mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberbesfisch« Zeitung" bet allen Postämtern und unfern Zeitungiftellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Poft 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitung-stellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Freitag 9. April 1909.
Die Jnsertionggebühr beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, llniversttStgbnchdruckerei - Inhaber Dr. E. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44 Jahrg.
Erstes Blatt
Der heutigen Nummer liegt bei Kretsblatt Nr. 28.
Die Wertanmeldung bei der Warenausfuhr.
Während in anderen Ländern, namentlich in Großbritannien, die Wertanmeldepflicht streng durchgeführt ist, herrscht im deutschen Zollgebiete noch das System der Ermittelung von Durch- fchnittswerten durch Sachverständige vor. Bei diesem System sind Schätzungsfehler unvenneidlich, sobald es sich um Warengatttingen handelt, die in verschiedenen Sorten und Güten im Handel Vorkommen. Der Notbehelf, für derartige Waren die handelsübliche Benennung in den Berkehrsanmeldungen vorzuschretben, kann in einigen Fällen eine Besserung, aber keine völlige Beseittgung der Unrichtigkeiten herbeiführen, welche die Zuverlässigkeit der Handelszahlen in weitgehendem Maße beeinflussen und den Handel selbst in Mitleidenschaft ziehen. So gab der Umstand, daß bis vor kurzem der durchschnittliche Einüettswert der nach den Vereinigten Staaten ausgeführten Porzellanwaren in der deutschen Statistik zu hoch angesetzt war, amerikanischen JnteressenkreUen zu der begreiflichen, aber nicht zutreffenden Schlußfolgerung Anlaß, es werde bei der Zolldeklaration in Amerika der Wert dieser Waren von den Importeuren zu niedrig angegeben. Solche und andere Erfahrungen lasten ! die Aenderung des gegenwärtigen Verfahrens notwendig und dringlich erscheinen.
Der erste Versuch mit der Wertanmeldung wurde ht Deutschland ftn Jahre 1896 gemacht, und zwar für die Ausfuhr von Spielzeug aller Art, von Jnstrr,menten und Apparaten aus Glas. Da sich die Einrichtung bewährte, wurde die Anmeldepflicht allmählich ausgedehnt. Auch setzt soll sie nur auf solche Waren erstreckt werden, bei denen ein Interesse der geschilderten Art vorltegt »der für welche von den Vertretern der betreffenden Industrie- und Handelszweige im Handelsstattstischen Beiräte des Kaiserlichen Statisti- schen Amts die Ersetzung der Durchschnittswert- schätzung durch die Wertanmeldung als notwendig erklärt worden ist. Ausaeschlosten bleibt die Wertanmeldung auch fernerhin bei der Ansftlhr von Waren der chemischen Industrie, der Besen und Bürsten, der Flechtwaren, der Holzindustrie, der Eisenindustrie und der Industrie der übrigen unedlen Metalle (außer Kupfer- und einigen anderen Waren), der Maschinen- und elektrotechnischen Erzeugnisse und der Feuerwaffen. In der Einfuhr bleibt die Wertanmeldung wie bisher auf die Industrie der Fahrzeuge beschränkt.
ES ist zu hoffen, daß die im Interest« des gesamten deuffchen Handels einqeführte Neuerung . sich binnen kurzem in unseren Exporttreisen
Ni..... --------
22 kNachdnick verboten.)
Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
<Fortsetzung. >
Es folgten noch viele und immer festeren Fuß ffl„te die Tochter des „Enterbten" in dem Kreise ihrer Standesgenosten. Die Saison war seit lange nicht so glänzend gewesen, Abendgesellschaften, Theatervorstellungen von der aus Riga herüberkommenden Schauspielertruppe, Schlittenfahrten und Diners folgten einander in buntem Wechsel.
Zwisch»n Felicie und Hans Leopold bestand «in fortwährender Guerillakrieg, der sich in kleine», spitzen Bemerkungen und Unfreundlichkeiten äußerte, in denen einer es dem anderen zuvortat.
Schöningk beobachtete sehr scharf, aber er mußte sich eingestehen, daß das Auftreten der jungen Baronesse tadellos, daß ihre Manieren vortrefflich und ihre ganze Erscheinung den Stempel aristokratischer Abkunft trug.
Am fünfzehnten Februar gaben die Hollen- schen einen Kasinoball, auf dem Fee in liebenswürdigster Art die Wirtin spielte, ihre Großeltern in kräftigster Weise unterstützend. Die Aufmerksamkeiten, die der junge Graf Helm- Aalbof dem schönen Mädchen erwies, fielen allen auf, er zählte zu den ersten Heiratskandidaten des Landes und man erwartete, daß er jeden Illg um Felicie von Rothenfeld freien werde. .Die Saison näherte sich ihrem Ende, Graf Mm war plötzlich abgereist und es war ein
ebenso einlebe« wird, wie eS, zum großen Vorteile des hanfeattschen Handels, ht Hamburg und Bremen längst geschehen ist.
Politische Umschau.
Der Deutsche Flottenverei«.
Der Jahresbericht des Deutsche« Flottenvereins ist soeben an die Landes- und Provinzial- verbände zur Ausgabe gekommen. Es heißt darin:
Heber die Mitgliederbewegung im Verein — die mit Rücksicht auf die vergangenen Krisen jetzt das meiste Interesse in Anspruch nehmen dürste — ist zu sagen, daß leider das verflossene Berichtsjahr eine Mitgliederabnahme von 5 Prozent gezeitigt hat. Nachdem nun aber alle Schwierigkeiten gehoben find, und sich das Vereinsleben überall regt, kann man hoffen, daß die ausgetretenen Mitglieder zu dem Verein zurück- kehren und neue Mitglieder werben werden.
Der Verein zählte am
31. Dez. 1907 81. Dez 1908
53 Hauptausschüste 53
3353 Ortsgruppen 3376
2 936 Vertrauensmänner 2973
324083 Einzelmitglieder 307 884
694507 Körperfch. Mitglieder ___699 679_
1024 932 Summa 1013 965
Hieraus ist zu ersehen, daß der Verein aus der letzten großen Krisis ziemlich unbeschädigt hetvotgega gen ist. Dank der unermüdlichen Tätigkeit des neuen Präsidenten, Großadmirals v. Köster, der sich bereits großer allseitiger Beliebtheit erfreut, ist zu hoffen, daß schon im Hinblick auf Englands Flottenrüstungen das Flottenvereinsleben einen neuen kräftigen Aufschwung nehmen wird.
Präsident Falli^reS an der Riviera.
Der für den 25. d. M. angekündigte Besuch des Präsidenten Falliöres an der Riviera anläßlich der Enthüllung eines Gambetta-Denkmals soll, wenn die aus Nizza nach Paris gelangten Nachrichten nicht trügen, von Seiten der Mittelmeermächte Italien, Frankreich und Großbritannien zu demonstrattven Kundgebungen für das Oberhaupt der französischen Republik benutzt werden, ähnlich wie sie seiner Zett zu Ehren des Präsidenten Emile Loubet veranstaltet wurden. Zur Begrüßung des Präsidenten FallitzteS soll ein unter dem Oberbefehl des Herzogs von Genua, des Oheims des Königs von Italien, stehendes italienisches Geschwader von vier Kriegsschiffen vor Nizza erscheinen. Zu derselben Zeft lvird sich ein englisches Geschwader einfinden. In der Baie des Anges wird ein vollzähliges ftanzösischcs Flottengeschwader während der Dauer der Festlichkeiten vor Anker liegen. Am Abend des 25. April, unmittelbar nach der Enthüllungsfeier, wird Präsident Fallitzres den Besuch des Fürsten von Monaco empfangen und am folgenden Tage diesen Besuch erwidern. Da der Präsident der Republik auf seiner Reise nach Nizza von dem französischen Botschafter in Rom begleitet sein wird, der sich zu diesem Zwecke nach Paris begibt, ist man in Italien geneigt, der Begegnung in Monaco eine besondere politische Bedeutung beizumessen.
öffentliches Geheimnis, daß er von Fee einen Ko erhalten.
„Es tut mir so schrecklich leid, aber ich lieb' Sie halt nit," versetzte sie auf seine Anfrage, indem sie wieder in den süddeutschen Dialekt verfiel, ein Zeichen innerer Eregung.
„Sein Sie nit bös," flehte sie, bitte, bitte."
Da» hübsche Jünglingsgesichi war bleich geworden. „Ich werde warten," sagte Egbert, Graf Helm, „vielleicht lernen Sie mich spater lieben."
„Stein, das glaube ich nicht," entgegnete Fee mit unbewußter 6iaut«mfeft, „ganz gewiß nicht."
Hekm ist gegangen fte ist allein in einem der Nebenzimmer des Ritterhauses. Nein, nicht allein, dort fit der Fensternische steht eine hohe Männergestalt, ste tritt zögernd näher; es ist Hans Leopold.
„Entschuldigen Sie," sagte er steif, „ich habe Are Ihttettebung mit Helm gehört."
Etwas wie Genugtuung blitzt in den dunsten Sternen.
„Und Sie begreifen es wohl nicht, daß ich ihn n: : mag, ich, die ich nur ein armseliges Halbblut bin, — — ich, deren Mutter gar keine Geborene war."
Fee kann sich nicht enthalten, es ihm ins Gesicht zu schleudern, ihre Stimme klingt scharf, sie ist a ifgefprungen und reckt die zierliche Gestalt, während der schmale Fuß den Teppich klopft. Ein.' Minute fast wessen sie sich feindlich.
„Also darum," sagt Hans Leopold.
„Za, darum," gibt Fee zu und rauscht würdevoll hinaus.
Nun hat et den Schlüssel zu ihrem selffamen
Präsident Castros Schicksal.
Fort de France, 7. Apttl. Der ehemalige Präsident von Venezuela, Castro, ist auf dem Dampfer „Guadeloupe" hier eingettoffen; et nahm an bet Küste Wohnung. Alle anderen Häfen Westindiens fand Castro für sich verschlossen. Die Gattin des früheren Präsidenten wird an Bord des „Guadeloupe" nach Laguaita weiterfahren. — Der Kreuzet „Notthcarolina" der Bereinigten Staaten ist hier eingettoffen.
Newyotk, 7. April. Der „Associated Preß' wird aus Caracas gemeldet, daß die venezolanische Regierung Franttcich sondiert habe, ob eS einen Einwand erheben werde, falls Castto an Bord der „Guadeloupe" in einem venezolanischen Hafen verhaftet würde. Aus der Aniwott Frankreichs gehe hervor, daß dieses gegen die Verhaftung Casttos an Bord des Dampfers nicht protestieren werde.
Ein Auffehen erregender polttischer Mord in der Türkei.
Konstantinopel, 7. Apttl. Gestern Nacht wurden auf feen Chefredakteur des „Serbesti", Hassan Fehmi, auf der Brücke nach Stambnl von einem Mann in der Ofstziersuniform zwei Schüsse abgegeben. Fehmi starb kurz darauf. Der Täter ist entkommen. Da Fehmi ein Gegner des jung- türkischen Komitees war, wird vermutet, daß es sich um einen politischen Mord handelt. — Die Ermordung Hassan Fehmis erregt hier großes Auffehen. Der „Serbesti" verttat die Ideen bet liberalen Vereinigung und richtete seine heftigsten Angriffe gegen das jungtürkische Komitee, Wiederhalt auch gegen die Armee. Die öffentliche Meinung beschuldigt das titngtiirfiWe Komitee bet Anstiftung des Mordes; der Mörder soll ein Kavallerieoffizier sein. Der Begleiter des Ermordeten wurde bei der Mordtat verwundet. Nachmittags veranstaltete» über 1000 Hochschüler eine Protestkundgebung vor der Pforte. Sie verlangten, daß der Mörder ausgefotscht und gehängt würde, was der Großwesier dann auch versprach. — Die Kammer nahm nach lebhafter Debatte ttotz der Opposttion einiger Iungttirken von fünf Aboeordueten der liberalen Vereinigung einge- brachteu Anttag an, den Großwesier wegen der Ermordung Hassan Fehmis zu interpellieren.
Deutsches Reich.
— Fürst Bülow in Italien. Rom, 7. Apttl. „Popolo Romano" schreibt in einem Artikel über die Ankunft des Reichskanzler in Italien: Die Reise Bülows und des Kaisers seien ein neues Zeichen der internationalen Detente. Das Blatt heißt Bülow als aufrichtigen, erprobten Freund Italiens herzlich willkommen.
— Staatssekretär Dernburg. Wie der „Tag' erfährt, wird Statssettetär Dernburg feine für dies Jahr geplante Kamerun Reise wahrscheinlich aufschieben, da er die Sttapazen bet beiden letzten Reisen noch nicht ganz überwunden hat.
— £-t Reichsfinanzreform. Der Vorstand des konservativen Landesvereins süt das Kö-
Benehmen. Es tut ihm leid und doch, — ist es nick* die Wahrheit? Wenn Graf Helm sich übet ihren Mangel an Ahnen mütterlicherseits hinwegsetzt, et kann es nicht, et sieht in ihr feie Tochter der Tänzerin, die im Zirkus aufgetreten war. Wie ihn das ärgert! Wie konnte Friedrich Johann so töricht sein, sie zur Baronin Rothenfeld zu erheben? Gibt es wirklich eine Liebe, die nicht nach dem Stande fragt, die den geliebten Menschen nut um seinetwillen liebt? Er wird sie nie fühlen, denn bei bet leisesten Regung würde et sie unterdrücken, mitleidsvoll mit harter Faust würde et feie zarten Wurzeln aus» reißen.
Sie schweigt dazu und da die anderen Schlitten sie erreicht haben, geht es wieder schnellet vorwärts, die Schneedecke schützt sie vor Unbequemlichkeiten. Trotz allem genießt sie die prächtige Fahrt und bedauert es fast, als man den Heimweg antritt. Es ist dunkel geworden, große dichte Flocken beginnen zu fallen und hüllen die Gegend in ein häßliches Zwielicht. Jetzt ist Schöningks Schlitten bet letzte, man ist von bet Landstraße abgebogen und die im Walde sich kreuzenden kleinen Pfade sind kaum sichtbar.
„Weiß Gott, wir haben uns verirrt," sagt Hans Leopold endlich, „ich höre nicht mehr das Schellengeläute der Botanfahtenden."
In demselben Augenblicke wirft bet leichte Schlitten um, Fee liegt halb vergraben im tiefen Schnee eines Grabens und ihr Gefährte ist bemüht, sie wieder auf die Füße zu stellen. Sie lacht fröhlich, während er wie ein begossener Pude! vor ihr steht, bann steigen ste ein und nach
nigteich Sachsen nahm einstimmig eine Resolution an, in der er für Ausdehnung der Reichserbschasts- steuer auf Kinder und Ehegatten ttnttat. Wir kommen aus die sympathische ErNätung noch zurück
— Eine englische Kommission füt Städttban. London, 1. April. Eine Gesellschaft von achtzig Herren, zu denen Fachmänner aus allen Teilen deS Landes gehören, wird sich heute nach Deutschland begeben, um sich mit den Methoden des deutschen Städtebaues bekannt zu machen. Die Reise erfolgt im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan-Gesetz, über das im englischen Parlament verhandelt wird. Die Herren werden Köln, Frank- sutt a. M., Wiesbaden, Düsseldorf, Nürnberg und Rothenburg besuchen.
— Die Lage der Hettngsfischerek. Die nn- günstigen Verhälmtsse, in denen sich gegenwärtig feie feeuffche Seefischerei befindet, hat nach bet „Post' auch den Heringsfischerei-Gefellschaften Veranlassung gegeben, sich mit Gesuchen an bie Reichsregierung zn wenden, in denen um Gewährung von außerordentlichen Unterstützungen gebeten wird. Ihrer Angabe nach wären einzelne Gesellschaften nicht in der Lage, sich die Mitel zu beschaffen, die zur Ansrüstting der Fahrzeuge für die nächste Fanaperiode erforderlich sind. Sollte sich das bewahrheiten, so würde ein Zusammenbruch einzelner Gesellschaften nickt zu vermeiden sein. Auf die Erhalttmg bet HeringS- fisckerei-Gesellschasteu ist im Interesse feer Volks ernäbrung, wie mich feer Marine, feie von feer Besatzung feer in feer Heringsfischerek zur Verwendung gelanaenen Segelfahrzeuge einen vorttialichen Ersatz erhält, großer Wert zu legen. Es ist deshalb mit großer Freude zu begrüßen, daß bet Staatssekretär des Innern durch den deuffchen Seefischerei-Verein sorgsame Ermittelungen übet die finanzielle Lage der Heringsfisckerei hat anstellen lassen. Es geschieht das offenbar in bet Absicht, bei denjenigen Gesellschaften, bei denen ein unabweisbares Bedürfnis vorliegt, nach Möglichkeit helfend einzugreifen.
Ausland.
** Der König von Italien im Erdbebeu- gebitt. Messina, 7. Aptll. Der König fuhr heute Vormittag auf einem Torpedobootzerstörer nach Reagio di Calabria; er besichtigte die Trümmer- stätte und die Barackenbauten und begab sich dann mittelst Automobils nach Pellaro; nach Reggio zurückgekehrt, drückte der König seine Genugtuung über den Winderaufbau der Stadt aus. Von da ging der König wieder an Bord des Panzers „Re Umberto". Die Königin besuchte abermals das Dorf Regina Elena, sowie andere an der Küste gelegene Orffchafte-- und kehrte darauf ebenfalls zum Panzer „Ue Umberto" zurück.
** Tsckeckiscke Jnorndbünde. Prag, 7. April. Die Inaendbünde der tickechisch nationalistischen Organisation für-Prag und die tschechischen Teile Böhmens wurden heute weaen antimilitaristischet Umtriebe aufgelöst. Heutt Rächt wurden in den Wohnungen der Bereinsbeamten imb in den — ---------- । __________J
einiger Zeit ist die rettende Landstraße erreicht und es -- 'ft rasch vorwärts.
Der kleine Zwischenfall hat sie in gute Saune gebracht, ste unterhalten sich lebhaft. Von bet mitauif.jen Kirche schlägt es sechs Uhr, die Lichter der Stadt tauchen vor ihnen auf.
„Wissen Sie, welches alte Schlittenrecht in Kurland herrscht?" fragt Hans Leopold. Und als sie verneint, fährt et fort: „Die Dame ist dem Herrn, der ste kutschiert, einen Lohn schuldig, — einen Kuß."
Et beugt sich über sie, et weiß nicht, was ihn zwingt, diese Worte zu sagen, et weiß nut, daß er ein volles Iaht seines Lebens darum geben würde, um nut einmal bie Lippen auf ben kleinen, süßen Mädchenmund zu pressen. Fee versteht seine Absicht nicht, sie fühlt es heiß und zornig in sich emporwallen und versetzt ihm mit dem Muff einen Schlag ins Gesicht.
„Was unterstehen Sie sich!" tust sie leidenschaftlich, „es ist eine bodenlose Frechheit."
Auch et ist wütend und gibt ihr eine heftige Antwort;
„Glauben Sie doch nicht, daß mit daran liegt bei Ihnen von feem kurifchen Schlittenrecht Gebrauch zu machen. Wit find jetzt quitt, mein gnädiges Fräulein, und haben uns nichts mehr vorzuwetfon."
Sie sind mittlerweile am Ziel bet Fahrt an« gelangt, wortlos hilft Hans Leopold „dem Sprühteufel", wie er Fee nennt, aus dem Schlitten und auf der nun folgenden Zusammenkunft bei der Baronesse Elmhorst find sie sich Lust,
(Fortsetzung folgt.)