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mit dem Kreisblait für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

M 85

Man abonniert auf die täglich erscheinend«Oberhessischr Bettung* bet allen Postämter« und unfern Zeitung-stellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer (8$pebttion Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die'Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 11. April 1909.

Die Jnlertionsgebühr beträgt für bte 7gespalten« Zett« ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. h

Druck.und Verlag: Joh. «nq. Koch, llntoersttätSbuchbruckeret

Inhaber Dr. L. Httzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Roch ist es Zeit für daS 8. Quartal mif die

Oberheffifche Zeitung

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Der Bezugspreis für bteOberhesfische Zei- t««n" beträgt viertelsährlich bet asten Postämtern t Mark 25 Pf , bei der Expedition (Marburg, Markt 21) 2 Mark.

Reu hknzutretende Abonnenten erhalten de« Beginn der Erzählung von Heinrich Nauman« ans Wunsch nachgeltefert.

Ostern im Volksleben.

Bon P. Todt.

Nm die Zeit, wenn die Natur zu neuem Leven erwachte, wenn die Sonne nach langen, unfreundlichen Wintermonaten wieder goldig zu st . ab len begann, dann feierten unsere Vorfahren, die alten Germanen, ihrem mächtigen Gotte Thor oder Donar und seiner goldhaarigen Gat­tin, der Ostara, zu Ehren das Frühlingsfest, da« Noch der letzteren auch den Namen Ostarafest er. > Zur Erklärung des Ueberganges des heid- i -i Eütternamens auf das christliche Oster, seit Ri(>t Jakob Grimm in seinerdeutschen My- th logie":Ostara oder Eastre mag auch wohl dle strahlende Göttin des Morgens, des aus­gehenden Lichtes, gewesen sein. Ihr Name konnte dann um so eher auf das christliche Aufersteh- »ngsfest angewendet werden, als auch das Christentum überhaupt als das den Heiden auf­gehende Licht betrachtet wurde.« Auch allerlei heidnische Gebäuche gingen noch auf die christliche Festfeier über. Denn als das Christentum in Deutschland verkündet und eingeführt ward und «l» letzter und hartnäckigster der Stämme die Sachsen zu ihm übertraten, da fanden die Mis­sionare und Priester die großen Ostarafeiern so unausrottbar fest eingewurzelt in der Volksseele, daß sie in kluger und weiser Benutzung der heid­nischen Ostergebräuche darnach strebten, diese zu verkirchlichen, ihnen christliche Bedeutung zu «eben und sie in den Dienst kirchlicher Zwecke zu ziehen.

Die heute mxfi besonders in Rorddeutschland «nb, wo sonst niedersächsische Stämme leben üb- ttchenOsterfeuer« find älter als das christliche Auferstehungsfest, fie gehen auf das alte Ostara- fest zurück. Als ein Sinnbild der im Osten aus­gehenden Frü^lingssonne wurden der Göttin zu Ehren am dämmernden Ostermorgen auf den Bergen gewaltige Holzstöße niedergebrannt, denn niemand dachte in dieser Nacht an den Schlaf. Voller Freude über die Wiederkehr der Licht und Leben bringenden Tage sprang das Volk tanzend und. singend um die lodernde Glut, in die man opferfroh allerlei Blumen warf, die nach sinni­gem Glauben unter dem Fuß der Frühlings- -----

53 (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

(Sortierung.)

-Ich »ill nicht,« sagt er halblaut und ballt die Hand, als gälte es, in die Fehde zu ziehen, in den blutigen Strauß.

Frau von Rothenfeld genießt die Zeit in Mitau sehr, sie hat viele Verwandte und Be­kannte in der Stadt, die sie lange nicht gesehen, und führt ihnen die Enkelin zu.

Fn der Palais-Straße liegt das adelige Katharinenstift, in dem ältere, unbemittelte und unverheiratete Damen des kurischen Adels auf. genommen werden. Die Zahl ist unbeschränkt und beläuft sich auf zwölf, eine Dame steht dem Stift vor, es muß eine Witwe sein, die selbstver­ständlich ebenfalls ihre sechzehn Ahnen besitzt. Gleich das erste mal, als Fee mit der Eroß- nr.' r die Räume des Hauses betrat, in dem die Baronin liebe Verwandte hatte, eroberte fie fich die Herzen der Bewohner und seitdem lugte da« frische, junge Gesicht oft durch die verschiedenen Türm hinein, etwas Junge«, Frühlingsgletche« schwebte mit ihr durch die langen Korridore und blieb wie ein Hauch von PoHie und Lenz zurück. Hildchen und Lutschen begleiteten fie gewöhnlich, eine Schwester ihres Vaters lebte ebenfalls in dem Stift, das von einer Gräfin Mandan und Baronesse Traube gegründet, den Namensschwestern den Vorrang einräumte. Ost hörte man das helle Lachen der drei Freundin- nen aus der Stube der alten Dame, die gar komisch von der eigenen Jugend erzählte, von dem alten Kurland vor sechzig Jahren, der Zeit des Puders und der Reifröcke.

Franziska von Dracheitstätt war mit ihrem Onkel, Schöningk dem Betteten, am Tage nach dem erste« Kasinoball, den Fee mitmachte, nach Groß-Trock« heimgereist.

göttin, sobald er die Erde berührte, gesproßt waren. Nach Erlöschen des Feuer« zog man dann unter Gesang ernster Weisen in langem Zuge bis zum Morgen in der heimatlichen Flur umher. In der Bibliothek des Kloster« Corvey an der Weser findet sich noch solcher alter Bittgesang, der zu Ehren der Ostara und zum Segen der Flur angestimmt wurde. In der Uebersetzung lautet er:Ostara, der Erde Mutter, lasse diesen Acker wachsen und grünen, ihn blühen und Früchte tragen. Friede ihm! Daß seine Erde sei gefriedet und fie sei geborgen, wie die Heiligen, die im Himmel sind." In bedeutsamer Weise adoptierte auch die Kirche die hohe heidnische Verehrung der Osterfeuer alsheiligende und reinigende" Kraft, die nur den Festfeuern (und dem sogenannten Notfeuer), die nicht an anderen Feuern angezündet, sondern von neuem durch Reibung oder Brennspiegel erzeugt wurden, zu­kam. Am Sonnabend der stillen oder Karwoche nämlich wurden alle Feuer im Umkreise der Kirche ausgelöscht und ein neues Feuer durch Krystalle, Brennspiegel oder Stahl und Stein entzündet. Die Priester segneten das neuerzeugte Feuer und die Osterkerze, die das Jahr über bei jedem Hauptgottesdienste brannte, wurde an die­semneuen geweihten Feuer« angezündet. Die Gemeinde aber eilte herbei, um von diesem neuen Feuer" das ausgelöschte Herdfeuer in den Wobnungen wieder anzuzünden.

In manchen Gegenden geben heute noch nach Beendigung des Ostergottesdienstes die Schul­kinder von Haus zu Haus und sammeln alte Besen, Holz, Stroh und Reisig unter Absingen des Verses:

Die Kirche ist aus, Eebt's Osterholz raus.

Auf dem Eichsfelde tragen die Knaben beim Einsammeln eine Strohpuppe, die den Winter darstellen soll undder alte Tod" genannt wird. Sie rufen dabei:Gebt doch dem alten Tod auch etwas." Die Puppe wird zuletzt im Dorfteich er­tränkt oder im Osterfeuer verbrannt. Erlischt das Feuer auf demOsterberg", so springen Burschen und Mädchen darüber hin, um ihren Herzensbund durch die Glut festigen zu lassen; der Landmann aber läßt einen Pfahl ankohlen, den er in das Tränkefaß seiner im Stalle befind­lichen Tiere stellt, um sie vor Krankheit zu schützen. Die Asche aber wird auf die Felder ge­streut, damit das Getreide reichliche Früchte bringt.--

Nimm a Schüssel zur Osterzeit;

Geh an« Flüsse!, aber sei g'scheit!"

Co sagt ein alter Volksspruch und bezeichnet damit einen der allerverbreitetsten unserer S'lreichen Ostergebräuche, nämlich das Schöpfen

Osterwassers. Nach einem uralten Volks­glauben hat das Wasser, das man in der Oster­nacht schöpft, allerlei Kraft in sich. Nur darf man unterwegs weder vor noch nach dem Schöp­fen eilt Wort sprechen, muß also vor Sonnenauf­gang zu Hause fein. Das also gewonnene Was­ser soll nicht nur Krankheiten heilen, sondern dem Köper auch Jugendfrische und Schönheit

Natürlich tadelte man die Bareresse Rothen­feld fast allgemein, daß fie dem reichen, vor­nehmen Majoratsherrn einen Korb gegeben, selbst die Großeltern bedauerten es. Welche Ge­nugtuung hätten sie geführt, wenn die Enkelin eine Gräfin Helm geworden und das schöne alte Schloß in Aalhof bezogen hätte.

Die Mttauer Saison näherte sich Ende Fe­bruar ihrem Schluß >au dachte an die Heim­kehr. Vorher sollte noch eine Schltttenpartie mit nachfolgender Einladung bei der Baronin Elm- horst ftattfinden. Es war ein idealer Wintertag, die Bahn spiegelglatt, freundlich lachte die Sonne am Himmel und die Bäume waren stark bereist, es fror rut einige Grad, als die Gesell­schaft aufbrach. Das Los hatte jedem der jungen Herren feint 'Smrne bestimmt und zu ihrem Äet- ger mußte Fee gerade mit dem fahren, den sie nicht ausstehen konnte; Hans Leopolds eleganter Schlitten «ahm sie auf, denn das neckische Schick­sal hatte gerade ihn zu ihrem Kutscher erkoren. Ein prächtiger Schimmel aus dem Orloffschen Gestüt scharrte ungeduldig mit den Hufen und wie ein Pfeil schoß et über den breiten Weg da­hin, der nach Waldeck führte.

,,Bebaute," hatte Schöningk nur gesagt, al« er seiner Dame beim Einsteigen half.

Die ersten Werst sprachen sie fast nicht«, nur fragte Hans Leopold elntgemale, ob das junge Maschen nicht friere und hüllte fie fürsorglich in die warme Bärendecke ein.

Sie antwortete ihm kurz und wenig freund- li-b. Es war ihr unangenehr.., in dem engen Schlitten so nahe von ihm zu fitzen und fie rückte möglichst weit ab.

_C'e werden hinausfallen," sagte er trocken.

Allen anderen Schlitten voraus waren fie, der ^Lald nahm fie auf und der Traber verlang­samte da« rasche Tempo. Wie wunderschön war es unter den hohen, weißbereiften Bäumen, die im Sonnenschein glitzerten und ihre Zweige un­ter der Last de» Schnee« niederoeugte«. Ei»

verleihen und zudem Glück in der Liebe und Reichtum bescheren. Wer da« Osterwasser schöp. fen will, pflegt sich durch folgenden Reim da« Stillschweigen aufzuerlegen:

Mußt dich ducken, schöpfst Wasser 'raus;

Darfst nicht mucken, sonst wird nichts draus I"

Mit Vorliebe stellen sich an vielen Orten die jungen Burschen beim Brunnen oder Bach ein, um durch allerlei Neckereien die schöpfenden Mu len zum Sprechen zu bringen. Die in vie­len Gegenden noch vorkommenden Namen Ostet- bp'. Osterborn, Osterwiese usw. erinnern an die uralte Sitte, die auf altheidnische oder altkirch- li. e Vorstellungen zurückgeht. Denn ehe die Nftesterinnen der Ostara in der Festnacht der (5rL'.in ihre Dienste erwiesen, wuschen fie sich un­ter andächttgem Schweigen in fließendem Wasser Antliü und Hände. Sprudelnde Quellen und rauschende Bäche waren schon unseren Vorfahren heilig, und in ihrem Geräusch glaubten sie die Stimme der Götter und Göttinnen zu erkennen. Nach kirchlicher Auffassung aber sollte da« Oster­wasser das zu Ostern allemal auf das ganze Jahr geweihte Taufwaller für die Neubekehrten fein.

Wie das Weibnachtsfest feinen Christbaum, so h.-t das Osterfest seine Ostereier. Es ist eine fast allgemeine Sitte, sich am Osterfeste mit Eiern zu beschenken. Das Ei war von jeher das Sinnbild entstehenden und erwachenden Lebens. Nach alten Saa-n ist die Erde aus einem Ei ent­standen. Die Aegnpter sahen im Sonnenvoge Pbönir die Verkörperung der stetig wieder­kehrenden Zeit. Sobald er das Alter von 500 Jahren erreicht hatte, verbrannte er fich selbst, um aus der Asche neu belebt und verjüngt zu entstehen. In seinem Neste fand man ein toi und goldig gefärbtes Ei, das den Glanz der auf- und untergehenden Sonne darstellte. Bei un­seren Vorfahren, den alten Germanen, war das Ei d'r Frühlingsaöttin Ollara als Sinnbild der Fr"chtbarkeit geweiht. Man opferte Eier auf ihren Altären und beschenkte Priester damit. Als man später, nach Einführung des Christen­tums, die Eier nicht mehr auf dem Altar der Göttin opfern durfte, da opferte man fie auf dem Altar des Hanfes, d. h. man sie selbst. So entstand die Sitte des Oftereieressens.

Das Christentum deutete das im Ei verbot- gene und nicht ertötete Leben auf die geistige und leibliche Auferstehung, die in Christo vor- und abgebildet ist, und die tote Farbe der Eiet erinnert einerseits an den vorangegangenen blut.gen Opfertod des sieghaften Lebensfürsten, andererseits will sie hier die Freude andeuten, die den Christen ungesichis dieses Sieges am Ollsrtag erfüllt. Das Verstecken der Ostereier aber weist hin auf die lieblichen Kinder des Frübliugs, die Blumen, die auch noch im Ver­borgenen gesucht sein wollen, erinnert auch an bas Suchen des Grabes Christi. In manchen Gegenden Deutschlands werden beim Ostereier- ft Vn von den Kindern besondere Verse wechsel­seitig gesungen, die den Streit zwischen Winter und Frühling zum Gegenllande haben. Das Osterei ist auch ein Sinnbild der Liebe. In

Ausruf der Bewunderung entschlüpfte Fee, die den nordischen Winter bisher nie erlebt, und aufmerksam lauschte sie der Schilderung Schö­ning';, der die Vorzüge seiner baltischen Heimat pries. Wie hübsch er zu erzählen verstand! E« war das erstemal, daß fie, ganz auseinander an­gewiesen, ein i. .igeres Gespräch führten und sie sagte sich, daß sie klug daran täte, für heute bas Kriegsbeil zu vergraben und ihren Groll zu ver­gessen. So wurde auch sie aus ihrer kühlen Re­serve aufgerüttelt und gab sich frei und natürlich.

Wissen Sie, daß ich die Bewirtschaftung von Klein-Troska übernehme?" fragte Hans Leo­pold.

Sobald das Persönliche berührt wurde, legte Fee wieder den Harnisch des verletzten Stol­zes an.

, »Nein« versetzte sie,es ist mir ziemlich glei Sie stockte, es klang doch zu ungezogen.

Gleichgültig," vollendet er gelassen,Sie sehen, ich errate den Schluß des Wortes, aber es trifft mich nicht, ich habe nichts Besseres ver­dient, nicht wahr?" \

Welche Selbsterkenntnis!" lachte Fee etwas gezwungen,ist Klein-Troska in der Nachbar­schaft von Hollen?"

Die allernächste, ich muß es eingestehen, nur Wald liegt dazwischen, in einer knappen halben Stunde bin ich drüben bei ihrem Groß­vater."

Sie schweigt dazu und da die anderen Schlit­ten sie erreicht haben, geht es wieder schneller vorwärts, die Schneedecke schützt fie vor Unbe­quemlichkeiten. Trotz allem genießt fie die präch­tige Fahrt und bedauert es fast, als man den Heimweg antritt. Es ist dunkel geworden, große dichte Flocken beginnen zu fallen und hüllen die Gegend in ein häßliches Zwielicht. Jetzt ist Schöningks Schlitten der letzte, man ist von der Landstraße abgebogen und die im Walde fich kreuzenden kleinen Pfade sind kaum sichtbar.

»Weiß Gott, wir haben uns verirrt," sagt

Tirol gibt die Braut dem Bräutigam Ostereier die am Sonnabend vor Ostern beim geweiht« Fer rot gesotten sind, um dadurch den Bun) der Herzen zu festigen. Liebende beschenken fiq auch mit Ostereiern, die mit allerlei frommer C irischen bemalt und dann vom Priester in de, Kirche geweiht waren.

Anderswo kocht man auch in der Osternach auf dem Friedhof ein Ei und schenkt es dem E» Hellen, den man dadurch an sich zu banne» glaubt. Kann man es möglich machen, so teil man das Ei mit ihm und spricht heimlich dabei

Ich, du. bas Ei, Da^ sind unser brei. Teilen wir bas Ei, Bleiben unser zwei. Einen wir uns zwei. Bleibt« bei Einerlei."

Heutzutage ist ein förmlicher Ostereiluxm entstanden. Auch die Lederindustrie, die Poe zellanmanufattur und die Spielwarenfabrika tion bemächttgten sich des Ostereies als ein« vorzüglichen Objettes. Als einfach« oder kostbai ausgeftattete Attrappe gab man ihm die verfchie densten Füllungen. Ein sehr wertvolles Öftere' erhält der Papst alljährlich von einem unbekann­ten Verehrer. Die Schale besteht au« vier Stücken von schönstem Elfenbein. Innen ist di« obere Hälfte mit weißer Seide ausgelegt, wäh­rend die untere ein goldenes Etui bildet. Dar Eiaelb wird durch ein Kästchen von reinem Eolde dargestellt, das einen herrlichen, von Dia­manten gefaßten Rubin enthält. Der Wert dieses Ostereies wird auf mehr als 40 000 M ge­schätzt.

Wie aber kommt Freund Lampe, der Hase, d:zu, zu Ostern Eier zu legen? Weil bet Has« sich unter ben Tieren de« Feldes und unter dem Wild am meisten vermehrt, war er als Sinn­bild der Fruchtbarkeit und als Symbol der all­jährlichen Wiederschöpfung der Natur der Früh- li"nsgöttin Ostara geweiht. So berührte et sich in der Bedeutung eng mit dem Osterei, das ja auh arf den Altären der Göttin geopfert wurde. Denn als die Erstlinge der Tierwelt suchte man die jungen Märzhasen und opferte sie der Ostara zu ihrem Feste. Als das Christentum derartig« Opfer verbot, formte man die Märzhasen au« Kuiben- und Zuckerteig und schenkte sie den Kin- dem statt der Göttin. Später vermischten fich drr.n in den Anschauungen beide Sinnbilder der Fruchtbarkeit, und so entstand die Ansicht, bet Osterhase habe bte Ostereier gelegt. Doch sei be­merkt, baß nach anberer Auffassung schlecht« deutsche Aussprache den Hasen aus dem slavi- s en WorteGaus" Eans umgewandelt hat, daß ausGans", plattGoas", allmählich . ^oas, Hase" geworden ist. Tatsächlich steht fest, daß in manchen deutschen Landschaften nach dem Ki:.berglauben nicht der Has«, sondern ein Bogel die Ostereier bringt, z. B. in Westfalen bet Storch unb Kuckuck bringen ben Frühling uiH als Geschenke ben Kindern Eiet mit.

Osterspiele im Freien an den Nachmittagen des Osterfestes find in vielen Gegenden T>eutf^^<= -' -_______-»-»»

Hans Leopold endlich,ich höre ittcht mehr da« Schellengeläute bet Voranfahrenben."

In demselben Augenblicke wirft der leichte Schlitten um, Fee liegt halb vergraben im tiefen Schnee eines Grabens und ihr Gejährte ist be­müht, fie wieder auf die Füße zu stellen. St« lacht fröhlich, während er wie ein begossener Pudel vor ihr steht, dann steigen fie ein und nach ein: er Zeit ist die rettende Landstraße erreicht und es - t rasch vorwärts.

Der kleine Zwischenfall bat sie in gute Laune gebracht, fie unterhalten sich lebhaft. Von bet mitauf^cn Kirche schlägt es sechs Uhr. bie Lich­ter der Stadt tauchen vor ihnen auf.

Wissen Sie, welches alte Schlittenrecht in Kurland herrscht?« fragt Hans Leopold. Und als sie verneint, fährt er fort:Die Dame ist dem Herrn, der sie kutschiert, einen Lohn schul­dig, einen Kuß.«

Er beugt sich übet sie. et weiß nicht, was ihn zwingt, diese Worte zu sagen, et weiß nur, daß er ein volles Jahr seines Lebens darum geben würde, um nur einmal bie Lippen auf ben klei­nen, süßen Mädchenmunb zu pressen. Fee versteht fei-e Absicht nicht, sie fühlt es heiß und zornig in fich emporwallen unb versetzt ihm mit bem Muff einen Schlag ins Gesicht.

Was unterstehen Sie sich!" ruft fie leiden­schaftlich,es ist eine bodenlose Frechheit."

Auch er ist wütend und gibt ihr eine heftig« Antwort:

Glauben Sie doch nicht, daß mit daran liegt, bet Ihnen von bem kurischen Schlittenrechn Gebrauch zu machen. Wir find jetzt quitt, mein gnädiges Fräulein, und haben uns nichts mehr vo.zuwerfen."

Sie sind mittlerweile am Ziel der Fahrt an- g-langt, wortlos hilft Han« Leopoldbem Spruhteufel", wie er Fee nennt, aus dem Schiit« ten und auf der nun folgenden Zusammenkunft bet der Baronesse Elmhorst find fie sich Luft,

(Sortfefcune folgt) /