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MchM ZeiluW mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain «B und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Berlage."

HS 77 "ll-^Poftämtkm^unb^nS^SunVAetten In ^er 7«aMtem Zelle

J15, < < Kirchhain und Wetter sowie bet unserer Expedition - Markt 21. »der deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. ..

Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne 1 9Th*4r 1 QAö Druck und Verlag: Iah. Auq. Koch, UnwersttätSbuchdruckereiollljly«

Bestellgeld), bei unfernZeitungSstellen und der Expedition 2Mk.1 JlUlCi, lUfl 1. /lp II laUU. Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

Crites Blatt.

Das Fortbildungsschulwejen in Preußen.

Das gewerbliche Unterrichtswesen gliedert sich In der Hauptsache in Fortbildungsschulen und Fachschulen. Der Gegenstand dieses Unterrichts- Wesens ist vor allem die Ausbildung der gewerb­lichen Arbeiter. Die Fortbildungsanstalten stellen fich demnach zunächst vielfach als Ergänzungs­schulen dar, die den jungen Leuten Gelegenheit geben, sich ein Bildungsminimum anzueignen. Daneben bildeten sich Wiederholungsschulen, Sonntagsschulen zur religiösen und sittlichen För- derung der Heranwachsenden Jugend und Hand­werkerfortbildungsschulen, die den Schwerpunkt auf die technische Fortbildung legten.

Im Jahre 1874 wurde zum ersten Male ein Posten von 142140 M zur Unterstützung der Fort­bildungsschulen in den Staatshaushaltsetat ein­gestellt, während bis dahin Zuschüsse nur von der Gewerbeverwaltung geleistet worden waren. Da­mals gab es in Preußen 435 derartige Anstalten, von denen in 176 der Unterricht obligatorisch war. Das Kultusministerium hatte zu gleicher Zeit mit der etatsmäßigen Unterstützung des Fortbildungs- schulwesensGrundzüge für die Einrichtung ge- werblicher Fortbildungsschulen" aufgestellt, in denen als deren Aufgabe festgesetzt war:Die Volksschulbildnng der Zöglinge zu befestigen, zu ergänzen und mit der Richtung auf Erhöhung ihre Erwerbsfähigkeit und Eriverbstüchtigkett zu er­weitern."

Seitdem hat der Ausbau des Fortbildungs- schulwesrns sich in ununterbrochener Bewegung weiter vollzogen. Für die letzten Jahre ergibt sich wie dasReichs-Arbeitsblatt" mitteilt, nach dem zweiten Verwaltungsberichte des König­lich preußischen Landesgewerbeamts für die ge­werblichen Fortbildungsschulen für die männlich« Jugend folgendes Bild:

1904 1290 Schulen mit 201 716 Schülern

1905 1.395 226 574

1906 1535 261 341

1907 1579 280 427

Von diesen Schulen waren 1904 107, 1905 94, 1906 85 und 1907 nur noch 74 ohne Schulpflicht.

Im Jahre 1872 beschloß bereits der erste Deutsche Handwerkertag in Dresden,daß der j Besuch von Fortbildungsschulen ein obligatori­scher werde". Gleichwohl hat die Regierung von einer gesetzlichen Regelung dieser Frage bislang Abstand genommen, da eine gesetzliche Einführung der Schulpflicht für die Fortbildungsanstalten wie sie auch wiederholt vom Reichstage gefordert worden ist an den örtlich verschiedenen Verhält­nissen in den einzelnen Gewerben scheitern mußte. Aus den erwähnten Berichten des Landesparla­ments geht jedoch hervor, daß diese Schwierig­keiten mehr und mehr zurücktreten, wozu der Er- I laß von Schulgeldern oder die Gewährung von I Stipendien für den Lobnausfall und nicht zuletzt I

16 (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Noman von Freifrau Gabriel« v. Schlippenbach.

i Vornetzung.»

Wie lange werde ich von Dir getrennt sein, mein teurer, einziger Pap"?" fragt Fee,o, ich fürchte mich vor dem fremden Lande und den Menschen, die mich mit Vorurteilen ansehen werden."

Du wirst sie besiegen, mein Liebling. Wir Kurländer wurzeln tief im Heimatboden, Du wirst es erfahren, denn Du hast ja selbst kuri- sches Blut in den Adern, Du wirst unser Vater­land schnell lieb gewinnen und Dich als sein Kind fühlen."

Lange sprechen sie zusammen, wobei der blonde Mädchenkopf zärtlich an Rothenfelds Schulter lehnt immer klarer erscheint Fee der Weg, den sie gehen muß, und ihr mutiges Herz will den Kamps aufnehmen, gilt es doch, des Vaters Seelenfrieden zu erkaufen.

Um sieben Uhr abends ist Friedrich Johann auf dem Bahnhof und erwartet seine Mutter er hat seine Tochter nicht mitgenommen, bei dissem Wiedersehen darf selbst sie, sein Liebstes, nicht zugegen sein. Auch keine Feder kann es schildern, den» es gibt Augenblicke im Menschen­leben, die fich der Beschreibung entziehen.

Und doch fällt ein bitterer Tropfen in den Freudenbecher. Johann von Rothenfeld hatte beim Empfang der Depesche gehofft, daß auch der Vater Ne Enkelin in Hollen willkommen heiße, nun teilt sein« Mutter ihm den Sachver-

dte Anpassung der Schulzeit und der Unterrichts- stundenzahl an die beruflichen Verhültnisie das chre beigetragen haben.

Die Zahl der Unterrichtsstunden ist bereits durch den erwähnten Erlaß von 1884 erheblich vermindert worden. Während sie bis dahin nicht selten 16 Stunden wöchentlich betrug, mußte sie fortan auf vier bis sechs Stunden eingeschränkt werden. Das Schuljahr muß bei neugegründeten Schulen mindestens 40 Wochen umfassen, bei eini­gen älteren Schulen ist die Wochenzahl geringer. WaS die Gliederung der Schulen anlangt, so sollte sie nach einem späteren Erlaffe von 1897 vier Stu­fen und eine Vorstufe umfassen. Der Lehrstoff hat sich jedoch allmählich so gehäuft, daß durch die Praxis eine andre Gliederung herbeigeführt tvurde, nämlich durch eine solche in drei Jahres­klassen mit einer oder mehreren Vorklassen.

Die Aufbringung der Mittel hat in der Regel durch die Gemeinden zu geschehen. Seit 1874 aber hat der Staat in immer steigendem Umfange Zu­schüsse bewilligt. In den letzten Jahren betrugen diese Staatsbeiträge: 1901: 918 543; 1902: 1049 849; 1903: 1147 332; 1904: 1405 71*1; 1905: 1589180 und 1906: 1890 923 Mark. Da­nach hat sich seit der erstmaligen Zuwendung an den Fortbildungsschulen der Staatszuschuß mehr als verzehnfacht.

Der serbisch - österreiMcke Konflikt.

Der Schritt der Großmächte.

Belgrad, 30. März. Um 10 Uhr 30 Min. vormittags erschien der türkische Gesandte beim Ministerpräsidenten Nowakowitsch und teilte ihm mi'. daß die Türkei in der Frage der An­nexion auf dem Standpunfte der Großmächte stehe. Zu derselben Zeit fanden fich di: Ge­sandten Deutschlands, Frankreichs, Rußlands und Italiens auf der englischen Gesandtschaft ein, wo eine Konferenz abgehalten wurde. Um 11 Ahr vormittags begaben sich die Gesandten der Großmächte in Wagen in das Ministerium des Aeußern, wo der englische Gesandte, umge­ben von den übrigen Vertretern der Groß­mächte, ' dem Minister des Aeußern, Milano- witsch eine Aide M^moire über die von Ser- bieir Oesterreich-Ungarn zu überreichende Er­klärung übermittelte. Rach etwa zwanzig Mi­nuten verließen die Gesandten Deutschlands, Frankreichs und Italiens das Ministerium. Der englische und russische Gesandte blieben noch ein: halbe Stunde beim.Minister Milanowitsch. Der russische Gesandte verließ als letzter das Gebäude.

Das deutsch-österreichische Bündnis.

Wien, 30. März. DieZeit" führt aus: Deutschland hat in der Tat nicht gezaudert, den falschen Darstellungen gegenüber, die das auf den ritterlichen Freundeseifer Kaiser Wilhelms zurückführen wollten, während der Kanzler an­geblich mehr zur Zurückhaltung geneigt habe, wird in Bülows Rede ein aktenmäßiger Gegen­beweis geführt und diese unerschütterliche Prin- zipienerkläruilg der deutschen Politik ist, wäh­rend die Gefahren der internationalen Krisis wuchsen, mit Nachdruck erneuert worden. Wir konnten es uns kaum vorstellen, daß die Stunde

halt mit, sie sagt ihm, daß der Freiherr unver- sönlich scheint, daß sie dem Ruf des Sohnes zwar gefolgt fei, jedoch mit blutendem Herzen. Und der erwachsene Mann, der vom Leben ge­prüft ist, er findet anfänglich keine Worte, um der zu danken, die er so tief betrübt, er stam­melt nur das eine Wort, das für ihn alles sagt: Mutting, mein Mutting!"

Einige Tage sind vergangen, jede Stunde bringt den Wiedervereinigten köstliche Augen­blicke und Fee hat noch nie das ernste Gesicht ihresgoldenen Papa" so glücklich gesehen. Sie und die Großmutter fühlen sich seit dem ersten Moment zu einander hingezogen und die Baro­nin findet eine so grcße Ähnlichkeit zwischen ihrer eigenen Tochter und der Fee, daß fie fast meint, ihr lang verlorenes Kind vor sich zu sehen. Rur wenn Fee bte langen Wimpern senkt, ist die Täuschung vollkommen, so bald sie die Lieder hebt, schwindet für Frau von Rothen­feld der Traum, die dunkeln, samtweichen Augen des jungen Mädchens find ja grundverschieden im Schnitt und Ausdruck von den blauen der älteren Felicie, oder Felicitas, wie man sie nannte.

O, wie genossen es Mutter und Sohn, fich wieder zu haben, wie viel hatten fie sich zu er­zählen, wie flog die Zeit dahin! Sie war allzu kurz bemessen, denn nach acht Tagen schon mußte der Zirkus Red in Moskau einlaufen. Vorher begleitete Fttedrich Johann aber die beiden Damen nach Bozen in Tirol, wo fi« einstweilen bleiben sollten. Der Abschied fiel ihm schwer und doch war sein Herz ruhiger und er ließ sein Kind in heuet Obhut zurück. Ein Brief aus

kommen würde, die unsere Gegenseitigkeit der Bundespflichten zu ihrem vollen Werte zu vollem Bewußtsein brächte; aber nach dreißig stillen Jahren kam diese ernste Stunde doch und nun wissen wir:Wir stützen uns auf Deutsch­land und Deutschland auf uns. Die Armee Deutschlands und die Armee Oesterreich-Un­garns, jede für sich eine gewichtige Ziffer, bilden zusammen eine so imposante Machtsumme, daß jeder Anschlag auf den Frieden dadurch zurück­gescheucht wird. Wer kann da Qon einem Va­sallenverhältnis sprechen wo die stärkste, erprob- teste Gegenseitigkeit und Interessengemeinschaft besteht?

Budapest, 30. März. (Abgeordnetenhaus.) In Beantwortung der an ihn gerichteten In­terpellationen über die auswärtige Lage er­klärte Ministerpräsident Dr. Wekerle unter an­derem: Ich kann meine Rede nicht beenden, ohne auch meinerseits mit aufrichtigem Danke jener musterhaften Freundschaft und Bündnis, treue zu gedenken, welcher das Deutsche Reich ohne jeden Vorbehalt mit ganzer Hingebung uns gegenüber bezeugt hot, (lebhafter Beifall, Händeklatschen, Eljenrufe im ganzen Hause) und welche der Reichskanzler auch gestern im deutschen Reichstage zum Ausdrucke gebracht hat. (Erneuter lebhafter Beifall im ganzen Hause.) Ich möchte dessen mit aufrichtigem Danke gedenken und auch von dieser Stelle aus erklären daß diese Haltung auf unserer Seite vollen Widerhall findet und daß wir dieses Blind is nicht nur als ein der Form nach be­stehendes, sondern als ein Bündnis betrachten, das in dem Gefühl beider Völker eine sichere Wurzel besitzt. (Lebhafter Beifall.) An diesem Bündnisse müssen wir festhalten, weil dasselbe nicht nur unsere Interessen gegenwärtig r ' sondern auch einen mächtigen Faktor des dens bildet. (Lebhafte: Beifall imen Hause.)

Politische Umschau.

Zu Bülows Rede.

Köln, 30. März. In einem LeitartikelGe­rade und krumme Politik" sagt dieKöln. Zig.": Selten hat FL. st Bülow mit seinen Dar­legungen der auswärtigen Politik so ungeteil­ten Beifall gefunden tc"e gestern. Allenthalben wird dankbar anerkannt, daß die feste und ziel- 6er ßte Politik der i rutschen Diplomatie es ermöglicht hat, die orientalischen Verwicklungen zu entwirren und zugleich der Welt ins Gedächt­nis zurückzurufen, daß Deutschland auch heute noch b».: Anbruch hat auf bas Prestige, ben Stieben zu erzwingen. Es war der Wille zur Tat, der aus dieser Politik sprach. Diese Sprache hat fie populär gemacht. Vor dem Aeußersten, der Welt diesen Willen erst durch die Ttt zu beweisen, sind wir und die anderen, dank dem selbstbewußten und doch maßvollen Auftreten unseres ö^erreichischen Verbündeten, dank auch der Erkenntnis der Mächte, vor allem Rußlands, daß diesmal die Tat unmittelbar hinter dem Willen stand, bewahrt geblieben. Wir beglückwünschen Rußland, daß es in seinem Interesse dem gesund- Menschenverstände und der ruhigen Ueßerlegung die Ehre gegeben hat. Ihm tit es zu danken, daß nunmehr die Krise als beendet betrachtet werden kann, die Monate hindurch Europa beunruhigt hat. Die Politik

Kurland, ben Schöning! seiner alten Freunbin schrieb, brachte Kunde von dem einsamen, verbit­terten, alten Mann, der jetzt allein in dem großen Hause . : Hollen saß und der, wie Schö- mngk schrieb, finster und verschlossen vor sich hinbrütete.

Aber sei getrost, liebes Minchen, ich wirke für Dich, ich hoffe Dir bald bessere Nachrichten zu geben. Wenn mich meine feine Nase nicht täuscht, so fängt Adam r n. Dich zu vermissen es geschieht ihm übrigens ganz Recht, daß er einsieht, was er an Dir bat und wie töricht es w.:r, steif und fest bei feinem Starrsinn zu bleiben."

Damit schloß Schöningks teil"ng, die so­fort von der Baronin beantwortet wurde.

Ob er sie vermißte, fein treues Weib, die einzige, bte ihn noch liebte bie feine liebevolle Pflegerin bei ben schrecklichen Eichtschmerzen war, bte der Winter ihm alljährlich brachte! Unb just in biefem strengen Winter war es be- scnders arg damit, den ganzen Tag quälte ihn sein Uebel und allein saß er in der Löwenhöhle und qualmte eine Pfeife nach bei anbeten, schalt auf ben gebulbtgen Janze, bei ihm nichts nach seinem Sinn machen konnte, roetteite auf ben Inspektor: unb bie Wittschast unb das alles aus uneingeftanbenet Sehnsucht nach feinet Frau. Auch bas Essen war nicht in ben Munb )U nehmen, feine Lieblingsspeisen waren ver­dorben und bet Kaffee kalt. Jetzt etst merfte Rothenfelb, wie weise bie Wirtschaft im Hause von bet geleitet würbe, bie ihr seit vierzig Jahren vorgestanben, früher ging alles wie am Schnürchen, und nun ging alle» aus dem Leim.

des geraden Weges, wie wir sie im Orient be­obachtet haben, hat auu) England gegenüber und In der viel umstrittenen Rüstungsfrage ihre» Erfolg gehabt. Achtungsvoller als in de» jüngsten Verhandlungen des englischen Patla- mentr, bei aller achlichen Meinungsverschie­denheit, wurde das Deutsche Reich auch zu seinen besten Zeiten nicht bebandelt.

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Aus dem Reichstage.

Das HauS zeigte gestern dieselbe Signatur wie am vorhergehenden Tage. Fast scheint es, als hätten die Fragen der inneren Polittk, die heute in der Fort­setzung der Beratung des Etats des Reichskanzler» und der Reichskanzlei zur Besprechung gelangen sol­len, eine noch stärkere Anziehungskraft als die vor­gestern behandelte Auslandspolittk. Bundesratsttsch, Haus und Tribüne sind voll, zum Teil übervoll be­setzt. In der Hofloge erschienen Prinz und Prinzessin August Wilhelm und Prinz OSkar.

Abg. Basiermann (natlib.) behandelte sogleich die im Brennpunkte stehende Frage der Reichsfinanz­reform im Zusammenhänge mit der vermeintlich be­reits zur Tatsache gewordenen Sprengung des Blocks. Die Finanzreform, führte er aus, mutz, soll nicht daS Zentrum seine Herrschaft verschärft antreten, vom Block gelöst werden. Will man aber den Liberalismus ausschalten, so kann er die Blockpolitik nicht mehr mitmachen; er wird sich auf eigene Füße stellen müssen. (Bewegung).

Es folgte ein kleines, nicht gerade in diesem Augen­blick erwartetes Intermezzo. Der elsässische Zen­trumsabgeordnete Bonderschrer brachte die in Aus­sicht gestellte Aenderung in der staatsrechtlichen Stel­lung der Reichslande zur Sprache. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg erwiderte: die Grundlagen einer Aenderung im Sinne einer Annäherung an die Verfassung der Einzelstaaten (unter Ausschaltung des Reichstags für die elsaß-lothringische Landesgeseh- gebung) seien festgestellt, hätten aber die Zustimmung innerhalb des Bundesrats noch nicht gefunden. Die verschiedenen Ansichten in den Reichslanden selbst er­leichterten nicht gerade die Lösung der staatsrecht­lich anerkanntermaßen ohnehin schwierigen Frage«.

Die vom Abg. Bassermann eingeleitete Debatte führte darauf der konservative Redner weiter, Frhr. v. Rickthofen-Damsdorf. Er erklärte die Bereitwillig­keit seiner Partei zur Bewilligung von 100 Millionen Besitzsteuern und hob ihre entgegenkommende löaltung bei einigen Einzelsteuern hervor. Die Nachlaßsteuer sei in der Versenkung verschwunden. Darüber, was an ihre Stelle treten solle, spreche er sich nicht aus. Nene Vorschläge zu machen, sei Sache der Regierung, nicht der Parteien. Der konservative Sprecher be­zeichnete es als unwahr, daß seine Partei ausgespro­chen habe, sie wolle den Block sprengen und die Fi- nanzreform mit dem Zentrum machen; sie habe viel­mehr gesagt, sie müßte die Masorität nehmen, wo sie sie finde. Das Vaterland gehe den konservativen nicht nur über die Partei, sondern auch über die Parteikonstellation.

Die Freisinnigen sagten durch den Abg. Dr. Kle­mer ihre weitere Mitwirkung bei der Sanierung der Reichs-Erwägungen zu. Diese sei allerdings davon abhängig, daß die Verbrauchsbesteuerung ihre Ergän­zung durch eine allgemeine ausreichende Besitzbesteue­rung fände. Ohne letztere könnten sie keine indirekten Steuern bewilligen, Nachlaß- und erweiterte Erb­schaftssteuer müßten kommen. Dem Bund der Land­wirte warf RednerAgrardemagogie" vor. Es folgte eine lange Rede des Sozialdemokraten Dr. David. Dann erklärte namens der Reichspartei Fürst v. Hatz- fe(b: Meine politischen Freunde sind darin einig, daß im Deutschen Reiche keine einseittge Jnteressenpolittk auch keine einseittge agrarische Polittk betrieben wer­den soll (Beifall). In ihrer großen Mehrheit werden fie sich mit der Anlehnung der Erbschaftssteuer auf Deszendenten und kinderlose Ehegatten abfinden, wenn das Zustandekommen der Finanzreform davon

Die Leute fünbigten, benn fie vermißten bie freundliche Herrin unb wurden von ihm heftig angefahren. Tief verschneit waren Weg und Steg, es fror 15 bis 17 Grad unb jedermann faß zu Haufe, keiner von den Nachbarn zeigte fich in Hollen.

In dumpfem Brüten blickt der Freiherr vor sich hin. Sollte er jetzt immer so einsam blei­ben? Würde sein Minchen nie wiederkehren? Mußte er im Alter verlassen fein von ihr, die ihm einst am Traualtar die Treue geschworen?

Er wandte den Kopf unb sah zu bem treff­lichen Oelbilde seines Weibes empor, das fie als Neuvermählte darstellte.

Wie lieb hatte er sie gehabt, wie liebte er fie noch heute, fie, die ihn mehr als ein Men- fchenalter ertragen, die feine Sonderlichkeiten und Launen stets freundlich geduldet.

Er horcht plötzlich scharf auf, ist es ihm doch, als vernähme er ihren Schritt, gleich muß sie die Tür öffnen und fie wird in das Zimmer treten, um Behagen und Wohlergehen um sich zu ver­breiten. Unb hinter ihr kommt eine zweite Person, eine anmutige Mädchengestalt, so wie er sich einst sein totes Töchterchen als holde Jungfrau vorgestellt.

Wir bleiben bei Dir, Alterchen," sagte Frau Wilhelmine.Ich hab Dich lieb, Groß­vater, liebe mich ein wenig," fleht eine jugend­lich weiche Stimme.

Aber im nächsten Augenblick zerttnnt di, Erscheinung im Schleier der heißen Tränen, die die eisgraue Wimper netzt. Der Eigenstn» bäumt sich auf.

< (Fortsetzung folgt.)