f'J
Man abonniert
Marburg
die 7
mit dem Kreisblatt für die Kreist Marburg und Kirchhain HF
und den Beilagen: ooNach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftilche Berlage."
V ’M ftft Zeitung" bei allen Postämtern und unser» ZeitungSstellen IN
JtS. ÖÄ »irchh ain und Wetter sowie bet unserer Expedition — Markt S1.
;___ Bestellgeld),^!»«? unfern ZeitungSstellen LVSLNS Mittwoch. 21. April 1909.
»wunt w virnmg, sur Jieuamen oll Pfennig. — i i cv*fc*i* Druck und B-rlaa: Joh. Ang. Koch, UniorrsttätSbuchdruckere, 44 - Inhaber Dr. ®. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 90.
Die Militär-Revolution in der Türkei.
H. Sein Widerstand gegen die mazedonischen
Truppen.
Konstanttnopel, 19. April. Die Garni- ßpn der Stadt trifft keinerlei Vorbereitungen zum Widerstand gegen die vorrückenden mazedonischen Truppen, abgesehen davon, daß gestern zwei Ab- tetlungen Ariillerie den Jildiz bezogen. Es btt« lautet, zu den von den anrückenden Truppen ge« stellten Bedingungen gehöre auch die Auslieferung des 4. Saloniker Jägerbataillons, von dem der Ausstand ausging, sowie mehrerer politischer Führer. Biele Offiziere waren gestem in bulgarischer Kleidung in Konstantinopel und begaben sich abends mit der Bahn zu den Truppen zurück.
Konstantinopel, 19. April. Die vor- rückenden Saloniker und Adianopler Truppen haben den strengen Befehl erhalten, die Bevölkerung, besonders die Christen und die Fremden gut zu behandeln. Sie zeigen tatsächlich gute Manneszucht. Die Zivilisten, die mit der Vorhut der Truppen zusammenkamen, wurden gebeten, die hiesige Bevölkerung dahin zu beruhigen, daß ste absolut nichts zu befürchten habe. Der Einmarsch der Adrianopler Truppen soll, um die Mohammedaner nicht zu erregen und um Zusammenstöße zu vermeiden, nicht über Stambul erfolgen.
Konstantinopel, 19. April, morgens. Es zeigt sich immer mehr, wie sehr das Gardekorps demoralisiert und unfähig zum Widerstand ist. Man glaubt nicht, daß die Armeeleitung in Konstantinopel wagen wird, mit diesen Tnipepn einen Kampf gegen die Saloniker aufzunehmen. Die jungtürkischen Offizier sind auf das tiefste gegen den Sultan erbittert, der seinen Eid auf die Verfassung zwar nicht formell, aber doch tatsächlich gebrochen und dadurch die Offiziere ihres EideS entbunden habe. Der Sultan und seine Berater scheinen gänzlich ratlos.
Konstantinopel, 19. April. Die türkt- schen Blätter nielden, daß sich fett gestern die Mannschaft der hiesigen Garnison unterwerfen und Exerzierübnngen begonnen habe.
Das Komitee siegreich.
Konstantinopel, 19. April. Das jungtürkische Komitee ließ den türkischen Blättern eine offizielle Mitteilung zugehen, daß der Sitz des Komitees nach Mazedonien verlegt worden sei und das hiesige Komitee niemanden ermächttgt habe, etwas zu unterzeichnen. Dies bezieht sich auf die Unterzeichnung der gemeldeten Proklamation der nengebildetcn ottomanischen Union. „Neogolos" meldet aus Kutscbuk Tfchekmedsche, daß die Vorhut den Vormarsch gegen Kiathane an der Mündung des Goldenen Horns gestern abend begonnen habe. — „Jeni Gazetta" zufolge hat das jungtürkische Komitee in Saloniki an den Sultan telegraphiert, daß es absolut keine Verletzung der Verfassung dulden und die Verfassung
bis zum letzten Blutstropfen verteidige« werde und daß niemand gegen dieselbe werd« etwas unternehmen können.
Konstantinopel, 19. April. Di« Kammer verhandelte in geheimer Sitzung über die Frage, ob sie die Hauptstadt verlassen und sich unter den Schutz der von Saloniki anrückenden Truppen stellen solle.
DaS Schicksal de« Sultan«.
Konstantinopel, 19. April. Im Jildi, herrscht, wie verlautet, große Bestürzung. Die liberale Union versichert, an der Umwälzung am letzten Dienstag in keiner Weise teilgenommen zu haben. Die Umwälzung sei vom erkauften vierten Saloniker Jägerbataillon durchgeführt worden, dem sich die übrige bestochene Mannschaft angeschlossen habe.
Köln, 19. April. Der „Köln. Ztg." wird aus Uesküb unterm 18. d. M. telegraphiert: Das Vertrauen zum Sultan ist in allen Kreisen, auch bei den Albaniern, erloschen. Die hervorragendsten Führer sind sämtlich zu einer Bercttung zusammengetreten im Verein mit dem Komttee für Einheit und Freiheit, dessen Vorgehen ste billigen. Alles billigt daS Vorgehen der Jungtürken in dem Gedanken, daß ein Abwarten die Rückkehr des früheren Regiments nach sich gezogen hätte. Albanien ist völlig ruhig. Nachrichten über dor- ttge Auftiände sind unwahr; auch hier herrscht völlige Ruhe.
Wien, 19. April. Rach einer Extraausgabe der „Reuen Freien Presse" wurde in Konstanttnopel eine Proklamation vorbereitet, welche sich auf den Verzicht Abdul Hamids aus den Thron und aus den Uebergang der Thronfolge an Re« schad Effendi beziehen soll.
Paris. 19. April. Rach einer Meldung der „Agence Havas" geht in Konstantinopel daS Gerücht, der Sultan sei geflohen
Der Thronfolger geflüchtet?
Rach einer Depesche des Vertreters des „Rew- Dort Herold" in Konstanttnopel soll der Thronfolger und Bruder des Sultans, Prinz Muham- med Reschad-Essendi, aus seinem Palast verschwunden fein. Angeblich flüchtete er zu den jungtürkischen Führern nach Tschataldscha. — Es läge nicht außer dem Bereich der Möglichkeit, daß Prinz Reschad demnächst als Sultan Muharn- med V. proklamiert würde.
In der „Franks. Ztg." lesen wir ferner: Der Großwesir, der Kriegsminister und der gegen» wärttge Kommandant des ersten Korps, Nazim Pascha waren bis 5 Uhr morgens beim Sultan, der furchtbar aufgeregt und ratlos ist, und scheinbar diese traurigen Begebenheiten zu bedauern be- ghmt. Die Minister vermochten ihm ebenfalls nicht zu raten. Das Kabinett ist vollständig hilflos. Mahmed Scheskel Pascha, der Führer der Jungtürken, will seine Truppen auf 30 Bataillone bringen. Ein Teil von ihnen wird Stambul in Schach halten, während beabsichügt ist, mit zehn Bataillonen, Ariillerie und Kavallerie, hinter den Tälern von Kiathane auf den JUdiz zu marschieren und ihn anzugreifen. Wenn es Abdul Hamid nicht gelingt zu flüchten, sind seine Tage gezählt, und die Ausrufung Reschads zum Sultan
30 tNachdruck verboten.)
G «1 erbi.
Original-Roman von Freifrau Gabrial« v. Schlippenbach.
iFornetzung.l
„3ft der Eaul als Damenpferd eingeritten?" fragte der alte Herr.
„Natürlich doch, die Komtesse P. hat ihn be- sessei, jetzt ist sie verheiratet und lebt in Paris, da verkaufte der Alte das Pferd."
„Ich möchte es probieren," warf Schöning! ein.
So wurde der Fuchs, der den Namen „Arras" führte, mit einem Damensattel versehen und Hans Leopold ritt ihn im Hofe umher.
„Nicht wahr, fein, nicht wahr, großartig!" schrie der Händler, der atemlos hinterherrannte, bis er erschöpft stehen blieb.
Obgleich Schöningk derselben Meinung war, sagte er kühl: „Nichts Besonderes, gar nichts Besonderes?"
Hans Leopold sprach leise mit Rothenfeld, er lobte das Pferd.
„Nenne den Preis," herrschte der alte Herr den Händler an.
„Das Tier ist unter Brüdern 250 5E”' wert," lautete Schlaumes Entgegnung.
„Du bist von Sinnen, mach, daß Du kommst," rief der Baron.
»Das kann geschehen," erwidert« bet Händler und machte sich daran, die Pferde wieder «n den Wagen zn binden.
„Was wollen Sie denn bieten?" fragte er vorsichtig.
„Nicht mehr als 180 Rubel," lautete Rothenfelds ruhige Antwort.
„Das ist zum Lachen," kicherte Schlaume vergnügt, senken Sie denn, daß ich den Fuchs gestohlen habe?"
„Das Pferd ist zweihundert wert!" flüsterte Hans Leopold Rothenfeld ins Ohr, „bieten Sie ihm 190!“
Der Hollensche befolgte den Rat, aber Schlaume schüttelte verächtlich das Lockenhaupt und schwang sich auf den Sitz. „Adjes, Herr Baron!" rief et und winkte herablassend mit der Hand.
„Adieu, Schlaume, ich werde dem Abronck«, Deinem Konkurrenten, den Auftrag geben, mit ein Reitpferd zu besorgen."
Das konnte der Händler nicht vertragen; mit einem Satz war er aus dem Wagen unb trat bebend vor geschäftlicher Eifersucht auf Rothenfeld zu, er schlug dröhnend mit der Faust auf seine Brust.
„Ich werde Ihnen 10 Rubel ablassen. Für 240 —"
„Will ich die Mähre nicht haben, und nun herunter vom Hof, sonst hetze ich Dir die Hunde auf den lausigen Pelz."
Schöningk und Rothenfeld gingen ins Haus und Schlaume schwang sich abermals auf den Wagen. Dieses Mal fuhr er wirklich fort, jedoch nur bis mr halben Kastanienallee. Dort hielt er an, blickte sich um, kratzte sich den strup«
steht daun bevor. Seit heute morgen soll Reschad nicht mehr in seinem Restdenzpalaste von Dolma- bagtsche weilen. Wie «s heißt, befindet sich der Bruder des Sultans in Sicherheit. ES ist möglich, daß er sich bereit« beim Oberkommando in Tfcha- taldfcha aufhält.
Zum 70. Geburtstag des Königs von Rumänien.
Berlin, 19. April. Die „Rordd. Mg. Z." erinnert in einem Artikel zum morgigen 70. Geburtstag des Königs Karl von Rumänien an die Aufgabe voll unabsehbarer Schwierigkeiten, zu deren Lösung der teichbegabte Prinz in der Blüte der Jugendjahre berufen worden sei, und der er sich mit entschlossener Tatkraft, zielbewußtem Streben und in hingebungsvoller Arbeit mtterzogen habe. „Mtt Rarem Blick", sagt das Blatt, „er- kannte König Karl, daß die Zukunft des ihm an« vertrauten Landes nur dann glückverheißend fein werde, wenn es sich auf eine modernen Anforderungen entsprechende Wehrmacht stützen könne." Wie richtig diese Auffassung gewesen sei, habe sich auf der Wahlstatt in Plewna gezeigt, wo das reorganisierte Heer die Unabhängigkeit Rumäniens erkämpfte. Rach einem Hinweis auf die Tätigkeit des Königs für die Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte und die Förderung kulwreller Bestrebungen schließt der Artikel: „So vermag König Karl heute von der Höhe des Lebens auf den reichen Ertrag seiner Arbeit zutückblicken. Was durch ihn unter seiner Leitung geschaffen worden ist, genießt die Anerkennung bet ganzen gesitteten Welt. Rumänien ist ein zu steigender Wohlfahrt sorifchreitendes Gemeinwesen geworden. Nach außen hin hat eS hohe Geltung als Glied der europäischen Völkerfamilie, eint Geltung, die es nicht nur seiner wohlorganisierten militärischen Macht, sondern auch bet weisen, auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Politik zu danken hat. Nirgends außerhalb Rumäniens nimmt man am morgigen Jubeltage freudigeren Anteil als in Deutschland, das dem Herrscher von Rumänien noch lange Jahre segensreichen Wirkens für das Wohl seines Landes und dem rumänischen Volke auch fernerhin Glück und Gedeihen von Herzen wünscht.
Die preußischen Besoldunqsqesktze nach den Peschlitffen derHerrenhanskommission
Die verstärkte Finanzkommission des Herrenhauses hat den Bericht über ihre Beratungen betreffs der Beamtenvorlagen am Sonnabend fest- gestellt. Die Kommission hat das Wohnungsgeldgesetz in das Mantelgesetz hineingearbettet. Die Diensteinkommtnsverbesserungen der Beamten erhalten rückwirkende Kraft vom 1. April 1908. das Wohnunasgeld soll diese rückwirkende Kraft jedoch nicht erhalten, sondern es sollen vom 1. April 1909 bis zum Erlaß eines neuen Gesetzes über den Wohnungsgeldzuschuß folgende jährliche Zulagen zum Wohnungsaeldzuschuß gezahlt werden: in Tarifklasse I 375 X, in Tarifklasse II 300 X.
pigen Kopf mit den rötlichen, bereits etwas ergrauten Haaren und kehrte nach Hollen zurück.
„Herr Baron," der Händler blickte in das Schreibzimmer des Hausherrn, „wollen wir sagen 230 Rubel!"
Es erfolgte keine Antwort.
„Zweihunderiundzwanzig," winselte bet Händler fast in Tränen.
„Ich gebe nicht mehr als 190," versetzte Rothenfeld, der gleichwohl fest entschlossen wat, das Pferd zu kaufen, denn der freudige Ausdruck in Fees süßem Gesteht tat ihm so unendlich gut.
„So haben Sie doch Erbarmen mit einem atmen Familienvater, der acht lebendig« Kinder zu füttern hat," wimmerte Schlaume.
„Voriges Jahr waren es nur sechs," lachte Schöningk.
„Zwillinge," jammerte der reiche Familienvater, „Mei Mädels auf einmal! Wo soll ich das viele Krongeld herbekommen, wenn die Herren Baron so geizig sind."
„Hundertfünfundneunzig gebe ich Dir. ober heute nicht mehr."
„ZweHundertzwanzig," schluchzt« Schlaume.
„Zweihundert," sprach Rothenfeld.
„Zweihundertzehn."
„Schere Dich zum Teufel, Kerl."
Der rotgraue Kopf zieht sich zurück, die Tür wird geschlossen. Nach einer Weile öfnet sie sich wieder etwas.
„Herr Baron, wie bleibt das Gefchästche?" fragt Schlaume.
in Tarifllass« in 225 JC, in Tarifilasse IV 150 X, in Tarifllasse V 75 X. Bei Bemessung bet Pension wird der Dutchschnittsfatz des Wohnungsgeldzuschusses für sämtliche Servisklassen in Anrechnung gebracht. Di« alte Servisklassen- einteilung von 1873 (8 2 Abs. 4) bleibt bi» auf weiteres in Kraft. Für di« Wohnungsgeldzuschüss« wirst das Mantelgesetz nach den HertenhauS- beschlüssen für das Etatsjahr 1909 23 338181 X aus, für 1908 wird nichts bewilligt.
Femet fand folgende Bestimmung Annahme: An die Stelle des Abs. 2 und 3 deS 8 8 des Gesetzes vom 20. Mai 1882 betreffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten in der Fassung der Gesetze vom 1. Juni 1897 und 27. Mai 1907 tritt mtt rück- wirkender Straft vom 1. April 1908 ab folgende Vorschrift: „Das Witwengeld soll jedoch vorbehaltlich der im § 10 verordneten Beschränkung mindestens 300 X und höchsten 5000 X betragen." Die Steuergesetze blieben unverändert.
Politische Umschau.
Born Alldeutschen Verband
wird folgendes mitgeteilt: Der Alldeutsche Verband, heute (19.) in Ausschuß und Vorstand in Eisenach versammelt, spricht sich einstimmig für die beschleunigte großzügige Erledigung der Reichssinanzreforrn aus und erwartet vom Bundesrat und dem Reichstag, daß sie pariikularistisch« und Fraktionsrücksichten zurückstellen und unbedingt dem Reiche für die Gesundung der Finanzen die notwendigen 500 Millionen Mark ©teuer« erhöhung bewilligen. Er erinnert mit banger Besorgnis an die Entschlusslosigkeit des alten Regensburger Reichstages, an dessen Versagen beim Bewilligen der nötigen Geldmittel das alte Reich zugrunde gegangen ist. Jeder Deutsche muß der Wohltaten eingedenk sein, die er von dem heutigen Reiche genießt und opferwillig zu dessen Anforderungen beitragen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser auf Korfu. Schloß Achilleion, 19. April. Zur heutigen Frühstückstafel war die Kronprinzessin von Griechenland geladen. Am späteren Nachmittag machte das Kaiserpaar mit dem Prinzen Oskar einen Ausflug im Automobil nach Peleka. Bildhauer Professor Goetz stellt« heute eine Probekulisse des AchillesstandbildeS auf, die vom Kaiser besichtigt wurde. Die Gerüchte über irgend einen Unfall ober ein Unwohlsein des Kaisers sind vollkommen aus der Luft gegriffen.
— Ein Danktelegramm des Kaiser«. Breslau, 19. April. Auf das Huldigungstelegramm der Bürgerfchast anläßlich der Hundertjahrfeier der Städteordnung ist folgendes Antworttelegramm eingegangen: Achilleion, Korse: Meinen wärmsten Dank für den treuen Gruß, der zur H nderi- jahrfeier der Städteordnung mit den Behörden festlich vereint gewesenen Bürgerschaft BreslauL. Wilhelm I. R.
===== =_____ == .. ---------
„Ich gebe nicht mehr."
„Zweihundertfünf. Was? Eie schütteln mtt dem Kopf? Ra, damit Sie sehen, daß der alt« Schlaume eine ehrliche Haut ist, nehmen Sie bas Eoldpferdchen fstr zweihundertzwei Rubel, die Mei über Ihr Angebot find für meine beiden kleinen Mädels in der Wiege."
"Na, meinetwegen, Du Blutegel!"
Rothenfeld zog die Schublade seines Schreibtisches auf, legte Mei grosse, bunte Scheine von je hundert Rubel hin und zwei neue, blanke Münzen darauf. Seufzend verbarg der Pferdehändler das Geld in feinem Lederbeutel, den er aus der tiefen Tasche seines fettglänzenden, langen Rockes zog. Schließlich bat er noch um die Erlaubnis, in Hollen bei freier Kost übernachten zu dürfen.
Rothenfeld lachte denn er kannte das Manöver des pfifigen Händlers, der sich stets f« einrichtete, daß et in Hollen Rast hielt.
„Na, meinetwegen, sage der Erieting, ste soll Dir auch einen Schnaps geben.“
„Hurra," jubelte Schlaume und schwenkt« di« Mütze. Dann verschwand er endlich.
Unten in der Leutestube hatte man den Händler gern, denn er wußte von sämtlichen Gutsbesitzern etwas zu erzählen, nannte sie oft beim Taufnamen und Naschte wie ein altes Weib. Das Hausgesinde sammelte sich auch heut« um ihn, während er hungrig Speise und Trant verttlgte und allerlei Lustiges vortrua. — —
(Fortsetzung folgt.)