mit dem Kreisblatt für dre Kreise Marburg und KirchHaiu
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Verlage."
e. t i
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhrssische nn Bettung* bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in JiO Un Kirchh atn und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 31. — Dec Bezugspreis beträgt durch die Bost 2,25 Mk. lohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
MarSmg
Donnerstag. 22. April 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — «i Druck und Berlag: Joh. Äug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerel Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Die Vermögensverhältntsse der preußischen Bevölkerung.
Im Jahre 1908 ist die vierte Veranlagung int Ergänzungssteue-: für einen dreijährigen Zeitraum erfolgt. Diese Neuveranlagung hat ergeben, daß 123,349 (bei der Veranlagung von 1905 81 736) Zenfiten mehr ergänzungspflichtig geworden sind mit einem Mehrbetrag an Steuer ,on rund 4 738 820 (3 352 135) 3t.
^5 sind nunmehr 1502 570 (1379 221) Zen« fiten, gleich 3,95 (3,80) Proz. der Gesamtbevöl- kerunz zur Vermögenssteuer veranlagt. Davon (wohnt die Mehrzahl mit 773 463 (712 938) Zenfiten aus dem Lande, 729 107 (666 283) in den Städten. Auf jeden Zenfiten entfallen in den Städten im Durchschnitt 2,03 (2,10), auf dem Lande 3,07 (3,12) Angehörige.
Von den zur Ergänzungssteuer Veranlagtetl hat die überwiegende Mehrzahl ein Einkommen von nicht mehr als 3000 -K (1067 601 Zenfiten) ; ein Einkommen von über 3000 <44 haben nur 434 969 Zenfiten. Von den letzteren entfallen die meisten (327 855) auf die Städte. Da- gesamte steuerpflichtige Vermögen beträgt 91 653 297 197 (82 410 286 903) 3t. Auch hier entfällt die Hauptsumme mit rund 58,5 Millionen auf die Städte. Das Durchschnittsvermö- gea jedes Zenfiten stellt sich in den Städten auf rund 80000 (78 000), auf dem Lande auf rund 43 000 (42 500) 3t. Im gesamten Durchschnitt auf rund 61 000 <M.
Besonders hoch ist das Durchschnittsvermögen in folgenden Stadtkreisen: Eharlottenburq rund 192 400 3t (181 500): Frankfurt a. M. 183 000 (189 000) 3t; Wiesbaden 169 000 (161 000) ; Düsseldorf 155 000 (144 000); Dtsch. Wilmersdorf 154 000 (—) M; Bonn 142 000 (136 000) 31; Berlin 139 956 (140 556) 31. Sei' zuriickgegangen ist das Durchfchnittsvermö- gen in Esten a. R., das bis dahin 170 606 3t betrug und jetzt auf 142 707 3t berechnet ist.
Das steuerpflichtige Vermögen der sämtlichen Zenfiten ist um 9,24 (6,75) Milliarden Mark gleich 11,32 (8,93) v. 55., das des einzelnen Zenfiten um durchschnittlich 1246 (1440) <44 gestiegen.
Die Zenfiten, die ein Vermögen von 6000 bis 20 000 3t besitzen, machen 48,70 Proz. der Gesamtzahl aus. Ein Vermögen von 500 000 bis 1 Million 3t haben 12 625 Zenfiten (0,84 Proz.), ein solches von 1 bis 2 Millionen 3t ö"”4 gleich 0,35 Proz.; mehr als 2 Millionen 3t besitzen 3 083 Zenfiten, 0,21 Prozent der Gesamtzahl. hiernach besitzen ein Vermögen von mehr als 500 000 31 nur 1,40 (1,35) v. fj. aller Zenfiten. Diese bringen 36,28 v. H. des gesamten Steue^folls auf. Die kleinen Vermögen von nicht mehr als 32 000 31 14,72 v. H. und die mittleren 49 v. fi., also etwa die Hälfte.
Will man die oben oenannten Ziffern richtig beurteilen, so hat man zu berücksichtigen, daß das Ergänzungssteuergesetz Ermäßigungen
81 «Nachdruck verboten.)
Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
«rzornetzung.»
Fees Geburtstag war an einem köstlichen Frühlingstage, ihr Vater hatte ste oft: „Mein Maienkind" genannt. Daran dachte sie heute, wo er ihr so fern war und eine große Sehnsucht kam über sie, leise verließ ste das noch stille Haus und ging durch den Park, der jetzt noch voll Blumen war. Ste pfückte einen Strauß duftender Maiglöckchen, Farn«, wilde Anemonen und Federnelken, blaue Glockenblumen und bescheidene Gänseblümchen. Auf ihrem Lieblingsplatz, der Rafenbank gegenüber dem Schlummerhügel, setzte ste sich und wand «inen Kranz, den brachte sie ihrer Namensschwester und schlang ihn um das Marmorkreuz der Toten.
„Du hättest für ihn gebeten," dachte sie, „wir Leid: vereint hätten Großpapas Herz erweicht. D! tue es jetzt, liebe Tante Fee, jetzt, wo Du ein reiner Engel im Himmel bist?
Mit gefalteten Händen blickte da» jung« Stäbchen empor und ihre Lippen bewegten sich leise, ihre Augen wurden feucht.
Als sie heimwärts schritt, begegnet« sie einem Reiter, der aus der Gegend von Klein« Troska kam, es war Hans Leopold.
Sofort sprang er vom Pferde, er war im englischen Reitanzuge und unwillkürlich nnchte Fee sich eingestehen, daß seine stahlkrästige ®e« palt heute besonders vorteilhaft aussah. Nachdem sie sich ziemlich steif begrüßt, sagte Schöningk:
„3d) bin auf dem Wege zu Sickerns, wollte Am Dorbeireiten «ine Minute auf Sollen vor»
und Freistellungen vorfieht, bei denen das steuerbare Vermögen in der obigen Statistik nicht enthalten ist. Grundsätzlich frei sind die Vermögen bis zu 6000 -4t., deren Bedeutung für den einzelnen Zenfiten als wirtschaftlicher Rückhalt und Mittel zum wirtschaftlichen Vor« wärtskommen nicht gering zu veranschlagen ist. Rund 4,7 Millionen Zenfiten find auf Grund dieser Gesetzbestimmung zur Ergänzungssteuer nicht veranlagt. Ferner sind 303 688 Personen ergänzungssteuerfrei gelassen, weil der Gesamtwert ihres steuerbaren Vermögens nicht mehr als 20 000 31 beträgt und ihr Einkommen 900 31 nicht übersteigt. Weitere rund 300 000 Zenfiten sind auf Grund weiterer int Ergänzungssteuergesetz vorgesehener Vergünstigungen frei- gelassen.
Zum Schluß sei bemerkt, daß das gesamte Veranlagungssoll der Einkommen- und Ergänzungssteuer beträgt 318 981 737 (290 233 053) 3t oder auf den Kopf der Bevölkerung 8,39 (7,75) 31, das gesamte Erhebungssoll
315 615 895 (287 371 178) 31 oder auf den Kopf der Bevölkerung 8,30 (7,67) 3t.
Politische Umschau.
Der Papst und die ftanzöstschen Pilger.
Rom, 19. April Der Papst begab sich heute in die Peterskirche, um 30000 französische Pilger zu empfangen, die zur Seligsprechung der Jungfrau von Orleans nach Rom gekommen waren. Der Bischof von Orleans verlas eine Ergebenheitsadresse. In seiner Antwort dankte der Papst den Pilgern, daß ste herbeigeeilt seien, um der Verherrlichung ihrer Landsmännin bei- zuwohnen; er fügte hinzu, im Hinblick auf die schmerzlichen Ereignisse, die über Frankreich ae- kommen seien, sei dies ein bewunderungswürdig:: Beweis ihres opferfreudigen Gehorsams gegenüber dem Wort des Papstes von der Einigkeit zwischen dem Volk, dem Klerus und den Bischöfen. Der Papst wies den Vorwurf zurück, daß die Katholiken Feinde ihres Vaterlandes seien; im Gegenteil, das Vaterland habe immer Retter und Verteidiger in den Reihen der Kirche gefunden. Er fügte hinzu, die Kirche sei die Hüterin der Wahrheit; wer sich gegen die Autorität der Kirche auflehne, lehne sich auch gegen die Wahrheit auf. Man könne nicht Ehrfurcht und Liebe von einer Regierung fordern, die, indem sie die Wahrheit bekämpfe, das Heiligste beschimpfe, was der Mensch habe. Schließlich ermutigte er die Katholiken, der Kirche treu zu bleiben. — Als der Papst beim Verlassen der Kirche die französische Nationalflagge eines Vereins erblickte, küßte er sie zweimal, was die Pilger trotz eines Verbots mit stürmischem Beifall begleiteten.
Di« Zulassung der Frauen an den preußischen technischen Hochschulen.
Berlin, 17. April. Der .Staatsanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß des Kultusministeriums: 1. Als Studierende der Technischen Hochschulen werden vom Sommerfemester 1909 ab auch Frauen zugelassen. 2. Die unter dem 5. Juli
sprechen, um dieses hier abzugeben; doch da ich Sie hier treff«, gestatten Sie mir wohl, gnädiges Fräulein, Ihnen beifolgende Kleinigkeit schon hier zu überreichen mit einem ganz er- gebensten Glückwunsch zu Ihrem Geburtstag."
Hans Leopold zog aus der Satteltasche ein längliches Kästchen und hielt es Fee hin. Verwirrt öffnete sie und stieß einen Ruf der Freude aus, es war der versprochene Auerhahnfächer. Er war in Petersburg auf Schildplatt montiert und trug das Monogramm mit der Baronskrone in Gold, ein schön verschlungener, längliches F. R.
Sie war anfänglich ganz verblüfft, dann dankte sie erfreut und streckte ihm die Hand hin.
„Darf ich sie küssen?" fragte er lächelnd, „ich weiß ja nicht, ob Sie nicht wieder —", er begleitete die Wort« mit einer bezeichnenden Handbewegung.
Fee errötete über und über.
„Erinnern Sie mich nicht daran," sagte ste bittend, „ich habe mich oft geschämt und war recht dumm, wollen Sie es vergessen, Herr von Schöningk?"
Wie sie so vor ihm steht im weißen Kleide, den Strohhut in der Hand, das goldblonde Köpfchen graziös zur Seite geneigt, kommt es heiß über ihn, er möchte ste aufheben auf sein schlankes Roß und st« in den starken Arm haltend davonsprengen, — weit fort von der Heimat, nach Utopien, wo es keine Standesvorur- teile gibt, wo Mensch und Mensch sich frei begegnet und versteht. Er zieht die rosigen Finger Fees an die Lippen und drückt den bärtigen Mund darauf, sehr höflich und kühl, um sie nicht wieder zu erschrecken, dann gehen st« auf der staubigen Landstraße neben einander und um sie blüht und sprießt der Lenz.--
„Wie. Sie wollen en «ns vorbei?" fragt das
1905 Allerhöchst genehmigten Vorschriften für die Zulassung zum Besuche der Technischen Hochschulen finden auf Frauen mit der Maßgabe Anwendung, daß es zur Zulassung von Reichs- intänberinnen in allen Fällen der Genehmigung des Ministers bedarf. 3. Es versteht sich von selbst, daß durch die Zulassung als Studierende die Frauen ebenso wenig wie die Männer einen Anspruch auf Zulassung einer staatlichen Prüfung und auf Anstellung im Staatsdienst ober auf Zulassung zur Habllitation an einer Technischen Hochschule erwerben.
Ein« scharfe Zurückweisung.
Berlin, 19. April. Die .Rorbb. Allg. Zig." schreibt: Die „Germania" hat sich die alberne Erzählung über die Tränen, die der Reichskanzler vor dem Kaiser vergossen haben soll, von „gut unterrichteter Sette" mit dem Beifügen beftättgen (affen, daß Fürst Bülow wie ein Schießhund geheult habe. In deutfchen Blättern ist diese Leistung der „Germania" bereits nach Gebühr gewürdigt worden. Da mrsländisch« Zeitungen auf die Angaben der „Germania" heretngefallen sind, wollen wir ausdrücklich seststellen, daß es sich um einen ganz gewöhnlichen Schwindel handett.
Da» Erscheinen vor Gericht.
Zu den Aenderungen der Zivilprozeßordnung, die für die Öffentlichkeit von weitestgehendem Interesse sind, gehören auch die von der Kommission am 8 141 vorgenommenen. Der neue Entwurf bestimmt, abweichend vom geltenden Recht, daß, wenn das Gericht das persönliche Erscheinen einer Partei angeordnet habe, die Partei selbst von Amtswegen zu laden sei, ohne Rücksicht darauf, ob ste einen Prozeßbevollmächtigten habe oder nicht. Auf den Einwand, durch diese Bestimmung werde der Grundsatz durchbrochen, daß der eine Partei vertretende Anwalt die Prozeßfilhrung und den Verkehr mtt dem Gerichte vermittle, wurde folgendes erwidert: Nach dem jetzt geltenden Recht sei es zweifelhaft, ob das Gericht eine durch einen Prozeßbevollmächtigten vertretene Pattei überhaupt selbst laden könne. Der Entwurf richte sich nun nicht etwa gegen die Rechtsanwälte, denen feine Pflichtverletzung vorzuwerfen fei, die selbst aber häufig wünschten, daß ihre Klienten durch das Gericht geladen würden. Außerdem kämen ja als Prozeßbevollmächttgte nicht nut Rechtsanwälte in Bettacht, und ob die anderen Prozeß- bevollmächtigten die Anordnungen des Gerichts gewissenhaft weitergäben, entziehe stch jeder Kontrolle. Die Kommission stimmte der Fassung des Entwurfs zu.
Prozeß Moltke—Harden.
B e rl i n, 20. April. Heute vormittag begann vor der vietten Straftammer des Landgettchts I der neue Prozeß Moltke-Harden. Unter den Erschienenen befand stch Graf Kuno Mottke. Vor der Verlesung des Eröffnungsbeschlustes bekämpfte Vetteidiger Justizrat Bernstein in län-
junge Mädchen, als Hans Leopold Miene macht, fp zu empfehlen, aber das geht doch nicht. Bitte, kommen Sie nach Hollen, Si« müssen eine Tasse Kaffer ttinken und ein großes Stück von meinem Eebuttstagskuchen essen, so verlange ich es."
„Und ich gehorche, Herrin," erwidette Schö- ningk lachend.
Ünterdessen haben die Großeltern den Ti'ch für ihren Liebling mit allen den vielen Gaben geschmückt, die sie für Fee bestimmt. Erieting hat die Tür zum Speisezimmer und den Stuhl des Gebuttstagskindes mit dicken Kränzen und Strickbeerkraut festlich verziert. Goldgelb und riesig liegt der Safrankuchen mit den vielen Mandeln und dem weißen Puderzucker inmitten einer Fülle von Blumen und achtzehn Lichtchen brennen mit lustiger Flamme.
Fee steht vor all dieser Pracht; sie hat die Gratulation der beiden alten Leute empfangen und ihren Kuß erwidert, aber ihre Augen ruhten auf einem Postpaket, das gestern angekommen fein muß und das die Handschrift des Vaters trägt. Das ist das beste von allem. Später wird sie es öffnen, wenn sie allein in ihrem Zimmer ist und niemand ihren Jubel sieht. Heute macht sie die Wittin und gießt den Kaffee ein, schneidet den köstlich geratenen gelben Kuchen an und dabei leuchtet es in dem süßen Gesichtchen, der Lebensmai schmückt die holde Menschenblume mit seinen Gaben, des Lenzes Unberührtheit und Frische liegt auf ihrem Wesen. Den Auerhahnfächer hat sie neben sich gelegt und sieht ihn ost bewunderich an.
Baron Rothenfeld reibt stch vergnügt di« Hand, sein Hauptgeschenk kommt erst. —
„Komm doch einmal hinaus, Fee," sagte «r, „ich habe Dir etwas zu zeigen, aber ich muß Dir die Lugen verbinden."
geren Ausführungen die Zuständigkeit des Gerichts, das vorliegende Verfahren sei also gesetzwidrig. Dazu komm«, daß beide Parteien eine Form des Ausgleichs gefunden hätten. Der Staatsanwaltschaft sei von beiden Patteien ei» Schriftstück überreicht worden, daß der Angellagte seine Erklärung wiederholt, daß er den Grafe» Moltte der Homosexualität nicht beschuldigt habe und daß Graf Moltte diese Erklärung akzepttere. Beide Patteien seien der Ueberzeugung, daß stch nach dieser Erklärung jede Beweisaufnahme er- übrige. Diesem Schriftstück ist ein von beiden Patteien unterzeichnetes Schreiben an die Staatsanwaltschaft beigelegt, in dem die Hoffnung ausgesprochen wird, daß ein Vergleich zu einer raschen Erledigung des Verfahrens Beiträgen werde, gegen dessen Einstellung beide nichts einzuwenden hätten. Der Oberstaatsanwalt widerspricht dem Anträge Dr. Bernsteins. Die Sache sei vom Reichsgettcht an die Strafkammer zurück« verwiesen worden; somit müsse verhandelt werden, obwohl die Uebernahme der Privatllage tn das jetzige Verfahren der heutigen Auffassung des Reichsgerichts nicht mehr entspreche. Nach weiteren Bemerkungen des Justizrats Dr. Sello, der namens des Nebenklägers spttcht, Maxirnllla» Hardens, des Staatsanwalts und der Betteib'qer beschließt der Gettchtshof in halbstündiger Beratung, den Anttag der Vetteidigung abzulehnen und in die Verhandlung einzutttten. Nach Verlesung de» Eröffnungsbeschlustes beanttagk bet Oberstaatsanwalt den Ausschluß der Oessentlich- keit. Das Gericht beschloß, während der Verlesung der unter Anklage stehenden Artikel di« Oeffentlichkeit noch aufrecht zu erhalten, ste jedoch nachher ganz auszufchließen.
Der Gettchtshof hat nach langer Beratung be- schlossen, lediglich dem Nebenkläger Grafen Kuno v. Moltte die Frage wegen feiner Veranlagung, bezw. Bestätigung vorzulegeu; von jeder wettere» Beweisaufnahme jedoch Abstand $U nehmen.
Graf Moltte erklätte auf seinen Eid, daß er nicht homosexuell veranlagt sei. Oberstaatsanwalt Dr. Preuß beantragte nach längerem Plaidoyer 600 jH Geldstrafe für Harden. Der Bettreter des Nebenklägers, Justizrat Dr. Sello, stellte die Sttasbemeffung dem Gerichtshof anheim. Verteidiger Justizrat Bernstein beantragte Freisprechung.
Harden wurde wegen übler Nachrede im Sinne de« § 186 des Reichs-Strafgesetzbuches dem An- trage des Staatsanwaltes gemäß zu 600 Jt Geldstrafe verurteilt.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck alle« Ottgiaalarttket ist gemäß 6 18 des Urheberrecht» nur mit bet deutlichen Quellenangabe „Oberheff. Ztg." aeftattet.)
Marburg, 2t. April.
• PersonaloerLnderungen im Bezirk der Kaiserlichen Oberpostdirektion in Eassel. Verliehe»
Es geschieht und der alte Herr ergreift bet Enkelin Hand. Nun stehen ste vor dem Stall und Rothenfeld löst das Tuch. Die Sonne spiegelt fick in dem glänzenden Haar des Fuchses und Fee ist sprachlos. Dann folgt stürmischer Jubel, als ste erfähtt, daß das schon« Tier ihr (Eigentum sein soll.
Natürlich dankt sie dem Großrapa durch viele, viele Küsse.
„Wir könnten eigentlich gleich einen kleinen Ri t versuchen, meint Hans Leopold und sie stimmt begeistert bei und eilt ins Haus, um sich umzukleidenn.
Unterdessen wird „Arras" mit dem Damensattel vorgeführt, Großing ist auf die Treppe getreten und sieht, wie Schömngk die Enkelm in den Sattel hebt und freut sich, wie hübsch Roß und Reiterin zusammen aussehen. Durch die Allee geht es auf der Landstraße weiter und Fee ist glücklich, wieder ein wirklich gutes Pfett» zu reiten; Schöningk bewundert ihren tadellosen Sitz und die elegante Führung des feurigen Tieres. , ™ «...
Einmal scheut „Arras" heftig beim Anblick einer Schafherde, die blöckenb über den Weg
rennt. „ . M
„Eine unangenehme Eigenschaft," bemertt Schöningk, „sie ist leider bei Füchsen ost be» '""Aich sitze so fest iw Sattel," versetzte Fee, Her kleine Seltenfprung hat nichts ju Jagen.
Als sie in Hollen ankommen, verabschiedet sich Hans Leopold, verspricht aber, zur Schoko« lade um fünf Uhr wieder einzutreffen dann sollen die Nachbarn und Mandaus herüber- kommen zum Geburtstagskind.
. , Fortsetzung to’.gt.)