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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain«

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beuage.'

M 90

Ma» abonniert auf di« täglich erscheinend«Oberhessisch, Zeitung" bei allen Postämtern und nnsrrn Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser» geitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 18. April 1909.

Di, Jnfertionsgebübr beträgt str di» 7a»spalt«n« Zeil« ober bett» Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, Untvrrsttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Zweites Blatt.

Die neue Retchsverstcherungs- Ordnung.

Daß die neue Reichsversicherungsordnung auch darauf ausgeht, die Benutzung der Kranken­kaffen zu sozialdemokratischen Propaganda- Jwecken einzuschränken, ist bekannt. Die darauf ezügliche« Reformvorschläge des Entwurfs, so heißt es in der Begründung, leiten ihr« innere Berechtigung aus der Natur der Sache her. Die Krankenkassen sind öffentlich-rechtliche Einricht­ungen, die ausschließlich um der sozialen Wohl- fab willen geschaffen worden find und aus­schließlich deren Pflege zu dienen haben. Sie haben den Versicherten Leistungen zu gewähren ohne jede Rücksicht auf deren Stellung in politi- fcher, gewerkschaftlicher oder konfessioneller Hin- icht. Dieser ihrer Aufgabe können sie nur dann gerecht werden, wenn die Ueberzeugung davon, d"ü keinerlei fremdartige Rücksichten im Spiet sind, wie die Versicherten so auch die Arbeitgeber durcydringt. Denn diese tragen aus eigenen Mitteln zur Kasse bei: lediglich zu Gunsten der Versicherten, ohne selbst irgend welche Gegen­leistungen zu empfangen. Unter allen Um- st.""^:n muß dafür gesorgt werden, daß die Kasse nicht in irgend einer Form zum Ausgangspunkt von Bestrebungen gemacht wird, die ihre Spitze gerade gegen die Arbeitgeberschaft ats solche richten. Niemand wird dies bestreiten dürfen. Demgegenüber steht mindestens die Tatsache un- le gbar fest, daß in überaus zahlreichen Fällen, in größeren Städten und in industriereichen Gegenden sogar ganz überwiegend, die Kandi­daten zünden Organen der Ortskrankenkassen von politischen oder gewerkschaftlichen Organisatio­nen aufgestellt werden, und daß die Wahlen auch auf deren Namen hin erfolgen. Es pflegt, daher je nachdem von dem Siege der einen oder der anderen der in der Arbeiterschaft vertrete­nen poli ">hcn oder gewerkschaftlichen Richtung wie von etwas üblichem oder selbstverständ­lichem gesprochen zu werden. Gewiß kann aus dieser Tatsache nicht ohne weiteres gefolgert werden, daß die auf solche Weise zu den Ehren- L:..'ern der Kassen gelangten Personen sich bei der Verwaltung, bei der Behandlung der Kassenmitglieder und bei der Besetzung der An­gestellte posten von Rücksichten auf ihre Partei-, ( -"erkschafts- oder sonstige Zugehörigkeit leiten lasse:: werden. Immerhin ist es nicht zu ver­meiden, daß sich zunächst bei denen, die in der Wahl unterlegen sind, dann aber such bei sonst Beteiligten und bei Außenstehenden leicht die gegenteilige Ueberzeugung festsetzt, und daß so das Vertrauen zur Sachlichkeit und Unpartei­lichkeit der Kassenleitung von vornherein ge­schädigt wird. Schwerer noch wiegt der Umstand, daß das Gesetz keine ausreichenden Mittel an die Hand gibt, parteipolitischen Uebergriffen im Gebiete der Kassenverwaltung da, wo sie sich tatsächlich geltend machen, vorzubeugen oder wirksam zu begegnen. Die Krankenkassen sind in

28 «Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Originl.l-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

i^orNetzunp.«

Einige sehr fröhliche Tage haben die Groß­eltern und ich in Goldingen bei Mandaus ver- lebt und Lutschen hat uns nach Hollen begleitet. Die Stadt liegt sehr hübsch an der Wiedau und bat eine Stromschnelle, welche den Namen:Die Rummel" erhalten hat. Ueber die schöne Stein­brücks sind wir oft mit Hildegard und ihrer Schwester zum Streichenkruge gegangen, das ist der beliebteste Spaziergang der Bewohner des Städtchens. Das Leben in demselben und speziell im Hause des Oberhauptmanns von Mandau ist urgemütlich und die Gastfreiheit der Kurländer berührt sehr wohltuend.

Bei uns geht es immerforte piano"", sagte Herr von Mandau, der oft merkwürdige, französische Brocken gebraucht. Großvater und er stehen sich auf dem Kriegsfuß und zanken sich leicht, trotzdem sind sie die besten Freunde, denn:Ich bin nicht schangschibel," versichert der Baron, was so viel wie sensible, zu deutsch empfindlich, heißen soll. Ich glaube, daß Hrlde- ß"-1) sich bald mit dem Assessor Freiherrn von Ulbricht verloben wird, der beim Kriegsgericht angestellt ist. Heute kann ich nicht mehr schrei- den, da mein lieber Gast hier ist, deshalb Punktum, streu Sand d'rauf. *

Ueber ein Monat ist vergangen, seit ich mein Tagebuch aufschlug, unterdessen ist es Ende Mai Geworden, die blauen Fliederdolden blühen im Garten und der Park ist grün, die Nachtigallen Mage», ich 68w sie bi» ta den Trau».

ihrer Selbstverwaltung durch da» Krankenver- ficherungsgesetz ganz außerordentlich frei und selbständig gestellt, und zwar weit über den Rahmen dessen hinaus, was sonst für Körper­schaften der Selbstverwaltung üblich zu sein pflegt. Die Aufsichtsbehörde kann regelmäßig nur dann eingreifen, wenn das Gesetz oder die Satzung verletzt wird. Das Gesetz selbst aber enthält nur wenige die Verwaltung bindende Vorschriften, und für Abänderungen der Satz­ung ist je nach dem Ermessen der Mehrheit der weiteste Spielraum gegeben. Maßnahmen der Kassenverwaltung können daher sehr häufig offensichtlich der Zweckmäßigkeit oder der Billig­keit widersprechen und gleichmäßig der Aufsichts­behörde keine Handhabe zu Gegenmaßregeln bieten, vorausgesetzt selbst, daß sie überhaupt etwas davon erfährt. Wenn man hiernach auch ganz von der Frage absieht, in welchem Maße Mißbräuche bei der Verwaltung der Orts­krankenkassen tatsächlich bereits vorgekommen sind, wird mWG die Notwendigkeit, wirksamere Kautelen zu schaffen, schon aus der Tatsache her­leiten müssen, daß das geltende Recht hier im weiten Umfange die Möglichkeit von Mißbräu­chen, nicht aber in gleichem Maße die Mittel zur Abhilfe bietet. Reich und Staat haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, darüber zu wachen, daß Einrichtungen, die sie selbst für be­stimmte, gemeinnützige Zwecke und nur für diese geschaffen haben, nicht außerhalb des Rahmens ihrer gesetzlichen Aufgaben willkürlich andere, ihrer Bestimmung völlig fremde Zwecke ver­folgen und damit mittelbar oder unmittelbar das Gemeinwohl schädigen. Maßnahmen der Gesetzgebung, die sich auf die Sorge hierfür be­schränken, bedeuten keine Schmälerung der Selbstverwaltung. Ebensowenig verfolgen sie politische Tendenzen, wenn sie politische Ein­flüsse von unpolitischen Organisattonen fernzu­halten suchen. Dementsprechend ist der vorlie­gende Enttvurf bestrebt, die gegen Mißbrauch unerläßlichen Maßnahmen so zu gestalten, daß sie die Freiheit der gerade auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge besonders hoch einzuschätzenden Selbstverwaltung nicht unberechtigt einschrän­ken. Aus diesem Grunde sieht er die nötigen Kautelen weniger in einer Wahrung der Auf- sichtabefugnisse, als in einer zweckmäßigeren An­ordnung der Krankenkassenorganisation selbst, in einer billigen Berücksichtigung auch der Min­derheitsgruppen, sowie in einer richtigeren und gerechteren Verteilung der Rechte und Pflichten zwischen den beiden bei der Ausübung der Selbstverwaltung beteiligten Faktoren, den Ar­beitgebern und den Versicherten.

Politische Umschau.

Deutsche Geschästsgewandthett.

Die japanische ZeitungKokumi" berichtet über ein heiteres Beispiel deutscher Geschästsge- wandtheit und Anpassung an fremde Volkseigcn- arten:Der deutsche Handel nach Indien hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, was gewiß kein Zufall ist. Die Deutschen berücksichtigen bei der Warenausfuhr nach Indien durchweg die Be-

Ach! mein lieber, lieber Paper warum bist Du nicht hier! Ich möchte mit Dir durch die Frühlingspracht gehen und mit Dir plaudern. Jeden Tag liebe ich Dein Vaterland mehr und übers Jahr, da bin ich fort von hier, da habe ich gewählt und verlasse Hollen für immer, denn ich kehre nicht wieder zurück, ich weiß es.

Gestern schrieb mir Papa aus Moskau, er will sich in Süddeutschland ankaufen und wieder seinen wahren Namen führen.Irgendwo in der Fremde wollen wir uns niederlassen." so schreibt er. Irgendwo! Wie traurig das klingt, wenn man in der alten Heimat ein Verstoßener, fast Geächteter ist.

Und ich? Natürlich zögere ich keinen Augen­blick und wähle meinen geliebten Vater. Ich werd« die Großeltern um seinetwillen aufgeben, die beiden lieben Alten, an denen mein Herz 6än& wundere mich oft, daß es mir so schwer fallen wird. Ist es wirklich wahr, daß das kurische Blut zah an der Scholle klebt, daß wir unsere rauhe, nordische Heimat nie vergessen tonnen und uns stets nach ihr heimsehnen. Und soll ich dieses wehe Gefühl kennen lernen, habe ich in den wenigen Monaten hier so feste Wurzel gefaßt, daß der Gedanke an ein Scheiden mir fast unglaublich erscheint?!

7. Kapitel.

Am 20. Mai war Srces Geburtstag und Ba­ron Rothenfeld hatte sich eine besondere Ueber- raschung für seinen Liebling ausgedacht, er wollte ihr ein Reitpferd schenken, denn bisher hatte Fee selten die Klepper des Gutes benutzt, aber selbst auf diesen kleinen, faulen Tieren mußte der Großvater ihre Reitkunst bewundern. Der alte Herr war, wie alle seine Landsleute, einst ein schneidiger Reiter gewesen, jetzt bestieg er nur »och fette» die braune, dicke Stute, die

diirfniffe, Neigungen und Gewohnheiten der In­der. So find |. B. die von England eingefühtte« Eierbecher für bk kleinen, indischen Eier viel zu groß, die Eier fallen tief hinein, liegen lose und sind unbequem zu verzehren. Trotzdem führen die Engländer die großen, unprakttsche« Becher weiter ein. Die Deutschen stellten sofott einen Eierbecher her, der für Indien'paßt, und ver­drängten damit die englische Ware vom indischen Markt." DiePost" erinnert dabei an ei« ande­res derartiges Beispiel:Auf ähnliche Weise wurde früher die englische Schere aus Südaftika verdrängt. Der weißen Bevölkerung war es nicht angenehm, ihren schwarzen, ost nur halbgezähm­ten Dienstboten mit der spitzen Schere eine nicht ungefährliche Waffe in die Hand zu geben. Shef­field, im echt konservativen Btttenstolz auf die Güte seines Fabrikats, blieb taub, Solingen da- gegen nahm sich die Klagen ad notam, verfertigte und fübrte Scheren aller Größen mit runden Spi­tzen ein und eroberte sich damit den südafrikani- schen Martt."

Die Teilnahme am Schöffenamt

war bisher u. a. den Volksschullehrern und auch verschiedenen Beamtenkategorien, so z. B. den Landräten, wegen des öffentlichen Charakters ihres Amtes versagt. In dem neuen Entwurf zum Gerichtsverfassungsgefetz ist mtt diesem Grundsätze gebrochen worden. Man ist von der Ansicht ausgegangen, mit Rücksicht auf di« neue Einrichtung der Jugendgerichtshöfe, die von de« Landesjustizverwaltungen bei einzelnen Amts­gerichten zur Aburteilung von noch nicht acht­zehn Jahren alten Personen errichtet werden können, die Lehrer als Kenner der jugendlichen Pspche als Schöffen an diesen Jugendgerichts- höfen zulassen zu mässen. Bekanntlich war in dem ersten Entwurf zum Gerichtsverfassungs­gesetz bk Ausnahmebestimmung gegen die Leh­rer noch nicht aufgehoben, da damals die preußische Regierung noch nicht ihre Einwillig­ung gegeben hatte. Inzwischen ist dieser Wider­stand beseitigt und die Zulassung der Bolksschul- lehrer zum Schöffsnamt, allerdings mit bet Beschränkung auf die Jugendgerichtshöfe, er­reicht worden.

Di« tödlich«« Unqlückssäll« in Preußen im Jahre 1907.

Nach Zusammenstellungen betStatistischen Korrespondenz" erlitten im Jahre 1907 tod­bringende Unfälle insgesamt 15 443 Personen ohne durch Mord oder Totschlag, darunter 12344 männliche und 3099 weibliche Personen. Es entfallen von den tödlich verunglückten Männern auf Land- und Forstwirtschaft 2926 oder 23.70 v. H., auf Berg- und Hüttenbau 2341 ober 18,96 v. H., auf die Industrie 3521 oder 28,52 v. H., auf Handel 1632 oder 13,46 v. H., auf Heer und Marine 0,98 v. H. Durch Auto­mobilverkehr verunglückten tödlich 79 männlich« und 23 weibliche Personen, davon allein in Berlin 27 männliche und 9 weibliche Personen.

Auf eine Bereinheitlichung der Fleischpreife soll, nach Meldungen der Tagespresse, angeblich zurzeit das Ministerium des Innern hinwirken.

früher allerdings feuriger war. Er fragte ein» r.al:Du möchtest wohl ein gutes Reitpferd haben, Klein«? Diese Klepper find wahrschein­lich wenig nach Deinem Geschmack."

Fees dunkle Augen blitzten.

Ach ja, das wäre herrlich!" rief sie,Papa gab mir immer die schönsten Pferd« und Rett- stunden habe ich bei ihm auch genommen," fügte sie unbesonnen hinzu.

Sofort verfinsterte sich des Barons Miene.

Ist mit sehr gleichgiltig," brummte er seht verdrießlich.

Verzeih, Großpapa, ich vergesse immer, daß Dich schon die bloße Erwähnung dessen ktäntt, den ich so innig liebe," versetzte Fee und es lag ein trotziger Stolz in dem Ton,für mich ist es nur schwer, nie von dem zu sprechen, der für mich der liebste Mensch ist, der fein Heimatsrecht um seiner Liebe willen aufgab. O!" Sie sprach dies mit einer leidenschaftlichen Geberde.War es ein so schwerwiegendes Unrecht, daß er sein ganzes Leben dafür büßen muß? Soll et nie Deine Vergebung, Deinen Segen erhalten? Da» ist hart, Großvater, sehr hart."

Fee fentte das junge Haupt auf bi« Hände und helle Tropfen perlten durch die schlanke« Finger.

Unruhig ging Baron Rothenfeld im Zimmer auf und ab, et qualmte heftig aus der langen Pfeife.

Hör auf zu meinen," sagte et,ich kann es nicht leiden, Frauenzimmer heulen gleich Du machst darin keine Ausnahme."

Zwischen jedem Satz paffte er ärgerlich daraus los. Endlich blieb er vor dem jungen Mädchen stehen und hob das Köpfchen der Eitte- lin empor. Zwei samtweiche von Tränen feuchte Augen blickten ihn flehend an; sie glichen dunk­len Blumen, di« vom Tim feucht wate».

Rach Meldung derKons. Kort." beruht dies« Meldung auf einem Mißverständnis. Weder im Ministerium des Innern, das mtt bet ganzen Frage nichts zu tun hat, noch im zuständigen Laichwirtschaftsmtnisterium, noch beim Preußi­schen Landesökonomiekollegium ist von einem ähnlichen Erlaß etwas bekannt. Für die ein­heitliche Feststellung der Fleischpreise für die Zukunft haben wir überhaupt gar keine gesetz­liche Handhabe, und es ist eine vollständige Un­möglichkeit, daß pch die Regierung mit dieser Frage beschäftigt. Das ganze Gerücht dürfte auf folgendes zurückzuführen sein: Im Novem­ber v. I. ist vom Landwirtschastsminister, vom Handelsministet und vom Minister des Inner« ein gemeinsamer Erlaß bezüglich der Feststellung der Fleischpreise im Kleinhandel an da» preußische statistische Landesamt ergangen. Die­ser Erlaß bezieht sich nut auf die Feststellung bet Fleischpreise in der Vergangenheit und for- bert, daß die Erhebung über die Fleischpreife den einzelnen Polizei- und Stadtverwaltungen überbassen werden solle. Er empfiehlt, hierfür besondere Preiskommissionen einzusetzen, die aus Landwirten und Vertretern des Fleischerei- Sewerbes bestehen. Da» von der Polizei ge« immelte Material soll die Grundlage zur Fest­stellung des Einheitspreises bilden. Nun ist vor einiger Zeit eine Meldung aus Stuttgart durch die Presse gegangen über eine Vereinbarung zwischen den Stuttgarter Fleischern und dem Magisttat. Dieser will die Schlachthaussteuer aufheben, wenn die Kommission der Fleischer sich verpflichtet, die Differenz aus dem Wegfall der Steuer nicht in die eigene Tajche zu stecken Aus einer mißverständlichen Verquickung diese« lediglich lokalen freien Vertrages mit dem preußischen Erlaß vom vorigen Jahre dürfte di« Meldung entstanden sein.

Rekrutienmgsschule für die Sozialbemokrati« «ennt betVorwärts" bei Besprechung bet D«. legierten-Versammlung bet Demokratischen Ver­einigung, eine bürgerliche demokratische Partei, mit deren Ausbreitung er In seinem Interesse wohl zufrieden ist. Gegen seine folgenden Ausführungen läßt sich nichts ein- wenden:Und wenn die Batth, Br eit scheid, Gerlach auch noch so zuversichtlich hoffen mögen, durch ihn bürgerliche Demokratie schließlich die Sozialdemo­kratie durch eine innerliche Wandlung überwinden und ihren kollektivistischen Idealen entfremden zu können, so können wir umgekehtt diesem Beginnen mtt bet fröhlichen Zuversicht zusehen, baß eine bürgerlich - bemoktatische Partei schließlich boch nur «ine Rekrutie- rungsschule für bi« Sozialdemokrat tie sein wirb. Wir haben also nicht den ge- ringsten Grund, bet Demokratischen Vereinigung nicht alles Gebeihen zu wünschen." In­teressant ist noch, baß et dieDemokt. Dag." bi« Pattei bet Verärgerten und Enttäusch- t e n nennt und im übrigen ihr Liebeswerben zu­rückweist.

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Dumme, kleine Hexe." sagte Rothenfeld un­gewöhnlich mild,ich möchte Dich immer nut lachen sehen."

Ach! Ich bin ja auch so glücklich bei Dir und Großing: wenn ich daran denke, daß ich im Herbst fort soll, dann bricht mit das Hetz.

Was!" schrie der alle Herr,Du willst trn Herbst fort? Wohin, wen« ich fragen darf? Ist es bet Jungfer Uebermut hier nicht gut genug, daß sie solche albernen Gedanken ausheckt?"

Nicht gut genug? Ach! Großväterchen, merkst Du denn nicht, daß ich schon ganz Kur- länbetin geworden bin und Hollen wie meine Heimat betrachten möchte? Aber ich kann es nicht, solange Papa hier ein Fremdling bleibt Es könnte alles so schön werde« und es r alles so traurig fein, weil Du es nicht ander« haben roiHft

Sie steht vor ihm mit niederhängcnoen Armen, die sonst so schlank aufgerichtete Gestalt ist in sich zusammengesunken und schlaff, ats trüge ste Butten, die sie zu Boden drücken. Diesen Eindruck gewinnt bet Großvater unwill­kürlich und warmes Mitleid quillt in ihm auf, er möchte ihr ein gutes Wort sagen und kämvft hart mtt sich. Endlich legt er di« geumlttge, braune Hand auf da» goldblond« Seidenhaar Fees, et will sprechen und würgt an dem, was nicht übet seine Lippe« kommt, aber_ er streicht sehr leise übet die zarte Wange, rauspett sich und geht in seine Löwenhöhle, wo er finster vor sich hinbrütet. Der holde Anwalt, den der ver­stoßene Sohn fich erwählt, hat oft ähnliche Ge­spräche mit dem alten Mann und die kleinen, weichen Hände, die so schwach find, ste lösen all­mählich die festgeballte Faust de» Freiherrn, fU stehlen sich schmeichelnd hinein und klammer» sich an die rauhen Finger dessen der fein ein- jtges Kind verleugnet. (Forts, folgt) ;