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MchW Iälmg

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

Man «bann ert auf di« täglich erscheinendeOberbrssische W* On Zeitung" be- allen Postämtern und unser» ZeitungSktellen in

JtS. Ov Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21.

Der Bezugspreis beträgt durch die'Polt 2,25 Mk. lohne Bestellgeld), be- unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonnt« 4 April 1909.

Dis JnsertionSgebiidr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: ssoh. Auq. Koch, UnioersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Elweites Blatt.

Rech ist es Zeit für das 8. Quartal auf die

i Oberheffiiche Zeitung

|u abonnieren.

Dee Bezugspreis für dieOberhesfische Zei- tung" beträgt vierteljährlich bei allen Postämtern 8 MaUk 86 Pf., bei der Expedition (Marburg, Haiti 81) 8 Mark.

Ncn hinzutretende Abonnenten erhalten de« Begin« der Erzählung von Heinrich Raumann auf Wunsch nachgeliefert.

Neues Material zur O'tmarkenfraae.

3® der soeben erschienenen Bernhardschen SammlungPreußische Städte im Gebiete des polnischen Nationalttätenkampfes" hat der Generalsekretär des Ostmarkenvereins in Posen F. Bosberg die Entwicklung der Stadt Enesen unter den Einwirkungen des Nationalitäten- kamp^es in ein,: Weise behandelt, die es auch den Kernstehenden ermöglicht, einen Einblick in die entscheidenden Entwicklungsvorgänge auf dem Gebiete der ostmärkiichen Städtepolitik zu tun. Wir greifen aus dem Inhalt dieser inter- esianten Studie folgende Ergebnisse heraus, in­dem mir «ns vorbehalten auf die ganze Sarnrn- h. -' und speziell auf die bedeutsamen einlei­tende« Ausführungen ihres Herausgebers, Pro­fessors Bernhards, noch zurückzukommen.

E-efen lildet den Typus einer mittleren ost- inärkifchen Stadt im Gebiete des heißesten Kampfes. Es zählt gegen 24 000 Einwohner, von denen über 14 000 Polen sind. Es ist rings von "aserngütern umschlossen, die die Ansied­lungskommission seit 1886 gegründet hat. Nicht weniger als 35,10 Proz. (= 19 785 Hektar) der Gesamtfläche des Kreises hat die Kommission angekauft und bis auf einen kleinen Rest be­siedelt. Gewaltig ist die Verschiebung des Na­tionalitätenverhältnisses unter der ländlichen Bevölkerung des Kreises. Während die Deut- Ichen von 1886 weniger als ein Fünftel der Ee- --mtkopfzahl ausmachten, bilden sie jetzt ziem­lich ei* Drittel. Sie vermehrten sich um 104 Prozent, die Polen gingen um iy2 Prozent zurück.

Wie haben die Verhältnisse auf die Kreis- ftaot selbst eingewirkt? Nicht in dem Sinne, daß der polnische Bevölkerungsanteil zurückge- gangen wäre. Er steht fast noch genau auf dem Nivea« von vor zwei Menslgenaltern. Er be­trug 1835 : 58,4 Proz., 1905: 60 Proz. Und das, «bwohl Enesen seitdem eine starke Ver- mehr«»g seiner deutschen Beamtenschaft und eine Garnison erhalten hat. Wohl aber M sich die Stadt, seitdem die Anfiedelungsko "on sie mit einem Gürtel deutscher Dörfer Len

18 (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Origi«at-Roman von Freifrau Gabriel« v. Schlippenbach.

(Fortsetzung. I

Ich habe den besten Willen dazu," dachte er,wenn doch nur eine solche Augen wie die jun e Fremde im Pferdeb». nwagen hätte, solche sterngleiche, braune Samtaugen, wie ich sie noch in keines Menschen Gesicht gesehen habe."

Das Gespräch der beiden Freunde auf der Eismbahn war von zwei scharfen, rosigen Ohren gehört worden, obgleich die Eigentümerin nur de: Rücken Baron Retters durch die schmale Spalte sah. Bei Schöningks kraftvollem Organ zuckte sie leicht zusammen und unwillkürlich la:schte sie mit gesteigertem Interesse, als von ihrer Person die Rede war.

Felicitas Lippen kräuselten sich verächtlich, denn sie war der unfreiwillige Zeuge der krän­kende» Unterhaltung. Frau von Rothenfeld um. ihre Enkelin kamen aus Riga, wo sie in Toilettenangelegenheiten zu tun gehabt, die ältere Dame war müde von den Besorgungen, sie saß in der Ecke am Fenster und war einge- schlafe«.

Während der Zug dahineilte, dachte da» turne Mädchen über die letzten Wochen nach, sie dachte mit heimlicher Freude an sie, schien es thr doch, als rücke sie dem vorgesteckten Endziel tote» Strebens näher, als beginne die heilige Ausgabe, die der geliebte Vater ihr vorgeschrie- hen, als er sie nach Kurland zu schicken wünschte.

Fee konnte ihrem Vater nicht genug über das alte Hau», über Land und Leute und über don Großvater schreiben, den sie vom ersten Iliend an in ihr junges, liebebedürftiges Herg- ihe« Mjchlosie» frtic

hat, kulturell und wittschaftlich mächtig ge­hoben. Zahlreiche Geschäfte sind durch die An- siedlerkundschast neu entstanden, alte haben sich bedeutend vergrößert, der Verkehr auf der Eisenbahn, Post usw. hat sich verdoppelt und verdreifacht, der Giroverkehr bei der Reichs­bank hat das 21 fache erreicht, das Eefchäfts- und Verkehrsleben hat mit einem Wott in ver­hältnismäßig kurzer Zeit einen ganz über­raschenden Aufschwung genommen, einen Auf­schwung, den andere Städte der Provinz, die nicht Ansiedlungszentren sind, nicht entfernt aufzuweifen haben. Garnisonen gibt es an­derwärts auch, eine starke Beamtenschaft nicht minder. Der Aufschwung aber, den Enesen ge­nommen hat, findet seine Wurzeln in dem Werke der Ansiedlungskommission, die 900 deutsche Familien in der Umgebung der Stadt seßhaft gemacht hat

Und diese machtvolle wirtschaftliche Ent­wickelung ist in erster Linie den Deutschen in der Stadt zugute gekommen. Die Tatsache, daß die Zunahme der deutschen Geschäfte in Enesen größer ist als die Zunahme des deutschen Bevöl­kerungsanteils. ist in dieser Beziehung be­weisend. Nicht minder, daß umgekehrt die Zu­nahme der polnischen Geschäfte geringer ist als die Zunahme des polnischen Elements in der Stadt. Und nicht bloß das. die polnischen Ge­schäfte sind auch die weitaus kleinern. In pol­nischer Hand liegen Grünzeug-, Obst- und Milchgeschäfte, die Deutschen dagegen beherr­schen den > olonialwarenhandel. das Konfek- tions-, Weiß- und Schnittwarengeschäft usw. Sie zahlen genau doppelt so viel an Gemeinde­steuern als die Polen, und berechnet man die C .euetn auf den Kopf der Bevölkerung, so fallen auf sie fdgar 11,49 auf die Polen nur 3,71 M.

Eine bemerkenswerte Folge dieser ausge­sprochenen wirtschaftlichen Ueberlegenheit der Deutschen isLMie Tatsache, daß das polnische Element seit" 1897 aus der Stadtverwaltung all­mählich vollständig ausgeschaltet ist. Trotzdem die Polen die zwei Drittel-Majorität in Enesen besitzen, vermögen sie bei den Stadtverordneten­wahlen nicht einmal in der dritten Abteilung einen Kandidaten durchzubringen. So ergibt sich die merkwürdige Erscheinung, daß diese Hochburg des Polentums rein deutsch geleitet wird.

Die Arbeit Vosbergs ist mit diesen Ausführ­ungen nicht erschöpft. Der Politiker und Jour- naiist wird noch öfter auf sie zurückgreifen. Uns kam es heute darauf an, zu zeigen, welche Wirk­ungen von dem Werke der Ansiedlungskommis­sion auf die Entwicklung unserer ostmärkischen Städte ausgehen.

Politische Umschau.

Von ben Technischen Hochschulen.

Der Besuch der Technischen Hochschulen ist stark zurückgegangen. In Berlin waren im Jahre 1902 4070 Hörer, 1908 2291, Hannover in den­selben beiden Jahren 1605 und 1015, in Aachen

Und der Baron? Nun, er war wirklich rein vernarrt in seine Enkelin, die bis auf die dunkeln Augen vollständig seinem toten Lieb- Ung glich.

Wie eine taufrische Mairose blühte das holde Erschöpf zwischen den beiden alten Leuten, ihr leichter schneller Tritt glitt durch die hohen Zimmer, ihr frohes Singen neckte das Echo in dem langen Korridor und ihr Finger klopfte furchtlos an die Tür der Löwenhöhle.

Darf ich hineinkommen, Großpapa, ich bin es, Deine kleine Fee."

Sie wartete kaum die Antwort ab, so war sie schon da, und mit ihr flutete Licht und Co.rnr in das Zimmer, Jugend und Frische. Zu­traulich schlang der weiße Arm sich um des alten Mannes Nacken, zutraulich schmiegte sich das blonde Köpfchen an den grauen Kopf, dessen spärliches Haar in diesem Winter, während der Trennung vonseinem Minchen", merklich weiß geworden war. Auch die Gatten hatten sich in treuer Liebe wieder gefunden und Frau von Rochenfeld konnte nicht genug tun in der Pflege ihres Alten. Wie wohl fühlte er sich jetzt zwi­schen der sorgenden Gattin und der lieblichen Enkelin, die in Aufmerksamkeiten wetteiferten und ibn verwöhnten. Wirklich, er vergaß das t ummen und fein sonores Lachen einte sich dem silbernen Fees.

Ich war ein alter Esel," sagte Rothenfeld, als Baron Schöningk Ende Januar nach Hollen herüberkam, zum ersten Mal seit jenem denk­würdigen Weihnachtsabend.

Warum?" fragte Schöningk mit unschul­diger Miene.

,Ma, daß ich zwei Monate hier allein hockte," polterte Rothenfeld,hätte ichMien" gleich b'n Willen lassen sollen, weißt Du, aber sage es ihr nicht, sie hißet sich sonst «in, daß ft« jetzt

754 und 621, bei der Technischen Hochschule in Danzig ist die Besucherzahl von 246 im Winter 1904/05 auf 623 gestiegen. Die Abnahme von Berlin ist nicht zum gettngen Teile auf die Zu­nahme von Danzig zurückzuführen, die absolute Zahl der Ausländer ist konstant geblieben, der Prozentsatz natürlich infolge des Rückganges der Besucher überhaupt gestiegen. Jeder Ausländer muß pro Semester 50 M extra bezahlen, mit Aus­nahme der Luxemburger, die als Angehörige des Zollvereins als Inländer behandelt werden. Eine Befürchtung vor der Konkurrenz der Ausländer dadurch, daß sie unsere technischen Einrichümgen und unsere technischen Wissenschaften kennen ler­nen besteht nicht. Im übrigen würden sie sonst auch nach Süddeutschland gehen oder ins Aus­land. Man hat auch Vorsorge aetroffen, daß die unerwünschten ausländischen Elemente fernge- halten werden und daß die Ausländer auch eine wesentlich gleichwertige Vorbildung haben wie die Inländer, so daß dadurch verhindert wird, daß die Abiturienten der sechsklassigen russischen Realtck>'cken Ausnahme finden. Die Technische Hochschule zu Hannover ist deshalb zurückgeblie­ben. weil das Raumbedürfnis bislang nur in ge­ringem Maße befriedigt werden konnte. Jetzt ist die Königs Ulanen Kaserne frei für die Technische Hochschule, aber auch dadurch wird dem Bedürfnis noch nicht genügt.

Deutsche und englische Arbeiter zur Flottenfrage.

Wie aus Aeußerunaen verschiedener Mit­glieder der Arbeiterfraktion des Unterhauses hervorgeht, geht die englische Arbeiterpartei in bei Flottenfre -e durchaus mit den bürgerlichen Parteien Ha.d in Hand. Der Londoner Daily Telegraph berichtet über eine Aeußerung des Arbeft erabqeordueten Steadman, die erbautet ^en soll:So out wie feder andere lege ich Wert auf Sparsamkeit, bin aber doch der Meinung, daß wir in unserer Seemacht einen Zwei-Mcichte-Maßstab plus 10 Proz. haben muffen. G<- würde eine falsche Sparsamkeit fein, unseren gewaltigen Seehandel und unsere Ko­lonien in einem nicht hinreichend geschützten Zustande zu lassen. Die Regierung sagt, wir brauchen mehr Dreadnoughts: also müssen wir sie haben." Muß sich nicht angesichts dieses ge­sunden Urteils die deutsche Arbeiterbevölker­ung aufs tiefste beschämt fühlen, daß die sozial­demokratische Fraktion, des deutschen Reichsta­ges, die sich als die einzige und wahre Vertre- ter'n der Arbeiterinteressen aufzuspielen pflegt, nach wie vor jede Mitwirkung au der Rüstung Deutschlands zur See r -weigert?

Di« Taktik der Soztaldemokratt«

bei der MilitLrdebatte wird selbst in einigen Sozialistenblättern als unehrlich gebrand- markt.So hält dieBremer Vürgerzeitung" dem Abg. Dr. Frank vor, daß seine Darlegungen einen Geist geatmet haben, der nicht der Geist der Sozialdemokratie sei. Insbesondere die Be­hauptung des genanntenGenossen", daß die Sozialdemokratie hoffe und wünsche, auf fried­lichem Boden die Forderungen der A-beiter-

tm-er Recht hat, das taugt nichts für die Frauensleute, die immer kutschieren wollen."

Mit den bösen Eichtschmerzen ging es immer be^er und Doktor Eörner, der jeden Dienstag mt1 seinen beiden Schecken nach Hollen kam, freute sich über seinen Patienten. Schon konnte der Baron mit Hilfe eines Stockes einige Schritte gehen.

»Stütze Dick auf mich, Großpapa," sagte Fee und bot ihm die junge, zarte Schulter dar und d 1 schwere Hand des alten Herrn lag wuchtig auf der Enkelin schmächtigen Gestalt, aber sie lachte fröhlich, als er brummte:

Du Schmaltierchen, bin Dir wohl zu schwer?"

Die furchtlosen, offenen Augen blickten Ihn lc" elnd an und Felicie sagte:O, nein, ich bin sehr stark!"

Du kleiner Flederwisch, mache Dich nicht so w'fttig, ich könnte Dich mit einem Finger um­werfen."

Aber Du tust es nicht, dazu hast Du mich vi.l zu lieb, gelt?" Sie jubelte es in ihrem süddeutschen Dialekt und schmiegte sich zutrau­lich an ihn.

So? Glaubst Du das?" neckte Rothen­feld,Du bist recht eingebildet, Maus."

Er gab ihr oft solche Namen, dieselben, die «r früher dem eigenen Töchterchen gegeben.

Das Sc" en, das Fee feit ihrer Ankunft in Kurland führte, war in der ersten Zeit recht st. l, die Nachbarn hielten sich entfernt aus Zartgefühl, denn die Kunde von dem Erscheinen des jungen Mädchens hatte sich schnell verbrei­tet. In Wirklichkeit brannte man vor Neu­gier, sie kennen zu lernen. Der erste der alten F unde, der nach Hollen kam, war Mandan, der in Gescyäften bts Oberhauptmannsgerichtes -u tun hatte. Er mt von Fees anmutiger Er«

klasse zu verwirklichen, hat das Bedenken be» Bremer Sozialiftenblattes erregt. Es schreibt deshalb, es teäre eine unwürdige Heuchelei, wenn die Mehrheit der Sozialdemokratie er­klärte, daß sie auf eine friedliche Verwirklichung ihrer Ideale hoffe. Eine solche Hoffnung dürfe nicht geheuchelt »erben, ein solches Spiel müsse den Interessen des Proletariats ins Gesicht schlagen. Es müsse vielmehr der Arbeiterklasse die Einsicht beigebracht werden, daß sie großen Kämpfen entgegengehe und ihre Kräfte sam­meln müll-. (£' fei o ich naiv, daraus zu speku- Heren, daß die Bourgeoisie durchfriedfertige* Erklärungen hinters Licht geführt werden könnte. Mit einem Wort, Frank habe nicht das Recht gehabt, im Namen der Partei eine solche Erklärung abzugeben. Schließlich fordert das Blatt, daß die Unterscheidung der revisioni­stischen von der revolutionären Sozialdemokrat tie wenigstens bei dem parlamentarischen Aus treten bemerkbar zu machen sei. DieBremer- Vürgerzeitung" mag es von ihrer Seite aus ganz ehrlich meinen; aber in dem vorliegenden Falle hat der Abg. Frank ohne Zweifel im Auf­trage der Franktion gesprochen. Die ganze Krrona mit Bebel, Singer und v. Volkmar an der Spitze, hat seine Ausführungen mt leb­haftem Beifall begleitet. Es fei auch keines­wegs ein Zufall, daß die sozialdemokratische Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses in grnz gleicher Weise wie Dr. Frank und Noske im Reichstage denfriedfertigen" Cha­rakter der Sozialdemokratie herauszustreichen bei jeder Gelegenheit bemüht ist.

Abgeordneter Naumann.

IrrBerliner Tao^lati" hat der national- soziale Abgeordnete Naumann wieder einmal seinem Herzen Luft g macht. Ihm scheint end­lich das Morgenrot de" liberal-sozic 'demokrati­schen Verbrüderung zu leuchten. Er schreibt: Jetzt stehen diejenigen zusammen, die zusam­men geboren. Was am Freitag in der Finanz- kommission Tiberstimmt wurde, ist die Zukunfts­mehrheit von Bebel bis Bassermann."

DieFreisinnige Zeitung" hat sich beeilt, den Naumannschen Enthusiasmusu dämpfen. C - bemerkt parteiof ziös:Wir haben di« Naumannschen Theoisi. . über das Wesen und die zu' nftige Entwicklung der Sozialdemokra­tie niemals geteilt, und wir glauben n«,i, daß die Freisinnige Volkspartei Veranlassung hat, ihre Haltung gegenüber der Sozialdemokratie irgendwie zu ändern . . . Wir legen auf die Einigkeit der Fraktionsgemeinschsft ben größ­ten Wert, wir befürchten aber, baß durch der­artige Ausführungen über ein Zusammengehen M't d Sozialdemokratie die Einigkeit nicht ge ördert, sondern -tt,iört wird."

H-rr Naumann Hot also zu früh gejubelt; er wi " sich schon entschließen müssen, zur Barth- Partei oder noch besser, zur Sozialdemokratie se" st abzuschwenken, wenn er sein Ideal ver- r irklicht sehen will. h dieNationalliberale Korrespondenz" rüttelt Naumann aus seinen neuesten _>lotfträumen unsanft auf.Di« nationalliberale Partti wird" so schreibt das P rteiorganfür "ine solche törichte Politik

sch -nung bezaubert und regte zuerst in Rothen­feld einen Gedanken an, der später zur Ausführ­ung kam.

Du mußt mit Deiner Enkelin nach Mitau zu Saison," : ".et Mandau,es ist die beste Art, sie im Lande einzuführen, meine Frau wird mit unseren beiden Töchtern auch hingehen." Du bist verrückt, Karl," schalt Rothenfeld, -''u siehst doch, daß ich kaum kriechen kann.

Bis zur Eröffnung des Landtags bist Du gesund," versicherte der Oberhauptmann zuver­sichtlich. Anfangs Februar geht der Schwindel lo vorher nicht."

Und wirklich, jeder Tag brachte einen Fott- f' ritt in "m Befinden des Hausherrn, End« Januar fühlte er sich so wohl, daß er eines Ta­ges zu feiner Frau Jagte:

Was meinst Du, Minchen, ob wir nicht das K'nd zur Saison nach Mitau bringen, dadurch geben wir ihr die Stellung, die ihr gebührt, am £' . ihres Großvaters soll sie ben Saal im Rit­terhause betreten, in bem ihr Wappen als eine» ber ersten hängt."

Und so wurden die Koffer gepackt. Baron Adam holte den etwaSAaltmodisch gewordenen F a<1 hervor, Erieting glättete die echten Spitzen ihrer Herrin und Janze erhielt eine nagelneue Livree. ..

Felicie war von ihrem Vater reichlich mit all- n versorgt; die in Wien gearbeiteten Haus-, Straßen- und Ballkleider saßen tadellos, ttotz- dem mußten die Damen doch zuerst nach Riga, um noch manches zu besorgen, während Baron Adam dirett nach Mitau reifte und im Hotel Linde Wohnung nahm.

Der aus Riga kommende Zug läuft in dem Mitauer Bahnhof ein, Frau von Rothenfeld erwacht und reibt sich die Augen.

(Fometzung folgt.) I