und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage."
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Marburg
Dienstag 6. Ap-il 1909.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für dte 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Berlag: Joh. Aug. Koch, UnioersttätSbuchdruckeret Inhaber Dr. L. H itzer o th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44 Jahrg.
Erstes Blatt.
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Zu den Balkan-Wirren.
Serbisch-österreichischer Handelsvertrag?
Belgrad, 8. April. Der österreichisch-ungarische Gesandte Graf Forgach teilte dem Minister beS Aeußeren Milowanowitfch mit, daß Oesterreich-Ungarn bereit sei, sofort die Handelsvertragsverhandlungen aufzunehmen. Mtlowano- witsch erwiderte, der nächste Ministerat werde dte serbische Vertragsbasis seststellen und die Delegierten nomieren.
Artikel 28.
Wien, 3. April. Die österreichisch-ungarischen Vertreter bei den Signatarmächten erhielten den Auftrag, das formelle Ansuchen um Zustimmung jur Aufhebung von Artikel 25 des Berliner Vertrages zu stellen.
Paris, 4. April. Einer Mitteilung der „Agence Havas* aus London zufolge glaubt man, daß Frankreich und England das Ersuchen ^-Erreich-Ungarns, die Annektierung Bosniens nd der Herzegowina anzuerkennen günstig beantworteten.
Wien, 4. April. Das „Fremdenblatt' schreibt: Es steht außer Zweifel, daß die Mächte das an sie gerichtete Ersuchen des Wiener Kabi- »-'"s hinsichtlich Aufhebung des Artikels 25 des 'liner Vertrages zustimmend beantworten wer- Die Geaenäußenrngen der Mächte werden ' ' Wirkung haben, die materiell bereits erledigte bosnische Ai-arlegenbeit auch im Hinblick auf die Forum endgültig aus der Welt Muffen und zwar auf dem Wege eines Notenwechsels, den das russische Kabinett auch für die Erledigung der w—.--"Krimschen Frage empfiehlt.
Ein österreichisch-türkisches Bündnis in Sicht?
Paris, 3. April. Aus Konstantinopel wird dem „Echo de Paris* telegraphiert, es bestehe ein dorr Deutschland begünstigter Plan, zwischen Oesterreich-Unaarn und der Türkei ein Bündnis zustande zu bringen. Wenn die Pforte diesem Proteste »«stimmen sollte so müßte sie die Region für die Rekrutierung des 4. Armeekorps vergrößern, um 250 000 Mann Truppen an der kaukasischen Grenze konzentrieren zu können. Ferner müßten die Befestiaunaswerke von Bahazid, Er- zerum und Trapezunt verstärk werden.
Prinz Georg und Prinz Alexander.
Belgrad, 3. Arpil. Der nunmehrige serbische Thronfolger Alexander hat erklärt, daß er nur unter großem Widerstreben und ganz gegen
(Nachdruck verboten.)
Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
• ftorttefcurtg.)
„Wie fest ich geschlafen habe, mein Kind," sagt sie, „ja, ja, ich bin alt geworden und werde le. t mLe, nun komm und laß uns dem Träger unrr Handgepäck geben."
., Fee hilft der Großmutter beim Anziehen 19--5 Mantels, denn die Waggons sind über- h- f.t, wie es gewöhnlich- der Fall ist. Als sie den Bahnsteig betreten, verschwinden die beiden M.treffenden eben im Wartesaal, das helle Licht eir-t Laterne fällt auf Hans Leopolds Gesicht und das Mädchen unterdrückt einen Ausruf, sie hat den Herrn erkannt, den sie im Wiener Pferdebahnwagen gesehen, dessen stattliches A ußeres und ritterliche Erscheinung von ihr nicht vergesien ist. Sie ärgert sich, daß sie ein Gezühl des Schmerzes empfindet, wenn sie an bas roiber Willen belauschte Gespräch denkt, jetzt weiß pe auch, warum die markige Männerst nme thr nicht fremd war
„Pah! mein Lieber, ich bitte Dich, die Toch- ter ist ia nur Halbblut —, die ist für mich nicht gefährlich, ihre Mutter ist ja gar keine Geborene."
Wie verächtlich er das gesagt hatte. Fee ba t in dem silbcrgrauen Muff die Hand, ihre sonst so sanften Augen blitzen.
„Er soll es büßen," denkt sie, „er soll es."
Am folgenden Tage fährt der Landauer aus Hollen mit den beiden Goldfüchsen von Haus zu Haus, Janze und der Kutscher Jakob, auch ein langjähriger, treuer Diener, sitzen in der neuen Livree auf dem Bock. Ucberall werden Karten abgegeben: „Freiherr Adam von Rothenfeld- Hollen, Freifrau Wilhelmine von Rothenfeld, tzeb. Frei in v. d. Osten und ihre Großtochter."
Zuerst geht cs zum herzoglichen Schloß jenseits der Aa. Dort wohnt der in Kurland allgemein beliebte und verehrte Gouverneur Herr
> feinen Willen die schwere Bürde der serbischen 'Thronfolgerschast übernommen habe; dies schließe jedoch keineswegs aus, daß er gegebenenfalls auf seine Würde zu Gunsten seines älteren Bruders Georg wieder verzichten würde. Und daß Prinz Georg durchaus nicht gewillt ist, alle Hoffnungen aufzugeben, beweist der Konflitt, den er gestern mit seinem Hauptgegner Pachitsch hatte. Dieser stellte ihn darüber zur Rede, daß er nicht sofott Serbien vettaffen habe und in die russische Armee eingetieien sei, da seine Aufnahme dott bereits gestchett gewesen sei. Prinz Georg antwortete hierauf: »Ich verlasse Serbien auf keinen Fall, denn ich weiß, daß die radikale Pattei die Absicht hat, meinen Pater zu stürzen, mich auszuweisen und mit dem jungen Alexander dann dasselbe Jntttgenspiel weiter zu treiben, das sie bisher ge- ttteben hat. Ich werde nach Risch übersiedeln und den radikalen Machthabern zeigen, daß das serbische Offizierkorps der beste Hüter der nationalen Interessen ist*
Abdankung des Königs Peter?
Wien, 3. April. Die aus Belgrad hier ein- gettoffenen Privawachttchten melden eine starke Gärung int Offizierkorps. Das Vorgehen des Kommandeurs im zweiten Kavallerieregiment, Okanowitsch, der mit den Offizieren seines Regiments die Chargen niederlegte, findet in weiten Kreisen begeisterte Zustimmung. Im ganzen haben bisher 72 Offiziere den Dienst quittiert. In dem an den Kriegsminister gerichteten Schreiben der betreffenben Offiziere heißt es: »Wir legen unsere Charge nieder infolge der verrätettschen auswär- figen Politik der serbischen Regierimg, die die Interessen des Landes und des unbefreiten Ser- bentums preisgegeben hat. Die serbische Armee ist außerdem empört über die Behandlung des Prinzen Georg, den man nur deshalb kaltaestellt hat, weil er ein begeisterter Anhänger des Krieges mit Oesterreich-Ungarn ist. Man hat den Pttnzen Georg zur Abdankung gezwungen, alles andere ist nur ein Vorwand* — Der heutige Leitartikel des »Mali Journal* beginnt mit folgenden Sähen: Der Prolog ist beendet, jetzt beginnt das Drama! — Die Führer der Offiziersbewegung äußerten sich zu dem Belgrader ©ertcfrterftatter der »Reichspost*: »Wir werden der Welt zeigen, daß es noch genug Männer in Serbien gibt, die den Schimpf und die Schande, die die Regierung über das Land gebracht hat, nicht ertragen wollen! Hat die R>»ateruna in solch demütigender Weise die Interessen der Rafion verraten, so hat sie vergeben dabei den bedeutendsten Fafior um seine Zustimung zu fragen, das serbische Volk! Das ganze serbische Volk ist mit uns. wir haben ihre Führer mit uns, und wir werden den Rubikon überschreiten.* — Der Korrespondent des »Dailp
v»n Lilienkron. Sie wurden anoenommen, entgegen dem sonsi üblichen Gebrauch.
F"e sieht süß aus in dem blauen Tuchkostüm mit silberg"auer Pelzverbrämung, Muff und Mützchen sind von demselben lockig seidenen Fell. M^n emnfängt sie sehr liebenswürdig und lädt sie zum Ball im Schloß ein. dem jedesmaligen Brennpunkt der Saison. Dann geht es in die Bgchstraße, wo die ersten des Landes ihre stattlichen Käufer besitzen, die fast das ganze Jahr leer Reben und nur während der Wintermonate be^obnt sind. Durch die Palaisstraße rollt der Landauer aus Hollen, durch die große und grunboffche Sttaße. dort wohnen die Bekannten und Verwandten Rothenfelds. Frau Wilhelmine ist ein Mitauer Kind und ihre Sippe ist weit verbreitet. Hinter den Fenstern lugen neugierige Köpfe hervor, um die Enkelin des Freiher- n zu sehen, auf deren Bekanntschaft man brennt. Rach einigen Stunden wird man sie kennen lernen und — kritisieren, wenn der prächtige Saal des Ritterhauses seine Flügeltüren der Kastnogesellschaft öffnet und im blendenden Glanz vieler hundert Kerzen erstrahlt.
Und dennoch siegt bei manchen Familien schon jetzt die Neugier und man empfängt Rothenfeld, worüber der Baron jedesmal brummt, denn er ist hungrig und bei Torchiani, b-- bekannten, trefflichen Restauration, sitzen und frühstücken feine Freunde schon seit einer Stunde, das Wasser läuft dem alten Herrn im Munde zusammen, wenn er an die saftigen Austern, die delikaten Butterteigpastetchen und den eisigen Champagner bentt, der dort seiner harrt. So einfach der kurische Gutsbesitzer für gewöhnlich lebt, so rechnet er nicht, wenn er in d'e Stadt kommt. Es sind viele „Landsche" jetzt i .uütau, man begegnet ihren Equipagen, die ihre Insassen zu demselben Visitenzweck spazieren führen, den die Hollenschen verfolgen.
„Minchen, ich halte es nicht mehr aus vor Hunger," erklärte der Baron kategorisch, „wir st d mit dem langweiligen Ramsch fertig' z, Mandau's kannst Du allein mit Fee, Karl sitzt
Chronicle* in Genf telegraphiert, daß zwei Herren, die als Agenten des Königs Ptter bekannt seien, im vornehmen Viertel von Gens nach einer großen Wohnung suchen. Die Villa, in welcher der König früher gewohnt hatte, sei inzwischen vermietet worden.
Politische Umschau.
Preußischer Richterverein.
B e r l i n, 4. April. In einem Saale des Ab- geordnetenhauses trat heute der erste preußische Richtertag zusammen, um einen preußischen Richterverein zu gründen. Anwesend waren etwa 250 Richter und Staatsanwälte, unter denen eine große Zahl Delegierte von Richtervereinen. Land- gerichtsprästdent de Rim (Limburg) wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. De Rttn bemertte, die Gttindung eines preußischen Richtervereins sei umso notwendiger, als wohl kaum ein Stand so viel Angriffen ausgesetzt ist wie der Richterstand. Mit aller Entschiedenheit müsse der Behauptung entgegengetreten werden, daß ein Richterverein gebildet werden soll, lediglich um eine Gehaltsaufbesserung zu erreichen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Rach längerer Erörterung wurde einstimmig die Bildung emes preußischen Richtervereins beschlossen. § 1 wurde in folaeuder Fassung angenommen: Der preßische Richterverein bezweckt die Förderung der Rechtspflege und der Standesangelegenheiten der Richter und Staatsanwälte in Preußen und hat seinen Sitz in Berlin-Mitte. Die Worte „sollen ins Derewsreaister eingetragen werden*, wurden auf Anttag des Landgerichtsrat Kade gestrichen, da, tote der Landaettchtsrat unter großer allgemeiner Heiterkeit bemertte, man doch nicht gern etwas mit dem Gericht zu tun habe. Zum Vorstand wurden aewählt: Oberlandesaettcktsvräst- bent a. D. wirklicher Geheimrat Dr. Hamm-Bonn, Landgerichtsrat Kade - Berlin, Landgettchtsrat Staats-Düsseldorf, Landrichter Boh-Danzig, Land- aerichtsrat Töplitz - Charlotenburg, Landttchter Tütt-Doramund, Amtsgerichtsrat Geheimer Ju- sttzrat Kükhoff Köln, Landgettchtsdirettor Grämrn- Mesbaden, Landgettchtsrat Lohmann-Verden a. d. Aller, Landgettchtsdirettor Boisly-Halberftadt, Stgatsanwalffchastsrat Dgniels-Bonn.
Deutsches Reich.
— Ein Beileidstelegramm des Kaisers. Bremen 3. Apttl. Auf die vom Bürgermeister Dr. Pauli in Vertretung des Präsidenten des Senats dem Kaiser gemachten Anzeige von dem Ableben des Generaldirektors Dr. Wiegand ist gestern nachstehende Antwott beim Senat eingetrosfen:
fest bei Trichiani, ich fahre hin und schicke Euch den Wagen zurück." Sprachs, nickte Frau und Enkelin zu und rief Jakob hinauf: „Zu Torchiani, aber schnell, hörst Du," bann rieb er sich vergnügt die Hänbe und zog die hellen Glaces ab, an die er sich nicht gewöhnen konnte, denn in Hollen trug er entweder keine Handschuhe oder im Winter nur die dicken wollenen, die Ereting strickte.
Bei Mandau's gefiel es Fee gleich außerordentlich, die beiden hübschen Töchter Hildchen und Luischen begegneten der jungen Fremden so herzlich, daß Feliecies leicht zu eroberndes Herz gewonnen war.
„Mütterchen, sie ist entzückend!" rief Luischen, die leicht für etwas schwärmte, „diese Augen! Sie find wie dunkle Samtblumen, nein wie Sterne!“
„Und das reizende Kleid, es muß bei einem der ersten Wiener Schneider gemacht sein, es sitzt wie angegossen," bemertte Hildchen, die eine praktische Natur war. Ich glaube, ich werde sie schrecklich lieb haben," versicherte Luischen begeistert.
Nun find Großmutter und Enkelin wieder in ihrem Hotel und nachdem auch ste sich mit Speise und Trank gestärkt haben, hält Frau von Rothenfeld ein kleines Schläfchen. Fee holt ihre Mappe und schreibt ihrem Vater:
„Mitau, Hotel Linde, 2. Febr.' Mein geliebter, goldener Papa!
Während Eroßing schläft, nachdem wir viele Visiten gemacht haben, will ich Dir schreiben. Alle Tage möchte ich mit Dir plaudern, jede Stunde wenigstens schriftlich bei Dir fein, Du mein Einzigster, Liebster! Ich sehne mich oft so grenzenlos nach Dir und darf es doch nicht »erraten, höchstens einmal Eroßing, so nenne ich Großmutter gern. Aber wenn ich sehe, daß es sie traurig macht, bann überwinde ich mich und schweige, denn ich kann ihre Augen nicht voll Tränen sehen unb küsse ihr die hellen Tropfen fort, streichle sie ui* ruhe nicht eher, bis sie
Schmerzlich bewegt habe ich die Rachttcht von de» Ableben des von mir so hochgeschätzten Generaldirektors Dr. Wiegand erhellten. Zu dem für bti deutsche Schiffahrt überaus schmerzlichen Verlust« bieses wettblickeuben Geistes spreche ich bem Senat bet Stabt Bremen meine wärmste Teilnahme aus. Der Schmerz seiner Vaterstabt wirb vom gesamte« Vaterlande geteilt werden. Wilhelm, I. R.
— Keine Begegnung Falltores mit Kaiser Wilhelm. Die Meldungen über eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Präsidenten Falltores finden weder in Paris noch in Berlin amtliche Bestättgung. Falltores reist nach Nizza und Monako und bleibt voraussichtlich im westlichen Tttl des Mittelmeeres. Kaiser Wilhelm sähtt, wenn überhaupt, erst nach Ostern nach Venedig und würde sich dann von dort nach Korfu begeben, also im östlichen Teil des Mittelmeeres bleiben. Daß unter diesenUmständen eine Begegnung erfolgen sollte, scheint wenig wahrscheinlich. Jedenfalls ist zwischen den Kabinetten, wie uns von gut unterttchteter Seite mfiaeteilt toirb, bisher nichts darüber einaeleitet worden.
— Der Reichskanzler hat gestern früh eine kurze Erbolunasfabtt nach Oberitalie« angetreten Am Freitag und Sonnabend hatte Fürst Bülow noch Besprechungen mit mehreren Botschaftern, mit dem Staatssekretär des Aeußern Freiherr« von Schoen und mit den Leitern anderer Reichsämter.
— Reichstagsersatzwahl. Aachen, 3. April Bei der heutigen Reichstagsersahwabl im Wahlkreise Aachen 4, Düren Jülich --'fielt, der »Dür. Zeitung* zufolge, Fürst zu Salm-Reiffersckeibt 14 000 Stimmen. Die Gegenkandidaten erhielten etwa 2500 Stimmen. Aus drei Ortschaften steht das Wahlergebnis noch auS.
— DaS neue weimarische Landtagswahlgesetz. Der Landtag Hai das neue Landtagswablgeseh mtt 20 gegen 12 Stimmen angenommen. Es ste« sich jetzt wie folgt bar: Die zehn privilegierten Wahlen ber Großgrundbesitzer und der »Tausend- taler-Männer" bleiben bestehen, 5 neue Abgeord nete aus den Berufsständen (je ein Vertreter bei Universität Jena, ber Handels- und der Handwerkerkammer, ber Landwittschafiskammer und bei Arbeiterkammer) kommen dazu, sodaß der Landtag in Zuttinst aus 38 Abgeordneten besteht. Das Wahlalter wirb von 21 auf 25 Jahre hinaufgesetzt und die Amtsperiode der Abgeordneten von 3 auf 6 Jahre erhöht. Die letzten beiden Bestim- mungen stellen die wesentlichen Abänderungen des Ausschusses dar, die dem Kompromiß zwischen Liberalen und Konservativen ihre Annahme verdanken.
— Aus der Familie Krupp. Essen, 3. April. Auf den Krnvvschen Werken wird folgender An
wieder lächelt. „Fee," sagtest Du beim Abschied, „alles Liebe, bas ich den Eltern nickt erweffen kann, bas mußt Du statt meiner ihnen tun* Daran habe ich gedacht, baran denke ich noch und es half mir zuerst die Scheu überwinden, die ich vor Eroßvapa fühlte. Jetzt bin ich darüber hinweg und fein Brummen schreckt mich nicht mehr, ich habe gelernt, seine Pfeisen zu stopfen und sie kunstgerecht mit dem langen Fidibus aus Pa"ier anzuzünden, ich lese ihm die Zeitung vor und lernte das Schachspiel. Weißt Du, Großpapa gibt mir lettische Stunden, Erieting läßt es sich angelegen fein, den Unterricht fort« zusetzen. Mit Eroßing gehe ich in die Haus- lammet, durch Küche und Keller, in den Garten und in die Ställe für Fasel und Schweine. Solch ein großc'' Haus auf dem Lande ist ein kompliziertes Uhrwerk mit vielen Rädern, die in- c nandergreifen, und ich bewundere den klugen Uhrmacher, in diesem Falle mein geliebtes Eroßing.
Doch ich will Dir, mein Herzenspapa, von Mitau erzählen, wo wir zur Saison gestern ein» getroffen sind, nachdem Eroßing und ich einige Tage in Riga waren unb viel mit Be- forgungen und Schneiderinnen zu tun hatten. Weniger für mich, denn Du hast Dein Kind reichl'ck mit allem versorgt, aber die Eesell- schaftstoilette Eroßings bedurfte der Nachhülfe. Ich läge Dir, lieber Papa, sie sieht wunderhübsch in dem schweren Erauseidenen aus mit be« schönen alten Spitzen, die noch von ihrer Mutt ter stammen, ich bin ganz stolz auf sie unb De wärest es auch, wenn Du sie sähest. Ihr liebe» Gesicht mit den sanften Augen ist, wie mtt scheint, ganz verjüngt. Als ich es ihr einmal sagte, schloß sie mich in die Arme.
„Weil ich Dich jetzt habe," erklärte sie mit, „deshalb bin ich auch um zehn Jahre jünger geworden, wenn nur Dein —“ sie vollendet» den Satz nicht, aber ich wußte, was sie mehrte und Du wirst es auch erraten, nicht?
iFvttietzung folgt)