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(Nachdruck verboten.)
68,9 v. H. erfolglos. Ein erheblicher llnter- fchiÄ hinsichtlich des Erfolges der Berufung gegen Entscheidungen der Einzelrichter und der Kollegialgerichte ergibt sich hiernach also auch nicht.
I bitte, für die telegraphische Mitteilung meine* Dank entgegenzunehmen. Ich setze in die Vertretung des deutschen Volkes das feste Vertrauen, daß sie bei ihrer endgülttgen Entschließung über die von den verbündeten Regiemngen vorgelegten I Steuergesetze nur von Rücksichten auf das All« I gemeinwohl letten lassen wird. Reichskanzler
Fürst Bülow.«
I Die Finanzkommiffion wehrt sich.
I Berlin, 21. April. Die Finanzkommission des I Reichstags wandte sich einmütig gegen die Vor I würfe aus der Presse, Versammlungen und dem I Publikum, daß die Kommission die Arbeiten der- | schleppt habe. Ein solches Urteil-sei leicht Zeuge I von gänzlicher Unkenntnis mit dem Umfange und I der Schwierigkeit der Kommissionsarbeiten, wenn I nicht gar von bösem Willen. Auch sei bedauerlich, I daß der Reichskanzler gestern bei den: Dmpfan I der verschiedenen Deputationen diesen
I Kritik an der Tätigkeit der Kommission geübt I habe. Staatssekretär Sydow erklärte, er wohnt« I dem gestrigen Empfang bei; es seien seitens des I Reichskanzlers weder Worte der Kritik, noch bei I Nichtachtung gegen den Reichstag ober die Koin- I Mission gefallen. Er sagte die Vorlegung eines I authentischen Berichtes über den Empfang und den Worüaut der Ansprachen zu. Die Deputationen seien von der Bevölkerung nur aus Sorge um das Gelingen der Finanzreform entsandt worden.
Die Herkunft der preußischen Lehrer.
Das neueste Heft der „Preußischen Statistik" bringt interessante Untersuchungen über die persönlichen VerhälMiffe der preußischen Volksschuk- lehrer im Jahre 1906. Danach entfielen auf städtische Schulen 46 569, auf ländliche 86 737 Lehrkräfte. Ihrer Herkunft nach stammen 33 v. tz. der Lehrer aus der Landwirtschaft, 27 v. H. auS der Industrie, 23 v. H. aus Beamtenkreisen, 12 v. H. aus dem Handel, der Rest aus anderen Berufen. Unter den weiblichen Lehrkräften Ware* 14 v. H. Beamten- und 16 v. H. Lehrertöchter. 65 V H. der Lehrer waren evangelisch, 34,60 v. H. katholisch, 0,38 V H. mosaisch; % der Lehrer imu- ledig, % verheiratet ober verwitwet, unter scu Lehrerinnen gab es nur 18 verheiratete.
Saatenstand in Preußen.
Berlin, 20. April. Wenn 2 gut, 3 mittel und 4 gering bedeutet: Winterweizen 3,2 (im April des Vorjahres 2,75, Winterspelz 2,7 (2,5), Winterroggen 3,1 (2,7), Rabs und Rüben 3,5 (2,7), Klee 2,9 (2,6), Rieselwtesen 3.2 (2,7) und andere Wiesen 3,7 (3,1). In den Bemerkungen der „Statist. Korresp" wird darauf hingewiesen, daß die Saaten trotz der starken Kahlfröste im Oftober und November verhälmismößig günstig überwintert haben, daß aber die nach der Schneeschmelze im März eingetretenen starken Nachtfröste das Wachstum fast gänzlich verhinderten. Nachrichten über VernichMngen durch schädliche Tiere liegen nur ganz vereinzelt vor. Infolge der durch die Trockenheit im Herbst verursachten Härte des Bo- !
Marburg
Freitag. 23. April 1909.
wurde der Divisionsgeneral Emin, der Kom- , Mandant bet 12. Division in Diarbekir, zum Marineminister ernannt.
Einigung?
Konstantinopel. 21. April. Der bereits gemeldete Umschwung in der Auffassung der maßgebenden türkischen Kreise führte zu einer Verständigung zwischen der Regierung und der Leitung der mazäwnischen Truppen. Folgendes ist die Grundlage dieser Verständigung: Die Absetzung de« Sultans wird fallen gelassen; der größte Teil der hiesigen Garnison wird entlassen und durch Saloniker Gendarmen. t'A den Sicherheitsdienst übernehmen, ersetzt. Tie Saloniker Truppen, deren Vorhut sich bereits dicht vor bet Stadt befindet, werden vorläufig nicht einmal» schieren. Die Regierung wird einen entsprechenden Aufruf an die Bevölkerung erlassen. Alle Truppen werden einen neuen Eid leisten. Die Regierung übernimmt die Bürgschaft für die Unterwerfung der gesamten Garnison mit Ausnahme eines kleinen Teiles der Jildizbefatzung. Die Kriegsflotte wird zu Manöverübungen den Hafen verlassen.
Unruhen in bet Provinz.
Rom, 21. April. „Agence Stefani" meldet aus Konstantinopel: Konsulardepeichen zufolge fanden in Antiochien und Markyrikan Ee- metzel statt. In Zeitun herrscht Revolution: die Kurden rücken auf Aleppo vor, wo die Lage sehr ernst ist. Der Walt verfügt nur über ein einziges Bataillon; er hat nicht genügend Mann- schäften, um die Ordnung in der Stadt und im Lande aufrecht zu erhalten. Dem Vernehmen nach weigern sich die Offiziere des Bataillons in Aleppo, die dem Komitee für Einheit und Fortschritt angehören, den Anweisungen des Mali zu gehorchen. In Beirut herrscht wegen der Gemetzel in Mersina, Adana und Alexan- i breite große Beunruhiguig, doch wurde die Ordnung noch nicht gestört.
Im Wilajet Alepo greifen die Ruhestörungen weiter um sich. In Antakije und Biredschik kam es zu Ausschreitungen. Die Engländer und andere Fremde flüchteten in das englische Vizekonsulat. Der englische Kreuzer „Diana" landete in Alexandretta 50 Mann.
Köln, 21. April. Die „Köln Ztg." meldet I aus Konstantinopel: Alle Ingenieure des Holz- I mannschen Baugeschäftes In Frankfurt a. M., I die am Bau der Bagdadbahn in Bagdscheh, östlich I von Adana beschäftigt waren, sind mit ihren I Familien gerettet. Auf dringendes Betreiben I der Direktion der Bagdadbahn sandten die Be- I Hörden Truppen, die die Ingenieure vor der Nie- I dermetzelung durch die Kurden rettete. I
»Oberhessk.che Zeitung« nebst ihren Beilagen werdet; noch von unserer Expedition /(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain. Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriefträgern ent« gegengenommcn.
Politische Umschau.
Fürst Bülow au den Alldeutschen Berbanv.
Mainz, 21. April. Der Reichskanzler hat an den Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes, Rechtsanwalt Claaß in Mainz, folgende Kundgebung gerichtet: „Von der Resolution des Alldeutschen Verbandes zugunsten einer beschleunigten Erledigung der Reichs sinanzreform habe ich mit Genugtuung Kenntnis genommen und ich
Bestellungen für die Monate Mat und Juni auf die
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain»
und den Beilagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltmgsbeilage) und »Landw'rrtschafMche Beuage
Di» Jns.rtionSg.bühr betrögt für die 7gespaltene Seile
»bet deren Raum 15 Pfennig, für Rellam«. §0 Pfennig. — . . ry^r... • Druck und Berlaa: Joh. «ug. Koch, UaioersttätSbuchdruckerri JugTflt Inhaber Dr. «. Hitzeroth, Marburg, Markt 31. — Telephon 55.
I feilst das schöne Reitpferd, nur schilt mich nicht I und verzeihe meinem armen Papa," schluchzt sie; I „steh ihn an, so sieht er aas. Ich weiß, er hat I Heimweh gehabt nach Dir, nach Hollen und nach I mir, als er das Bild machen ließ. Sieht er I nicht einzig gut und lieb aus, so fein und vot- I nehm!"
I Rothenfeld lachte grimmig, obgleich et es selbst findet.
I „3 u fein und aristokratisch für einen Zitkus- I direktor," höhnt er.
„Aber im Herbst ist et es nicht mehr, dann tritt et in das Privatleben zurück!" ruft Fee. „Ach! lieber, lieber Großpapa, wenn Du ihm doch verzeihen wolltest, er käme so gern nach Kurland, um hier zu bleiben."
„Nimm Dein Bild und verlaß mich," herrscht
I der Greis das junge, erregte Wesen an. „Du fuchst mich vergebens zu betören, das schreibe ihm gefälligst."
Fee wirft den Kopf in den Nacken, es blitzt energisch in den dunklen Augen, sie gleicht jetzt den alten Rittern ihres Geschlechts, wenn sie in den Kampf zogen und Baron Adam denkt: „Das ist Blut von meinem Blut, d i e Rasse verleugnet sich nicht."
„Und ich will nicht mübe werden, an Dein $erj zu klopfen," sagt sie fest, „einmal m u ß es doch weich werden, Großpapa, ich gebe die Hoffnung nicht auf."
Sie geht und läßt das Bild auf dein Schreib« ti|Q, es soll in stummer Sprache zum Vater reden. —
Tage später findet sie es in ihrem Zim- es dorthin gebracht? Hat es vielleicht doch zum verbitterten Herzen des Greifes gesprochen?,
Die Militär-Revolution in der Türkei.
I Der Gang der Ereignisse.
| Konstantinopel, 21. April. Die Halt- I ung der Besatzung einiger Kriegsschiffe ist noch I nicht ganz aufgeklärt. Vorgestern soll die Be- I satzung des Panzerschiffes „Messudije" vor dem I Iildiz demonstriert und versprochen haben, sich I für den Sultan zu opfern: sie wollte angeblich I mit den anderen nach San Stefano ziehen.
„Sabah" zufolge soll der Kommandant des Panzers „Messudije" zur vorrückenden Armee berufen worden sein. Rach den heutigen Meldungen scheint der Anschluß des größten Teiles der Marine an die vorrückende Armee gesichert. Nach türkischen Blättern setzten der Polizeiminister und andere Persönlichkeiten die Untersuchung über die Ereignisse der vorigen Woche fort. Die Anstifter und Hauptwerkzeuge, sowie der Zweck der Unterdrückung der Verfassung seien bereits festgestellt. — Die gesamte türkische Presse, auch jene Blätter, deren Haltung in der letzten Zeit zweifelhaft war, erklärt die Verfassung für gesichert.
Konstantinopel, 21. April. Außer den Wilajets Saloniki. Uesküb, Monaftir, Adriano- pel und Janina, erkennen auch vier Wilajets in Kleinasien die Regierung nicht an und weifen ihre Befehle zurück. Der Korpskommandant von Saloniki wendete sich an alle Korpsbereiche und hat sie zum Anschluß aufgefordert: bisher ist nur von Seiten des vierten Korpskommandos in Et- zingjan ein formeller Anschluß erfolgt, die übrigen Kommandos scheinen zu schwanken. — Von einzelnen Truppenkommandos im übrigen Korpsbereiche sollen bereits Zustimmungs- oder Anschlußerklärungen vorliegen.
Konstantinopel, 21. April. Der Sohn des Sultans, Prinz MehmÄ» Burhan Effendi, den die öffentliche Meinung als bei den letzten Ereignissen kompromittiert betrachtet, hat an einige Blätter ein Schreiben gerichtet, in dem et das Gerücht für falsch erklärt, daß er sich vorige Woche unter die vor dem Iildiz demonstrierenden Artilleristen gemischt habe, und auch andere Gerüchte bestreitet. — Die Zahl der in der letzten Woche ermordeten jungtürkischen Offiziere wird j^tzt auf 262 angegeben. Acht von ihnen wurden vor dem Iildiz ermordet. Bemerkenswert ist, daß die gestrige Proklamation der Saloniker Armee nicht nur vom Kriegs- und Marineministerium allen hiesigen Truppen, sondern auch von der Pforte allen Zivildeparte- ments mitgeteilt worden ffi. Der Eindruck auf die Garnison scheint allgemein recht günstig zu sein. Widerstand ist nicht zu erwarten. — Bisher wurden bei der Vorhut der vorrückenden Truppen zirka 200 verdächtige Personen, darunter einige erwiesene Emissäre, verhaftet. — Der Eroßwesir, der Kriegsminister und der Korpskommandant, die demissioniert hatten, haben auf Drängen des Sultans ihre Entlassungsgesuche zurückgezogen. — „Jeni Eazetta" zufolge
Kollefiialqenchte imö Einzelnchter.
Bei den Erörterungen über die Reform des Genchtsverfassungsgesetzes begegnete man der Auffassung, daß von den Parteien dem Urteil eines Kollegialgerichts eine höhere Bedeutung delgemessen werde, als der Entscheidung, die der Einzelrrchter erlasse, und daß demzufolge bei einer Erweiterung der Zuständigkeit des Ein- zelrrchters das Gefühl der Rechtssicherheit und das Vertrauen zum Gericht in den damit den Kolleglalgerichten entzogenen Fällen beeinträchtigt werde. Wenn ein solche Minderbewer- tung des einzelrichterlichen Urteils gegenüber dem kollegialrichterlichen in weiteren Kreisen ber Bevölkerung als berechtigt angesehen würde «nd tatsächlich berechtigt wäre, so müßte dies schon jetzt darin zum Ausdruck kommen, daß Entscheidungen der Einzelrichter — Amtsrichter — häufiger von den Parteien an die kollegial entscheidenden Landgerichte angefochten würden «nd häufiger eine Korrektur erführen, als die Urteile der Kollegialgerichte. Dies trifft jedoch nicht zu.
, .Die deutsche Justizstatistik ergibt int ©egen« teil, daß der Prozentsatz der Berufungen gegen die Urteile der Landgerichte dauernd nicht unerheblich großer ist als der Prozent- satz der Berufungen gegen Urteile der Amtsgerichte. Sowohl im Reiche wie in den einzelnen Bezirken wird von der Berufung an die Oberlandesgerichte verhältnismäßig »er m e i st e Gebrauch gemacht. In den Jahren 1901 bis 1905 hat im Reiche der Prozentsatz der Berufungen an die Landgerichte 24,6, an die Oberlandesgerichte 42,3 betragen.
Ueber den Erfolg der Berufungen ergibt die Justizstatistik nichts. Um einen Anhalt in dieser Beziehung zu gewinnen, hat die preußische Justizverwaltung Erhebungen über den Erfolg der im Jahre 1904 anhängig gewordenen und brs zum Schlüsse des Jahres 1907 erledigten Berufungen in gewöhnlichen Zivilprozessen anstellen lassen. Da die hierbei notwendige genaue Durchsicht jedes einzelnen Aktenstückes viel Zeit und Mühe erforderte, sind die Erhebungen auf I bie Bezirke der vier Landgerichte Breslau, Cassel, Köln und Magdeburg beschränkt. Die Ermittelungen haben ergeben, daß bei den amtsgerichtlichen Urteilen der Prozentsatz der erfolgreichen Berufungen nur 34,5, der Prozentsatz der erfolglosen aber 65,5 betragen hat. Bei den Urteilen der Zivilkammern ist der Prozentsatz der erfolgreichen Berufungen 34, der erfolglosen 66; bei den Urteilen der andelskammern I 4»aren 31,1 v. H. der Berufungen erfolgreich, I
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
«ikorttetzung.»
--Es ist Abend und die Gäste haben Hollen verlassen, da klopft es leise an die „Lowenhöhle", Fee tritt ein. Der Großvater sitzt noch rauchend an seinem Tisch.
„Nun, Schmaltierchen," sagt er freundlich, „was gibts?"
o. --Ich wollte Dir noch einmal für alle Deine «rede danken und Dir dies zeigen."
S:e stellt ein großes Bild Friedrich Johanns au; die Pürtte des alten Schreibtisches, sie hat ^^-"Ee in dem Postpaket gefunden und hat sich so sehr gefreut, ist es doch sprechend ähnlich.
Der Baton ist wortlos; das Licht fällt auf bas schone Gesicht des „Enterbten". Also so steht setzt sein Sohn aus! Seit langen Jahren hat er die vertrauten Züge nicht gesehen. Der alte Mann starrt auf die Photographie, seine Faust krampft sich um die Lehne des Sessels, die Pfeife I entgleitet seiner Hand — zu plötzlich ist die I Ueberraschung gekommen. Ja, er erkennt ihn I wieder, den Vater Fees, er sieht den schwer- I mutigen Zug in dem Antlitz Friedrich Johanns, I ben schneeweißen Streifen in dem dunklen | paar. Auf den Tisch fällt das Haupt des Erei- I >es und Fee hört ihn stöhnen. I
„Großvater," sagt sie, „liebes Großväterchen." I , ."Warum hast Du das getan?" fragt Rothenfeld duster, „ist das der Dank dafür, daß ich Dich heute so erfreute?" I
'4^ wirft sich Fee an seine Brust. I
*3$ will nichts, nichts, nimm alles zurück, I
aber große Tonnen leichten Bieres, Taping genannt, das der Lette besonders gern trinkt. Die Herrschaften der Umgegend und Nachbarn des Festgebers sahen sich das fröhliche Treiben bet Letten an und mischen sich unter die Schmausenden, Tanzenden, Trinkenden; heute ist der Standesunterschied nicht so scharf. gezogen, das schöne patriarchalische Verhältnis des Brotherrn zum «Arbeiter tritt in seine Rechte.
«Lihgo, lihgo, Jahnite."
Eine junge Bäuerin singt den Reim und tritt auf Franziska und Fee zu, die Arm in Arm dastehen und ehe ste es sich versehen, drückt sie den beiden „Fräuleins" einen Kranz von Schwalbenaugen und Ranunkeln auf den Kopf, wofür ste eine Silbermünze erhält.
„Ich danke," sagt die junge Lettin knixend. „nun müssen die beiden Fräuleins im Lauf , eines Jahres heiraten." \
Lachend verschwindet die Wahrsagerin.
Biel Heiterkeit erregen die Versuche der Bauernburschen, die glatten Kletterstangen zu erklimmen, Fee lacht herzlich mit den übrigen und da e» das erstemal ist, daß sie den kurtschen Johannisabend mitmacht, so interessiert sie alle» lebhaft. Ihr zur Seite ist der, den ste eigentlich nicht ausstehen möchte, der ihr aber gleichwohl nicht mehr mißfällt, ist doch Hans ßeopott oft in Hollen gewesen, seit et in Klein-Troska haust und einigemale find sie sich mit Fee im Walde begegnet, bald zu Pferde, bald zu Fuß. Und doch kann ste ihm noch immer nicht das Gespräch in der Eisenbahn verzeihen, sobald ste daran dentt, bäumt es sich trotzig in ihr auf und 1 ste wirb abweisend und schroff. , v
W (Fortsetzung |c4gt|.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhesfische UA Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitung-Kellen in e/lS. er* Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die'Poll 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Erpeditio« 2 Mk.
8. Kapitel.
,Lihgo, Lihgo Jahnite," fangen die Bauern am Johannistage, an dem sie die Befreiung von der Leibeigenschaft durch das Abbrennen von Teertonnen feierten.
Die Hollenschen find nach Groß-Ttoska gefahren, wo Baron Schöningk seinen Leuten alljährlich ein Fest auf der großen Wiese hinter dem Hause gibt. Erst gestern abend ist das duftende Heu bis auf den letzten Halm eingeheimst worden, man hat tüchtig geschafft in Aussicht auf die Freuden des Feiertages, der für den Leten von hoher Bedeutung ist, durch ihn ist er zum Bewußtsein seines Menschentums gekommen und hat die oft drückenden Fesseln der Knechtschaft abgeftrelft.
Auf der Wiese wogt fast die ganze Bauernschaft Klein- und Eroß-Troskas, denn nut die Kranken und ganz Alten sind in den Gesinden geblieben, alles freut sich auf den Zohannis- abenb, denn es gibt reichlich Speise und Trank, der Baron Schöningk spart nichts und läßt für seine Leute etwas drauf gehen. Aus der Wiese sind hohe Kletterstangen errichtet, an deren Spitzen Tücher, Pfeifen, Tabaksbeutel und Taschenmesser verlockend winken. Schaukeln und ein Karoussel sorgen für weiteres Vergnügen und drei Dorfmufikanten spielen ohten- zetreißend auf der Violine, Ziehharmonika und Flöte, die tanzlustige Jugend dreht sich nach dem Takt der stets wiederholten, wenigen Töne. Gruppen von Männern stehen rauchend beisammen und manch derber Witz wird belacht. Die Frauen und Kinder fitzen am Boden, oder auf ben langen Holzbänken an den Tischen, auf benen Weißbrot, Kaffee, Käse und kaltes Fleisch , Pngestellt ist. Gchnaps gibt es nicht, dagegen |