSS»

44 Jahrg

Drittes Blatt.

Vor hundert Jahren. Unter französischer Herrschaft, Von L. Müller.

. 1809 war es, als allenthalben

J beut^en Lande die Reaktion gegen die fran« zöstsche Fremdherrschaft zu Erhebungen des Volkes unter tapferen Männern führet. Der be- deutendste dieser Aufstände ist-der des Major, von Schill, des Kommandeurs be» Leibhusaren- Regiment« in Berlin.

Aber auch in Hessen hatte sich ein Mann ge. sunden, der vermöge seiner Stellung und Kennt. msse, sowie seiner patriotischen Gesinnung ge« eignet erschien, den Aufstand zu leiten. Es war. dieses der Freiherr Wilhelm Caspar Ferdinand von Dörnberg, welcher am 14. April 1768 auf bem Schlosse Hausen bet Oberaula geboren war. 1792 wurde et hessischer Premierleutnant im Garde-Regiment, wo er am 2. Dezember bei bem Sturm auf Frankfurt einer der ersten war, welcher in die Stadt einrückt. Rach dem Friedensschluß wurde Dörnberg überzählig und trat in preußische Dienste, wo er unter York den Kampf bei Lübeck mitmachte und nach dessen unglücklichem Ausgang in ftanzöstsche Gefangen­schaft geriet. Als Jerome nach seinem ReKer- ungsantritte allen in auswärtigem Dienste stehenden Westfalen bei Verlust ihrer Güter aus- zutreten befohlen hatte, schied der au» bet Ge­fangenschaft entlassene Major aus dem preußi­schen Dienste und begab sich nach seinem Stamm- gute Hausen, woselbst er im Echeimen für seine Befreiungspläne Anhänger zu erwerben suchte, als von Jerome die Ordre nebst einem Patent als Chef des neu zu gründenden Garde-Grena- dier-Bataillons an Dörnberg gelangte. So un­gelegen und peinlich ihm diese Auszeichnung war, so durfte er sie nicht zurückweisen. Am 18. Mai 1808 wurde Dörnberg Oberst und Kom­mandeur des in Marburg errichtenden Elite- Bataillons, unter welchem er im Geheimen wirkte und viele Anhänger für sein geplante» Unternehmen fand, sowohl unter den Offizieren wie seinen Soldaten. Zum Zwecke eines Zu­sammentreffens mit den anderen in Hessen in das Geheimnis eingeweihte Verbündeten war das im Mittelpunkt zwischen Cassel und Mar­burg gelegene Städtchen Homberg ausersehen. Das dortige Stift Wallenstein für altadelige Damen war der Versammlungsort bei Ver­schworenen. Die darinnen wohnenden Damen hatten eine ausgebreitete Verwandtschaft unter bem hessischen Adel und so konnte es keinen Ver­dacht erregen, wenn sehr häufig Landedelleute unter dem Schein) des Besuches da einkehrten. Auch die Damen selbst wtrtten mit, vor allem Marianne von Stein, die Schwester de» preußi­schen Ministers, ebenso Karoline von Baum­bach, von hier wurde auch eine Verbindung mit den Häuptern des Aufstandes in Berlin unter­halten. Den größten Anhang fand Dörnberg unter den niederen Schichten bet Bevölkerung und an den patriotischen Vereinen, welche sich in Hoffen gebildet hatten. Ein Hauptagitator wat der Friedensrichter Peter Martin in Frielen­dorf in der Nähe von Homberg. Martin ftanb an der Spitze eines solchen Patriotenvereins, der sich die Verjagung der Franzosen und Wie­dereinsetzung des Kurfüsten zur Aufgabe gemacht hatte. Auch Martins Vater, ein würdiger Geistlicher. Metropolitan zu Homberg, übte großen Einfluß auf die Bewohner des Schwalm­grundes aus. In den Gegenden von Fritzlar, Gudensberg. Ziegenhain und Treysa, wo ftüher hessische Garnisonen waren, wohnte eine groß« Anzahl früherer Soldaten und Offiziere, die schon an dem Aufstande von 1806 Anteil ge­nommen hatten, diese unterstützten die Beweg­ung in ausgiebigstem Maße. Alle erkannten Dörnberg als ihr Oberhaupt an. Der Plan, welchen die Verschworenen in Berlin, Wien und London entworfen und dem auch Dörnberg bei­getreten war, war folgender: Dörnberg ent­flammt an einem Tag ganz Heffen, bemächtigt sich der Person des Königs unb macht die west­fälischen Truppen unschädlich, in dem anderen Teile von Westfalen wirken Schill, Katt und Hirschfeld unter des Ersteren Führung, diese überschreiten die Elbe, nehmen Magdeburg, bringen das Harz- und Saale-Departement zum Aufstand, marschieren nach Kurheffen, wo sie sich mit Dörnberg vereinigen. Die Engländer landen in den Nordseehöfen und besetzen von da Hannover, das österreichische Korps unter Her­zog Ferdinand rückt verstärkt durch die Truppen des Kurfürsten von Heffen und des Herzogs von Braunschweig-Oels durch Sachsen nach West­falen. Dörnberg sandte seinen Bruder Fritz zum Kurfürsten, ließ ihm den Plan mittdten und um Unterstützung bitten. Das Einzige, was bet Abgesandte erlangte, war eine An­weisung von 30 000 Taler, zahlbar, wenn bet Man gelungen war. Dem Kurfürsten schickte

man seinen Kreditbrief zurück. Im Februar 1809 erhielt das Dörnbergsche Jägerbataillon Befehl, mit nach Spanien zu marschieren, schon in Mainz angekvmmen, erhielt Dörnberg Contre-Ordre, daß er in Caffel bas Kommando der Garde-Jäger übernehmen solle. Dörnberg befürchtete zuerst Verrat, am 28. Februar traf er in Caffel ein, wo er sein Bataillon übernahm, die Befürchtung war eine Täuschung gewesen. Inzwischen war der Abmarsch der Franzosen die Veranlassung zu einem verfrühten Ausbruch des Aufstandes an der Elbe gewesen. Der Premierleutnant v. Katt hatte, unterstützt von Eugen v. Hirschfeld, die Einnahme Magdeburgs geplant. In Stendal, wo er zu den Waffen ries, schloffen sich ihm Viele an, von da ging es nach Wolmirstedt, wo es zwischen bem Gouver­neur Michaud zu einem erbitterten Kampfe kam, in bem die Aufständischen bet Uebermacht unterlagen. Katt und Hirschfeld, sowie 11 Offi­ziere konnten sich retten. Dörnberg wurde hier­durch nicht wankend gemacht. Im April 1809 glaubte man so weit vorgeschritten zu sein, um den'Aufstand beginnen zu können. Als der Tag des Losschlagens war erst der 24. April be­stimmt, den König mit seinen Generälen wollte man in seiner Residenz gefangen nehmen. In der Umgegend der Residenz, in Wolshagen, Hof­geismar, Münden, Gudensberg und Homberg sollte bet Aufstand proklamiert werden, die Landleute sollten durch die Sturmglocken zu- fanrmengerufen und mit Waffen versehen wer­den. Mit Hülfe seiner beiden Jägerbataillone hoffte Dörnberg der königlichen Garde gewach­sen zu sein. Infolge anderer Anordnungen Marttns war Dörnberg gezwungen, schon am 22. April loszuschlagen. Schauerlich ertönte an diesem Tage das Sturmgeläute der drei Glocken vom Homburger Kirchtum und weckte den Widerhall von den Dörfern des Schwalm- unb (Ebertales. Ganze Dörfer rückten aus, die Greben an der Spitze, bewaffnet mit Sensen, Heugabeln, Aexten und Flinten. Zum Westen- heimer Tore in Homberg hinein zog der Frie­densrichter, jetzt der Oberst Martin, an der Spitze der Schwälmer in Uniform. Zum Holz­häusertor in Homberg kamen die Bauern aus Almuthshausen, Rodemann und Waßmuths­hausen unter Führung des Försters Kleqen- steuber, zum Obertore kamen die Gemeinden Sippertshausen, Dickettshausen, Mörshausen und Hombergshausen unter Anführung eines hessischen Grenadiers in Uniform. Inzwischen marschierten die in Homberg liegenden zwei Schwadronen Kürassiere auf dem Marktplätze auf, ihre Kommandeure fehlten, Leutnant von Eiesewald und v. Meißen übernahmen das Kommando. Da erschien in priesterlichem Ornat der greise Metropolitan Martin und verlas mit lauter Stimme die Aufstandsproklamation. Ein Detachement Kürassiere ward nach Felsberg, eins nach Ziegenhain und eins nach Wolfhagen geschickt, um dort den Aufstand zu unterstützen. Wenn aber Martin glaubte, in den zusammen­geströmten Bauern kampfbereite Scharen zu fin­den, so hatte er sich getäuscht, undisziplinierte und für alle Subordination unzugängliche Hau­fen waren es. Am Abend gegen 5 Uhr erschien Dörnberg auf schweißbÄecktem Pferde. Die Verschwörung war dem König durch seinen Kammerherrn von Jagow, ein geborener Preuße, verraten worden und Dörnberg hatte nichts eiliger, als seinem Pferde die Sporen zu geben und Caffel den Rücken zu kehren. In Homberg angekommen, sammelten sich sofort die Füherr um Dörnberg und folgten ihm ins Stiftsgebäude, wo die Nachricht, welche Dörn­berg mitbrachte, gar niederschmetternd auf sie wirkte. Er nahm jetzt die Leitung des Ganzen in die Hand, vor allem wurden Wachtposten ausgestellt. Da kam die Nachricht, daß Küras­siere im Anzug seien. Eilends ritt Dörnberg bet Gegend zu und sah die 4 Schwadrgnen Kürassiere, die in Melsungen in Garnison lagen, unter Führung ihres Obersten Marschall heran- kommen. Dörnberg ritt an den Oberst heran und fragte:Kommen Sie in feindlicher Ab­sicht, Herr Oberst?"Nein?" Dörnberg schil­derte nun in beredten Worten die Lage des Vaterlandes und suchte den Oberst zu über­reden, ihm zu helfen. Dieser erwiderte:Er bedauere sehr, Dörnberg an der Spitze der Re- bellen zu sehen." Das Einzige, was er einging, war das Versprechen, bis zum nächsten Tage neutral zu bleiben und seine Reiter nach Mel­sungen zurückzubringen. Dörnberg unternahm nun die schwere Aufgabe, die Insurgenten zu ordnen. Die ehemaligen Soldaten wurden in 4 Kompagnien eingeteilt, ein Teil war mit Schußwaffen versehen, wahrend andere Sensen, Heu- oder Mistgabeln trugen. Viele, die am Morgen mit den besten Vorsätzen gekommen waren, zogen verstimmt durch das lange War­ten unb den Genuß von vielem Branntwein des Abend» wieder beim. Trotz der ungünstigen Verhältnifle beschloß man, noch Abend» abzu- marschieren unb loszuschlagen, um nicht durch ein längere. Zögern den Plan -an- zu ver­

eiteln. Um 1 Uhr marschierten sämtliche Insur­genten auf dem Marktplatz von Homberg auf. Vor der Front entfaltete Karoline von Baum­bach, angetan mit weißem Gewand und blut­roter Schärpe, ein rotweißes Banner mit der Dvise:Sieg oder Tod fürs Vaterland", und üb rreichte es Dörnberg, der mit entblößtem Haupte die Fahne nahm und mit lauter Stimme sprach:Ja Sieg oder Tod." Das Kommando unter die Konpagnken wurde verteilt: die erste führte Martin, die zweite der Forstinspektor von Buttlar, die dritte Georg von Dallwigk, die vierte der Sohn des Postmeisters Homburg von Homberg. Gegen 8 Uhr begann der Abmarsch, Philipp Ehrenfeld, ein Tuchmacher aus Hom­berg, trug die Fahne.Vorwätts Marsch!" er­tönte das Kommando und unter Trommelschlag und Gesang setzten sie sich in Bewegung. Unter­wegs ertönten die Sturmglocken unb neue Truppen schloffen sich bem Zuge an.

(Fortsetzung folgt.)

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 6 18 de- Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberheff. Zig." gestattet.)

Marburg, 24. April.

* Markustag. Dem Gedenken an den Apostel und Evangelisten Markus ist der heutige 25. April gewidmet. Nicht allgemein bekannt sein dürfte es jedoch, daß man diesem Evangelisten ein Gebäck gewidmet hat, welches jetzt aller­dings vornehmlich ein Weihnachsgebäck gewor­den ist, nämlich das Marzipan. Während einer Hungersnot im Jahre 1409 mußten die Armen, da alles (Betreibe durch die Regengüße vernich­tet war, ihr Brot aus einem Teig von zer­hacktem Heu. Gras und Baumrinde backen. Weil nun besonders am Markustag viele Menschen starben, wurde dieses Hungerbrot Markusbrot genannt. Als dann das Frühjahr 1410 eine ge­segnete und gedeihliche Witterung brachte, fei­erte das aus schwerer Not gerettete Volk dem heiligen Markus ein Dankesfest. Dazu berei­teten die Hausfrauen in (Erinnerung an das dürre Hungersbrot aus geriebenen Mandeln, Zucker unb feinem Gewürz nußförmige Brot- biffen, die man Markusbrotchen Marei panis (Marzipan) nannte. Nach der alten Ueberlie- fetung soll sich dies in Venedig ereignet haben und seitdem ist Markus nicht nur der Schutz­patron dieser Stadt, sondern auch derjenige der Bäcker. Nach einer anderen Leseart soll dem Wort Marzipan das lateinische panis Martins (Märzbrot) zu Grunde liegen, so daß der römische Kriegsgott Mars und nicht der Evan­gelist Markus der Taufpate dieses Gebäcks wäre. Wie bem auch sei, wir wollen uns jedenfalls das Marzipan gut schmecken laßen, nicht nur zu Weihnachten, sondern auch am Markustag. Von alten Volksbräuchen am Markustag ist wenig bekannt. Die Bäcker, deren Schutzpatron der Heilige ist, begingen ehemals den Tag fest­lich durch einen Umzug mit darauffolgendem Schmaus.

* Maibowle. Das Wunderkräutlein Wald­meister ist wieder da, wenn es auch draußen nur langsam Frühling werden will, und der Wonnemonat Mai erst in einigen Tagen seinen Einzug hält. Mai unb Waldmeister find unzer­trennliche Begriffe, der Maitrank, die Mai­bowle aus frischen Kräutern, nicht aus bem bas ganze Jahr hindurch erhältlichen Extrakt, das ist der Göttertrank der jetzigen Jahreszeit.Doch habe Acht unb nimm dich in Acht, der Mai­trank hat manchen schon umgebracht!" Das ist natürlich nur bildlich zu nehmen, aber trotzdem nicht weniger beherzigenswert. Es steckt ein kleiner Teufel im Waldmeister unb wenn man die Kräuter zu lange im Wein ziehen läßt, bann entschlüpft er seiner grünen Behausung unb nimmt seinen Wohnsitz im Kopf bes tapferen Zechers, wo er bann flanbaliert unb allerlei Unfug treibt. Unpoetische Sterbliche nennen die Folgen davon dannHaarwurzelweh". Wer bet (Entberfer bes Waldmeisters unb seiner edlen Eigenschaft als Bowlenspender ist, steht histo­risch nicht fest. Die alten Germanen kannten die Maibowle jedenfalls noch nicht, erst ihre feinschmeckerischen Nachkommen wußten sie zu schätzen. Jedenfalls ist die Heimat der Mai­bowlen am Rhein zu suchen. Und wer einmal an einem herrlichen Maiabend hn Siebenge­birge gesessen, zu Füßen den alten Vater Rhein, vor sich seinHümpchen" (wie man es dort nennt) Maibowle, dem geht das Herz auf, bet vermag, unb wenn et bis dahin der ärgste Phi­lister gewesen wäre, unsere bekannten modernen Lyttker, wie Otto Roquette, Julius Wolff und Johannes Trojan zu verstehen, die bem eblen Trank finnige Verse widmeten.

* Zur Bekämpfung de« Borgunwesen». In Luxemburg wendet die Regierung seit Jahren bet Förderung deS Mittelstandes ein ganz besonder e» Jnteresse zu. Nunmehr hat sie einen Gesetzent­wurf eingebracht, der bestimmt ist, dem heute f»

viel beklagten Hebet des Borgunwesens zu fteu em. Die Kaufleute und Handwerker sollen da­nach ermächtigt werden, von ihren Schuldfor­derungen, die sich auf den Detailverkauf und aus Arbeitsliefemngen beziehen, zwei Prozent Zinse» zu fordern, und zwar nach Ablauf deS dritten Mo­nats nach erfolgter Lieferung. Die Zinsfor- berung soll jedoch nur bann berechtigt fein, wenn der Kaufmann oder der Handwerker seinem Schuldner im gleichen Monat der Lieferung eine genaue Rechnung zuschickt und den Empfang der­selben bestätigt erhalten hat. Gleichzeitig muß die Rechnung die Tertwiedergabe der erstgenann­ten Bestimmung des Gesetzes enthalten. Die Re­gierung in Luxemburg will demnach den Detail­listen und Handwerkern ein Mittel an die Hand geben, sich vor den Folgen der Borgwirtschast zu schützen. Auch bezweckt her Entwurf offenbar eine erziehliche Einwirkung auf das Publikum Dieses soll mehr und mehr zur Barzahlung über­gehen. Der Entwurf ist ferner geeignet, auf die Geschäftsführung der Handwerker unb Detaillisten selbst reformierend einzuwirken. Der Erfolg des Entwurfs aber ist, falls er Gesetz werden sollte, wesentlich bedingt durch das Verhalten der Kauf­leute und Handwerker. Er gibt letzteren nur das Mittel an die Hand; von ihnen hängt es ab, in­wieweit sie Gebrauch davon machen wollen. Das Gesetz bedarf daher in hohem Maße bet Mitwir­kung der Detaillisten- und Handwerkervereini­gungen, die ihre Angehöttgen fottgesetzt auf die Votteile des Gesetzes aufmerffam machen müßen. So kommt man denn auch hier, wie-bei den Er- örterungen über die Borgwirtschast in Deutsch­land, zu dem Resultate, daß ohne eine tatkräftige und systematisch organisiette Selbsthilfe an eine erfolgreiche Bekämpfung des Hebels nicht z»

-denken ist, da dieser der Hauptteil der Arbeit zu­fallen muß. Auffällig ist übrigens der gering« Zinsfuß. Deutschen Verhältnissen würden 2 Pro­zent jedenfalls nicht entsprechen. Bei uns habe» angesichts der enormen Zinshöhe von zeitweilig 810 Prozent während der letzten Jahre bk Handwerker schon mit Recht über den Zinssatz von 4 Prozent, den sie in Anrechnung bringen dürfen, als zu niedrig, lebhafte Klage geführt.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Witzenhausen, 22. April. Ein Braunkohlen- feld im Flächenmaß von 2199 967 Quadrat­metern ist vom Königl. Oberbergamt Clausthal (Harz) den Baßaltwerken Heßelbühl-Kausun- gen, E. m. b. H. in Linden-Hannover, unter bem NamenElise" verliehen roorben; das Feld liegt in den Eemeindebezirken Roßbach, Groß­almerode und Trubenhausen im Kreise Witzen­hausen.

Kleinlinden, 22. April. Die Bahnstrecke Rockenberg-Griedel wird endgültig am 1. Mai eröffnet. Es verkehren täglich sechs Züge ab Butzbach.

Worms, 22. April. In einer unangnefpnen Lage befand sich vor wenigen Tagen das hiesige städtische Krankenhaus. Seine etwa 200 In- saffe.i hatten eines Morgens keine Brötchen unb Backwaren, da sämtliche Bäcker die Lieferung verweigerten. Der Konflitt zwischen letzteren unb der Bürgermeisterei war dadurch entstan­den, daß die jährliche Lieferung in Höhe von 20 000 JA freihändig oder durch Submission ver­geben werden sollte, während die Innung die Beteiligung aller ihrer Mitglieder in einem regelmäßigen Turnus wünschte. Vorläufig mußte die Lieferung auf Grund des § 188 des heß. Polizeistrafgesetzbuches, wonach Bäcker unb Metzger zu liefern verpflichtet sind, erzwungen werben.

Unpolitische Tagesnachrichten.

Trier, 22. April. Durch bie Wellen eines Dampfschiffes wurde bei Trier die Leiche eines unbekannten älteren Mannes ans Ufer gespült. Schwere Kopfverletzungen machen ein Ver­brechen wahrscheinlich.

Gesundheitspflege.

Gegen übelriechenden Atem und Fäulnis der Zähne ist ein vorzügliches Mittel übermangan­saures Äalt. Bon der konzentrierten Lösung der­selben gibt man 510 Tropfen in ein mit lau­warmem Wasser halb gestilltes Glas und spült sich damtt am besten nach jeder Mahlzeit den Mund gehörig aus. Der schlechte Geruch berfiert sich sehr schnell, wenn et, wie in den meisten Fällen, seine Hrsache im Munde hat. Hilft diese» Mittel nicht, so ist der Grund batin zu such«, daß der schlechte Geruch au» dem Magen kommt, in welchem Falle dann bet Arzt zu Rate gezogqz werden muß. ,