mW dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Jt6 73 Kirchhain und Wetter sowie bet unserer Expedition -Martt 21. ___ . __ tnnn Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, UnwersttätSbuchdruckerei «•
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Der heutigen Nummer liegt üti Kreisblatt Nr. 24.
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Zur Reicksstnanzreform.
Wir brachten gestern noch die Nachricht, daß der konservative Führer v. Rormann eine Besprechung mtt Herrn Baffermann hatte über di« event. Gestaltung der Reichsfinanzreform. Hierzu schreibt die „Kons. Korr." tn einem Arttkel unter dem Titel „Ruhig Blut!": Die konservative Partei will ein Zustandekommen der Reichsfinanz, reform auf dem Boden der ReichSverfafsuug und Muß daher das Schwergewicht der aufzubringen, den Steuern auf die indirekte Besteuerung legen. Daneben halten wir auch eine ergLnzende Besteuerung des Besitzes auf dem Wege durch die Einzelstaaten für zulässig, wobei aber die finanzielle Selbständigkeit und Existenz der Einzelstaaten erhallen bleiben muß. Ebensowenig kann die konservative Partei einer ErbschastSbesteuerung der Kinder und Ehegatten zusttmmen. ES hat sich nun gezeigt, daß bei einzelnen tndtretten Steuern, so der Tabak- und Branntweinsteuer und den sog. Besitzsteueru unüberbrückbare Gegensätze tn den Anschauungen der Blockparteien bestehen. Deshalb mußte auf Grund eines — nicht wie die Presse irrtümlich behauptet, erst gestern, sonder« bereits vor Wochen gefaßte« — Beschlusses der Reichstagsfraktion eine offene Aussprache über die Situation erfolgen. Die ganze Lage der Sache schließt unseres Erachtens nicht auS, daß der der Blockbildung seiner Zeit zugrunde gelegte Gedanke, der gegen die einseittge Vorherrschaft irgend einer einzelnen Partei — sei e» früher de» Kentrums, so jetzt der Freisinnigen — und auf di« unbedingte Sicherstellung der nationalen Interessen gerichtet Ist, nach wie vor lebensfähig bleibt und seine gesunde Wirksamkeit da zu entfalten vermag, wo er hin gehört und wo er daS große Ganze des deutschen Vaterlandes zu fördern ge- eignet ist."
Von einer Kündigung deS Blocks ist demnach keine Rede! AndrersettS darf nicht verkannt werden, daß das Versagen deS Blocks tn der wichttgen Frage der Reichsfinanzreform diesem jede polittsche BedeuMng nimmt. Der Ernst der Lage kommt auch darin zum Ausdruck, daß Gelehrte und Staatsmänner, Persönlichkeiten der
Handels, voran der frühere Minister Freiherr v. Berlepsch, die Professoren H. Delbrück, E. Francke und G. v. Schmoller, einen Aufruf an den Reichstag gerichtet haben, in welchem der dringende Wunsch ausgesprochen wird, die Finanzreform doch endlich zum Abschluß zu bringen, da es sich um „eine Lebensfrage für Reich und Volk" handle. Auch wir möchten wünschen, daß sich noch ein Weg findet, eine beftiedigende Finanzreform zustande zu bringen.
In der Frage der Nachlatzsteuer bleibt übrigens die Regierung fest. Die „Nordd. Mgem. Ztg." bringt in ihrer heuttgen Nummer folgende Erklärung: Die Presse ergeht sich in Vermutungen über die Stellung der Verbündeten Regierungen zu der Reichsftnanzreform und den betreffenden Beschlüssen der Reichstagskommission. Hierzu bemerken wir folgendes: Die Regierungen halten daran fest, datz der Bedarf der neuen Einnahmen nicht nur durch eine Besteuerung von Genutzmitteln, die dein Massenverbrauch unterliegen, sondern auch durch eine allgemeine Belastung des Besitzes aufgebracht werde. Sie lehnen es ab, diese Besitzbelastung in der Hauptsache durch Matrikularbeiträge oder sonst in einer Weise geschehen zu lassen, welche die für die eigenen Aufgaben der Bundesstaaten unentbehrlichen Steuerquellen (Einkommensteuer und Vermögenssteuer) angreift. In einer Erweiterung der Erbschaftssteuer erblicken sie nach wie vor die zweckmäßigste Form der Besitzbelastung. Sie vertrauen darauf, daß es gelingen wird, auf der Grundlage ihres Programms in gemeinsamer Arbeit mit dem Reichstage der Finanznot des Reickes ohne Zeitverlust Abhilfe zu schaffen.
Wenn auS der in ihrer jetzigen Form durchaus zu verwerfenden Nachlatzsteuer eine Erbschaftssteuer mit der nötigen Rücksichtnahme auf den in Landwirffchast, Handel und Gewerbe fest- gelegten Besitz wird, so könnten, scheint uns, auch die konservattven Parteien mit sich reden lassen.
BerzichtleMung des serbischen Kronprinzen.
Belgrad, 25. März. Kronprinz Grorg hat, rot« wir bereits gestern durch Extrablatt mitteilten, in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten auf die Thronfolge verzichtet. Ueber die Motto« zu dem Schritt des Kronprinzen ist bekannt, daß sich der Kronprinz durch die heftigen Angriffe einiger serbischer Blätter gegen seine Person wegen des Todes seines Dieners Kolackovitsch veraittatzt sah, durch diese Verzichtleistung die Regierung jeder Rücksichtnahme gegen seine Person zu entbinden. Heute Nachmittag wird der Ministerrat über die weitere Behandlung des Kronprinzen Entscheidungen fällen.
(Der Diener Kolackovitsch war vor einiger Zeit nachts in das Spital eingeliefert worden, von Schlag- und Tretwunden entstellt, wo er nach wenigen Stunden verstarb. Die Angelegenheit
wurde sofort von der Presse aufgegriffen und behauptet, der Diener sei von dem nachts heimkehrenden Kronprinzen ohne Gründ so schwer mißhandelt worden. Die Blätter verlangten die Bestrafung des Mörders. König Peter hatte sich, wie bereits verlautete, mit der Regierung dahin geeinigt: Kronprinz Georg solle schriftlich auf die Thronfolge verzichten und auf unbestimmte Zeit ins Ausland verreisen. Gleichzeitig mit der Veröffentlich nq dieser Verzichtleistung soll gemäß der Verfassung zum Thronfolger der zweitgeborene Sohn des Königs, der am 17. Dezember 1888 geborene Prinz Alexander proklamiert werden.)
Die Balkanwirre«.
Köln, 25. März. Wie die „Köln. Zig." aus Berlin hört, trat Minister Iswolski der Auffassung bei, daß als Grundlage der schwebenden Verhandlungen die Erklärung der Mächte angesehen werden kann, daß die Einverleibung Bosniens und der Herzegowina ohne Rückhalt anerkannt und Serbien bedeutet wird, keine andere Macht dürfe daraus irgendwelchen Entschädigungsanspruch ableiten. Nachdem Rußland bedingungslos die Einverleibung Bosniens und der Herzegowina anerkannte, beraten augenblicklich die Mächte über die Serbien gegenüber anzuwendende Formel. Es ist anzunehmen, daß sich die Mächte heute noch schlüssig machen. Die Erklärung hat voraussichtlich einen solchen Charakter, daß Serbien jede Verzögerung und ein etwaiges Ausweichen auf die Konferenz unmöglich gemacht wird. Es ist zu hoffen, daß es sich bei der Vorstellung in Belgrad um eine endgültige Stellungnahme Europas handelt, die jeden Zweifel ausschließt, daß die bosnische Frage im Sinne der Einverleibung in Oesterreich-Ungarn geregelt ist.
Berlin, 25. März. Wie aus Paris gemeldet wird, erklärte die französische Regierung, sie lehne jedes Eingreifen in den österreichischserbischen Konflikt ab, selbst wenn Rußland sich zu einem militärischen Einschreiten entschließen sollte.
Bor dem Kriege?
Wien, 25. März. In hiesigen Kreisen wird die Lage als hoffnungslos angesehen, und man erwartet den Ausbruch der Feindseligkeiten jeden Tag. Doch beabsichtigt die öster- reichisch-ungattsche Regierung nicht, ein Ulti- r .tum an Serbien zu stellen, sondern will warten, bis Serbien losschlägt. An Provokationen von serbischer Seite fehlt es nicht, denn so oft sich österreichische Patrouillen am Drinaufer auch nur wenige Augenblicke in ungedeckter Stellung zeigen, werden sie angeschossen. Die Zuspitzung des serbisch-österreichischen Konfliktes ist einzig auf die Politik Iswolskis zurück- zvfilhren, der durch seine zweideutige Haltung Serbien zum Kriege mit Oesterreich ununterbrochen aufgereizt hat.
Polittsche Umschau.
Deutsch« Ansiedlungen in Westpreußea und Posen.
Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses beriet über den Etat der Ansiedlungskommission für Westpreußen und Posen und die
zugehörige Denkschrift. Im Jahre 1908 find mit etwa 14 000 Hektar erworben gegen 40 000 im Jahre 1903. Es wurde betont, daß dies nach den derzeitigen Preisverhältnissen zu billigen ist und die Preise sich in angemessenen Grenzen bewegt haben. Daß etwa in Zukunst grundsätzlich nickt von Deutschen gekauft werden solle, verneinte der Minister' man müsse aber zurückhaltend sein. Gewünscht wurde, daß man auf Domänen vorbildlich mit der Ansetzung deutscher Arbeiterfamilien vorgehe. Die Bauernsöhne aus Ost- und Westpreußen werden nach Mitteilung des Ministers in erster Linie berücksichtigt, aber doch "nur so, daß eine Mobilisierung der Bauernhöfe vermieden werde. Die Ansiedlung deutscher Arbeiter erfolgt teilweise auf den Ansiedlungsgütern, im übrigen durch Kreis- und Ansiedlungsgesellschaften, denen, wie in anderen Provinzen, eine Beihilfe von 800 «M. pro Arbeiterstelle gegeben w" .den kann. Aus Anfrage von polnischer Seite gab die Regierung Auskunft über die Zahl der Ansiedlungsgesuch« von 1904 bis 1907 und iib-r die Zahl der Erteilungen, sowie Verweigerungen der Genehmigung. Gesuche gingen ein von Polen 1533. Davon wurden 513 genehmigt, auf 1020 die Genehmigung verweigert. Von Deutschen wurde in 6263 Fällen die Ansiedlungsgenebmigung nachgesucht: in 117 von diesen wurde ,ie nicht erteilt, in 6113 gewährt. Hinfichrlich der Konfession wurde vom Minister hervorgehoben, daß die Heranziehung von Katholiken hauptsächlich Schwierigkeiten durch den polnisch katholischen Clerus finde. Nur bei einem größeren Umfang« katholischer Ortschaften sei Sickerheit vorhanden, daß das Deutschtum nicht verloren gehe. Ei« Kommissionsmitglied hob hervor, daß eine große Gefahr darin liege, daß mehr und mehr der deutsche Großgrundbesitz zerschlagen werde, dagegen der polnische Großgrundbesitz bestehen bleibe. Während 551 deutsche Güter zerschlagen seien (bei nur 183 polnischen Gütern), seien nur 2„ Nestgüter vorhanden. Es müsse eine gesunde Mischung von Groß-, mittlerem und kleinem Besitz vorhanden sein. Von den 14000 Hektar, die 1908 erworben seien, seien 88 Proz. v.H. deutsche und nur 12 v.H. polnisch. — Der Etat wurde i« Ausgabe und Einnahme genehmigt. Die Denk- scl, ist durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt.
Deutsches Reich.
— Die Mittelmeerreise des Kaiserpaares. Die Reise der Kaiserjacht „Hohenzolleru", die gestern von Kiel nach dem Mittelmeer abgegangen ist, hat eine unerwartete Verzögerung erlitten. Wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird, stieß die „Hohen- zollern" vergangene Nacht infolge dichten Nebels westlich Norderney Feuerschiff mit dem norwegischen Dampfer „Pors" zusammen, der sofort sank. Tie Mannschaft ist gerettet. Die „Hohenzollem" erlitt leichte Beschädigungen am Bug und ging zur Reparatur nach Wilhelmshaven. Soweit sich be- utteilen läßt, ist die Kaiserjacht in 24 Stunden wieder Kar. — Zur Mittelmeerreise des Kaiserpaares selbst wird den „Kieler Neuesten Nach- ttchten" gemeldet, daß die Abreise um einige Tage
12 (Nachdruck verboten.)
Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriel« v. Schlippenbach.
(ftorttetzunq.l
Wie oft hatte Wilhelmine später sei«« Stimme gehört, diese geliebt« Stimme voll unterdrückter Leidenschaft.
Die Damen fitzen sich gegenüber, leise knistert das Feuer es ist sehr traulich in dem hübschen Raum und Baronesse Drachenstatt fühlt wie immer in Hollen eine ganz eigen« Stimmung. Wie ein süßes Heimatsgefühl schleicht es über die Waise.
Sie ist mit der zweiten Tasse de» köstlichen Mokka fertig und hat dem wohlgeratenen Bab- bing alle Ehre widerfahren lassen, während ihre freundliche Wittin fast nicht» genossen hat. Es fallt Franziska auf, daß ein ganz eigener, neuer Ausdruck in dem lieben Gesicht bemerkbar ist, halb Sorge, halb Freude und plötzlich fängt das Her) der Stillbeobachtenden wild an zu klopfen, blitzschnell schießt ihr «in Gedanke durch den Sinn.
„Sollte Tante etwas von Fttedrich Johann gekört haben?"
Daß er Schulreifer war, das wußte sie, di« Kurländer hatten hin und rckieder von ihm er- öäklt wenn sie den Enterbten auf ihren Reisen im Zirkus wiedererkannt.
Nun hatte Janze den Kaffeetisch abgeräumt, die beiden Frauen sind allein. Es ist halbdäm- siierig im Zimmer, denn die Baronin hat di« hell« Lampe mit einem dunkeln, roten Schirm beschattet.
Franziska gleitet von ihrem Sessel auf da»
weiche Bärenfell, einer Jagdtrophäe, die Baron Adam von einer russischen Reise heimbrachte. Hier fitzt Fränzchen am liebsten, sie schmiegt den blonden Kopf an die Schulter der geliebten Tante, die es aber nicht dem Blute nach ist, nur dem Herzen nach.
„Wie traulich es heute wieder bei Dir ist, Tantchen," sagt die Baronesse und küßt die weiche Hand der allen Dame, die sie aus ihrer Schulter fühlt.
„Mein gute» Kind," mehr kann Frau von Rothenfeld im Augenblick nicht sagen und beide verstummen und sehen dem Spiel der Flammen im Kamin zu. Menschen, die sich gut verstehen schweigen oft; gerade in diesem Schweigen liegt mehr als in Worten, di« Herzen reden ihre Sprache, Seele neigt sich zu Seele und für solche Weihestunden scheint selbst der weichste Laut der Stimme zu hart. Endlich brach Frau von Rothenfeld das lange Schweigen.
„Fränzchen," sagt fie und ihr Arm um« schlingt die Kniende fester, „ich habe einen Brief von Fttedrich Johann bekommen."
Die schlanke Mädchengestalt schnellt elastisch empor, hoch aufgerichtet steht fie da und aus den ernsten Augen bttcht der Frühling ihrer Jugend, die alte nie vergessene Lieb«.
„Hans Leopold hat ihn in Wien gesehen, End« August, er hat mir den Bries gebracht, den ersten, seit er Hollen verließ."
Franziska hat die Hände in einander ver- schlangen, si« zittert und eine feine Röte schleicht Über Gesicht und Nacken.
„Wie geht es ihm? Ist er wohl? — Lebt — lebt seine Frau noch?"
Mühsam formen di« bebenden Lippen di« Wotte.
„Stefanie ist feit Jahren tot, bei einem Eisenbahnunglück wurde sie ihm entrissen, sie hinterließ dem Gatten eine Tochter, die ist jetzt siebenzehn und heißt Felicie, aber man nennt sie nur „Fee", wie unfern verstorbenen Heinen Liebling."
Franziska kniet abermals neben der Baronin sie sagt nichts mehr, jedes weitere Forschen erscheint ihr taktlos und auch Frau von Rothenfeld kann nicht mehr über des Sohnes Betörte, über feine heiße Bitte verraten, der Vater ihres Kindes muß ja der erste fein, der davon hört. Sie fühlt einen warmen Tropfen auf ihrer Hand, aber fie tut, als beachte fie es nicht, es dünkt ihr feine Träne, für fie ist dieses Naß köstlicher, es ist das Herblut derer, die ihren Sohn geliebt in der goldenen Maienzeit, die ihn noch immer liebt mit der Treue der reifen Frau.
Eine Stunde später blickt die Herrin von Hollen den beiden hellen Puntten nach, die in der Kastanienalle« verschwinden, e» find die Wagenlaternen aus Groß-Trosja.
„Sete, daß alles gut abläuft, mein Kind, Tagte die Mutter des Enterbten, als fie fich von Franziska von Drachenstätt verabschiedete. Es war die einzige Anspielung auf die Mitteilung am Kamin, das Gespräch war recht wenig lebhaft gewesen, aber schon bas Gefühl, sich nahe z« fein, war ihnen genug.
Und nun erwartet Frau Wilhelmine febe Minute ben Gatten zurück, es ist ber vierte Tag, feit er Hollen verließ. Eine große Ruhe ist Über sie gekommen, klar und deutlich steht ste ihren Weg, ste ist fest entschlossen, ibn zu gehen, ttotz Sturm und Wetter. Daß e» daran nicht man
geln wird, das weiß st«, aber bie Mutterliebe ist ihr Schilb im heißen Kampf.
Als sie ben heimkehrenden Jagdwagen vor bas Haus fahren sieht, geht sie in die Halle und begrüßt ihren Mann. So hat sie es feit vierzig Jahren gehalten, so tut sie es auch heul« »lebet.
„Na, Alte, da bin ich wieder!" ruft der Baron, „weiß Gott, ich bin immer glücklich, wenn ich wieder zu Hause bin und Du fehlst mit, wenn es über dreiundzwanzig Stunden ist."
Herzhaft küßt er dabei sein Minchen.
Sie weiß, daß sie noch wenigstens ein bis zwei Stunden warten muß, bis et für sie Zeit hat, erst wird die Flinte gereinigt, der Inspektor wird Bericht erstatten und die eingelau- jenen Briefe müssen durchgesehen werden.
Es ist fast vier Uhr, bevor Frau von Rothenfeld „bie Löwenhöhle" betritt; ihr Mann hat e» sich bequem gemacht unb ben warmen graue« Hausrock angezogen, er ist bei guter Laune, benn bie Jagd in Mahlen bei Reckenstein ist für ihn glänzend verlaufen, er hat eine Doublette auf Rehe gemacht, vier Füchse unb etliche Hase« erlegt. Der Inspektor hat gemeldet, daß bet erste HaferauÄrusch stattgesunden unb das Getreide gut scheffelt, der Kornhändler Abraham sei dagewesen und biete einen hohen Preis. Ja, das Hab unb Gut Hollens mehrt fich, in dem eisernen Schrank ist das Geld in gute kurisch« Pfandbrief« umgewandelt und das alles komm! der Stiftung zu gut, bie nach dem lobe bet jetzigen Besitzer in Kraft tritt, nicht bent eigene« Fleisch und Blut, da» enterbt und heimatlos ist, t (Fortsetzung folgt.)
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